Listige Frauen in der mittelhochdeutschen Kleinepik - Exemplarische Studien zu "Aristoteles und Phyllis", Heinrich Kaufringers "Die unschuldige Mörderin" und "Ritter Alexander"


Magisterarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Gegenstand
1.2. Forschung
1.3. Fragestellung, Material und Methode
1.4. Aufbau der Arbeit

2. Begriffsdefinition Märe, Schwank, Kurzgeschichte
2.1. Gattungsbegriff Märe
2.2. Quellen
2.3. Realismus
2.4. Figurentypen

3. List
3.1. Definition von List
3.2. Das Listmotiv in der mittelhochdeutschen Kleinepik
3.3. Kriterien der Listuntersuchung

4. Aristoteles und Phyllis
4.1. Quellen und Stoffgeschichte
4.2. „Aristoteles und Phyllis“: Inhalt
4.3. Die List in „Aristoteles und Phyllis“ und in den anderen Fassungen
4.4. Die Fastnachtspiele
4.5. Zusammenfassung „Aristoteles und Phyllis“

5. Die Unschuldige Mörderin
5.1. Der Autor Heinrich Kaufringer
5.2. Quellen- und Stoffgeschichte
5.3. „Die unschuldige Mörderin“: Inhalt
5.4. Die List in „Die unschuldige Mörderin“ und in den anderen Fassungen
5.5. Zusammenfassung „Die unschuldige Mörderin“

6. Ritter Alexander
6.1. „Ritter Alexander“: Quellen und Stoffgeschichte
6.2. „Ritter Alexander“: Inhalt
6.3. Die List in „Ritter Alexander“ und „Ritter Trimunitas“
6.4. Zusammenfassung „Ritter Alexander“

7. Schlußbetrachtung und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Gegenstand

In vorliegender Arbeit untersuche ich das Thema der List in der mittelhochdeutschen Kleinepik anhand dreier ausgewählter Mären: „Aristoteles und Phyllis“, Heinrich Kaufringers „Die unschuldige Mörderin“ und „Ritter Alexander“. Die hier genannte Kleinepik wird der Gattung Märe zugeordnet, wobei es sich um kurze Episoden aus dem Leben und der Welt des Mittelalters seit dem 13. Jahrhundert handelt. Das Märe umfaßt, je nach Art, entweder schwankhafte Elemente, die auf einer Verkehrung der Welt basieren oder didaktische Elemente, die dem Leser Moral- und Ethikvorstellungen mit auf den Weg geben. Zudem ist es in Reimpaarversen verfaßt. Es gibt drei verschiedene Arten des Märe: Das höfisch- galante Märe, zu dem „Ritter Alexander“ zu zählen ist, das moralisch-exemplarische Märe („Die unschuldige Mörderin“) sowie das schwankhafte Märe („Aristoteles und Phyllis“).

Ein wichtiger Bestandteil des Märe ist das Thema der List: Der Listanwender benutzt stets eine Mischung aus Torheit und Klugheit, woraus sich immer eine Handlungskomik entwickelt. List selbst meint eine geschickte Täuschung, und kann sowohl destruktiv als auch konstruktiv eingesetzt werden. Die ausgewählten Mären haben zum Inhalt, Wahrheiten und Identitäten zu ver-bergen. Wichtig sind aber auch die Strategien und Mittel, mit denen überlistet wird sowie, warum überhaupt eine List angewandt wird. Zu den Mitteln gehören beispielsweise Täuschungen auf der sprachlichen Ebene (Falsch-, Teilaussagen) oder auch Gegenstände, die zweckentfremdet eingesetzt werden.

In eine List sind meistens zwei Personen involviert, nämlich Spieler und Gegenspieler, wobei der Gegenspieler derjenige ist, der gegen die listige Person spielt. Der Gegenspieler möchte einen Plan durchsetzen, der dem Spieler, bzw. Listanwender, widerstrebt, weshalb sich der Listanwender gezwungen sieht, die Situation zu seinen Gunsten zu ändern, ohne daß der Gegenspieler den Plan durchschaut. Hierbei handelt es sich meist um eine intellektuelle Verstandesleistung des Listanwenders, denn er versucht, Logik auszuhebeln und einen Sachverhalt so komplex wie möglich darzustellen, um den Gegenspieler zu verwirren. Der Gegenspieler hingegen geht davon aus, seinem Gegenüber gewachsen bzw. überlegen zu sein.

Diese Thematik ist im Schwank handlungsbestimmend und fördert die Dynamik, außerdem basiert sie auf der oben genannten intellektuellen Verstandes- leistung und der Realitätsblindheit des Listopfers, das bei Gelingen der List verspottet wird. In dieser Arbeit wird der Frage nachzugehen sein, mit welchen Mitteln und aus welcher Motivation heraus die Frauen ihre „Gegenspieler“ überlisten, und ob und warum die List gelingt bzw. nicht gelingt.

Ziel ist es herauszufinden, ob die Frauenfiguren ähnlich verfahren, ob die List aus ähnlichen Gründen Erfolg hat oder nicht. Außerdem soll untersucht werden, ob Ehre und Ansehen der Frauen beschädigt werden oder nicht.

1.2. Forschung

Wer in der Märenforschung speziell zum Thema List recherchiert, findet nur hier und da einen Satz. Zwar existiert durchaus Literatur über die List beispielsweise in „Tristan und Isolde“, die deutsche Märendichtung ist in dieser Hinsicht aber anscheinend noch nicht ausführlich behandelt worden. Lediglich Hartmut SEMMLE [1] hat über die Listmotive in der mittelhochdeutschen Kleinepik geschrieben, die hier behandelten Mären aber nicht ausführlicher betrachtet.

Einer der wichtigsten Forscher der Märendichtung war Hanns FISCHER[2], der in seinem Buch „Studien zur deutschen Märendichtung“ das Märe analysiert und den Versuch eine Kategorisierung unternimmt. Er verschafft der Leserschaft mit seinem Buch einen wichtigen Überblick über die Kleinepik und begründet darüber hinaus auch den Märe -Begriff für Teile der mittelhochdeutschen Kleinepik. Joachim HEINZLE[3], ein wichtiger Kritiker der Begriffsdefinition, legt in seinem Aufsatz „Märenbegriff und Novellentheorie“ dar, warum der Begriff Märe nicht passend für die mittelhochdeutsche Kleinepik ist.

Klaus GRUBMÜLLER[4]trägt auch einen wichtigen Teil zur Forschung bei, denn seine „Novellistik des Mittelalters“ führt zahlreiche Mären inklusive Stellenkommentar mit vielen Querverweisen auf.

Forschungsliteratur, die sich gezielt auf die in vorliegender Arbeit behandelten Mären bezieht, ist eher rar gesät. Über „Aristoteles und Phyllis“, eine sehr bekannte und in vielen Bildern dargestellte Geschichte, gibt es durchaus mehr Literatur. Am umfassendsten hat sich Cornelia HERRMANN[5] mit der Thematik befaßt. Sie gibt zum einen Überblick hinsichtlich der Überlieferungsgeschichte und zum Motiv des Themas, zum anderen geht sie auch auf die Bildmotive ein. Auch das von Hellmut ROSENFELD bearbeitete Benediktbeurer Fragment stellt einen wichtigen Vergleich zu der Straßburger Fassung dar, benennt Unterschiede und Gemeinsam- keiten. Die Aufsätze zum Thema „Aristoteles und Phyllis“ oder generell zum „Minnesklaven“ unterscheiden sich im Endeffekt nicht besonders voneinander.

