Die Entstehung des Neuen Testamentes. Mündliche Tradierung und formelle Festlegung des neutestamentlichen Kanons


Hausarbeit, 2007
16 Seiten, Note: 1,3

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I NHALTSVERZEICHNIS

[1]. Einleitung

[2]. Vom gesprochenen Wort zu den Schriften des NT
2.1 Mündliche Tradierung im Angesicht der Nahparusie
2.2 Anfänge der Verschriftlichung: Bekenntnisformeln, Hymnen und die Logienquelle
2.3 Erste erhaltene SchriftstüGemeindebriefe des Paulus
2.4 Der Kern des Neuen Testamentes: Die Evangelien
2.5 Die Fortsetzung des Lukas-Evangeliums: Die Apostelgeschichte
2.6 Im Namen des Apostels: Die nicht authentischen Paulusbriefe
2.7 An die ganze Kirche: Die katholischen Briefe
2.8 Vision vom Ende: Die Offenbarung des Johannes
2.9 Nachträglich verändert: Textgeschichte der neutestamentlichen Schriften

[3]. Was gehört zum Neuen Testament? Der Prozeß der Kanonbildung
3.1 Die Gelegenheitsliteratur wird gesammelt: Anfänge der Kanonbildung
3.2 Apostolisch, katholisch, inspiriert: Kanonisierungskriterien
3.2.1 Unter dem Wirken des Heiligen Geistes? Exkurs zur Inspirationslehre
3.3 Marcion und die Folgen: Das Ringen der Kirche um den rechten Kanon
3.4 Abschluß der Kanonbildung: Anerkennung des Kanons durch Rom

[4]. Fazit

[5]. Verwendete Literatur

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich einen Abriß über die Entstehungsgeschichte des Neuen Testamentes geben, angefangen bei der mündlichen Tradierung der Worte Jesu und der Berichte von seinem Wirken, seiner Passion und seiner Auferstehung bis hin zur formellen Festlegung des neutestamentlichen Kanons auf dem Konzil von Trient.

Die Vielschichtigkeit der Entstehung des neuen Testamentes soll dabei zum einen an der Entstehung der Schriften selbst aufgezeigt werden, die nach christlicher Auffassung als “Gottes Wort in Menschenwort” gelten, also nicht von Gott “in die Feder diktiert” wurden, wie es der Islam vom Koran glaubt, und zum anderen in dem langen Prozeß der Kanonisierung, also der Einigung darüber, welche Schriften dem Neuen Testament zuzuordnen sind.

2. Vom gesprochenen Wort zu den Schriften des NT

Wie kam es nun zur Verschriftlichung des lebendigen Glaubenszeugnisses der ersten Christen?

2.1 Mündliche Tradierung im Angesicht der Nahparusie

In den ersten Jahren waren schriftliche Zeugnisse gar nicht notwendig, da die Urgemeinde sich in dieser Zeit auf Jerusalem beschränkte, man regelmäßig zusammenkam und das Wissen um die Taten und Worte des Herrn sowie deren theologische Deutung somit mündlich weitergegeben konnte. Liturgisch wurden in der judenchristlichen Gemeinde zunächst nur die Schriften des alten Testamentes verwendet und durch Auslegung auf Christus hin gedeutet[1]. Außerdem lebten die ersten Christen in der Erwartung der baldigen Wiederkehr (Nahparusie) des Herrn und dem damit einhergehenden Ende der Zeiten. Man rechnete nicht damit, daß die aktuelle Generation ausstirbt, bevor der Herr wiederkommt (Mk 13, 30-33 par.); somit war es nicht nötig, die Erinnerungen für die Nachwelt schriftlich zu fixieren.

2.2 Anfänge der Verschriftlichung: Bekenntnisformeln, Hymnen und die Logienquelle

Die Entstehung der ersten schriftlichen Zeugnisse dürfte wohl vor allem durch die bald einsetzende Missionstätigkeit der Jünger angeregt worden sein. Jene Gemeinden, in denen keine Zeugen des irdischen Wirkens Jesu lebten, brauchten für die Unterweisung neuer Katechumenen zuverlässige Zeugnisse.

Sehr schnell bildeten sich erste Bekenntnisformeln heraus (zum Beispiel in Röm 10,9). In diesen Formeln wurden Kernaussagen des Glaubens auf den Punkt gebracht. Sie waren kurz und prägnant und eigneten sich hervorragend zur Katechese. Auch Hymnen und Lieder, beispielsweise der sogenannte Philipperhymnus (Phil 2, 6-11), sind vermutlich schon früh verschriftlicht worden[2].

Bereits um das Jahr 65 entstand nach Auffassung der meisten Exegeten auch eine Sammlung von Jesusworten, die sogenannte Logienquelle. Sie war vermutlich keine reine Aneinanderreihung von Zitaten, sondern schon so gestaltet, daß sie katechetisch eingesetzt werden konnte, sozusagen ein Katechismus aus Jesusworten[3].

2.3 Erste erhaltene Schriftstücke: Die Gemeindebriefe des Paulus

Die ersten erhaltenen schriftlichen Zeugnisse der christlichen Kirche stammen vom Apostel Paulus. Es sind Briefe, die er in konkreten Situationen an konkrete Gemeinden geschickt hat, um dortige Mißstände anzusprechen. Als echte Paulusbriefe gelten nach heutigem Kenntnisstand der erste Thessalonicherbrief, der Galaterbrief, der erste und zweite Korintherbrief, der Philipperbrief, der Philemonbrief und der Römerbrief[4].

In diese Briefe hat Paulus neben seiner eigenen Theologie, die er zumeist in Form von Exegese (Schriftauslegung) und Paränese (Mahnungen) abfaßt, auch viele der in 2.2 genannten Formeln, Hymnen und Lieder einfließen lassen5. Bemerkenswert ist aber auch schon die Eingangsformel, in der er den in einem antiken Privatbrief normalerweise an dieser Stelle sonst stehenden Dank an die Götter aufgreift und zu einer Danksagung an den einen Gott umformt (1 Thess 1,2).

[...]


[1] vgl. Lohse, S. 12

[2] vgl. Lehrbrief 6, S. 24; Lohse, S. 18-27

[3] a.a.o., S. 26; vgl. Wikipedia-Artikel “Logienquelle”

[4] vgl. Lehrbrief 6, S. 22

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung des Neuen Testamentes. Mündliche Tradierung und formelle Festlegung des neutestamentlichen Kanons
Hochschule
Katholische Akademie Domschule Würzburg
Veranstaltung
Der Christliche Glaube: Grundkurs
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V110921
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erörterung, Feststellung, Entstehung, Neuen, Testamentes, Prozeß, Bezeugung, Christusereignisses, Abschluß, Fixierung, Kanons, Christliche, Glaube, Grundkurs
Arbeit zitieren
André Meyer (Autor), 2007, Die Entstehung des Neuen Testamentes. Mündliche Tradierung und formelle Festlegung des neutestamentlichen Kanons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110921

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