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Henrik Ibsens "Gengangere". Eine interdiskursive Analyse

Title: Henrik Ibsens "Gengangere". Eine interdiskursive Analyse

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tobias Ohnewald (Author)

Scandinavian Languages
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Summary Excerpt Details

Krisen der Männlichkeit – interdiskursiv war das Seminar betitelt, in dessen Rahmen diese
Arbeit entstanden ist. Sowohl an Hand literarischer als auch naturwissenschaftlicher Texte
sollte das Schreiben als und über bürgerliche männliche Subjekte in den Jahrzehnten um das
19. Jahrhundert in einen Diskurs der Krise eingelesen werden. Eine oft benannte Krise der
Moderne erscheint in diesem Zusammenhang als Krise von Männlichkeiten.
Entscheidend für die Auflösung des Selbstverständnisses der Formel männlich gleich allgemeinmenschlich
und damit auch ausschlaggebend für die Wahrnehmung von verschiedenen
Männlichkeitskonzepten in der Krise, waren in Skandinavien und Europa des ausgehenden
19. Jahrhundert nicht zuletzt die neuen Erkenntnisse und Postulate der Naturwissenschaften
und ihre zunehmende Bedeutung als Leitwissenschaften. Medizin, Biologie und Mathematik
nahmen sich gesellschaftlicher Fragen an und verdrängten mitunter Literatur in ihrer Rolle als
Darstellerin, Analytikerin und Vordenkerin gesellschaftlicher Zustände und Utopien.
Die Frage an das Seminar, wie sich literarischer und naturwissenschaftlicher Diskurs gegenseitig
beeinflussten und bedingten, zeigt sich als interdiskursiver Analyseansatz äußerst
fruchtbar. Im Folgenden werde ich daher den Versuch unternehmen, exemplarisch Ansätze
vor allem medizinischer aber auch biologischer Diskurse zu benennen und in Beziehung zu
Henrik Ibsens Drama Gengangere zu stellen. So entwickle ich Lesarten des Dramas, die auf
einen Diskurs krisenhafter Männlichkeit und allgemeiner, einer Krise der Moderne verweisen.
Henrik Ibsen bedient sich in diesem Drama eines neuen, medizinischen Wissens über Syphilis,
um Osvald als Mann und Mensch der Moderne krisenbehaftet erscheinen zu lassen. Der
Schwerpunkt dieser Arbeit soll daher auf der Analyse der Darstellung der Geschlechtskrankheit
des Protagonisten Osvald und die damit verbundene Bedeutung für seine Geschlechtsidentität
liegen.
Henrik Ibsen als Autor und sein Drama Gengangere bieten sich in mehrfacher Hinsicht zur
Analyse unter den genannten Fragestellungen an.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Naturalistische Ideen in Gengangere

1.1 Stilmittel

1.2 Egalisierung

1.3 Mimesis und Naturwissenschaft

2. Analyse

2.1 Zum Krisenbegriff

2.2 Kranker Mann

2.2.1 Syphilis

2.2.2 Retrospektive

2.3 Kulturkrise

2.3.1 Der Autor als Krisensubjekt

2.3.2 Determination und Vererbung

2.3.3 Regine

2.4 Mutterbindung und Vaterverlust

2.4.1 Helene Alving

2.4.2 Mutterliebe und Vatermord?

2.5 Masturbation

2.6 Bisexualität

3. Fazit und abschließende Bemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Darstellung und Konstruktion krisenhafter männlicher Identität in Henrik Ibsens Drama "Gengangere" vor dem Hintergrund des interdiskursiven Austauschs zwischen Literatur und Naturwissenschaften im ausgehenden 19. Jahrhundert.

  • Die Auflösung bürgerlicher Männlichkeitskonzepte durch naturalistische und medizinische Diskurse.
  • Die Rolle der Syphilis und der Vererbungsfrage für die Konstitution des krisenhaften Subjekts.
  • Die Funktion weiblicher Figuren als moralischer Gegenpol und zugleich als subversive Kraft.
  • Die Verknüpfung von Krankheits-, Masturbations- und Sexualitätsdiskursen bei der Darstellung des Protagonisten Osvald.

Auszug aus dem Buch

2.5 Masturbation

Ibsen verknüpft m.E. Krankheits- und Krisendiskurs mit einem schon seit dem 18. Jahrhundert laufenden Diskurs um Masturbation. Vor allem der norwegische Theologe Frederik Klaveness wird Ende des 19. Jahrhunderts in Skandinavien rezipiert. In seiner 1888 veröffentlichten Vorlesung Befrielsen fra den første ungdoms-usædelighed og dens følger, under physisk-ethisk kjønsforstaaelse schreibt der norwegische Theologe ausführlich über die körperlichen Folgen und Ursachen der Onanie. Er betont unter anderem Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Angstzustände, Muskelschwäche, Wahnsinn und religiösen Zweifel als Masturbations-Symptome.

