Einflüsse der Medienkonzentration - Untersuchung am Beispiel des deutschen Privatfernsehens


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,2


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungsfrage
1.2 Begriffsdefinitionen
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Erscheinungsformen und Ursachen der Medienkonzentration
2.1 Gründe für Medienkonzentrationsprozesse
2.2 Vier Formen der Medienkonzentration
2.2.1 Horizontale Konzentration
2.2.2 Vertikale Konzentration
2.2.3 Multimediale Konzentration
2.2.4 Diagonale Konzentration

3 Auswirkungen der Medienkonzentration auf die Meinungsvielfalt
3.1 Angebotsausdünnung und inhaltliche Homogenisierung
3.2 Erweiterte Tabuzone der redaktionellen Berichterstattung
3.3 Steigende Nachfragemacht bei Informationsquellen
3.4 Abnahme des Qualitäts- und Innovationswettbewerbs

4 Medienkonzentration im deutschen Privatfernsehen
4.1 Regelung zur Sicherung der Meinungsvielfalt
4.2 Das Programmangebot im deutschen Prifatfernsehen
4.3 Verflechtungen zwischen den Fernsehanstalten
4.4 Konzentration in den medienrelevanten verwandten Märkten

5 Zusammenfassung und Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Forschungsfrage

Vorausgehend stellen sich zwei Fragen. Einerseits ist zu klären, welche Ursachen zu einer Medienkonzentration führen. Andererseits muss hinterfragt werden, wie sich die Medienkonzentration auf die Meinungsvielfalt auswirkt. Aus diesen beiden Fragestel-lungen leitet sich eingegrenzt auf einen engen Bezugsrahmen folgende Forschungsfrage ab: „Gibt es Einschränkungen der Meinungsvielfalt durch die Medienkonzentration im deutschen Privatfernsehen?“

1.2 Begriffsdefinitionen

Medienkonzentration: Nach Altdorfer sind unter dem Begriff der Medienkonzentration „wirtschaftliche Konzentrationsvorgänge zu verstehen, die publizistische Einheiten und Betriebe in den Händen weniger Grossunternehmen zusammenfassen.“[1]

Meinungsmacht: Laut Bayer und Carl wird vorherrschende Meinungsmacht angenommen, wenn der Zuschaueranteil einer Sendergruppe bei 30 Prozent liegt. Ist diese mit einem in medienrelevanten verwandten Märkten marktbeherrschenden Unternehmen verflochten, reduziert sich diese Grenze auf 25 Prozent.[2]

1.3 Aufbau der Arbeit

Im Kapitel zwei sind die vier möglichen Arten einer Medienkonzentration beschrieben. Auf deren Einfluss auf die Meinungsvielfalt wird in Kapitel drei eingegangen. Dabei werden die vier wichtigsten Folgen einer Medienkonzentration beschrieben.

Aufbauend auf der theoretischen Grundlage der vorangehenden Kapitel, befasst sich das vierte Kapitel mit der konkreten Situation im deutschen Privatfernsehen. Hierbei wird einerseits die Programmentwicklung und Medienverflechtungen zwischen den Fersehanstalten untersucht, andererseits befasst sich dieses Kapitel mit der Konzentration in Medienrelevanten Märkten.

Ein Fazit findet sich im fünften Kapitel. Darin wird auf die zu Beginn gestellte Forschungsfrage eingegangen und beurteilt, ob sie - und falls ja, in welchem Masse - sie zutrifft.

2 Ursachen und Erscheinungsformen der Medienkonzentration

2.1 Gründe für Medienkonzentrationsprozesse

Bei Bonfadelli werden für die wachsende Konzentration auf dem Medienmarkt drei Hauptgründe unterschieden: Erstens sind bei der Fernsehproduktion die Fixkosten sehr hoch. Die Kosten pro Zuschauer sinken daher mit steigender Menge. Der finanzielle Aufwand pro zusätzlichen Empfänger im Verbreitungsgebiet ist gleich Null. Um die hohen Fixkosten auf möglichst viele Zuschauer umlegen zu können, streben die Medienunternehmen nach einer möglichst grossen Marktpenetration.[3]