Zum Thema „Die unschuldige Mörderin“ geben Kurt RUH und Ralf-Henning STEINMETZ[7]in ihren jeweiligen Aufätzen eine mögliche Erklärung, warum Kaufringer sich gegen ein mirakelhaftes Ende entschieden hat. Hilfreich und am aktuellsten ist auch Marga STEDES[8] Dissertation über Heinrich Kaufringer. Zusammen mit RUHS und STEINMETZ’ Aufsätzen ergibt sich daraus ein plausibles und verständliches Bild über den Autor, seine möglichen Motivationen beim Schreiben und Hintergründe darüber, warum er sehr darauf bedacht war, den Rezipienten Ethik- und Moralvorstellungen näher zu bringen. Karl EULINGS[9]Monographie über Kaufringer gibt Erklärungen in Bezug auf Herkunft und Leben des Autors, was durch Hanns FISCHERS „Studien“ abgerundet wird. EULINGS Werk ist in manchen Punkten veraltet und stimmt teilweise nicht mit dem aktuellen Forschungsstand überein. Allerdings hat er durchaus einen Vergleich zwischen den verschiedenen Fassungen von „Die unschuldige Mörderin“ gezogen. Ansonsten existieren kaum Aufsätze, die sich direkt auf „Die Unschuldige Mörderin“ beziehen; viele vereinzelte Informationen stammen aus unterschiedlichen Quellen.

Am schwierigsten sieht die Forschungslage bei „Ritter Alexander“ aus. Über dieses Märe an sich findet sich nichts, lediglich das Verfasserlexikon bietet einigen Aufschluß sowie wenige Verweise zu weiterer Sekundärliteratur. Deswegen habe ich mich bei „Ritter Alexander“ stark auf die Motive gestützt, wie beispielsweise die Ehe- und Verkleidungsthematik. Hier helfen die Bücher von Monika JONAS[10] und Monika LONDNER[11]: Während LONDNER auf die Ehe und Rolle der Frau im Mittelalter eingeht, Hintergründe und Erläuterungen liefert, kann Monika JONAS ergänzend in Bezug auf die Ehe und Rolle der Frau im Schwank hinzugezogen werden. Abgerundet wird das Bild noch von Rainer WEHSES[12]Aufsatz zur Frau in Männerkleidung.

Die wichtigste Grundlage für die vorliegende Arbeit bildet die Forschung zur List. Hartmut SEMMLER[13]gibt einen allgemeinen Überblick über die Listmotive in der mittelhochdeutschen Kleinepik. Seine Liststrukturierungen stellen eine wichtige Basis für die Listanalyse dieser Arbeit dar und dienen als Leitfaden für die Frage, worauf bei ein]er literaturwissenschaftlichen Analyse der List zu achten ist. Sehr aktuell und ergänzend dazu ist HARRO VON SENGERS [14] „Die Kunst der List“: Hier

werden konkrete Merkmale und verschiedene Strategeme der List aufgezeigt. Ebenfalls aktuell ist der Sammelband VON SENGERS „Die List“, in dem verschiedene Aufsätze zum Thema stehen, die die List auf unterschiedliche Weise bearbeiten.

Auf der linguistischen Ebene betreibt Alexander SCHWARZ[15]eine Listanalyse und liefert somit noch vertiefende Hintergrundinformationen.

1.3. Fragestellung, Material und Methode

Bei der Untersuchung der List von Frauen in der mittelhochdeutschen Kleinepik wird zu klären sein, mit welchen Mitteln und warum die literarischen Frauengestalten zur List greifen, wie die Haltung des Autors dazu ist, und wie die Frauen dargestellt werden. Dabei werden literarische Fiktion und mittelalterliche Wirklichkeit gegenübergestellt sowie bestimmte Sachverhalte geklärt, wie beispielsweise die Eheauffassung und Rolle der Frau. Insgesamt soll herausgearbeitet werden, ob es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen den Mären gibt.

Als Basis dienen die drei Mären „Aristoteles und Phyllis“, „Die unschuldige Mörderin“ und „Ritter Alexander“ und deren jeweiligen Versionen, die als stoffgeschichtlicher Hintergrund dienen. Die Grundlage und der sogenannte rote Faden ist das Material zur List: Alle drei Mären einschließlich deren Fassungen untersuche ich in gesonderten Kapiteln nach ganz bestimmten Kriterien in Bezug auf List. Dazu dienen unter anderem die oben besprochenen Aufsätze zum Thema List.

Bei der Analyse wird chronologisch vorgegangen, es wird folglich mit der ältesten überlieferten Geschichte „Aristoteles und Phyllis“ begonnen, es folgt „Die unschuldige Mörderin“ und danach „Ritter Alexander“. Innerhalb der jeweiligen Kapitel werden die verschiedenen Versionen der Mären parallel miteinander verglichen und zudem auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezüglich der List untersucht. Am Ende eines jeden Kapitels werden die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefaßt.

1.4. Aufbau der Arbeit

Im theoretischen Teil wird ein Überblick über das Märe gegeben, wobei FISCHERS „Studien zur deutschen Märendichtung“ als Orientierung dient [2.1.], anschließend folgen Angaben zur Quellenlage [2.2.], Realismus in den Mären [2.3.] und Figurentypen [2.4.]. Dieses Kapitel soll ein wichtiger Grundstock zum Verständnis der in vorliegender Arbeit ausgewählten Mären sein und einen Einblick in die literarische Schaffenszeit bezüglich Kleinepik im Mittelalter geben.

Kapitel 3 handelt von der List, wobei zunächst eine Definition des Begriffs folgt [3.1.] sowie ein Abriß darüber, welchen Ursprungs das Wort ist, und was es vor allem im Mittelalter für eine Bedeutung hat. Der anschließende Abschnitt behandelt das Listmotiv in der mittelhochdeutschen Kleinepik und welche Funktion List vor allem die Frauen betreffend hat. In Unterkapitel 3.3. geht es um die Kriterien der Listuntersuchung. Dieses Kapitel dient als Leitfaden, worauf bei der Analyse der Mären geachtet wird und welche Arten der List existieren. Es schließt sich eine kurze Zusammenfassung auf das an, was im Analyseteil folgt. Dabei wird noch einmal das chronologische Verfahren und die synchrone Analyse der Mären und deren Fassungen erklärt [3.4.]. Nachdem die Grundlagen der Analyse geklärt sind, beschäftigen sich Kapitel 4, 5 und 6 mit ihren jeweiligen Unterkapiteln mit den Mären. Die Kapitel sind wie folgt aufgebaut: Für das Vorverständnis werden Fragen zur Quellen- und Stoffgeschichte geklärt, anschließend wird das jeweilige Märe inhaltlich wiedergegeben, worauf die Listanalyse folgt. Auf diese Weise sollen das Verständnis und die Zusammen-hänge der einzelnen Geschichten verdeutlicht werden. Die Zusammenfassung am Ende eines Kapitels hebt noch einmal die wichtigsten Punkte und Beobachtungen hervor.

2. Begriffsdefinition Märe, Schwank, Kurzgeschichte

Bevor in medias res gegangen wird, folgt ein Einblick in die Gattungs- geschichte der mittelhochdeutschen Kleinepik.

Im Gegensatz zum höfischen Roman schenkte die Forschung der Kleinepik nicht so viel Beachtung, weil sie als anspruchslos und derb galt. Hanns FISCHER, Vorreiter der Kleinepikforschung, beschäftigte sich ausführlich mit dieser Thematik und prägte den Gattungsbegriff Märe.

2.1. Gattungsbegriff Märe

Das Märe konzentriert sich inhaltlich auf eine kurze, schmale Geschehnisstrecke, zeigt auch nur einen Ausschnitt von Leben und Welt und fokussiert auf „eine oder wenige eng zusammenhängende Episoden und die prägnante Herausarbeitung des Vorgangs.“[16]Eine formale Gemeinsamkeit der mittelalterlichen Märendichtung ist die Verslänge, die sich laut FISCHER durchschnittlich zwischen 500 und 1000 Versen befindet.[17] Zudem zählt das Märe zur Reimpaardichtung.

