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Politische Rhetorik im Nationalsozialismus - Die außen- und innenpolitische Funktion von Joseph Goebbels Sportpalastrede "Wollt ihr den totalen Krieg?"

Title: Politische Rhetorik im Nationalsozialismus - Die außen- und innenpolitische Funktion von Joseph Goebbels Sportpalastrede "Wollt ihr den totalen Krieg?"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Janin Taubert (Author)

Politics - Miscellaneous
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Die Sportpalastrede soll in der vorliegenden Arbeit im Gegensatz zu den existierenden Studien, die meist nach der Ursache ihrer immensen Wirkung fragen, auf ihre Funktion analysiert werden. Dabei wird zu zeigen sein, dass Goebbels nicht Persuasion im Sinne des Überzeugens des vor Ort präsenten Publikums intendiert. Auch die Kategorien von ‚Überreden’ oder ‚Überwältigen’ sind bei Goebbels Rede nicht vordergründig relevant, weil sie gar nicht primär auf das Publikum vor Ort abzielt. Dieses wird lediglich benutzt, um zum einen machtpolitische Ziele nach Innen durchzusetzen, d.h. vor allem die von Goebbels bereits seit 1941 geforderten Maßnahmen zur totalen Kriegführung gegenüber der NS-Führung und Hitler konsequent durchführen zu können. Zum anderen versucht Goebbels außenpolitische Weichenstellungen vorzunehmen, um einen möglichen Zweifrontenkrieg gegen Deutschland zu verhindern. Dies soll im Folgenden mit Hilfe einer funktionsorientierten Analyse der Rede belegt werden, die linguistisch-stilistische Elemente nur aufgreift, wenn sie die Topoi und Adressaten markieren und damit auf die Funktion verweisen. Dazu soll zunächst ein Überblick über die Forschung zur politischen Rhetorik und zur Funktion der Rede im NS gegeben werden, um die Schwierigkeiten im Umgang mit NS-Reden und die hier gewählte Methode plausibel zu machen. Nach einer institutionellen Kontextualisierung der Sportpalastrede wird ihre außen- und innenpolitische Funktion zu erörtern sein. Zum Schluß der Arbeit soll auf die Problematik der Akklamation als Simulation einer demokratischen Volksabstimmung zur Legitimierung des ‚totalen Kriegs’ eingegangen werden.

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Politische Rhetorik im Nationalsozialismus

1. Überblick über eine problematische und defizitäre Forschung

2. Die Funktion der politischen Rede im Nationalsozialismus

III. Goebbels Sportpalastrede vom 18. Februar 1943

1. Institutionelle Kontextualisierung

2. Die politischen Funktionen

2.1. Außenpolitische Ebene

2.1.1. ‚Kampf gegen den Bolschewismus im Namen der europäischen Zivilisation’

2.1.2. Ein implizites Bündnisangebot zur Schaffung einer antibolschewistischen Front

2.1.3. Die Spaltung der Anti-Hitler-Koalition

2.2. Innenpolitische Ebene

2.2.1. Stalingrad als sinnstiftender Heldenmythos zur Mobilisierung der ‚Heimatfront’

2.2.2. Die Durchsetzung des ‚totalen Krieges’ gegenüber der NS-Führung

2.3. Die Schlussakklamation als Simulation eines demokratischen Plebiszits

IV. Fazi

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Sportpalastrede von Joseph Goebbels vom 18. Februar 1943 unter funktionsorientierten Aspekten. Ziel ist es, die Rede nicht primär als Akt der Persuasion des anwesenden Publikums zu deuten, sondern ihre strategische Funktion zur innenpolitischen Mobilisierung und zur außenpolitischen Beeinflussung während der Krisenphase nach der Niederlage in Stalingrad nachzuweisen.

  • Analyse der Sportpalastrede im historisch-politischen Kontext des Zweiten Weltkriegs.
  • Untersuchung der außenpolitischen Funktion als diplomatisches Instrument zur Spaltung der Anti-Hitler-Koalition.
  • Erörterung der innenpolitischen Funktion zur Legitimierung des „totalen Krieges“ gegenüber der NS-Führung.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Akklamation als simuliertem plebiszitärem Instrument der NS-Herrschaft.

