Die Entwicklung der Panorama-Malerei vom 19. Jahrhundert bis heute


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

1.0. Einleitung

2.0. Definition des Panoramabegriffes

3.0. Kurzer Abriss zur Entstehung des Panoramas als Kunstform
3.1. Die Erfindung des Panoramas in England
3.2. Die Entwicklung des Panoramas in Deutschland
3.3. Die Wiederbelebung des Panoramas 1880

4.0. Das Panorama im 21. Jahrhundert
4.1. Yadegar Asisi – Architekt der Illusionen
4.2. Asisis Weg zum Panorama
4.3. Das Panorama des 20. Jahrhunderts bekommt ein zu Hause

5.0. Resümee

6.0. Bibliographie
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Internetquellen [Stand: 09.09.07]

1.0. Einleitung

Das Panorama gilt als das visuelle Massenmedium überhaupt. Es entwickelte sich zu einem Publikumsmagneten noch bevor die ersten bewegten Bilder ganze Kinosäle füllen sollten.

Mit der Darstellung von Schlachten oder fernen Ländern schafften sie es ein, die Besucher fast ein Jahrhundert lang in ihren Bann zu ziehen. Kaum begann jedoch der Siegeszug des Kinos verloren die Panoramarotunden ihre Attraktivität und verschwanden langsam wieder aus dem Stadtbild.

Die vorliegende Arbeit zeichnet, nach einer kurzen einführenden Definition, den Weg der Panoramamalerei bis zu ihrem Höhepunkt nach und zeigt die wichtigsten Entwicklungsschritte auf.

Im 20. Jahrhundert gibt es nun einen Mann, der sich dieser fast schon vergessenen Kunstform annimmt und ihr wieder zu einem neuen Höhepunkt verhilft. Yadegar Asisi ist nicht nur Architekt, sondern auch auf seine ganz eigene Art Künstler, der es schafft, ein Medium wieder zu beleben, von dem man hätte annehmen können, dass es in einer solch schnelllebigen und nach Action lechzenden Zeit keinen Platz mehr findet. Doch für Asisi ist das Panorama genau die passende Gegenbewegung zu dieser Entwicklung. Das Rundgemälde als Ruhepol, als Möglichkeit ganz für sich allein in seinem ganz eigenen Tempo auf Entdeckungsreise zu gehen.

Diese angesprochenen Aspekte werden im zweiten Teil der Arbeit genauer untersucht. Wie kommt ein studierter Architekt dazu sich einer Kunstform anzunähern, die schon fast als antiquiert gilt? Und wie schafft er es genau mit dieser Kunst wieder unzählige Besucher zu begeistern?

2.0. Definition des Panoramabegriffes

Schlägt man das Fremdwörterbuch auf, findet man unter dem Stichwort Panorama folgende Definition: „ 1 Rundblick (über eine Landschaft) 2 Rundbild zur Vortäuschung einer weiten Landschaft) [gr.]“[1]

Robert Barker, der heute als Erfinder des Panoramas gilt, benutzte einen ganz anderen Begriff als er 1787 das Patent anmeldete: Er bezeichnete sein Rundbild von Edinburgh als „La Nature à Coup d’Oeil“[2].

Doch was da in mühevoller Arbeit entstanden war, ist genau das, was man heute unter einem Panorama versteht und im Jahre 1792 von der Times auch als ein solches bezeichnet wurde: die genaue Wiedergabe der Ansicht eines Ortes aus weiter Entfernung. Eine Allansicht wie es das Wort Panorama schon impliziert.

Doch die Definition des Panoramas umfasst noch mehr Aspekte. So ist damit meist nicht nur das Rundgemälde an sich gemeint, sondern in der Regel auch, die extra dafür errichtete Rotunde. Schon in seiner Patentbeschreibung stellt Barker detailliert dar, wie die gerundete Leinwand angebracht werden muss, wie „die Beleuchtung von oben, die eingegrenzte Betrachterplattform in der Mitte, die eine zu starke Annäherung an das Bild verhindern sollte, sowie die Sichtblenden, die Ober- und Unterkante des Bildes verbargen“[3], geschaffen sein sollten.