FISCHER lehnt in seinem Buch „Studien zur deutschen Märendichtung“ den Novellenbegriff für die mittelalterliche Kleinepik ab, denn die mittelalterliche Novelle habe mit der aus der neueren deutschen Literatur wenig gemeinsam.[18]Daraus ergibt sich eine terminologische Konsequenz: Der Begriff Märe bietet sich deswegen an, weil er noch nicht anderweitig verwendet wurde und „seine Verwendung zur Bezeichnung [dieser] Gattung einen gewissen Rückhalt im mittelalterlichen Sprachgebrauch hat.“[19] HEINZLE kritisiert FISCHERS Terminologie, denn es ist schließlich so, daß sich FISCHERS Märenbegriff „faktisch als Übertragung einer modernen Novellendoktrin auf die mittelalterlichen Texte darstellt.“[20]Inhaltlich seien sich die Novelle und das Märe nämlich sehr ähnlich, denn beide Gattungen, wenn man Märe denn als eigenständige Gattung bezeichnen kann, zielten jeweils auf Diesseitigkeit und Wirklichkeitsmäßigkeit ab, weshalb HEINZLE die Märentheorie als Ableger der Novellentheorie klassifiziert.[21]FISCHER mache seinen Gattungsbegriff an Boccaccios ‚Decameron’ fest, und das bedeute, daß er im Endeffekt doch die moderne Novellentheorie gebrauche.[22]

FISCHERS Klassifizierung sieht folgendermaßen aus: Die Märendichtung besitzt eine triadische Grundstruktur, nämlich das schwankhafte, das höfisch-galante und das moralisch-exemplarische Märe.[23] Das schwankhafte Märe hat das entscheidende Merkmal des rediculum. FISCHER nennt hier vier Grundarten von Komik, die im Schwank in Erscheinung treten: Figurenkomik, Situationskomik, Wortkomik und Handlungskomik.[24]Die Mehrheit der Schwänke ist laut FISCHER aber auf die „Überlistung des tumben“ angelegt, wobei der Listanwender seine Dynamik aus einer Mischung zwischen Torheit und Klugheit bezieht.[25] Interessant ist, daß sich die Handlungskomik meist aus der Erotik kristallisiere, denn gerade die amourösen Vorgänge bergen einen komischen Reizeffekt. FISCHER meint dazu, daß die behandelten Ehebrüche, Kraft- und Treuproben oder auch Verführungen Illustrationsbeispiele für den Sieg der Klugheit über die Torheit sind. Spannend daran ist, daß die amourösen Abenteuer meist in einer sehr heiklen Situation entstehen, weswegen sich die Figuren einer ganz besonderen Listschlauheit bedienen müssen.[26] FISCHER schließt daraus, daß „der geistig Bewegliche, Listige, Lebenskluge auf Grund einer Art von Naturrecht die Oberhand behält über den geistig Trägen, Törichten und Ungewandten.“[27] Wenn dem so ist, dann ist „Aristoteles und Phyllis“ in doppeltem Sinne komisch, denn gerade der weise und geistig gewandte Aristoteles wird überlistet und verfällt der Minne, was ihn im Sinne von FISCHERS Schlußfolgerung zu einer geistig trägen Figur macht.

Das höfisch galante Märe ist in gewisser Weise vergleichbar mit dem höfischen Roman, denn der Schwerpunkt liegt auf tugendhaftem Verhalten in gefahrvollen und innerlich konfliktbeladenen Situationen, „wobei der Minne als seelischer Triebkraft auch in den Aventuire-Geschichten meist die entscheidende Rolle zufällt.“[28]Menschliche Handlungen sollen im höfisch-galanten Märe als vorbildhaft gelten. Ziel ist dabei weniger die Unterhaltung des Publikums, sondern, wie FISCHER es ausdrückt, eine Art von höfisch-gesellschaftlicher Erbauung.[29] Zu diesem Themenkreis ist „Ritter Alexander“ zu zählen, denn die Ehefrau Alexanders handelt in jedem Fall äußerst vorbildlich und tugendhaft: Sie erträgt das Verhalten ihres Mannes und rettet ihn zugleich mit viel List aus einer gefährlichen Situation. Elemente dieser Kurzgeschichte erinnern außerdem sehr stark an den höfischen Roman.[30]

Das moralisch-exemplarische Märe zielt auf das Aufzeigen bestimmter moralischer Positionen ab, die im Pro- und Epimythion (vergleichbar mit Pro- und Epilog) besonders hervorgehoben werden. In „Die unschuldige Mörderin“ weist Kaufringer besonders an diesen Stellen immer auf die Unschuld und das rechtmäßige Handeln seiner Protagonistin hin – ihre Gegenspieler werden im Gegenzug immer mit negativen Attributen ausgestattet.

Obwohl die Teilaspekte des Märenbegriffs stark voneinander abgegrenzt scheinen, heißt das nicht, daß beispielsweise schwankhafte Elemente nicht auch im moralisch-exemplarischen Märe vorkommen können. Die Grenzen sind meist fließend, so ist „Aristoteles und Phyllis“ beispielsweise ein Schwank mit höfischem Einfluß.

Die Ursache für diese „Vermischungs- und Angleichungserscheinungen“[31] der Märentypen sucht FISCHER in der Funktions- und Überlieferungs-gemeinschaft und stellt dabei die Wellentheorie auf. Seiner Meinung nach ist das höfisch-galante Märe mit dem höfischen Roman verwandt, weil sich beide Formen thematisch und intentional ähnlich sind. Das moralisch-exemplarische Märe hingegen ähnelt doch sehr dem bîspel, weswegen FISCHER davon ausgeht, daß auch hier eine „genetische Verbindung“ vorliegt.[32] Dennoch stört HEINZLE sich an der klaren Abgrenzung von Bîspel und Märe, die FISCHER vornimmt, denn diese Abgrenzung ist für ihn nicht nachvollziehbar. Der Unterschied zwischen Märe und Bîspel ist eigentlich keiner, außer daß das Bîspel weniger Verse aufweist und deswegen recht knapp ist. Das Märe ist epischer ausgerichtet und erhebt aufgrund seiner Länge möglicherweise eher einen ästhetischen Anspruch als einen didaktischen. Dennoch ist es für HEINZLE widersinnig, Klein- und Kleinstformen kategorial zu unterscheiden.[33]„Mhd. Bîspel steht im epischen Bereich für alle Erzählungen gleich welchen Umfangs, sofern sie nur exemplarisch auf eine Lehre angelegt sind.“[34] Gleiches gelte häufig auch für das Märe. Der Märenbegriff bedeute im Übrigen ‚Erzähltes’ bzw. ‚Geschichte’. Desweiteren stellt sich HEINZLE die Frage, wann die Lehre anfängt und die Unterhaltungsintention des Autors aufhört.[35]

Der Schwank hingegen stehe als Typ isoliert und weise keinerlei Ähnlichkeiten mit anderen Literaturtypen des Mittelalters auf.[36] Für FISCHER liegt es außerdem nahe, daß es der Schwank war, für den die Form des Märe geschaffen wurde, weil die anderen Aspekte anderen Quellen entspringen. Der Schwank ist also laut FISCHER der Urtyp des Märe.

