Inhalt, Nutzung und Bewertung der SED-Bezirkspresse in der DDR


Seminararbeit, 2003
28 Seiten, Note: sehr gut

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Daten zur Nutzung der SED-Presse
2.1. Definition SED-Presse
2.2. Umgang mit Quellen
2.2.1. Leserschaftsforschung in der DDR
2.2.2. Institut für Meinungsforschung in der DDR
2.2.3. Repräsentativität der Ergebnisse
2.3. Nutzung der SED-Presse in Zahlen

3. Strategien der SED - Inhalte der SED-Presse
3.1. Politische Vorgaben
3.1.1. 3. Pressekonferenz des ZK der SED 1959
3.1.2. X. Parteitag der der SED 1981
3.2. Inhalte der Bezirkszeitungen
3.2.1. Sprache als Politik
3.3. Erwartungen der Leser

4. Bewertung der Inhalte der Bezirkszeitungen
4.1. Bewertungskriterien
4.1.1. Glaubwürdigkeit
4.2. Kontext
4.3. Bewertung von „außen“
4.4. Bewertung von „innen“
4.4.1. Bewertung gesellschaflicher Zustände
4.4.2. Bewertung der Inhalte der SED-Presse

5. Gründe für die Nutzung
5.1 Bedürfnistypologie nach Mac Quail
5.1.1. Bedürfnis nach Information
5.1.2. Bedürfnis nach Unterhaltung
5.1.3. Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion
5.1.4. Bedürfnis nach persönlicher Identität

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abkürzungen

1. Einleitung

Bezirkszeitungen nahmen in der ehemaligen DDR einen stabilen Platz im Alltag der Bevölkerung ein. Bereits 1959 erhielt jeder Haushalt täglich eine der 39 verschiedenen Zeitungen überwiegend im Abonnement und mit der Entwicklung der DDR stiegen die Auflagenzahlen kontinuierlich. Beispielsweise nahm die DDR im internationalen Vergleich 1988 mit 550 Tageszeitungen auf je 1000 Einwohner den zweiten Rang nach Japan ein.

Auf den ersten Blick beeindrucken diese Zahlen. War der DDR-Bürger nun ein übereifriger, systemkonformer Leser, der seine Bedürfnisse nach Information und Unterhaltung voll und ganz durch seine bewusst ausgewählte Tageszeitung befriedigt sah? Oder war er vielmehr ein viel besagter „Mitläufer“, der durch gesellschaftliche Umstände irgendeine Tageszeitung abonnierte ohne besonderes Interesse an den Inhalten - ausschließlich auf der Suche nach Ruhe vor dem System? Ziel dieser Arbeit soll es also sein, herauszufinden, worin die Gründe für derartig hohe Auflagenzahlen lagen.

Zunächst wird dargestellt, in welchem Umfang die SED-Presse publiziert wurde, hier wird unter anderem ein kurzer Einblick in die Leserschafts- und Meinungsforschung der DDR gegeben. Darüber hinaus wird dargestellt, welche Strategien zunächst unter der Führung Ulbrichts und dann unter der Honeckers die Inhalte der Zeitungen prägten. In einem nächsten Schritt werden die Inhalte der Bezirkszeitungen und die Erwartungen der Leser dargestellt. Die Ausarbeitung zur sprachlichen Darstellung soll nur als Exkurs verstanden werden. Die verschiedenen Bewertungen durch Leser in Ost- und Westdeutschland werden dann in einem nächsten Schritt zusammengetragen. Letztlich versucht diese Arbeit die Gründe für die Nutzung mittels der Bedürfnistypologie nach Mac Quail zu klären. Um die eigentliche Fragestellung nicht aus den Augen zu verlieren wird ‚zwischen den Zeilen’ versucht, ein Bild des sozialistischen Systems, dessen Wirkungsweise sowie der Lebensweise der DDR-Bevölkerung zu vermitteln.

2. Daten zur Nutzung der SED-Presse

2.1. Definition SED-Presse

Als SED-Presse werden nachfolgend die vierzehn Bezirkszeitungen als Organe der jeweiligen Bezirksleitungen der SED verstanden. Das Zentralorgan der SED, das „Neue Deutschland“ („ND“), wird nur teilweise hinzugezogen. Die Tageszeitungen der Blockparteien CDU, LDPD, NDPD, DBD, der Massenorganisationen FDJ und FDGB, das Sportecho sowie als auflagenschwächstes Blatt eine in sorbisch erscheinende Tageszeitung sind nicht Gegenstand der Ausarbeitung.

2.2. Umgang mit Quellen

Um ein möglichst realistisches Bild vom Medienverhalten der DDR-Gesellschaft zu erhalten, sind neben den Primärquellen wie Ergebnissen von Leserschafts- und Meinungsforschung, Sekundärquellen zu verwenden. Diese Quellen, wie z.B. Gesetze, Leserbriefe, Chroniken, Wörterbücher und Publikationen sind notwendig, um Zeitverläufe und Entwicklungen zu verfolgen. Sie müssen system-immanent-kritisch analysiert werden, was bedeutet, dass die gesellschaftspolitischen Hintergründe bei der Bewertung der Daten berücksichtigt werden müssen.

2.2.1. Leserschaftsforschung in der DDR

Grundsätzlich ist zu beachten, dass es in der DDR keine repräsentative, veröffentlichte Leserschafts- und Meinungsforschung gab. Anfangs führten Tageszeitungen Umfragen bei ihren Lesern durch, deren Ergebnisse teilweise auch veröffentlicht wurden. Empirische Untersuchungen mittels Umfragen wurden ab 1964 durch das Institut für Meinungsforschung in der DDR durchgeführt. Darüber hinaus gab es Untersuchungen der soziologischen Forschung und Lehre an Universitäten und Hochschulen (z.B. durch AfG und AdW) sowie betriebliche- und industriesoziologische Forschungen getragen durch größere Betriebe oder Kombinate. Ab 1965 waren Befragungen durch Zeitungen und Zeitschriften sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse ausdrücklich verboten. Ab Ende der 60er Jahre wurden auch die Ergebnisse empirischer Untersuchungen des Instituts für Meinungsforschung endgültig zur Geheimsache erklärt.

2.2.2. Institut für Meinungsforschung in der DDR

Auf Initiative von Walter Ulbricht wurde am 21. April 1964 das Institut für Meinungsforschung in der DDR gegründet. Im Beschlussentwurf hieß es: “Die Einschätzung von Massenstimmungen in der DDR, der Arbeit und Wirksamkeit unser propagandistischen und agitatorischen Arbeit wie der Wirkung der gegnerischen Propaganda erfolgt überwiegend auf Grund subjektiver Erfahrungen [...], die zumeist keine Allgemeingültigkeit beanspruchen [...]. Um den Charakter der Parteiführung von vornherein sicherzustellen und jeden gegen die Interessen der Partei gerichteten Missbrauch auszuschließen, ist dieses wichtige politische Instrument unmittelbar dem Politbüro zu unterstellen“ (zitiert nach Niemann 1993, S.17). Die hierin deutlich werdende politische Instrumentalisierung schloss zwar jede selbständige oder unabhängige Meinungsforschung aus, hinderte die Mitarbeiter jedoch nicht an wissenschaftlich exakter Arbeit auf hohem Qualitätsniveau. Aufgabe war es, ein möglichst getreues Spiegelbild der Meinungen der Bevölkerung zu ermitteln, wobei den Befragten kein Nachteil entstehen durfte (Niemann 1993, S. 17). Das Institut verfügte 1967 über 2410 ehrenamtliche Mitarbeiter bei den Kreisleitungen der SED sowie 197 hauptamtliche Interviewergruppen-Leiter. Die Forschungsaufträge erhielt das Institut vom Politbüro, die daraufhin entwickelten Fragebögen mussten vor ihrem Einsatz den betreffenden Abteilungen und dem zuständigen Politbüromitglied zur Bestätigung vorgelegt werden. Untersucht wurden u.a. internationale Probleme, die wirtschaftliche Situation der DDR, die Zufriedenheit der Bevölkerung, die Parteiarbeit und die Presse der SED.

