Selfies als Medium der Selbstdarstellung. Schönheitideale auf Instagram


Bachelorarbeit, 2019

39 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen, Begriffserklärungen und -abgrenzungen
2.1 Identität
2.2 Jugend
2.2.1 Definitionsansatz
2.2.2 Historische Entwicklung
2.3 Social Media und die Social Media-Plattform Instagram
2.4 Selfie

3. Die Rolle der Ästhetik auf Instagram

4. Zentrale theoretische Konzepte
4.1 Jugendliche Identitätsarbeit nach Klaus Hurrelmann
4.2 Konzept der Mediensozialisation nach Daniel Süss
4.3 Selbstdarstellung nach Erving Goffman
4.3.1 Die Theatermetapher: „Wir alle spielen Theater“
4.3.2 Die Bedeutung von Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken
4.3.3 Strategien und Merkmale der Selbstdarstellung
4.3.4 Instagram als Bühne

5. Die Social Media-Plattform Instagram
5.1 Instagram als Ort der alltäglichen Identitätsbildung
5.2 Instagram als Ort der Bildung eines Schönheitsideals: ideal oder real?
5.3 Instagram als Ort der Selbstdarstellung

6. Zusammenfassung und Fazit

7. Abbildungsverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Unser gesamter Alltag ist durch die Mediennutzung geprägt, sei es im Beruf oder in der Freizeit“ (Trepte/ Reinecke, 2019, S. 13).

In unserer modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gehört die digitale Mediennutzung bei immer mehr Menschen zur alltäglichen Praxis. Digitale Medien, wie zum Beispiel Smartphones, sind ein großer Bestandteil unser aller Leben und stellen sowohl auf bewusster, als auch auf unbewusster Weise einen enormen Einfluss auf den Alltag dar.

Das ausgedehnte Feld der digitalen Medien ist in der heutigen Zeit zu einem einflussreichen Me­dium geworden, welches Menschen erreicht, verbindet und möglicherweise verändert. Durch so­ziale Netzwerke wie Instagram ist es heute jedem möglich, an jedem Ort zu jeder Zeit ein Foto aufzunehmen und dies online mit anderen Nutzern* zu teilen. So wird Social Media in der heutigen Zeit zu einem bedeutenden sozialen Umfeld.

Die Social Media-Plattform Instagram habe ungefähr 700 Millionen Nutzer (vgl. Montag, 2018, S. 25). Die Nutzergruppe, die diese Plattform priorisiert und intensiver verwendet, sei vor allem die Gruppe der Jugendlichen (vgl. Faßmann/ Moss, 2016, S. 28).

Jugendliche befinden sich in einer wichtigen Orientierungsphase des Lebens, da hier vor allem die Identitätsarbeit zentral ist. Aus diesem Grund wird heutzutage kontrovers diskutiert, ob und welchen Einfluss digitale Medien auf die jugendliche Identitätsarbeit hat und welche Rolle die da­mit verbundene Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken spielt.

In dieser Bachelorarbeit wird aufgezeigt, wie groß dieser Einfluss tatsächlich ist, wie er sich er­kennbar macht und welche Konsequenzen dies mit sich zieht. Dabei steht das Selfie beziehungs­weise das Selbstporträt und die damit verbundene Selbstdarstellung auf der Social Media-Platt­form Instagram im Vordergrund, da Selfies zu den am häufigsten geteilten Inhalten auf Instagram zählen (vgl. Yuheng et al., 2014, S. 597).

So liegt die Behauptung nahe, dass ebenfalls Instagram zu dem neuen sozialen Umfeld von Ju­gendlichen gehöre, welches sie ausschlaggebend in ihrer Identitätsarbeit beeinflusse. Dabei gelte das Selfie als Selbstdarstellung und Indikator jugendlichen Schönheitsideals.

Um diese Hypothese zu verifizieren, wird in dieser Bachelorarbeit auf Basis des Modells der rela­tiven Realitätsverarbeitung nach Klaus Hurrelmann sowie auf Basis des Konzepts der Medienso­zialisation nach Prof. Dr. Daniel Süss und der Theorie der Selbstdarstellung nach Erving Goffman die Selbstdarstellung von Jugendlichen auf der Social Media-Plattform Instagram dargestellt und analysiert. Das Hauptziel dieser Arbeit ist herauszukristallisieren, inwieweit die Social Media-Platt­form Instagram das Schönheitsideal und die damit verbundene Selbstdarstellung bei Jugendli­chen beeinflusst.

