Die Hauptseminararbeit beleuchtet das ethische Denken des einflussreichen Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein. Die philosophische Kernfrage nach dem Sinn des Lebens wird anhand verschiedener Textstellen im Tractatus logico-philosophicus, im Vortrag über Ethik und in Schriften des Spätwerks untersucht. Dabei wird eine kleine Auswahl verläßlicher Einführungs- und Spezialliteratur zu Hilfe genommen. Der Schlußteil vereint Elemente der Zusammenfassung, Bewertung und Schlußfolgerung in sich. Wittgensteins Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens kann natürlich nicht endgültig sein.
Die Arbeit stellt der Texterörterung eine kleine Skizze wichtiger Lebensstationen voran und macht die entscheidenden Brüche in Wittgensteins Leben kenntlich gemacht, z. B. die Erlebnisse während des 1. Weltkriegs und das Kennenlernen der Mystik Tolstojs. Diese blieben nicht ohne Auswirkungen auf Wittgensteins Annäherung an die Sinnfrage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – die Frage nach dem Sinn des Lebens in der Philosophie bis Wittgenstein
2. Ludwig Wittgenstein und der Sinn des Lebens
2.1 Biographische Bemerkungen
2.2 Die Sinnfrage im Tractatus logico-philosophicus
2.3 Vortrag über Ethik und die Sinnfrage im Spätwerk
3. Schluß – Wittgensteins Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einbettung der Sinnfrage in das ethische Denken von Ludwig Wittgenstein, indem sie sowohl die frühen Schriften des Tractatus logico-philosophicus als auch den Vortrag über Ethik sowie das Spätwerk analysiert, um eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu eruieren.
- Analyse der philosophischen Entwicklung Wittgensteins im Hinblick auf ethische Fragestellungen
- Untersuchung der mystischen Dimension im Tractatus logico-philosophicus
- Kontrastierung der Früh- und Spätphilosophie bezüglich der Sinnfindung
- Die Rolle der Lebensform und der Praxis für ein sinnhaftes Leben
Auszug aus dem Buch
2.1 Biographische Bemerkungen
Ludwig Wittgenstein gilt nicht wenigen als „the most influential twentieth-century philosopher in the English-speaking world“ (BIOGRAPHICAL DICTIONARY OF TWENTIETH-CENTURY PHILOSOPHERS 1996, S. 846). Er wurde 26. April 1889 als achtes und jüngstes Kind eines österreichischen Eisen- und Stahlmagnaten geboren. Innerhalb weniger Generationen sind die assimilierten jüdischen Vorfahren Wittgensteins in die bürgerlichen Schichten aufgestiegen und haben einen Wohlstand erarbeitet, der bei seinem Vater Karl kulminierte (vgl. MCGUINNESS 1992, S. 15ff). Er pflegte einen aufwendigen Lebensstil in Wien (Brahms, Mahler und die Wagner-Kritiker Hanslick und Kalbeck traf man häufiger im Palais der Wittgensteins) und ließ seinen teilweise hochbegabten Kindern eine Privaterziehung angedeihen. Doch der Erwartungsdruck war für den ältesten Sohn Rudolf zu hoch. Sein Freitod überschattete die ansonsten unbelastete Jugend der anderen Geschwister. Während Wittgensteins Bruder Paul eine Pianistenlaufbahn einschlug und nach dem 1. Weltkrieg erfolgreich einhändig fortsetzte (Ravels Klavierkonzert für die linke Hand ist ihm zugeeignet), zeigte Ludwig technische Begabung und begann nach dem Maturum in Linz von 1906-1908 ein Ingenieursstudium an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Auf Empfehlung seines Vaters wechselte er an das College of Technology in Manchester, wo er sich mit Flugobjekten und Flugzeugmotoren experimentierte. Seine Schwester Hermine beschrieb seine Wandlung: „Zu dieser Zeit oder etwas später ergriff ihn plötzlich die Philosophie, d. h. das Nachdenken über philosophische Probleme, so stark und völlig gegen seinen eigenen Willen, daß er schwer unter der doppelten und widerstreitenden inneren Berufung litt und sich wie zerspalten vorkam. Es war eine von den Wandlungen, deren er noch mehrere in seinem Leben durchmachen sollte, über ihn gekommen und durchschüttelte sein ganzes Wesen“ (WITTGENSTEIN 1981, S. 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – die Frage nach dem Sinn des Lebens in der Philosophie bis Wittgenstein: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Sinnfrage in der Philosophie und beleuchtet verschiedene Denktraditionen, um den Kontext für Wittgensteins Ansatz zu schaffen.