Ziel dieser Inszenierung war es, das Gemälde so lebensecht zu gestalten, dass man es für die Realität halten konnte. Deswegen mussten die Besucher der Rotunden auch erst über einen abgedunkelten Gang eine Treppe hinauf, ehe sie auf einer Plattform das Bild betrachten konnten. Der Weg zur Plattform war ganz bewusst nicht hell erleuchtet, denn bereits hier versucht der Künstler für den Besucher eine Distanz zur realen Stadt zu schaffen. Wichtig für die Illusion, die erzielt werden soll, ist auch ein entsprechend großer Abstand der Plattform zu der Leinwand.

Weitere wichtige Aspekte, welche die Illusion noch verstärken sollten, waren der natürliche Lichteinfall von oben durch die extra aus diesem Grund verwendeten Glasdächer und die sorgsam verdeckten Außenkanten der Leinwand.

„Alles war so angeordnet, daß nichts das Blickfeld des Betrachters beeinträchtigen konnte. Das Panorama glich also einem Paradoxon: Ein begrenzter Raum sollte eine von allen irdischen Begrenzungen freie Darstellung erlauben.“[4]

Der Betrachter soll sich in dem Panorama wieder finden, es als Hier und Jetzt akzeptieren und die Welt, also die Realität um sich herum ein Stück weit vergessen und die dargestellte Panoramawelt als real annehmen. Das Panorama ist „die unmittelbare Vergegenwärtigung, » so as to make observers feel as if really on the very spot «”[5], schreibt schon Baker in seiner Patentschrift 1787.

Das Panorama kann daher nicht nur als einen Medium der Illusion betrachtet werden, sondern man kann noch einen Schritt weitergehen und es auch als Instrument der Suggestion ansehen, denn das Panorama nimmt als Kunstform für sich in Anspruch die Realität mit der größt möglichen Authentizität abzubilden. Ziel ist es, eine völlige Indifferenz zwischen Original und Kopie zu erreichen.

3.0. Kurzer Abriss zur Entstehung des Panoramas als Kunstform

3.1. Die Erfindung des Panoramas in England

Wie bereits im vorausgehenden Kapitel erwähnt, gilt der Schotte Robert Baker als der Erfinder des Panoramas. Die Präsentation seines 360 Grad Gemälde von der schottischen Hauptstadt Edinburgh am 31. Januar 1788 kann als Startschuss für die weitere Entwicklung im Bereich der Panoramamalerei angesehen werden.

Doch die Ausstellung des ersten Panoramas war bei weitem noch nicht der Erfolg beschieden, wie er dann später im Laufe des Jahrhunderts den zahlreichen anderen entstandenen Rundgemälden zu teil wurde.

Skepsis war es die Robert Baker entgegengebracht wurde, als er sein Projekt, in der Hoffnung einen Mäzen und öffentliche Unterstützung zu finden dem damaligen Präsidenten der Royal Academy in London Sir Joshua Reynolds vorlegte. Doch er ließ sich von seinen Plänen nicht abbringen und meldete am 19. Juni 1787 seine Idee vom Panorama zum Patent an.

Zusammen mit seinem Sohn Henry Aston schuf Baker ein 360 Grad Bild, was er in einem Versammlungsraum der Edinburgher Öffentlichkeit vorstellte, allerdings mit nur sehr mäßigem Erfolg.

Die lag sicherlich auch daran, dass er die von ihm selbst erdachten Konstruktionsweise und Präsentationsart für das Panorama nicht umsetzte. So war das Rundbild an sich viel zu klein geraten, die konstruierte Plattform bot nur wenigen Betrachtern Platz und war noch dazu viel zu nah an der Leinwand platziert, so dass sich kein Illusionseffekt einstellen konnte, außerdem gab es nicht das geforderte natürliche Licht von oben, sondern nur eine unruhig flackernde Saalbeleuchtung.