Da die fünf Begriffe Identität, Jugend, Social Media, die Social Media-Plattform Instagram und das Selfie in dieser Arbeit von großer Relevanz sind, werden diese zunächst definiert und erklärt. Danach wird die Rolle der Ästhetik auf Instagram dargestellt. Im Anschluss werden die zentralen theoretischen Konzepte von Hurrelmann, Süss und Goffman in ihren Grundzügen vorgestellt. Da­rauf aufbauend wird die Social Media-Plattform als Ort der alltäglichen Identitätsbildung, der Bil­dung eines Schönheitsideals und als Ort der Selbstdarstellung betrachtet und genauer analysiert. Zuletzt werden die Aspekte und Ergebnisse subsumiert, um darzustellen, inwieweit die Social Media-Plattform Instagram das Schönheitsideal und die damit verbundene Selbstdarstellung bei Jugendlichen beeinflusst.

2. Definitionen, Begriffserklärungen und -abgrenzungen

2.1 Identität

„Identität kann nicht als fest stehender Begriff beschrieben werden, sondern ist in Relation zu den wissenschaftlichen Diskursen zu verstehen, vor deren Hintergrund Identitätskonzepte hergeleitet und diskutiert werden“ (Wegener, 2010, S. 55). Um den umfassenden Begriff der Identität in die­sem Sinne für diese Arbeit definieren zu können, wird hier zuerst eine alltägliche Definition und anschließend die Definition nach Hurrelmann beleuchtet.

Im alltäglichen Sinne steht Identität, abgeleitet von dem lateinischen Substantiv identitas (dt. Iden­tität), für die Gesamtheit aller individuellen Eigenschaften eines Menschen, wie beispielsweise der Name, das Geschlecht, die Herkunft oder das Alter. Identität wird im Alltag als Persönlichkeit oder Charakter eines Individuums beschrieben. Der Duden definiert Identität als „Echtheit einer Person [.] [und als] völlige Übereinstimmung mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird“ (Duden-Online, o.S.) sowie „als Selbst erlebte innere Einheit [einer] Person“ (ebd.).

Identität sei nach Klaus Hurrelmann eine individuelle und einmalige Struktur von körperlichen und psychischen Merkmalen, Eigenschaften und Dispositionen eines Menschen (Hurrelmann/ Bauer, 2018, S. 97). Hurrelmann schließt mit seiner Definition die körperlichen Merkmale nicht aus; den­noch werden in dieser Arbeit nur die psychischen Aspekte der Identität betrachtet, welche jedoch einen Einfluss auf das körperliche Erscheinungsbild haben können.

In dieser Arbeit umfasst der Begriff Identität somit all die individuellen Eigenschaften eines Men­schen; vor allem aber psychische Eigenschaften, die den Charakter und Denk- und Verhaltens­weisen eines Individuums formen.

2.2 Jugend

2.2.1 Definitionsansatz

Der Duden definiert die Jugend als „Lebensabschnitt eines jungen Menschen“ (Duden-Online, o.S.) und als „Entwicklungszeit [beziehungsweise] erste Wachstumsphase eines Lebewesens von der [.] Geburt an bis zur vollen Entwicklung“ (ebd.).

Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive sind typische Merkmale von Jugend unter anderem die Geschlechtsreife und die Pubertät, die Verantwortungsübernahme in der Gesellschaft und soziale Kompetenzen für ein eigenständiges Leben (vgl. Hurrelmann, 2012, S. 26ff). Da ebendiese As­pekte variieren und von Mensch zu Mensch unterschiedliche Erscheinungsformen haben und von unterschiedlicher Dauer sind, scheint es schwierig, eine genaue Definition der Jugend aufzustel­len. Somit wird in dieser Arbeit die Jugend als ein achtjähriger Lebensabschnitt einer Person im Alter von 12 bis 19 Jahren verstanden, in dem versucht wird, eine selbstständige Lebensführung und eine eigene Identität aufzubauen.

„Die Definition einer Lebensphase hängt [.] nicht allein von den körperlichen und psychischen Persönlichkeitsmerkmalen ab, sondern auch davon, wie diese von der Gesellschaft bewertet wer­den“ (ebd., S.19). Aus diesem Grund wird im Folgenden ein Blick auf die historische Entwicklung der Lebensphase Jugend geworfen.

