Kollektivierung - Junkerland in Bauernhand

Kollektivierung


Seminararbeit, 2007

21 Seiten, Note: 2,0


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ausgangslage

2. Die Bodenreform

3. Die Änderung der sozialen Struktur auf dem Lande
3.1. Das Aufbrechen der ursprünglichen Strukturen
3.2. Betroffene Bevölkerungsgruppen durch die Agrarreform –die Altbauern
3.3. Betroffene Bevölkerungsgruppen durch die Agrarreform –die Neubauern
3.4. Betroffene Bevölkerungsgruppen durch die Agrarreform – die Landarbeiter

4.Die Kollektivierung

Schlussbetrachtung

5. Abkürzungen

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Deutsche Reich kapitulierte im Mai 1945 und der sechsjährige Krieg, der die europäischen Länder an den Rand der Vernichtung brachte und mit Terror und ideologischen Rassenwahn überzogen hatte, wurde beendet. Deutschland wurde im Ergebnis besetzt und unter den vier Siegermächten aufgeteilt, den Sowjets, den Amerikanern, den Franzosen und den Briten. Das geplante Ziel, die von jeder dieser Seiten durchgeführte Zonenpolitik in Kooperation durchzuführen, bzw. aufeinander abzustimmen schlug fehl, da der beginnende Kalte Krieg die Vorgehensweise der einzelnen Nationen beeinflusste. Das zukünftige Ziel bestand nun darin den Einflussbereich zu erweitern und die einzelnen ideologischen Sichtweisen zu etablieren, eine gemeinsame Politik war von dato an nicht mehr möglich.

Im Verwaltungsgebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) sollte eine Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild entstehen. Viele Verordnungen und Gesetze orientierten sich am System der Besatzungsmacht. Eine freie Marktwirtschaft, demokratisch freie Wahlen, ein Mehrparteiensystem und die selbständige Verkehrsfähigkeit von Grund und Boden waren in der DDR nicht gewollt und nicht existent. Die elementare Frage dieser Hausarbeit ist, wie die ost-deutsche Nachkriegsgesellschaft umgestellt wurde, im Bezug auf die in der Landwirtschaft tätigen Menschen zwischen 1949 – 1960. Aus diesem Grund ist es fundamental, auf die Ausgangssituation der sowjetischen Besatzungszone einzugehen.

In Folge dessen werde ich die Bodenreform analysieren und die Transformation der Gesellschaft darstellen. Danach werde ich die verschiedenen Bevölkerungsschichten, die von der Reform betroffen waren näher untersuchen. Der zweite Schwerpunkt, neben der Bodenreform, wird die Darstellung der Kollektivierung der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Zu untersuchen ist der Zeitraum und die Bedeutung für die in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerungsgruppen. Die angegeben Zahlen und Wirtschaftsgrößen variieren in der Literatur geringfügig, dies kann zu Abweichungen führen, die in der Regel aber belanglos sind.

1. Ausgangslage

Auf dem Sektor der Sowjetischen Besatzungszone gab es keine einheitliche Agrarstruktur, so gab es Differenzen zwischen dem Norden und Süden.

In Mecklenburg und Brandenburg wurde vorwiegend die Landwirtschaft auf großen Flächen betrieben und war herrschaftlich geprägt. Sachen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterlagen einer bäuerlichen Wirtschaftsstruktur, mit geringeren Nutzflächen.[1]

In Sachsen, das zum Großteil eine industrielle Strukturierung aufwies, lag die Größe der Landwirtschaftsbetriebe, vor Kriegsbeginn, bei 5–20 ha (Hektar). [2] Diese Größenordnung entsprach kleinen bis mittelbäuerlichen Höfen. Vor dem Krieg war die Landwirtschaft geprägt durch einen hohen Bedarf an saisonalen Arbeitskräften, im Norden begründet auf die enorme Größe und Flächen der Betriebe und im Süden durch die Art der angebauten Produkte. So wurde in Sachsen und Sachen-Anhalt vor allem Hackfrüchte angebaut, durch welche sich der Arbeitseinsatz intensiver darstellte.[3]

Nach dem Krieg traten vermehrt Probleme in der Landwirtschaft der Sowjetischen Besatzungszone auf. Große Teile der Ackerflächen im Norden, besonders die Bereiche Brandenburg und Mecklenburg, wiesen massive Zerstörungen infolge des Krieges auf. Ein weiteres grundlegendes Problem ergab sich durch die Flucht der Landwirte und Bauern im westlichen Teil Deutschlands. Das hatte zur Folge, das große Flächen brach lagen und nicht bewirtschaftet wurden. Weitere strukturelle Probleme ergaben sich aus dem Mangel an Maschinen, denn ca. 30% des Maschinenparks der Landwirtschaft wurden durch Kriegseinwirkungen vernichtet oder waren unbrauchbar.[4] Die noch funktionstüchtigen Maschinen waren jedoch in ihrer Einsatzbereitschaft, durch Treibstoffmangel und die Versorgung mit Ersatzteilen, eingeschränkt.

