Mädchen haben es schwer! - Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Fussball


Examensarbeit, 2007
112 Seiten, Note: 2,5

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Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

0. Einleitung

1. Was ist ein Talent?
1.1 Der Talentbegriff
1.1.1 Statischer Talentbegriff
1.1.2 Dynamischer Talentbegriff
1.1.3 Enger und weiter Talentbegriff
1.1.4 Die vollständige Talentdefinition

2. Talentbestimmung
2.1 Forschungsansätze
2.2 Kriterien der Talentbestimmung
2.3 Strategien der Talenterkennung
2.3.1 Leistungsauffälligkeit
2.3.2 Talenterkennung als Prozess
2.3.3 Retrospektive
2.4 Talentförderung
2.4.1 Methoden der Talentförderung

3. Das DFB-Talentförderprogramm
3.1 Die Ziele des Talentförderprogramms
3.2 Analyse der DFB-Schriften bezüglich Mädchenfußball
3.3 Die Suche nach Fußballtalenten
3.4 Aufbau des Talentfördersystems im DFB
3.5 Nachwuchsförderung und -sichtung der Mädchen im DFB
3.6 Die Optimierungsansätze des DFB
3.7 Vergleich der theoretischen Konzeption der Talentförderung mit der praktischen Durchführung des DFB
3.8 Kritische Betrachtung des Talentförderprogramms

4. Frauenfußball und seine Hintergründe
4.1 Geschichte des Frauenfußballs
4.2 Mädchenfußball: Zahlen - Daten - Fakten
4.3 Subjektive Beweggründe der Mädchen für das Fußballspiel
4.4 Vereine als Basis der Förderung
4.5 Mädchenfußball aus bewegungspädagogischer Sicht

5. Mädchenfußball in der Schule
5.1 “Deutschlands coolste Schulkickerinnen“
5.2 Potsdamer-Jahn-Schule
5.3 Die “Schulfußball-Offensive“ des DFB

6. Studien und Projekte des DFB
6.1 “Mädchen- und Frauenfußball“
6.2 Bonussystem für Juniorinnen
6.3 “Mädchenfußball-Programm“
6.4 Internet-Portal “ich-spiele-fussball“
6.5 “Tag des Mädchenfußballs“

7. Spielerinnen im DFB-Stützpunktprogramm
7.1 “Mädchenfußball unter der Lupe“
7.1.1 Sichtung der Mädchen
7.1.2 Ziele der Fußballerinnen
7.1.3 Einfluss äußerer Faktoren
7.1.4 Zusammenfassung

8. Mädchen mit Migrationshintergrund

9. Trainerinnen im Fußball

10. Fazit

11. Literaturverzeichnis

12. Eidesstaatliche Erklärung

13. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Definitorische Schwerpunkte der vier unterschiedlichen Talentbegriffe. (nach:Hohmann/Wick/Carl, 2002)

Abbildung 2: Der statische Talentbegriff

Abbildung 3: Der dynamische Talentbegriff

Abbildung 4: Methoden der Talentförderung

Abbildung 5: Symbol DFB-Talentförderung. (siehe: http://www.dfb.de/index.php?id=11154)

Abbildung 6: Die Merkmale eines Fußballtalents. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Das DFB-Talentförderprogramm, S.20)

Abbildung 7: Die verschiedenen Talentförder-Bereiche. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Das DFB-Talentförderprogramm, S. 10)

Abbildung 8: Die Bausteine der Talentförderung

Abbildung 9: Optimale Talentförderung. (siehe: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.) (2006). Eliteschulen des Fussballs – Verbundsystem von Leistungsfussball und Schule, S. 4)

Abbildung 10: Exemplarisches Stundenplanbeispiel für die 7. und 10. Klasse (U14-U17). (siehe: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.) (2006). Eliteschulen des Fussballs – Verbundsystem von Leistungsfussball und Schule, S. 4)

Abbildung 11: Förderstrukturen für talentierte Spielerinnen im DFB. (nach: Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006)

Abbildung 12: Die verschiedenen Optimierungsansätze. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Das DFB-Talentförderprogramm, S. 11)

Abbildung 13: Organisation des Stützpunkttrainings. Das DFB-Stützpunkttraining. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Talentförderung, S. 7)

Abbildung 14: Mitgliederboom im DFB setzt sich fort. (siehe: http://www.dfb.de/index.php?id=11015)

Abbildung 15: Ziele bzgl. des Fußballspielens (in %)

Abbildung 16: Unterstützung der Eltern (in %)

Abbildung 17: Kooperative Maßnahme zur Verbesserung der Situation talentierter Spielerinnen im DFB Stützpunktprogramm (nach: Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006)

0. Einleitung

Die Motivation für die Wahl dieses Themas resultiert aus zwei Gründen: Zum einen spiele ich selber seit nun mehr als zehn Jahren Fußball, was mich dazu bewogen hat, mich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Zum anderen habe ich – schon lange vor der Entstehung dieser Arbeit – großes Interesse für die Problematik der Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Mädchen- und Frauenfußball gehegt, denn die Schwierigkeiten, mit denen man sich als Fußball spielendes Mädchen konfrontiert sieht, habe ich leider nur all zu oft selbst erfahren müssen. Vorurteile wie beispielsweise “Mädchen können kein Fußball spielen“ oder auch kritische Blicke, wenn man den Fußballplatz betritt, haben mich von klein auf begleitet.

