Kontextualisierung - Anwendung und Funktion in Weblogs


Hausarbeit, 2006

24 Seiten, Note: 1,0


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Signifikanz von Weblogs / Kontextualisierung in Weblogs

2 Was ist ein Weblog?
2.1 Entstehungsgeschichte von Weblogs
2.2 Technische und organistorische Aspekte
2.2.1 Struktur und Aufbau eines Weblogs
2.2.2 Inhalte von Weblogs
2.2.3 Besonderheiten gegenüber herkömmlichen Webseiten
2.2.4 Einrichten und Betreiben eines Weblogs
2.3 Linguistische Aspekte
2.4 Textsorte Weblog
2.4.1 Verortung von Weblogs im Modell von Koch / Oesterreicher

3 Was ist Kontextualisierung?
3.1 Merkmale von Kontextualisierung
3.2 Funktionale Aspekte von Kontextualisierung

4 Kontextualisierung in Weblogs Methodische Hinweise
4.1 Untersuchungsergebnisse

5 Schlussbemerkungen

6 Verzeichnis der verwendeten Literatur

7 Anhang A)

8 Anhang B):

1 Einleitung:Signifikanz von Weblogs / Kontextualisierung in Weblogs

Innerhalb weniger Jahre hat sich im Rahmen der „Neuen Medien“ ein Format etabliert, das allgemein als „Weblog“ oder „Blog“ bekannt ist. Mit dieser Entwicklung ging nicht nur ein großes Medieninteresse einher (mittlerweile haben zahlreiche große Tageszeitungen Weblogs in ihre Online-Ausgabe integriert, so etwa www.zeit.de oder www.sueddeutsche.de), sondern auch ein starkes allgemeines Interesse an Weblogs, das wiederum einen Anstieg der Anzahl von Weblogs zur Folge hatte.

Angesichts der rasanten Verbreitung dieses Mediums[1] bietet es sich an, Weblogs unter linguistischen Gesichtspunkten zu untersuchen. Zwar ist dies in verschiedenen Forschungsarbeiten bereits geschehen (z.B. Schlobinski / Siever 2005), jedoch meist unter allgemeinen sprachwissenschaftlichen Aspekten. In dieser Arbeit hingegen soll vor allem das Konzept der „Kontextualisierung“ eine Rolle spielen, da dieses meines Wissens im Zusammenhang mit Weblogs bisher keine Beachtung gefunden hat.

2 Was ist ein Weblog?

2.1 Entstehungsgeschichte von Weblogs

Der Begriff „Weblog“ setzt sich aus den englischen Begriffen „web“ für „Netz“ (also das Internet) und „log(book)“ für „Tagebuch“ zusammen, kann also als „Netztagebuch“ übersetzt werden.

Die Einrichtung des ersten Weblogs Anfang der 1990er Jahre wird Tim Berners-Lee, dem „Erfinder“ des Internet, zugeschrieben, weil dieser ab 1991 eine Webseite betrieb, die Verweise auf neu entstandene Webseiten oder Webseiten mit weiterführenden Informationen enthielt.[2] Diese Vorgehensweise wurde ab 1997 von einigen Internet-Enthusiasten weiterentwickelt, die unter Zuhilfenahme ihrer Programmierkenntnisse erste Internettagebücher erstellten. Seit 1999 gibt es Systeme, die das Erstellen und Betreiben eines Weblogs ohne technisches Vorwissen ermöglichen.

Einen besonderen Schub bekam die Entwicklung von Weblogs im zweiten Golfkrieg 1991 („Warblogs“) und durch die Ereignisse am 11. September 2001. In beiden Fällen ermöglichten Weblogs, die von Menschen vor Ort geführt wurden, eine viel direktere und oft schnellere Berichterstattung über aktuelle Geschehnisse als herkömmliche Medien.

2.2 Technische und organistorische Aspekte

2.2.1 Struktur und Aufbau eines Weblogs

Im Wesentlichen ist ein Weblog ein (persönliches) Online-Tagebuch, in dem Texte, Bilder, Links und Multimedia-Dateien veröffentlicht werden können. Die Einträge sind chronologisch geordnet, d.h. der aktuellste Eintrag steht immer ganz oben, gefolgt von älteren Einträgen in umgekehrter chronologischer Reihenfolge.

Darüber hinaus enthalten die meisten Weblogs ein Archiv, in dem Beiträge nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren geordnet abgelegt sind. Häufig verweisen die in den Einträgen enthaltenen Texte per Link oder Kommentar auf andere Webseiten.

2.2.2 Inhalte von Weblogs

Was die Inhalte bzw. Zielrichtungen von Weblogs angeht, lassen sich drei Kategorien unterscheiden:

1. Filterblogs

Der Betreiber sammelt Informationen aus dem Internet, filtert diese und stellt sie seinen Lesern per Verlinkung zur Verfügung (Bsp.: www.fonolog.com).

2. K-Logs (Knowledge-Blogs)

Diese verstehen sich als Wissensplattformen bzw. als Medium der Expertenkommunikation (Bsp.: www.margaret-marks.com/Transblawg)

3. Persönliche Tagebücher („Personal Journals“)

Weblogs, die von Einzelpersonen betrieben werden und deren Inhalt meist persönliche Erlebnisse sind (Bsp.: www.shopblogger.de/blog).

