Die Staufer - Ursprung und Aufstieg eines Herrschergeschlechts


Seminararbeit, 2002

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Ursprung der Staufer, Herzogserhebung und Salierzeit
2.1. Woher weiß man von den Staufern?
2.2. Hausgut und Familienbesitz
2.3. Der Sachsenaufstand: Die Ursache der Herzogserhebung der Staufer
2.4. Die Herzogserhebung der Staufer durch Heinrich IV
2.5. Die Staufer als schwäbisches Herzogsgeschlecht während der Salierzeit

3. Die Staufer und Lothar III
3.1. Die Wahl Lothars
3.2. Das staufische Gegenkönigtum

4. Der erste staufische König Konrad III
4.1. Die Wahl Konrads
4.2. Regierungsjahre Konrads
4.3. Konrads Tod und Friedrich III. / I. Barbarossa

5. Zusammenfassung

6. Anhang

7. Quellen und Literaturverzeichnis
7.1. Quellenverzeichnis
7.2. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Es sind in der Tat eindrucksvolle Spuren, die dieses begabteste unter den deutschen Herrschergeschlechtern, wo immer seine Häupter und seine Anhänger in Erscheinung getreten sind, hinterlassen hat. Sie bereichern noch unsere Gegenwart. Man denke nur an die stolzen Kaiserdome in Mainz, Worms und Speyer, die unter den Staufern ihre große Form gefunden haben, [...] und an viele andere Plätze [...] auch in Italien und Sizilien,[...]. Ferner Werke der Goldschmiedekunst, [...] die Fülle kostbarer Handschriften, [...] auch die mittelalterliche Stadt im engeren Sinne, die Stadtgemeinde, geht auf die Stauferzeit zurück. [...] Kurzum: die Hinterlassenschaft der Staufer umgreift praktisch alle Bereiche des öffentlichen Lebens und bezeugt, daß dieses mit ihnen auf eine höhere Stufe in unserer geschichtlichen Entwicklung gehoben worden ist“[1].

Dieses wahrhaftig lange, aber eindrucksvolle Zitat Josef Fleckensteins Festtagsrede läßt wohl kaum Zweifel am Forschungsbedarf in diesem Bereich. Das Thema in dieser Arbeit befaßt sich damit, festzustellen, wie die Staufer zum „begabtesten unter den deutschen Herrschergeschlechtern“[2] wurden, also ein Augenmerk auf ihren Ursprung und Aufstieg zu legen.

Ein Zeitgenosse staufischer Kultur war der Chronist und Bischof Otto von Freising, der als wichtiges „staufisches Zentrum der Historiographie“[3] gilt. Er wurde etwa um 1111 als Halbbruder der Staufer Konrad und Friedrich, als Sohn der Tochter Heinrichs IV. in ihrer zweiten Ehe mit Leopold IV. geboren. Er studierte auf der Universität in Paris, war später Zisterziensermönch, danach Abt, wurde 1138 zum Bistum in Freising berufen und starb 1158[4]. „Otto war als philosophisch durchgebildeter Gelehrter, ruhiger Beobachter, praktisch an der Zeitgeschichte beteiligter Reichsbischof und nächster Verwandter der Staufer in seltenem Maße zur Geschichtsschreibung befähigt“[5].

Die Quellenbasis wird sich deshalb hauptsächlich auf Otto von Freisings „Gesta Frederici“ stützen, wobei sein früheres Werk die „Chronica“ als faktischer Rückhalt dienen soll. Denn trotz des selben Autors unterscheiden sich die Quellen in einem wichtigen Punkt: in ihrer Intention. In seiner Chronik versucht Otto die Fakten unverfälscht und chronologisch vor dem Hintergrund des allgemein erwarteten Weltendes darzustellen. Nicht so pessimistisch, gar fröhlich und heilsgeschichtlich erfahren dieselben Einzelberichte in den Gesta Umfärbungen, Verdrehungen, Weglassungen, Über- und Untertreibungen. So kann ein kritischer Quellenumgang nur mit Hilfe beider Werke gewährleistet werden.

Trotzdem wird sich die Arbeit auch in ihrem chronolgischen Verlauf und den Aufzählungen kongruent zu denen der Gesta verhalten, um den Aufstieg der Staufer vom Ursprung über die Herzogserhebung bis zur Designation Barbarossas durch König Konrad III. zu dokumentieren. Nach eigenem Verständnis und um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen endet der hier untersuchte Aufstieg, kurz vor dem Höhepunkt, mit dem Beginn der Amtszeit Freidrich I. Barbarossas.

