Vulgärlatein


Referat (Ausarbeitung), 2006

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition des Terminus „Vulgärlatein“

3. Quellen des Vulgärlateins
3.1. Intendiert verwendetes Vulgärlatein
3.2. Nicht intendiert verwendetes Vulgärlatein
3.3. Romanische Sprachen

4. Sprachliche Eigenschaften
4.1. Phonologie
4.2. Morphologie
4.3. Syntax
4.4. Lexikologie

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Will man heutzutage wissen, wie im Lateinischen die eine oder andere Substantiv- oder Verbform, wie dieser oder jener Satz konstruiert wird, so schlägt man in einer der zahlreichen Schulgrammatiken der lateinischen Sprache nach. Durch ihren normativen Charakter lehren sie uns, was richtig ist und was nicht. Man mag sich dabei aber fragen, mit welchem Recht die Entscheidung über die Richtigkeit in einer Sprache, die seit vielen Jahrhunderten niemand mehr als Muttersprache erlernt, gefällt werden kann. Die Grammatiker legitimieren ihre Regelung des Lateinischen durch intensive Auseinandersetzung mit den beiden klassischen Autoren Cäsar und Cicero. Demzufolge bildet deren individueller Stil die Grundlage für das Schullatein.[1]

Im Sinne der didaktischen Reduktion mag diese willkürliche Einengung des Blickfelds für den Fremdsprachenerwerb annehmbar sein, aus sprachwissenschaftlicher Sicht aber müssen weitere Aspekte der lateinischen Sprache berücksichtigt werden. Vor allem die gesprochene Sprache rückt dabei ins Interesse der (romanistischen) Sprachwissenschaft. Vergleicht man einige romanische Sprachen miteinander, fallen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf, die ganz und gar nicht mit dem klassischen Latein vereinbar sind. Daher muss es eine Sprachvarietät gegeben haben, welche man wissenschaftlich als Vulgärlatein bezeichnet.

Im Folgenden soll eine genauere Definition des Vulgärlateins gegeben, die Quellenlage dargestellt und daran eine exemplarische Sprachbeschreibung des Prototyps „Vulgärlatein der Romania“ unternommen werden.

2. Definition des Terminus „Vulgärlatein“

1866 führte der Romanist Hugo Schuchardt den Fachterminus „Vulgärlatein“, den er vom lateinischen sermo vulgaris ableitete, in die Sprachwissenschaft ein.[2] Dieser Ausdruck wird von manchen Linguisten abgelehnt, da das Adjektiv „vulgär“ im Allgemeinen eine abwertende Konnotation hat. Tatsächlich ist vulgaris das Adjektiv zum lateinischen vulgus, das soviel wie „niederes Volk“ oder „Pöbel“ bedeutet. In der Antike wurde dieses Wort allerdings nicht nur abwertend[3] sondern auch ganz neutral[4] verwendet. Alternativ wären folgende Ableitungen möglich: Latein des einfachen Volkes (sermo proletarius/plebeius), Alltagslatein (sermo cotidianus), umgangssprachliches Latein (sermo familiaris), ländliches Latein (sermo rusticus) und Verkehrslatein (sermo peregrinus).[5] Diese Ausdrücke können jedoch nur als Hyponyme verwendet werden. Nichtsdestotrotz veranschaulichen sie die Dimensionen des Vulgärlateins, denn sie charakterisieren verschiedene Varietäten im Bereich des Diastratischen (rusticus, proletarius, und plebeius, evtl. auch vulgaris), im Bereich des Diatopischen im gesamten Imperium Romanum (peregrinus, evtl. auch rusticus) und im Bereich des Diaphasischen (cotidianus, familiaris).

Demgemäß kann der Terminus „Vulgärlatein“ auf jede Art der gesprochenen Nähesprache aller Lateinsprecher angewendet werden. Tatsächlich finden sich auch in Ciceros Briefen Elemente des sermo familiaris in einer dennoch weitgehend distanzierten Schriftsprache. Doch diese subtilen Abweichungen von der puritas[6] sollen hier nicht näher untersucht werden. Es ist, wenn man so will, nur eine besonders schwache Varietät des Vulgärlateins.

Es kann also festgehalten werden, dass das Vulgärlatein keine homogene Varietät gegenüber dem Schriftlatein ist, sondern selbst unzählige Varietäten aufweist[7], und dass die im vierten Teil folgende Sprachbeschreibung einen Prototypen der gemeinromanischen Koine darstellt, den es so nie gegeben hat. Dass aber überhaupt ein Prototyp konstruiert werden kann, zeigt, dass die verschiedene sprachliche Eigenschaften nicht erst entstanden sind, als beispielsweise die Gallier oder die Iberer im Zuge der Latinisierung begannen, die lateinische Sprache anzunehmen, sondern dass bereits in Rom und der näheren Umgebung wesentliche Abweichungen von der lateinischen Hochsprache bestanden.

[...]


[1] Vgl. z.B. Rubenbauer, Hans/ Hofmann, J.B. (121995): Lateinische Grammatik. Bamberg-München, S. 3.

[2] Vgl. Klare, Johannes (2005): Französische Sprachgeschichte. Stuttgart, S. 22.

[3] Z.B. Cicero: Academica (1.2) “qui nulla arte adhibita […] vulgari sermone disputant”.

[4] Z.B. benannte Hieronymus seine lateinische Bibelübersetzung für das Volk Vulgata.

[5] Zit. n. Klare a. a. O., S. 22,

Sokol, Monika (2001): Französische Sprachwissenschaft. Eine Einführung mit thematischem Reader. Tübingen, S. 188.

[6] Unter puritas versteht man die reine Form des klassischen Lateins.

[7] Die Diachronie des Vulgärlateins führt noch zu weiteren Varianten.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Vulgärlatein
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Einführung in die französische Sprachwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V110986
ISBN (eBook)
9783640090990
ISBN (Buch)
9783640612369
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vulgärlatein, Einführung, Sprachwissenschaft, Romanistik
Arbeit zitieren
Christian Koch (Autor), 2006, Vulgärlatein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110986

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