2.2.3 Besonderheiten gegenüber herkömmlichen Webseiten

Ein herausragendes Merkmal von Weblogs ist die Kommentarfunktion, die ein besonders hohes Maß an Interaktivität erzeugt. Zwar bieten auch herkömmliche persönliche Webseiten diese Möglichkeit, etwa in Form von Gästebüchern oder Kontaktformularen, jedoch ist die Interaktion hier wesentlich eingeschränkter und auch meist nur auf zwei Kommunikationsteilnehmer (Betreiber und User der Webseite) beschränkt. In Weblogs ergibt sich die Interaktivität häufig zwischen mehreren Usern sowie dem Betreiber des Blogs, so dass in manchen Fällen sogar eine Art Online-Gemeinschaft entsteht.

Dies wird auch durch die Existenz der Rubrik „Blogroll“ deutlich, in der bevorzugte Weblogs bzw. Blogs von Freunden aufgeführt werden und die in manchen Weblogs mit einer Zahl von 20 bis 30 Links recht umfangreich ist.

Desweiteren bieten die meisten Weblogs einen sogenannten RSS-Feed, d.h. ein Programm, das es ermöglicht, Inhalte von Webseiten in maschinenlesbarer Form bereitzustellen. Wer einen RSS-Feed abonniert, wird per Mail benachrichtigt, wenn es neue Inhalte auf der Webseite gibt. Ein weiterer Bestandteil von Weblogs sind sogenannte Trackbacks, Systeme, mit denen ein Hinweis auf einen Beitrag zum gleichen Thema in einem anderen Weblog hinterlassen werden kann.

Durch die Verlinkung der einzelnen Weblogs bzw. auch einzelner Kommentare entsteht die sogenannte „Blogosphäre“:

„Neben den Parametern 'Individualität' und 'Archivierung' ist der Faktor 'Vernetzung' von zentraler, konstitutiver Bedeutung. Über die Verlinkung eines Blogs mit anderen, über den Linkaustausch in Form eines Web-Ringes und mithilfe spezieller Blog-Features wie Trackback oder Pingback entsteht ein komplexes Netzwerk, das als Blogosphäre bekannt ist.“

(Schlobinski / Siever 2005)

2.2.4 Einrichten und Betreiben eines Weblogs

Der Erfolg bzw. die rasante Verbreitung von Weblogs basiert u.a. auf der Nutzer-freundlichkeit der Systeme, mit denen man Weblogs erstellen kann und die z.B. von Seiten wie www.blogg.de oder www.blogger.com kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Diese Systeme ermöglichen das Einrichten und Betreiben eines Weblogs ohne besondere technische Vorkenntnisse. Voraussetzung ist lediglich eine Email-Adresse, ein Browser sowie ein Internetzugang. Die Datenmengen des Weblog werden auf den Servern des jeweiligen Betreibers abgelegt.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein Weblog mithilfe von Systemen wie etwa „Wordpress“ oder „Textpattern“ einzurichten und zu betreiben. Allerdings erfordern diese neben den oben genannten Voraussetzungen eigenen Speicherplatz bei einem Web-Host.

2.3 Linguistische Aspekte

Neben der Nennung der technischen Aspekte ist es ebenfalls wichtig, Weblogs linguistisch einzuordnen:

2.4 Textsorte Weblog

Eine Frage, die man unter dieser Überschrift stellen könnte, ist: „Bezeichnet der Begriff „Weblog“ eine Textsorte oder ist ein Weblog eher eine Technik, mit der man Texte erstellen kann?“

In dieser Arbeit soll von folgender Einschätzung ausgegangen werden:

„Ein Weblog oder Blog ist medial in erster Linie ein Textmedium und technisch eine Webseite [...].“ (Schlobinski / Siever 2005)

Man kann es auch so formulieren: Ein Blog ist eine Kombination aus Text (Medium) und Technik (Internetseite).

2.4.1 Verortung von Weblogs im Modell von Koch / Oesterreicher

Laut Schlobinski und Siever (2005) legt speziell das Interaktivitätspotenzial von Weblogs eine Verortung „zwischen herkömmlichen Webseiten und asynchronen Formen der computervermittelten Kommunikation wie Email, Diskussionsforen, Gästebüchern einerseits und Formen der quasi-synchronen Kommunikation (Chat) andererseits“ nahe.

Ergänzend dazu möchte ich bzgl. der Verortung von Weblogs im Trapezmodell von Koch / Oesterreicher folgende Anmerkungen machen:

Da es sich bei Weblogs um ein Textmedium handelt[3 ], werden sie auf der graphischen Ebene des Modells eingeordnet. Darüber hinaus ist diese Textgattung meiner Meinung nach zwischen „Tagebucheintrag“ und „Privatbrief“ anzusiedeln, wie meine Ergänzung zum Modell[4 ] deutlich machen soll. Diese Einordnung liegt nahe, da Weblogs häufig tatsächlich als Tagebücher bezeichnet werden und die Kommunikation zwischen Betreibern und Kommentatoren eines Weblogs des Stils und der Adressatenspezifik wegen häufig der Kommunikation in Privatbriefen ähnelt.

Was die Kommunikationsbedingungen betrifft, so sind in Weblogs Dialog, Vertrautheit der Partner, freie Themenentwicklung, Spontaneität, „involvement“, Situationsver­schränkung, Expressivität und Affektivität gegeben, was auf Sprache der Nähe innerhalb von Weblogs schließen lässt.