Zweitens enthalten Medienmärkte hohe Eintrittsbarrieren für Neueinsteiger. Die grösste Barriere sind die hohen Fixkosten. Einerseits muss die erforderliche Infrastruktur und die Personalrekrutierung finanziert werden, andererseits muss über längere Zeit hinweg ein Publikum aufgebaut werden.[4]

Als dritte Begründung für die wachsende Konzentration wird die „Werbeeinnahemen-Reichweitenspirale“ gesehen. Eine hohe Reichweite erhöht die Attraktivität für den Werbekunden. Die dadurch gesteigerten Werbeeinnahmen können in attraktive Programminhalte investiert werden, wodurch weitere Zuschaueranteile hinzugewonnen werden können. Dies wiederum führt erneut zur Steigerung der Werbeeinnahmen.[5]

2.2 Vier Formen der Medienkonzentration

Die Medienkonzentrationsforschung unterscheidet zwischen vier Formen der Konzentration. Diese werden durch die drei unter Kapitel 2.1 beschriebenen Gründe einer Medienkonzentration begünstigt.

2.2.1 Horizontale Konzentration

Bei der horizontalen Medienkonzentration schliessen sich Unternehmen zusammen, die auf dem gleichen Markt tätig sind und darin alle Wettbewerbsverhältnisse erfassen. Häufige Beispiele finden sich im Bereich der Tageszeitungen.[6]

2.2.2 Vertikale Konzentration

Unter der vertikalen Medienkonzentration wird die Verbindung aufeinander folgender Wirtschaftsstufen innerhalb eines Unternehmens verstanden. Dadurch ist ein Medienunternehmen in vor- und nachgelagerten Produktionsstufen tätig und steht in einer Art „Abnehmer-Lieferanten-Beziehung“. Im Fernsehen tritt diese Art der Konzentration durch die Verbindung von Programmproduktion, Handel mit Programmrechten und Veranstaltung von Rundfunkprogrammen auf.[7]

2.2.4 Multimediale Konzentration

Unter der multimedialen Konzentration wird die Bündelung von Produktion und Distribution verschiedener Medien unter demselben Konzerndach verstanden. Klassisches Beispiel sind Unternehmen, die Fernsehen veranstalten und gleichzeitig einen Zeitungsverlag besitzen. In diesem Fall wird von „Cross-Media-Ownership“ gesprochen.[8] Die Multimediale Konzentration erlaubt eine konzerninterne Vermarktung von Produkten über Mediengrenzen hinweg, genannt „Cross Promotion“.[9]

2.2.3 Diagonale Konzentration

Wird ein Medienunternehmen von einer branchenfremden Unternehmung übernommen, wird von einer diagonalen Konzentration gesprochen. Auf diese weise lassen sich die Marktstärken durch ein erhöhtes Werbeauftreten für andere Geschäftsbereiche nutzbringend einsetzen.[10]

3 Auswirkungen der Medienkonzentration auf die Meinungsvielfalt

Jeder Konzentrationsvorgang zieht organisatorische Umstrukturierungen und in der Regel eine Neupositionierung der einzelnen beteiligten Medien nach sich. Dabei lassen sich sowohl bei horizontalen und vertikalen als auch bei diagonalen und multimedialen Konzentrationsvorgänge eine Reihe von Folgen und dessen Einfluss auf die Meinungsvielfalt beschreiben. In diesem Kapitel sind die laut Heinrich vier wichtigsten Konzentrationsfolgen beschrieben.

3.1 Angebotsausdünnung und inhaltliche Homogenisierung

Wenn sich in einem gegebenen Regionalraum mehrere Medien zusammenschliessen, führt dies zu einer verstärkten redaktioneller Kooperation zwischen den zusammen-geschlossenen Medien. Der inhaltliche Austausch zwischen diesen nimmt dadurch zu. Diese Tendenz zur inhaltlichen Homogenisierung wird ebenfalls verstärkt durch den Aufbau von redaktionsübergreifenden Archiven. Die Zusammenarbeit von Redaktionen kann die Leistungsfähigkeit der beteiligten Medien steigern. Möglich ist aber auch, dass die Redaktionen Berichterstattungen von einander übernehmen. Somit entsteht für das Publikum eine homogenisierte Sicht der Ereignisse.

