Die Hauptseminararbeit widmet sich in erster Linie der Entstehung der mecklenburgischen Volkskunde Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Warener Gymnasiallehrer Richard Wossidlo gilt als Nestor seines Fachs in Mecklenburg. Seine Sammeltätigkeit auf der Grundlage einer modernen, wissenschaftlichen Sammeltechnik führte zu einer ungemeinen Dichte von Volksüberlieferungen aus einer Region. Sie basierte auf der Zusammenarbeit mit Beiträgern vor Ort. Die Arbeit macht dies am Beispiel der mecklenburgischen Kleinstadt Laage deutlich. Hier waren die bedeutsamsten Beiträger und Korrespondenten Wossidlos der Pastor und Schriftsteller Carl Beyer sowie der Bürgermeister und Heimatdichter Fritz Kähler. Ihnen und ihren weniger bedeutenden Gefährten ist der Hauptteil dieser Arbeit gewidmet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Sammeltechnik Richard Wossidlos oder: Wie Mecklenburg volkskundlich erschlossen wurde
2. Volkskundliche Beiträge und Sammler aus Laage
2.1 Beiträge aus Laage und Umgebung vor Wossidlo
2.2 Beiträge aus Laage in Wossidlos Mecklenburgischen Volksüberlieferungen
2.3 Laager Bürger als Mitarbeiter und Beiträger Wossidlos
2.3.1 Pastor und Schriftsteller – Carl Beyer
2.3.2 Bürgermeister und Heimatdichter – Fritz Kähler
2.4 Laager Vereine zur Volks- und Brauchtumspflege als Nutznießer volkskundlicher Beiträge und Sammler
3. Schluß – Auf den Spuren Richard Wossidlos in Laage
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken des bedeutenden Volkskundlers Richard Wossidlo am Beispiel der mecklenburgischen Kleinstadt Laage. Ziel ist es, die lokale Binnenperspektive auf Wossidlos Sammelarbeit zu beleuchten und aufzuzeigen, wie durch engagierte lokale Beiträger wie den Pastor Carl Beyer und den Bürgermeister Fritz Kähler volkskundliche Schätze für die Nachwelt bewahrt und in den Dienst örtlicher Kulturarbeit gestellt wurden.
- Methodik der volkskundlichen Datenerhebung durch Richard Wossidlo
- Rolle von lokalen Multiplikatoren und Beiträgern (Beyer, Kähler)
- Analyse volkskundlicher Überlieferungen aus Laage
- Wirkung der Sammlung auf lokale Kultur- und Brauchtumspflege
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Pastor und Schriftsteller – Carl Beyer
Eine gründliche Monographie zu Leben und Werk Carl Beyers (1847-1923), die den aktuellen Stand literaturhistorischer Forschung zum 19. Jahrhundert perzipiert, läßt ähnlich wie im Falle Richard Wossidlos bislang auf sich warten und stellt ein echtes Desiderium dar. Carl Beyer war ein um die Jahrhundertwende viel gelesener Autor, der im Stile Gustav Freytags sieben „z. T. voluminöse historische Romane [...], mehrere Bände Erzählungen, ein Drama in niederdeutsche Sprache, Hunderte und aber Hunderte von Seiten kulturhistorischer Schriften“ (RÖSLER 1988, S. 43) verfaßt hat. Doch die Schriftstellerei war zumindest bis 1900 Nebenerwerb und Freizeitbeschäftigung. Vorher verdingte er sich seit 1875 hauptamtlich als Pastor in Laage.
Es verwundert kaum, daß die Zusendungen Beyers an Wossidlo sowohl qualitativ als auch quantitativ die Sammlungen aller anderen Laager Beiträger übertreffen. Seine Korrespondenz – soweit im Wossidlo-Archiv verfügbar – umfaßte einen Zeitraum von 1891 bis 1919, wobei den vier vorhandenen Briefen anders als den zwei Karten stets ein Konvolut an eng beschriebenen Papierbögen beigefügt war. Eine 1899 nach Waren gesandte Sprichwörtersammlung enthält auf 23 Seiten immerhin 721 fortlaufende Nummern, die für den unermüdlichen Fleiß des Wossidlo-Helfers sprechen. Per Post gelangten außerdem Rätsel, Deutungen von Tierstimmen, Scherz-, Hack-, Kinder-, Leber- und sonstige Reime, Sagen und andere Erzählungen von Laage bzw. den späteren Wohnorten Schwerin und Rostock nach Waren, die der Seelenhirte allesamt im Umgang mit den einfachen Leuten aus der weitgehend ungebildeten Landbevölkerung erfuhr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Sammeltechnik Richard Wossidlos oder: Wie Mecklenburg volkskundlich erschlossen wurde: Einführung in Wossidlos Lebenswerk, seine Zettelarchiv-Methodik und die Bedeutung der mecklenburgischen Volkskunde.