Auch die beiden Hauptmerkmale der Versprachlichungsstrategien von Nähe-Kommunikation sprechen für diese Einordnung: Der Parameter „Prozeßhaftigkeit“ wird durch die immer wieder ergänzten Kommentare zu einzelnen Weblog-Einträgen erfüllt. Ähnlich verhält es sich mit dem Parameter „Vorläufigkeit“: Dadurch, dass immer wieder neue Kommentare gemacht werden können, hat die Kommunikationssituation einen vorläufigen Charakter, d.h., die Kommunikationssituation kann nie als komplett abgeschlossen bezeichnet werden.[5 ]

3 Was ist Kontextualisierung?

3.1 Allgemeine Definition

Das Konzept der Kontextualisierung geht auf den amerikanischen Soziologen und Linguisten John J. Gumperz zurück und lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

„'[Kontextualisierung ist (Zusatz: IM)] der Gebrauch, den Sprecher und Hörer von verbalen und nonverbalen Zeichen machen, um das, was zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort gesagt wird, mit Wissen, das durch vergangene Erfahrung erworben wurde, in Beziehung zu setzen.' (Gumperz 1982). Diese Beziehung wird durch Kontextualisierungshinweise (contextualization cues) ausgedrückt, die vor allem prosodischer oder paralinguistischer Art sind oder sich dem „code switch“ oder einer spezifischen Auswahl phonetischer, phonologischer oder morphosyntaktischer Formen oder auch bestimmter lexikalischer Formen oder formelhafter Ausdrücke verdanken.“ (Glück 2000)

3.1 Merkmale von Kontextualisierung

Auf Kommunikation im Allgemeinen bezogen sind eine Reihe dieser Kontextu­alisierungs-hinweise speziell zu nennen:

- Kinetik und Proxemik; Blickverhalten
- Prosodie (Tonhöhe, Lautstärke, Akzent, etc.)
- Zeitliche Plazierung
- Varietäten- / Sprachwahl (Code-Switching)
- lexikalische Variation
- sprachliche Formulierungen

Natürlich spielen manche dieser Kontextualisierungshinweise (etwa Kinetik und Proxemik) für die Online-Kommunikation keine Rolle, da es hier (meist[6 ]) keinen direkten (Sicht-)Kontakt zwischen den Kommunikationsteilnehmern gibt. Inwieweit die anderen Hinweise für die Kommunikation in Weblogs signifikant sind, wird im Laufe dieser Arbeit noch deutlich werden.

Besonders hingewiesen sei an dieser Stelle auf das Code-Switching, das bei der Kontextualisierung eine besondere Rolle spielt. Man unterscheidet hier zwei Aspekte:

1. situatives Code-Switching, d.h. ein Sprach- oder Dialektwechsel in Abhängigkeit des Aktivitätskomplexes.
2. metaphorisches Code-Switching, d.h. ein Sprach- oder Dialektwechsel innerhalb einer Situation bei gleicher Beteiligtenkonstellation; dieser Art des Code-Switchings kommt meist eine besondere kommunikative Bedeutung zu, wie im nächsten Abschnitt noch genauer erläutert wird.

3.2 Funktionale Aspekte von Kontextualisierung

Teilnehmer an einer Kommunikationssituation setzen die genannten Kontextuali­sierungshinweise (meist unbewusst) ein, um bestimmte kommunikative Ziele zu erreichen, z.B.:

- Selbstdarstellung (è Aufmerksamkeit)
- Markierung der Interaktionsmodalität (ernst, humorvoll, ironisch, etc.)
- Markierung von Anfang oder Ende einer Äußerungseinheit
- Betonung der eigenen Meinung, Weltanschauung o.ä.
- Inszenierung
- Nähe / Distanz (è Adressatenspezifik)

Im Folgenden werden zwei Beispiele für Kontextualisierung und ihre Funktion genannt:

1. Adressatenspezifik (Nähe / Distanz)[7 ]

a) Die Interviewerin Carmen Thomas im Gespräch mit Psychologen (Standardsprache)„sie sind nämlich diplompsychologe/ und speziell befa''ßt mit der therapie'' von diabe''tikern/ bei denen das problem vielleicht/ eh“

b) Und im Gespräch mit Jugendlichen (Umgangssprache / Dialektlaute) „und ich würd das gern noch=ma eben überprüfen\ war das denn am anfang doch so=n schlach mi=m hammer als de das gehört has/“

2. Inszenierung („Asos“)[8 ]

01 <A> B geh mal bier holen
02 <B> Noe.
03 <A> aber sicher gehst du
04 <B> Immer noch nich, es sei denn, Du leihst mir Deine goldene Kreditkarte
05 <A> pass blos ufff, dir zeig ischs

Inwieweit die genannten kommunikativen Ziele in den untersuchten Weblogs eine Rolle spielen bzw. erreicht werden, wird im nächsten Abschnitt deutlich werden.

4 Kontextualisierung in Weblogs Methodische Hinweise

Die Auswahl der untersuchten Weblogs erfolgte weitestgehend nach dem Zufalls- bzw. Schneeballprinzip. Die Blogroll-Rubrik des Weblogs (www.fonolog.com) eines Bekannten der Verfasserin diente als Ausgangspunkt für die Recherche nach geeigneten Weblogs. Als solche eingestuft wurden Weblogs, die regelmäßig – idealerweise täglich – aktualisiert werden und die eine Zahl von mindestens zehn Kommentaren pro Eintrag bieten, um überhaupt einen verwertbaren, da ausreichend umfangreichen Textkorpus zu bekommen. Außerdem sollten die zu untersuchenden Weblogs persönliche Online-Journale sein. Die fünf ausgewählten Weblogs – ebenfalls gefunden dank Verlinkungen der Seiten untereinander – erfüllen diese Kriterien. Die Sammlung der Textkorpora erfolgte im Dezember 2005 und im Januar 2006.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Auswahl dieser Weblogs natürlich keine repräsentativen Ergebnisse liefern, sondern lediglich einen ersten Eindruck vermitteln kann, ob und wie in Weblogs Kontextualisierungsmittel zum Einsatz kommen.