Die Ergebnisse wurden an den zuständigen Sekretär des ZK übergeben, der r [...] als Hilfsmittel dann entschied, ob sie dem Politbüro oder anderen Organen vorgelegt werden. Die Reaktionen reichten von Gegensteuerung, Berücksichtigung und Teilkorrektur unter Ulbricht bis hin zur Ignoranz und Rezeptionsverweigerung durch Honecker. Mit Beginn der 70er Jahre wurde die Meinungsforschung immer stärker von ihrem eigentlichen Gebiet der „öffentlichen Meinung“ abgedrängt, da die zunehmend spezifischer werdenden Umfragethemen oftmals nur noch von entsprechend qualifizierten Probanden beantwortet werden konnten. Die SED strebte eine noch engere Verkoppelung von Agitation und Meinungsforschung an, so dass gerade die nach 1970 vorgelegten Daten besonders kritisch zu bewerten sind.

Die Aufgabe des Interviewers bestand nun auch darin, das „politische Gespräch“ mit dem Befragten zu suchen (Niemann 1993, S. 53). Das Institut für Meinungsforschung wurde 1979 unerwartet geschlossen und das Archiv weitgehend vernichtet. Zukünftig sollten bei Bedarf bestehende soziologische Institute wie z.B. das Institut für Jugendforschung beauftragt werden.

2.2.3. Repräsentativität der Ergebnisse

Die Ergebnisse des Meinungsforschungsinstituts der DDR können als verlässlich angesehen werden, weil zum einen die Gestaltung der Erhebungsmethoden kaum Möglichkeit zur ideologischen Manipulation bot und zum anderen die Daten ohnehin nur wenigen Funktionären und Wissenschaftlern zugänglich waren. Bei allzu plakativ gestellten Fragen fallen Antwortverweigerungen in großer Zahl auf (Gensicke 1992, S.3). Der Versuch, Zeitvergleiche zu erarbeiten, scheitert am grundlegenden Problem der Meinungsforschung der DDR: der mangelnden Repräsentativität der Ergebnisse. Diese ist laut Gensicke (1992, S. 9f.) im wesentlichen in drei Ursachen begründet:

1. Der Marxismus setzt eine „unveränderliche soziale Grundstruktur bzw. einen sozialen Grundtrend“ voraus. Repräsentative Statistiken hätten dieses Gesellschaftsbild widerlegt und ergeben, dass auch im Sozialismus die führende Arbeiterklasse deutlich zugunsten der Angestellten im Schwinden begriffen war und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung kontinuierlich anstieg (Gensicke 1992, S.9f.).

2. Da die Arbeiterklasse im Mittelpunkt des Interesses stand, wurden

Randgruppen wie z.B. Rentner oftmals ausgegrenzt (Gensicke 1992, S. 10).

3. Meinungsforschung wurde negiert: sie bilde das „nur Subjektive“ ab.

„Objektivismus und Determinismus waren ein weiteres Hindernis für eine realistische Meinungsforschung“ (Gensicke 1992, S. 10).

2.3. Nutzung der SED-Presse in Zahlen

Wie Kurt Blecha (1959, S. 181) als Leiter des Presseamtes in seinem Referat anlässlich der 3. Pressekonferenz des ZK der SED 1959 ausführt, erreichten Tages- und Wochenzeitungen, Illustrierte, Fachzeitschriften, Betriebs- und Dorfzeitungen eine durchschnittliche Gesamtauflage von insgesamt 29.400.000 Stück. Darunter nahmen die 40 Tageszeitungen eine Durchschnittsgesamtauflage von 7.400.000 Stück ein. Durchschnittlich erhielt jeder Haushalt eine Tageszeitung. Nach einer Umfrage unter Arbeiterflüchtlingen der DDR durch Infratest gehörte 1956 eine SED-Bezirkszeitung zu den selbstverständlichen Gegenständen des Alltags im Osten, zwei Drittel der Interviewten hatten vor der Ausreise in die BRD regelmäßig oder gelegentlich eine SED-Bezirkszeitung gelesen (Infratest 1956, zitiert nach Meyen 2001a, S. 93).

1988 erreichten Tages-, Wochen- und Monatszeitungen, Zeitschriften, Betriebs- und Kreiszeitungen sowie Mitteilungsblätter eine durchschnittliche Gesamtauflage von insgesamt 46.008.370 Stück (Holzweißig 2002, S. 214). Darunter nahmen die 39 Tageszeitungen eine Durchschnittsgesamtauflage von 9.704.500 Stück ein. Laut Holzweißig (1989, S.73) erhielt nun jeder Haushalt durchschnittlich 1,5 Tageszeitungen. Mit 550 Tageszeitungen pro 1000 Einwohner wurden mehr Exemplare pro Kopf verkauft als in der BRD mit 350 Tageszeitungen pro 1000 Einwohner. Damit lag die DDR im internationalen Vergleich an zweiter Stelle direkt hinter Japan mit 562 Zeitungen pro 1000 Einwohner (Holzweißig 1989, S.73).

Der erste Eindruck einer pluralistischen Presselandschaft trügt jedoch: 1988 betrug der Anteil der Parteizeitungen der SED (17 Organe der SED darunter „ND“, „Berliner Zeitung“, „BZ am Abend“ und die 14 Bezirkszeitungen) 70,4% der Durchschnittsgesamtauflage (Holzweißig 2002, S. 215). Der Anteil der Blockparteipresse an der Durchschnittsgesamtauflage betrug nur 8,6% (Holzweißig 2002, S.215). 90% der Druckkapazitäten der DDR wurden von der Zentralen Druckerei-, Einkaufs- und Revisionsgesellschaft (ZENTRAG) herausgegeben, die direkt dem SED-Zentralkomitee unterstellt war (Holzweißig 1989, S. 75). Die SEDPresse nahm somit eindeutig eine Monopolstellung ein. Um das Gewicht des Zentralorgans der SED zu verdeutlichen: laut Holzweißig (1989, S.76f.) erschien das „ND“ 1981 mit einer Auflage von 1,1 Millionen.

Die Auflagenhöhen der vierzehn Bezirkszeitungen liegen zwischen 200.000 Exemplaren der „Schweriner Volkszeitung“ als Organ der Bezirksleitung Schwerin und 680.000 Exemplaren der „Freie Presse“ als Organ der Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt.

