Einflussgrößen beim Bügeln


Referat (Ausarbeitung), 1996
54 Seiten

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Inhalt:

1. Bügeln: Ein thermisches Umformen

2. Der Bügelvorgang als System

3. Charakteristische Bügelvorgänge

4. Haupteinflüsse: Prozess und Material

5. Einflussgrößensteuerung und optimiertes Bügeln

6. Zusammenfassung: Bügelvorgang

Stand: Februar 1996

1. Bügeln: Ein thermisches Umformen

Wer eine zutreffende Antwort auf die einfach erscheinende Frage "Was ist Bügeln?"sucht, wird die verschiedenen Literaturstellen schon genau lesen müssen, die bisher veröffentlicht wurden. Im Handbuch der Bekleidungsindustrie (Donner, 1956) ist der BegriffBügelnnoch nicht klar definiert. Im ArtikelWie funktionieren Dampfbügelmaschinen ?(Krowatschek, 1967) steht:Unter Bügeln versteht man ein gezieltes Verformen von textilen Materialien unter Einwirkung von Wärme, Feuchtigkeit und Druck mit Formwerkzeugen:Zehn Jahre später heißt es im Forschungsprojekt "Bügelziele und -ergebnisse":Bügeln ist ein Umformen von textilen Flächengebilden (Lombert, Rausch, 1978), d. h. ein Fertigen durch bildsames Ändern der Form eines fertigen Körpers. Bügeln geschieht unter Einwirkung von Druck sowie Wärme, Feuchtigkeit, Auskühlung oder Feuchtigkeitsentzug oder einer Kombination der letztgenannten Einwirkungsarten.

Diese Umschreibung von Bügeln ist an die DIN 8582 Fertigungsverfahren Umformen angelehnt. Dadurch sollen nach dem Bericht "Forschung zur Optimierung des Bügelvorganges" (Krowatschek, 1991) alle Vorgänge einbezogen werden,"... bei denen eine Anfangsform durch Umformen in eine relativ beständige Endform verwandelt wird, und zwar unabhängig von eventuell sonst gebräuchlichen abweichenden Bezeichnungen, wie Dämpfen, Finishen, Dressieren, Pressen, Plissieren, Heißprägen oder Thermoformen".

Dieser systemtheoretische analytische Ansatz soll noch ausgebaut werden, wobei man aber nachtragen muß, daß in anderen Wirtschaftszweigen wie der Wäscherei und Reinigung noch Begriffe vorkommen wie Plätten und Mangeln, was ebenfalls Varianten des Bügelns sind. Auch Locken von Pelzen ist ein Bügeln.

Ein weiterer Ansatz ist deskriptiv beschreibender Art, und es soll nur das Bekleidungslexikon (Schierbaum, 1993) zitiert werden mit:..."Bügeln ist eine glättende, formende und stabilisierende Behandlung von Halbfertigteilen während der Produktion und Fertigteilen im Anschluss an den Nähprozess unter Einsatz von Temperatur und/oder Feuchtigkeit, Druck sowie Oberplatten oder Unterplatten-Vakuum in Verbindung mit Blaslufteinrichtungen."

Man erkennt an den bisherigen Umschreibungen, daß Bügeln noch nicht abschließend definiert ist - Schlüsselbegriffe und Einflussgrößen sind immer wieder

- Bekleidung
- Textilien
- Umformen
- Glätten
- Stabilisieren
- Wärme
- Druck
- Feuchtigkeit
- Formen / Pressen
- Kühlen / Trocknen
- Beständigkeit / Fixierung
- Absaugung / Blaseinrichtungen

u. a. mehr.

Aus der Praxis ist aber bekannt, daß Bügeln nicht nur bei Bekleidung, sondern auch bei Polstern, Bett- und Tischwäsche, Gardinen, Lederwaren und Schuhen, Pelzen und Fellen zur Anwendung kommt, und gebügelt wird nicht nur in der Fertigung der Konfektion, sondern auch in der Wäscherei, Reinigung und im Haushalt. Auch ist das Bügeln in der Bekleidungsherstellung wichtiger geworden, da durch Zukauf und Lohnfertigung/-veredelung immer stärker die Aufbereitung, also Waschen, Reinigung und Bügeln mit Dämpfpuppen und Tunnelfinishern wichtiger und vermehrt angewandt werden.

Eine neue Definition des thermischen Konfektionsverfahrens Bügeln muß also möglichst alle

- Einsatzbereiche
- Materialien
- Umformvorgänge
- Mechanisierungsstufen
- Bügelvorgänge
- Einflussgrößen
- Bügelaufgaben
- und Bügelziele

umfassen, um universell angewandt werden zu können.

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Um Bügeln nahtlos in die übrigen Konfektionsverfahren einzuordnen, formuliert man zweckmäßig:

Bügeln ist ein thermisches Konfektionsverfahren

- zum Umformen

und

- zum Ändern der Stoffeigenschaften

für flexible und poröse Flächengebilde und daraus hergestellte Zwischen- und Enderzeugnisse.

Dabei wird mittels Wärme, Feuchtigkeit und Druck in einer definierten Zeit das Flächengebilde umgeformt oder verändert und anschließend physikalisch oder chemisch so fixiert, daß Ausgangszustand oder -form in einen zweckmäßigen und relativ beständigen Endzustand oder -form umgewandelt werden.

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Bügeln ist also nach dieser Definition ein kombiniertes Verfahren aus Umformen und Ändern der Stoffeigenschaften in Anlehnung an DIN 8580, da die Umform- und Oberflächeneffekte und Stoffeigenschaftsänderungen selten voneinander zu trennen sind.

Bekanntlich wird mit Bügeln auch häufig noch ein Fügen verbunden, so daß Erweiterungen denkbar und notwendig sind. Üblicherweise sind noch einige Begriffe wie

- konstruktives-neuformendes Bügeln
- restaurierendes-rückformendes Bügeln

zu nennen, oder eine Unterscheidung nach dem Konfektionsabschnitt

- Zwischenbügeln
- Fertigbügeln
- Nachbügeln.

Das Finish-Bügeln ist nicht eindeutig benannt, aber in der Aufbereitung und Textilpflege weit verbreitet, und in der Konfektion dem Nach- und Fertigbügeln zugeordnet.

Wichtiger als die vorstehenden Begriffe sind die Unterscheidungen nach der möglichen Mechanisierung wie

- manuelles Bügeln
- maschinelles Bügeln
- mechanisches Bügeln
- automatisches Bügeln.

Für die Untersuchung von Einflussgrößen beim Bügelvorgang ist aber noch ein ganz anderer Gesichtspunkt von Bedeutung, da dadurch einige charakteristische Bügelvorgänge zu unterscheiden sind: Wie wird der Druck beim Bügeln eingebracht, oder wird überhaupt Druck benötigt?