4.1 Untersuchungsergebnisse

1. „The Exit“ (http://blog.the-exit.net)

Allgemeine Informationen

Dieser Blog ist Teil der privaten Webseite the-exit.net, die von einem in Berlin[9 ] ansässigen Wirtschaftwissenschaftler namens Matthias Schlecker (* 1980) betrieben und auf der seit April 2003 gebloggt wird. Themenschwerpunkte des Weblogs sind persönliche Erlebnisse unterschiedlichster Art.

Besonders zu erwähnen ist bei diesem Blog, dass es neben dem Betreiber des Blogs auch Gastautoren (z.B. „Fmü“) gibt, die ab und zu Einträge vornehmen. Daraus und aus dem Umgang der Kommunikationsteilnehmer miteinander kann man schließen, dass dieser Blog hauptsächlich von Bekannten und Freunden des Betreibers gelesen und kommentiert wird. Dies scheint im Übrigen auch bei allen anderen untersuchten Weblogs der Fall zu sein.

Kontextualisierung in „The Exit“

Den Sprachstil betreffend fällt in diesem Blog besonders auf, dass sich die Kommunikationsteilnehmer häufig vergleichsweise formal ausdrücken, wie etwa dieses Beispiel aus dem Eintrag „Fremdes in der Waschtrommel“ deutlich macht:

Fmü: „Nennen Sie, werte Leserschaft, eine Waschmaschine Ihr eigen?“

Gleich der erste Kommentar auf diesen Eintrag greift diesen Stil auf:

The Exit: „Dann haben Sie gewissermaßen eine Waschmaschinen-WG gehabt? [...] Nun, auch Ihnen ein Frohes Fest, Herr Fmü. Und hoffentlich kleidet Sie das neue Hemd gut!“

Man kann in diesem Fall von Inszenierung sprechen. Die Kommunikationsteilnehmer verwenden bestimmte als sehr formal erkennbare Begriffe (z.B. „etwas sein eigen nennen“ oder „kleiden“), um die Handlungen einer bestimmten Gruppe (in diesem Fall vielleicht Adel oder Gelehrte) zu simulieren. Eine ähnliche Funktion erfüllt die Verwendung der Anredeformen „Sie“, „Herr Fmü“ sowie „werte Leserschaft“.

Eine ähnliche Form von Inszenierung bietet der Eintrag „Kompositionspause“, in dem es um die Erstellung eines Opern-Librettos geht:

Matthias: „[...] Und jetzt schreibe ich das Finale. Der Rhein tritt über die Ufer und schwemmt alles hinweg. Ich überlege mir, ob ich den Zuschauerraum fluten lasse. Auf jeden Fall lässt die Dramaturgie kein anderes Ende als Indicas Selbstmord zu. [...]“

Der Kommentar von „Fmü“, der auf diesen Eintrag folgt, greift die Idee mit dem Zuschauerraum auf:

Fmü: „[...] in jedem falle sollte an das publikum vorab der hinweis ergehen, zur vorstellung in neoprenanzügen oder zumindest in ölzeug mit gummistiefeln zu erscheinen.“

Auch hier simulieren die Kommunikationsteilnehmer eine bestimmte Handlung, nämlich die des gemeinsamen Erfindens einer Opernhandlung.

Desweiteren ist anzumerken, dass die erwähnte „Indica“ eine Kommunikationsteil-nehmerin dieses Blogs ist, wie der folgende Kommentar zeigt:

Indica: „Ich will nicht auf den Scheiterhaufen! Lassen Sie jemand anderes sterben!!“

Das Erfinden der Opernhandlung bezieht also auch real existierende, an der Kommunikationssituation beteiligte Personen mit ein, was den Aspekt der Inszenierung noch verstärkt und darüber hinaus Nähe zwischen den Kommunikationspartner herstellt.

Der folgende Kommentar (immer noch den bereits genannten Eintrag „Kompositions-pause“ betreffend) dient der Selbstdarstellung:

anke73: „I hate Tokio Hotel for eva!!!! [...]“

Durch die Verwendung der englischen Sprache in einem ansonsten deutschsprachigen Weblog will die Verfasserin die Aufmerksamkeit auf sich und ihren Kommentar lenken, der mit dem eigentlichen Thema der Diskussion nichts zu tun hat.

Der User „greenfish“greift diesen Kommentar dennoch folgendermaßen auf:

greenfish: „Und wer bitte ist Eva? Spielt die auch mit? Die Gute schreibt doch irgend etwas mit for Eva... ;-)“

„greenfish“ verwendet hier den von „anke73“ verwendeten Begiff „eva“ (der wiederum als umgangssprachliche Variante des englischen Wortes „ever“ gemeint ist) als weiblichen Eigennamen. Dadurch wird die Interaktionsmodalität als unernst bzw. humoristisch markiert und der Kommentar von „anke73“ zumindest indirekt lächerlich gemacht. Das Emoticon am Ende des Kommentars unterstreicht diesen Eindruck. Der Kommentar von „The Exit“ führt diesen Gedanken wie folgt fort:

The Exit: „Ach, EVA ist der Economic Value Added. Wird keine Rolle bekommen.“

Dieser Kommentar erfüllt zwei Zwe>

2. „Prägnanz“ (http://praegnanz.de/weblog)

Allgemeine Informationen

Bei diesem Blog handelt es sich um ähnlich wie im Fall von „The Exit“ um einen Teil einer Webseite, in diesem Fall praegnanz.de. Der Blog wird von dem in Hochheim am Rhein lebenden Designer Gerrit van Aaken (* 1980) seit Juli 1999 betrieben. „Auf diesen Seiten geht es in erster Linie um die Themen Webdesign, Typografie und Netzkultur.“ (http://praegnanz.de)

Kontextualisierung in „Prägnanz“

Im Vergleich zu „The Exit“ bietet „Prägnanz“ leider weniger aussagekräftige Einträge, in denen Kontextualisierung zu beobachten ist, was eventuell daran liegen kann, dass viele Einträge von einer auf Web-Design bezogenen Fachsprache bestimmt sind.

