Die Sammlungen ethnologischer Museen bestehen aus Artefakten, die mehr oder weniger systematisch in verschiedenen Ländern der Welt akquiriert worden sind. In der folgenden vergleichenden Museumskritik werden die ethnologischen Museen das „Überseemuseum“ in Bremen und das „Rijksmuseum voor Volkenkunde“ in Leiden, Niederlande auf ihre Entstehungsgeschichte und auf ihre heutige Motivation hin untersucht werden. Bei einer Untersuchung dazu, wofür ein Museum wirklich steht, kann man zum einen auf ihre Öffentlichkeitsarbeit, Museumskatalogen und Webseiten, die den Besuchern (oder virtuellen Besuchern) zugänglich gemacht werden, zurückgreifen. Das Erlebnis, das den Menschen im (realen) Museum erwartet, geht jedoch über das erklärte Ziel hinaus. Auf den Besucher warten Eindrücke, die abhängig sind von den oft hunderte von Jahre alten Ausstellungsstücken, von der Art der Inszenierung, von der Museumsarchitektur, von den ausgesprochenen und unausgesprochenen Verhaltensregeln, die in Museumsartigen Einrichtungen gelten und, noch weiter gedacht, von einem „geheimen Lehrplan.“ Beide Betrachtungsobjekte sind Museen im traditionellen Stil, haben aber beide in der letzten Zeit ihre Ausstellungen neu konzipiert, bzw. sind noch im Wandel begriffen. Hier wird untersucht, wieso ein Wandel für notwendig gehalten wurde und wie weit er ging. Im gleichen Zuge kann man anhand von zeitgenössischer Kritik die Frage aufwerfen, ob das Museum überhaupt noch ein zulässiges Instrument der kulturellen Erinnerung sein kann und was in der heutigen Zeit von einem Museum erwartet werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Überseemuseum in Bremen
Die Ausstellung des Bremer Überseemuseums
Die Nordamerika-Sammlung
2. Das Rijksmuseums voor Volkenkunde
Beziehung zum Besucher
3. Zusammenfassung
Eigene Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht das Überseemuseum in Bremen und das Rijksmuseum voor Volkenkunde in den Niederlanden hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer Ausstellungskonzeptionen sowie ihrer heutigen Motivation. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der „Nordamerika-Sammlung“, um die Wirksamkeit musealer Inszenierungen und deren Vermittlung kultureller Identität kritisch zu beleuchten.
- Vergleichende Museumskritik ethnologischer Institutionen
- Analyse von Ausstellungskonzepten am Beispiel "Nordamerika"
- Untersuchung der Beziehung zwischen Museum, Sammlung und Besucher
- Kritische Reflexion über museale Repräsentationsmethoden
- Potenziale für eine moderne, zukunftsorientierte Museumspraxis
Auszug aus dem Buch
Die Nordamerika-Sammlung
Beispielhaft soll in dieser vergleichenden Museumskritik die „Nordamerika Ausstellung“ näher betrachtet werden. Dieser Teil der Sammlung ist im zweiten Stock angesiedelt und wurde zuletzt 1979 neu konzipiert, obwohl bis mindestens 1995 Daten und Bilder hinzugefügt worden sind. Der/die Besucher/in spürt jedoch deutlich, dass er/sie hier im dritten Stockwerk auch im älteren Teil des Museums angekommen ist, denn es strahlt etwas von einer vergessenen Ecke (im Gegensatz zum modernen Ambiente des Foyers, wo sich der Ozeanienbereich befindet) aus. Ein erster Eindruck sind die sandigen Farben, die hier vorherrschen, die vielleicht an Prairiesand erinnern sollen. Der Teppich ist grau, die Vitrinen sind grau-braun bis naturholzfarben. Auch die Exponate haben vorwiegend eine „Naturfarbe“. Die Vitrinen reflektieren das volle Licht, das durch die Glasdecke herein kommt, in einer unvorteilhaften Art und Weise.
Die Ausstellung beginnt mit einem zeitgenössischen Siebdruck, einer Darstellung der Figur des mystischen Raben. Der Künstler wird mit Namen benannt und es wird darauf hingewiesen, dass er ein aktiver Künstler ist, und dass dieses Motiv auch im Laden käuflich zu erwerben ist. Dies ist ungewöhnlich, da die meisten Exponate in ethnologischen Museen von anonymen Handwerkern oder Künstlern hergestellt worden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der vergleichenden Museumskritik ein und definiert den ethnologischen Kontext sowie die Fragestellung nach der heutigen Legitimation von Museen.
