Generation Hip Hop? - Jugendkultur als generationsstiftendes Merkmal


Hausarbeit, 2007
28 Seiten, Note: 1,7

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition: Hip Hop – die 4 Elemente
2.1. Rap
2.2. DJing
2.3. Breakdance / B-Boying
2.4. Graffiti / Writing
2.5. Zusammenfassung

3. Hip Hop in Deutschland – Boom, Kommerz, Authentizität...

4. Der Begriff „Generation“ - Definition und Deutungen
4.1. Generationskriterien für die Analyse

5. Hip Hop: Analyse anhand der Generationskriterien
5.1. Gemeinsame Werte und Einstellungen im Hip Hop
5.2. Gemeinsame Symbole und Handlungsformen
5.3. Gemeinsame Ziele

6. Zusammenfassung und Fazit

7. Quellen

Literatur

Internet

1. Einleitung

Wohl kaum eine Bewegung hat die Jugend der letzten 20 Jahre so geprägt wie Hip Hop. Entstanden in den frühen 70er Jahren in den USA breitete sich die Kultur schnell weltweit aus und wurde auch in Deutschland immer populärer. Von den Anfängen bis heute hat Hip Hop viele Facetten gezeigt: als „Mitmach-Kultur“ und mögliche Quelle der Selbstverwirklichung für jedermann, als Aufstiegsmöglichkeit aus dem Ghetto und Sprachrohr von Minderheiten[1], aber auch als kommerzielles bzw. kommerzialisiertes Kulturgut, das von Firmen, Medien, aber auch Künstlern auf den reinen Geschäftszweck reduziert wird.

Heute wird die Diskussion über Hip Hop in Deutschland vor allem bezüglich der Aggressivität und Radikalität im Rap und den Folgen auf die meist jugendlichen Konsumenten geführt.

Aber Hip Hop bietet durch seinen partizipierenden Charakter vor allem Möglichkeiten, Menschen aus verschiedenen sozialen und ethnischen Hintergründen zusammen zu bringen und ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Ob und wie weit man dabei von einer „Generation“ im soziologischen Sinne sprechen kann, soll in dieser Hausarbeit unter anderem behandelt werden.

Im ersten Teil werde ich die Hip Hop-Kultur vorstellen, danach auf den problematischen Begriff Generation eingehen und dies im letzten Teil verbinden unter dem Gesichtspunkt, ob man von einer „Hip Hop-Generation“[2]sprechen kann und wie sich die Kultur ausgewirkt hat bzw. noch wirkt. Rap spielt heute die wichtigste Rolle im Hip Hop, daher soll diesem Element auch besondere Beachtung geschenkt werden.

2. Definition: Hip Hop – die 4 Elemente

Hip Hop wird von vielen Außenstehenden nur als Musikrichtung wahrgenommen, dabei ist diese nur ein Teil der gesamten Kultur[3]. Hip Hop besteht, nach allgemeinem Konsens[4], aus den vier Elementen Rap, Breakdance, Graffiti und DJing, die zum Teil auf ähnliche Ursprünge zurückzuführen sind.

2.1. Rap

Rap oder Sprechgesang geht, je nach Quellenlage, auf verschiedene Wurzeln zurück. In Wikipedia wird auf die Tradition der afrikanischen Griots, Geschichtenerzähler in oralen Kulturen, verwiesen sowie auf das aus Jamaika stammende „Toasting“[5].

Auch Hahn geht von einer traditionellen afrikanischen Artikulationsform aus, die auch zurück geht „auf eine aus der Fremdheit der Sklavenhalter-Sprache geborene, sich gegen das aufgezwungene Verständigungssystem der Unterdrücker richtende, mißtrauisch-parodistische Redeweise der schwarzen Bevölkerung“.[6]

Richardson spricht von einer „African American Language“ (AAL), die aus der Vermischung von europäischem Englisch und westafrikanischen Sprachen entstanden ist. „The result of this blend was a communication system that functioned as both a resistance language and a linguistic bond of cultural and racial solidarity for those born under the lash (slavery).“[7]

Rap entstand eigentlich als Pausenfüller für die Diskjockeys. Als die DJs ihre Techniken immer weiter verbesserten und das Publikum nur noch staunend zuschaute, statt zu tanzen, wurde das erste Mal gerappt, um die Leute und die Stimmung wieder anzuheizen. Dabei wurden einfache Parolen oder Slogans benutzt. „Dementsprechend waren die Texte (...) auch nicht darauf aus, eine Geschichte zu erzählen oder sich Gedanken über die Gesellschaft zu machen.“[8]

Erst mitGrandmaster Flash and the Furious Fivekam es im Text zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Ihr Lied „The Message“ von 1982 gehört zu den wichtigsten und meist zitierten Rap-Songs aller Zeiten:

„Broken glass everywhere,

people pissing on the stairs, you know they just don´t care,

i can´t take the smell, can´t take the noise,

got no money to move out, i guess i got no choice...“

Das Lied beschreibt die Zustände und die Perspektivlosigkeit im Ghetto und wurde ein weltweiter Verkaufsschlager.

