Das Frauenbild des Film Noir


Seminararbeit, 2001
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Kurzerläuterung zum Film Noir

Die Femme Fatale

The Good Girl

The Marrying Kind

Die Visuelle Darstellung Der Frau Im Film Noir

Einleitung

Die Betrachtung der Plazierung der Frau im Film Noir, trägt zu unserem allgemeinen Verständnis der Stellung der Frau innerhalb eines kulturellen Produkts, maßgebend bei.

Es zeigt sich deutlich, daß die Darstellung der Frau im Film Noir immer die gleichen Strukturen aufweist, indem sehr stark am Patriachart festgehalten wird.

Der Film Noir reflektiert den ununterbrochenen ideologischen Kampf innerhalb des Patriacharts um die Kontrolle der weiblichen Sexualität.

Der Film Noir ist kennzeichnend für die andersartige Behandlung der Frauenrolle.

Betrachtet man die Stellung der Frau in anderen Genres, wie z. Bsp. im klassischen Western, sieht man die Frau in ihrer ihr konventionell zugedachten Rolle als Mutter, Tochter, Verlobte oder Prostituierte, wobei sie jedoch nur den Hintergrund bilden, denn die ideologische Arbeit des Films wird allein von den männlichen Protagonisten ausgeführt.

Im Film Noir jedoch hat die Rolle der Frau einen erheblichen Einfluß auf das Geschehen, indem die Frau meist das Zentrum der Intrige darstellt.

In der Regel erhält sie auch keine der oben erwähnten familienbezogenen Rollen, sondern tritt fast immer als „Femme Fatale“ auf, deren Funktion darin besteht, das Hindernis auf der Wahrheitssuche des Helden zu sein.

Ob der Protagonist erfolgreich sein wird, hängt von seiner Fähigkeit ab, sich der Manipulation der Femme Fatale zu entziehen.

Kurzerläuterung zum Film Noir

Im klassischen Hollywoodkino, wie auch allgemein in der amerikanischen Kultur, haben Familie und Familienleben einen sehr hohen Stellenwert. Die Familie wird als Zufluchtsort angesehen, nach dem alle Generationen sich sehnen und streben sollten.

Wenn wir bei einem Film von einem Happy End sprechen, meinen wir meistens, daß der Held mit seiner großen Liebe vereinigt wird, eventuelle Heirat nicht ausgeschlossen

Tatsächlich wurde in den beliebtesten Filmen der 30èr und 40èr Jahre die Familie als ein „Allheilmittel“ gesehen, die den Protagonisten aus noch so aussichtslosen Situationen eretten konnte, so lange er nur in der Lage war, ihren Wert zu erkennen und so seine Chance ergriff, zu ihr zurück zu kehren.

Betrachten wir zum Beispiel den Klassiker „ The Wizard of Oz “ (1939), sehen wir das Mädchen Dorothy, das von zu Hause wegrennt, nur um zu erkennen „ There is no place like home “.

Der zweite Weltkrieg verstärkte schließlich auch noch die dominante Famillienideologie der Gesellschaft und die Notwendigkeit diese miteinander zu teilen. Die Sehnsucht nach einer kleinen heilen Welt und dem damit verbundenden Drang Heirat und Familie zu bejahen, der auch schon zu einem sehr profitablen Filmgenre vor dem Weltkrieg geführt hatte, wurde während des Krieges sowohl politisch als auch kulturell zu einem gesellschaftlichen Leitbild.

Als der Krieg schließlich endetet, begann der Film auch mit anderen gesellschaftlichen Strukturen und Wertvorstellungen herum zu experimentieren und führte eine völlig neue visuelle und erzählerische Ebene ein.

Diese neue Serie von Filmen, die Verbrechen aus einer Perspektive der moralischen Ambivalenz zeigten und deren Wirkungsstruktur in der subjektiven Betrachtung und Sympathie des Verbrechers und seiner menschlichen Schwächen bestand, wurden aufgrund ihrer dunklen visuellen Gestaltung und düsteren Thematik, als Film Noir bekannt.

Natürlich beschäftigte sich der Film Noir nicht nur mit der Familie, sondern stellte auch viele andere „Status Quo-Werte“ in Frage. In vielen Filmen finden wir ein korruptes Polizeisystem (Double Indemnity ( 1944) ), ein das Individuum bedrohende Staatsorgan (The Big Heat (1953) ) oder die innere Leere eines tristen bürgerlichen Lebens, die zu einem Ausbruch führt (Scarlet Street (1945) ).

Aber dennoch wird deutlich, daß der Film Noir sich zum größten Teil mit der Einstellung der amerikanischen Gesellschaft bezüglich der Frauenrolle beschäftigt, indem er klar macht, wo der Platz einer Frau zu sein hat – nämlich in der Familie.

