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Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" – Ein Melodram?

Title: Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf"  – Ein Melodram?

Term Paper , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anna Katharina Eißel (Author)

Film Science
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Demjenigen Zuschauer, der den hier diskutierten Film ohne Vorkenntnis sieht, erscheint es möglicherweise erstaunlich, dass „Angst essen Seele auf“ im Kino- oder Fernsehprogramm stets unter der Genrebezeichnung Melodram gehandelt wird. „Fassbinder?“, mag er sich fragen, „was hat der den mit Melodramen am Hut?“

Vielleicht hat man „Angst essen Seele auf“ auch schon in der dritten Wiederholung im Fernsehen gesehen und kann sich ob dieser Zuschreibung trotzdem noch wundern. „Das das sind einfache Leute, das ist schnörkellos... Ein Melodram? Dafür hat der Film doch zu wenig Glamour, Musik, Kitsch!“

Aus dieser (banal formulierten) Problemstellung soll hier eine wissenschaftliche Auseinandersetzung in Form einer Filmanalyse entstehen, die die scheinbar disparaten Schlagwörter Fassbinder/politischer Autorenfilm/Lehrstück und ‚unpolitisches‘ Melodram damit vereinen will, indem sie diese in ihrer filmischen Mischung untersucht.

Melodram und Lehrstück – wie passt das zusammen?

Das Melodram ist eine Gattung, in deren Zentrum die emotionale Gewalt von großen Gefühlen steht. Im klassischen Sinne ist es unpolitisch, eskapistisch, emotional: „Man weint“. Und so durchlebt man den Schmerz über gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, die der sehnsuchtsvollen Erfüllung von Liebe im Weg stehen, im Kino und geht relativiert und erleichtert zurück auf die Straße, ins eigene, weit weniger schmerzvolle Leben.

Das Lehrstück (ursprünglich eine Bezeichnung Bertolt Brechts für eine Gruppe kleinerer Dramen aus den Jahren 1929/30, die einer marxistisch-leninistischen Gesellschaftslehre verpflichtet waren[1]) hingegen hat Erziehungscharakter, es geht um Aufklärung und Belehrung. In dem politischen Filmtypus wird die erzählte, private Geschichte eines Einzelnen ins allgemein Soziale objektiviert. An vereinfachten Modellsituationen und Lehrsätzen sollen soziale und gesellschaftliche Missstände anschaulich gemacht, bestenfalls zur Rebellion gegen diese angeregt werden.[2] „Man denkt“.

Beide Genres haben jedoch etwas gemein: eine gewissen Eindimensionalität der Weltbetrachtung. So sind die Charaktere zumeist simplifiziert, auf den ersten Blick ist erkenntlich, ob es sich um ‚gutes oder böses‘ Filmpersonal handelt.[3]

Fassbinder jedenfalls hat in seiner Genremischung ein reichlich bipolares Werk geschaffen, für dieses „eine Handlung mit der Klarheit einer Fabel und der emotionalen Wucht einer Tragödie konstruiert“.[4]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1. Ein ambivalentes Werk

1.2. Das Vorbild: „All that heaven allows“ von Douglas Sirk

1.3. Wesentliche Unterschiede im Plot

2. HAUPTTEIL

2.1. Schlüsselsequenz Nummer 1: Der Anfang

2.2 Schlüsselsequenz Nummer 2: Höhepunkt und Umschlagpunkt

2.3 Schlüsselsequenz Nummer 3: Ende

3. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Filmanalyse untersucht Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“ im Hinblick auf seine Gattungszugehörigkeit und die Verbindung von melodramatischen Elementen mit politischem Lehrstückcharakter.

  • Vergleichende Filmanalyse von Fassbinders Werk und Douglas Sirks Melodramen
  • Untersuchung der filmischen Darstellung von sozialen Ausgrenzungsmechanismen
  • Analyse der Rolle von Sprache und Inszenierung (Mise en Scène)
  • Deutung der gesellschaftskritischen Dimension des Films als Lehrstück

Auszug aus dem Buch

1.2. Das Vorbild: „All that heaven allows“ von Douglas Sirk

Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“, das international als Schlüsselfilm des Neuen Deutschen Films angesehen wird, orientiert sich an einem der großen Hollywood-Melodramen der Fünfziger Jahre: „All that heaven allows“ von Douglas Sirk. Der deutsche Autorenfilmer war Ende 1970 erstmalig in Berührung mit dem Werk des Filmemachers gekommen. Dieser hatte sich bereits – noch als Detlef Sierck – im Deutschland der 30er Jahre als UFA-Regisseur von Zarah Leander-Filmen etabliert, und über biografische Umwege schließlich in Hollywood mit so opulenten wie kommerziell erfolgreichen Technicolor Melodramen einen Namen gemacht.

