Filmanalyse von Michelangelo Antonionis "Blow-Up"


Hausarbeit, 2003

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsübersicht

I. EINLEITUNG
1. Einbettung und Produktionsdaten
2. Persönliche Gründe der Auswahl
3. Quellenlage und Vorgehensweise

II. HAUPTTEIL
1. Kurzinhalt
2. Charakterisierung der Hauptfigur
3. Motivik Fluchtdrang
Kommunikation und persönliche Beziehungen Illusion und Rahmung: Pantomimen
Aspekte der Selbstreflexion / Oberflächen Kritik an der Oberflächlichkeit
4. Filmhandwerkliche Gegebenheiten Kameraführung
Kameraperspektivität Schnitt
Ton / Musik

III. SCHLUSSTEIL

IV. LITERATURVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

1. Einbettung und Produktionsdaten

„Blow-Up“ war Michelangelo Antonionis erste, vollständig außerhalb Italiens und in fremder Sprache realisierte Filmproduktion. Und zugleich seine bisher erfolgreichste.1 "L'avventura" (zu deutsch: „Die mit der Liebe spielen“) beispielsweise, der ihn 1960 für seinen „geduldigen“ Regiestil der langen Einstellungen schlagartig weltberühmt machte, wird zwar 1960 in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und von einigen Kritikern gefeiert, von anderen jedoch „als obskures Machwerk abgestempelt“ und von meisten Zuschauern sogar ausgepfiffen2 Wenn auch die meisten seiner Filme von den Kritikern Zuspruch erhielten – große Publikumserfolge verzeichnet Antonionis Filmografie jedoch nicht. Mit Ausnahme von

„Blow-Up“: Es sollte sein einziger wirklich großer, kommerzieller Erfolg bleiben. 1967 erhielt er zudem für den im Jahr zuvor an Originalschauplätzen in London gedrehten Film den Großen Preis des Filmfestivals von Cannes.

Als mächtige und erfolgreiche Vermarktungsstrategie nutzte der Verleih MGM, für den der Produzent Carlo Ponti (u.a. „La Strada“, „Krieg und Frieden“, Doktor Schiwago“) den Film produzierte, die Zugkraft der dargestellten Mod-Kultur: Eine plakative Szene, die stilprägend für Mode, Design und Fotografie, nicht nur das zeitgenössische London beherrschte.3

Credits:4

- Blow up, BLOW-UP
- England - 1966 - 111 min.
- Literaturverfilmung
- FSK: ab 18; nicht feiertagsfrei
- Prädikat: wertvoll
- Verleih: MGM. MGM/UA Home (Video)
· Erstaufführung: 11.5.1967/18.1.1985 DFF 2
- Fd-Nummer: 14724
- Produktionsfirma: Premier
- Produktion: Pierre Rouve und Carlo Ponti
- Regie: Michelangelo Antonioni
- Buch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra und Edward Bond
- Vorlage: nach einer Kurzgeschichte von Julio Cortazar
- Kamera: Carlo Di Palma
- Musik: Herbie Hancock, The Yardbirds
- Darsteller:
- David Hemmings (Thomas)
- Vanessa Redgrave (Jane)
- Sarah Miles (Patricia)
- Jane Birkin (Teenager)
- The Yardbirds (The Yardbirds)
- Peter Bowles (Ron)
- Veruschka (Veruschka)

Das erste, was mich vor Jahren an diesem zentralen Werk des Filmemachers Michelangelo Antonioni in den Bann zog - freilich ohne das Fachwissen, dass es sich hierbei gleichzeitig um eines der Schlüsselwerke für die Filmästhetik der 60er Jahre handelt - war seine Oberfläche, sein plakativer Charakter: die Farben der Mode, die Formen des Designs, die ungewöhnlich langen Bildeinstellungen... Gebannt betrachtete ich den Film gewissermaßen als ein Stück stilistischer Zeitgeschichte. Neben der Faszination für die scheinbar nichts dem Zufall überlassende Komposition der Antonionischen Bildsprache, offenbarte sich mir, nach neuerlichem Betrachten in der letzten Zeit, ebenfalls sein psychologisches Feingefühl, seine hintergründige Betrachtungsweise der Welt.