Eine gegenteilige Wirkung auf die inhaltliche Breite ist ebenfalls denkbar. Schliessen sich bei der horizontalen Konzentration beispielsweise die Verlage von zwei Nachrichtenmagazinen im selben Markt zusammen und bleiben beide Titel bestehen, könnte durch das Streben nach Differenzierung auch eine Angebotsvielfalt entstehen.[11]

3.2 Erweiterte Tabuzone der redaktionellen Berichterstattung

Zwei Gründe führen bei konglomeraten Verflechtungen zu immer grösseren Tabuzonen für die redaktionelle Berichterstattung: Erstens werden in den meisten Fällen in der Berichterstattung auf die Eigentümerinteressen Rücksicht genommen. Damit sie durch ihre journalistische Tätigkeit keine persönlichen Nachteile befürchten müssen, auferlegen sich die Medienschaffenden eine Art Selbst- oder Vorzensur.

Mit zunehmender Medienkonzentration nimmt auch die Wahlmöglichkeit zwischen Medien zur Platzierung von Werbung ab. Damit verstärkt sich die Abhängigkeit der werbetreibenden Unternehmen vom verflochtenen Medienkonzern.[12]

3.3 Steigende Nachfragemacht bei Informationsquellen

Die steigende Nachfragemacht horizontal verflochtener Medien nimmt ebenfalls gegenüber den Informationsquellen in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu. Konzentrierte Mediennetzwerke haben bessere Ausgangschancen und leichteren Zugang zu Exklusiv- oder Vorabinformationen als unabhängige Unternehmen.

Aus der Perspektive der Informationsquellen nimmt der Kommunikationsaufwand für die Platzierung einer Nachricht durch Beziehungen zu horizontal und diagonal verflochtenen Medienunternehmen deutlich ab. Zugleich steigt die Chance, dass mit der eigenen Botschaft mehrere Medien gleichzeitig erreicht werden.[13]

3.4 Abnahme des intermedialen Qualitäts- und Innovationswettbewerbs

Durch die zunehmende Medienkonzentration verliert der intermediale Konkurrenzkampf an Bedeutung. Der Ansporn bessere journalistische Leistungen als die Konkurrenz hervorzubringen verkleinert sich. Dieser Folge liegt jedoch kein Automatismus zu Grunde. Vielmehr kann durch gezielte organisatorische Massnahmen ein innerbetrieblicher Wettbewerb erhalten bleiben. Dies führt auch bei integrierten Medienkonzernen zu hoher Qualität. Es kann jedoch die Vielfalt an Medien in einem bestimmten Segment abnehmen. In diesem Falle entfällt sowohl der äussere als auch der innere Qualitäts- und Innovationswettbewerb.[14]

4 Medienkonzentration im deutschen Privatfernsehen

Dieses Kapitel geht, aufbauen auf der bis hierhin eingeführten theoretischen Grundlagen und Begriffserklärungen, auf die konkrete Situation im deutschen Privatfernsehen ein.

4.1 Regelung zur Sicherung der Meinungsvielfalt

Die Beschränkung der wirtschaftlichen Macht von konzentrierten Medienkonglomeraten wird durch die Vorschriften des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) bestimmt. Um die in der Verfassung geforderte Meinungsvielfalt im privaten Rundfunk zu sichern, enthält der Rundfunkstaatsvertrag[15] Regelungen, die einer Meinungsmacht vorbeugen sollen.[16] So ist neben der in Kapitel 4.4 beschriebenen 30% bzw. 25%-Zuschaueranteil-Marke festgelegt, das wenn der Zuschauermarktanteil eines Programms mit dem Schwerpunkt Information bei 10% oder mehr liegt, der Veranstalter Sendezeit für unabhängige Dritte bereitzustellen hat. Wird in einem Fall vorherrschende Meinungsmacht vermutet, kann die betroffene Unternehmung anstelle einer Entflechtung verpflichtet werden, einen Programmbeirat zur Sicherung der Meinungsvielfalt einzurichten. Die Überwachung dieser Vorschriften werden von den Landesmedienstalten in Zusammenarbeit mit der Kommission für die Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) übernommen.[17] Die KEK existiert seit 1997 und hat nach eigenen Angaben die Aufgabe, „die Einhaltung der Bestimmungen zur Sicherung der Meinungsvielfalt im Fernsehen zu überprüfen und die entsprechenden Entscheidungen zu treffen.“[18]