HEINZLE kritisiert an FISCHERS Forschung, daß der Märenbegriff zu weit gefaßt sei. FISCHER bringe den Inhalt des Märenbegriffs auf den kleinsten gemein- „Hellerwert Witz“ und „Pfennigwert Witz“ gegenüber. Beide Geschichten hätten denselben Inhalt, wobei erstere 630 Erzählverse, letztere aber nur 92 Erzählverse aufweise. Demnach gehöre „Ein Pfennigwert Witz“ zu den sogenannten „Grenzfällen“, weil dieses Märe nur um Haaresbreite der Klassifizierung zum bîspel entgehe.

36 Fischer schreibt, daß 80% aller Mären auf den Schwank, jedoch nur 15% auf das höfisch-galante und nur 5% auf das moralisch-exemplarische Märe fallen. Vgl. dazu „Studien“. S. 115.

samen Nenner, nämlich den, daß auch diejenigen Kurzgeschichten des Mittelalters Mären seien, die eine „weltliche Geschichte mit menschlichem Potential“ erzählten.[37]Zudem kann sich HEINZLE nur schwerlich vorstellen, daß ein mittel- alterlicher Autor mit eben jener Intention an sein Werk ging, eine weltliche Geschichte mit menschlichem Personal zu schreiben.[38] FISCHER gebe keine Antwort darauf, warum beispielsweise alle Märentypen zu einer Gattung zusammengefaßt worden seien, denn theoretisch könnten ja auch sowohl das höfisch-galante als auch das moralisch-exemplarische Märe oder auch die Schwänke eine eigene Gattung stellen.[39]FISCHERS Definition weise keine Prägnanz auf, sei nicht traditionsstiftend und erfasse deswegen keine wirksam gewesene Größe.[40] Der Märenbegriff sei de facto nicht einprägsam.

Der Einfachheit halber wird in vorliegender Arbeit der Märenbegriff verwendet.

2.2. Quellen

Die Schwankdichtung ist eine Schöpfung des 13. Jahrhunderts. Zur gleichen Zeit entstand eine Schwankliteratur in Frankreich, Italien und England. Allerdings läßt sich nicht zurückverfolgen, wer der Gebende und wer der Nehmende war, weswegen Heinz RUPP[41] das Schlagwort der „Europäischen Literatur des Mittel- alters“ gebraucht, denn die Beziehungen gehen hin und her.[42]Frauke FROSCH- FREIBURG[43]ist mit RUPP einer Meinung. In ihrem Buch „Schwankmären und Fabliaux. Ein Stoff- und Motivvergleich“ erklärt sie, daß die Stoffe und Motive der mittelalterlichen Schwänke häufig keine original „Schöpfung“ des einzelnen Schwankdichters waren, sondern einem weit verbreiteten Erzählreservoir entstammten. Da die Stoffe, Motive und Situationen weit verbreitet waren, konnten sie zu den verschiedensten Epochen vor und nach der Fabliaux- und Märendichtung verwendet werden.[44] Sie weist außerdem darauf hin, daß die mittelalterlichen Mären aus einer Vielzahl von Komponenten und Quellen entstanden. Dazu gehörten beispielsweise orientalische Quellen, heimischer Aberglaube oder mündliche Überlieferungen, die im Laufe der Zeit immer wieder abgewandelt worden seien. Diese ganzen Faktoren trugen dazu bei, daß die Quellen oftmals sehr schwer oder auch gar nicht zu bestimmen waren. Die verschiedenen Schichten der Überlieferung (etwa: heimische Erzählung plus Einfluß orientalischer Erzählstoffe plus neuerliche Überdeckung durch eigene Motive) sind daher kaum voneinander unterscheidbar.

Die mittelalterlichen Schwankstoffe sind demnach ein Mix aus zeitlich und räumlich sehr entfernten Gebieten.[45] „Aristoteles und Phyllis“ ist ein Beispiel einer orientalischen Erzählung, die mündlich weiter verbreitet wurde.

Aber warum folgte die Märendichtung gerade auf die höfische Dichtung? Die höfische Dichtung galt lange Zeit als das Non plus Ultra des Mittelalters. Inhaltlich wird Wert auf die tugenden und das aventuire gelegt, durch das sich der Held beweisen muß, um zu reifen. Heribert HOVEN[46] versucht, eine Antwort auf die Frage zu geben, warum nun gerade die derbe Märendichtung der idealisierten höfischen Dichtung folgte. Für ihn liegt es daran, daß die Gattung eine Zeit spiegelt, in der die Grenzen sozialer Kategorien und Klassen und somit die Kriterien sittlicher und moralischer Werte fließend werden. Im Grunde führt er diesen Wandel auf eine Art „Protestverhalten“ der höheren Schichten zurück. HOVEN sieht es als eine logische Konsequenz, daß nach diesem Idealisierungs-anspruch der Minne, der auch den Triebverzicht enthält, eine antiidealistische Position in der Märendichtung zur Geltung kommen muß. Zwar scheint die Klientel der Mären auf den ersten Blick einer anderen Gesellschaftsschicht zu entstammen, doch handelt es sich laut HOVEN durchaus um einen wichtigen Bestandteil „einer sozial und bildungsmäßig den höheren Kreisen zuzuordnenden Gesamtwirklichkeit.“[47] Schließlich begehre nur derjenige gegen ein übersteigertes Minneideal auf, der sich dadurch beengt fühle.[48]Das gleiche gelte für die höfische Sprachdezenz, gegen die nur derjenige in Darstellung der Frau eine Reaktion auf die übersteigerte Frauenverehrung der höfischen Dichtung gewesen sein muß. Die Frau habe hier eine Erhöhung in einer kleinen elitären Schicht erfahren, und das fordere einen Gegenpol, der dann häufig in den Schwänken zu finden sei. Vgl. Londner. S. 356.

komischer bzw. parodistischer Weise aufbegehre, der sich durch sie reglementiert sehe. Gerade deshalb beruhe wohl die Komik der Märendichtung bevorzugt darauf, Anspruch und Wirklichkeit zu durchbrechen, was für die oberen Gesellschafts- schichten als durchaus befreiend gewirkt habe. Die märenspezifische Erotik fülle zudem eine Lücke, die das Ideal der Hohen Minne hinterlasse. „Neben die entsagungsvolle Liebessehnsucht tritt [beispielsweise] eine Liebe, die ihr Ziel kennt und auch erreicht.“[49]

Die Schwankdichtung wirkt durch ihre Derbheit, und dadurch, daß menschliche Schwächen klar aufgezeigt werden, realistischer als die höfische Dichtung, wenngleich dieser Eindruck bei genauerer Betrachtung täuscht.

2.3. Realismus

Wolfdietrich RASCH beschreibt Realismus als eine Haltung, die der Wirklichkeit in ihren natürlichen Beständen zugewandt sei, das schließt also die Dinge und Menschen, die Räume und Geschehnisse, und alles Sichtbare, Hörbare, Erlebbare gleichermaßen mit ein. Dieser realistischen Haltung wird es zum künstlerischen Anliegen, dieses Wirkliche in seinem eigentümlichen Gepräge, seiner Farbe und Gestalt aufzufassen und wiederzugeben.[50]

Die Schwänke des Mittelalters vermitteln das Gefühl, näher an der Wirklichkeit zu sein als die idealisierte höfische Welt, denn die Welt in den Mären erscheint schon durch das Auftreten von Pfaffen, Bauern, Kaufleuten, Bürgern, Rittern, Studenten, gewissenlosen Mägden und treulosen Frauen eine ganz andere zu sein.[51] Kupplerinnen und Dirnen treten in trivialen Situationen auf und zeigen unbeschönigte Verhaltensweisen. Das alles erzeugt eine unmittel-barere Nähe zur alltäglichen Welt des Mittelalters.[52]Hinzu komme die Vor-führung listiger Streiche, die komische oder lehrhaft-warnende Bloßstellung menschlicher Torheiten oder Laster, die dementsprechend auf bestimmte Seiten des menschlichen Wesens und Verhaltens angewiesen seien.