Im Textkorpus dieses Blogs ist also vor allem der Beitrag „Kevin, go home!“ interessant, in dem es um die Neugestaltung der Verpackungen von Kinderschokolade, insbesondere den neuen Werbeträger namens Kevin geht:

[Gerrit] „Ferrero hat sich mit dem neuen, dreist dreingrinsenden Rotzlöffel auf der neuen Kinderschokoladenverpackung wahrhaftig keine Freunde gemacht! [...]“

Dieser Eintrag wird folgendermaßen kommentiert:

Lars Strojny: „Ja, und draußen ist es eindeutig kälter als nachts.“

Mit diesem inhaltlich unsinnigen Kommentar, der sich zudem in keiner Weise auf das eigentliche Thema des Eintrags bezieht, will „Lars Strojny“ offensichtlich zum Ausdruck bringen, dass er das von „Gerrit“ angeschnittene Thema für irrelevant hält bzw. die Aufregung um „Kevin“ nicht nachvollziehen kann. Durch diesen thematischen Nicht-Bezug will er also seine Einstellung betonen. Diese Inszenierung einer nicht auf das eigentiche Thema bezogenen und außerdem sinnfreien Kommunikationssituation wird ein paar Kommentare später von einem anderen User aufgegriffen:

Finkregh: „Bananen sind auch draußen grüner als Katzen!“

Dies könnte zweierlei kommunikative Funktionen erfüllen: Zum Einen könnte „Finkregh“ damit sagen wollen, dass er „Lart Strojny“ beipflichtet, zum Anderen könnte dies aber auch die Markierung einer unernsten Interaktionsmodalität bedeuten – speziell, da seine Aussage inhaltlich noch absurder ist als die von „Lars Strojny“.

Folgerichtig reagiert „Gerrit“ mit folgendem Kommentar, in dem er sich auf eine meta-kommunikative Ebene begibt:

Gerrit: „Ich glaube, wir haben hier im Blog echt ein Problem, mit Ironie und Lustigkeit umzugehen. [...]“

Offenbar ist ihm klar geworden, dass die beiden anderen User seinen Eintrag, d.h. sozusagen seinen Themenvorschlag, für wenig diskussionswürdig oder sogar lachhaft erachten.

Eine weitere interessante Stelle findet sich im Eintrag „Gerrit (mal wieder) im Radio“. Dort macht der Betreiber des Blogs folgende Aussage, mit der auf den vorange­gangenen verbalen Angriff eines anderen Users reagiert, der ihm Überheblichkeit vorgeworfen hatte:

Gerrit: „[...] My blog is my castle. [...]“

Mit dieser Abwandlung der bekannten Redewendung „My home is my castle“ möchte er betonen, dass es sich bei „Prägnanz“ um seinen Blog handelt und er dort schreiben kann, was er möchte.

3. „Der Shopblogger“ (http://www.shopblogger.de/blog)

Allgemeine Informationen

Unter dem Motto „Verrücktes und Bemerkenswertes aus dem Supermarkt...“ schreibt hier Björn Harste, der in Bremen selbständig einen Supermarkt betreibt, seit Januar 2005 über Erlebnisse in seinem Geschäft.

Kontextualisierung in „Der Shopblogger“

Der Eintrag „Beck's vom Rhein“bietet die besten Beispiele aus dem gewählten Textkorpus dieses Weblogs für Kontextualisierung. Zum Einen findet sich dort folgender Dialog:

albgardis: „Naja, Beck's ist, ehrlich gesagt, entgegen der Werbesprueche schon lange keine gute Marke mehr. Ich meine, fuer die Massen, klar, da gilt Beck's noch was. Aber Bierkenner greifen doch schon sehr lange nihct mehr auf dieses Massenprodukt zurück. Regionalbrauereien bieten sehr oft viel bessere Qualität an, und nur unwesentlich teurer. [...]“

Anonym: „Und was trinkst du? Regionalbrauerei? Du Kenner du...? Oder doch von jemandem mit mehr Braukesseln? Würdest du's zugeben? Du Kenner du.. Mann Mann Mann... Wie selbstverherrlichend kann man eigentlich sein?“

Die Aneinanderreihung von Fragen im Beitrag von „Anonym“ erzeugt die Assoziation mit Banden- oder Gangsprache (ähnlich wie „Was willst Du? Willst Du'n paar auf die Fresse haben? Wo hättest Du's denn gerne?“ etc.). Dadurch wird die Handlung einer bestimmten Gruppe imitiert und Aggression erzeugt. Ähnliches wird durch die Wiederholung von „Du Kenner du“ und die Verwendung des Ausdrucks „Mann Mann Mann“ erreicht. Die Interaktionsmodaliät wird so in Richtung Streitgespräch gelenkt.

Einen andere Funktion übernimmt Kontextualisierung im folgenden Beispiel, ebenfalls aus dem Eintrag „Beck's vom Rhein“.