Barker erkannte recht bald, dass sein Rundbild vor allem einen Fehler hatte: es war einfach zu klein um die gewünschte Wirkung zu erzielen. So entschloss er sich zu der Schaffung eines Panoramas mit einem noch größeren Format als das bisherige. Auf einer 137,5 m ² großen Leinwand verewigte Barker diesmal die Ansicht von London vom Dach der Albion Mills, einer Getreidemühle am Ufer der Themse. Dieses Bild, war wie schon das erste, nur auf ein Halbrund beschränkt und ab Juni des Jahres 1791 unter der Bezeichnung Panorama der Öffentlichkeit zugänglich. Und anders als das erste Rundbild wurde diese Ausstellung zu einem vollen Erfolg. „Angespornt durch den Erfolg hatte Barker einen soliden Ausstellungsbau errichten lassen, in dem ein Bild aufgeführt werden konnte, das die Ansprüche seines Patents vollständig erfüllte und seiner ursprünglichen Konzeption gerecht wurde“[6] Hierbei handelte es sich um eine Rotunde am Londoner Leicester Square, entworfen durch den Architekten Robert Mitchell, in der sogar zwei Rundbilder gleichzeitig gezeigt werden konnten, da das Gebäude über zwei Etagen verfügte.

1793 wurde der neue Bau mit dem Panorama „The Grand Fleet at Spithead in 1791“[7] eröffnet und war so erfolgreich, dass sogar die königliche Familie dem Leicester Square einen Besuch abstattete.

In den folgenden Jahren wurden beide Etagen immer wieder mit neuen Rundbildern ausgestattet, so dass „bis zu ihrem Abriss 1861 […] insgesamt nicht weniger als 126 Panoramen“[8] zu sehen waren. Verkaufte Barker anfangs die Leinwände noch, um sie anderen Orts ausstellen zu lassen, ging er bald dazu über, die neuen Motive einfach über die alten Bilder zu malen, da dies nicht nur praktisch, sondern auch noch kostengünstig war.

Obwohl sich Barker seine Idee vom Panorama bis 1801 patentieren ließ, entstanden schon während dieser Zeit Nachahmungen. Größtenteils handelte es sich dabei um großformatige, panorama-ähnliche Gemälde, die dann meist unter dem vagen Titel ‚große historische Ausstellung’ angekündigt worden sind.

3.2. Die Entwicklung des Panoramas in Deutschland

Bereits im September 1799 konnte die deutsche Bevölkerung das London-Panorama von Robert Barker in einer eigens dafür errichteten Rotunde in Hamburg bestaunen. Doch die Begeisterung hielt sich in Grenzen, was unter anderem auch daran lag, dass die Leinwände der Panoramen bereits während ihrer ‚Tournee’ durch England ziemlich gelitten hatten und auch nicht mehr ganz so originär waren wie zu Beginn ihrer Reise, denn notwendige Reparaturen erforderten teilweise Eingriffe in die originale Darstellung.

Nur ein Jahr nach den importierten Panoramaausstellungen öffnete in Berlin das erste deutsche Panorama. Der Theatermaler, Perspektivtheoretiker und Lehrer an der Provinzial-Zeichenschule in Magdeburg schuf mit Hilfe seiner Zeichnungen und Skizzen, die er 1792 während eines Romaufenthaltes angefertigt hatte und unter der Assistenz von Friedrich Ludwig Kaaz, das Panorama „Ansicht Roms von den Ruinen der Kaiservilla aus“. Das Rundbild war circa 218 m ² groß und mit Hilfe von Wasserfarben gezeichnet. Allerdings erinnerte die Präsentation wohl eher an die eines üblichen Wandgemäldes und nicht an die eines Panoramas. „Der Abstand des Betrachters wurde nicht reguliert und auch der Distanz schaffende Übergang von der Außenwelt in den Bildraum fehlte. […] Auch die Beleuchtung des Berliner Panoramas funktionierte schlecht“.[9] So konnte sich der gewünschte Effekt des Panoramas, den Betrachter in eine andere Welt zu entführen, nicht einstellen. Entsprechend gering war die Resonanz auch auf diesen Versuch eines deutschen Künstlers, das Panorama als Kunstform in Deutschland zu etablieren.

Karl Friedrich Schinkel erlangte mit seinem Panorama von Palermo mehr Erfolg. 1808 schuf er in nur vier Monaten nach eigenen Skizzen ein Rundbild, das die ungeteilte Zustimmung der Berliner Kritik erhielt. Das Bild verkaufte er nach der Ausstellung an den Maskenfabrikanten Wilhelm Gropius, der dieses Gemälde in anderen deutschen Städten und auch im restlichen Europa präsentieren wollte. Allerdings ist über den endgültigen Verbleib des Bildes nichts bekannt.