2. Ludwig Wittgenstein und der Sinn des Lebens: Hier werden zentrale Aspekte von Wittgensteins Denken sowie die biographischen Brüche, die sein philosophisches Werk beeinflussten, detailliert dargestellt.
2.1 Biographische Bemerkungen: Dieses Unterkapitel widmet sich den prägenden Lebensstationen Wittgensteins, von seiner Herkunft über das Ingenieurstudium bis hin zu seiner Hinwendung zur Philosophie und den Erfahrungen in den Weltkriegen.
2.2 Die Sinnfrage im Tractatus logico-philosophicus: Die Analyse konzentriert sich auf die ontologischen und sprachkritischen Grundlagen des Tractatus und die daraus resultierende Problematik ethischer Aussagen.
2.3 Vortrag über Ethik und die Sinnfrage im Spätwerk: Dieser Abschnitt untersucht den Wandel hin zu einer pragmatischen, anthropologischen Analyse der Ethik und die Bedeutung des Sprachspiels für die Sinnfindung.
3. Schluß – Wittgensteins Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens: Das abschließende Kapitel resümiert die Entwicklung der Sinnfrage bei Wittgenstein und formuliert seine Antwort, die das sinnhafte Leben in der täglichen Praxis verortet.
4. Literatur: Dieses Kapitel listet sämtliche herangezogenen Primärschriften Wittgensteins, Nachschlagewerke sowie die verwendete Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Sinn des Lebens, Tractatus logico-philosophicus, Spätphilosophie, Ethik, Sprachspiel, Lebensform, Religion, Mystik, Sprachkritik, Philosophiegeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung der Frage nach dem Sinn des Lebens aus der Perspektive von Ludwig Wittgenstein und analysiert, wie sich seine Position dazu im Laufe seines Lebens gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Sprachkritik, die Ethik als Lebensproblem, das Verhältnis von Welt und Sinn sowie die Bedeutung religiöser Begriffe im Denken Wittgensteins.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Wittgensteins philosophisches Verständnis der Sinnfrage zu ergründen, indem die Übergänge von seinem Frühwerk (Tractatus) zu seinem Spätwerk aufgezeigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die Wittgensteins Manuskripte, Tagebuchnotizen und Hauptwerke sowie relevante Sekundärliteratur vergleichend auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden biographische Hintergründe sowie die Argumentationslinien des Tractatus und des Spätwerks (u.a. Philosophische Untersuchungen) im Hinblick auf ihre ethische und sinnstiftende Relevanz untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sinn des Lebens, Sprachspiel, Lebensform, Ethik, Mystik und Sprachkritik maßgeblich geprägt.
Wie unterscheidet sich Wittgensteins Gottesverständnis zwischen Früh- und Spätwerk?
Im Frühwerk wird Gott als außerhalb der Welt stehend und die Sinnfrage beantwortend mystisch konzipiert, während im Spätwerk Religion eher als ein gelebtes Sprachspiel ohne kausale Erklärung begriffen wird.
Warum spielt die Lebensform für Wittgenstein eine so zentrale Rolle?
Die Lebensform ist bei Wittgenstein das „Gegebene“, in der Handeln und Sprache verschmelzen; ein sinnvolles Leben findet sich für ihn letztlich in der Weise, wie man diese Lebensform ausfüllt und lebt.
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- Christian Schwießelmann (Author), 2001, Ludwig Wittgenstein und der Sinn des Lebens. Eine Untersuchung der Sinnfrage anhand seiner ethischen Schriften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11107