Festzustellen ist, dass die Höhe der Auflage kaum etwas über die tatsächliche Rezeption der Tageszeitung aussagt. Leseranalysen, wie sie heute z.B. durch die Allensbacher-Werbeträger-Analyse erhoben werden, mit denen u.a. der Leser pro Nummer ermittelt wird, stehen nicht zur Verfügung.

3. Strategien der SED - Inhalte der SED-Presse

3.1. Politische Vorgaben

Die Verfassung von 1949 garantierte in Artikel 9 die „Freiheit der Meinungsäußerung innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze“. Er enthielt den Zusatz "Eine Zensur findet nicht statt." Artikel 6 schränkte die Freiheit zur Meinungsäußerung ein, indem er "Boykotthetze" sowie "Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda sowie Kriegshetze" unter Strafe stellte ( zitiert nach Beck 2003). 1968 trat jedoch eine neue Verfassung in Kraft, deren Artikel 27 nun die Pressefreiheit regelte. Der Zusatz des Zensurverbotes findet sich in der neuen Verfassung nicht mehr, die Informationsfreiheit wird nicht garantiert. Die größte Einschränkung bedeutet der Zusatz "den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß", denn zu diesen Grundsätzen gehört die Anerkennung der führenden Rolle der SED als Partei der Arbeiterklasse (zitiert nach Beck 2003).

Die entscheidenden Impulse gaben die Beschlüsse der Parteitage der SED und die Pressekonferenzen des ZK der SED. Ziel war die Entwicklung einer Presse „die v o n den Massen für die Massen gestaltet wird“ (Bos 1988, S. 151, Hervorhebung im Original). Parteilichkeit, Wissenschaftlichkeit und Volksverbundenheit galten als Grundprinzipien des sozialistischen Journalismus. Diesen Zielen hatten sich alle Medienakteure unterzuordnen. Pressefreiheit im bürgerlich-liberalen Sinne gehörte nicht zu den medienpolitischen Zielen der SED. So erklärte Albert Norden als Mitglied des Politüros 1959, dass die Presse nur dort frei sei „wo das werktätige Volk die Instrumente der öffentlichen Meinungsbildung besitzt“ und „wo der Inhalt der Zeitungen [...] von den Interessen [...] des Volkes getragen ist“ (Norden 1959, S. 81). In der Praxis bedeutete dies Zensur und Kontrolle durch den gesamten Staatsapparat, angefangen bei der Vergabe der Lizenz oder die autorisierte Nachrichtengebung des ADN durch das Amt für Information, später Presseamt, über tagespolitische Weisungen durch die Abteilung Agitation beim ZK der SED bis hin zur Überprüfung der Schüler, die ein Journalistikstudium anstrebten, durch das MfS. Die grundlegenden Funktionen der Presse waren nicht Information und Unterhaltung sondern Erziehung, Belehrung und Erbauung.

3.1.1. Pressekonferenz des ZK der SED 1959

Laut der 3. Pressekonferenz des ZK der SED am 17./18.04.1959 sollte die Presse als „kollektiver Propagandist und Organisator der sozialistischen Umwälzung“ im Sinne der Beschlüsse von Partei und Regierung fungieren (Norden 1959, S. 18). Durch die ständige und systematische Darstellung der Erfahrungen aus den Betrieben in den Zeitungen, sollten sich die guten Beispiele auf alle Betriebe übertragen und die sozialistische Erziehung der Arbeiter und der Intelligenz beschleunigt werden. So hatte „jede Zeitung jeden Tag auf der ersten Seite in einfacher, verständlicher und doch wissenschaftlicher Weise die besten Beispiele des Betriebes“ zu veröffentlichen (Norden 1959, S. 21). Die Zeitungen sollten, anstatt von Randproblemen und vielen verschiedenen Themen, die wichtigsten Aufgaben für einen Bezirk oder für einen Industriezweig herausgreifen und diese „ständig, systematisch, interessant und abwechslungsreich“ behandeln (Norden 1959, S. 20, S. 33). Darüber hinaus war es Aufgabe der Zeitung, die Menschen „zu lehren, das Gemeinsame zu sehen und über den Betrieb hinaus mit den Belegschaften anderer Betriebe gemeinsam zu handeln“ (Norden 1959, S. 21). Auch die Anforderungen des Politbüros an den ‚sozialistischen Journalist’ machen deutlich, dass eine unabhängige oder überparteiliche Berichterstattung in den Zeitungen ausgeschlossen war. Der Journalist sollte neben fachspezifischen Kenntnissen vor allem eng mit der Partei und dem Staatsapparat zusammenarbeiten. Der Presseverband sollte die Möglichkeit bekommen, gegen Journalisten vorzugehen, die sich dieser Kooperation verweigerten. Des weiteren wurden Fähigkeiten zur Auseinandersetzung mit Sachverständigen und Ingenieuren sowie zur „kurzen, plastischen Schilderung“ technischer Sachverhalte vorausgesetzt (Norden 1959, S. 23). Im Rahmen der von der SED initiierten Volkskorrespon- dentenbewegung sollten die Journalisten Arbeiter und Bauern anlernen, als Korrespondenten von den „Brennpunkten des neuen Lebens“ zu berichten (Norden 1959, S. 40).

Nicht nur an die Inhalte, auch an die Darstellungsweise stellte das Politbüro konkrete Anforderungen. Die Zeitungen sollten „lebendig“ und „lebensfroh“ argumentieren (Norden 1959, S. 48).

Gewünscht wurde eine Schreibweise im Volksmund: „Die Sprache unserer Zeitungen muss mit dem Leben und der Wahrheit übereinstimmen, oder sie ist falsch“ (Norden 1959, S.49). So sollten die Hauptüberschriften nicht bloße Parolen sein, da diese den Leser auf Dauer abstießen.

3.1.2. X. Parteitag der SED 1981

1971 wird Erich Honecker Nachfolger von Walter Ulbricht als 1. Sekretär des Zentralkomitees. Anlässlich des X. Parteitages der SED 1981 erklärt Honecker die „außerordentliche Rolle“ der Medien als „ideologische Kampfinstrumente in den Händen der Arbeiter-und-Bauernmacht“, die sich als „schlagkräftige Waffen in der Auseinandersetzung mit dem Imperialismus erwiesen haben“ (Protokoll d. Rede Honeckers 1981, zitiert nach Holzweißig 2002, S. 224). Er betont, dass die Medien insgesamt einen „wichtigen Beitrag zur politischen Orientierung der Werktätigen und zur Befriedigung ihrer geistig-kulturellen Bedürfnisse“ leisten. Bezugenehmend auf die hohen Auflagenzahlen plädiert Honecker für die Einheit von Presse, Rundfunk und Fernsehen bei der „aktiven Verbreitung der sozialistischen Ideologie, der innen- und außenpolitischen Information sowie der geistig-kulturellen Bereicherung und Unterhaltung“ (Protokoll d. Rede Honeckers 1981, zitiert nach Holzweißig 2002, S. 225). Zukünftig sollten „die Werktätigen mit ihren Ideen [...] und kritischen Hinweisen selbst zu Wort kommen“, deshalb sollte sowohl die Arbeit mit Leserbriefen als auch die Zusammenarbeit mit Volkskorrespondenten -wie auch schon von Ulbricht gefordert- verstärkt werden (Protokoll d. Rede Honeckers 1981, zitiert nach Holzweißig 2002, S. 225).