Zusammenfassend kann man konstatieren, dass der große Erfolg, den das Panorama in England und auch in Frankreich feierte in Deutschland nie erreicht wurde. Hinzu kam, dass das Panorama vor allem ein Phänomen in den Großstädten blieb. „In Deutschland, wo Berlin mit 150 000 Einwohnern schon zu den Großstädten zählte […], gab es zuwenig Zuschauer“[10]. Die Folge war, dass die Panoramen viel häufiger ihren Standort wechseln mussten und das nicht nur zu kostenintensiv war, sondern auch zu Materialverschleiß führte.

3.3. Die Wiederbelebung des Panoramas 1880

Ausgehend von Frankreich kam es um 1880 zu einer Wiederbelebung der Panoramamalerei. Auf der Weltausstellung 1879 wurde das eigentlich schon fast vergessene Panorama „Die Belagerung von Paris“ des Künstlers Félix Philppoteaux gezeigt, welches innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsmagneten der Ausstellung entwickelte. Davon profitierte vor allem die Betreibergesellschaft Société française des Grands Panoramas, deren Aktien innerhalb weniger Tage immens in die Höhe schnellten. In der Folge entstanden zahlreiche weitere Panorama-Aktiengesellschaften, die unter anderem auch erneut versuchten, den deutschen Markt für die Panoramakunst zu erschließen.

So entstand in Frankfurt am Main, finanziert von einem Unternehmer aus Brüssel, eine Rotunde, die pünktlich zum Sedanstag am 1. September 1880 eröffnet wurde. Ganz bewusst hat man zur Eröffnung diesen Tag gewählt, denn auch das Thema des in der Rotunde ausgestellten Panoramas war die Schlacht bei Sedan.

Bereits zehn Jahre später eröffnete man in der Stadt eine zweite Rotunde. Ähnlich wie in Frankfurt verlief die Entwicklung in den anderen deutschen Großstädten. Zumeist waren es ausländische Gesellschaften, die den Bau der Ausstellungsgebäude finanzierten und nicht selten entstanden in einer Stadt gleich mehrere Rotunden von unterschiedlichen Gesellschaften betrieben. Der jetzt doch eingetretene Erfolg der Panoramen in Deutschland lässt sich auch durch eine Anpassung der dargestellten Motive an den deutschen Besuchergeschmack erklären. „So wurden in Deutschland vorwiegend Bilder in Auftrag gegeben, die die deutschen Siege des Krieges 1870/71 feierten.“[11] Als man diese alle präsentiert hatte, ging man dazu über, die historischen deutschen Schlachten wie beispielsweise die Schlacht gegen den Schwedenkönig Gustav Adolf bei Lützen oder die Hussitenschlacht abzubilden. Waren zum Beginn der Panoramamalerei vor allem Landschafts- oder Städtedarstellungen beliebt, bevorzugte der Betrachter jetzt die aktuelle Kriegsdarstellung. Nicht selten war nur wenige Monate nach einer bedeutenden Schlacht, diese mit all ihren heroischen Taten auf der Leinwand festgehalten und dem Publikum präsentiert.

Mit Hilfe der Aktiengesellschaften wurde nicht nur die Herstellung der Rundegemälde finanziert, sondern auch deren internationaler Austausch organisiert. Möglich wurde dies durch die Normierung der überall gebauten Ausstellungsrotunden, so dass die Leinwände ohne Probleme zwischen den Ausstellungsorten wechseln konnten.

Doch ganz so problemlos wie es scheint, war die Panoramaproduktion dann doch nicht. Zum einen gestaltete sich die Übertragung der Skizzen von den flachen Flächen auf die Zylinderform der Rundbilder als ziemlich schwierig, denn es musste drauf geachtet werden, dass es nicht zu Verzerrungen kommt und die Perspektive richtig übertragen wird.

Es hatten sich inzwischen richtige Panoramamanufakturen gebildet, was zum einen an der geringen zur Verfügung stehenden Zeit lag, zum anderen aber auch an der Größe und Komplexität eines solchen Panoramabildes. Teamarbeit war gefordert. So gab es Künstler, die nur die Wolken malten, andere wiederum waren für die Landschaftsgestaltung zuständig, wieder andere waren Spezialisten für die Architekturmalerei. Das dieses System nicht immer reibungslos verlief, ist voraussehbar und so gab es auch immer einen, wenn man so will künstlerischen Leiter, der die Arbeiten koordinierte und darauf bedacht war, am Ende eine harmonische Gesamtproduktion abzuliefern.