Sylvia Harvey *1.) hat sich intensivst mit der Rolle der Frau innerhalb der Familie beschäftigt und den komplexen Zusammenhang zwischen der Darstellung von Frauen, Familie und Gesellschaft im Film, aufgezeigt:

„All movies express social values, or the erosion of these values, through the ways in which they depict both institutions and relations between people. Certain institutions are more revealing of social values and beliefs than others, and the family is perhaps one of the most significant of these institutions. For it is through the particular representations of the family in various movies that we are able to study the process whereby existing social relations are rendered acceptable and valid.“

Im Film Noir besteht die primäre Funktion der Frau darin, der Skepsis der Familie gegenüber und allen damit verbundenden Werten, Ausdruck zu verleihen.

Von wenigen Ausnahmen mal ganz abgesehen, findet im Film Noir eine klare Unterteilung in drei Kategorien von Frauen Statt: die Femme Fatale, eine selbstbewußte, unabhängige und ehrgeizige Frau, die Beziehungen und Ehe als einengend empfindet und versucht aus ihr auszubrechen, wobei meistens ein großer Schaden entsteht.

die gute fürsorgliche Frau (the good girl), die meistens als sehr farblos und langweilig dargestellt wird und letztendlich für den Helden unerreichbar wird; und „the marrying kind“, eine Frau, die wiederum eine Bedrohung für den Protagonisten darstellt, weil sie auf eine Heirat besteht und von ihm verlangt sich seiner konventionellen Rolle als Ehemann und Vater zu fügen und sich damit abzufinden.

Die primäre Funktion jeder dieser Film Noir-Frauen besteht darin, die gesellschaftliche Vorstellung der traditionellen Familie zu schwächen.

Obwohl der Film Noir das konventionelle Familienbild komplett ablehnt, indem er Familie und Heirat auf ziemlich offensichtliche Art und Weise kritisiert, kann er sich der Notwendigkeit, die Familie reetablieren zu müssen, nicht entziehen.

So kommt es meist gegen Ende des Films zu einer Bestrafung oder sogar Zerstörung derjenigen, die die Grenzen der konventionellen familiären Beziehung überschritten bzw. verletzt haben. Die zentrale Arbeit des Films ist es also, die Ordnung wieder herzustellen, indem die sexuell manipulierende Frau durch Tod, Gefängnis oder Verbannung zerstört wird.

Der Film Noir kehrt das klassische Hollywood Rezept für die Erfüllung von Träumen und Konfliktlösung durch Heirat und Familie um, indem ein solches Ende verweigert oder auch ein konventionelles Happy End ermöglicht wird, welches sich selbst als unrealistisch und unpassend disqualifiziert.

Tatsächlich können diese beiden Möglichkeiten einen Film Noir enden zu lassen, die Ablehnung von Heirat oder das unrealistische Happy End, als Kritik am klassischen Hollywoodkino oder den traditionellen Wertvorstellungen, die er ja indirekt bestärkt, angesehen werden.

Die Femme Fatale

Von den drei Kategorien Film Noir-Frauen, bedeutet die Femme Fatale den größten Angriff auf die traditionelle Frauenrolle. Sie lehnt die Rolle der devoten Ehefrau und liebenden Mutter, die ursprünglich von der Gesellschaft für sie vorgesehen ist, kategorisch ab. Sie empfindet die Ehe als einengend, lieblos, unerotisch und langweilig und macht sich ihre Gerissenheit und sexuelle Attraktivität zu Nutze, um Unabhängigkeit zu erreichen, und auch zu erhalten.

Janey Place sagt hierzu :

“ She is not often won over and pacified by love for the hero, as is the strong heroin of the forties who is significantly less sexuel than the film noir woman.“* 2.)

Die Femme fatale hält sogar noch dann an ihrer Unabhängigkeit fest, wenn sie mit ihrer eigenen Zerstörung konfrontiert wird. Und trotz ihres unvermeidlichen Todes, hinterläßt sie den Eindruck einer starken , aufregenden und unbesiegbaren Frau, die jegliche Versuche der Männer sie zu kontrollieren, zu Nichte gemacht hat und die Familieninstitution vollkommen ablehnt.

Die klassische Femme Fatale ist wunderschön, sexy, lügt, betrügt, verrät und tötet. Sie stellt keine Frau da, die vom Schicksal gebeutelt wurde (wie der Protagonist) und die dadurch erst in diese Situation gekommen ist. Sie ist sich ihrer Handlung vollkommen bewußt und damit völlig allein für ihr Handeln verantwortlich. Sie ist eine Frau ohne Skrupel und Moral, die hemmungslos zerstört, um sich selbst zu bereichern. Oft setzt sie ihre physische Unterlegenheit gegen den Mann ein, indem sie an seinen Beschützerinstinkt appelliert und gleicht so ihr physisches Defizit durch ihre Gerissenheit aus. Ein Verhalten, daß im Film Noir mit dem Tod bestraft wird und werden muß, damit die Ordnung des Patriacharts und die Moral wieder hergestellt ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Frauenbild des Film Noir
Hochschule
Freie Universität Berlin  (John F. Kennedy Institut)
Veranstaltung
Kulturseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V11098
ISBN (eBook)
9783638173513
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenbild, Film, Noir, Kulturseminar
Arbeit zitieren
Katrin Shams-Eddien (Autor), 2001, Das Frauenbild des Film Noir, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11098

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