Die vorliegende Hauptseminararbeit versucht mit literaturwissenschaftlichen Mitteln humoristische Elemente im Werk des niederdeutschen Autors John Brinckman aufzuzeigen. Dabei werden drei Werke aus dem sogenannten Rostocker Stoffkreis in die Analyse einbezogen: der Episodenroman Kaspar-Ohm un ick, die Novelle De Generalreeder und die Lügengeschichte Peter Lurenz bi Abukir. Parallelen sind durchaus augenfällig. Die beiden Helden Peter Lurenz und Kaspar Pött sind, was ihre hanebüchene Hochstapelei anbelangt, aus einem Holz geschnitzt. Brinckman gelingt es dem typischen mecklenburgischen Humor einzufangen, der mit Übertreibung, Hochmut und Verschlagenheit ein Konstrastbild zum niederdeutschen Charakter entwirft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Eigentümlichkeit mecklenburgischen Humors
3. Humoristische Elemente in den Erzählungen des Rostocker Stoffkreises
3.1 De Generalreeder: verdeckter Witz hinter sittlichem Ernst
3.2 Kasper-Ohm: ein Rostocker Original als Sprachdenkmal
3.3 Peter Lurenz bi Abukir: Novelle oder Humoreske?
3.4 Ein Humoristikum im Vergleich: Peter Lurenz und Kasper-Ohm
4. ‘n bäten all verspakt: John Brinckman als verkannter Klassiker und anerkannter Humorist
5. Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den mecklenburgischen Humor im Werk des niederdeutschen Dichters John Brinckman, insbesondere anhand ausgewählter Erzählungen des "Rostocker Stoffkreises", um dessen sprachliche Mittel, komische Motive und die gesellschaftliche Funktion des Humors literaturwissenschaftlich zu analysieren.
- Historische und volkskundliche Einordnung des mecklenburgischen Humors.
- Analyse humoristischer Erzählstrukturen in "De Generalreeder", "Kasper-Ohm un ick" und "Peter Lurenz bi Abukir".
- Untersuchung der Rolle der niederdeutschen Sprache als Medium für Komik und Satire.
- Vergleich der Protagonisten als Träger eines spezifischen Seemannshumors.
- Kritische Würdigung John Brinckmans im Kontext der Literaturgeschichte.
Auszug aus dem Buch
3.2 Kasper-Ohm: ein Rostocker Original als Sprachdenkmal
Während De Generalreeder aus Brinckmans Nachlaß stammte, wurde Kasper-Ohm un ick zu Lebzeiten des Dichters herausgegeben, erstmals 1855 und dann in einer stark erweiterten Fassung 1868. Es gilt gemeinhin als das Hauptwerk John Brinckmans und ist unzweifelhaft ein Begründungsdokument einer originär humoristischen mecklenburgischen Literatur, dem der Autor seinen Nachruhm und seine Anerkennung verdankt.
Der Rostocker Kapitän Kaspar Pött, der von seinem Neffen Andrees in damals üblicher Weise Kasper-Ohm genannt wird, ist ein solcher Typus eines längst vergangenen Menschenschlages. Er wird in den zurückblickenden Erinnerungen des Neffen – Brinckman bettete die eigentliche Handlung abermals in einen äußeren Rahmen – zu einer honorigen, kauzigen Gestalt verklärt, die trotz ausufernder Großschnäuzigkeit immer noch liebenswürdig bleibt. Im Laufe der Handlung entwickelt sich Andrees von einem respektlosen Lümmel in „sin Slüngeljohren“ zu einem tüchtigen See- und Ehemann. Diese Entwicklung offenbart die Nähe zum Entwicklungsroman. Dennoch kann die Erzählung dazu nicht gerechnet werden. Verschiedene Episoden wie „Höltendraetik“, „De Sledenfohrt“ und „De Slacht bi Abukir“, die von den schelmischen Späßen, Streichen und Abenteuern Andrees‘ berichten, durchbrechen den Handlungsstrang. Im Grunde sind es also die beiden Hauptfiguren, Neffe und Onkel, die Episode für Episode die Fabel zusammenhalten.
Worin besteht nun die Komik der Dichtung? Natürlich ist der humoristische Kernbestand durch den Rostocker Seebären Kasper-Ohm personifiziert, der von der Kritik angesichts seiner „barocken, bei aller bramarbasierenden Eigenheit doch herben und knorrigen Gestalt“ als ein „großstädtisch-seemänisch Gegenstück zu Reuters Unkel Bräsig“ aufgefaßt wurde. Kasper-Ohm für sich genommen wirkt nicht komisch. Vielmehr tragen Sprache, Sprachgestus und daraus resultierenden Handeln zu einer komischen Rezeption bei. Der Leser muß notwendig mindestens schmunzeln, wenn Kasper-Ohm seinen Neffen als „murdverbrannter Rebeller“ geißelt, Perfesser Knallerballer mit einem halsbrecherischen Wortgetöse den Unterschied zwischen einem „Frachtfohrmann“ und einem „Kaptein“ erklärt oder dem mecklenburgischen Großherzog die oft erprobte und unglaubliche Schnurre seines vorgeblichen Batavia-Aufenthaltes zum Besten gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert das Wesen des mecklenburgischen Humors als sprachliches Phänomen und führt John Brinckman als zentralen Vertreter niederdeutscher Literatur ein.
