Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Relevanz des Abkommens sowohl für die unterzeichnenden vier Besatzungsmächte Berlins, als auch für die ebenfalls zentral von der Regelung betroffenen beiden deutschen Staaten, insbesondere für die BRD, zu untersuchen. Außerdem sollen die Voraussetzungen, die nach einer krisenhaften Periode im Ost-West-Verhältnis die Unterzeichnung des Abkommens begünstigten und ermöglichten, beleuchtet werden, da die historische Kontextualisierung des Vertragswerkes in dem Prozess der Entspannung zwischen Ost und West für eine geschichtswissenschaftliche Betrachtung von größerem Interesse sein muss, als eine genaue Analyse des Vertragswerkes, die eher in einer politikwissenschaftlichen Abhandlung angemessen wäre und daher in dieser Arbeit nur in Ansätzen Platz finden wird. Außerdem ist eine Einbettung des Viermächte- oder Berlin-Abkommens in den historischen Kontext geradezu unvermeidlich, da „das gesamte System der Gespräche und Verhandlungen, die seit Anfang 1970 über die Gestaltung des Ost-West-Verhältnisses in und um das gespaltene Deutschland geführt wurden, ineinander verschränkt und miteinander verkoppelt war“ . Die „zentrale Bedeutung“ des Viermächteabkommens hierfür soll in dieser Arbeit ebenfalls herausgestellt werden. Außerdem soll besonders die Rolle der sozial-liberalen Bundesregierung unter Willy Brandt und ihrer Politik für das Zustandekommen des Viermächte-Abkommens Berücksichtigung finden, da dieses ohne die neue Ostpolitik, die die 1969 an die Macht gekommene sozial-liberale Koalition verfolgte, kaum denkbar wäre.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rahmenbedingungen vor der Unterzeichnung des Abkommens
3. Die Politik der sozial-liberalen Bundesregierung und ihre Bedeutung für das Zustandekommen des Abkommens
4. Der Aufbau, der Inhalt und die Bedeutung des Viermächte-Abkommens
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Relevanz und die Entstehungsbedingungen des Viermächte-Abkommens von 1971. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie die neue Ostpolitik der sozial-liberalen Bundesregierung unter Willy Brandt sowie die globalstrategischen Interessen der beteiligten Supermächte zur Entschärfung der Berlin-Krise beigetragen haben.
- Die Rolle der sozial-liberalen Bundesregierung und Willy Brandts bei der Berlin-Regelung
- Der Einfluss der Ostpolitik auf das Verhältnis zwischen den Supermächten USA und UdSSR
- Die geschichtliche Kontextualisierung des Viermächte-Abkommens im Kalten Krieg
- Die Analyse von Aufbau und zentralen Bestimmungen des Abkommens
- Die Bedeutung des Abkommens für die Sicherheit und den Status von West-Berlin
Auszug aus dem Buch
4. Der Aufbau, der Inhalt und die Bedeutung des Viermächte-Abkommens
Wie schon eingangs erwähnt wurde, sollte die geschichtliche Kontextualisierung des Viermächte-Abkommens in dieser Arbeit im Vordergrund stehen, obwohl es natürlich nicht möglich oder zumindest ratsam ist, über ein so bedeutendes Vertragswerk zu schreiben, ohne dessen Inhalt zu betrachten.
Klaus Schütz, der Regierende Bürgermeister Westberlins vor und zur Zeit der Unterzeichnung des Viermächte-Abkommens, hatte noch vor Beginn der Viermächteverhandlungen die Wünsche der BRD und Westberlins bezüglich seiner Stadt auf die Formel der „drei Z“ gebracht. So sollten erstens der Zugang von der Bundesrepublik zur „Inselstadt“ verbessert werden, zweitens die Zuordnung Westberlins zum Bund festgeschrieben und drittens der Zutritt der Westberliner in den Ostteil der Stadt und den Rest der DDR nicht nur wie während der Zeit der Passierscheinabkommen zu Festtagen gewährleistet werden.