Solch ein eingespieltes Team schaffte es je nach Motiv in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten ein komplettes Rundbild zu produzieren.[12]

„Zwischen 1880 und 1910 zirkulierten etwa 50 bis 60 verschiedene Panoramen teils ausländischer, überwiegend aber heimischer Produktion in rund 30 Rotunden im Deutschen Reich – also rund dreimal mehr als in der ersten Hälfte des Jahrhunderts“[13]

Trotzdem war es nur eine kurze Wiederbelebung dieses Unterhaltungsmediums. Die Panoramaausstellungen erfüllten so lange ihren Zweck der Illusionserregung bis das Publikum etwas viel Besseres entdeckte: das Kino.

Mit der ersten öffentlichen Filmvorführung am 1. November 1895 im Berliner Wintergarten war die zweite Blüte des Panoramas beendet.

4.0. Das Panorama im 21. Jahrhundert

4.1. Yadegar Asisi – Architekt der Illusionen

Yadegar Asisi ist 1955 als Sohn persischer Eltern geboren.[14] Aufgrund von politischer Verfolgung seiner Eltern im Iran, sein Vater wurde von der iranischen Regierung hingerichtet, verließ die Mutter mit ihren insgesamt fünf Kindern das Land und ging als erstes nach Österreich. In Wien kam Yadegar dann zur Welt. Der Weg seiner Familie führte ihn weiter über Polen in die DDR. Hier verbrachte er seine Kindheit und Schulzeit in Leipzig.

Im Jahr 1973 nahm er ein Architekturstudium an der Technischen Universität in Dresden auf und schloss es fünf Jahre später erfolgreich mit dem Titel des Diplom Ingenieurs ab. Kurze Zeit später siedelte er nach Berlin um und studierte dort von 1978 bis 1984 zuletzt auch als Meisterschüler von Professor Klaus Fussman Malerei an der Hochschule der Künste.

Bereits 1982 hatte Asisi ein Atelier für Architekturzeichnung gegründet, mit dem er sich auf perspektivische Schaubilder spezialisiert hatte. Noch im gleichen Jahr gründete er mit zwei seiner Kollegen ein Architekturbüro. Im Zuge dieser Zusammenarbeit entstanden mehrere prämierte Projekte, wobei Asisi in der Regel für die Entwurfsplanung und die zeichnerische Veranschaulichung der jeweiligen Ideen und Konzepte verantwortlich war.

Nach der Beendigung dieser Zusammenarbeit wendet sich der Architekt der Realisierung illusionistischer Bildräume zu, wobei er auch ein starkes Interesse für anamorphotische Rauminstallationen entwickelt. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die Gestaltung von Ausstellungsarchitektur.

1987 erhält er einen Lehrauftrag an der Universität der Künste Berlin, den er bis 1994 ausführt. Bereits 1991 wird er im Fachbereich der Architektur Gastprofessor. Seit 1996 begleitet Asisi die Professur für freie Darstellung im Fachbereich Architektur an der Technischen Fachhochschule Berlin.

Bei all seinen Arbeiten wird immer wieder eins deutlich: für den Architekten Yadegar Asisi steht der Betrachter als konkrete Person immer im Mittelpunkt seiner Arbeit. Er versucht immer seine Pläne nicht nur eindimensional auf dem Papier zu entwickeln, sondern er gibt ihnen stets auch einen Raum, so dass sie konkret erfahrbar werden.

4.2. Asisis Weg zum Panorama

Wie bereits deutlich gemacht wurde, beschäftigte sich Asisi eigentlich von Beginn seiner beruflichen Karriere mit der Realisierung illusionistischer Räume. Immer wieder greift er bei seinen Rauminstallationen auf das Mittel der Anamorphose zurück und erzielt damit verblüffende Ergebnisse. So rekonstruiert er für die Ausstellung ‚Mythos Berlin’ den zerstörten Anhalter Bahnhof und ermöglicht dadurch „nicht nur eine dokumentarische, sondern auch emotionale Auseinandersetzung mit einem verloren gegangenen Ort.“[15]

1993 übernimmt er den Auftrag, die Ausstellungsarchitektur für die Ausstellung ‚Sehnsucht – Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhundert’ in Bonn zu gestalten.