Kevin Ferkel: „Dat Wasser vun Kölle is joot! Jeht zwar an Leverkusen (Bayer) vorbei bevor et in Düsseldorf aankütt, aber dat sollte der Becks- plörre och net wiehdonn.“

Hier erfüllt die Verwendung des rheinischen Dialekts die Abgrenzung der eigenen Person und Herkunft zu den übrigen Gesprächsteilnehmern, die vorwiegend aus Bayern kommen, was die folgende Aussage deutlich macht:

Peter: „Im Übrigen bin ich heftig begeistert von der großen Bayern-Dichte hier. [...]“

Desweiteren bemerkenswert ist die Tatsache, dass ein User aus Nordbayern das Substantiv „Plörre“ verwendet:

Trantor: „[...] Die Plörre dürfte weitgehend austauschbar sein, ganz egal ob nun Beck's, Diebels, Warsteiner, Krombacher oder was weiß ich draufsteht. Über Bier läßt sich vorzüglich streiten, aber hier in Mittel- /Oberfanken haben wir die höchste Brauereidichte überhaupt [...]“

Laut www.ruhrgebietssprache.de ist „Plörre“ ein Begriff aus eben diesem Gebiet: „Plörre - alkoholisches Getränk, bei dessen Anblick man Angst bekommt, nach dem Genuß am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen aufzuwachen ("Von die Plörre schießt dich den Rotz waagerecht ausse Omme und du kriss Klüsen wie son Laubfrosch.")“. Dass „Trantor“ dieses Substantiv benutzt, lässt darauf schließen, dass er die genannten Biermarken deutlich abwerten will. Die Verwendung eines dialekten Begriffs – der zudem noch nicht einmal aus der von „Trantor“ genannten Heimatregion kommt – übernimmt also hier die Funktion der Wertung.

4. „Die Spreepiratin“ (http://spreepiration.twoday.net)

Allgemeine Informationen

Dieser Blog ist seit Februar 2005 online. Unter dem Titel „Unterwegs in stürmischen Stadtgewässern“ berichtet hier eine Userin mit dem Nickname „brittbee“ über ihre Erlebnisse in Berlin.

Kontextualisierung in „Die Spreepiratin“

Der Eintrag „Von Bauern, Kartoffeln, Paul und der Zweschter“ in diesem Blog handelt u.a. von Sprichwörtern. Folglich haben auch die dazugehörigen Kommentare diesen Inhalt, wie das folgende Beispiel zeigt:

Au-lait: „Kindermund fängt den Wurm. Der frühe Vogel tut Wahrheit kund. Stille Wasser haben kurze Beine...“

Durch die offensichtliche Abwandlung der Sprichwörter bzw. die Kombination verschiedener Sprichwörter miteinander entsteht eine humorvolle Interaktionsmodalität. Ähnliches erreicht „stoerti“, indem er das Wort „Kalauer“ abwandelt in „Herr Karl Auer“ und „brittbee“ durch die Verwendung des Ausdrucks „Zum Bleistift“ statt „Zum Beispiel“. Die unernste Interaktionsmodalität wird also von verschiedenen Kommunikations-teilnehmern aufgegriffen und fortgeführt. Besonders hervorzuheben ist außerdem folgendes abgewandeltes Sprichwort von KleinesF: „[...] Man soll den Tag nicht vor dem Abend bloggen. [...]“, da es auf das Medium Weblog Bezug nimmt, eine Art „Insider“-Witz ist und so der humorvollen Ebene eine neue Komponente hinzufügt.

Im gleichen Eintrag verwenden vier User schwäbische Dialektsprache, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken:

Brille: „Es gibt jedoch auch Ausnahmen, die dann die sprichwörtliche Sparsamkeit von uns Schwaben bestätigen: „Et gmäckert isch gnuag globet.“ [...]“

sirstick: „[...] dann erkläre ich dir auch den sinn des satzes: 'derledschd ben i mid'm breschdlingsgselz d'stiag naghagelt.'“

stoerti: „Ich bin Schwabe! [...] noch ne schwäbische Weisheit Noah nix narret's wenn's bressiert!“

Texas-Jim: „Sirstick, kreizkrabbasack, Se hand Sech doch ed schiach dao?“

Ein Beispiel für Kontextualisierung zum Zweck der Inszenierung findet sich im Eintrag „arriva la fortuna“. Hier schreibt „brittbee“ zum Jahresanfang: „[...] Zurück in stürmischen Stadtgewässern hisse ich meine acht Segel und brülle „Volle Fahrt voraus!“ in ein gutes, ein besseres 2006 [...]“ Das Thema „Segeln“ wird gleich von mehreren User aufgegriffen uns weitergeführt:

Au-lait: „Falls Du noch nen Teilzeitsmutje suchst... ich würd anheuern. ;)“

luckystrike: „[...]mast- und schotbruch[...]“

rebella jane doe: „[...] schmeiße ich ein beinahe übermütiges „na aber hallo!“ nebst eines dicken „und gute fahrt!“ an bord.“

sabberjan: „wollte schon gar nicht mehr durchs fernglas schauen. zu traurig war der blick an den horizont. Nur noch blasse schatten der vor wochen davon gesegelten 3-master-barke. aber heute mit letzter kraft nochmal nach den segeln gesucht und siehe da, der totenkopf flattert wieder froehlich im wind und macht die weltmeere des alltags unsicher. ahoi!“

saintphalle: „[...] Auf dass du immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel hast. [...]“