Hinzu kam, dass man sich diesen Problemen häufig allein stellen musste, da Freundinnen es vorzogen in einen Turnverein oder zum Leichtathletik zu gehen, als gegen einen Ball zu treten. Auch wenn die Jungen mich letztendlich doch akzeptiert und in ihre Gemeinschaft aufgenommen hatten, erlebte ich persönlich weitere Barrieren. Während ich zusah, wie viele meiner Freunde zu Sichtungslehrgängen und Auswahlmannschaften berufen wurden, hatte ich nie das Gefühl, dass es jemanden gab, der Interesse daran äußerte, mich - als Mädchen - weiterzuempfehlen. Die Ausnahmen ergaben sich schließlich durch den Einsatz meines Trainers und meiner Eltern, die darauf bedacht waren, mich zu fördern. Meiner Ansicht nach ist der Mädchenfußball vor dem Hintergrund der Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung demnach eine Materie, die dringend thematisiert werden muss, um daran anknüpfend Verbesserungen im System des Deutschen Fußball-Bundes verwirklichen zu können.

Fußball ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur “die schönste Nebensache der Welt“, sondern seit eh und je “die Sportart Nr. 1“. Obwohl die Popularität der Damen-Nati­onalmann­schaft seit dem Weltmeistertitel 2003 stark gestiegen ist, fristet sie leider immer noch ein eher “stiefmütterliches“ Dasein im Schatten des Herren-Teams. Dabei nimmt die Mannschaft um Bundestrainerin Silvia Neid derzeit eine absolute Vormachtstellung in der Welt ein. Neben dem WM-Sieg 2003 und dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen wurden die Fußballerinnen im Frühjahr 2005 mittlerweile das sechste Mal zum Europameister. Zudem stehen sie nach diesem EM-Sieg aktuell knapp hinter den Frauen der USA auf dem 2. Platz der FIFA-Weltrangliste, noch vor der Nationalmannschaft Norwegens, welche über Jahre hinweg zur absoluten Weltspitze zählte.

"Die Zukunft des Fußballs ist weiblich" (www.fifa.com). Ob diese prägnante Aussage des FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter aus dem Jahr 1995 eine Entwicklung in Gang setzte, die dem Frauenfußball weltweit einen Sprung nach vorne bescherte, sowohl auf sportlicher Ebene als auch die wachsende Anerkennung betreffend, bleibt zu hinterfragen. Die Fußballbegeisterung der Jugend in Deutschland ist seit Jahren ununterbrochen. So engagieren sich von 3,2 Millionen Schülern im Alter von sechs bis achtzehn Jahren etwa eine Million (also mehr als 30%) im DFB (Deutscher Fußball-Bund). Wie sieht hingegen die Repräsentanz der 3,4 Millionen Schülerinnen aus? Sind vergleichbare Zahlen festzustellen oder treten Diskrepanzen auf? Zu untersuchen bleibt in diesem Zusammenhang auch, in wie weit Frauen in den Bereichen der Funktionärs- und Trainertätigkeit vertreten sind.

Bis heute wird das “Spiel rund ums Leder“ nach wie vor als eine typische Männersportart eingeordnet. Über­raschend ist diese Tatsache nicht, betrachtet man die Anfänge des Fußballspielens, denn diejenigen, die die Sportart als erste für sich entdeckten, waren Jungen und Männer. Dessen ungeachtet versuchten jedoch auch Mädchen und Frauen immer wieder Fußballvereine zu gründen, um dieser Sportart nachgehen zu können. Dass Fußball aber kein Spiel für die weibliche Bevölkerung ist, war (und ist) in unserer Gesellschaft (leider immer noch) eine weit verbreitete Auffassung. Nach wie vor gilt die Aussage aus dem Jahr 1953: „Das Treten ist männlich, [...] das Nichttreten ist weiblich.“ (Buytendijk, 1953, S. 25 f., zitiert in Hoffmann/Nendza, 2005, S. 30). Trotz gleicher Spielidee wurde das Fußballspielen des weiblichen Geschlechts in seinen Anfängen nicht ernst genommen und bis heute wird der Frauenfußball immer wieder belächelt. Obwohl immer mehr Frauen und Mädchen den Weg zum Fußball finden, gehört Deutschlands beliebteste Sportart nicht zum Alltag der Mädchen und wird eher als eine Ausnahmeerscheinung wahrgenommen. Ob sich diese Annahme auch in der Auswahl, der Sichtung und der Förderung talentierter Nachwuchsfußballerinnen widerspiegelt, ist eine zu klärende Fragestellung.