Mit dem Abkommen wurden diese Forderungen weitestgehend umgesetzt oder, um exakt zu sein, ermöglicht. Denn mit der Unterzeichnung des Abkommens durch die vier Mächte am 3. September 1971 wurden nur die unverzichtbaren Grundlagen zur Verbesserung der Situation in der geteilten Stadt gelegt, da viele Einzelheiten noch in Verhandlungen zwischen der Regierung der DDR und der BRD bzw. dem Westberliner Senat ausgehandelt werden mussten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Ausgangslage Berlins als Krisenherd des Kalten Krieges ein und erläutert das Ziel der Arbeit, die Bedeutung des Viermächte-Abkommens sowie die Rolle der Bundesregierung zu untersuchen.
2. Die Rahmenbedingungen vor der Unterzeichnung des Abkommens: Hier werden die Beweggründe und Strategien der Supermächte USA und UdSSR analysiert, die aufgrund globalstrategischer und wirtschaftlicher Interessen schließlich zu einer Bereitschaft zur Entspannung und zu Verhandlungen über Berlin führten.
3. Die Politik der sozial-liberalen Bundesregierung und ihre Bedeutung für das Zustandekommen des Abkommens: Dieses Kapitel beleuchtet den entscheidenden Beitrag der Ostpolitik unter Willy Brandt und Egon Bahr, die durch geschicktes Taktieren und die Verknüpfung der Berlin-Frage mit den Ostverträgen das Abkommen maßgeblich vorantrieben.
4. Der Aufbau, der Inhalt und die Bedeutung des Viermächte-Abkommens: Dieser Teil analysiert die inhaltliche Struktur des Abkommens, insbesondere die allgemeinen Bestimmungen und die spezifischen Regelungen zu West-Berlin, sowie dessen praktische Auswirkungen auf die Situation in der Stadt.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass das Viermächte-Abkommen ein „Kind des Kalten Krieges“ war, das zwar keine vollständige Lösung, aber eine notwendige und kompromisshafte Regulierung des Berlin-Problems darstellte.
Schlüsselwörter
Viermächte-Abkommen, Berlin-Abkommen, Kalter Krieg, Ostpolitik, Willy Brandt, Egon Bahr, Entspannungspolitik, Sowjetunion, USA, West-Berlin, Status quo, Krisenherd, Außenpolitik, Diplomatie, Junktim
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Zustandekommen, dem Inhalt und der Bedeutung des Viermächte-Abkommens über Berlin von 1971 innerhalb des Kontextes des Kalten Krieges.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Entspannungspolitik zwischen Ost und West, die deutsche Ostpolitik unter der Regierung Brandt sowie die geopolitischen Interessen der Besatzungsmächte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Relevanz des Abkommens für die Beteiligten zu beleuchten und aufzuzeigen, wie die Bundesregierung durch ihre aktive Politik den Verhandlungsprozess beeinflussen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Der Autor wählt eine historisch-kontextualisierende Analyse, die auf einer umfassenden Literaturrecherche basiert, um das Vertragswerk in den Prozess der internationalen Entspannung einzubetten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rahmenbedingungen, die Rolle der Bonner Regierung, die detaillierte Analyse der Vertragspunkte und die Einordnung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Begriffe wie Viermächte-Abkommen, Ostpolitik, Berlin-Junktim und Entspannungspolitik sind für das Verständnis der Argumentation zentral.
Warum war das „Berlin-Junktim“ so entscheidend für den Erfolg?
Das Junktim verknüpfte die Ratifizierung des Moskauer Vertrages mit dem Zustandekommen einer Berlin-Regelung, was die UdSSR unter Druck setzte, sich in der Berlin-Frage kooperativer zu zeigen.
Inwiefern beeinflusste Willy Brandts Regierung die Verhandlungen?
Die Bundesregierung agierte trotz fehlender direkter Verhandlungskompetenz durch inoffizielle Kanäle, Geheimkontakte und eine abgestimmte Politik mit den Westmächten als wichtiger Akteur hinter den Kulissen.
Wurde das Berlin-Problem durch das Abkommen vollständig gelöst?
Nein, der Autor betont, dass es sich nicht um eine endgültige Lösung handelte, sondern um eine kompromisshafte Regulierung, die den Konflikt lediglich entschärfte.
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- Stefan Ruhnke (Author), 2006, Das Viermächte-Abkommen über Berlin 1971, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111162