2. Volkskundliche Beiträge und Sammler aus Laage: Untersuchung der lokalen Bedingungen in der Ackerbürgerstadt Laage und Analyse der Zusammenarbeit mit Wossidlo.
2.1 Beiträge aus Laage und Umgebung vor Wossidlo: Betrachtung früherer Sammlungen (Karl Bartsch) und deren Bezug zur Region Laage.
2.2 Beiträge aus Laage in Wossidlos Mecklenburgischen Volksüberlieferungen: Analyse der in Wossidlos Hauptwerken publizierten Rätsel, Märchen und Reime aus Laage.
2.3 Laager Bürger als Mitarbeiter und Beiträger Wossidlos: Darstellung der persönlichen Vernetzung Wossidlos mit lokalen Akteuren.
2.3.1 Pastor und Schriftsteller – Carl Beyer: Würdigung des Pastors als wichtigstem und produktivstem Beiträger Wossidlos in Laage.
2.3.2 Bürgermeister und Heimatdichter – Fritz Kähler: Analyse des Einflusses des Bürgermeisters auf die lokale Heimatforschung und die Dokumentation von Sagen.
2.4 Laager Vereine zur Volks- und Brauchtumspflege als Nutznießer volkskundlicher Beiträge und Sammler: Untersuchung der Wirkung volkskundlicher Arbeit auf das bürgerliche Vereinswesen.
3. Schluß – Auf den Spuren Richard Wossidlos in Laage: Zusammenfassende Bewertung der Kollektivleistung der Sammlung und der Rolle der lokalen Bildungsbürger.
4. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Richard Wossidlo, Volkskunde, Mecklenburg, Laage, Carl Beyer, Fritz Kähler, Volksüberlieferungen, Brauchtumspflege, Heimatforschung, Zettelarchiv, Sagenforschung, niederdeutsche Sprache, Ackerbürgerstadt, Beiträger, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Volkskundler Richard Wossidlo seine umfassende Sammlung mecklenburgischer Volksüberlieferungen aufbaute und welche Rolle dabei lokale Beiträger in der Kleinstadt Laage spielten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Sammeltechnik Wossidlos, der Identifizierung und Würdigung lokaler Mitarbeiter sowie der Verknüpfung dieser Forschung mit der lokalen Identitätsbildung und Brauchtumspflege.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das Wirken Wossidlos am Beispiel von Laage zu beleuchten und aufzuzeigen, wie ein Wissensnetzwerk durch lokale Akteure wie Pfarrer und Bürgermeister erfolgreich organisiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen deduktiven Ansatz: Zunächst werden die allgemeinen Sammelmethoden Wossidlos dargelegt, um diese anschließend mit der kleinteiligen, lokalen Perspektive (Binnenperspektive) der Stadt Laage abzugleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Beiträge aus Laage chronologisch und thematisch, von den Vorläufern wie Bartsch über die konkreten Beiträger Beyer und Kähler bis hin zum Wirken der Heimatvereine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Volkskunde, Wossidlo-Archiv, mecklenburgische Volksüberlieferungen, lokale Heimatforschung und die Rolle von Multiplikatoren im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Welche Bedeutung hatten Carl Beyer und Fritz Kähler für das Projekt?
Beyer und Kähler fungierten als essenzielle Brückenbauer; aufgrund ihrer sozialen Stellung und ihres Amtes konnten sie das Vertrauen der Landbevölkerung gewinnen und so wertvolles Erzählgut für Wossidlo erschließen.
Wie hat sich die Erforschung lokaler Überlieferungen in Laage nach 1990 verändert?
Nach 1990 wurden durch die Gründung von Heimatvereinen neue Impulse zur Pflege der niederdeutschen Sprache und zur touristischen Erschließung der Stadtgeschichte sowie der alten Bräuche gesetzt.
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- Christian Schwießelmann (Author), 2002, Auf den Spuren Richard Wossidlos. Volkskundliche Sammlung am Beispiel der mecklenburgischen Kleinstadt Laage um die Jahrhundertwende und später, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11110