4.2 Das Programmangebot im deutschen Privatfernsehen

Das bundesweite Angebot an Fernsehprogrammen in Deutschland ist im internationalen Vergleich besonders umfangreich. Die aktuelle Entwicklung in Deutschland zeigt ein sprunghafter Anstieg an bundesweit verbreiteter, privater Fernsehangebote. Die Anzahl Programme stieg zwischen Juli 2004 und Juli 2005 von 75 auf 95. Die Zunahme geht auf die in der Regel digital verbreiteten Spartenkanäle[19] zurück, dessen Anzahl sich in dieser Periode von 35 auf 54 erhöht hat. Unter den Vollprogrammen können neben den Sendern RTL, RTL II, VOX, SAT.1, ProSieben und Kabel 1 ist sei Oktober auch NBC Europe empfangen werden.[20] Die öffentlich-rechtlichen Sender, dazu gehören ARD, ARD Dritte, ZDF, arte, KiKa, Phoenix und 3sat, besitzen zusammen einen Zuschaueranteil von 43%. Dem gegenüber stehen die zwei grossen Medienkonglomerate ProSibenSat.1 Media AG und RTL Television GmbH. Erstgenannte besitzt einen Zuschaueranteil von gut 23%. RTL Television hat somit mit 25% einen leichten Vorsprung.[21] Die Besitzverhältnisse dieser beiden Sendernetzwerke wird im anschliessenden Kapitel 4.3 beschrieben.

4.3 Verflechtungen zwischen den Fernsehanstalten

Die ProSiebenSat.1 Media AG umfasst die Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1, N24 und NEUN LIVE.[22] Nachdem die Gespräche zur Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel Springer AG abgebrochen wurden, bleibt Axel Springer wie bis anhin bei einem Besitz von 12% des Aktienkapitals. Der Hauptaktionär ist die von Saban beherrschte Investorengruppe German Media Partners L.P. Ihre Tochtergesellschaft P7S1 Holding L.P. hat 75% des stimmberechtigten Aktienkapitals der ProSiebenSat.1 Media AG in ihrem Besitz. Die restlichern 25% gehören der Sat.1 Beteiligungs GmbH. Von dieser wiederum hat die P7S1 Holding L.P. 51,81% der Anteile an der Sat.1 von der insolventen KirchMedia GmbH & Co. erworben. Den restlichen Anteil besitzt die Axel Springer AG.[23] Im Vergleich zur RTL Television GmbH ist die ProSiebenSat.1 Media AG in weitaus geringerem Masse diversifiziert. Der Schwerpunkt liegt deutlich beim Fernsehgeschäft.[24]

Die RTL Television GmbH umfasst die Sender RTL, RTL II, Super RTL, VOX und n-tv.[25] Sie ist zu 100% im Besitz von UFA Film und Fernsehen GmbH. Diese ist im Besitz der CLT-UFA S.A. [26] Die Aktivitäten der CLT-UFA erstrecken sich auf Bereiche der Programmproduktion, -distribution sowie -vermarktung. Mit Produktionen beliefert sie neben RTL Television auch andere private Sender (VOX, ProSieben) und die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF.[27] Die CLT-UFA gehört zur RTL Group S.A. Diese untersteht zu über 80% der Bertelsmann AG.[28] Nach eigenen Angaben ist die Bertelsmann AG neben dem Musiklabel BMG und dem Verlagshaus Random House durch die Direct Group und Arvato in der Mediendistribution und durch Gruner + Jahr[29] im Programmzeitschriftenmarkt in für das Fernsehen medienrelevanten verwandten Märkten tätig.[30] Wie unter dem nachfolgenden Punkt 4.3 abschliessend beschrieben, kann es durch diese Verflechtungen eines Fernsehveranstalters mit einer in medienrelevanten verwandten Märkten tätigen Unternehmung durch horizontale, vertikale sowie multimedialer Konzentration zu einer Einschränkung der Meinungsvielfalt kommen.