Dies ist der eigentliche Beginn eines Prozesses, der dazu führt, dass in der Folge die als antiquiert angesehene Panoramamalerei einen erneuten Erfolg erlangt.

Asisi steuerte zu dieser Ausstellung selbst einen künstlerischen Beitrag bei: Er schaffte eine malerische Rekonstruktion des verloren gegangenen Panoramas ‚Ein Panorama von Rom mit dem Einzug Constantins im Jahre CCCXII’ des Künstlerduos Alexander Wagner und Joseph Bühlmann. Überliefert war dieses Panorama nur noch in der Form eines schwarz-weißen Fotoleoprellos. Das bedeutete für Asisi, dass er dieses 16 x 16 cm große Original zuerst einmal mit Hilfe von speziellen Computerprogrammen digitalisierte und um das Dreifache vergrößerte. Das so entstandene Gemälde kolorierte er mit Ölfarbe von Hand und schuf somit seine ganz eigene künstlerische Interpretation des Werkes. „Die Zeit der Panoramen, das wurde für ihn hier klar, war noch lange nicht vorbei. Sie brach gerade erst an. Mit diesem Bild hatte er ihren Geist aus der Flasche gelassen.“[16]

In der Folge sollte ihn das Panorama als Kunstform und Möglichkeit, räumliche Illusionen zu schaffen, nicht mehr los lassen.

So schuf er 1995 in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift ‚Stern’ unter dem Motto ‚Berlin 2005 – Cityvision’ fünf Panoramen, die den Betrachter einen Blick in die Zukunft über die architektonische Entwicklung der Stadt erlaubten. An den zentralen und den wohl wichtigsten Baustellen der Stadt (Pariser Platz, Potsdamer Platz, Alexanderplatz, Platz der Republik und Schloßplatz) installierte Asisi die Rotunden und zeigte mit Hilfe dieser, wie es aussehen wird, wenn die Baumaßnahmen abgeschlossen sein werden.

Er wiederbelebte ein fast schon vergessenes Kunstmedium auf eine völlig neue Weise, nämlich nicht mit Farbe und Pinsel, sondern mit Computer und Druckmaschinen. Mit eigenen Fotos, Entwürfen und Skizzen, die er in den Computer einscannt, kreiert er mit Hilfe der Technik seine teils atemberaubenden Arbeiten.

Fünf Jahre nach den Visionen von Berlin verwirklichte er ein weiteres Panoramaprojekt.

Asisi schuf ein acht Meter hohes und 55 Meter breites Rundbild auf dem er 86 Baudenkmäler und Szenen aus 50 alten Hansestädten zu einem Gemälde komponierte. Dabei verwendete er sogar Spezialfarben, die durch ihre ganz eigene Reaktion auf UV-Licht einen besonders reizvolle Nachtansicht des Bildes ermöglichten. Über 110 000 Besucher kamen, um diese Installation zu bestaunen.

Allerdings war das Problem bei all diesen Panoramen, dass die Rotunden in denen das Bild ausgestellt wurde, immer nur Provisorien darstellten: Die Berliner Panoramen waren an mit Planen bespannten Gerüstkonstruktionen aufgehängt und für das Hansepanorama schaffte Asisi eine behelfsmäßige Rotunde, bestehend aus Holzlatten und Planen, die allerdings nicht allen hiesigen Wetterkapriolen gewachsen war. Ein geeignetes Objekt, wo er seine immer größer werdenden Arbeiten präsentieren konnte, musste gefunden werden.

4.3. Das Panorama des 20. Jahrhunderts bekommt ein zu Hause

Der einfachste Weg wäre natürlich der Bau einer eigenen Rotunde gewesen, allerdings benötigt man dafür, damals wie heute, ein entsprechend hohes Investitionskapital und da nicht abzusehen war, ob mit einer dauerhafte Panoramaausstellung auch ein ebensolcher Erfolg erzielt werden könne, suchte Asisi nach anderem Alternativen, um seinen Panoramavisionen ein zu Hause zu geben.