Um den heutigen Forschungsstand zu berücksichtigen, wird dabei ältere Sekundärliteratur, sowie neuere verwendet. Die Verwendung älterer Literatur ist wegen der Differenzen im Geschichtsbild der Staufer zu Neuerer , z.B. bei Hampes Bewertung der Amtszeit Konrads III. im Vergleich zu Engels Ansichten, interessant. Zur älteren Literatur zählen Karl Hampe, Josef Fleckenstein, Johannes Lehmann[6] und Hansmartin Schwarzmaier[7]. Zur Auswahl neuerer Literatur gehören hauptsächlich Odilo Engels Werke „die Staufer“[8] und „Stauferstudien“[9], an denen ich mich schon zur Vorbereitung orientiert habe. Zusätzlich dienen zur Vereinfachung der chronologischen und tabellarischen Einordnung verschiedene Nachschlagewerke, wie „der große Ploetz“ , „das Taschenlexikon Staufer“ und „das Lexikon des Mittelalters“.

2.Ursprung der Staufer, Herzogserhebung und Salierzeit

2.1. Woher weiß man von den Staufern?

„Man kann es wenden wie man will: die Herkunft der Staufer ist ein ungelöstes Problem geblieben“[10], auch in epochennahen Quellen wie den „Gesta Frederici“ wird erst zwischen 1065 und 1075 mit dem Schwabenherzog Friedrich I. begonnen, wobei die Familie der Staufer ihren Ursprung „aus den vornehmsten Grafenfamilien Schwabens“[11] haben soll.

Der Beginn dieses Geschlechts scheint sogar in der heutigen Forschung noch ungesichert,

selbst im Lexikon des Mittelalters steht unter der Rubrik ‘Herkunft und Name‘ der Staufer lediglich: „Wenig Konkretes ist vom Geschlecht bekannt, bevor Heinrich IV. 1079 dem Staufer Friedrich [...] das Schwabenherzogtum auftrug“[12], somit wird auch hier mit dem ersten staufischen Schwabenherzog begonnen.

Odilo Engels schreibt in seinem Werk „die Staufer“ über die einzige Quelle der ersten Staufer: „Nur durch einen Zufall haben wir Kenntnis von den ersten Staufern. Als Friedrich Barbarossa seine Ehe mit Adela von Vohburg lösen wollte und an der Kurie einen Eheprozeß mit der Begründung anstrengte, mit seiner Frau zu nahe verwandt zu sein, mußte er die Reihe seiner Ahnen soweit zurückverfolgen, wie es die Prozeßmaterie erforderte“[13]. Der driftigste Grund für die Lösung der Ehe war mutmaßlich die Aussicht, in Fortführung der Politik seines Onkels Konrads III.[14], eine Ehe mit einer byzantinischen Prinzessin einzugehen[15], außerdem „ [...] geben viele Quellen einen Ehebruch Adelas als Begründung an“[16].

Vor der zweiten Hälfte des 10.Jahrhunderts bleibt der Stammbaum jedoch „im ungesicherten Stadium tastender genealogischer Kombinationen“[17]. Die Stammtafel[18] von Johannes Lehmann zur Ahnenreihe der Staufer beginnt mit dem ersten Friedrich ,“[...] der etwa zwischen 1000 und 1050 gelebt haben muß, [von ihm] wissen wir allerdings nur den Namen“[19]. Auf der von Odilo Engels angelegten Stammtafel[20] beginnt die Ahnenreihe mit „Friedrich, filius Friderici (+ ca. 1070/1075)“ der 1030 Graf in Riesgau und wahrscheinlich ab 1053 Pfalzgraf in Schwaben war. Dessen Vater, Friedrich Barbarossas dreifacher Urgroßvater, der ebenfalls ein Friedrich wie alle anderen Glieder dieser Generationenkette war, hatte eine Schwester. Aus der Nachkommenschaft der Ehe dieser Schwester mit einem Grafen Berthold im Breisgau sollte einige Generationen später Adela von Vohburg, die Frau Barbarossas, hervorgehen[21].

2.2. Hausgut und Familienbesitz

Die Besitzungen der Staufer vor der Herzogserhebung waren nicht sehr umfangreich: Wäschenbeuren , der Umkreis um die Burg Lorch (Remstal) mit einer Stiftskirche, die als Grablege der Familie fungierte, die Stammburg Stauf auf dem Hohenstaufen[22]. Hansmartin Schwarzmaier hat in seinem Werk „die Heimat der Staufer“ hiervon eine Karte angelegt, die auch in dieser Arbeit im Anhang (Abb. 2) zu finden ist. Hinzu kamen jene Güter im Elsaß, welche die Mutter Hildegard des ersten Schwabenherzog Friedrichs mit in die Ehe brachte[23].

Friedrich von Büren und auch sein Sohn hatten also für adelige Verhältnisse wenig Besitz, trotzdem war aber eine Ehe mit Hildegard von Egisheim möglich, eine der vornehmsten Damen des Reiches[24],– Er konnte also nicht wirklich nur ein „Krautjunker“ gewesen sein[25].

Fest steht aber: „Die Machtposition der Staufer war jedenfalls nicht so stark, daß ihnen 1079 schon deshalb die schwäbische Herzogsgewalt zugefallen wäre“[26].