Dabei kann man das

- Zwischenbügeln mit Dampfbügeleisen

- Formbügeln mit Pressen

- Mangeln zwischen Walzen

- Dämpfen auf Puppen oder Tunneln

heranziehen und unterscheiden zwischen

- Press-Bügeln (Bügelpresse)
- Gleit-Bügeln (Bügeleisen)
- Walz-Bügeln (Bügelwalze)

und

- Dämpf-Bügeln (Dämpf-Finisher),

wodurch sich in der Tat unterschiedliche Bügelvorgänge ableiten lassen, auch je nachdem, ob das Bügelgut oder das Bügelwerkzeug bewegt wird oder beides.

2. Der Bügelvorgang als System

Bei der Analyse, Beschreibung und Optimierung von Bügelvorgängen ist es zweckmäßig, ein systematisches Schema anzuwenden, um Strukturen und Prozesse vergleichbar zu machen (REFA, 1991).

Ganz allgemein ist ein Bügelvorgang danach

- der Abschnitt eines Arbeitsablaufes, der in der Ausführung eines Bügelauftrages besteht. Der Vorgang wiederholt sich zumeist und besteht normal aus Teilvorgängen, Vorgangsstufen und Vorgangselementen. Eine Wiederholung von Vorgängen wird häufig als Zyklus - demnach hier als Bügelzyklus - bezeichnet.

So wäre ein realer Bügelvorgang zum Beispiel das Bügeln von zwei Hosenbeinen auf einer programmgesteuerten teilautomatisierten Bügelmaschine in Einpersonen-Einstellenarbeit.

Der Bügelvorgang kann wie folgt ablaufen:

- Lesen der Arbeitsanweisung für den Bügelauftrag und Einstellen des entsprechenden Bügelprogramms
- Einlegen des Bekleidungsstückes
- Auslösen der maschinellen Arbeitsfolge
- Aufheizen beider Pressplatten oder nur der oberen Pressplatte
- Schließen der Maschine durch Herunterklappen der oberen Pressplatte
- Erhitzen des Bekleidungserzeugnisses auf die vorbestimmte Temperatur und gleichzeitig Dampfeintritt
- nach Ablauf der Heizzeit wird Dampf, bevor er abkühlt und kondensiert, durch eine Vakuumanlage abgesaugt, teils erfolgt auch zusätzlich kurz vor dem Absaugen ein Druckluftstoß.
- Durch Abtrocknen der geformten Bekleidungserzeugnisse wird der Bügeleffekt fixiert.
- Öffnen der Presswerkzeuge
- Herausnahme des geformten Bekleidungserzeugnisses und Aufhängen oder Ablage auf einer Transporteinrichtung.

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Der Bügelvorgang stellt den größten Ablaufabschnitt im Mikrobereich Hosenbügeln, und gleichzeitig den kleinsten Ablaufabschnitt im Makrobereich Hosenfertigung dar.

Teilvorgang: Beschicken der Presse

Dieser Teilvorgang besteht aus mehreren Vorgangsstufen. diese werden wegen der besseren Überschaubarkeit als eigener Teil der Arbeitsaufgabe zusammengefasst. Die Größe eines Teilvorgangs ist nicht eindeutig festgelegt, denn sie hängt vom Zweck der Unterteilung des Vorganges in Teilvorgänge ab.

Vorgangsstufe: Auslösen der Maschine

Der Teilvorgang besteht aus Vorgangsstufen. Sie deuten eine in sich abgeschlossene Folge von Vorgangselementen an.

Vorgangselement: Schalter betätigen

Diese Vorgangsstufe besteht aus Vorgangselementen, die sich in ihrer Beschreibung oder in ihrer zeitlichen Erfassung nicht mehr weiter sinnvoll unterteilen lassen, handelt es sich um Grundbewegungen, die vom Menschen ausgeführt werden, so spricht man auch von Handhabungslementen. Werden die Grundvorgänge von Maschinen ausgeführt, so werden die Vorgangselemente auch Prozesselemente genannt.

Man unterscheidet also auf der untersten Stufe der Vorgangselemente zwischen

- den Handhabungselementen wie Greifen zum Bekleidungsstück, Greifen, Bringen und Positionieren auf der Bügelmaschine, und auch z. B. Prüfen und Entscheiden, ob das Bekleidungsstück richtig liegt,
- und den Prozesselementen Schließen der Presse, Erwärmen und Dampfabgabe, Absaugen und Öffnen der Presse.

Diese Handhabungsvorgänge und maschinellen Prozesse laufen nacheinander bzw. nebeneinander ab, und bedingen und beeinflussen sich gegenseitig; sie beeinflussen aber auch das Bügelergebnis bezüglich Qualität und Kosten.

Der aufgeführte reale Vorgang des Hosenbügelns zeigt noch, daß ein Bügelvorgang im Prozessablauf nicht nach dem trivialen Muster des Grundvorganges abläuft, dem elementaren thermischen Umformprozess wie

- Erwärmen
- Umformen
- Abkühlen,

der für alle Thermoformungen gilt.

Es haben sich in der Praxis der Bügeltechnik einige Besonderheiten ergeben, z. B.:

Wie wird erwärmt, wie wird umgeformt, und wie wird zum Fixieren abgekühlt?

Hinzu kommen Fragen des Eingangszustandes des Bügelgutes und die Wirkungen von Polsterungen der Bügelmaschinen und -geräte und von Bügelbeschleunigern. Dies alles spielt sich innerhalb von Einwirk- und Fixierzeiten ab im Zusammenwirken der Systemelemente

- Bügelaufgabe
- Arbeitsablauf
- Eingabezustand
- Ausgabezustand
- Betriebsmittel
- Mensch
- Umwelteinflüsse.

Insbesondere wird durch die gestellte Bügelaufgabe die Qualität festgelegt. Der Bügelablauf ist das zeitliche Zusammenwirken der Vorgangselemente Handhabung und Prozess mit dem Werkstück und Betriebsmittel. Der Eingabezustand ist eine wesentliche Einflussgröße durch Art und Vorbehandlung der Materialien, und er muß in den Ausgangszustand transformiert werden.

Im Betriebsmittel sind die Prozesselemente konstruktiv vereinigt - hier wird über Form-, Material- und Operationsflexibilität entschieden. Der Mensch entscheidet über die Arbeitsausführung über die Wirksamkeit der Einflussgrößen mit. Letztendlich sind auch die Umgebungseinflüsse beim Bügeln wie Lufttemperatur und Luftfeuchte wichtig, da Bügeln ein physikalisch-chemisches Verfahren ist, und damit auf diese Einflüsse besonders reagiert - meist unerwünscht.

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Um einen Bügelvorgang vereinfacht zu beschreiben, greift man zweckmäßig auf den charakteristischen Bügelvorgang zurück, der

- durch Wärme- und Feuchtigkeitszufuhr durch Wasserdampf
- Einbringung der Umformkraft durch flächiges Pressen und
- Fixierung durch Luftabsaugung

gekennzeichnet ist.

Dabei sind die Einwirkzeiten dominierende Prozessvariable, die immer nur im Zusammenhang mit den anderen Faktoren gesehen werden dürfen.

Die Systemanalyse des Bügelvorganges geht zuallererst von dessen Determiniertheit aus. Dies trifft jedoch offenbar nicht zu, wie auch in der Veröffentlichung "Ist der Bügelvorgang

ein chaotisches System?" (Krowatschek, 1991) aufgezeigt wird. Vieles beim Bügel besitzt noch empirischen Charakter, und wenn eine derart komplexe Vorgangsstruktur mit Material, Wärme, Feuchte, Druck, Chemie, Trocknung, Kühlung und Prozesszeit ineinander greift, sind Grundzüge chaotischer Systeme erkennbar.

3. Charakteristische Bügelvorgänge

Beim Bügelvorgang spielen sich physikalische und chemische Prozesse ab, die man in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht hat (Breuer, Augenadel, 1977). Dringt Wasserdampf in ein Flächengebilde aus Polymeren ein - dies kann ein Textil aus Natur- oder Chemiefasern sein - wirkt der Dampf auf das Polymergebilde ein durch freie Diffusion, und der Dampf kondensiert auf der Faser zu Wasser von 100 ºC; nun erwärmt sich die Faser, gleichzeitig wird durch Kapillarwirkung und Oberflächenwanderung Wasser/Feuchte in die Faser transportiert. Je nach Polymer quillt die Substanz, der Elastizitätsmodul und die Festigkeit nimmt ab, das Flächengebilde wird formbar. Je nach Materialart läuft der Vorgang unterschiedlich ab.

Man kann drei grundlegende Mechanismen unterscheiden:

- die thermoplastische Umformung/Fixierung - Polyester
- eine absorptions-induzierte Umformung/Fixierung - Baumwolle
- und die chemisch-physikalische Umformung/Fixierung - Wolle.

Die zu bügelnden Materialien sind bekanntlich makromolekulare Substanzen. In ihren langen Ketten sind die Kettenatome um die Kettenverbindung mehr oder weniger frei drehbar, vorausgesetzt, man gibt ihnen diese Freiheit. In verdünnter Lösung sind die Ketten bzw. Kettensegmente durch viele Lösungsmittelmoleküle voneinander getrennt und können sich recht frei bewegen. Im kristallinen oder teilkristallinen Zustand sind die Kettenstücke so dicht und geordnet gepackt, daß sie sich nicht rühren können.

Beim Abkühlen einer Polymerschmelze finden daher die Kettenmoleküle nicht sofort oder überhaupt nicht ihre idealen kristallinen Lagen und betten sich so, wie es gerade kommt. Es entstehen nichtkristalline oder teilkristalline Polymere, die letzteren je nach Kettenstruktur und Abkühlbedingungen mit unterschiedlichen Strukturen.

Räumliche Lageänderungen sind also bei makromolekularen Stoffen nicht so einfach. Einmal müssen die nächsten Kettenatome der eigenen Kette mitmachen und zum anderen müssen sich auch die benachbarten Segmente anderer Ketten bewegen. Es geht nur gemeinschaftlich und nur, wenn eine gewisse Energiebarriere überwunden wird. Das kann aber nur bei einer ganz bestimmten Temperatur geschehen, der so genannten Glasübergangs-Temperatur oder kurz "Glastemperatur". Bei der Glastemperatur reicht die zugeführte Wärmemenge für relativ rasche kooperative Bewegungen aus.

Alle festen organischen und anorganischen makromolekularen Substanzen besitzen Glastemperaturen, sofern sie amorphe Bereiche enthalten. Nur in den amorphen Bereichen sind gekoppelte Segmentbewegungen möglich. Kristalline Polymere schmelzen zwar, zeigen aber keine Glastemperatur. Teilkristalline Polymere besitzen dagegen sowohl kristalline als auch amorphe Bereiche; sie haben entsprechende Schmelz- und Glastemperaturen.

Die Glastemperaturen sind von Polymer zu Polymer verschieden, da sie von zwei Eigenschaften abhängen: der Steifheit der Kette selbst und der Wechselwirkung der Kette mit ihren Nachbarn. Höhere Steifheiten und stärkere Wechselwirkungen erfordern mehr Energie für gekoppelte Bewegungen und setzen daher die Glastemperatur herauf. Normalerweise liegt die Bügeltemperatur über der Glastemperatur.

Wenn bei Thermoplasten die Bügeltemperatur höher liegt als die Schmelztemperatur, so schmelzen sie und die Fläche wird zerstört. Die Bügeleffekte entstehen durch längeres Einwirken von Temperaturen bis 200 ºC; je höher die Temperatur, desto dauerhafter die Wirkung, besonders bei Polyester. Polyester ist immer thermisch umformbar, wenn die vorherige Verarbeitungstemperatur überschritten wird. Auch reagiert es auf Dampf und die Formänderung wird erleichtert, wie bei einer um ca. 30 ºC erhöhten Temperatur, da im feuchten Zustand die Biegesteifigkeit abnimmt.

Fixiert wird die thermoplastische Verformung durch definierte Abkühlung, dies kann langsam oder schnell geschehen.

Baumwolle besteht aus Zellulose-Molekülen mit der hohen Glastemperatur von 225 ºC. Bei Raumtemperatur können sich die Zellulosesegmente nicht gegeneinander bewegen; alle Gewebe aus Zellulosefasern sollten daher sehr formstabil sein. Zellulose nimmt aber auch sehr leicht Wasser auf. Das absorbierte Wasser lagert sich zwischen die Zelluloseketten ein und schiebt sie einfach auseinander. Die sehr kleinen Wassermoleküle können relativ einfach verschoben werden. Die kooperativen Bewegungen der Zelluloseketten werden dadurch erleichtert und die Glastemperatur sinkt bis auf ca. 200 ºC.

Wenn nun Baumwolle Wasser aufnimmt, dann wird die Glastemperatur der Zellulose folglich gesenkt. Unter Druck nehmen die Zellulosesegmente andere Lagen ein. Es entstehen Knitterfalten, die man im Allgemeinen durch Bügeln entfernt. Der Wasserdampf wirkt als Wärmeisolierung, so daß das Gewebe nicht verbrennt. Das Wasser ist außerdem ein "Weichmacher" für die Zellulose, da es die Glastemperatur herabsetzt. die Zellulosesegmente können sich nun bewegen und werden durch den Bügeldruck in die gewünschte Lage gebracht: die Knitterfalten verschwinden oder eine Formung ist möglich.

Die Schmelztemperatur der Zellulose ist sehr hoch, sie schmilzt nicht bei normalen Bügeltemperaturen. Zellulose würde sich aber bei diesen Temperaturen chemisch zersetzen, wenn man sie nicht durch Wasserdampf und den Bügelbezug vor "Versengen" schützen würde.

Der ausströmende Dampf bildet also eine thermische Schutzschicht, die das Verbrennen des Gewebes vermeidet. Das Wasser macht die Zellulose weich und die Molekülsegmente werden durch den äußeren Druck ausgerichtet. Glatte Textilien kann man aber auch ohne äußeren Druck erreichen, nämlich durch Dämpf-Bügeln. Der Dampf senkt wieder die Glastemperatur. Durch die Technik des Finishers "schweben" die Gewebe im Raum. Auf die Molekülsegmente wird kein Druck ausgeübt, auch nicht durch das eigene Gewicht oder das Gewicht einer darüber liegenden Gewebelage, sondern ein Zug durch Blasen oder Spannen. Die Molekülsegmente versuchen unter diesen Umständen ihre Gleichgewichtslage einzunehmen.

Entzieht man nun dem Finisher langsam den Wasserdampf, so geht der Weichmachereffekt zurück und die Moleküle werden in ihrer Gleichgewichtslage "fixiert". die Gewebe werden somit ohne Druck glatt. Leichter Druck fördert aber die gewünschte Ausrichtung von Molekülen.

Mit dem absorptions-induzierten Bügeleffekt kann man bei Baumwolle also dauerhafte Verformung erzielen, weitere Verbesserungen erzielt man durch Fasermischungen, Stabilitätsverluste jedoch durch Katalysatoren wie Aluminiumsalze.

Wie steht es mit dem Bügeln von Wolle?

Auch hier setzt man Wärme und Feuchtigkeit ein. Auch hier werden die der Wolle zugrunde liegenden Proteinmoleküle durch das Wasser weich gemacht. Die Glastemperatur wird reduziert und der Bügeldruck erzwingt die Ausrichtung der Molekülsegmente und damit die Verformung des Materials. Neben diesem rein physikalischen Effekt spielt sich jedoch beim Bügeln der Wolle noch ein chemischer Effekt ab. Die Proteinmoleküle der Wolle enthalten nämlich zwischen den Peptidketten "Disulfid-Brücken (-S-S-) und zwar sowohl zwischen den Segmenten eines einzelnen Moleküls als auch zwischen verschiedenen Molekülen. Diese Disulfid-Brücken vernetzen die Protein-Ketten, die dadurch weniger von einander abgleiten können, ein wesentlicher Faktor für die Formstabilität von Wollgeweben.

Durch die Wärme und Feuchte lösen sich zuerst Wasserstoff- und Salzbrücken, bei den höheren Bügeltemperaturen werden Disulfid-Querverbindungen gelöst und wieder neu geknüpft. Dämpft man nur kurz, so brechen nur Bindungen. Erst wenn man länger presst,

schnappen die Bindungen in die neue Lage ein, beim Bügeln von Wolle braucht man folglich mehr Bügeldruck und Zeit.

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Die Cystinbrücken kann man durch Einsatz von Reduktionsmitteln lösen. Durch Abkühlung erfolgt die Rückbildung zu Cystin - dieses mindert die Festigkeit des Stoffes. Der Vorgang wird als Sulfitolyse bezeichnet. Durch Zusatz von Reduktionsmitteln ist eine leichtere Verformung möglich, die auch permanent ist und daher den Fixiervorgang besser stabilisiert. Eine noch schnellere Fixierung kann erreicht werden, wenn Alkohole oder Tenside dem Reduktionsmittel zugesetzt werden - weitere Verbesserung der Bügeleffekte läßt sich durch Kunstharzzugabe erreichen.

Außer den geschilderten chemischen Einflüssen auf die Fixierung müssen auch physikalische Faktoren, wie z. B. Dehnungen und Spannungen, in der Flächenware beachtet werden. Die Größe der Relaxation ist direkt von der Spannung abhängig. Mit steigender Dehnung entfaltet sich die Keratinstruktur, dabei lockert sie sich auf. Ein Angriff der chemischen Mittel, wie z. B. Reduktionsmittel, ist leichter möglich.

Die Beschreibung der Vorgänge beim Bügeln wäre unvollständig, wenn nicht noch auf die Möglichkeiten der Einbringung der Verformungskräfte eingegangen würde.

Man kann die Umformvorgänge auf Bügelpressen ausführen, was heute weit verbreitet ist; dies ist ein taktweiser Prozess, zum weiteren mit Bügeleisen auf einem Bügeltisch. Hier handelt es sich um ein kontinuierliches Gleitbügeln. Auch Bügelwalzen werden eingesetzt sowie Dämpfpuppen, Finishschränke, Tunnelfinisher und auch Tumbler. Hier wird drucklos gebügelt nur mit den primären Bügelfaktoren Wärme, Feuchte, Abkühlung und Trocknung.

Bei einem Tunnelfinisher werden die Bekleidungsstücke über ein Fördersystem durch einen Tunnel geführt. Die Teile hängen entweder auf Kleiderhaken oder sie werden über Drahtformen gezogen. In dem Augenblick, in dem das Bekleidungsstück in den Tunnel einfährt, wird es gezählt. Im Dampfraum des Tunnels werden Außen- und Innenseite der Teile durch Dampfsprühdüsen gedämpft. Im anschließenden Trockenraum/Trockenkammer streckt ein starker Luftstrom - außer bei Maschenware - das Kleidungsstück von oben her an der Innen- und Außenseite. Dampf und heiße Luft in Verbindung mit einer Infrarotheizung sorgen für schnelles Trocknen ohne Farbbeeinflussung. Am Ende des Trockenraumes befinden sich drehbare, beheizte Luftkissen, die einerseits dafür sorgen, daß die Hitze nicht aus der Trockenkammer entwichen kann, andererseits entsteht ein Bügeleffekt.

Hier kommen also zusätzliche Ausprägungen der Bügelfaktoren hinzu, die aber in wesentlichen der Gesetzmäßigkeit des charakteristischen Bügelvorganges folgen.

Schließlich ist zur Fixierung der Bügeleffekte noch die

- Abkühlung

und

- Trocknung

wichtig. Dies ist vielleicht der entscheidendste Faktor, da sich gezeigt hat, daß durch schnelle Kühlung und Trocknung die Beständigkeit des Bügelns verbessert wird. Hier wird die Niederdruck- und die Hochdruckabsaugung angewandt, welche die Teile

- entnebelt
- kühlt
- trocknet.

Auch durch Blasen wird ein ähnlicher Effekt erreicht, besonders bei voluminösem und florigem Material.

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Während des Fixierungsprozesses erfolgt die Festigung (Fixierung) der im Formungsprozess festgelegten Form des Formteils. Dieser Prozess ist entweder ein physikalischer oder ein chemischer Prozess oder eine Kombination.

Der Fixierungsprozess liegt zeitlich nach dem Formungsprozess und dauert oft länger als der Formungsprozess. Häufig gehen beide Prozesse ineinander über, ohne daß eine exakte Grenze vorhanden ist.

4. Bügelfaktoren: Prozess und Material

Schon verschiedentlich wurden einige Einflussgrößen beim Bügeln aufgeführt wie

- Wärme
- Feuchte
- Druck
- Kühlung
- Zeit.

Diese Größen nennt man auch Bügelfaktoren und zwarmaschinen- oder prozessbedingte. Es gibt jedoch auch nochmaterialbedingteBügelfaktoren, wie Faserart, Bindung, Färbung, Ausrüstung und Materialfeuchte.

Eine Einflussgröße ist eine variable Größe, deren Veränderung eine Zielgröße beeinflusst. Auf das Bügeln übertragen

- beeinflusst ein Bügelfaktor das Bügelergebnis (Bügelziel).

Bügelziele können sein

- Verformen
- Glätten
- Glanz beseitigen usw.

Der Bügelfaktor kann das Bügelergebnis positiv und negativ beeinflussen - es ist deswegen wichtig, die Wirkung des Faktors zu erkennen, wobei der "Faktor" nicht wörtlich zu nehmen ist, denn er kann auch additiv wirken und in Kombinationen mit anderen Einflussgrößen.

Verändern Bügelfaktoren das Bügelergebnis stark, so heißen siewesentlicheodersignifikanteEinflussgrößen im Gegensatz zuunwesentlichenodernichtsignifikanten.

Ferner wird zwischenkonstantenundvariablenEinflussgrößen unterschieden. Ob eine Einflussgröße konstant oder variabel ist, hängt von der Veränderlichkeit ihrer Ausprägungen von Material zu Material ab. Verändern sich diese, so liegt eine variable Einflussgröße vor.

Die Einflussgröße wirkt auf den Prozessablauf. Die Ergebnisse für die Ausführung des Vorganges werden in Abhängigkeit von den Ausprägungen der signifikanten Einflussgröße dargestellt. Verändern sich die Ausprägungen der Einflussgröße von Material zu Material nicht, so liegt eine konstante Einflussgröße vor. Die Einflussgröße bewirkt die fixen Arbeitsbedingungen. Da sich die Ausprägungen der signifikanten Einflussgröße - falls überhaupt - nur über einen längeren Zeitraum verändern, wird sie in den Betriebsbedingungen eingearbeitet.

QualitativeEinflussgrößen sind solche, die sich durch Benennen, Beurteilen oder Bewerten erfassen lassen und deren Ausprägung entweder auf Nominal- oder Ordinalskalen dargestellt werden können.

QuantitativeEinflussgrößen werden durch Zählen oder Messen erfasst und die anfallenden Ausprägungen (Zähl- oder Messwerte) auf Intervall- oder Verhältnisskalen dargestellt.

Auch für die Bügelziele läßt sich eine Ziel- und Effekthierarchie aufstellen, die entweder

- ein Ziel einer Einflussgröße zuordnet bei konstanten übrigen Einflüssen,

- oder wie das beim Bügeln meist der Fall ist, mehrere Ziele mehreren Einflussgrößen zugeordnet werden müssen,

wobei solche Bügelziele wie

- Griff
- Aussehen
- Glätte
- Optik
- Qualität

schlecht quantifizierbar sind, dagegen

- Form / Geometrie
- Faltenwinkel
- Glanz / Farbe
- Dicke/Länge

zu messen und zu quantifizieren sind.

Dies heißt, daß immer das Problem besteht,

- qualitative Bügelziele zu quantifizieren, um die Wirkung der Variation der Einflussgrößen erkennbar zu machen.

Die prozess- und materialbedingten Einflussfaktoren kann man auch mit

- Hauptfaktoren (primär) bezeichnen.
- Weiter gibt es noch
- Nebenfaktoren (sekundär), wie Bügelbeschleuniger und Gleitsprays,
- sowie Störfaktoren wie Verschmutzung des Bezuges oder ungeeignete Wasserqualitäten oder Raumluftbedingungen.

Dies gilt gleichermaßen für die Bügelziele, Hauptziele, Nebenziele und Störungen, also Bügelfehler.

Prozessbedingte Bügelfaktoren

Um den Einfluß prozessbedingter Bügelfaktoren zu quantifizieren, nimmt man häufig als Maß für die Formbeständigkeit die Veränderung des Faltenwinkels. Ein Faltenwinkel von 180 º stellt den Idealzustand dar. Je schlechter die Formbeständigkeit ist, umso mehr nähert sich der Faltenwinkel 0º, also dem gestreckten Zustand.

Prozessbedingte Einflussfaktoren sind:

- der Dampfdruck und mit ihm verbunden
- die Temperatur
- die Bespannung
- der Anpressdruck
- die Dämpfzeit
- die Absaugzeit
- und die Absaugmenge.

DerDampfdruckübt einen wichtigen Einfluß beim Bügeln aus. Man versteht darunter den Druck, den der Dampf auf die umgebenden Gefäßwände ausübt. Er wird zumeist mit einem Manometer (Druckmesser) in bar gemessen.

DieTemperaturist mit dem Dampfdruck verbunden. Wasser siedet bei einem Luftdruck von 1 bar bei 100 ºC. Höherer Druck verzögert den Siedepunkt. Dies ist als Beispiel gleichzeitig eine Beziehung zwischen Einflussgröße und Zielgröße.

Für die Formbeständigkeit ist es wichtig, daß man weiß, welche Temperatur am Bügelgut herrscht. Diese Temperatur kann schwanken, je nachdem, ob. z. B. bei Bügelmaschinen

- die Oberplatte von der Unterplatte leicht abgehoben wird,
- mit geschlossener Ober- und Unterplatte oder
- mit verschiedenen Anpressdrücken gearbeitet wird.

DieBezüge, auch Bespannungen genannt, spielen aus mehrfacher Sicht eine Rolle. sie müssen feinporig, dampf- und luftdurchlässig sein, ihre Oberfläche soll Glanz vermeidend sein. In vielen Fällen sollen sie um mehrere Millimeter elastisch zusammendrückbar sein, damit Verdickungen am zu bügelnden Bekleidungsstück in den Bezug hineingedrückt werden können, während die Außenfläche des Bügelgutes glatt bleibt. Zumeist bestehen die Bezüge aus mehreren Lagen, und die Polsterung unterstützt die Bügelfaktoren positiv oder negativ.

Je nach Art der Bespannung ändert sich bei Bügelmaschinen derDruckauf das Bügelgut. Er wird in Newton (N) je Flächeneinheit gemessen und liegt bei ca. 10 - 40 N/cm². Der Anpressdruck am Bügelgut ist aber wesentlich kleiner als am Manometer angezeigt. Obwohl genaue Messungen schlecht möglich sind, so weiß man doch, daß der Anpressdruck nicht zu groß sein darf. Das negative Ergebnis eines zu starken Anpressdruckes besteht darin, daß höhere Temperaturen am Bügelgut auftreten können.

Das führt zu einem schnelleren Austrocknen der Ware und damit verbunden zu einer schlechteren Formbeständigkeit. Darüber hinaus erzeugen hohe Anpressdrücke einen starken Glanz, der nicht erwünscht ist und zusätzliche Nachbügelarbeit erforderlich macht.

Ausgehend von einer bestimmten Warenfeuchte wird grundsätzlich bei zunehmenderDämpfzeiteine bessere Faltenstabilität erreicht. So ist z. B. im Rahmen des Forschungsprojektes "Bügelfaktoren" bei einem rein wollenen Gewebe mit einer Feuchtigkeit von 11,5 % das beste Bügelergebnis bei 30 Sekunden Dämpfzeit erreicht worden. Verglichen wurden die Ergebnisse bei 5, 10, 15, 20, 25 und 30 Sekunden.

Sowohl dieAbsaugzeitals auch dieAbsaugmengehaben einen Einfluß auf die Formbeständigkeit. Die Absaugzeiten stehen in Wechselwirkung zu den Dämpfzeiten. Eine weitere Wechselwirkung besteht zwischen dem Absaugdruck der Absaugmenge und der Absaugzeit. Versuche haben gezeigt, daß zu lange Absaugzeiten und ein zu großer Absaugdruck sich nachteilig auf die Dauerhaftigkeit des Bügeleffektes auswirken können. Die Menge verändert sich mit dem Druck je nach Absaugaggregat. Mehrmaliges Bügeln der gleichen Stelle eines Bekleidungsstückes, z. B. Nähte ausbügeln an einer Hose in der Zwischenbügelei. Fertigbügeln des Hosenbeines in der Abbügelei, führt zu dauerhafteren Ergebnissen. Wirtschaftlich sind zu viele Bügelarbeiten jedoch nicht, da die Bügelzeit verlängert wird, die man im Allgemeinen minimieren will, und zudem Glanzgefahr besteht.

Materialbedingte Bügelfaktoren

Forschungsprojekte aus der Bekleidungsindustrie haben gezeigt, daß die Vorgeschichte der Flächenware im Hinblick auf den zu erzielenden Bügeleffekt von Bedeutung ist. Sowohl dieMaterialzusammensetzung, dieBindung, dieFärbungund dieAusrüstungspielen eine Rolle, denn Temperatur, Feuchte und Anpressdruck beim Bügeln müssen auf sie abgestimmt sein.

Einen besonders großen Einfluß auf das Bügelergebnis hat dieEingangswarenfeuchtigkeit. Je trockener eine Ware beim Bügeln ist, umso höher wird die Temperatur am Bügelgut sein und umso schlechter ist die Formbeständigkeit beim Bügeln.

Es ist also zweckmäßig, wenn das Textil nicht zu trocken und unter möglichst gleich bleibenden Bedingungen gelagert wird, damit die bestmöglichen Ausgangsvoraussetzungen für die Dauerhaftigkeit des Bügeleffektes gegeben sind. Die Lagerräume sollten deshalb klimatisiert sein.

Weitere Forschungsergebnisse zeigen, daß auch der PH-Wert der gefärbten Ware einen Einfluß auf das Bügeln hat, besonders bei Naturfasern.

Aus den vorgenannten Gründen sollten bei der Warenbeschaffung wichtige Material-Kenndaten beim Vorlieferanten erfragt werden, oder durch Textilprüfung selbst ermittelt werden wie

- Faserstoff
- Bindung
- Flächengewicht
- Färbeverfahren
- Fixierung
- PH-Wert
- Ausrüstung
- Warenfeuchtigkeit
- Krumpfeigenschaften
- Glastemperatur
- Schmelztemperatur bei Thermoplasten.
- Luftdurchlässigkeit
- Wärmeleitfähigkeit u. v. a. mehr.

Handhabung und Transport

Hier handelt es sich um sekundäre Einflussgrößen.

Neben der Ablage des Bügelgutes spielt die Transporteinrichtung im Hinblick auf die Erhaltung des Bügeleffektes eine große Rolle. Wird das Bügelgut in Kästen gelegt, stapelt man es wenig geordnet übereinander, so ist eine Knitterung sehr wahrscheinlich, zum Teil richten sich die Nahtumschläge wieder auf. Nach einigen Arbeitsplätzen sieht man dem Teil kaum noch an, daß es gebügelt wurde.

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Der Transport hängender Teile ist in diesem Zusammenhang vorteilhafter. Die Bekleidungsstücke werden pfleglicher behandelt. Der Bügelaufwand für das Beseitigen von Knitterfalten ist geringer.

Abschließend sei zu dem ThemaBügelfaktorengesagt, daß die einzelnen Faktoren untereinander in einer Wechselbeziehung stehen. Daraus ergibt sich, daß nur gründliche Untersuchungen zum besten Bügelergebnis führen können.

5. Bügelfaktorensteuerung und optimiertes Bügeln

Optimiertes Bügeln hat zum Ziel,

durch Einflussgrößensteuerung das bestmögliche Bügelergebnis zu erreichen, und dabei die möglichen Bügelfehler und die Bügelzeit zu minimieren.

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Dies ist genau der Grund, sich mit den Einflussgrößen beim Bügelvorgang intensiver zu befassen und mit den möglichen Bügelfehlern.

Hier wurden in den letzten Jahren gezielt Forschungen durchgeführt (Lombert, Rausch, 1978) mit Optimierungsversuchen bei Mischgeweben und verschiedenen Gewebekonstruktionen (Augenadel; Breuers; Berndt; Kehren, 1981). auch unter Einfluß von Hilfsmitteln wurde das Chemische Bügeln untersucht (Breuers; Blankenburg; Kuchelhorn, 1982). Die Ergebnisse bestätigen im Wesentlichen die schon beschriebenen Einflussgrößen und bringen ergänzende Hinweise.

Nach den Untersuchungen kann der Schluss gezogen werden, daß sowohl hinsichtlich der Fixiereffekte beim Bügeln mit der Dampfbügelpresse als auch hinsichtlich der Permanenz der geforderten Form auch bei Mischgeweben zwei Faktoren bedeutsam sind:

- die Feuchtigkeit des Bügelgutes vor dem Bügeln
- die Bügeltemperatur bzw. die Bügelzeit, die zur Temperatur in Wechselwirkung steht.

Je trockener das Bügelgut vor dem Bügeln ist, desto höher wird die Temperatur im Gewebe, desto stärker vergilbt der Wollanteil. Optimale Bügelfixierungen wurden mit 25s Dampf und 25 s Absaugung bei allen Mischgeweben ab 45 % Wollgehalt erreicht.

Die weniger feuchtigkeitsaufnehmende Polyesterware kann bei gleicher Temperatur schon nach 10 Sekunden optimal fixiert sein. Ein Absaugen von 25 s wie bei Wolle oder stark wollhaltigen Materialien ist auch hier nicht nötig. Es reichen 10s aus. Wie auch im Forschungsvorhaben "Bügelfaktoren" schon gefunden, sind auch hier Eigenschaften, die die Gewebe von der Vorstufe mitbringen, für den Bügeleffekt unübersehbar. Dies gilt u.a. für den PH-Wert der Ware und die Endausrüstung, um nur zwei Faktoren zu nennen.

Die Bügelbedingungen müssen dabei in der Regel schärfer sein als entsprechende Fixierungsbedingungen in der Textilausrüstung. Nur so ist das gewünschte Bügelziel zu erreichen. Mit Hilfe chemischer Zusätze zum Dampf oder durch Imprägnierung der Ware vor dem Bügeln kann das Bügelgut in der Weise sensibilisiert werden, daß das gewünschte Bügelziel entweder bei niedriger Temperatur oder in kürzerer Zeit erreicht werden kann. Im Falle von Artikeln aus Keratinfasern - dazu ist Wolle, Seide, Mohair, Angora, Kaschmir usw. zu rechnen - bieten sich Chemikalien als Reduktionsmittel entweder allein oder in Mischungen mit Alkohol oder Tensiden an. Der Zusatz von Alkohol oder Tensiden zum Reduktionsmittel hat den Vorteil gezeigt, daß die Bügeleffekte bereits bei niedriger Konzentration erreicht wurden. Damit ist die Gefahr der Farbverschiebung stark verringert.

Neuere Forschungen befassen sich jetzt mit speziellen Einflüssen. Die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Betriebe ist allerdings recht schwierig - hier wird nach wie vor mehr gefühlsmäßig gebügelt.

Ein praxisnaher Schritt ist im Lehrgang "Bügeln und Fixieren in der Bekleidungsindustrie" (Scheres-Koch, 1980) vorgesehen:

- genaue Bügelvorgangsplanung

und

- Bügelergebniskontrolle.

Bügelvorgangsplanung

Im Rahmen der Bügelarbeiten wird dressiert, zwischengebügelt und fertiggebügelt, abgebügelt oder gefinisht. Alle Bügelarbeiten müssen im Zusammenhang gesehen werden. Plant man nicht sorgfältig den Bügelablauf - und das kommt durchaus in einer Reihe von Betrieben vor - dann kann es zu unnötig vielem Bügeln kommen. Zum Beispiel werden Nähte oder Kanten so gebügelt oder gepresst, daß die Abdrücke oder der Glanz nur noch schwer und unter großem Zeitaufwand zu entfernen sind.

In vielen Betrieben wir auch heute noch nicht genügend berücksichtigt, daß durch Fixierung des Oberstoffes mit Einlagen völlig andere, bessere Arbeitsvoraussetzungen auch für die Bügelei gegeben sind, als das früher der Fall war.

Man muß immer sorgfältig überprüfen, welche Bügelarbeiten besser in der Zwischenbügelei durchgeführt werden und welche in der Abbügelei. Gute und schlechte Bügelergebnisse werden überprüft und dokumentiert, und den Einflussgrößen zugeordnet. Dabei sind die verschiedenen Materialien zu beachten. Nur auf diese Weise kann eine sachgerechte Entscheidung fallen. Nicht zuletzt spielt auch die Aufeinanderfolge von Näh- und Bügelarbeiten, besonders im Endfertigungsbereich, eine Rolle, um so Kosten sparend und qualitätsgerecht wie möglich zu arbeiten.

Bügelergebniskontrolle

Die entscheidende Frage im Hinblick auf die Sorgfalt der Arbeitsausführung, den Qualitätsausfall, ist, ob das jeweilige Bügelziel erreicht wurde oder ob ungewollte Bügelergebnisse aufgetreten sind.

Bügelfehler können durch

- das Material
- ein falsches Bügelprogramm
- das Betriebsmittel
- die Bezüge oder
- durch die Arbeitsmethode

verursacht werden. Der verursachende Fehler muß so schnell wie möglich abgestellt werden.

Materialbezogene Bügelfehlersind z. B.:

- Mangelnde Farbbeständigkeit beim Bügeln. Die Gewebefarbe verblasst oder färbt beim Bügeln mit heißem Eisen oder beim Dampfbügeln ab. Abhilfe kann nur eine rechtzeitige Materialprüfung schaffen.
- Maßänderung beim Bügeln. Maßänderungen beim Bügeln sind nicht tolerierbar, wenn sie mehr als + 1 % in Kette und Schuss betragen. Zur Verminderung solcher Materialfehler muß ebenfalls eine rechtzeitige Prüfung stattfinden.
- Materialzusammensetzungsfehler. Die Faserart des Stoffes ist anders als vereinbart, bzw. andere Materialkenndaten liegen vor. Im besten fall findet auch hier eine Prüfung statt. Sie wird jedoch meist nicht durchgeführt.

Bügelfehler, verursacht durch falsche Bügelprogramme, können durch die Unaufmerksamkeit des jeweiligen Büglers verursacht werden. Eine andere verursachende Möglichkeit ist dann gegeben, wenn ein neues Material in die Kollektion aufgenommen wurde, das andere Bügelprogramme und -arbeiten erfordert - dies ist ein ständiges Problem, das organisiert werden muss.

Bügelmaschinen, Bügeltische und -geräte sowie die Bezugsmaterialien werden ständig weiterentwickelt. Der Betrieb muß sorgfältig auswählen, um Bügelfehler durch falsche Betriebsmittel und Bezugsmaterialien zu vermeiden.

Der Mitarbeiter selbst kann durchArbeitsmethodenfehlerVerursacher des ungewollten Bügelergebnisses sein. Vielleicht positioniert er das Bügelgut nicht richtig auf der Maschine, so daß formbezogene Bügelfehler entstehen. nach Möglichkeit sollten ungewollte Bügelergebnisse und damit verbunden restaurierendes Bügeln vermieden werden.

Da eine gute Qualität nur dann erzeugt werden kann, wenn die Unterweisung vollständig und gut ist, sind Qualitätsbeschreibungen, die am Arbeitsplatz hängen, notwendig, auch ohne daß man Zertifizierungen anstrebt, mit genauer Festlegung von Zielen und Einflussgrößen für Material und Umgebungsbedingungen.

6. Zusammenfassung

Bis heute gibt es keine einheitlichen Regeln, mit denen ein optimales Bügelergebnis erzielt werden könnte. Jeder Betrieb ermittelt empirisch die für den gewünschten Qualitätsstandard erforderlichen Bedingungen. Sie sind kaum auf andere Betriebe übertragbar, z. B. durch unterschiedliches Klima und Wasserhärte.

Eine Systematisierung fehlt, die Nomenklatur ist uneinheitlich. Planungsmängel führen zu Doppelarbeit oder zu Bügelarbeiten ohne erkennbare Zielvorstellung u.ä. Modellkonstruktionen, Schnittplanung, Näherei und innerbetrieblicher Transport der Halbfertigfabrikate nehmen oft zu wenig Rücksicht auf das Bügeln. Schwierigkeiten basieren auch oft auf anzutreffenden mangelhaften faser- und textiltechnologischen Kenntnissen. Zu viel Intuition und zu wenig Ratio bestimmen den Bügelprozess (Scheres-Koch, 1981).

Wichtige Einflussfaktoren, die die Bügelqualität entscheidend beeinflussen, sind

- Qualität des Dampfes
- Dauer der Dampfeinwirkung
- Dauer der Wärmeeinwirkung ohne Dampf
- Pressdruck
- Abkühlprozess
- Art des Bügelgerätebezugs
- Material des Bügelgutes und seine Vorgeschichte.

Druck und Dämpfzeit werden häufig überbewertet. Wesentliche Komponenten sind auch die Wärmeeinwirkung ohne Dampf und der Abkühlprozess. Das zu bügelnde Material muß dabei sehr genau berücksichtigt werden. natürlich wird Dampf zum Bügeln benötigt. Er macht das Bügelgut erst bügelfähig. Aber der Einfluß der Wärme unter Druck, bzw. bei angelegtem oberem Bügelschuh ohne Dampfgabe, gehört ebenfalls zum Bügeln.

Der Druck, der in einer Bügelmaschine auf das Bügelgut einwirkt, ist zwar messbar, aber wie das Ergebnis häufig ausweist, wird vielfach zu großer Druck angewendet. Das gilt für Bügelmaschinen und für Bügeleisen. Man hat erkannt, daß zu hoher Druck gar nicht nötig ist. Die Dampfeinwirkung der Dampfbügeleisen, aber vor allem das Absaugen des Dampfes und damit das schnelle Abkühlen der Bügelzone bewirken den Erfolg.

Das gleiche ist auf das Maschinenbügeln zu übertragen. Hoher Pressdruck führt zum Abdrücken von Nähten und Taschenbeuteln und an dickeren Stellen zu Glanzstellen, die nicht immer zu beseitigen sind. Oft genügt für ein gutes Bügelergebnis das Anlegen des oberen Bügelschuhs ohne Druck.

Charakteristischer Bügelvorgang

Haupteinflüsse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn durch das Absaugen mittels Vakuum die Gefahr der Bildung von Abdrücken besteht, kann bei Maschinen moderner Bauart auch mit Pressluft geblasen werden.

Die Auswahl der Bezüge für Bügelmaschinen und Bügeltische muß sehr sorgfältig erfolgen. Bei der heute in fast allen Betrieben vorkommenden Vielfalt an Oberstoffen mit unterschiedlichen Reaktionen beim Bügeln ist es angebracht, eine elastischere Polsterung zu wählen. Es gibt für diesen Zweck unterschiedlich harte Schaumstoffe aus Silikonkautschuk, temperaturbe­ständigen Filzen und ähnlichem Material, die eine sehr lange Lebensdauer haben, ohne hart zu werden. Verschiedene Firmen bieten für Standard-Bügelgeräte bereits fertig konfektionierte Bezüge an.

Gestaltete Bügelplätze, verbesserte Methoden und gezielte Auswahl der Bügelgeräte sind heute meistens eine Selbstverständlichkeit. Dennoch stecken im Anteil "Bügelprozess" des Gesamtarbeitsganges häufig noch erhebliche Rationalisierungsreserven:

- Damit Wiederholungen von Bügelarbeiten vermieden werden, ist eine strenge Trennung nach Zwischen- und Endbügelarbeiten vorzunehmen.
- Das Zwischenbügeln muß so sorgfältig erfolgen, daß das Endabbügeln nicht unnötig erschwert wird.
- Von Fall zu Fall können Arbeitsgänge zusammengefasst und dadurch Nebenzeiten eingespart werden.
- Nach entsprechender Prüfung können unter Umständen Bügelarbeiten gestrichen werden.
- Vorsortierung der zu bügelnden Fertigteile, um Bügelprogrammwechsel einzusparen.

Die Kenntnis der Einflussgrößen beim Bügeln ist ein wichtiger Punkt für die Prozesssicherheit und Qualität.

Der häufig geäußerte Wunsch oder Vorschlag, auf das Bügeln weitgehend zu verzichten,

- verkennt die qualitative Bedeutung des Bügelns, die damit verbundene Verbesserung des Produktnutzens und die erhöhten Absatzchancen durch die optischen Kaufreize.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diesem Sinne ist es angebracht, den Begriff "Finish-Bügeln" zukünftig stärker zu betonen,

- denn Finish bedeutet: einer Ware durch Bügeln äußerlich den letzten Schliff zu geben, und bestechende Optik ist immer ein Verkaufsargument.

Literaturverzeichnis:

1) Krowatschek (1967): Wie funktionieren Dampfbügelmaschinen? DOB + haka praxis
2) Lombert; Rausch (1978): Bügelziele und -ergebnisse. B + W
3) Schierbaum (1993): Bekleidungslexikon. Schiele u. Schön
4) REFA (1991): Grundlagen der Arbeitsgestaltung. REFA-Institut
5) Krowatschek (1991): Ist der Bügelvorgang ein chaotisches System? B + W
6) Ebert (1980): Biopolymere. UTB Steinhoff
7) Falkai (1981): Synthesefasern. Verlag Chemie
8) Bäckmann (1995): Thermische Konfektionsverfahren.
9) Wortmann (1992): Thermo- und hydroplastische Eigenschaften von Wollfasern. Westdeutscher Verlag
10) Breuers; Augenadel (1977): Bügelfaktoren. FB Bekleidungsindustrie
11) Augenadel; Breuers; Berndt; Kehren (1981): Ermittlung optimaler Bügelbedingungen. FB Bekleidungsindustrie
12) Scheres-Koch (1980): Bügeln und Fixieren in der Bekleidungsindustrie. BIBB

54 von 54 Seiten

Details

Titel
Einflussgrößen beim Bügeln
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Veranstaltung
Vortrag
Autor
Jahr
1996
Seiten
54
Katalognummer
V110688
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einflussgrößen, Bügeln, Vortrag
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. Reinhard Bäckmann (Autor), 1996, Einflussgrößen beim Bügeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110688

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