„Die Filme evozieren den Eindruck von Seelen-Landschaften, machen die Innenwelten zu Außenansichten eines Individuums. Darin kulminiert Antonionis filmisch-philosophischer Stil, seine Ästhetik.“ Mit dieser so schönen wie zentralen Feststellung bringt es Josef Nagel5 vielleicht auf den Punkt, warum sich gerade ein Werk des Italieners als Objekt einer studentischen Filmanalyse anbietet. Das Wälzen verschiedener Fachliteratur bestätigte mich in meinem Interesse an dem Filmemacher und insbesondere an „Blow-Up“, der sich kritisch um Identität, Oberflächen6 und die Grenzen der Wahrnehmung dreht und gleichsam ein Bild der „Beat-Generation“ zeichnet.

So sehr mir die Beschäftigung mit dem Thema Antonioni Spaß gebracht hat, hoffe ich, den Faden an seinem Lebenswerk – auch längerfristig – nicht zu verlieren.

Eigene, aus einer vorher festgelegten Interpretationsschablone resultierende Thesen herzuleiten, fiele mir im Rahmen dieser nicht sonderlich umfangreichen Hausarbeit schwer. Dazu hätte ich eventuell eine der bereits existierenden psychoanalytischen Deutungen bemühen müssen, von denen es zu Michelangelo Antonionis Filmen zahlreiche gibt. So lesen, bzw. deuten viele der interpretatorisch arbeitenden Autoren den „Mord“ als ödipales Szenario.7

Es gibt jedoch auch eine Reihe anderer Ansätze in der Deutung. Thomas Christen entwirft in seiner Dissertationsarbeit unter Verwendung einer selbstreflexiven Interpretationsfolie eine Konstruktions- / Dekonstruktions-Theorie8, die von einem pyramidenförmigen Aufbau des Films ausgeht: „Was im ersten Teil entdeckt, ans Licht befördert wird, verschwindet im zweiten Teil wieder – Zug um Zug, ganz systematisch.“9 Und weiter: „Selten hat ein Film mit derartiger Konsequenz und Strenge, aber dennoch ohne unsinnlich und langweilig zu werden, ein Ereignis zunächst konstruiert, um es anschließend wieder zu annullieren.“10 Dementsprechend räumt seine selbstreflexiv interpretatorische Vorgehensweise der zentralen Blow-Up-Sequenz in der Mitte des Films (als Thomas die Bilderserie entwickelt, vergrößert und zu entschlüsseln versucht) einen großen Stellenwert ein. Gerard Oppermann hat mit seiner Veröffentlichung „Die Mittelszene des Films BLOW-UP“11 sogar eine ausschließliche Beschäftigung mit eben jener Sequenz des Films vorgelegt.

Josef Nagel12 hingegen verweist auf Martin Schaub, der „zu Recht auf die (geistige) Verwandtschaft Antonionis zu dem amerikanischen Maler Edward Hopper hingewiesen“ hat. Auch dieser sei zwar vermeintlich realistisch, aber immer schon eine Rekonstruktion, welche die bloße Erfahrung überschreitet. Ferner verbinde beide eine pessimistische Grundhaltung, eine melancholische Sicht der Welt.

[...]


1 Christen (2002), S. 148

2 CD Rom: „Lexikon des internationalen Films“ Ausgabe 2001, Michelangelo Antonioni / Biografie

3 Lenssen, In: Jansen / Schütte (1984), S. 180 f.

4 entnommen aus CD Rom: „Lexikon des internationalen Films“ Ausgabe 2001, „Blow-Up“

5 Nagel (1992), S. 3

6 Vgl. zum Beispiel Lenssen (1984), S. 171: „BLOW-UP (...) setzt die Kritik an der Oberfläche direkt in der Auseinandersetzung mit fotografischen Bildern an.“

7 Vgl. hierzu zusammenfassend Eberwein (1990), S. 262-281

8 Christen (2002): Das Ende im Spielfilm. Vom klassischen Hollywood zu Antonionis offenen Formen. S. 148f

9 ebd. S.150

10 ebd. S.151

11 Oppermann (1995): Die Mittelszene des Films Blow-Up. In: Berg / Hügel (Hrsg.) (1995), S. 7-39

12 Nagel (1992), S. 3

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Filmanalyse von Michelangelo Antonionis "Blow-Up"
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar I b: „Filmanalyse“
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V110969
ISBN (eBook)
9783640090853
ISBN (Buch)
9783656067931
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Michelangelo, Blow-Up, Antonioni, Filmanalyse
Arbeit zitieren
Anna Katharina Eißel (Autor), 2003, Filmanalyse von Michelangelo Antonionis "Blow-Up", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110969

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