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine aktuelle Situationsbeschreibung der Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Fußball, speziell im Mädchen- beziehungsweise Frauenfußball, zu liefern. Als Einstieg dient die Bestimmung des Talentbegriffs in den theoretischen Grundlagen, wobei daran anknüpfend die Kernbegriffe Talentbestimmung und Talentförderung voneinander abgegrenzt werden. Das aktuelle DFB-Talentförderprogramm wird im Anschluss daran vorgestellt, bevor dieses hinsichtlich der theoretischen Grundlagen einem Vergleich unterzogen wird. Im Vordergrund steht hierbei die Fragestellung, ob das Konzept des DFB den Ansprüchen der eingangs erläuterten Kernbegriffe und Theorien genügt. Nach dieser Einführung bilden die Hintergründe des Frauenfußballs einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit. Wichtig ist hierbei unter anderem, welche Stadien der Frauenfußball durchlebt hat? Auch die Frage was Mädchen überhaupt dazu veranlasst, mit dem Fußballspielen zu beginnen? Im weiteren Schritt wird der Mädchenfußball in der Schule betrachtet. Ob dem Mädchenfußball hier die nötige Beachtung zukommt und in welcher Art und Weise den Mädchen Möglichkeiten gegeben werden, sich durch die Institution der Schule weiterzuentwickeln, sind hierbei zu klärende Details. Des Weiteren beinhaltet die Arbeit ausgewählte Studien und Projekte des DFB bezüglich des weiblichen Fußballs. Diesbezüglich bildet die Studie “Mädchenfußball unter der Lupe“, die sich mit dem Aspekt der Fußballspielerinnen am DFB-Stützpunkt auseinandersetzt, einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit.

Der Beantwortung der Frage dieser Arbeit nach den Schwierigkeiten des weiblichen Fußballengagements speziell vor dem Hintergrund der Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung kann unter anderem näher gekommen werden, wenn die Betroffenen selbst zu Wort kommen. Ich entschied mich für eine schriftliche Befragung mittels Fragebögen, an der 68 aktive, wie auch nichtaktive Spielerinnen unterschiedlichster Spielklassen teilnahmen. Zudem führte ich vier Interviews mit aktuell geförderten Spielerinnen, um einerseits die Sichtweisen und Ergebnisse der Studie “Mädchenfußball unter der Lupe“ bestätigen bzw. widerlegen zu können. Andererseits erfüllt die eigenständig durchgeführte Untersuchung die Aufgabe. im Vergleich der Studie und der aktuellen Situation (auch) außerhalb der Stützpunkte, Unterschiede oder Parallelen festzustellen.

Erwähnenswert scheint in Hinsicht auf das Thema auch der Aspekt „Migrantinnen und Fußball“. Wenn wir uns dem Thema Fußball und Mädchen bzw. Frauen unter der Frage von Migration bzw. Integration annähern, stellt sich die Frage, ob sich Mädchen mit Migrationshintergrund neben den “allgemeinen“ Schwierigkeiten und Vorurteilen zusätzlich noch weiteren Barrieren ausgesetzt sehen? Ebenso wichtig ist es, den Bereich der Trainerinnen im Fußball zu beachten. Sind Frauen an der Seitenlinie präsent oder stehen sie auch hier in zweiter Reihe hinter ihren männlichen Kollegen? Abschließend wird eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick hinsichtlich des Themas “Mädchen haben es schwer“ vorgenommen.

In dieser Arbeit wird aus praktischen Gründen die männliche Form der verschiedenen Personen genannt, wobei natürlich in allen Ausführungen die weiblichen Personen mit einzubeziehen sind.

1. Was ist ein Talent?

„Mit dem Begriff Talent verbinden sich allerlei Phantasien, Hoffnungen und Illusionen“ (Riepe, 1998, S. 33). Was ist aber, insbesondere vor dem Hintergrund der Auswahl, Sichtung und Förderung im Fußball, damit gemeint? Dem Ursprung nach stammt das Wort Talent aus dem Griechischen und bedeutet eine antike Gewichtseinheit[1]. Wortwörtlich gesehen kann man sein Talent also in die Waagschale werfen. Talent ist anscheinend so bedeutsam, dass die Frage nach der Herkunft gestellt werden muss. Ist Talent von Geburt an da, entwickelt es sich mit der Zeit oder eignet man es sich an?

1.1 Der Talentbegriff

Der Begriff "Talent" – von einigen Autoren auch “Begabung“ genannt (Adolph, 1979) – ist als umgangssprachliche Bezeichnung in verschiedenen Handlungsfeldern geläufig. So wird neben einem sportlichen Talent auch von mathematischen, künstlerischen und handwerklichen Talenten gesprochen. Damit sind Personen mit herausragenden spezifischen Veranlagungen oder Fertigkeiten gemeint. Man geht bei ihnen von der Annahme aus, dass sie bei entsprechender Förderung überdurchschnittliche bis herausragende Leistungen vollbringen können (Carl, 1988, S. 11).

In der deutschen Sprache ist zwischen zwei Sichtweisen zu unterscheiden:

1. Jemand hat Talent und
2. Jemand ist ein Talent.

Drückt das Wort Talent im ersten Fall ein Persönlichkeitsmerkmal aus, wird im zweiten Fall die Gesamtheit einer Person, des Talentierten, beschrieben. Diese Doppeldeutigkeit kommt auch im Sport zum Tragen. Unter dem Begriff Talentsuche wird zwar überwiegend die Suche nach Talentierten, aber auch die Suche nach Talentfaktoren verstanden. Während Ulmer (1988, S. 105) von „trainierbaren Persönlichkeitsmerkmalen“ und von nicht trainierbaren Talentfaktoren spricht, unterscheiden andere Wissenschaftler zwischen dynamischem und statischem Talent (Joch, 1997).