Auch die beiden folgenden Kommentare auf den Eintrag „May the farce be with you“ dienen der Inszenierung. Hier wird eine Situation simuliert, in der ein älterer Herr einem jungen Mädchen Manieren beibringen will, indem er ihr Schläge androht:

brittbee: „[...] Vor kurzem habe ich eine Jubi-Sendung zu „50 Jahre WDR“ gesehen. Und musste mal wieder feststellen, dass Ihr alten Männer (Ja!) einfach eine schönere Jugend hattet. Showformate mit Rudi Carell und so, orange und grüne Jugendzimmer, groß gemusterte Tapeten...[...]“

luckystrike: „alte männer! ha! vorsicht, sonst gibt's was, kleine! :) mit dem stock, den ich sonst zum laufen brauche“

Zu guter Letzt noch ein Beispiel aus dem Eintrag „Been an angel all year“:

burnston: „[...] Für dieses Jahr bekommst du den Brittsaward trotz aller Widrigkeiten [...]“

Hier kombiniert „burnston“ ein Wortspiel mit dem Namen der Blog-Betreiberin („Britt“) mit der Anspielung auf die jährlich in Großbritannien verliehenen „Brit-Awards“, einer Auszeichnung für Musiker. Damit will er seine Wertschätzung gegenüber „Britt“ zum Ausdrück bringen; die Kontextualisierung legt hier also die Adressatenspezifik „Nähe“ fest.

5. „Taxiblog“ (http://www.taxi-blog.de/wordpress)

Allgemeine Informationen

Dieser Blog wird verantwortet von Thorsten Bentrup, Taxifahrer aus Paderborn. Er betreibt die Seite seit Juni 2005 und berichtet dort von Erlebnissen aus seinem Berufsalltag.

Kontextualisierung im „Taxiblog“

Im Textkorpus dieses Weblog sind es drei Einträge, in denen Kontextualisie­rungsbeispiele zu finden sind:

1. „Großes Lob!“

Torsten Bentrup: „Und wer hat mehrererere Spar-Märkte, die notfalls auch ohne Führerschein Geld verdienen? [...]“

Die Iteration in „mehrererere“ dient der Betonung der Tatsache, dass der Angesprochene nicht nur einen Spar-Markt besitzt.

2. „Students at Night“

Budenzauberin: „Huch – da is' 'ne Disse? [...]“

emefg: „sag so was nicht nochmal, sonst DISS ich dich“

Hier findet sich die umgangssprachliche Bezeichnung „Disse“ für „Diskothek“. Die Verwendung dieser Form kann zwei Zwecke erfüllen: Sie kann der Erzeugung von Nähe dienen, da man diesen Begriff vielleicht nur verwendet, wenn man die Gesprächs-partner kennt und weiß, dass man sich durch Verwendung eines so umgangssprachlichen Begriffs nicht blamieren kann. Außerdem erzeugt der Begriff „Disse“ eine eher informelle Interaktionsmodalität.

Desweiteren ist der Kommentar von „emefg“ interessant. Dieser User macht sich den Begriff „Disse“ und benutzt ihn für ein Wortspiel mit dem umgangssprachlichen Verb „jemanden dissen“. Dieses wiederum hat seinen Ursprung in der englischen Sprache, und zwar in dem Verb „to disrespect someone“, was auf Deutsch übersetzt „jemanden gering schätzen“ oder „jemanden verächtlich behandeln“ bedeutet. In der Form „to diss someone“ wird es häufig von Rappern verwendet. Neben dem Wortspiel, das auf die Markierung einer unernsten Interaktionsmodalität hinweist, findet sich also auch die Inszenierung der Handlungssituation einer bestimmten Gruppe – in diesem Fall Rapper.

3. „Eine kurze Frage...“

In diesem Eintrag fragt Blog-Betreiber Torsten Bentrup: „Wenn ich jetzt einen Gebäudereinigungsservice aufmachen möchte und als Firmenname würde mir am besten „Schmutzstaffel GmbH“ gefallen... Darf man sowas heutzutage in Deutschland schon wieder? ;-)“

Der genannte fiktive Firmenname ist eine Anspielung auf „Schutzstaffel“ („SS“), einen Begriff aus der Zeit des Dritten Reiches. Die „SS“ war eine paramilitärische Organisation. Einer der Kommentare auf diesen Eintrag nimmt auf diese Tatsache folgendermaßen Bezug:

Erik: „'Putzkolonne vollständig angetreten, Major Ariel'

'Wollt ihr die totale Sauberkeit!?!'

'Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeputzt'!“

Die drei Einzelsätze innerhalb dieses Kommentar sollten ihrer Signifikanz wegen getrennt voneinander betrachtet werden.

Der erste Satz inszeniert die Handlung eines Soldaten, der sich und seine Kameraden bei seinem Vorgesetzten zum Einsatz meldet.

„Wollt ihr die totale Sauberkeit?!?“ ist ein Anspielung auf die Frage „Wollt Ihr den totalen Krieg?“, die Joseph Goebbels, Propagandaminister während des Dritten Reichs, seinem Publikum im Berliner Sportpalast im Februar 1943 gestellt hat.

Der letzte Satz ist wiederum eine Anspielung, in diesem Fall auf die Aussage Adolf Hitlers „Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen!“, die den Beginn des Zweiten Weltkrieges bestätigte. Alle drei Aussagen haben also mit dem Dritten Reich zu tun und nehmen damit direkten Bezug auf den Eintrag von Torsten Bentrup. Dadurch wird nicht nur die bereits genannte Inszenierung erreicht, sondern auch eine eher humorvolle Interaktionsmodalität erzeugt.

5 Schlussbemerkungen

Die vorliegende Arbeit hat kurz umrissen, wie weit verbreitet der Einsatz von Weblogs in den Neuen Medien ist und warum sich dieses Medium solcher Beliebtheit erfreut. Darüberhinaus wurde deutlich gemacht, dass es sich bei einem (privaten) Weblog um ein Textmedium handelt, das vorwiegend Sprache der Nähe verwendet.