Demontagen durch die Rote Armee, die zerstörte Infrastruktur und der Mangel an Düngemitteln wirkten sich ebenso negativ auf die Entwicklung in der Sowjetischen Besatzungszone aus. Die Viehbestände wurden durch Notschlachtungen enorm dezimiert. Im Verhältnis zu 1938 ergab dies einen Rückgang um 38 % bei Rindern, 72,9 % bei Schweinen, 56,4% bei Schafen und 48% bei Hühnern. Die flüchtenden Bauern und Landwirte nahmen Inventar und Vieh mit in die westlichen Sektoren und verschärften die Notlage und den Mangel weiter. Das Fehlen qualifizierter Fachkräfte, die im Kampf gefallen, verletzt wurden oder in Kriegsgefangenschaft gerieten, begünstigte die negative Entwicklungsrichtung. Das Ergebnis sind gefallene Erträge aus der Landwirtschaft im Sektor der Sowjetischen Besatzungszone. Aus Gründen der Übersicht führe ich eine Tabelle an, die den Rückgang dokumentiert.

Durchschnittserträge auf dem Gebiet der SBZ (in dz/ha)5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Komplikationen, die sich auf dem Agrarsektor ergeben haben wurden durch die Flüchtlingsbewegungen und die Umsiedler, die in die Sowjetische Besatzungszone strömten, weiter verschärft, die trotz der knappen Nahrungsmittelsituation mit ernährt werden mussten. Ende 1945 betrug der Anteil der Flüchtlinge und Umsiedler 19,5% von der Gesamtbevölkerung in der SBZ. Im August des folgenden Jahres stieg die Zahl auf 24,9 % und Ende 1947 wuchs die Zahl der Flüchtlinge und Umsiedler auf 38,9 % der Gesamtbevölkerung der SBZ.[6] Die Ernährung war nur ein Problem des Flüchtlingsstroms, ein weiteres zeigte sich in der Unterbringung.

Da der Wohnraum in den Ballungsgebieten und Städten zum größten Teil zerstört oder unbrauchbar war, wurden die Flüchtlinge und Umsiedler auf die ländlichen Gebiete verteilt. 1947 lebte die Hälfte der Flüchtlinge in Dörfern mit weniger als 2000 Einwohnern.[7] Die SMAD, die Sowjetische Militäradministration in Deutschland sah sich nun zwei voluminösen Aufgaben gegenübergestellt, Wohnraum zu schaffen für die Flüchtlinge und die Nahrungsmittelversorgung zu gewährleisten, durch die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Fläche.

[...]


[1] Bauerkämper, Arnd: Junkerland in Bauernhand?, Durchführung, Auswirkung und Stellenwert der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 1996, S. 53.

[2] Ebd S. 104.

[3] Eckart, Karl: Agrargeographie Deutschlands; Agrarraum und Agrarwirtschaft Deutschlands im 20. Jahrhundert., Gotha 1998, S. 116.

[4] Bauerkämper, Arnd: Junkerland in Bauernhand?, Durchführung, Auswirkung und Stellenwert der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 1996, S. 133.

[5] Bauerkämper, Arnd: Junkerland in Bauernhand?, Durchführung, Auswirkung und Stellenwert der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 1996, S. 143.

[6] Ebd., S. 72 ff.

[7] Bauerkämper, Arnd: Junkerland in Bauernhand?, Durchführung, Auswirkung und Stellenwert der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 1996, S. 72 ff.

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Details

Titel
Kollektivierung - Junkerland in Bauernhand
Untertitel
Kollektivierung
Hochschule
Universität Erfurt  (Europäische Geschichte)
Veranstaltung
Agrarische Transition – Land und Gesellschaft im Industriezeitalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V110947
ISBN (eBook)
9783640090730
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kollektivierung, Junkerland, Bauernhand, Agrarische, Transition, Land, Gesellschaft, Industriezeitalter
Arbeit zitieren
Oliver Kreyssler (Autor:in), 2007, Kollektivierung - Junkerland in Bauernhand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110947

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