Insgesamt stellt man fest, daß die Situationen in den Schwänken so nicht hätten passieren können und zudem eine Übertreibung darstellen, denn die Mären und Schwänke vermitteln den Eindruck, daß sich die mittelalterliche Bevölkerung nur gegenseitig überlistete, daß Pfaffen grundsätzlich wollüstig und Bauern meistens tumb waren.[53]FISCHER bezeichnet das als „modales Prinzip der Typisierung“[54], womit er Vorgänge mit weitgehend typischen Abläufen zur Darstellung meint. Das ganze werde getragen von typischen Rollen, für die wiederum typisierendes Figurenmaterial verwendet werde. Typisierung sei eine Form der vereinfachten Abstraktion, die von der Wirklichkeit abführe, weil sie dem Individuum und dem individuellen Fall keinen Raum lasse.[55] Insofern kann diese „Wirklichkeit“ nicht real sein, weil die Autoren absichtlich überspitzte Figurentypen und Situationen wählen.

„Am Alltäglichen ist dem schwankhaften (und exemplarischen) Märe so wenig gelegen wie der höfischen Dichtung. Nicht das Gewöhnliche erregt die Anteilnahme des Publikums und scheint deshalb darstellenswert, sondern im Gegenteil das Außergewöhnliche, das Überraschende, ja sogar Phantastische und Unwahrscheinliche.“[56]

Genau dieser Faktor des Ungewöhnlichen führe dann auch zum komischen Element in den Schwänken, denn groteske, tadelnswerte oder häßliche Situationen bringen das Publikum zum Lachen. Dem Spannungsbogen zwischen Klugheit und Einfalt komme dabei große Bedeutung zu.[57]

Auch RASCH weist darauf hin, daß die zentralen Handlungsmotive niemals von den Erzählern in irgendeinem Sinne der Wirklichkeit entnommen wurden, schließlich handelt es sich um überliefertes Erzählgut, das zum Teil aus

französischen Fabliaux, antiken oder orientalischen Quellen stammt und von den Autoren nicht unmittelbar erlebt wurde.[58] Trotzdem versuchen viele Autoren ihre Geschichte real erscheinen zu lassen, indem sie beteuern, es handele sich um eine wahre Geschichte, oder indem sie die Quelle bzw. einen Informanten nennen, der diese Geschichte persönlich erlebt hat.

2.4. Figurentypen

Eine weitere Besonderheit des Märe sind die Figurentypen. Insgesamt gibt es laut FISCHER drei Grundkonstellationen. Die erste davon ist die Ehekonstellation, deren Grundthematik eheliches Kräftemessen ist. Dabei ist, je nach Schwank, entweder die Figur des Mannes listig-überlegen oder die Frau.[59]Monika JONAS merkt an, daß die Frau häufig die zentrale Figur im Handlungsgefüge sei, da sie diejenige ist, die vielfach den Ehebruch initiiert bzw. in ‚kritischen’ Momenten die entscheidenden Wendungen herbeiführen könne. Sie arrangiere den Betrug und verhindere zumeist seine Entdeckung. Bestimmend für das Frauenbild in den Schwänken sei die weitgehende Handlungsfreiheit und die Macht über den Mann.[60]Das Thema der verkehrten Welt greife auch hier, denn die Frau im Schwank widersetze sich allen Normen, die ihr in der außer-literarischen Realität von weltlichen wie kirchlichen Institutionen auferlegt seien: „sie beweist Initiative, sie stellt Bedingungen, ihr stehen beinahe in jeder Situation Mittel zur Verfügung, mit denen sie ihr Ziel erreichen kann.“[61]

Bei „Ritter Alexander“ gestaltet sich diese Frage besonders spannend, weil Alexanders Frau eine Vorbildfunktion erfüllt: Zwar fügt ihr Alexander eine gewisse Schmach durch sein Fremdgehen zu, doch versteht sie es, durch kluges Handeln die Situation zu retten. Die meisten Ehebruchsgeschichten sind auch gleichzeitig Dreiecksgeschichten, wobei Ritter Alexanders Gattin den Titel der „listigen Ehetreuen“[62]innehätte. Insgesamt reicht der qualitative Spielraum von schematisch verlaufenden Ehebruchschwänken bis hin zu Mären, aus denen ein deutliches Bemühen um die prinzipielle Klärung ehelicher Probleme spricht, die zwar schwankhafte Elemente enthalten, aber dennoch ein klares didaktisches Anliegen vertreten. Obwohl Milieu, darstellerisches Mittel, Erzählintention in den einzelnen Mären recht unterschiedlich sind, kristallisiert sich zumeist eine ganz bestimmte Eheauffassung als vorbildhafte Zielvorstellung heraus.[63]

Die zweite Konstellation betrifft die Liebesverhältnisse, in der es nur zwei Hauptrollen gibt, nämlich den treuen Liebhaber und die treue Liebende oder den Werber und die Umworbene. Dieser letzte Fall gilt für „Aristoteles und Phyllis“, denn hier ist der Werbende nach FISCHERS Terminologie der „verspottete Liebhaber“.

Die dritte Konstellation basiert auf die unerotischen Verhältnisse, wobei es hier vornehmlich um eine listige und eine überlistete Person geht.

In den Mären kommen nur sehr wenige Figuren und Typen vor – meist sind es drei, wobei diese Rollen auch verdoppelt werden können. Im „Ritter Alexander“ werden zwei Paare in die Ehekonstellation verwickelt. Das zweite Ehepaar (die Bürgerfrau und ihr Mann) spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle. FISCHER nennt das eine „offenbar bewußt durchgeführte Zweiparteiung der auftretenden Figuren in ‚Spiel und Gegenspiel’, [was] die Rollenverhältnisse durchsichtig [macht].“[64]

Die festgelegten Figurentypen verschaffen dem Autor auch den Vorteil, knappe poetische Aussageweisen der Mären durchsetzen zu können, ohne aus- schweifen zu müssen. Da Situationen und Vorgänge stets ähnlich sind, dürften sie dem Leser bzw. Zuhörer ohnehin bekannt gewesen sein – der Dichter brauchte also bei der Figuren- und Situationenbeschreibung nicht weit auszuholen.[65]

FISCHER erklärt, daß sich das Märenpersonal quantitativ am meisten aus dem Adel zusammensetzt; dem Adel kommt die positive Rolle des romantisch- sentimentalen Liebhabers zu. Ähnlich wie das Image des Ritters ist das des Studenten besetzt, der ebenfalls verführt, nur selten ertappt aber niemals öffentlich bloßgestellt oder bestraft wird. Auch dem Pfaffen kommt die Verführerrolle bzw. die Rolle des Ehebrechers zu, doch wird er, im Gegensatz zum adeligen Personal, häufig für sein Tun bestraft oder bloßgestellt – wohl auch deshalb, weil seine amourösen Abenteuer als Verstoß gegen das Zölibat empfunden wurden.[66]

Der Bauer spielt vor allem im Schwank eine charakteristische Rolle, wird als ungehobelt und einfältig beschrieben und meistens von seiner Ehefrau betrogen und überlistet. Die Bäuerin hat als Gegenstück zum einfältigen Bauern die Rolle der listigen Treulosen inne.[67]

Weitere Figurentypen setzen sich aus dem Bürgertum zusammen. In der Regel sind das Kaufleute, Pferdehändler, Wirte oder Handwerker. Ebenso vielfältig wie das Rollenprofil ist auch die Rolle des Bürgers: Er begegnet sowohl als Erfolgreicher oder Überlisteter in ehelichen Kraftproben, als auch als Rächer, aber eher selten tritt er als Buhler auf – sein Rollenprofil ist sowohl negativ als auch positiv besetzt. Die Bürgerfrau hingegen gilt entweder als kräftemessende oder betrügende Gattin.[68] Ein Beispiel ist die Bürgersfrau in „Ritter Alexander“: Während die Rittersfrau absolut tugendhaft handelt und sich nichts zuschulden kommen läßt, ist die Bürgersfrau diejenige, die betrügt. Insgesamt genießt der Adel das höchste Ansehen, gefolgt von der Scholarenschaft, dem gehobenen Bürgertum, Kleinbürgertum und Bauernstand – dazwischen befindet sich der Klerus.[69]Interessant wird in diesem Zusammenhang noch der „Ritter Alexander“ sein, denn hier spielen der Adel und das gehobene Bürgertum die Hauptrollen, wobei dem Ehemann der Bürgersfrau die Rolle des Gehörnten zukommt, und der adelige Alexander dank seiner Frau ungescholten bleibt.