3.2. Inhalte der Bezirkszeitungen

Folgt man Holzweißig (1989, S. 94ff.), so maß Honecker den Bezirkszeitungen eine größere Bedeutung bei als Ulbricht. Unter ihm wurde noch größerer Wert auf Volksverbundenheit der Funktionäre gelegt. So musste sich jede Redaktion einen Stamm von Volkskorrespondenten halten, die über das Geschehen in den Betrieben und Wohnbezirken unterrichteten. Darüber hinaus sollten lokale Missstände stärker unter die Lupe genommen werden. Nur die Bezirkszeitungen der SED verfügten in allen 229 Stadt- und Landkreisen über spezielle Lokalseiten (Holzweißig 1989, S. 95). Laut Wörterbuch der Journalistik der DDR macht der Lokaljournalismus „viele einzelne, ganz konkrete Erscheinungen, Prozesse, Aufgaben sowie Tätigkeiten der Bürger allen sichtbar [...]. Er hebt vor allem das für die Menschen in ihren unmittelbaren Lebensbereichen Überschaubare, Kontrollierbare, Beeinflussbare hervor. Er schafft den Bürgern ein öffentliches Forum, dass dazu geeignet ist, Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens im örtlichen Bereich sowohl der Würdigung als auch konstruktiver Kritik zu unterziehen“ (Wörterbuch der Journalistik, zitiert nach Holzweißig 1989, S. 95).

Dem entsprechend waren in den Bezirkszeitungen in großem Umfang Informationen über lokal ansässige Industriebetriebe (Planerfüllung, technischer Fortschritt) zu finden. Die Bezirkspresse lieferte Informationen über Versorgungsschwierigkeiten oder größere Unfälle, die jedoch nicht über die lokale Ebene hinaus verbreitet werden sollen (Holzweißig 1989, S.95). Darüber hinaus enthielt sie innen- und außenpolitische Informationen ähnlich dem „ND“. Unter der Führung Honeckers herrschte das Bestreben, mehr Erkenntnisse von der Basis zur Verbesserung der staatlichen Kontrolle und Planung zu erhalten. So wurden die Leserbriefaktionen als Forum für Funktionäre und Bürger in der Lokalpresse intensiviert. Hier kam es durchaus zu kontroversen Diskussionen z.B. über bürokratisches Verhalten von Behörden, allerdings nur wenn entweder der Mangel bereits beseitigt war oder jemand öffentlich zur Verantwortung gezogen werden konnte. Die Veröffentlichung eines Leserbriefes war nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Agitationssekretär der SED möglich, jeder Leserbrief wurde als Eingabe an den Staatsrat behandelt und an diesen weitergeleitet (Holzweißig, 1989, S. 100). Wie für alle anderen Bereiche der Zeitung gab es auch für die Leserbriefe Vorgaben der Agitationsabteilung, so waren z.B. Leserbriefe zur Luftverunreinigung „überhaupt nicht hilfreich, wenn diese Zustände in absehbarer Zeit nicht verändert werden können“ (Holzweißig, 1997, S. 40). Da die Leserbriefspalten vor allem der „politisch-ideologischen Ausrichtung der Bevölkerung“ galten, wurden Leserbriefaktionen angeordnet; wenn die Partei bestimmte Themen behandelt wissen wollte (Holzweißig 1989, S. 97).

Ein weiterer Bestandteil der Lokalberichterstattung waren Berichte über Straftaten und Verbrechen, Fahndungsersuchen und Gerichtsverhandlungen (Holzweißig 1989, S. 100). Laut Bolle (1988, S. 178) wurden allein im Mai 1987 zwanzig Gerichtsberichte in der „Berliner Zeitung“ und „BZ am Abend“ veröffentlicht, davon vier Berichte zu Betrugs- und drei zu Diebstahlsdelikten. Diese sollten jedoch nicht die Sensationslust der Leser befriedigen, sondern dienten der Rechtserziehung. Ähnlich propagandistische Funktion erfüllten Berichte zu rechtlichen Sachverhalten und Gesetzesänderungen (z.B. Mietrecht). Laut der 1985 in der Zeitschrift „Theorie und Praxis des sozialistischen Journalismus“ veröffentlichten Untersuchung über Rechtspropaganda in der Tagespresse, fanden sich in den untersuchten Blättern im zweiten Halbjahr 1984 durchschnittlich ein bis zwei Beiträge pro Ausgabe (Bolle 1988, S. 179).

Von besonderem Interesse ist der Anzeigenteil gewesen, indem Autos und Güter verkauft oder gesucht wurden, die aufgrund der wirtschaftlichen Situation der DDR schwer erhältlich waren. Hier konnten Wohnungen getauscht und Urlaubsplätze angeboten werden. Diese Anzeigen waren von der SED nicht gern gesehen und wurden von der Agitationsabteilung nur geduldet, teilweise wurde aber auch hier mit Verboten gearbeitet.

Rezensionen von Kino- und Fernsehfilmen bzw. Büchern war nur gestattet, wenn diese systemkonform waren und die Funktionäre die politische Sicherheit nicht gefährdet sahen. Von besonderem Interesse waren für viele Leser der ausführlicher Sportteil und die Lottozahlen.

3.2.1. Sprache als Politik

Da die Inhalte nicht losgelöst von der sprachlichen Darstellungsweise zu betrachten sind und gerade die Propaganda an einen ganz eigenen Wortschatz gebunden war, wird an dieser Stelle erläutert, welche Formulierungen und Schlagwörter typisch für die öffentliche Kommunikation waren. Wie Gudorf (1981, S. 9) ausführt, besteht ein „funktionaler Zusammenhang zwischen der realen Politik, den ideologischen Systembedürfnissen, den kommunikativen Prozessen und dem sprachlichen ‚Produkt’“. Aufgrund des Machtsicherungsinteresses war das System bestrebt, seine Bürger an sich zu binden, Ziel war die Herausbildung und Festigung eines sozialistischen Bewusstseins mittels Propaganda. Das sprachliche Repertoire war durch eine „Doppelstruktur“ aus dem deutschen Sprachgut mit seinen traditionellen Bedeutungsbeständen einerseits und dem DDR-Wortschatz mit der zugehörigen ideologiegebundenen Lexik gekennzeichnet (Gudorf 1981, S. 9). Die politische Alltagsrhetorik der Propaganda und Agitation spiegelte die ‚neue Wirklichkeit’ des Sozialismus wider. Zu dem Kernwortschatz gehörten laut. Gudorf (1981, S. 27) die Grundbegriffe des ‚wissenschaftlichen Sozialismus’ wie Freiheit, Notwendigkeit, Materie, Bewusstsein, Fortschritt, Revolution u.a., des ‚Klassenkampfes’ wie Proletariat, Bourgeoisie, Kapitalismus, Partei der Arbeiterklasse u.a. sowie der ‚sozialistischen Staatlichkeit’ wie (sozialistische) Demokratie, Frieden, Wahl, Nation, Volk. „Die Sprache ist nicht nur materielle Hülle der Gedanken und nicht schlechthin Verständigungsmittel, sondern sie ist in entscheidendem Maße auch Wirkungsmittel im gesellschaflichen Leben“ (Gudorf 1981, S. 27). Oft wiederholen sich maßgebende Aussagen der Partei und abstrakte Begriffe werden in eine Sprache unmittelbarer Lebensnähe übertragen, die sie emotional nachvollziehbar machen soll. Kennzeichnend ist auch die Hervorhebung von „wir“ und „unser“ und die „Sprachform der erfüllten Erwartungen“, wie z.B. die Losung „Was der VIII. Parteitag beschloss, wird sein“ (Gudorf 1981, S. 149). Hierbei ging es in erster Linie um die Aktivierung der Bevölkerung, ohne dass ein kritischer diskursiver Austausch über die Inhalte zustande kam.