Nach Hahn (1982, S. 85) könnte man Talent als eine Gruppe verschiedener Fertigkeiten und Fähigkeiten aus vielfältigen Bereichen umschreiben, welche der Athlet in geringerer oder höherer Ausprägung besitzt.

Singer (1981, S. 14) definiert hingegen wie folgt: „Wenn man jemanden als “Talent“ bezeich­net, so meint man damit im allgemeinen, dass diese Person auf einem bestimmten Gebiet bzw. in einer bestimmten Tätigkeit hohe Leistungen erreichen kann, aber noch nicht (unbedingt) erreicht hat, d. h., dass diese Person eine besondere Begabung für das Erreichen hoher Leistungen auf einem bestimmten Gebiet hat. Der Begriff “Talent“ zielt demgemäß keineswegs ausschließlich, ja nicht einmal vordergründig, auf jene Personen ab, die bereits die höchsten Leistungen in einem bestimmten Gebiet realisieren, sondern auf diejenigen, die eine „Perspektive“ haben, beinhaltet also immer auch einen prognostischen Aspekt.“

Joch (1997) stellt in den Vordergrund, dass Talent nicht nur ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern dass das Talent auch durch einen perspektivischen Charakter geprägt ist und dieser durch äußere Einflüsse positiv verändert werden kann.

In der vorherrschenden Talentdiskussion existiert eine Vielzahl von Definitionen und Definitionsversuchen. Bei der Bearbeitung des Talentbegriffs stößt man somit auf Schwierigkeiten, da „es bisher keinen operationalisierten Talentbegriff gibt und somit adäquate Messvorschriften, Beobachtungskategorien, leistungsdiagnostische Verfahren oder Normen der Talentbestimmung fehlen“(Martin/Nicolaus/Ostrowski/Rost, 1999, S.157). Joch (1997, S.89) bemerkt jedoch, dass sich die Autoren darauf beschränken, lediglich Vorraussetzungen und Merkmalsbereiche zu erläutern, die Einfluss auf das sportliche Talent haben könnten. Stellvertretend für diese Aussage zitiert er den Katalog von Hahn (1982), in dem eben diese Vorraussetzungen und Merkmale des Begriffs „Talent“ aufgeführt sind:

- Lernfähigkeit: Auffassungsgabe, Beobachtungs- und Analysevermögen, Lerntempo;
- Affektive Steuerung: Konzentration, motorische Intelligenz, Kreativität, taktisches Vermögen;
- Physische Merkmale: aerobe und anaerobe Ausdauer, Reaktions- und Aktionsschnelligkeit, Schnelligkeitsausdauer, statische und dynamische Kraft, Kraftausdauer, Gelenkigkeit und Feinstkoordination von Bewegungen;
- Leistungsbereitschaft: Trainingsfleiß, körperliche Anstrengungsbereitschaft, Beharrlichkeit, Frustrationstoleranz;
- Soziale Bedingungen: Rollenübernahme, Mannschaftseinordnung u. a.

Entgegen Hahn (1982) und Singer (1981) trennt Joch (1997) den Talentbegriff in zwei sich ergänzende Teilbereiche, für die er die Terminologie „statisches Talent“ und „dynamisches Talent“ wählt. Darüber hinaus ist der Talentbegriff von einem engen zu einem weiten Talentbegriff präzisiert worden.

Im Folgenden werden nun die definitorischen Schwerpunkte der vier Talentbegriffe[2] eingehend erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Definitorische Schwerpunkte der vier unterschiedlichen Talentbegriffe. (nach: Hohmann/Wick/Carl, 2002)

1.1.1 Statischer Talentbegriff

Der statische Talentbegriff beruht hauptsächlich auf der Grundauffassung, dass bei einem sportlichen Talent die Erbanlage und die endogenen[3] Reifungsprozesse in hohem Maße für die spätere Leistungsfähigkeit verantwortlich sind.

Nach Joch (1997, S. 90-93) beinhaltet der statische Talentbegriff dabei zur Charakterisierung eines Talents die Begriffe Disposition, Bereitschaft, soziale Umwelt und Leistungsresultate, die im folgenden Abschnitt kurz erörtert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der statische Talentbegriff

Unter Disposition versteht man die individuellen Vorraussetzungen für hohe Leistungen. Talent kann demnach wie folgt definiert werden:

Wird jemand als Talent bezeichnet, so wird damit im Allgemeinen zum Ausdruck gebracht, dass diese Person in einer bestimmten Tätigkeit bzw. auf einem bestimmten Gebiet die Möglichkeit hat, hohe Leistungen zu erreichen, aber diese noch nicht (unbedingt) erreicht hat. Diese Person hat also eine besondere Begabung für das Erreichen hoher Leistungen auf einem bestimmten Gebiet. Somit zielt der Begriff Talent nicht ausschließlich – und auch nicht vordergründig – auf solche Personen, die bereits höchste Leistungen in einem Gebiet erlangen, sondern auf jene, die eine Perspektive haben, diese in absehbarer Zeit zu realisieren (Singer, 1981, zitiert in Joch, S. 90).