Die Pointe der Schwänke kommt dann in dem Moment ganz besonders zum Tragen, wenn „der Handlungserfolg dem ‚natürlichen’ ständischen Gefälle zuwiderläuft“[70]– das ganze gepaart mit einer ordentlichen Portion List ergibt einen sehr komischen Effekt.

3. List

Mit dem Wort List verbinden wir im Allgemeinen Hinterhältigkeit, aber auch Schläue und Gerissenheit. Meist ist das Wort aber negativ behaftet, allerdings sei dies speziell ein abendländisches Problem, erklärt HARRO VON SENGER. List werde in der westlichen Welt „fast zwanghaft stets ausschließlich ethisch-moralisch“ betrachtet. Im Abendland sei es nahezu üblich, die List überstürzt als negativ zu bewerten, ohne sie dabei umfassend zu erkennen.[71] Die wahre Kunst der List beherrschten seiner Meinung nach nur die Chinesen, die in ihrem Kulturkreis 36 Strategeme[72]der List kennen.

Interessanterweise befinden sich in unserem Sprachgebrauch ebenfalls viele Redewendungen, in denen List eine Rolle spielt. Beispiele sind Rede-wendungen wie „Einen Strohmann vorschieben“, „Jemanden als Marionette benutzen“ oder „Sich etwas aus den Fingern saugen“.[73] Insofern ist List durchaus auch in unserem Kulturkreis verankert, allerdings eher subtil und nicht wie bei den Chinesen zum täglichen Leben gehörend. Eher ist man versucht, das Wort List blumiger zu verpacken: „einen Coup landen“, „strategisch vorgehen“, „einen Trick anwenden“. Allerdings ist der Begriff viel komplexer und beinhaltet weitaus mehr als nur

jemanden mit (unlauteren) Mitteln auszutricksen bzw. zu überlisten.

3.1. Definition von List

Das älteste Wort, das List beschreibt, stammt aus dem Gotischen des 4. Jahrhunderts und gehört zum verbalen Stamm *lais- , was „wissen“ bedeutet.[74]Ursprünglich beschreibt List die Kriegslist, das Schmiedehandwerk und den kultisch- magischen Bereich, weshalb List vielfach ein böser Sinn anhaftete.[75]Im Fastnachtspiel „Ein spil von fursten und herren“ werden die Wörter Kunst und List [76] geschickt gegeneinander ausgespielt. Tatsächlich konnte List im mittelhochdeutschen auch Wissenschaft bzw. Kunst bedeuten. Umgekehrt konnte Kunst eine List meinen.

Die Bedeutung von List wird im LEXER wie folgt wiedergegeben: „Weisheit, Klugheit, Schlauheit; weise, kluge, schlaue Absicht od. Handlung (âne list aufrichtig, wahrhaftig); Wissenschaft, Kunst, Lehre; Zauberkunst.“[77]Unter dem Wort Kunst ist folgende Bedeutung zu finden: „Das Wissen, die Kenntnis, Weisheit;

Kunstfertigkeit, Geschicklichkeit; kunst (swarziu k. Zauberei); Erleuchtung des Innern, Eskaste.“[78] Beate HENNIG hat zusätzlich noch die Bedeutung List mit aufgeführt.[79]

Es gibt auch heute noch verschiedene Arten von List, die negativ wirken: Die

Hinterlist und die Arglist. Hinterlist meint in seiner neuhochdeutschen Bedeutung

‚tückisch, falsch, unaufrichtig, lauernd’. Arglist bedeutet ‚Hinterlist’ und Heimtücke.[80]Die Vorsilbe arg- bedeutet ‚schlimm, böse, schlecht’ „und wurde in alten Sprachzuständen in den Bedeutungen ‚ängstlich, feige; geil, wollüstig; (moralisch) schlecht’ verwendet. Die mittelhochdeutsche Bedeutung von hinderlistec kann mit ‚nachstellend’ übersetzt werden.[81]Das Wort List allein meint eine geschickte Täuschung. Dennoch hat die List alle Sympathien auf ihrer Seite, wenn sie eine Ungerechtigkeit gerade rückt. Es ist durchaus erlaubt, Kriegsgegner oder Andersgläubige zu überwinden, vor allem dann, wenn sie mit der List angefangen haben.[82] Das Wortfeld List kann mit verschiedenen Worten zum Ausdruck gebracht werden: „ versutia (Wendigkeit), vafritia (Gewitztheit), prudentia (Klugheit), ingenium (Einfallsgabe) oder ars (Kunstgriff).“[83]

Hartmut SEMMLER unterscheidet zwischen der ethisch nicht eingefärbten und der ethisch eingefärbten List. Im ersteren Fall bleibt eine Wahrheit verborgen, im letzteren wird die Absicht unterstellt, eine Wahrheit zu verbergen, d.h. es findet ein Verstoß gegen die Aufrichtigkeitsbedingung statt.[84] Für ihn bedeutet List

„das Anwenden eines Mittels mit der Intention, jemanden, den man für einen Gegner hält, über einen tatsächlichen Sachverstand zu täuschen. Der Gegner soll dazu gebracht werden, seine persönliche Einstellung in einer bestimmten Frage zu ändern oder etwas zu tun, was seinen unterstellten Interessen zuwiderläuft“[85] Alexander SCHWARZ bringt noch ganz explizit den Gegenspieler mit ins Spiel, zudem ist List für ihn eine intellektuelle Verstandesleistung, weil jemand in einer „unerfreulich aussehenden Situation“[86], an der mindestens ein Gegenspieler beteiligt ist, einen Ausweg findet, mit dem der Gegenspieler nicht gerechnet hat. Das Listschema paßt er zudem in ein semiotisches Dreieck ein, das folgendermaßen aussieht: Ein Interpret steht vor einer gegenwärtigen Situation und überlegt, wie diese Situation in der Zukunft aussehen könnte. Wenn genau diese Situation für eine weitere Person ungünstig aussieht, wird diese weitere Person versuchen, eine manipulierte zukünftige Situation herbeizuführen. Diese Situation ist für den List- anwender nicht mehr ungünstig, wohl aber für den Interpreten, der damit nicht gerechnet hat. Der Interpret ist somit Opfer einer List geworden.[87] Sébastian NANCHEN[88] stimmt SCHWARZ weitestgehend zu und baut die Komponente des Gegenspielers noch etwas weiter aus. So meint NANCHEN, daß man weniger von List als vielmehr von Klugheit oder Schlauheit sprechen könne, wenn kein Gegenspieler involviert sei. Der Gegenspieler sei schließlich, wie das Wort schon sagt, jemand, der gegen die listige Person spiele, demnach auch Ziele habe und handlungsfähig sei. Ist der er aber in der Lage, die List zu durchschauen, so habe er die Möglichkeit und auch den freien Willen, ihr zu entgehen. Habe der Gegenspieler aber diese Möglichkeit nicht, so sei er kein Gegenspieler mehr, sondern ein ohnmächtiges Opfer. NANCHEN legt hierauf sehr großen Wert, denn bei der List handele es sich um etwas, dem man entgehen könne, wenn man es denn durchschaue. Da der Listanwender aber die Absicht verfolge, seine List undurchschaubar zu gestalten, müsse der Listplan vom Anwender geheim gehalten werden. Im Endeffekt führe das dazu, daß der Listanwender den größeren Überblick über eine Situation habe – das Listopfer aber lediglich einen Teilüberblick, denn wesentliche Dinge blieben ihm ver-borgen. Das wiederum habe zur Folge, daß das Listopfer nicht in der Lage sei, die Situation richtig einzuschätzen, um ihr zu entgehen, und genau das müsse der