Gudorf arbeitet in seiner Studie heraus, dass die politische Sprache der DDR auf einen überproportionalen Anteil an Vorwissen im Rezeptionsvorgang setzte. Der Anteil an unausgesprochen Vorausgesetztem war derartig hoch, dass die Begriffe in sich einen Überschuss an Informationen enthielten und nicht mehr verständlich waren. „So lässt sich als ein Folgephänomen erklären, was jeder Beobachter in ‚sozialistischen Ländern’ als eine auffällige Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit gegenüber öffentlichen Äußerungen wahrnehmen kann“ (Gudorf 1981, S. 150, Hervorhebung im Original). Andererseits war die Beherrschung der Regeln der Parteisprache, also Kenntniss des Codes notwendig, insofern sie „dazu befähigen, die ‚Sprache der Macht’ zu ‚beherrschen’, um der Konfrontation mit der bloßen Macht auszuweichen oder um an ihr selbst teilhaben zu können“ (Gudorf 1981, S.154, Hervorhebung im Original).

3.3. Erwartungen der Leser

Diesen Inhalten standen die Erwartungen der Leser gegenüber. Nach einer Umfrage des Instituts für Meinungsforschung in der DDR 1967 widmeten von 3000 Abonnenten 78,4% ihre Aufmerksamkeit der Lokalberichterstattung. Demnach lasen etwas 1500 von ihnen die Sportmeldungen, allerdings waren 72,9% der Fragebögen von Männern ausgefüllt worden. Ebenso viele verfolgten internationale Probleme. Nicht einmal jeder Dritte interessierte sich für Wirtschaft oder Kultur (zitiert nach Meyen 2001a, S. 95). Laut Umfrageergebnissen von verschiedenen Bezirkszeitungen in den 60er Jahren erwarteten die Leser Objektivität, insbesondere eine realistische Darstellung der eigenen wirtschaftlichen Situation sowie der politischen und wirtschaftlichen Situation in Westdeutschland. Sie forderten mehr über zwischenmenschliche Beziehungen, mehr über den Menschen wie z.B. das Verhalten zum Volkseigentum, Beziehungen zu den Kollegen, Erziehungsfragen und Familienproblemen. Die Leser erwarteten von ihrer Bezirkszeitung mehr Berichte über Gerichtsverfahren, Polizeimeldungen, Unfälle und Katastrophen (Meyen 2001a, S.95). Man wollte keine Kopie des „ND“ und keine ellenlangen Artikel über Industrie und Landwirtschaft und die Leser forderten Kritik nicht erst dann, wenn der Missstand schon beseitigt war (Meyen 2001a, S.98). Die Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der Leser an eine Tageszeitung und den Inhalten, geprägt von den Vorgaben der Partei, ist bereits ersichtlich. Wie die Leser demzufolge ihre Bezirkszeitungen bewerteten wird unter 4.4.2. ausgeführt.

4. Bewertung der Inhalte der Bezirkszeitungen

Bewertungen sind „Urteile darüber, wie angenehm oder unangenehm, nützlich oder schädlich, wertvoll oder wertlos etwas ist“ (Herkner 1992, zitiert nach Meyen 2001b, S. 177). Derartige Urteile sind persönlich und subjektiv und bestehen aus zwei Komponenten, den Bewertungskriterien und dem Kontext, in den sie eingebettet sind (Meyen 2001b, S.177f.).

4.1. Bewertungskriterien

Da die Umwelt viel zu komplex ist, als dass man alles wahrnehmen könnte, aktiviert der Mensch bestimmte Interpretationsmuster, sogenannte Schemata, d.h. alles das, was an Wissen und Erfahrung bereits gespeichert ist. Diese Schemata steuern dann die Aufmerksamkeit, beeinflussen die Erwartungen und werden auch auf die Bereiche übertragen, die man nicht aus eigener Erfahrung kennt (Brosius 1991, zitiert nach Meyen 2001b, S. 179). Demzufolge hängt das Urteil von dem Bild ab, das man von dem Objekt im Kopf hat und das man für wahr hält. Bewertungskriterien sind z.B. die Qualität der Berichterstattung, die Kompetenz und der Sympathiewert der Journalisten, die Aktualität der Informationen und insbesondere die Glaubwürdigkeit des Mediums (Meyen 2001b, S.181).

4.1.1. Glaubwürdigkeit

Da der größte Teil der gesellschaftlich relevanten Informationen über die Medien vermittelt wird, der Rezipient jedoch zeitgleich auch eigene alltägliche Erfahrungen sammelt, kann es zu Diskrepanzen zwischen diesen beiden Informationsquellen kommen. Fraglich ist also, wem der Leser glaubt und welche Rolle die Glaubwürdigkeit bei der Auswahl der Medienangebote spielt (Meyen 2001b, S.177). Wirth (1999, zitiert nach Meyen 2001b, S. 189) definiert Glaubwürdigkeit als „prinzipielle Bereitschaft, Botschaften eines bestimmten Objektes als zutreffend zu akzeptieren und bis zu einem gewissen Grad in das eigenen Meinungs- und Einstellungsspektrum zu übernehmen“. Glaubwürdigkeit entsteht demzufolge „während eines Prozesses, bei dem der Rezipient [...] eine Person oder einen Inhalt, eine Quelle oder einen anderen Sachverhalt überprüft und einschätzt“ (Meyen 2001b, S. 189). Vertrauen in die wahrheitsgemäße Berichterstattung ist eine Bedingung dafür, ein Medium für glaubwürdig zu halten und demzufolge zu rezipieren. Dieses ist umso wichtiger, da der Bürger in einer Demokratie auf glaubwürdige Informationen angewiesen ist um seine Entscheidung z.B. bei einer Wahl zu treffen. Was haben die DDR Bürger der SED- Presse geglaubt? Bereits 1954 schrieb die westdeutsche Tageszeitung „Die Welt“, dass „die Parolen im Osten auf taube Ohren stoßen würden. Die Leute hätten am 17. Juni 1953 gelernt, dass das System nicht abzuschütteln sei und sich nun eingerichtet“ (Meyen 2001a, S.93). Das Institut für Meinungsforschung in der DDR führte 1970 eine Detailanalyse politischer Probleme in Betrieben und Schulen in Angermünde, Gera und Görlitz durch. Die Befragten sollten bewerten, ob sie die Presse für schnell, gründlich und überzeugend hielten. Nur 27,8% der Befragten hielten demnach die Presse für ‚überwiegend überzeugend’. Augenfällig ist neben der bereits vorgenommenen Einschränkung ‚überwiegend’ auch der große Anteil von 50,4% der Befragten ‚ohne Antwort’ (Meyen 2001a, S.100). Es bleibt also die Frage, warum die Menschen trotzdem in erheblichem Maße die Presse der SED bezogen.