Eine wichtige Rolle spielt die Bereitschaft, welche Antrieb und Willenskraft beinhaltet, sowie das soziale Umfeld mit seinen Entfaltungsmöglichkeiten und sportlichen Resultaten, die das tatsächliche Leistungsergebnis aufzeigen. Zur Definition des Talentbegriffs gehört demnach neben der Disposition, hohe Leistungen erlangen zu können, auch die Bereitschaft, derartige Leistungen vollbringen zu wollen und die dafür notwendigen Investitionen zu tätigen.

So ist auch die Erziehung des sportlichen Talents daran gebunden, in welcher sozialen Umwelt sich das talentierte Individuum entwickelt, welche Ressourcen diese Umwelt bereitstellt und wie groß die Akzeptanz ist, das Talent als solches anzuerkennen. Vor allem die Familie sollte Interesse am Sport zeigen und die schulischen Leistungen des Talents sollten so gut sein, dass der zeitliche Aufwand für das Training nicht mit den Anforderungen der Schule kollidiert. Zweifelsohne besteht ein Zusammenhang zwischen Talententfaltung und den gesellschaftlichen Rahmenvoraussetzungen. Damit hat – provokant gesagt – jede Gesellschaft die Talente, die ihr zustehen, für die sich einsetzt und die sie sich leisten kann.

Ein sportliches Talent wird u. a. durch die mindestens über dem Durchschnitt liegenden Leistungen gekennzeichnet. Dieser objektive Nachweis der Leistungsfähigkeit vervollständigt die Talentdefinition. Disposition, Bereitschaft und Möglichkeiten der sozialen Umwelt (Eltern, Schule, Sportvereine, räumliche und klimatische Umwelt) sind Bedingungen dafür, dass der objektive sportliche Leistungsnachweis möglich wird. Talent ohne Leistungsbereitschaft existiert, doch nutzt diese Person sein Talent nicht, um sportliche Leistungen zu erzielen.

Zusammenfassend charakterisiert Joch (1997, S. 93) den Bereich der Talentdefinition, der sich auf die statische Komponente bezieht, folgendermaßen: Eine Person, die über Dispositionen zum Erreichen von hohen sportlichen Leistungen verfügt, die Bereitschaft investiert, um diese Leistungen auch zu vollbringen, die in der sozialen Umwelt dafür Möglichkeiten vorfindet und schließlich den Eignungsnachweis durch erzielte Leistungsresultate belegt, kann als sportliches Talent bezeichnet werden. Nach Adolph (1979, S. 5) hingegen stützt sich der statische Begabungsbegriff vorwiegend auf die Grundauffassung, dass bei einer sportlichen Begabung die endogenen Reifungsprozesse und die Erbanlagen in hohem Maße für die spätere Leistungsfähigkeit ausschlaggebend sind.

1.1.2 Dynamischer Talentbegriff

Der dynamische Talentbegriff beruht darauf, dass die motorische Entwicklung das Produkt einer engen Wechselwirkung von Anlage und Umwelt ist (Adolph, 1979, S. 5). Joch (1997, S. 94) fasst den dynamischen Talentbegriff wie folgt zusammen: „Talententwicklung ist ein aktiver, pädagogisch begleiteter Veränderungsprozess, der intentional[4] durch Training gesteuert wird und das Fundament für ein später zu erreichendes hohes (sportliches) Leistungsniveau bildet.“

Die – nach Joch (1997, S. 94-96) – drei wichtigsten Kriterien zur Bestimmung des dynamischen Talentbegriffs werden nun im Einzelnen erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Der dynamische Talentbegriff

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der motorischen Entwicklung[5] und der Talentthematik. Aktiver Veränderungsprozess bezieht sich dabei nicht nur auf die unterschiedlichen Tempi der Entwicklungsphasen, sondern bezieht neben der Retardation – der Entwicklungsverzögerung –, auch die Stagnation – den Stillstand der Entwicklung – mit ein. Dabei umfasst der Veränderungsvorgang alle Bereiche der Persönlichkeit in gleichem Umfang, jedoch in unterschiedlicher Intensität. Im Rahmen der (Sport-)Talentthematik bezieht er sich vorrangig auf die sportliche Leistungsentwicklung und auf die Motorik.

Ausgeschlossen wird mit diesem Definitionsansatz das „bloße Wachsenlassen“[6], denn mit der geforderten Aktivität ist gemeint, die voluntative Seite des talentierten Individuums durch einen Antrieb zu repräsentieren, welcher weitergehend mit den Begriffen Neigung, Interesse, Leistungsmotivation und Engagement erläutert werden kann. Auch wird in Bezug auf den Aktivitätsaspekt die Bedeutung des Trainings nicht außer Acht gelassen.

