Die Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft und der Palästinakonflikt in der Literatur. "The Arab Woman and the Palestine Problem" von Matiel Mogannam


Rezension / Literaturbericht, 2007
9 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Rezension

Das zu rezensierende Werk beleuchtet den Konflikt zwischen Juden und Arabern in Palästina mit Beginn des britischen Mandats und konzentriert sich hierbei auf den Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen. Dabei befasst sich die Autorin im ersten Teil des Buches allgemein mit Rolle und Stellung der Frau in der islamischen Gesellschaft, um dann im zweiten Teil detailliert die Anstrengungen der Palästinenser, einen unabhängigen Staat zu gründen, zu beleuchten; hierbei richtet sie teilweise ihr Augenmerk auf weibliche Bemühungen in diesem Prozess.

In dieser Form und Konstellation wurde eine solche Thematik bis dahin nicht behandelt. Bis heute gibt es wenig Werke, die sich mit der Situation der Frauen im Israel-Palästina-Konflikt befassen; diese Werke stammen frühestens aus den 1980er Jahren und befassen sich in den seltensten Fällen mit der Zeit vor der Gründung des Staates Israel. Das Werk war das erste seiner Art und ist somit in seinem Forschungskontext einzigartig.

Die Autorin untersucht verschiedene historische Ereignisse und Institutionen, wobei sie sich hauptsächlich auf Berichte britischer Kommissionen stützt oder als Zeitzeuge z.B. von Sitzungen arabischer Parteien berichtet. Publiziert wird vorrangig das Unrecht, das den Arabern Palästinas bis 1937 widerfuhr, mit der zu dieser Zeit völlig neuen Hinwendung zur weiblichen Sichtweise des Konflikts. Die Publikation richtet sich vor allem an den nicht-palästinensischen Leser, dem der Fall eingehend präsentiert werden soll.

Das zu rezensierende Werk ist in zwei Teile und 20 Kapitel unterteilt. Kapitel eins zeigt in einer Retrospektive die gesellschaftliche Stellung der Frau vor und zur Zeit des Propheten Muhammad sowie dessen persönliche Beziehung zum weiblichen Geschlecht. Um die Behauptung zu stützen, schon zu dieser Zeit hätten Frauen ihren Beitrag zu Musik und Poesie, aber auch Politik geleistet, nennt sie die Namen der Poetin Al-Khansā, der ägyptischen Königin Shadjārat Al-Dūrr (auch bekannt als Um Khalīl) und der Patriotin Nasībeh, die mit Muhammad in den Krieg zog. Über die tatsächliche Bedeutsamkeit dieser Persönlichkeiten lässt sich hier nur spekulieren, da die Autorin keine Quellenangaben macht.

Kapitel zwei behandelt unter dem Titel „Social Reforms“ die Verbesserung der Frauenrechte mit Ankunft des Islam. Die Autorin erörtert die Themen Polygamie, Scheidung und Verschleierung, verstrickt sich dabei aber in Widersprüche. Sie kritisiert die Polygamie als Herabwertung für die Frau und stellt fest, dass nur wenig gebildete Muslime mehrere Frauen heiraten; gleichzeitig lässt sie völlig außer Acht, dass auch Muhammad mehrere Frauen hatte. Die problematischste Stelle dieses Kapitels und des gesamten ersten Teils des Werkes ist die Behauptung „Arab women were, and are still, perfectly free“[1]. Die Autorin selbst zeigt im Folgenden etliche Beispiele, die der Definition von „perfectly free“ nicht gerecht werden. So äußert sie noch in Kapitel zwei die Hoffnung, wenn auch wenig zuversichtlich, das Kopftuch eines Tages ablegen zu können.

In Kapitel drei kommt sie auf diverse Frauenbewegungen zu sprechen, z.B. den „Congress of the International Alliance of Women“ und die „Arab Woman Association“, in denen sich Musliminnen und Christinnen zusammenfanden. Hier zeigt sich erstmals der historische Charakter des Werkes, da die Autorin offensichtlich alle Aktivistinnen kennt. Nach der Autorin sind deren Bemühungen karitativ, ohne die politischen Ziele der Palästinenser aus den Augen zu verlieren; man kümmert sich z.B. um die Familien hingerichteter Rebellen. Leider werden keine Mitgliederzahlen genannt.

In Kapitel vier schildert die Autorin die Anfänge politischer Aktivität arabischer Frauen. In Bezug auf ihre anfängliche Untätigkeit drückt die Autorin sich sehr unpräzise aus: Man habe sich in dieser Hinsicht auf die Männer verlassen, „[…] perhaps under pressure of uncontrollable circumstances […]“[2].

Nach den Aufständen von 1929 findet am 26.10. desselben Jahres der erste Frauenkongress statt, bei dem die Balfour-Deklaration[3] als inakzeptabel zurückgewiesen wird. Eine entsprechende Erklärung wird abgegeben, die man der Frau des Hochkommissars vortragen will. Man gestattet lediglich eine Vorsprache beim Hochkommissar selbst; das Treffen mit einem Mann bedeutet für die arabischen Frauen zwar einen Bruch mit der Tradition, wird aber abgehalten. Im Anschluss daran findet die erste Frauendemonstration statt. Ein Foto dieser Demonstration ist dem Kapitel beigefügt.

[...]


[1] S. 43

[2] S. 67

[3] 1917; die britische Regierung erklärt darin u.a. den Willen, eine nationale Heimstätte der Juden in Palästina zu errichten.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft und der Palästinakonflikt in der Literatur. "The Arab Woman and the Palestine Problem" von Matiel Mogannam
Hochschule
Universität Hamburg  (Asien-Afrika-Institut Hamburg)
Veranstaltung
Proseminar: Palästina vor der Gründung des Staates Israel. Araber-Juden-Deutsche.
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2007
Seiten
9
Katalognummer
V110950
ISBN (eBook)
9783640090754
ISBN (Buch)
9783640371440
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rezension, Mogannam, Matiel, Arab, Woman, Palestine, Problem, Auflage, Hyperion, Press, London, Proseminar, Palästina, Gründung, Staates, Israel, Araber-Juden-Deutsche
Arbeit zitieren
Marina Schmidt (Autor), 2007, Die Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft und der Palästinakonflikt in der Literatur. "The Arab Woman and the Palestine Problem" von Matiel Mogannam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110950

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