Das gilt inzwischen für Rap im Ganzen. Von den USA ausgehend hat sich Rap (und auch Hip Hop) in nahezu alle Länder ausgebreitet, sich weiterentwickelt und eigene Formen gefunden. Auch in anderen Musikstilen wie Metal oder Dancefloor finden sich heutzutage Raps.

Es gibt verschiedene thematische Differenzierungen von Rap, wie zum Beispiel „Gangsta-Rap“, der vor allem ein (echtes oder vorgetäuschtes) kriminelles Image verkauft, „Conscious Rap“ mit politischen oder gesell­schafts­kritischen Inhalten oder „Battle- Rap“, bei dem es darum geht, einen Konkurrenten verbal zu diskreditieren („dissen“) und sich selbst und seine Fähigkeiten zu glorifizieren.

Eine besondere Form ist das so genannte Freestylen. Dabei wird der Text komplett improvisiert, meist findet dies in so genannten Freestyle-Battles statt, bei denen mehrere Rapper gegeneinander antreten.

2.2. DJing

Der Diskjockey ist verantwortlich für das Auflegen und Mixen der Platten. Beim Hip Hop im Speziellen gibt es verschiedene Techniken wie Scratchen, Beatjuggling und Backspinning[9], mit denen aus den ursprünglichen Platten völlig neue Kompositionen entstehen können.

Die Geschichte der DJ-Kultur ist fest mit dem NamenKool DJ Hercverbunden. Er fand heraus, dass das Publikum am meisten bei den so genannten Breakpassagen[10]tanzte. Forthin nutzte er ein zweites Exemplar der selben Platte, um nun mit Hilfe eines zweiten Plattenspielers nur diese Breaks nacheinander zu spielen[11]. Daraus entstand auch der Breakdance (siehe 2.3.).

Der bereits erwähnteGrandmaster FlashsowieGrandwizard Theodore und Afrika Bambaataerfanden neue Techniken und erweiterten das Spektrum der Möglichkeiten von Plattenspielern, Mischpult und Mikrofon.

Nachdem die DJs anfangs im Fokus der Aufmerksamkeit standen, sind sie heutzutage eher in den Hintergrund getreten, da sich Rap immer weiter entwickelt hat und für das Publikum noch attraktiver geworden ist.

Dennoch ist der DJ nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Kultur.

2.3. Breakdance / B-Boying

Breakdance, auch B-Boying genannt, ist ein bestimmter Tanzstil, bei dem die Künstler artistische Bewegungen vorführen. Der Name leitet sich aus den Breakpassagen der Musik ab, zu denen die Leute tanzten (siehe 2.2.). Beeinflusst wird Breakdance vor allem von Capoeira[12], Turnen sowie (Zirkus-)Artistik und Akrobatik.

Auch beim Breakdance gibt es verschiedene Formen, wie z.B. „Popping“ und „Locking“[13].

Der neue, dynamische Tanzstil wurde bald benutzt, um Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gangs tänzerisch und somit friedlich zu lösen. Wie bei den anderen Elementen auch, spielt der Wettkampf auch heute noch beim Breakdance eine große Rolle.

Auch mit Hilfe von Filmen wie z.B. „Beat Street“ wurde Breakdance in die ganze Welt transportiert, löste in Deutschland einen Breakdanceboom aus und wurde der Anfang der deutschen Hip Hop- Bewegung. Breakdancer gehörten damals in vielen Fußgängerzonen zum Stadtbild. DieRock Steady Crew, die bis heute bekannteste Breakdance-Gruppe, trat u.a. bei „Wetten, dass...?“ auf. Ende der 80er Jahre flaute die Begeisterung etwas ab, erst Mitte der 90er Jahre wurde Breakdance wieder populärer.[14]

Ähnlich wie Rap hat auch Breakdance heute Einzug in andere Musikstile gefunden, Tänzer finden sich auch in Pop- oder Dancefloormusik bzw. in den entsprechenden Musikvideos.

2.4. Graffiti / Writing

Neben Rap steht Graffiti am deutlichsten von allen Elementen in der öffentlichen Kritik, weil es für viele nur die Beschädigung bzw. Zerstörung des öffentlichen Raumes und keine Kunst, wie von den Sprühern selbst oft dargestellt, ist. Illegales Graffiti verursacht jährlich Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe. Mit Graffiti werden Bilder und Schriftzüge bezeichnet, die meist illegal vornehmlich auf öffentliche Wände und Nahverkehrsmittel (vor allem U- und S-Bahnen) gesprüht werden. Dabei unterscheidet man] grob zwischen einem „Tag“, einer Art künstlerischer Unterschrift, „Characters“ (Figuren) und „Pieces“ (aufwändig gestaltete, große Schriftzüge).