Fassbinder zeigte sich von da an als glühender Verehrer des bis dato häufig verkannten Filmemachers. Zwar erkannten schon die Filmer und Filmkritiker der Nouvelle Vage seine spezifische, von Intellektualismus geprägte Handschrift, doch blieb seine symbolträchtige Gesellschaftskritik am mittelständischen Amerika, die er durch die Ironie der Übertriebenheit evozierte, der cineastisch nicht vorgebildeten Zuschauermasse unter dem Eindruck von Farben, Dekor und Tränen vorenthalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Das Kapitel stellt die Problemstellung vor, wie Fassbinders Film als ambivalente Mischung aus politischem Lehrstück und Melodram verstanden werden kann.

2. HAUPTTEIL: Anhand dreier Schlüsselsequenzen wird analysiert, wie Fassbinder melodramatische Motive aufgreift, radikalisiert oder bewusst gegenläufig einsetzt, um Gesellschaftskritik zu üben.

3. FAZIT: Das Kapitel schließt mit der Erkenntnis, dass der Film das Melodram in den Zeitgeist der 70er Jahre überführt und als politisches Instrument zur Reflexion gesellschaftlicher Vorurteile dient.

Schlüsselwörter

Angst essen Seele auf, Rainer Werner Fassbinder, Douglas Sirk, Melodram, Lehrstück, Filmanalyse, Gesellschaftskritik, Neuer Deutscher Film, Gastarbeiterproblematik, soziale Ausgrenzung, Geschlechterrollen, Inszenierung, Filmtheorie, Machtstrukturen, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob und wie Rainer Werner Fassbinders Film „Angst essen Seele auf“ als Melodram klassifiziert werden kann, obwohl er sich stark von klassischen Vorbildern unterscheidet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Analyse konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen privater Liebesgeschichte und gesellschaftlichen Repressalien, sowie die bewusste Stilisierung des Films als politisches Lehrstück.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fassbinder melodramatische Stilmittel verwendet, um eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Missständen und Vorurteilen zu provozieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine systematische Filmanalyse angewandt, die den Film in drei entscheidende Schlüsselsequenzen gliedert, um sowohl Motive des Melodrams als auch dessen bewusste Umkehrungen nachzuweisen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert den Anfang, den Höhepunkt (Umschlagpunkt) und das Ende des Films, um die Entwicklung der Charaktere und die Veränderung der Erzählform aufzuzeigen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Gesellschaftskritik, Melodram, Lehrstück, Fassbinder-Stil und soziale Determination definieren.

Wie unterscheidet sich Fassbinders Melodram-Verständnis von Douglas Sirk?

Während Sirks Melodramen stark mit Pathos und emotionaler Übersteigerung arbeiten, nutzt Fassbinder eine „schnörkellose“ Inszenierung und radikalisiert den Stoff, um anstelle von bloßer Unterhaltung politisches Bewusstsein zu schaffen.

Was bedeutet der Begriff „Lehrstück“ im Kontext dieser Filmanalyse?

Der Begriff bezieht sich auf die Objektivierung des Privaten im Sozialen; die Charaktere fungieren als Typisierungen, an denen gesellschaftliche Missstände wie Ausländerfeindlichkeit oder Klassenkonflikte verdeutlicht werden.

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Details

Title
Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" – Ein Melodram?
College
University of Hamburg  (Institut für Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften)
Course
Seminar I b: Grundlagen der Medien. Melodram – komparatistisch
Grade
1,7
Author
Anna Katharina Eißel (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V110968
ISBN (eBook)
9783640090846
ISBN (Book)
9783656067948
Language
German
Tags
Rainer Werner Angst Seele Melodram Seminar Fassbinder
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Katharina Eißel (Author), 2003, Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" – Ein Melodram?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110968
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