Talententwicklung ist ausgerichtet auf Ganzheitlichkeit, Allmählichkeit, Langfristigkeit, Spezialisierung, angemessene Häufigkeit und Systematik und folgt somit den Prinzipien der Trainingslehre. Dadurch ist die Talententwicklung ein auf die sportliche Leistungssteigerung zielorientiert ausgerichteter Vorgang und nicht nur eine Darlegung bereits vorhandener Anlagen. Im Hinblick auf die angestrebten Leistungsziele steuert das Talenttraining die sportliche Form, ist aber zunächst nicht auf den unmittelbaren Erfolg und ein kurzfristig hohes Leistungsniveau aus, sondern verfolgt eine propädeutische, also vorbereitende Akzentuierung. Dabei gliedert sich das Talenttraining in drei sich beeinflussende Teilbereiche; zum einen das motorische Basistraining, welches die Schulung der koordinativen Fähigkeiten in den Vordergrund stellt. Daran schließt sich das Grundlagentraining an, in dem technikspezifische Anforderungen und sportartspezifische Bewegungsabläufe im Mittelpunkt stehen. Das Aufbautraining setzt schließlich den Grad der Spezialisierung fort, während gleichzeitig die Trainingsumfänge sowie auch die Belastungsintensitäten gesteigert werden[7]. An der Steuerungsfunktion der sportlichen Form ist auch die Beteiligung an Wettkämpfen Einfluss nehmend, so dass der Wettkampf einen Bestandteil des Talentfördertrainings darstellt.

Wird der Leistungssport mit pädagogischen Ambitionen in Verbindung gebracht, trifft man in der Literatur auf Skepsis. Joch (1997, S. 96) führt einige Beispiele an: Ist Leistungstraining aus pädagogischer Sicht das „falsche Sporttreiben“ (Funke, 1983)? Ist Training „Ausbeutung“ oder „Selbstverwirklichung“ (Crum, 1982)? Existieren überhaupt „trainingspädagogisch begründete Konzepte“ (Digel, 1990)?

Nach Joch scheint die pädagogische Begleitung im Bereich der Talententwicklung angemessen, da die Talentförderung im Allgemeinen mit Kindern durchgeführt wird und diese auf Pädagogik angewiesen sind. Jedoch muss ein Verständnis für Pädagogik vorliegen, so dass im Sport Wettkampf und Leistung als positiv gelten und Zielstrebigkeit, Anstrengungsbereitschaft und Dauerhaftigkeit als erstrebenswert angesehen werden.

1.1.3 Enger und weiter Talentbegriff

Der enge und weite Talentbegriff tauchen in der Literatur (u. a. Hohmann/Wick/Carl, 2002) fast ausnahmslos ohne weitere Erklärungen, was man darunter zu verstehen hat, immer wieder auf. Gabler und Ruoff (1979) setzten sich hingegen mit der Thematik auseinander: Im engen wissenschaftlichen Sinne ist Talent gleichbedeutend mit den umfangreichen Bedingungen, die zu verschiedensten Zeitpunkten der Leistungsentwicklung maßgeblich daran beteiligt sind, dass eine Person das Kriterium der sportlichen Höchstleistung, welches im Einzelnen noch abzustimmen ist, erfüllt. Diese Bezeichnung würde dem sprachlichen Alltagsgebrauch nicht entsprechen. Aus diesem Grund wird auf Folgendes verwiesen: In einem bestimmten Entwicklungsabschnitt kann eine Person als sportliches Talent im weiten Sinne definiert werden, wenn sie spezielle psychische und physische Vorraussetzungen vorweisen kann, die erfolgversprechende Aussichten auf spätere Höchstleistungen bieten.

1.1.4 Die vollständige Talentdefinition

Joch (1997, S. 97) definiert Talent wie folgt: „Talent besitzt, oder: ein Talent ist, wer auf der Grundlage von Dispositionen, Leistungsbereitschaft und den Möglichkeiten der realen Lebensumwelt über dem Altersdurchschnitt liegende (möglichst im Wettkampf nachgewiesene) entwicklungsfähige Leistungsresultate erzielt, die das Ergebnis eines aktiven, pädagogisch begleiteten und intentional durch Training gesteuerten Veränderungsprozesses darstellen, der auf ein später zu erreichendes hohes (sportliches) Leistungsniveau zielstrebig ausgerichtet ist.“

Eine andere Variante, den Talentbegriff in seiner Ganzheit zu umschreiben, bietet uns Arnold (1971, S. 241): „Begabung ist die Gesamtheit der angeborenen Fähigkeiten zu qualifizierten Leistungsvollzügen in den verschiedenen Kulturgebieten.“

Unter Berücksichtigung dessen, dass man unter dem Begriff der Begabung die Gesamtheit derjenigen physiologisch-anatomischen Fähigkeiten, Merkmale und weiteren Persönlichkeitseigenschaften einer Person zu verstehen hat, die die Voraussetzungen zu qualifizierten Leistungsvollzügen bilden, erweitert Singer (1981, S. 16) seine Definition des sportlichen Talents. Demnach versteht er unter einem sportlichen Talent „eine Person, deren Struktur von anatomisch-physiologischen Merkmalen, Fähigkeiten und (weiteren) Persönlichkeitseigenschaften mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarten lässt, dass diese Person unter bestimmten Trainings- und weiteren Umweltbedingungen das Leistungsniveau der nationalen oder internationalen Spitzenklasse in einer bestimmten Sportart erreichen wird.“