4.4 Konzentrationen in den medienrelevanten verwandten Märkten

Unter für das Fernsehen medienrelevante verwandte Märkte fallen u. a. der Fernseh-werbemarkt, die Fernsehproduktion, die Programmzeitschriften, die Sportrechte, die Nachrichtenagenturen, die Online-Medien und die Programmrechte. Für die Beurteilung der Medienkonzentration sind diese Märkte von Bedeutung, wenn Fernsehveranstalter in Unternehmen, die auf vor- oder nachgelagerten Produktionsstufen tätig sind, vertikal integriert sind. Wenn auf diesen vor- und nachgelagerten Märkten ihrerseits die horizontale Konzentration weit fortgeschritten ist, kann für konkurrierende TV-Unternehmen der Zugang zu den Beschaffungs- und Absatzmärkten durch einen solchen vertikalen Zusammenschluss eingeschränkt oder gefährdet werden.

Laut der KEK wird eine vorherrschende Meinungsmacht vermutet, wenn die einem Unternehmen zurechenbaren Programme einen Zuschaueranteil von mindestens 25% erreichen und dieses in einem medienrelevanten verwandten Markt eine vorherrschende Stellung hat.[31]

Ein Augenmerk ist auf den Programmzeitschriftenmarkt zu werfen. Beispielsweise durch die Bewertung eines Spielfilms durch die Redaktion, bezieht sich der potentielle Meinungseinfluss von Programmzeitschriften unmittelbar auf die Programmauswahl. Die Bewertung kann einen Einfluss auf die Programmauswahl der Zuschauer haben. Ein im Programmzeitschriftenmarkt tätiges, mit einem Fernsehveranstalter verflochtenes Unternehmen hat also generell die Möglichkeit, eigene Fernsehprogramme bevorzugt darzustellen. Dies kann mittel- und längerfristig zu einer verstärkten Publikumsbindung an bestimmte Programme führen. Diese Hypothese wurde allerdings noch nie nachgewiesen.[32] Eine solche Situation zeigt sich bei der unter Punkt 4.2 beschriebenen RTL Television AG, die in die Bertelsmann AG eingegliedert ist. Hier liegt jedoch die RTL Group durch die unabhängigen Regionalfenstern begründeten Abzug von 2 Prozentpunten knapp unter den nötigen 25% Zuschaueranteil, die eine vorherrschende Meinungsmacht vermuten lassen.[33]

Kritisch ist auch der Fernsehwerbemarkt zu betrachten. Werbung ist die wesentliche Finanzierungsquelle im privaten, frei empfangbaren Fernsehen. Die unter Punkt 2.1 beschriebene Werbeeinnahmen-Reichweitespirale verhilft den durch hohe Werbeeinnahmen gewachsenen Sendern zu weiterem Wachstum durch die gesteigerte Innovationskraft.[34] Die RTL Group S.A. besass 2004 nach Angaben der KEK 44,1% Brutto-Werbemarktanteil des deutschen Fernsehwerbungsmarktes. Die ProSiebenSAT.1 Media AG verzeichnete mit 42,5% einen leicht geringeren Anteil (Siehe Abbildung 2).[35] Diese zwei Anbieter beherrschen somit weit über 80% des Werbemarktanteils. Diese Struktur stellt ein sehr enges Oligopol dar und verhindert praktisch den Wettbewerb, wodurch die beiden Sendergruppen ihre Vormachtstellung weiter ausbauen können.[36]

5 Zusammenfassung und Fazit

Die zu untersuchende Forschungsfrage lautet: „Gibt es Einschränkungen der Meinungsvielfalt durch die Medienkonzentration im Privatfernsehen in Deutschland?“

Wie unter Punkt 2.1 führen einerseits die hohen Fixkosten und die Nutzung von Synergien zu einer Konzentration, andererseits stellt die „Werbeeinnahemen-Reichweitespirale“ einen Grund dafür dar. Bei einer Konzentration kommt es einerseits zu einer Angebotsausdünnung und Homogenisierung sowie erhöhten redaktionellen Tabuisierung, andererseits steigt aber auch die Nachfragemacht der Informationsquellen und der Qualitäts- und Innovationswettbewerb nimmt ab.

