Gewaltsame Aspekte in der Systemtransformation - Differenzen und Parallelen der Systemwechsel in Rumänien und Litauen


Seminararbeit, 2007
21 Seiten, Note: 2

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der Systemwechsel in Rumänien
Rumänien als Teil der sozialistischen Sowjetunion
Rumänien unter Nicolae Ceausescu (1965 – 1989)
Die Revolution 1989
Chronologische Abfolge der Ereignisse
Merkmale des rumänischen Systemwechsels

Der Systemwechsel in Litauen
Litauen als Teil der UdSSR
Die gewaltsamen Konflikte im Jahre 1991
Merkmale des litauischen Systemwechsels

Parallelen und Unterschiede zwischen den Transformationen in Rumänien und Litauen

Resümee.

Literaturverzeichnis

Vorwort

Wir haben uns im Rahmen der Lehrveranstaltung „Nächste Schritte der EU-Erweiterung der Beitrittsprozess Bulgariens, Rumäniens und Kroatiens“ intensiv mit den politischen Systemen und Prozessen der drei genannten Staaten beschäftigt und uns dabei vor allem auf den Transformationsprozess am Beginn der 1990er Jahre und die darauf folgende Entwicklung hin zu einem EU – Beitrittsland bzw. Beitrittskandidaten konzentriert.

Wenn man den politischen Entwicklungsprozess eines Staates näher betrachtet so spielen natürlich zahlreiche Kategorien eine wesentliche Rolle. So sollte man, meiner Meinung nach, versuchen verschiedene Herangehensweisen an eine bestimmtes Thema schaffen und bei der Untersuchung eines Entwicklungsprozesses sind nicht nur politische und wirtschaftliche Elemente von Bedeutung, sondern man darf auch historische und kulturelle Komponenten nicht ausschließen, da diese meist in einem Zusammenhang bzw. in einer Wechselwirkung stehen.

Ich habe mich nun in meiner Arbeit auf den Transformationsprozess Rumäniens konzentriert und am Beginn meiner Themenfindung bin ich mit einigen allgemeinen aber wohl elementaren Fragen an das Thema herangegangen:

Weshalb kam es in Rumänien zu einem gewaltsamen Systemwechsel und blieb dieses Phänomen der Gewalt in der Transformation der osteuropäischen Staaten ein Einzelfall?

Inwieweit spielten im Systemwechsel in Rumänien historische Aspekte eine Rolle? Welchen Einfluss hatten die Systemwechsel in den anderen osteuropäischen Staaten auf die Revolution in Rumänien?

Diese Fragen sind nicht als Hypothesen oder allgemeine Fragestellungen für meine gesamte Arbeit zu sehen, sie verhalfen mir lediglich einen Zugang zur Thematik zu schaffen und mein Thema in einem gewissen Maße einzugrenzen. Nach einigen Recherchen hab ich mich nun für folgende Themenstellung entschieden:

Gewaltsame Aspekte in der Systemtransformation – Differenzen und Parallelen der Systemwechsel in Rumänien und Litauen

Ich habe mich deshalb für dieses Thema entschieden, weil ich das Phänomen der Gewalt in den Transformationen der osteuropäischen Staaten untersuchen will und da Rumänien und Litauen die Staaten sind, in denen die Gewalt im Mittelpunkt der Transformation stand habe ich mich für einen Vergleich dieser beiden Länder entschlossen.

Ich habe die Arbeit so gegliedert, dass ich zuerst die Phase der Transformation beider Staaten untersuche und dabei auch auf historische Entwicklungen vor 1989 eingehe und am Ende möchte ich die Systemwechsel beider Staaten vergleichen und dabei versuchen Gründe zu finden, weshalb Gewalt in den Transformationen beider Staaten eine Rolle spielte.

Ich habe mich, wie im Literaturverzeichnis zu sehen, ausschließlich auf Sekundärliteratur konzentriert und dabei auch sehr hilfreiche Quellen gefunden, auch wenn ich zu meinem konkreten Vergleich zwischen der Transformation Rumäniens und Litauens keine Literatur gefunden habe. Im Gegensatz zum Systemwechsel in Rumänien, über den es zahlreiche Quellen gibt, war es etwas schwieriger Literatur über Litauen zu finden, da in den meisten Büchern nur die gesamten baltischen Staaten thematisiert werden und meist nicht spezifisch auf Litauen eingegangen wird.

Der Systemwechsel in Rumänien

Wie schon erwähnt werde ich zu Beginn auf die Transformationen beider Staaten einzeln eingehen und ich möchte mit Rumänien beginnen und dabei einerseits auf historische Aspekte eingehen aber auch einen chronologischen Ablauf der Ereignisse schildern und vor allem die Rolle der Eliten (insbesondere Ceausescu) untersuchen.