Aber auch George Drysdale schreibt in seiner in Skandinavien 1879 erschienenen und populären Abhandlung „die Grundzüge der Gesellschaftswissenschaft“ unter anderem über die Gefahren der Masturbation. Über die Folgen von Masturbation bei jungen Männern lässt er sich wie folgt aus: „Unfähigkeit zum Studiren (sic) oder zu irgend einer geistigen Anstrengung, nimmt allmählich überhand, und kann in extremen Fällen bis zum Blödsinn fortschreiten“.

Die Beschreibung der Wirkung von Onanie ist sehr nahe an den Beobachtungen Fourniers zur Syphilis. Hier trifft das im Drama von Osvald verkörperte Krankheitsbild der Syphilis auf einen Onanie-Diskurs, der Masturbation pathologisiert und mit nahezu dem selben Krankheitsverlauf beschreibt. Auch Osvald ist nicht mehr zu geistiger Anstrengung fähig: „al min kraft var som lamslåt; jeg kunde ikke samle mig til faste forestillinger“ (105) und schließlich fällt er am Ende des Dramas ins Delirium.

Ibsen verfolgt diesen Diskurs weiter und lässt Osvald die Ursache seiner Geschlechtskrankheit in „dette jublende lyksalige ungedomsliv med kameratene“ (105) finden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema der männlichen Identitätskrise der Moderne und den interdiskursiven Analyseansatz unter Einbeziehung naturwissenschaftlicher Diskurse.

1. Naturalistische Ideen in Gengangere: Untersuchung der naturalistischen Stilmittel und der Forderung nach einer wissenschaftlich-positivistischen Wirklichkeitsabbildung im Drama.

2. Analyse: Umfassende Untersuchung der Krisenkonstitution des Protagonisten Osvald durch medizinische, biologische und gesellschaftliche Diskursstränge.

3. Fazit und abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Fragmentierung männlicher Identität und Ausblick auf weitere Forschungspotenziale.

Schlüsselwörter

Gengangere, Henrik Ibsen, Männlichkeitskrise, Naturalismus, Syphilis, Identität, Geschlechterdifferenz, Vererbung, Kulturkrise, Masturbation, Bisexualität, Interdiskursivität, Moderne, Determinismus, Weiblichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Henrik Ibsens Drama "Gengangere" im Hinblick darauf, wie zeitgenössische naturwissenschaftliche Diskurse ein Bild krisenhafter männlicher Identität im 19. Jahrhundert konstruieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Interaktion von Literatur und Medizin, das Verständnis von Krankheit als erbliches oder moralisches Schicksal sowie die Frage nach dem Zerfall tradierter Männlichkeitsvorstellungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Ibsen medizinische Erkenntnisse über Syphilis und Theorien zur Vererbung nutzt, um Osvald als ein von Autonomieverlust und psychischer Krise gezeichnetes Subjekt darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen interdiskursiven Analyseansatz, der literarische Texte mit medizinischen, biologischen und sozialwissenschaftlichen Diskursen des 19. Jahrhunderts parallelisiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse naturalistischer Stilmittel, die Untersuchung des Krankheitsverlaufs von Osvald sowie die Betrachtung von Themen wie Kulturkrise, Vaterverlust, Mutterbindung, Onanie und Bisexualität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Männlichkeitskrise, Naturalismus, Syphilis, Interdiskursivität, Identitätsfragmentierung und Geschlechterdifferenz charakterisieren.

Wie deutet der Autor die Figur der Helene Alving?

Helene Alving wird als ambivalente Figur gesehen, die einerseits als moralischer Gegenentwurf zur krisenhaften Männerwelt dient, andererseits durch ihre Stärke und Emanzipation zur Verunsicherung und Feminisierung der männlichen Position beiträgt.

Welche Rolle spielt die "Pfeife" im Drama laut der Analyse?

Die Pfeife wird als phallisches Machtsymbol interpretiert, durch dessen Gebrauch der Sohn versucht, das väterliche Erbe anzutreten, was jedoch aufgrund der durch den Vater übertragenen Krankheit und der damit verbundenen Krisenhaftigkeit scheitert.

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Details

Title
Henrik Ibsens "Gengangere". Eine interdiskursive Analyse
College
Humboldt-University of Berlin
Course
Hauptseminar "Krisen der Männlichkeit - interdiskursiv"
Grade
1,0
Author
Tobias Ohnewald (Author)
Publication Year
2006
Pages
33
Catalog Number
V110429
ISBN (eBook)
9783640085996
ISBN (Book)
9783640342259
Language
German
Tags
Henrik Gengangere Interdiskursive Analyse Hauptseminar Krisen Männlichkeit Ipsen gender diskursanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Ohnewald (Author), 2006, Henrik Ibsens "Gengangere". Eine interdiskursive Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110429
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