In dieser Hinsicht kritisch zu betrachten sind die zwei im deutschen Privatfernsehen vorherrschenden Medienkonglomerate ProSiebenSat.1 Media AG und RTL Television GmbH. So werden zwischen den einzelnen Sendern innerhalb eines Netzwerkes Programmblöcke ausgetauscht und damit teilweise homogenisiert und synchronisiert. Die kritische Grenze von 30% Zuschaueranteil, damit von einer vorherrschenden Meinungsmacht gesprochen werden kann, erreicht weder ProSiebenSat.1 noch RTL Television. Bei letzterer ist jedoch die Verflechtung mit der Bertelsmann AG kritisch zu untersuchen. Diese ist in fürs Fernsehen medienrelevanten Märken wie dem Programmzeitschriftenmarkt tätig. Durch diese Verflechtung mit Bertelsmann sind für eine vorherrschende Meinungsmachtsstellung bloss 25% Zuschaueranteil nötig, welche die RTL Group jedoch durch die 2 Prozentpunkte Abzug durch die unabhängig arbeitenden Regionalfenster knapp nicht erreichen. Daneben ist eine starke Konkurrenz durch die öffentlich-rechtlichen Sender vorhanden, welche zusammen einen Zuschaueranteil von 43% besitzen.

Abschliessend ist eindeutig erkennbar, dass es im deutschen Privatfernsehen zu keiner Einschränkung der Meinungsvielfalt durch die Medienkonzentration kommt. Die zukünftige Entwicklung tendierend hin zu grossen, internationalen Medienkonglomerate muss jedoch immer wieder von neuem kritisch hinterfragt werden.

6 Literaturverzeichnis

Altendorfer, Otto: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland. Band 1. Wiesbaden 2001.

Beyer, Andrea; Carl, Petra: Einführung in die Medienökonomie. Konstanz 2004.

Heinrich, Jürgen: Medienökonomie. Band 1. 2001.

KEK: Erster Medienkonzentrationsbericht 2000: Fortschreitende Medienkonzentration im Zeichen der Konvergenz. 2000.

KEK: Zweiter Medienkonzentrationsbericht 2003: Sicherung der Meinungsvielfalt in Zeiten des Umbruchs. 2003.

KEK: Sechster Jahresbericht. 2003.

KEK: Achter Jahresbericht. 2005.

Meier, Werner A.; Trappel, Joseph. In: Jarren, Ottfried; Bonfadelli, Heinz (Hrsg.): Einführung in die Publizistikwissenschaft. 2001.

Trappel, Josef; Meier, Werner A.; Schrape, Klaus; Wölk, Michaela: Die gesellschaftlichen Folgen der Medienkonzentration. 2002.

[...]


[1] Altendorfer, Otto: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland. Band1. Wiesbaden 2001. S. 90.

[2] Vgl. Beyer, Andrea; Carl, Petra: Einführung in die Medienökonomie. Konstanz 2004. S.101.

[3] Vgl. Heinrich, Jürgen: Medienökonomie. Band 1. 2001. S. 125.

[4] Vgl. Meier, Werner A.; Trappel, Joseph. In: Jarren, Ottfried; Bonfadelli, Heinz (Hrsg.): Einführung in die Publizistikwissenschaft. 2001. S. 178.

[5] Vgl. KEK: Fernsehwerbung. 2005. URL: www.kek-online.de/inhalte/fernsehwerbung.html (12.03.2006)

[6] Vgl. Altendorfer, 2001, S. 90.

[7] Vgl. Altendorfer. 2001. S. 90.

[8] Vgl. Altendorfer. 2001. S. 90.

[9] Vgl. Meier, Werner A.; Trappel, Josef. In Jarren; Bonfadelli (Hrsg.), 2001, S. 180.

[10] Vgl. Meier, Werner A.; Trappel, Josef. In Jarren; Bonfadelli (Hrsg.), 2001, S. 180.

[11] Vgl. Trappel, Josef; Meier, Werner A.; Schrape, Klaus; Wölk, Michaela: Die gesellschaftlichen Folgen der Medienkonzentration. 2002. S. 113.

[12] Vgl. Trappel et al. 2002. S. 114.

[13] Vgl. Trappel et al. 2002. S. 115.