Rumänien als Teil der sozialistischen Sowjetunion

Wenn man die Systemtransformation Rumäniens näher untersuchen will, sollte man zumindest einen kurzen Abschnitt in die Geschichte des Landes machen, auch wenn ich den historischen Prozess Rumäniens nur kurz behandle. Ich möchte nur sehr kurz auf die Stellung Rumäniens im 2.Weltkrieg eingehen und mich danach mehr auf die Stellung Rumäniens in der sozialistischen Sowjetunion konzentrieren.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nahm Rumänien eine besondere Stellung ein, da sie sich für eine Neutralität aussprachen und sich an keine Seite anschließen wollten, doch der Hitler – Stalin Pakt von 1939 veränderte die Position Rumäniens beträchtlich. Großbritannien und Frankreich sahen für Rumänien eine Politik der Unabhängigkeit und keine territoriale Integrität vor, aber nachdem Frankreich 1940 von Deutschland eingenommen wurde, wurde dieses Abkommen obsolet. Ebenfalls 1940 erhielt Rumänien von Moskau ein Ultimatum das vorsah, Bessarabien und die Nordbukowina an das Sowjetreich abzugeben und durch den „2. Wiener Schiedsspruch“ fiel auch Siebenbürgen weg.1 Diese Territorialverluste lösten in Rumänien großen Konflikt aus und führten schließlich dazu, dass General Antonescu, der unter dem König Michael die politischen Fäden zog, zu größerer Macht kam. Er ging einen Pakt mit Deutschland ein und eroberte im Krieg gegen die Sowietunion 1941 die Gebiete Bessarabien und Nordbukowina zurück . Doch der Pakt mit Deutschland währte nicht sehr lange und wurde spätestens 1944 durch den Sturz von Antonescu bzw. einem Staatsstreich beendet. Es gab durch den Staatsstreich nicht nur einen Wechsel einiger Eliten, sondern auch einen politischen Kurswechsel, da die rumänischen Kommunisten nun auch in der Regierung vertreten waren und eine immer größere gesellschaftliche Verankerung erfuhren. Bei den Wahlen von 1945 wurden die Kommunisten bestätigt und durch eine Einparteienregierung stand der Sowjetisierung Rumäniens nichts mehr im Wege.2

„Die neue 'Rumänische Volksrepublik' (Republica Populara Romana) gab sich 1948 eine Verfassung nach sowjetischem Muster. Die aus der Fusionierung der Kommunisten und Sozialdemokraten entstandene Rumänische Arbeiterpartei (RAP) übernahm die politische Führung.“ 3

Rumänien, vor allem unter Gheorghiu-Dej, verfolgte bis in die 1960er Jahre einen prosowjetischen Kurs. Zwar zog die Rote Armee schon im Jahre 1956 aus Rumänien ab, doch...“[D]er Abzug der sowjetischen Militärkräfte bedeutete aber keineswegs das Ende des politischen Einflusses der UdSSR auf das politische und wirtschaftliche Geschehen in Rumänien.“4

Erst in den 1960er Jahren veränderte sich durch den Tod von Gheorghiu-Dej und der „Bestellung“ seines Nachfolgers Nicolae Ceausescu der prosowjetische Kurs und Rumänien klammerte sich immer mehr von Moskau ab.5

Rumänien unter Nicolae Ceausescu (1965 – 1989)

Ich stelle die Ära Ceausescu in den Mittelpunkt des geschichtlichen Abrisses meiner Arbeit, da Ceausescu das Land Rumänien zwischen 1965 und 1989 dominiert hat und durch seine autoritäre Herrschaftsform ist es von Nöten seine Person näher zu untersuchen um die Ursachen für die Transformation von 1989 zu ergründen.

Ceausescu war schon unter Gheorghiu-Dej ein zentraler Bestandteil der rumänischen Elite und durch den Tod von Gheorghiu-Dej im Jahre 1965 wurde Ceausescu als Nachfolger bestimmt. Ceausescu führte zu Beginn den Kurs von Gheorghiu – Dej in ähnlicher Weise fort und er genoss auch unter der Bevölkerung eine gewisse Beliebtheit. Ceausescu schaffte es, am Ende der 1960er Jahre, Rumänien eine Position zu verschaffen, die eine gewisse Koexistenz der westlichen aber auch der sowjetischen innerhalb Rumäniens erlaubte. Zwar war die sowjetische Vormacht in Rumänien immer noch gegeben aber Ceausescu ging auch gewisse Partnerschaften mit westlichen Staaten ein. So kreierte er im Jahre 1974 Wahlen, die oberflächlich auch als frei und transparent erschienen und er verschaffte sich dadurch viel Lob und Anerkennung in der westlichen Welt.

[...]


1 Vgl. Dima 1997: 14

2 Vgl. Gabanyi 1990: 34

3 Dima 1997: 15/16

4 Dima 1997: 17

5 Leber 1996: 63

21 von 21 Seiten

Details

Titel
Gewaltsame Aspekte in der Systemtransformation - Differenzen und Parallelen der Systemwechsel in Rumänien und Litauen
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaft )
Veranstaltung
PS Nächste Schritte der EU-Erweiterung - Der Beitrittsprozess Bulgariens, Rumäniens und Kroatiens
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V111021
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewaltsame, Aspekte, Systemtransformation, Differenzen, Parallelen, Systemwechsel, Rumänien, Litauen, Nächste, Schritte, EU-Erweiterung, Beitrittsprozess, Bulgariens, Rumäniens, Kroatiens
Arbeit zitieren
Christian Pilz (Autor), 2007, Gewaltsame Aspekte in der Systemtransformation - Differenzen und Parallelen der Systemwechsel in Rumänien und Litauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111021

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