Listanwender ausnutzen.[89] An dieser Stelle ist SEMMLERS Unterscheidung zwischen der ethisch eingefärbten und ethisch nicht eingefärbten List wichtig, denn bei aller Schläue und Spitzfindigkeit sei es ebenso bedeutsam, die Ethik nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Darauf weist vor allem VON SENGER hin. Ein listenkundiger Tugendfreund erreiche im Endeffekt mehr, weil er sich auf konstruktive Ziele

konzentriere. Diese Art der List sei weiser als diejenige eines amoralischen Listanwenders, der es lediglich auf destruktive Ziele absehe.[90] Herbert PILCH nennt drei Bedeutungen der List: Die erste sei eine zielstrebige, wohlüberlegte, vom Gegenüber nicht erwartete Vorgehensweise - positive Konnotation. Die zweite sei genauso wie die erste nur mit einer negativen Konnotation, und die dritte beruhe auf überlegenem Wissen, Können und Geschick, was eine positive Konnotation impliziere.[91]

Im Folgenden wird deshalb auch untersucht, inwieweit die Listanwender konstruktiv oder destruktiv handeln und inwieweit die Überlisteten ohnmächtige Opfer oder einfach nur listblind sind, d.h. ob sie sie Möglichkeit haben, die List zu durchschauen.

[...]


[1] Semmler, Hartmut: Listmotive in der mittelhochdeutschen Kleinepik. Zum Wandel ethischer Normen im Spiegel der Literatur. Erich Schmidt Verlag. Berlin 1991.

[2] Fischer, Hanns: Studien zur deutschen Märendichtung. 2. durchgesehene Auflage besorgt von Johannes Janota. Max Niemeyer Verlag. Tübingen 1983.

[3] Heinzle, Joachim: Märenbegriff und Novellentheorie. Überlegungen zur Gattungsbestimmung der mittelhochdeutschen Kleinepik (1978). In: Das Märe. Die mittelhochdeutsche Versnovelle des späteren Mittelalters. Hg. v. Karl-Heinz Schirmer. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 1983.

[4] Grubmüller, Klaus (Hrsg): Novellistik des Mittelalters, Märendichtung. Deutscher Klassiker Verlag. Frankfurt/Main 1996.

[5] Herrmann, Cornelia: Der „Gerittene Aristoteles“. Das Bildmotiv des „Gerittenen Aristoteles“ und seine Bedeutung für die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung vom Beginn des 13. Jhs. bis um 1500. Centaurus-Verlagsgesellschaft. Pfaffenweiler 1991.

[6] Ruh, Kurt: Kaufringers Erzählung von der ‚Unschuldigen Mörderin’. In: Smits, Kathryn; Besch, Werner; Lange, Victor (Hrsg): Interpretation und Edition deutscher Texte des Mittelalters. Festschrift für John Asher. Erich Schmidt Verlag. Berlin 1981. S. 165-177.

[7] Steinmetz: Ralf-Henning: Heinrich Kaufringers selbstbewußte Laienmoral. In: Beiträge zu Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Bd. 121 (1999). S. 47-74.

[8] Stede, Marga: Schreiben in der Krise. Die Texte des Heinrich Kaufringer. Wissenschaftlicher Verlag Trier 1993.

[9] Euling, Karl: Studien über Heinrich Kaufringer. Verlag von M. & H. Marcus. Breslau 1900.

[10] Jonas, Monika: Der spätmittelalterliche Versschwank. Studien zu einer Vorform trivialer Literatur. Innsbrucker Beitrage zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe Bd. 32. Innsbruck 1987.

[11] Londner, Monika: Eheauffassung und Darstellung der Frau in der spätmittelalterlichen Märendichtung. Eine Untersuchung auf der Grundlage rechtlich-sozialer und theologischer Voraussetzungen. Berlin 1973.

[12] Wehse, Rainer: Frau in Männerkleidung. In: Enzyklopädie des Märchens. Bd. 5. Walter de Gruyter Verlag, Berlin. New York 1987. Sp. 168-186.

[13] Semmler, Hartmut: Listmotive in der mittelhochdeutschen Kleinepik. Zum Wandel ethischer Normen im Spiegel der Literatur. Erich Schmidt Verlag. Berlin 1991.

[14] Senger von, Harro: Die Kunst der List. Strategeme durchschauen und anwenden. Beck’sche Reihe. München 2001.

[15] Schwarz, Alexander: Tills List. In: Germanistische Linguistik – Bausteine zur Sprachgeschichte der deutschen Komik. Hg. v. Alexander Schwarz. Georg Olms Verlag. Hildesheim, Zürich, New York,2000. Sowie derselbe: Reineke Fuchs. Till Eulenspiegel und das Problem der List in Deutschland. In: Die List. Hg. v. Harro von Senger. Ed. Suhrkamp. Frankfurt a. M. 1999. S.304-321.

[16] Fischer: Studien. S. 57.

[17] Vgl. ebd. S. 32.

[18] An dieser Stelle muß aber gesagt werden, daß Hanns Fischer darauf hinweist, daß sowohl Klassifikation als auch Terminologie einen experimentellen Charakter haben und sich bestimmt noch an vielen Stellen verbessern oder präzisieren läßt. (Fischer, S. 33)

[19] Vgl. ebd. S. 31.

[20] Heinzle: Märenbegriff und Novellentheorie. S. 106.

[21] Vgl. ebd., S. 97f. Heinzle nennt außerdem auch Beispiele und Schriften aus der neueren Literatur, wie beispielsweise von Wieland, der angemerkt habe, die Novelle müsse sich in die wirkliche Welt begeben haben, wo alles natürlich und begreiflich sei. Zudem nennt Heinzle auch Boccaccios ‚Decameron’ als wichtigen Punkt, der seine Theorie unterstreiche. So meint Heinzle: „Geht man mit Fischers Märendefinition an die Lektüre des Decameron, dann stellt man fest, daß so gut wie alle Novellen, die da erzählt werden, inhaltlich als Märe gelten können.“

[22] Vgl. Heinzle: Märenbegriff und Novellentheorie. S. 97.

[23] Vgl. Fischer: Studien. S. 101.

[24] Vgl. ebd. S. 102.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. Fischer: Studien. S. 104.

[27] Vgl. ebd. S. 108.

[28] Vgl. ebd. S. 109.

[29] Vgl. ebd. S. 111.

[30] Vgl. hierzu das Kapitel 6 zu „Ritter Alexander“.

[31] Fischer: Studien. S. 115.

[32] Vgl. ebd.

[33] Vgl. Heinzle: Märenbegriff und Novellentheorie. S. 99.

[34] Vgl. ebd.