2. Die Eigentümlichkeit mecklenburgischen Humors: Dieses Kapitel verortet den mecklenburgischen Humor volkskundlich und untersucht seine Bedeutung als Kommunikationsform innerhalb der bäuerlichen und kleinstädtischen Bevölkerung.
3. Humoristische Elemente in den Erzählungen des Rostocker Stoffkreises: Dieser Abschnitt analysiert die drei epischen Hauptwerke Brinckmans unter besonderer Berücksichtigung ihrer Komposition und humoristischen Gestaltung.
3.1 De Generalreeder: verdeckter Witz hinter sittlichem Ernst: Das Kapitel untersucht, wie Brinckman in diesem Werk religiöse und sittliche Motive mit subtilem Witz und seemännischem Sprachgestus verbindet.
3.2 Kasper-Ohm: ein Rostocker Original als Sprachdenkmal: Hier wird der Episodenroman als zentrales Werk analysiert, wobei die Figur Kasper-Ohm als typologisches Gegenstück zu Reutern Unkel Bräsig hervorgehoben wird.
3.3 Peter Lurenz bi Abukir: Novelle oder Humoreske?: Die Analyse befasst sich mit der Gattungszuordnung dieser Erzählung und ihrem Charakter als Lügengeschichte.
3.4 Ein Humoristikum im Vergleich: Peter Lurenz und Kasper-Ohm: Dieses Kapitel stellt die beiden Hauptfiguren gegenüber und arbeitet ihre Gemeinsamkeiten in der grotesken Schwadronade sowie ihre Funktion als Seemannshumor heraus.
4. ‘n bäten all verspakt: John Brinckman als verkannter Klassiker und anerkannter Humorist: Die abschließende Betrachtung würdigt Brinckman als bedeutenden, jedoch oft unterschätzten Autor und ordnet sein Werk in die literarische Tradition ein.
5. Literatur: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Primärquellen und die wissenschaftliche Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
John Brinckman, Mecklenburgischer Humor, Niederdeutsche Literatur, Rostocker Stoffkreis, De Generalreeder, Kasper-Ohm un ick, Peter Lurenz bi Abukir, Seemannshumor, Dialektliteratur, Erzählstrukturen, Sprachkomik, Literaturgeschichte, Volkstümliches Erzählen, Norddeutsche Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wesen des mecklenburgischen Humors und dessen literarische Umsetzung durch den niederdeutschen Autor John Brinckman.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Sprachästhetik des Niederdeutschen, die Charakteristik spezifischer Figuren wie Kasper-Ohm und Peter Lurenz sowie die gesellschaftliche Bedeutung des Humors in der Region Mecklenburg.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, ob der mecklenburgische Humor als empirisch abgrenzbare Entität fassbar ist und wie Brinckman diesen durch sprachliche Mittel in seinen Erzählungen des "Rostocker Stoffkreises" lebendig macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanente Interpretationsansätze mit volkskundlichen und sozialgeschichtlichen Kontexten verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden drei zentrale Werke ("De Generalreeder", "Kasper-Ohm un ick" und "Peter Lurenz bi Abukir") detailliert analysiert, um die spezifische "humoristische Pinselführung" Brinckmans herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem John Brinckman, Mecklenburgischer Humor, Seemannshumor, Niederdeutsche Literatur und Rostocker Stoffkreis.
Wie unterscheidet sich Kaspar Pött von Peter Lurenz in Bezug auf ihren Humor?
Während Kaspar Pött ("Kasper-Ohm") eine überschwängliche, aber weitgehend auf die soziale Realität bezogene Selbstüberschätzung verkörpert, zeichnet sich Peter Lurenz durch eine nahezu monomanische Hochstapelei aus, die ins Absurde tendiert.
Welche Rolle spielt die niederdeutsche Sprache für den Erfolg dieser Erzählungen?
Die niederdeutsche Sprache dient bei Brinckman als wesentliches Medium, um durch Derbheit, Wortgetöse und spezifische kulturelle Konnotationen eine unmittelbare und authentische Heiterkeit zu erzeugen, die in hochdeutscher Sprache schwerer zu vermitteln wäre.
- Arbeit zitieren
- Christian Schwießelmann (Autor:in), 2001, Mecklenburgischer Humor bei John Brinckman. Eine Untersuchung humoristischer Elemente im Rostocker Stoffkreis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11109