4.2. Kontext

Die Aspekte und Bestandteile, auf die die Kriterien angewendet werden, bezeichnet man als Kontext oder Bezugspunkte (Scheufele 1999, zitiert nach Meyen 2001b, S. 178). Es werden nicht immer alle Eigenschaften eines Objektes gleichzeitig bedacht und so können Bewertungen schwanken, in Abhängigkeit von dem Rahmen oder dem Maßstab, der angesetzt wird. Eine Bewertung kann demzufolge positiv ausfallen, wenn der Bewertende beispielsweise an seine Lieblingssportseite denkt oder persönliche Beziehungen zu einem Journalist seiner Bezirkszeitung unterhält. Das Urteil kann jedoch vernichtend sein, wenn der Rezipient an die ewig gleich lautende polemische Titelseite denkt.

4.3. Bewertungen von „außen“

Urteile zu den Inhalten der SED-Presse durch westliche Beobachter werden höchstwahrscheinlich im Sinne ihres liberal-demokratischen Verständnisses von Presse- und Meinungsfreiheit entstanden sein. Als Außenstehende trafen sie ihre Bewertungen mit einem gewissen Abstand. Der Kontext ist also ein anderer, als bei Bewohnern der DDR, die täglich mit dem System und den propagandistischen Inhalten der Presse konfrontiert waren. 1952 fand die westdeutsche Tageszeitung „Die Welt“ „neben penetranter ideologischer Eintönigkeit auch kleine unterhaltsame Oasen und wunderte sich über die oftmals scharf gezielten Angriffe gegen lokale Behörden (Zens 1952, zitiert nach Meyen, 2001a S. 98, Hervorhebung im Original). Infratest wies nach einer durchgeführten Inhaltsanlayse von sechs Tageszeitungen der DDR 1957 auf die Familienanzeigen und auf den Wirtschaftsteil hin: „Was hier über die Betriebe geschrieben werde, stehe im Westen bestenfalls in Werkszeitungen oder in der Fachliteratur. Die Berichte seien lebensnah und viel konkreter als in der Bundesrepublik. Der kleine Mann erfahre etwas über die den Gesichtskreis den er kenne, und werde so über wirtschaftliche Vorgänge unterrichtet“ (zitiert nach Meyen, 2001a S. 98). Aber nicht alles wurde positiv bewertet, so kritisierte Infratest ebenfalls 1957 das vorgefundene „Zerrbild des Lebens in der Bundesrepublik“ (zitiert nach Meyen 2001a, S. 98, Hervorhebung im Original). Vermutlich dienten dem in der Bundesrepublik ansässigen Institut die Erfahrungen der Mitarbeiter als Bezugspunkt. Sie bemängelten, dass sich „die Berichterstattung auf wenige Schwerpunkte reduzieren“ ließe: „Aufrüstung, Ausbeutung, Neofaschismus“ (zitiert nach Meyen 2001a, S. 99). Und Infratest bestätigte, was Willy Brandt bereits 1956 als „Lügen mit der Wahrheit“ bezeichnet hat: „Wenn sich aktuelle Ereignisse nicht entsprechend zurechtbiegen ließen, würden sie gleich gar nicht gemeldet“ (zitiert nach Meyen 2001a, S. 99, Hervorhebung im Original).

4.4. Bewertungen von „innen“

4.4.1. Bewertung gesellschaftlicher Zustände

Gerade die Bewertungen der DDR-Bürger sind im Kontext des ‚Systems DDR’ zu sehen, dass nicht offen für Kritik und Dialog war. Aus diesem Grund werden an dieser Stelle rahmengebend nur einige Ergebnisse der emprischen Wert- und Mentalitätsforschung in der DDR erwähnt. Ausdruck von Unzufriedenheit fand sich im öffentlichen Kommunikationsraum nur selten, was jedoch nicht bedeutet, dass die Menschen stets zufrieden waren. Das ZIJ Leipzig hat Zeitreihen zur Entwicklung der Identität der DDR-Bürger und ihrer Stellung zu sozialistischen Leitbildern und Werten mittels Befragungen unter Studenten und Lehrlingen ermittelt, die ungefähr die Stimmungslage der Gesamtbevölkerung widerspiegeln (Gensicke 1992, S. 38). Die Daten lassen erkennen, dass „in der Mitte und der zweiten Hälfte der 70er Jahre die positive Haltung zur DDR und zum Sozialismus am größten gewesen zu sein scheint“ (Gensicke 1992, S. 38). Dies bestätigen auch die Daten einer 1968 vom Institut für Meinungsforschung in der DDR durchgeführten Untersuchung zu Problemen des gesellschaftlichen Lebens: 58,9% sahen das Recht, ihre Meinung im Rahmen der Verfassung frei und öffentlich zu äußern, als voll verwirklicht (Niemann 1993, S. 41). Ende der 70er Jahre gab es einen Einbruch in die pro-sozialistische Haltung und nach einem leichten Anstieg bewegt sich „die Kurve plateauartig auf einem konstanten Niveau weiter. Nach 1986 gibt es dann wiederum einen deutlichen Abschwung“ (Gensicke 1992, S. 38). In der Berufstätigenuntersuchung IU88 der AfG 1988 wurde die Zufriedenheit mit wichtigen Lebens- und Arbeitsbedingungen untersucht. 62% der Befragten konstatierten eine Verschlechterung des Warenangebots, nur 15% waren mit den Einkaufsmöglichkeiten zufrieden. Abgesehen von dieser deutlichen Kritik fiel auf, dass die Befragten „auffällig oft die Kategorie ‚teils-teils’ benutzten“ (Gensicke 1992, S.46f.). Laut Gensicke kam dieses Ergebnis durch Informationsdefizite auf Grund der gleichgeschalteten Medienlandschaft zustande. Neben mangelndem Urteilsvermögen kann m.E. jedoch auch die Schwierigkeit, Kritik zu üben und diese Kritik nun auch -entgegen sonstigen Regeln- äußern zu dürfen, zur Zurückhaltung und Vorsicht beigetragen haben. Sozialistische Errungenschaften wie Kinderbetreuung und Wohnverhältnisse wurden durchweg als positiv wahrgenommen und bewertet.

4.4.2. Bewertung der Inhalte der SED-Presse

Die Feststellung von Hansgeorg Stengel im Eulenspiegel (Nr. 28/1962, zitiert nach Meyen 2001b, S.181) zu politischen Sendungen im DDR-Fernsehen kann man sicherlich auf die Presse übertragen: Die Aktuelle Kamera fanden die Befragten „langweilig“, ansonsten fand er „mehr Verständnis und Wohlwollen als erwartet“. Meyen begründet dies mit einer Aussage von Gaziano, dass Menschen sich, wenn sie um ein allgemeines Urteil gebeten werden, mit den Medien zufrieden zeigen (Gaziano 1988, zitiert nach Meyen 2001b, S. 181).