2.2.2 Historische Entwicklung

Die Lebensphase Jugend sei ein Lebensabschnitt, der über eine lange Zeit gesellschaftlich keine Beachtung gefunden habe (vgl. ebd., S. 16ff):

In der vorindustriellen Gesellschaft hatten Kinder und Jugendliche ähnliche Aufgaben, Beschäfti­gungen und denselben Kleidungsstil wie Erwachsene und galten somit als „kleine Erwachsene“. Ca. ab dem Jahre 1850, also in der Zeit der Industrialisierung, wurden die Lebenssphären von Kindern und Erwachsenen durch die neue Arbeitswelt der Erwachsenen getrennt. Somit fanden um 1900 in der Gesellschaft nur zwei Lebensphasen Beachtung: das Kindesalter, welches sich ungefähr über einen Zeitraum bis zum 15. Lebensjahr erstreckt habe, und daran anschließend das Erwachsenenalter, welches einen direkten Übergang in das Berufsleben und in die Familien­gründung bedeutet habe.

Die Jugendphase selbst wurde erstmals ab ca. 1950 gesellschaftlich wahrgenommen. Zu der ge­nannten Zeit teilte sich das Leben eines Menschen in vier Abschnitte, da nun zwei neue Phasen dazu gestoßen seien: Zuerst das Kindesalter (von ca. 0-14 Jahren), danach das Jugendalter (von ca. 15-18 Jahren), das Erwachsenenalter (von ca. 19-62 Jahren) und zuletzt das Seniorenalter (ab ca. 63 Jahren).

Unter anderem wurden die Schulpflicht und diverse Berufsausbildungen eingeführt, sodass sich nach und nach eine eigenständige Lebensphase entwickelte.

Ungefähr ab dem Jahre 2000 fand die Jugendphase durch den gesellschaftlichen Wandel immer mehr Beachtung und erstreckte sich über einen längeren Zeitraum; nun nicht mehr nur über drei bis vier Jahre, sondern etwa vom 11. bis zum 18. Lebensjahr eines Menschen.

So lässt sich vermuten, dass sich auch zukünftig die Jugendphase immer weiter ausdehnt und gesellschaftlich immer mehr Beachtung findet.

2.3 Social Media und die Social Media-Plattform Instagram

Um den Begriff Social Media genauer erläutern zu können, wird zuerst eine grundsätzliche Unter­scheidung zwischen den klassischen und neuen Medien aufgeführt: Zu den klassischen Medien zählen Funkmedien wie das Radio oder das Fernsehen, Druck- und Pressemedien wie die Zei­tung oder das Buch sowie Bild- und Tonträgermedien wie Filme oder CDs. Zu den neuen Medien zählen alle Medien, welche computervermittelt sind, wie E-Mails, SMS oder soziale Netzwerke.

Social Media ist die „Gesamtheit der digitalen Technologien und Medien wie Weblogs, Wikis, so­ziale Netzwerke u.Ä., über die Nutzerinnen und Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen können“ (Duden-Online, o.S.). Das primäre Ziel sozialer Netzwerke beziehungs­weise von Social Media ist somit die Vernetzung von Personen und Inhalten.

Social Media bedeutet im Allgemeinen, dass Menschen, die in irgendeiner Art und Weise in Be­ziehung zueinander stehen, Inhalte teilen, (sich) informieren und kommunizieren. Social Media­Plattformen wie Instagram seien in anderen Worten Werkzeuge von Social Media, um Kommuni­kation herzustellen und Beziehungen aufzubauen (vgl. Grabs et al., 2014, S.27f).

Das Unternehmen selbst beschreibt die Applikation Instagram als eine kostenlose Möglichkeit, das eigene Leben mit anderen zu teilen und selbst auf dem Laufenden zu bleiben (vgl. Faßmann/ Moss, 2016, S.13).

Auf der Social Media-Plattform Instagram kann sich jedes Individuum bei Bedarf ein steckbriefar­tiges Profil mit Texten, Fotos und Videos erstellen. Außerdem können sich Nutzer untereinander mithilfe eines Pseudonyms (ein selbstgewählter Benutzername) suchen und sowohl privat als auch öffentlich durch Versenden von Nachrichten oder durch Kommentieren eines öffentlichen Inhalts miteinander kommunizieren.

Voraussetzung dafür ist ein internetfähiges Mediengerät, über welches man beispielsweise durch eine Applikation Zugang zu Instagram hat. Um sich bei dieser Plattform anzumelden, muss man eine gültige E-Mail-Adresse und einen selbstgewählten Nutzernamen angeben.

Die Nutzerschaft von Instagram sei sehr heterogen. „Neben Userinnen und Usern aus der allge­meinen Bevölkerung sind es auch Politiker, Popstars oder Unternehmen, die sich über die Platt­form präsentieren, vernetzen oder auch vermarkten“ (Schreiber/ Kramer, 2016, S. 89).