[35] Vgl. Heinzle: Märenbegriff und Novellentheorie. S. 101f. Als Beispiel stellt er die Kurzgeschichten

[37] Fischer: Studien. S. 95. Wortwörtlich schreibt Fischer: „Mit Hilfe dieser Positionsbestimmung der Formverwandten haben wir nun das Märe auf der Ebene gemeinsamer Formalkriterien soweit eingekreist, daß sich ein stofflicher Gegenstand abzeichnet: der fiktive, innerweltlich-profane und von menschlichen Personagen getragene Vorgang. (Fischer: Studien. S. 55)

[38] Vgl. ebd.

[39] Vgl. ebd. S. 93.

[40] Vgl. ebd. S. 94.

[41] Rupp, Heinz: Schwank und Schwankdichtung in der deutschen Literatur des Mittelalters In: Das Märe. Die mittelhochdeutsche Versnovelle des späteren Mittelalters. Hg. v. Karl-Heinz Schirmer. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 1983.

[42] Vgl. ebd. S. 35.

[43] Frosch-Freiburg, Frauke: Schwankmären und Fabliaux. Ein Stoff- und Motivvergleich. Verlag Alfred Kümmerle. Göppingen 1971.

[44] Vgl. Frosch-Freiburg: Schwankmären. S. 239.

[45] Vgl. ebd. S. 240.

[46] Vgl. Hoven, Heribert: Studien zur Erotik in der deutschen Märendichtung. Kümmerle Verlag. Göppingen 1978. S. 387.

[47] Vgl. ebd.

[48] Monika Londner stimmt mit Hoven im Wesentlichen überein. Sie glaubt, daß die teilweise negative

[49] Hoven: Studien. S. 387f.

[50] Rasch, Wolfdietrich: Realismus in der Erzählweise deutscher Versnovellen des 13. und 14. Jahr- hunderts. In: Das Märe. Die mittelhochdeutsche Versnovelle des späteren Mittelalters. Hg. v. Karl- Heinz Schirmer. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 1983. S. 19.

[51] Hanns Fischer sagt dazu, daß der Leser einer perspektivischen Täuschung unterliege, der sich möglicherweise auch das mittelalterliche Publikum nicht habe entziehen können. Diese Täuschung begründe darauf, daß die Welt der Handwerker, Bettelmönche oder Landstreicher wirklicher wahrgenommen worden sei als die Welt der Fürsten, Burgherren, Ritter und Edelfräulein. Große und kleine Welt seien aber grundsätzlich gleich real. Vgl. dazu Hanns Fischers „Studien“. S. 130.

[52] Vgl. Rasch: Realismus. S. 15.

[53] Vgl. Rasch: Realismus: S. 20.

[54] Vgl. ebd. S. 131.

[55] Vgl. ebd.

[56] Vgl. ebd. S. 131.

[57] Fischer: Studien. S. 130.

[58] Vgl. ebd. S. 5.

[59] Vgl. im Folgenden Fischer: Studien. S. 117f.

[60] Jonas: Versschwank. S. 149.

[61] Vgl. ebd.

[62] Fischer: Studien. S. 17.

[63] Londner: Ehehauffassung. S. 200.

[64] Londner: Ehehauffassung. S. 119.

[65] Fischer: Studien. S. 116.

[66] Vgl. ebd. S. 120.

[67] Vgl. Fischer: Studien. S. 123.

[68] Vgl. ebd. S. 124.

[69] Vgl. ebd. S. 126.

[70] Vgl. ebd. S. 127.

[71] Von Senger: Die Kunst der List. S. 9.

[72] Vgl. von Senger: Die Kunst der List. S. 17. Von Senger zieht übrigens das WortStrategemdem derListvor. Strategem klinge wertneutraler, wohingegenListmit einem negativen Beigeschmack behaftet sei und außerdem Wertungsfragen in den Vordergrund schiebe. Die Bewertung vonListlenke indes vom Phänomen derListab. Aber eben jenes Phänomen sei es, auf das das Augenmerk gerichtet werden solle. Denn die Techniken derListseien hierzulande die große Unbekannte, wogegen die Fragen nach Gut und Böse seit Menschengedenken behandelt worden seien.

[73] Vgl. ebd. S. 83ff. Er sucht hier für jedes chinesische Strategem ein deutsches Pendant.

[74] Vgl. Steger, Hugo: List – ein kommunikativer Hochseilakt zwischen Natur und Kultur. In: Die List. Hg. v. Harro von Senger. Ed. Suhrkamp. Frankfurt a. M. 1999. S. 321-344.

[75] Vgl. ebd. S. 322.

[76] Es gibt auch zwei Aufsätze zum ThemaKunst und ListundList und Kunst.Ersterer ist von Felix Scheidweiler und 1941 i. d Zeitschrift für deutsches Altertum erschienen, letzterer wurde von Franz Dornseiff verfaßt und ist 1944 i. d. Deutschen Vierteljahreszeitschrift erschienen. In Kapitel 4.4. Fastnachtspiele gehe ich noch genauer auf die Artikel ein.

[77] Lexer, Mattias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. 38. unveränderte Auflage. S. Hirzel - Wissenschaftliche Verlagsbuchgesellschaft Stuttgart 1992. S. 128.

[78] Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. S. 118.

[79] Hennig, Beate: Kleines Mittelhochdeutsches Wörterbuch. 3. ergänzend bearbeitete Auflage. Max Niemeyer Verlag. Tübingen 1998. S. 191f.

[80] Wahrig – deutsches Wörterbuch. Bertelsmann Lexikon Verlag. Gütersloh, München 2000. S. 644 sowie S. 191.

[81] Duden: Herkunftswörterbuch – Etymologie der deutschen Sprache. 3. neu bearbeitete Auflage. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2001. S. 47.

[82] Vgl. Schmidt, Paul Gerhard: Seid klug wie die Schlangen: Strategeme im lateinischen Mittelalter. In: Die List. Hg. v. Harro von Senger. Ed. Suhrkamp. Frankfurt a. M. 1999. S. 198.

[83] Schmidt: Seid klug wie die Schlangen. S. 198.

[84] Semmler: Listmotive.

[85] Vgl. ebd.

[86] Schwarz: Tills List. S. 109.

[87] Vgl. ebd.

[88] Auch Sébastian Nanchen geht auf die Definition von Schwarz ein und empfindet diese als zutreffend. Seine Begründung lautet: „a) Das Merkmal der Außergewöhnlichkeit (bezogen auf den Gegenspieler) sei vorhanden; b) die Leistungen seien nicht auf Täuschungsstrategeme beschränkt; c) das Merkmal der Abstraktheit des Intellekts werde ausgedrückt.“ Damit deckt sich seine Meinung mit

der von Sengers. (Nanchen, Typologisierung der List: In Bausteine zur Sprachgeschichte der deutschen Komik. S. 121f)

[89] Nanchen: Typologisierung der List. S. 122.

[90] Von Senger: Kunst der List. S. 11.

[91] Pilch, Herbert: Listige Rede: Was man sagt und doch nicht sagt. In: Die List. Hg. v. Harro von Senger. Ed. Suhrkamp. Frankfurt a. M. 1999. S. 368.

99 von 99 Seiten

Details

Titel
Listige Frauen in der mittelhochdeutschen Kleinepik - Exemplarische Studien zu "Aristoteles und Phyllis", Heinrich Kaufringers "Die unschuldige Mörderin" und "Ritter Alexander"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
99
Katalognummer
V110647
Dateigröße
886 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Listige, Frauen, Kleinepik, Exemplarische, Studien, Aristoteles, Phyllis, Heinrich, Kaufringers, Mörderin, Ritter, Alexander
Arbeit zitieren
M.A Imke Bauer (Autor), 2005, Listige Frauen in der mittelhochdeutschen Kleinepik - Exemplarische Studien zu "Aristoteles und Phyllis", Heinrich Kaufringers "Die unschuldige Mörderin" und "Ritter Alexander", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110647

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