Im Rahmen des Arbeiteraufstandes 1953 wurden jedoch bereits kritische Stimmen deutlich. So äußerten Werftarbeiter gegenüber Redakteuren der Ostsee-Zeitung, dass „das Blatt langweilig sei und unaktuell und dass manches Mal die Zahlen aus Betrieben und Dörfern nicht stimmen würden (zitiert nach Meyen 2001a, S. 99). Unter dem Druck der Bevölkerung kam es dann von Seiten der Funktionäre zu Eingeständnissen, wie z.B. durch die „Volksstimme“ in Chemnitz: „ Ja, wir haben schöngefärbt “ (zitiert nach Meyen 2001a, S. 99, Hervorhebung im Original). Der Sturz Stalins und die Rede Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 verursachte eine Führungskrise in der kommunistischen Weltbewegung, so kam es zu Unruhen in Polen und Ungarn und nachfolgend auch zu ‚stillen’ Protesten an Hochschulen und Universitäten in der DDR gegen das SED-Regime, jedoch zu keinem öffentlichen Prozess der Entstalinisierung wie in der SU. Der Romanist Victor Klemperer „fand das Schweigen [...] unklug, schädlich und unnötig. Die Wahrheit könne man sowieso nicht verheimlichen“ (Klemperer 1999, zitiert nach Meyen 2001a, S.99, Hervorhebung im Original). Auf den größer werdenden Druck gab das „ND“ in einem langen Leitartikel zu, „manch eifrigen Leser enttäuscht zu haben“, legte jedoch zugleich den zukünftigen Kurs fest: man „halte sich an bestätigte Meldungen und verhökere keine Sensationsnachrichten“ (ND 31.10.1956, zitiert nach Meyen 2001a, S. 99). Die Erkenntnis eines Redakteurs, „in der DDR dürfe es weder Mord noch Diebstahl geben und Brände auch dann nicht, wenn man sie aus den Redaktionsfenstern sehen könne“ bringt die katastrophale Berichterstattung auf den Punkt. „ Was wir spiegeln, ist ja nicht das Leben, sondern ein Spukreich von Transparenten und Pappkulissen “ (Pfeideler 1956, zitiert nach Meyen 2001a, S. 100, Hervorhebung im Original). Die Leser bewerteteten 1957 in einer Umfrage, die im „ND“ veröffentlicht wurde, die Inhalte als langweilig und trocken. 1963 klagten die Leser der „Freien Presse“ in Karl-Marx-Stadt über die „’rosarote Brille’, Zahlenhascherei und Phrasen“ (Meyen 2001a, S. 98). Das Gerücht „der IX. Parteitag werde die Parole ausgeben: ‚Es bleibt alles ganz anders als es ist’“ zeigt, wie die Menschen ihre Kritik auch mit Humor deutlich gemacht haben (zitiert nach Gudorf 1981, S.146). Und auch das Kabarett als Ort des politischen Witzes greift die Presse an: „Druckt doch endlich mal ne Seite mit dem Wortschatz ganz normaler Leute“ (zitiert nach Meyen 2001a, S. 100).

5. Gründe für die Nutzung

Die Bewertung der Inhalte der Bezirkszeitungen durch die Leser ist eindeutig, umso mehr bleibt die Frage, wie es zu den hohen Auflagenzahlen kommen konnte.

Zum einen sprechen ganz rationale Überlegungen eine Rolle: der geringe Preis von 15 Pfennigen pro Ausgabe und die Tatsache, dass Papier in der DDR ein begehrter Rohstoff war, der als Einwickelpapier für Geschäfte diente. Des weiteren konnten Zeitungen beim Altstoffhandel gegen ein Entgelt wieder abgegeben werden. Darüberhinaus boten und bieten falt- und zerlegbare Zeitungen gegenüber anderen Medien Rückzugsmöglichkeiten auf dem Weg zur Arbeit, der in der DDR überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wurde, auch dies spricht für eine höhere Auflagenzahl als z.B. in der BRD. Üblich waren auch Abonnements in großer Stückzahl von Institutionen. Überhaupt war der Bezug über die Deutsche Post als staatliches Vertriebsmonopol auf Werben der Zusteller üblich. Viele Leser bestellten die Zeitungen trotz Unzufriedenheit dem Zusteller zuliebe nicht ab und bezogen sie weiterhin, um überhaupt eine Zeitung zu halten (Meyen 2001a, S. 97). Auch war es teilweise üblich, den Bezug einer begehrten Illustrierten an ein Abonnement einer Bezirkszeitung zu koppeln (Meyen 2001a, S. 97).

Betrachtet man die SED-Presse im Kontext des gesamten Presseangebots, so ist festzustellen, dass ein Mangel an Konkurrenzprodukten ebenfalls ursächlich für die hohen Auflagenzahlen war. So wie das Westfernsehen zwar ein Gegengewicht zum DDR-Fernsehen bot, waren westdeutsche Tageszeitungen nicht üblich. Aufgrund der mangelnden Lokalberichterstattung boten die Zeitungen der Blockparteien keine Alternative. Anfangs erschienen sie nicht einmal täglich, zudem waren sie von geringerem Umfang und enthielten kaum lokale Informationen. Andererseits boten die Bezirkszeitungen wiederum eine Alternative zum extrem politischen „ND“.

In jedem Betrieb gab es Agitatoren, deren Aufgabe es war, die Werktätigen von dem sozialistischen Gedanken zu überzeugen. Die Verpflichtung zum Lesen eines Parteiblattes ging man in der Regel ein, „um die Diskussion mit dem Agitator zu beenden“ denn „der Mensch könne […] die Zeitung ungelesen wegwerfen, auf den Agitator aber müsse er reagieren“ (zitiert nach Meyen 2001a, S. 97).

Wie Infratest in der o.g. Untersuchung bestätigt, war ein Teil der Leser mit der „ Aufmachung und Breite der Darstellung “ ganz zufrieden, was sich hauptsächlich auf die Lokalberichterstattung, den Sportteil und die Lottozahlen in den Bezirkszeitungen bezieht (Meyen 2001a, S. 94, Hervorhebung im Original). Es ist auch wahrscheinlich, dass ein Teil der Mitglieder der SED wirklich von den propagandistischen Losungen und Schlagworten überzeugt gewesen sein muss (!) und hinter dem politischen System in der DDR stand - im übrigen gehörte es zur Mitgliedschaft in der SED dazu, das „ND“ zu beziehen.

Es ist davon auszugehen, dass die Leser eine Zeitung wählten, die am ehesten die Interessen und Notwendigkeiten aller Familienmitglieder erfüllte. Nachfolgend soll dargestellt werden, welche Inhalte geeignet waren, einige Bedürfnisse der DDR-Bürger zu befriedigen.

5.1. Bedürfnistypologie nach Mc Quail

Die Katalogisierung von Bedürfnissen der Mediennutzer kann sicherlich nur theoretisch klar erfolgen, denn zum einen gibt es eine nahezu endlose Zahl an möglichen Bedürfnissen und zum anderen muss angezweifelt werden, ob der Mensch überhaupt in der Lage ist, seine Bedürfnisse klar zu benennen und auf diese mit dem entsprechenden Medium zu reagieren. Fest steht jedoch, dass das Lesen einer Zeitung einen Nutzen haben muss, auch wenn die Rezeption nicht bewusst aus diesen Bedürfnissen entsteht oder die Zeitung nur zur Hand genommen wird, um den Tagesablauf zu strukturieren. Mc Quail (1983, zitiert nach Meyen 2001b, S. 82f.) schreibt den Massenmedien vier Funktionen zu: sie befriedigen das Informationsbedürfnis (Orientierung, Ratsuche, Neugier, Lernen, Sicherheit durch Wissen), das Bedürfnis nach Unterhaltung (Wirklichkeitsflucht, Ablenkung, Entspannung, kulturelle und ästhetische Erbauung), nach Integration und sozialer Interaktion (in Lebensumstände anderer versetzen, Zugehörigkeitsgefühl, Gesprächsgrundlage, Geselligkeit, Rollenhilfe) sowie das Bedürfnis nach persönlicher Identität (Bestärkung persönlicher Werte, Suche nach Verhaltensmodellen, Identifikation mit anderen).