Darüber hinaus ist der weltweit jährlich steigende Nutzerzuwachs zu beachten (vgl. Faßmann/ Moss, 2016, S. 20), wodurch Instagram sich immer mehr verbreitet und somit immer größere Felder abdeckt.

Öffnet man die Plattform (siehe Abbildungsverzeichnis: Abbildung 1), so sieht man zuerst unter der Kategorie des Home-Buttons, bereits geteilte Bilder oder Videos von Personen oder Seiten, welche vorher abonniert wurden. Diese Inhalte können durch einen Doppelklick mit einer „Gefällt mir“-Angabe markiert werden sowie mit einem individuellen Beitrag kommentiert werden.

Neben dem Home-Button zeigt sich die Suchfunktion, mit deren Hilfe man andere Nutzer, Seiten, Orte oder sogenannte Hashtags, also durch eine Raute hinzugefügte Verlinkungen, suchen und finden kann. Außerdem werden hier beliebte Fotos oder Videos, welche aktuell von vielen „Gefällt mir“-Angaben versehen wurden, angezeigt.

In der Mitte ist ein Button mit einem Pluszeichen zu sehen, welcher es einem ermöglicht, eigene Fotos oder Videos auf Instagram zu teilen. Dies stellt somit den Kern der fotozentrierten Plattform dar. An dieser Stelle bietet Instagram auch die Möglichkeit, die Fotos oder Videos individuell mit Blick auf die Helligkeit, die Farbe oder die Sättigung zu bearbeiten (vgl. Schreiber/ Kramer, 2016, S. 89). Durch dieses von Instagram bereits integrierte Bearbeitungsprogramm ist es den Nutzern möglich, ihre Fotos und Videos nach ihren eigenen Idealvorstellungen zu verändern und zu bear­beiten.

Außerdem kann eine Bildunterschrift mit den bereits erwähnten Hashtags hinzugefügt werden. Andere Personen können auf dem geteilten Inhalt markiert oder spezifische Orte angegeben wer­den. Allerdings dürfe der Beschreibungstext maximal 2.200 Zeichen lang sein und maximal 30 Hashtags beinhalten, da Instagram sich klar auf Bild- oder Videoinhalte fokussiere (vgl. Faßmann/ Moss, 2016, S.14).

Der Herz-Button steht für die Aktivitäten und Interaktionen innerhalb des sozialen Netzwerkes. Hier ist es einerseits möglich, die Aktivitäten wie beispielsweise „Gefällt mir“-Angaben der anderen abonnierten Nutzer zu verfolgen. Andererseits werden hier alle Neuigkeiten angezeigt, die das eigene Profil und die eigenen Inhalte betreffen, wie neue „Gefällt mir“-Angaben oder Kommentare auf eigenen Fotos oder Videos.

Auf dem Personen-Button (ganz rechts) wird das eigene Profil mit der eigenen individuellen Be­schreibung und den eigenen geteilten Inhalten angezeigt. Es werden genaue Angaben über die Anzahl der geteilten Inhalte, der eigenen Abonnenten und der abonnierten Profile oder Seiten gemacht. Außerdem werden Fotos und Videos angezeigt, auf welchen das eigene Profil von an­deren Nutzern markiert wurde.

Das eigene Profil ist öffentlich sichtbar, lässt sich jedoch unter der Option „Einstellungen“ auf privat stellen, sodass das eigene Profil erst nach Bestätigung einer Abonnenten-Anfrage sichtbar wird. Private Profile sind ausschließlich für den Nutzer selbst und die von ihm zugelassenen Personen sichtbar.

[...]


* Personenbezeichnende Substantive werden in dieser Arbeit in der maskulinen Form genannt, um einen mühelosen Lesefluss zu gewährleisten. Damit sind jedoch alle Geschlechtsidentitäten (m/ w/ d) gemeint.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Selfies als Medium der Selbstdarstellung. Schönheitideale auf Instagram
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
39
Katalognummer
V1103879
ISBN (eBook)
9783346481009
ISBN (Buch)
9783346481016
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Instagram, Selfie, Identität, Jugendliche, Entwicklung, Schönheit, Schönheitsideal, Ideal
Arbeit zitieren
Allegra Goltz (Autor:in), 2019, Selfies als Medium der Selbstdarstellung. Schönheitideale auf Instagram, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1103879

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Selfies als Medium der Selbstdarstellung. Schönheitideale auf Instagram



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden