Das kreative Milieu: Konzeptionelle Grundlagen und Beispiele aus Europa


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
27 Seiten, Note: 2,3

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Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Grundlegende Begriffe
2.1. Kreativität und Innovation
2.2. Der Milieubegriff

3. Netzwerke
3.1. Allgemein
3.2. Unternehmensnetzwerke
3.3. Persönliche, soziale und informelle Beziehungen
3.4. Personen mit besonderer Verbindungsfunktion
3.5. Lokale und funktionale Netzwerke
3.6. Innovationsnetzwerke

4. Soziale und informell-persönliche Beziehungen

5. Image, Zusammenhalt und gemeinsame Ziele

6. Das kreative Milieu

7. Beispiele kreativer Milieus in Europa
7.1. Die Region Grenoble
7.2. Das „Dritte Italien“
7.3. Cambridge

8. Kritische Abschlussbewertung der These kreativer Milieus

Abbildungen

Abb. 1: Beziehung zwischen Kreativität und Innovation

Abb. 2: Das Regionale Milieu als ein Netzwerkbestandteil

Abb. 3: Innovationsentstehung

Abb. 4: Regionalmarketing der Stadt Aachen

Abb. 5: Voreingenommenheit führt zu Verhinderungskoalitionen

Abb. 6: „Milieu“, „Kreatives Milieu“ und „Innovationsnetz“

1 Einleitung

Fortschreitende Globalisierung, die Osterweiterung Europas, eine stagnierende Wirtschaftslage aber auch Nachwirkungen von Struktur- wandlungsprozessen sind Herausforderungen denen sich die Wirtschaft einzelner Nationen immer häufiger stellen muss.

Doch auch auf regionaler Ebene ist es unerlässlich, auf die sich ändernden Rahmenbedingungen mit einer angepassten Strategie zu reagieren.

Wo in einigen Regionen und Wirtschaftsbereichen mit zunehmender Globalisierung eine „Erosion“ regionaler Netzwerke und deren Gewicht erkennbar ist, lässt sich gleichzeitig andernorts eine Gegenbewegung beobachten. Das Hervorheben von lokalen und regionalen Stärken wird zunehmend wichtiger für die Überlebensfähigkeit kleiner und mittelständischer Unternehmen in einer globalen Wirtschaftswelt (Rösch 1998, 40).

Damit Regionen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die aufkommenden Probleme bewältigen können, bedarf es eines ständigen Erneuerungs- und Lernprozesses. Nur durch Innovationsfähigkeit und Kreativität können neue, marktfähige Produkt- und Prozessinnovationen hervorgebracht werden (ebenda, 18f.).

Während die Regionalwissenschaft zur Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region früher hauptsächlich Ausstattungsmerkmale wie Forschungs-, Bildungs- und andere Infrastruktureinrichtungen heranzog, werden seit Mitte der 80er Jahre auch andere Gesichtspunkte in die Untersuchung eingebunden (Peters 2001, 32). Wurde bis dahin der Schwerpunkt zur Erklärung wirtschaftsräumlicher Strukturen häufig auf exogene Einflussfaktoren gelegt, so bildete sich nun eine umgekehrte Herangehensweise. Es entstand der Begriff des innovativen, beziehungsweise kreativen Milieus, mit dessen Hilfe versucht wird Aspekte der Wirtschaftsstruktur einer Region unter Beachtung endogener Einflussfaktoren zu untersuchen.

So soll das kreative Milieu Aufschluss darüber geben, warum manche Regionen innovativer und erfolgreicher sind als andere, im Idealfall vergleichbare Regionen (Fromhold-Eisebith 2001/2002, 269) Bekanntheit erlangte der Begriff des innovativen Milieus 1984 durch die Untersuchungen der französischen Forschergruppe GREMI (Groupe de Recherche Européen sur les Milieux Innovateurs). Die GREMI hat es sich zur Aufgabe gemacht die Ursachen für unterschiedliche Innovationsfähigkeit und wirtschaftlichen Erfolg von Regionen zu beleuchten und solche Regionen mit innovativ-kreativem Milieu zu identifizieren (Fromhold-Eisebith 1995, 30f.). Dabei liegt der Forschungsschwerpunkt der GREMI-Gruppe auf dem Aufzeigen von endogenen Merkmalen die bei einem Vorhandensein eines kreativen Milieus ein dichtes, informelles Kontaktnetzwerk regionaler Akteure mit sozialen und persönlichen Beziehungen, eine hohe Lernfähigkeit und ein gemeinsames, selbst-bewusstes Image mit gemeinsamen Zielvorstellungen voraussetzen.

„Das kreative Milieu ist ein regionales System persönlicher Beziehungen von Akteuren unterschiedlicher Bereiche, das von gemeinsamen Leitbildern und Zielen geprägt ist. Die Menschen und ihr soziales Verhalten, ihre Sympathien und persönlichen Präferenzen bilden die Substanz eines kreativen Milieus“ (Fromhold-Eisebith 1999, 168).