[14] Vgl. Trappel et al. 2002. S. 115

[15] Der Rundfunkstaatsvertrag wurde 1987 als die prägende Gesetzesbasis für das duale Rundfunksystem in Deutschland von allen Bundesländern verabschiedet. Die letzte Änderung wurde 2004 vorgenommen. Vgl. Beyer; Carl, 2004, S.31.

[16] Vgl. Beyer; Carl, 2004, S. 100.

[17] Vgl. Beyer; Carl, 2004, S. 101.

[18] KEK: Aufgaben. 2005. URL: www.kek-online.de/cgi-bin/resi/k-auf/index.html (13.03.2006)

[19] Ein Spartenkanal verbreitet ein Programm mit gleichartigen Inhalten. Die Anbieter versuchen durch diese Nischenstrategie von den Vollprogrammanbieter nicht abgedeckte Zuschauersegmente anzusprechen. In Deutschland fallen darunter u.a. DSF, Eurosport oder MTV. Vgl. Beyer, Andrea; Carl, Petra. 2004. S. 60f.

[20] Vgl. KEK: Achter Jahresbericht. 2005. S. 65. URL: http://www.kek-online.de/Inhalte/jahresberichte.html (09.03.2006)

[21] KEK: Zuschaueranteile. 2005. URL: http://www.kek-online.de/cgi-bin/esc/zuschauer.html (10.03.2006)

[22] KEK: Werbemarktanteile und –umsätze der Fernsehsender. 2005. URL: http://www.kek-online.de/Inhalte/fernsehwerbung.html (09.03.2006)

[23] Vgl. KEK: Achter Jahresbericht, 2005. S. 7.

[24] Vgl. KEK: Zweiter Medienkonzentrationsbericht 2003: Sicherung der Meinungsvielfalt in Zeiten des Umbruchs. 2003. URL: http://www.kek-online.de/kek/information/publikation/mkberichte.html (12.03.2006)

[25] KEK: Werbemarktanteile und –umsätze der Fernsehsender. 2005. URL: http://www.kek-online.de/Inhalte/fernsehwerbung.html (09.03.2006)

[26] Vgl. KEK: Achter Jahresbericht, 2005, S. 151.

[27] Vgl. KEK: Erster Medienkonzentrationsbericht 2000: Fortschreitende Medienkonzentration im Zeichen der Konvergenz. 2000. URL: http://www.kek-online.de/kek/information/publikation/mkberichte.html (13.03.2006)

[28] Vgl. KEK. Achter Jahresbericht, 2005, S. 151.

[29] Vgl. Bertelsmann AG: Hompage der Unternehmung www.bertelsmann.de/bertelsmann_corp/wms41/bm/index.php?ci=99&language=1 o.J. (10.03.2006)

[30] Altdorfer, 2001, S. 103.

[31] Vgl. KEK: Medienrelevante verwandte Märkte. 2005. URL: www.kek-online.de/inhalte/medienrelevante_verwandte_maerkte.htm (11.03.2006)

[32] Vgl. KEK: Programmzeitschriften. 2005. URL: http://www.kek-online.de/Inhalte/programmzeitschriften.html (11.03.2006)

[33] Vgl. KEK: Zulassung von Fernsehanstalten. RTL Television GmbH. In: Sechster Jahresbericht, 2003, S. 28. URL: http://www.kek-online.de/Inhalte/jahresberichte.html (12.03.2006)

[34] Vgl. KEK: Fernsehwerbung. 2005. URL: www.kek-online.de/inhalte/fernsehwerbung.html (11.03.2006)

[35] Vgl. KEK: Fernsehwerbung. 2005. URL: www.kek-online.de/inhalte/fernsehwerbung.html (11.03.2006)

[36] Vgl. Altendorfer, 2001, S. 103.

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Details

Titel
Einflüsse der Medienkonzentration - Untersuchung am Beispiel des deutschen Privatfernsehens
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Note
1,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V111300
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einflüsse, Medienkonzentration, Untersuchung, Beispiel, Privatfernsehens
Arbeit zitieren
Moritz Schuler (Autor), 2006, Einflüsse der Medienkonzentration - Untersuchung am Beispiel des deutschen Privatfernsehens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111300

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