Der Begriff Graffiti kommt vom italienischen „graffito“, was einkratzen bedeutet und auf die ursprünglichen Bilder und Texte verweist, die in Wände gekratzt wurden, wie z.B. Funde im untergegangenen Pompeji belegen.

Über die Entstehung gibt es verschiedene Vermutungen. Mit einfachen Graffitis könnten Gangs in den Ghettos ihre Reviere markiert haben, um Eindringlinge zu warnen.[15]

Das „Taggen“, also das Hinterlassen eines Schriftzuges, wurde angeblich von einem griechischen Botenjungen in New York erfunden, der bei seinen Fahrten an verschiedenen Orten das Kürzel „Taki 183“ hinterließ. Durch die Berichterstattung in den Medien gab es bald viele Nachahmer, die Schriftzüge wurden immer größer, kreativer und überall hingesprüht. Vor allem auf Bahnen, die überall zu sehen waren und die Werke und damit den Künstler weithin bekannt machten. Denn die Hauptmotivation für die Sprüher ist es „Fame“, also Ruhm zu erlangen, über die Qualität, aber auch die Zahl der Werke, die von möglichst vielen gesehen werden sollen. Daran entzündet sich bis heute der Grundkonflikt beim Graffiti: Für die Sprüher ist Graffiti auf legalen Flächen nicht reizvoll, da es zu wenige davon gibt und einer der Hauptgründe eben gerade der Kick des Verbotenen ist[16]. In der breiten Bevölkerung werden künstlerisch gestaltete Bilder durchaus als Kunst anerkannt, einige wenige Graffiti-Künstler stellen auch in Galerien aus; die weniger aufwändigen, aber für die Sprüher und der Verbreitung ihres Namens ebenso wichtigen Schriftzüge dagegen werden als Schmierereien abgetan und häufig strafrechtlich verfolgt.

[...]


[1] Chuck D., Rapper der politisch engagierten Gruppe Public Enemy, bezeichnete Rap auch als das „CNN der Schwarzen“.

[2] Kitwana hat die „Hip Hop-Generation“ bereits für sich definiert: Afro-Amerikaner, die nach der Bürgerrechtsbewegung , also zwischen 1965 und 1984, geboren sind. (ebd., S.165)

[3] Diese Thematik wird auch in den Texten selbst immer wieder referiert, z.B. bei der Rapperin Cora E.: „...nur ein Teil der Kultur“ (1994); siehe auch Loh 2000, S.8

[4] Wenngleich es auch verschiedene Ansätze gibt; z.B. spricht der Künstler KRS-One von 9 Elementen, u.a. „street knowledge“, „street fashion“ etc.

[5] www.wikipedia.de: Rap, Griot, Toasting, 1.5.2007

[6] Hahn 2002, S.61

[7] Smitherman in Richardson 2006, S.25

[8] Loh 2000, S.17

[9] Scratchen ist das rhythmische Bewegen der Platte, während sie läuft; Beatjugglen die Kombination zweier Instrumental-Passagen zu einer neuen; Backspinning bezeichnet das Zurückdrehen der Platte.

[10] Mit „Break“ wird der instrumentelle Teil eines Liedes bezeichnet, der nur aus Bass und Schlagzeug besteht.

[11] „Der Breakbeat nahm einfach nur die Kirsche von der Torte, aß sie auf und schmiss den Rest weg.“ (Toop in Loh 2000, S.14)

[12] Capoeira ist ein brasilianischer Kampftanz, der von afrikanischen Sklaven praktiziert wurde.

[13] „Popping“ sind roboterartige Bewegungen, beim „Locking“ bewegen sich die Tänzer wie Comicfiguren.

[14] Verlan 2000, S. 17

[15] www.wikipedia.de: „Hip Hop“, 5.5.2007

[16] Zu den Motiven zählen nach einer Studie der Kick des Illegalen, Selbstverwirklichung, Gemeinschaftsgefühl etc.; siehe Falko Rheinberg, Yvette Manig:Was macht Spaß am Graffiti-Sprayen? Eine induktive Anreizanalyse;Institut für Psychologie der Universität Potsdam. 2003

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Generation Hip Hop? - Jugendkultur als generationsstiftendes Merkmal
Hochschule
Universität Leipzig  (Inst. für Soziologie)
Veranstaltung
"Auf der Suche nach der eigenen Generation"
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V110882
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Generation, Jugendkultur, Merkmal, Suche
Arbeit zitieren
Markus Gärtner (Autor), 2007, Generation Hip Hop? - Jugendkultur als generationsstiftendes Merkmal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110882

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