Die in dieser Arbeit enthaltene Untersuchung von fünf verschiedenen Weblogs hat gezeigt, dass Kontextualisierung in diesem Textmedium eine wichtige Rolle spielt. In den vorliegenden Textkorpora wird Kontextualisierung vor allem zur Erfüllung der folgenden Zwecke angewandt: Inszenierung, Festlegung der Interaktionsmodalität (vor allem Humor), Selbstdarstellung bzw. Erregung von Aufmerksamkeit, Adressatenspezifik (vor allem Nähe) sowie Betonung.

Eine eingehendere Analyse von Weblogs unter weiteren linguistischen Gesichtspunkten erscheint angesichts der wachsenden Beliebtheit und Verbreitung dieses Mediums angebracht und wünschenswert.

6.Verzeichnis der verwendeten Literatur

Androutsopoulos, Jannis / Ziegler, Evelyn (2003): „Sprachvariation und Internet: Regionalismen in einer Chat-Gemeinschaft“. In: dies. (Hg.): 'Standardfragen': Sozio­linguistische Perspektiven auf Sprachgeschichte, Sprachkontakt und Sprachvariation. Frankfurt a.M.: P. Lang. S. 251-280.

Auer, Peter (1986): „Kontextualisierung.“ In: Wunderlich, Dieter (Hg.): Studium Linguistik. Frankfurt a. M.: Hain.

Glück, Helmut (Hg., 2000): „Metzler Lexikon Sprache“. Stuttgart: Metzler.

Koch, Peter / Oesterreicher, Wulf (1985): „Sprache der Nähe - Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte.“ In: Romanistisches Jahrbuch 36/85, 15-43

Schlobinski, Peter / Siever, Thorsten (Hg.; 2005): „Textuelle und sprachliche Aspekte in Weblogs.“. Online-Publikation:http://www.mediensprache.net/de/networx/docs/networx-46.asp

Schmidt, Jan / Schönberger, Klaus / Stegbauer, Christian (2005): „Erkundungen von Weblog-Nutzungen. Anmerkungen zum Stand der Forschung.“ In: Dies. (Hg.): „Erkundungen des Bloggens. Sozialwissenschaftliche Ansätze und Perspektiven der Weblogforschung.“ Sonderausgabe von kommunikation@gesellschaft, Jg. 6 Online-Publikation: http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B4_2005_Schmidt_Schoenberger_Stegbauer.pdf.

Schmidt, Jan / Wilbers, Martin (2005): „Wie ich blogge?! Erste Ergebnisse der Weblogbefragung 2005“. Bericht der Forschungsstelle „Neue Kommunikationsmedien“ an der Universität Bamberg (FONK), Nr. 06-01. Online-Publikation:http://www.fonk-bamberg.de/pdf/fonkbericht0601.pdf

Schwitalla, Johannes (1997): „Der Wechsel zwischen Standardsprache und Dialekt.“ In: Schwitalla, Johannes: Gesprochenes Deutsch. Berlin: Schmidt. S. 44-49.

7 Anhang A)

Die Entwicklung der Anzahl von Weblogs weltweit (März 2003 – Januar 2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.sifry.com/alerts/archives/000419.html

7.1.1.1

7.1.1.2

7.1.1.3

7.1.1.4

8 Anhang B):

8.1.1.1 Mündlichkeit - Schriftlichkeit / Nähe – Distanz(Trapezmodell von Koch / Oesterreicher 1985)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

a = vertrautes Gespräch
b = Telefonat mit einem Freund
c = Interview
d = abgedrucktes Interview
e = Tagebucheintrag
f = Privatbrief
g = Vorstellungsgespräch
h = Predigt
i = Vortrag
j = FAZ-Artikel
k = Verwaltungsvorschrift

l = Weblogs

[...]


[1] Siehe Diagramm in Anhang A)

[2] Die Seite an sich ist nicht mehr online, es gibt aber eine Kopie unter folgender Web-Adresse: http://www.w3.org/History/19921103-hypertext/hypertext/WWW/TheProject.html

3 Sieht man von der eher in Ausnahmefällen genutzten Möglichkeit ab, auch Sound- und Video-Clips in ein Weblog einzubauen.

4 Siehe Anhang B)

5 Es sei denn, der Betreiber des Weblogs schließt den Kommentar-Thread und beendet damit die Kommunikationssituation, was aber eher eine Ausnahme darstellen dürfte.

6 Der Einsatz einer Web-Cam würde natürlich auch den Sichtkontakt ermöglichen, ist jedoch noch nicht sehr verbreitet.

7 Quelle: Schwitalla 1997

8 Quelle: Androutsopoulos / Ziegler 2003

9 Die Angabe des Wohnortes des jeweiligen Bloggers ist insofern von Belang, als immer wieder Anspielungen auf eben diesen bzw. die eigentliche Herkunft des Bloggers vorkommen, die ja nicht zwangläufig mit dem aktuellen Wohnort übereinstimmen muss.

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Kontextualisierung - Anwendung und Funktion in Weblogs
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Kommunikation in den Neuen Medien
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V111050
ISBN (Buch)
9783640114610
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontextualisierung, Anwendung, Funktion, Weblogs, Kommunikation, Neuen, Medien, Ilona Mahel, Pragmatik
Arbeit zitieren
Ilona Mahel (Autor), 2006, Kontextualisierung - Anwendung und Funktion in Weblogs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111050

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