Fündig wurde er schließlich in seiner alten Heimatstadt Leipzig. Stadtbaudirektor Hugo Licht veranlasste in den Jahren 1885, 1890 und 1910 den Bau von insgesamt vier Gasspeichern in Leipzig zur Speicherung des vom Gaswerk produzierten Stadtgases[17]. Von diesen fünf so genannten Gasometern blieben drei der Stadt Leipzig bis heute als Industriedenkmäler erhalten. Das Innenleben der Gasbehälter wurde nachdem diese nicht mehr gebraucht wurden ausgebaut und verschrottet, übrig blieb die architektonische einzigartige Außenhülle. Und diese war in der Regel rund. Ideal also für die Präsentation der 360 Grad-Gemälde von Yadegar Asisi. Mit einem Außendurchmesser von 56,94 m[18] und einer Höhe von über 30 m bot das Gasometer der Stadtwerke Leipzig in der Richard-Lehmann-Straße dem Künstler einen Raum, der größer ist als alle bisher entstandenen Panorama überhaupt. Doch Asisi ließ sich von der Raumgröße nicht abschrecken - im Gegenteil.

Das 50 jährige Jubiläum der Erstbesteigung des Himalajas war für ihn ein geeigneter Anlass selbst in das Gebirge zu fahren und mit hunderten von Fotos im Gepäck wieder zurückzukehren. Seine Idee war die Schaffung eines Panoramas, das den Mount Everest inmitten des Himalaja-Gebirges zeigen sollte. ‚8848 Everest 360°’ hieß das erste Panorama-Event, welches am 24. Mai 2003 eröffnete und in knapp zwei Jahren mehr als 400 000 Aussteller in seinen Bann zog.

Die Menschen besuchen nicht mehr einfach nur die Ausstellung eines Rundegemäldes, sondern sie sollen ein wirkliches Erlebnis haben erfahren. Rund um das eigentliche Bild wird der Besucher zuerst durch einen Rundgang geleitet, in dem er die Besteigungsgeschichte des Mount Everest erfahren kann, ehe er das Podest erklimmt, um sich Mitten in der Bergwelt wieder zu finden. Unterstützt wird dieser Erlebnischarakter noch „durch einen imitierten Schneeboden durch Marmorsplit (…), so dass der Besucher meint, inmitten des spektakulären und zerklüfteten Gletscherfeldes zu stehen. Durch suggestive Töne (Stimmen, Gesänge und Musik) und Wettergeräusche sowie durch eine fantastische Nachtansicht der Szenerie wird der optische und akustische Gesamteindruck des Bergmassivs intensiviert.“[19]

Wie damals Robert Barker den Begriff Panorama prägte, steht für Asis Installation die ebenfalls markenrechtliche geschützte Bezeichnung Panometer.

Inzwischen ist das vierte Rundbild in Planung. Am 26.11.2005 eröffnete die 2. Panometerausstellung mit einem 106 m breiten und 34 m hohem Panorama, dass dem Betrachter wahrscheinlich genau das Bild, nur größer, atmosphärischer und auch realistischer, zeigt, was auch Josef Bühlmann 1888 seinen Besuchern zeigen wollte: das Rom des Jahres 312 mit dem Triumphzug Konstantins. Auch hier gibt es wieder eine eigens für diesen Event komponierte lautliche und musikalische Untermalung und eine Rundausstellung, die den Besuchern interessante Hintergrundinformationen liefert. Zu sehen ist dieses Rundbild noch bis Anfang 2009, danach soll ein Panorama zum Thema Regenwald folgen.

Auch in Dresden gibt es mittlerweile ein Panometer von Yadegar Asisi: ‚Dresden 1756’. Hier kann der seit dem 9. Dezember 2006 Besucher den Blick von der Turmkirche über fast die gesamte barocke Stadt Dresden genießen.

5.0. Resümee

Yadegar Asisi hat es mit seinen Panometern geschafft: er hat eine längst vergessenes Kunstform zu neuem Leben verholfen.

Nach den grandiosen Zeiten für das Panorama im ausgehenden 19. Jahrhundert galt dieses als überlebt, langweilig, antiquiert. Kino, Fernsehen und Computeranimationen eroberten die Sehgewohnheiten der Menschen.