Auszug aus dem Buch

2.1.2. Ein implizites Bündnisangebot zur Schaffung einer antibolschewistischen Front

Goebbels Ausführungen zum ‚Kampf der Deutschen gegen den Bolschewismus im Namen der europäischen Zivilisation’ sind als Versuch, eine antibolschewistische Front gegen die SU zu schaffen, zu interpretieren. Dies wird besonders deutlich, wenn er das Bild einer zukünftigen Neuordnung Europas auf zwei Alternativen reduziert und damit den neutralen und feindlichen Mächten implizit ein Bündnis- bzw. Friedensangebot eröffnet: „Die Welt hat also nicht die Wahl zwischen einem in seine alte Zersplitterung zurückfallenden und einem unter der Achsenführung sich neu ordnenden Europa, sie hat nur die Wahl zwischen einem unter dem militärischen Schutz der Achse stehenden und einem bolschewistischen Europa.“ (S. 71) Da ein kommunistisches Europa auch für die feindlichen und neutralen Staaten nicht akzeptabel ist, müssten sie sich Deutschland im Kampf gegen die SU anschließen. Goebbels fordert die europäischen Staaten in der Rede sogar direkt auf, die Deutschen in ihrem Krieg zu unterstützen: „Europas Zukunft hängt von unserem Kampf im Osten ab! Wir stehen zu seinem Schutze bereit! Das deutsche Volk stellt sein kostbarstes nationales Blut für diesen Kampf zur Verfügung, das übrige Europa sollte hierfür wenigstens seine Arbeit zur Verfügung stellen! (S. 77) Verstärkt wird diese These durch die Differenzierung, dass Goebbels nur zum totalen Krieg gegen die SU, nicht aber gegen die westlichen Alliierten aufruft, was die Basisvoraussetzung für potenzielle Friedensverhandlungen schafft. Die Rede ist zumindest von den Zeitgenossen als ein diplomatischer Friedensappell (als Alternative zu den militärischen Drohungen, vgl. Fetscher, S. 166) an England wahrgenommen worden, unabhängig davon, ob die Argumentation, dass das Vorrücken der sowjetischen Front zwangsläufig zu einer von ‚den Juden’ geplanten ‚bolschewistischen Schreckensherrschaft’ in Europa führe, für die Westmächte überzeugend ist und unabhängig davon, dass Goebbels selbst in seiner Rede solch eine Intention dementiert.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Analyse nationalsozialistischer Reden und führt in den historisch-politischen Kontext der Sportpalastrede nach der Niederlage in Stalingrad ein.

II. Politische Rhetorik im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel gibt einen Forschungsüberblick und diskutiert bestehende Thesen zur „Macht des Wortes“ und „Allmacht der Propaganda“, um den funktionsorientierten Ansatz der Arbeit zu legitimieren.

III. Goebbels Sportpalastrede vom 18. Februar 1943: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die Adressatenstruktur, die außenpolitische Funktion der antibolschewistischen Frontbildung und die innenpolitische Instrumentalisierung der Akklamation zur Legitimierung des totalen Krieges.

IV. Fazi: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Rolle der Sportpalastrede als diplomatisches Instrument sowie als Mittel zur Herrschaftssicherung und internen Machtausübung durch Goebbels.

Schlüsselwörter

Politische Rhetorik, Nationalsozialismus, Joseph Goebbels, Sportpalastrede, Totaler Krieg, Bolschewismus, Propaganda, Herrschaftslegitimation, Akklamation, Stalingrad, Zweiter Weltkrieg, Diplomatie, Anti-Hitler-Koalition, Massenmobilisierung, NS-Führung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der berühmten Sportpalastrede von Joseph Goebbels vom 18. Februar 1943 und untersucht deren politische Funktionen im Kontext des Zweiten Weltkriegs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Rhetorik im Nationalsozialismus, die propagandistische Strategie nach Stalingrad sowie das Verhältnis von NS-Führung, Bevölkerung und Ausland.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Sportpalastrede nicht primär auf das anwesende Publikum abzielte, sondern als machtpolitisches Instrument zur Mobilisierung der Heimatfront und als diplomatisches Mittel gegenüber dem Ausland diente.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine funktionsorientierte Analyse der politischen Rede angewandt, die den historischen Kontext und die mediale Inszenierung in den Vordergrund stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die außenpolitischen Bemühungen zur Spaltung der Anti-Hitler-Koalition sowie die innenpolitische Durchsetzung der Maßnahmen zum „totalen Krieg“ gegen Widerstände innerhalb der NS-Führung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind insbesondere Politische Rhetorik, NS-Propaganda, Sportpalastrede, Totaler Krieg, Herrschaftslegitimation und Akklamation.

Warum spielt die Akklamation in der Rede eine so wichtige Rolle?

Die Akklamation dient als simuliertes Plebiszit, durch das Goebbels den Anschein demokratischer Teilhabe erzeugte, um damit sowohl die eigene Bevölkerung zu binden als auch Druck auf Hitler und die NS-Bürokratie auszuüben.

Wie wurde das Publikum für die Sportpalastrede ausgewählt?

Das Publikum bestand aus sorgfältig ausgewählten Parteianhängern und Regimetreuen, deren Zusammensetzung gezielt nach Kriterien der erwartbaren Akklamationsstärke durch die NSDAP und das RMVP erfolgte.

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Details

Title
Politische Rhetorik im Nationalsozialismus - Die außen- und innenpolitische Funktion von Joseph Goebbels Sportpalastrede "Wollt ihr den totalen Krieg?"
College
Humboldt-University of Berlin
Course
Seminar im HS: Politische Rhetorik
Grade
1,0
Author
Janin Taubert (Author)
Publication Year
2006
Pages
33
Catalog Number
V110670
ISBN (eBook)
9783640088324
ISBN (Book)
9783640327287
Language
German
Tags
Politische Rhetorik Nationalsozialismus Funktion Joseph Goebbels Sportpalastrede Wollt Krieg Seminar Politische Rhetorik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Janin Taubert (Author), 2006, Politische Rhetorik im Nationalsozialismus - Die außen- und innenpolitische Funktion von Joseph Goebbels Sportpalastrede "Wollt ihr den totalen Krieg?", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110670
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