2.3. Der Sachsenaufstand: Die Ursache der Herzogserhebung der Staufer

Wie bereits mehrfach erwähnt war der Staufer Friedrich I. seit 1069 Graf in Schwaben und der Salier Heinrich IV. seit 1053 deutscher König[27]. Otto von Freising berichtet in beiden Werken (Gesta Frederici und Chronica) von einem Sachsenaufstand zu dieser Zeit (1073), welcher der Ursprung für die Belehnung der Staufer mit Schwaben werden sollte:

„Circa idem tempus Saxonum gens inquietissima more suo principi rebellans castrum quoddam Harzeburc dictum, ob eiusdem gentis obpugnationem ab imperatore in ingressu province in loco munitissimo fundatum, cum ecclisia pariter, in qua congregatio canonicorum fuit, funditus delevit“[28].

„Ea tempestate Saxones conceptam diu corde miliciam amplius celare non valentes manifeste regi rebellant castellque ac munitiones, quas ibidem fecerat, dissipant“[29].

Als Grund für diesen Aufstand nennt Otto von Freising nicht in erster Linie die Unzuverlässigkeit und unbegründete Feindseligkeit der Sachsen, sondern den Mutwillen des Königs:

„[...] non tantum ex predicte gentis instabilitate, sed ex principis lascivia ortum sumpserat“[30].

[...]


[1] Josef Fleckenstein: Das Bild der Staufer in der Geschichte. Bemerkungen über Möglichkeiten und Grenzen nationaler Geschichtsbetrachtung; für Professor Gerhard Joppich zum 80. Geburtstag. Göttingen 1984, S. 6 f.

[2] Ebd.

[3] Hampe, Karl: Deutsche Kaisergeschichte in der Zeit der Salier und Staufer. 12. Aufl., bearb. von Freidrich Baethingen, Heidelberg 1968, S. 105.

[4] Vgl. Bedürftig, Friedmann: Taschenlexikon Staufer. Piper, München, Zürich 2000, S. 171 f.

[5] Hampe: Kaisergechichte... S. 105.

[6] Lehmann, Johannes: Die Staufer. Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts. München 1985.

[7] Schwarzmaier, Hansmartin: Die Heimat der Staufer. Bilder und Dokumente aus einhundert Jahren staufischer Geschichte in Südwestdeutschland. 2. Aufl., Sigmaringen 1977

[8] Engels, Odilo: Die Staufer. 7., verb. Und erg. Aufl., Stuttgart u.a. 1998.

[9] Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12.Jh.; Festgabe zu seinem 60. Geburtstag. Hrsg. Von Erich Meuthen und Stefan Weinfurter. Sigmaringen 1988.

[10] Schwarzmaier: Die Heimat der Staufer...S. 16.

[11] Vgl. Gesta Frederici. I, 8, S. 144.

[12] LMA VIII S. 76.

[13] Engels: Die Staufer... S. 9.

[14] Ebd. S. 46 f.

[15] Vgl. Bedürftig: Taschenlexikon Staufer... S. 9.

[16] Engels: Die Staufer... S. 46 f.

[17] Engels: Die Staufer... S. 9.

[18] Siehe Anhang: Abbildung 2 ;

[19] Lehmann: die Staufer... S. 13.

[20] Engels: Die Staufer... nach S. 244.

[21] Vgl. Ebd. S. 9.

[22] Vgl. LMA VII S. 76. und Ebd. S. 10.

[23] Vgl. Schwarzmaier: Die Heimat der Staufer... S. 18; Engels: Die Staufer,... S. 10.

[24] u.a. war auch Papst Leo IX. ein naher Verwandter von ihr ; Ebd.

[25] Vgl. Ebd.

[26] Ebd. S.10.

[27] Heinrich der IV. war 1053 erst drei Jahre alt; er stand zunächst in der Obhut seiner Mutter Kaiserin Agnes; erst 1065 übernimmt er persönlich die Regierung.

[28] Bischof Otto von Freising und Rahewin: die Taten Friedrichs, oder richtiger: Cronica. In: Rudolf Buchner (Hg.): Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe Bd. XVIIDarmstadt 1965, Gesta Frederici I, 4. S. 126.

[29] Chronica VI, 34, S. 488.

[30] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Staufer - Ursprung und Aufstieg eines Herrschergeschlechts
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (MAG)
Veranstaltung
Friedrich I. Barbarossa
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V11046
ISBN (eBook)
9783638173148
ISBN (Buch)
9783640737925
Dateigröße
832 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Quellennahes Arbeiten (Otto von Freising: Gesta friderici, Chronica), reiche Sekundärliteratur, kritischer Einbezug des Forschungstandes heute und vor 50 Jahren
Schlagworte
Staufer, Welfen, 12. Jh., Mittelalter, Barbarossa, Friedrich, Otto von Freising
Arbeit zitieren
Thomas Oliver Schindler (Autor), 2002, Die Staufer - Ursprung und Aufstieg eines Herrschergeschlechts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11046

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