2. Talentbestimmung

Nach Martin, Karoß und König (1996) liegt das größte Problem, Talente zu bestimmen, in der Komplexität des sportlichen Talents selbst begründet. Ihrer Meinung nach reichen Normen, prognostische Verfahren und Leistungskriterien allein nicht aus, um ein Talent zu erkennen. Eine objektivierte Talentauswahl setzt zwar diese Verfahren voraus, benötigt aber ebenfalls eine den langfristigen Leistungsaufbau kontinuierlich begleitende Beobachtung der Wettkampf- und Leistungsergebnisse sowie eine oder mehrere subjektive Experteneinschätzungen. Unterstützt werden Martin, Karoß und König unter anderem von Singer (1981, S. 17), der der Auffassung ist, dass die Ermittlung „geeigneter Leistungskriterien“ bei den Sportspielen nicht leicht ist und man unter Umständen „eine Kombination von Leistungskriterien (braucht), um den zahlreichen Aspekten der Leistungsfähigkeit gerecht zu werden.“

2.1 Forschungsansätze

Um die Frage „Talent – ja oder nein?“ zu beantworten, ergibt sich bei der Festlegung diagnostischer Kriterien, um eine überdurchschnittliche sportliche Begabung zu ermitteln, eine Vielfalt von Schwierigkeiten. Zaciorskij, Bulgakowa, Ragimow und Segijonko diskutierten diese Fragestellung ausführlich unter den Aspekten Talentdiagnostik, Erblichkeit und Talentprognose. Die in den 70ern weitreichenden Forschungsbemühungen führten in den westdeutschen Nachwuchsförderungssystemen zu widersprüchlichen Auffassungen. Die Bearbeitung der Talentproblematik in der ehemaligen DDR hingegen, die gleichzeitig und nicht minder intensiv geführt wurde, brachte deutliche Fortschritte und ergab letztendlich vier Kriterien[8] zur Bestimmung eines sportlichen Talents:

1. (aktuelles) Leistungsniveau
2. Tempo der Leistungserhöhung
3. Leistungsstabilität
4. Belastungsverträglichkeit[9]

Zwei unterschiedlich akzentuierte Forschungsrichtungen kristallisierten sich mit Beginn der 70er heraus. Der eine Forschungsstrang beschäftigt sich vorrangig aus sportmedizinischer Sicht mit der Heredität[10] von genetisch bedingten biologischen Merkmalen, die Ursache für Leistungsunterschiede sein können. Die zweite Position stellt demgegenüber aus Sicht der Trainingswissenschaft die beobachtbare Leistung an sich in den Fokus und macht diese unter verschiedenen Gesichtspunkten für die Talentprognose und -diagnose fruchtbar (Hohmann/Carl, 2002, S.6).

In den westlichen Ländern entwickelte sich im Anschluss zudem auf der einen Seite eine an der Sozialwissenschaft orientierte Forschung zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um eine effektive Förderung von Talenten in offenem Nachwuchsfördersystem gewährleisten zu können. Auf der anderen Seite beschäftigte sich die sportmedizinische, sportpsychologische und biomechanische Forschung intensiv mit der Belastbarkeit der Jugend, um u. a. auch präventiv zum Schutz der jugendlichen Hochleistungssportler vor Übertraining beizutragen.[11] Sowohl auf Seiten der Trainingspraxis, als auch auf Seiten der vielfältigen Wissenschaftsdisziplinen besteht trotz der unterschiedlichen Forschungszugänge Einigkeit darüber, dass der aktuelle Status eines Talents sowie das Entwicklungspotenzial des Heranwachsenden von zufälligen oder gezielten Umwelteinflüssen und von den jeweiligen Anlagen abhängig sind. Jedoch ist es bei dem momentanen Erkenntnisstand nicht möglich, den Anteil von Umwelteinflüssen und genetischen Anlagen an einem bestimmten Entwicklungsstand und an der weiteren Herausbildung der potenziellen maximalen Leistungsfähigkeit in der für das praktische Handeln notwendigen Genauigkeit zu quantifizieren.

2.2 Kriterien der Talentbestimmung

Sportliche Talente lassen sich nur diagnostizieren, d.h. feststellen und einordnen, wenn vorgegebene Erkenntniskriterien existieren. An dieser Stelle setzt das Problem der fehlenden empirisch abgesicherten Aussagen und Kriterien bezüglich des sportlichen Talents ein. Ohne einen operationalisierten Talentbegriff lässt sich kaum diagnostizieren bzw. unterscheiden, was und wer ein sportliches Talent ist und was oder wer nicht. Aufgrund der fehlenden objektiven und damit überprüfbaren Kriterien sowie der vielen ungelösten Probleme hinsichtlich des komplexen Vorgangs der Diagnose sportlicher Talente scheint ein geeignetes Verfahren zur Eignungsdiagnostik nur schwer ermittelbar zu sein. Joch (1997, S. 59) macht deutlich, dass in Ermangelung eindeutiger Kriterien lediglich zufällig und unsystematisch gewählte Merkmale genannt werden, anhand derer ein Talent zu erkennen sei. Zu diesen Auffälligkeiten gehören unter anderem neben körperbaulichen Vorraussetzungen, der Belastungsverträglichkeit, dem Trainingsfleiß und einer leistungsfreundlichen Umwelt auch das genetische Potenzial.