„Ich träumte davon, die Panoramen ins 21. Jahrhundert zu holen! verkündete er, nachdem er das Potential der Riesenrundgemälde aus dem vorletzten Jahrhundert erkannt hatte.“[20]

Mit Hilfe der neusten Computertechnik schaffte er Bilder, die genauso wie 1880, die breite Masse begeistern.

Mit den Themen seiner Rundbilder trifft Asisi den Nerv der Zeit und durch die vorher noch nie da gewesene Größe beeindruckt er. Hinzu kommt sein Talent, den Besuch in seinem Panometer für die ganze Familie zum Event werden zu lassen.

Das längst totgesagte Panorama lebt und wird sicherlich noch eine Weile erfolgreich die Besucher in die alten Mauern der Gasometer von Leipzig und Dresden locken.

6.0. Bibliographie

6.1. Literaturverzeichnis

1. Asisi, Y. (Hrsg.): Rom CCCXII. Leipzig 2006.
2. Asisi, Y.: Architect of illusion. Leipzig 2004.
3. Comment, B.: Das Panorama. Berlin 2000.
4. Oettermann, S.: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums. Frankfurt 1980.
5. Sehnsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog, Frankfurt a. M. 1993.

6.2. Internetquellen [Stand: 09.09.07]

1. http://www.8848everest.de/8848everest_neu/index.htm
2. http://www.asisi-factory.de/index.htm
3. http://www.asisi-factory.de/Projekte/PanometerLeipzig/Fuehrung/lehrermappe.pdf
4. http://www.drewag.de/de/privatkunden/drewag_welt/pk_dw_panometer_dresden.php
5. http://www.swl.de/de/aktuelles/gasometer/main.htm

[...]


[1] Grosses Wörterbuch. Fremdwörter. München 2004. S. 409.

[2] sinngemäß übersetzt: Die Natur in einem Augenblick.

[3] Wilcox, S.: Erfindung und Entwicklung des Panoramas in Großbritannien. in: Sehnsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog, Frankfurt a. M. 1993. S. 29.

[4] Comment, B.: Das Panorama. Berlin 2000. S. 8.

[5] Weber, B.: La nature à coup d’oeil. Wie der panoramatische Blick antizipiert worden ist. in: Sehnsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog, Frankfurt a. M. 1993. S. 21.

[6] Wilcox, S.: Erfindung und Entwicklung des Panoramas in Großbritannien. in: Sehnsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog, Frankfurt a. M. 1993. S. 30.

[7] Ebenda S. 31.

[8] Comment, B.: Das Panorama. Berlin 2000. S. 25

[9] Comment, B.: Das Panorama. Berlin 2000. S. 51f.

[10] ebenda S. 52f.

[11] Oettermann, S.: Die Reise mit den Augen. Orama in Deutschland. in: Sehnsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog, Frankfurt a. M. 1993. S. 49.

[12] Vgl. die Darstellungen in: [12] Comment, B.: Das Panorama. Berlin 2000. S. 16 ff.

[13] Oettermann, S.: Die Reise mit den Augen. Orama in Deutschland. in: Sehnsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog, Frankfurt a. M. 1993. S. 50.

[14] Vgl. Titel des Buches: Asisi, Y.: Architect of illusion. Leipzig 2004.

[15] Asisi, Y.: Architect of illusion. Leipzig 2004. S. 12

[16] Asisi, Y. (Hrsg.): Rom CCCXII. Leipzig 2006

[17] http://www.swl.de/de/aktuelles/gasometer/main.htm

[18] http://www.asisi-factory.de/Projekte/PanometerLeipzig/Fuehrung/lehrermappe.pdf S. 5.

[19] http://www.8848everest.de/8848everest_neu/index.htm

[20] Asisi, Y. (Hrsg.): Rom CCCXII. Leipzig 2006. S. 10.

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Details

Titel
Die Entwicklung der Panorama-Malerei vom 19. Jahrhundert bis heute
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Rom als Erinnerungsort
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V111228
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Panorama-Malerei, Jahrhundert, Erinnerungsort
Arbeit zitieren
M.A. Katja Lindhorst (Autor), 2007, Die Entwicklung der Panorama-Malerei vom 19. Jahrhundert bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111228

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