Was mit den Forschungsansätzen der GREMI begann, fand seine Fort- setzung bis heute durch eine Generation neuer Forscher, welche den Milieuansatz in vielen Details verbessert und erweitert haben. Eine genaue Unterscheidung des Milieus als solchem und den Umständen, die es zu einem kreativen Milieu werden lassen ist durch die hohe Anzahl an Veröffentlichungen mit zum Teil unterschiedlicher Bewertung schwer zu definieren (Fromhold-Eisebith 1995, 32).

Nicht alle erfolgreichen Regionen verfügen gezwungenermaßen über ein kreatives Milieu. Manche Regionen „arbeiten in einem Netz von Wettbewerb/ Kooperation, innovieren aber nicht; andere innovieren ohne erkennbare lokale Kooperation“ (Crevoisier 2001, 251).

In dieser Hausarbeit soll nun im Folgenden näher auf die einzelnen Faktoren eines kreativen Milieus eingegangen werden. Nach einer Klärung der grundlegenden Begrifflichkeiten soll am Ende dieser Arbeit an konkreten Beispielen aufgezeigt werden, wie und in welcher Form sich kreative Milieus verorten lassen und welche Gegebenheiten eher gegen die Ausbildung eines solchen Milieus wirken.

2. Grundlegende Begriffe

2.1. Kreativität und Innovation

Für die Entstehung von Kreativität ist ein intensiver Austausch zwischen informellen, sozialen und persönlichen Kontakten förderlich. Die Verarbeitung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen bildet häufig die Grundlage für „Inspiration, Ideen sowie kollektive Lernprozesse“ (Fromhold-Eisebith 1995, 37).

Der Begriff Kreativität steht laut Duden für „schöpferisch, Ideen habend und diese verwirklichen“ (vgl. Rösch 1998, 21). Die Kreativität ist somit die Grundlage für eine neue Idee, Sache oder Denkweise – eine Innovation.

Nur durch vorherige Kreativität kann eine Innovation erst entstehen. „Kreativität ist damit auch Vorraussetzung von Innovation…“ (ebenda, 21).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beziehung zwischen Kreativität und Innovation Quelle: Majaro 1988, 7

Bezieht man den Innovationsbegriff auf die wirtschaftliche Ebene, so kann hier zwischen Prozessinnovation (Verbesserung, bzw. Neuerung der Produktionsweise), Produktinnovation (Verbesserung bzw. Neuerung des Produktes) aber auch Innovation einer Organisationsstruktur von Unternehmen unterschieden werden. (ebenda, 22).

Innovation ist also ein dynamischer Prozess in dem Produkte, Prozesse und organisatorische Strukturen entwickelt werden.

Die Interaktionen zwischen den verschiedenen regionalen Akteuren spielen dabei eine Ausschlag gebende Rolle. Der Transfer von Information und Wissen ist für den Innovationsprozess entscheidend (Maillat 1991, 115 f.).

2.2. Der Milieubegriff

Mit der Definition der Begriffe Kreativität und Innovation soll nun das Milieu in dem sich die Akteure, deren Wirtschaftsprozesse und das dazugehörige Umfeld bewegen, genauer erläutert werden.

R. Camagni, einer der Hauptvertreter der französischen GREMI- Forschergruppe beschrieb das Milieu folgendermaßen: “the set, or the complex network of mainly informal, social relationships on a limited geographical area, often determining a specific external “image” and a specific internal “representation” and sense of belonging, which enhance the local innovative capability through synergetic and collective learning process” (Camagni 1991, 3).

Somit ergeben sich folgende, für ein Milieu grundlegende Eigenschaften:

- Ein Netzwerk dichter, informeller und sozialer Austauschbeziehungen auf einer
- räumlich abgegrenzten Einheit mit einem
- selbstbewussten, nach außen getragenem Image, einem
- inneren, milieubezogenen Zugehörigkeitsgefühl, einer daraus resultierenden
- hohen Innovationsfähigkeit, die noch durch eine
- hohe, kollektive Lernfähigkeit unterstützt wird.

Aus diesen Milieueigenschaften lassen sich drei Grundpfeiler erkennen, die zu einer umfassenden Erklärung des kreativen Milieus im Weiteren genauer betrachtet werden sollen:

- Netzwerke
- soziale und informell-persönliche Beziehungen
- Image, mentaler Zusammenhalt und kollektive Zielsetzungen

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Details

Titel
Das kreative Milieu: Konzeptionelle Grundlagen und Beispiele aus Europa
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Veranstaltung
Hauptseminar: Leitkonzepte der regionalen Wirtschaftsförderung und Beispiele ihrer Anwendung
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V110781
ISBN (Buch)
9783640114535
Dateigröße
1494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Milieu, Konzeptionelle, Grundlagen, Beispiele, Europa, Hauptseminar, Leitkonzepte, Wirtschaftsförderung, Anwendung
Arbeit zitieren
Christoph Lubbe (Autor), 2006, Das kreative Milieu: Konzeptionelle Grundlagen und Beispiele aus Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110781

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