5.1.1. Bedürfnis nach Information

Die Leser hatten, wie auch durch o.g. Umfrageergebnisse deutlich wurde, das Bedürfnis nach Fakten des unmittelbaren Umfeldes als Bestandteil der Heimatkreis Berichterstattung, z.B. über den Lebensmittelmarkt, Preis-senkungen, Versorgungsschwierigkeiten um sich das tägliches Leben zu erleichtern und den Lebensstandard zu verbessern. In totalitären Staaten ist es darüber hinaus notwendig, Kenntnisse über innenpolitische Geschehnisse z.B. Parteitage, Losungen und Aufrufe zu haben. Die Bezirkszeitungen erfüllten hier eine wesentliche Orientierungsfunktion, insbesondere zur Erfüllung schulischer oder betrieblicher Pflichten - um die offizielle Sichtweise zu erfahren und so in Versammlungen das Richtige sagen zu können. So mussten Schüler regelmäßig Wandzeitungen zu verschiedenen politischen Anlässen zusammenstellen oder Werktätige für politische Arbeitsgruppen Beiträge erarbeiten. Darüber hinaus konnten durch Informationen zum internationalen Weltgeschehen die innenpolitischen Geschehnisse in einen größeren Rahmen eingeordnet und bewertet werden. Vermutlich ist das Bedürfnis nach Wirtschaftsinformationen in den Umfragen nicht so hervorgetreten, weil die Bezirkszeitungen überwiegend diese Informationen lieferten, d.h. wenn nichts über die Wirtschaft der DDR in den Zeitung zu lesen gewesen wäre, hätten die DDR Bürger höchstwahrscheinlich dieses Bedürfnis stärker ausgeprägt empfunden. Weiterhin bestand das Bedürfnis nach Information über rechtliche Sachverhalte aber auch über Probleme des täglichen Lebens, hier halfen Berichte wie z.B. zur Ehe oder Kindererziehung und boten Lösungsmöglichkeiten.

5.1.2. Bedürfnis nach Unterhaltung

Berichte über sportliche Ereignisse oder die Lottozahlen als Ablenkung und Entspannung vom beruflichen Alltagsstress wurden mit Sicherheit zur Befriedigung der Unterhaltungsbedürfnisses heranzgezogen. In den verfügbaren Dokumenten wird sich nicht zu dem Bedürfnis nach Kultur in Form von Film- und Buchrezensionen oder Berichte über Museen, Ausstellungen usw. geäußert, außer, dass in der o.g. Umfrage des Meinungsforschungsinstituts nicht einmal jeder dritte Leser dem Kulturteil der Bezirkszeitung seine Aufmerksamkeit widmet, was allein über den Bedarf nichts aussagt (Meyen 2001a, S. 95).

Das man Bücher verschlang, über die die Zeitungen herfielen und in die Filme ging, die in der Presse verrissen worden waren, zeigt jedoch ein ausgesprochenen „Hunger“ nach anderern als den üblichen Unterhaltungsformen (Meyen 2001a, S. 100). Das Bedürfnis, der Realität, die in der DDR durch Arbeit, das Organisieren des Alltags sowie politische Dauerbeschallung bestimmt war, zu entfliehen, ist auch hier zuzurechnen.

5.1.3. Bedürfnis nach Integration und soziale Interaktion

Die begehrten Berichte aus dem Gericht oder über Probleme anderer DDR Bürger (Verhalten zum Volkseigentum, Erziehungsfragen, Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten) wurden gelesen, um die eigenen Probleme wiederzuerkennen und sich dadurch dem Wohngebiet, der Gesellschaft zugehörig zu fühlen. Gerade auf der Lokalebene war dieses Zugehörigkeitsgefühl von Bedeutung, in vielen Wohngebieten bestanden, anders als heute, persönliche Kontakte. Kritische Beiträge über unfreundliche Bedienung im Kaufhaus oder in der Gaststätte dienten als Gesprächsgrundlage mit Freunden, Nachbarn oder Kollegen und wurden mit Genugtuung und Freude gelesen. Die Anzeigen ermöglichten, den Lebensstandard zu verbessern.

5.1.4. Bedürfnis nach persönlicher Identität

Die Berichte über Familien- und Eheprobleme dienten dem Ziel, Verhaltens-modelle zu finden. Die Darstellung von Beziehungen zum Volkseigentum ermöglichte, die eigenen persönlichen Werte herauszubilden. Berichte über Menschen ganz allgemein in allen Lebenslagen zeigten dem Leser z.B. welche Rolle wird mir als Arbeiter oder Selbstständiger in dieser Gesellschaft zugewiesen und kann ich mich damit identifizieren?

6. Schlussbetrachtung

Die Ausrichtung der Presse an den Bedürfnissen der Leser, so, wie es heute aufgrund der Orientierung am Markt notwendig ist, war damals in der Ausprägung nicht üblich. Durch den in der Vielfalt eingeschränkten und vom Staatapparat gelenkten Pressemarkt gab es keine Tageszeitung, die kontinuierlich auf die Bedürfnisse des Lesers eingegangen ist. Eher um den Unmut der Bürger nicht zu steigern, die Menschen ruhig zu halten oder aus Eigeninteressen der Partei geschah dies sporadisch. Selbst, wenn die DDR-Bürger in der Lage waren, ihre Bedürfnisse zu benennen, war die Möglichkeit, aktiv eine Tageszeitung aus dem Presseangebot auszuwählen, die ihre individuellen Bedürfnisse befriedigte auszuwählen, ausgeschlossen. Die Bezirkszeitungen waren am ehesten in der Lage, die Anforderungen an eine Zeitung, und sei es aufgrund der materiellen Eigenschaften, zu erfüllen, so dass sich die hohen Auflagenzahlen erklären.

Literaturverzeichnis

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Blecha, Kurt (1959): In jedem Haushalt der DDR werden eine Tageszeitungen und drei Zeitschriften gelesen. In: Die Presse als kollektiver Organisator der sozialistischen Umgestaltung. 3. Pressekonferenz des ZK des SED am 17. und 18.04.1959 in Leipzig. Berlin: Dietz Verlag. S. 180-182.

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Niemann, Heinz (1993): Meinungsforschung in der DDR. Die geheimen Berichte des Instituts für Meinungsforschung an das Politbüro der SED. Köln: Bund-Verlag.

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Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Inhalt, Nutzung und Bewertung der SED-Bezirkspresse in der DDR
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Seminar Kommunikations- und Mediengeschichte
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V110537
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inhalt, Nutzung, Bewertung, SED-Bezirkspresse, Seminar, Kommunikations-, Mediengeschichte
Arbeit zitieren
Doreen Ksienzyk (Autor), 2003, Inhalt, Nutzung und Bewertung der SED-Bezirkspresse in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110537

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