1. Das Überseemuseum in Bremen: Hier wird die Entstehungsgeschichte des Überseemuseums beleuchtet, insbesondere dessen Verknüpfung mit nationalstaatlicher Identität und kolonialen Handelsbestrebungen im 19. Jahrhundert.
Die Ausstellung des Bremer Überseemuseums: Dieses Kapitel beschreibt die subjektive Wahrnehmung der musealen Inszenierung und den architektonischen Eindruck der verschiedenen Ausstellungsbereiche.
Die Nordamerika-Sammlung: Diese Sektion bietet eine detaillierte Analyse der Nordamerika-Ausstellung, ihrer älteren Konzeption und der Art und Weise, wie hier ein „typisches“ Bild von Ureinwohnern konstruiert wird.
2. Das Rijksmuseums voor Volkenkunde: Das Kapitel untersucht das niederländische Museum, seine Webseite sowie die Herausforderungen bei der Umnutzung eines ehemaligen Krankenhauses für museale Zwecke.
Beziehung zum Besucher: Hier steht die Öffentlichkeitsarbeit und die Einbindung der Besucher in den Museumskontext im Vordergrund, wobei die Diskrepanz zwischen traditionellen Strukturen und modernen Ansprüchen aufgezeigt wird.
3. Zusammenfassung: Die Kernaussagen der vorangegangenen Analysen werden zusammengeführt, wobei die mangelnde strukturelle Erneuerung beider Institutionen betont wird.
Eigene Schlussfolgerungen: Der letzte Teil entwirft Perspektiven für eine moderne Museumspraxis, die durch Einbeziehung von Künstlern und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltiger und attraktiver gestaltet werden soll.
Schlüsselwörter
Museumskritik, Ethnologie, Überseemuseum, Rijksmuseum voor Volkenkunde, Nordamerika-Sammlung, Ausstellungsinszenierung, Identität, Kolonisation, Kulturvergleich, Museumspädagogik, Besucherbindung, museale Architektur, Kulturerbe, Repräsentation, Modernisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer vergleichenden Analyse zweier ethnologischer Museen, um deren Geschichte, Ausstellungsstrategien und den Umgang mit musealen Sammlungen kritisch zu hinterfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Inszenierung kultureller Identität, die historische Bedingtheit von Museumskonzepten sowie das Spannungsfeld zwischen traditionellem Sammelauftrag und modernen Vermittlungsansprüchen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich Museen durch Wandel anpassen und ob sie in der heutigen Zeit noch als zulässige Instrumente kultureller Erinnerung fungieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine vergleichende Museumskritik an, die auf einer Exkursion, direkter Beobachtung sowie der Auswertung von Museumskatalogen und Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung, Architektur und Ausstellungsgestaltung des Überseemuseums in Bremen und des Rijksmuseums voor Volkenkunde in Leiden, mit Fokus auf die Nordamerika-Abteilungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Museumskritik, ethnologische Sammlung, Ausstellungsinszenierung, kulturelle Identität, Besucherinteraktion und Museumspädagogik.
Wie unterscheidet sich die Nordamerika-Präsentation im Überseemuseum von der im Rijksmuseum?
Das Überseemuseum nutzt verstärkt Dioramen und einen älteren, traditionellen Stil, während das Rijksmuseum auf eine abstrakt-künstlerische Inszenierung setzt, die versucht, eine andere atmosphärische Wirkung zu erzielen.
Welche Rolle spielt die "Aggressivität im Museum" nach Pazzini?
Die Autorin greift Pazzinis These auf, dass Museen durch das Herausreißen von Objekten aus ihrem Kontext eine inhärente Aggressivität erzeugen, die reflektiert und in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen gelenkt werden sollte.
Welche Vorschläge macht die Autorin für die Zukunft der Museen?
Sie schlägt vor, Sammlungen durch Künstler und Gemeindemitglieder neu zu kontextualisieren, die Innenarchitektur für soziale Teilhabe zu öffnen und Museumspädagogik stärker in die Ausstellungen zu integrieren.
- Quote paper
- Stefanie Mallon (Author), 2006, Vergleich der ethnologischen Museen Überseemuseum in Bremen und Rijksmuseums für Volkenkunde in Leiden, Niederlande, am Beispiel „Nordamerika“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110945