Zu den organisatorischen Maßnahmen der Talentsuche mit Hilfe dieser Kriterien zählen nach Carl (1988) sowie dem Nachwuchsleistungssport-Konzept des DSB (1997) u. a.: die Sichtung in Vorschuleinrichtungen, im Sportunterricht, im Vereinsbetrieb und außerschulischem Sport, sportmotorische Tests als Eingangsdiagnostik sowie die subjektive Einschätzung und Beobachtung von Schulklassen und Vereinsgruppen auf der Grundlage der oben genannten Kriterien. Nach Martin, Nicolaus, Ostrowski und Rost (1999, S. 167) ist weiterhin hervorzuheben, dass die Talentsuche kein einmaliges Ereignis sein darf, sondern im Rahmen eines systematischen leistungsorientierten Trainings in allen Etappen des langfristigen Leistungsaufbaus wiederholt werden muss.

Um aufzuzeigen, wie komplex der Bereich der Talentkriterien ist, werden im Folgenden die Ansätze einiger Autoren betreffend relevanter Talentkriterien vorgestellt.

Nach Letzelter (1981) kommen die Forderungen der Praxis nach „Talentchecklisten“ zu früh, da die Wissenschaft über kein Wissen verfügt, welches in der Praxis ein besseres Urteil erlaubt als jenes erfahrener Trainer. Zudem nimmt seiner Meinung nach die Schwierigkeit der Talentbestimmung mit höherem Anspruchsniveau zu. Die „intuitiven Selektionskriterien“ der Sportlehrer und Trainer kategorisiert Letzelter (1981, S. 39) nach dem Leistungsniveau in verschiedenen Altersstufen, der Wettkampf- und Trainingsstabilität, den Körperbaumerkmalen, dem jeweiligen Trainingsaufwand und den Leistungs- und Trainingsfortschritten. Zudem basiert seiner Auffassung nach das Trainerurteil auf dem psychologischen Bereich, wie z. B. der Einstellung des Beurteilten zum Training. Auch wenn diese Merkmale in der Trainingswissenschaft Eingang gefunden haben, bleibt dennoch unbekannt, welche ausreichend stabil sind, bei welchen Faktoren also Konstanz vorzuweisen ist.

Einen anderen Ansatz der Talentbestimmung bieten uns die Autoren Martin, Karoß und König (1996). Sie legen das Augenmerk darauf, dass man in jeder Phase des Talentfördersystems nicht die Besten, die sogenannten Talente, sondern vorrangig die Geeigneten findet. Die dabei auftauchende Problematik beginnt bereits bei einer geeigneten Definition des „Eignungsbegriffs“. In „Psychologie“ von Zimbardo (1995, S. 533) wird Eignung als das Leistungsvermö­gen verstanden, nachdem die Übung stattgefunden hat. Eine umfangreichere Auseinandersetzung mit dem Begriff „Eignung“ führen Schnabel und Thieß im „Lexikon der Sportwissenschaft“. Zusammenfassen lässt sich „sportliche Eignung“ demnach wie folgt: „Sportliche Eignung ist an die Erfüllung von Anforderungen gebunden, die sich an Leistungen orientieren. Bewertet wird sie durch den Vergleich individueller Leistungsvoraussetzungen mit objektiven Anforderungen an die Leistungsfähigkeit.“ (Schnabel/Thieß, 1993, S. 231). Im Gegensatz zu Letzelter führen die beiden lediglich drei Indikatoren an, nämlich die strukturelle sportliche Leistung, die Geschwindigkeit der Leistungsentwicklung und die Leistungsstabilität. Nach Singer (1981) beinhaltet eine Talentbestimmung immer auch eine Prognose. Demnach muss der Fokus auf die im späteren Training weniger leicht entwickelbaren leistungsrelevanten Merkmale gerichtet sein. Hingegen interessieren Merkmale, deren Ausprägung in starkem Maße trainingsunabhängig sind, nur insoweit, als sie zur Bestimmung der Auffassungsgabe bzw. Trainierbarkeit herangezogen werden können. Speziell bezogen auf die Sportart Fußball machen Ehrich, Stutz und Seeger (2004) im Gegensatz dazu deutlich, dass die Auswahl talentierter jugendlicher Fußballspieler schwerpunktmäßig über sportrelevante Auswahlkriterien sowie über die körperlichen Vorraussetzungen in der jeweiligen Altersklasse erfolgen. Ihrer Meinung nach gilt zudem den technischen Fertigkeiten im Rahmen komplexer Spielformen besondere Beachtung. Auf der einen Seite wird anhand eines Check–Ups der konditionellen Grundeigenschaften eine Gesamtbewertung vorgenommen, so dass Aussagen zur Perspektivplanung und zur individuellen Leistungsfähigkeit getroffen werden können. Auf der anderen Seite gilt den Muskelgruppen ein gesteigertes Interesse, um eventuelle Dysbalancen aufzuzeigen und diese im Rahmen von Zusatztrainingsmaßnahmen beseitigen zu lassen. Ehrich, Stutz und Seeger richten ihren Ansatz bezüglich der Kriterien zur Talentbestimmung somit eher biologisch und physiologisch aus.

Die vorgestellten Ideen und Theorien der Autoren zeigen deutlich, dass im Hinblick auf die Talentbestimmung Diskrepanzen auftreten, nach welchen Auffälligkeiten, Eigenschaften und Voraussetzungen ein sportliches Talent zu definieren ist.

2.3 Strategien der Talenterkennung

Eine Methode sportliche Talente zu erkennen, muss stets darum bemüht sein, nicht den „Besten“, sondern den „Geeignetsten“ zu finden (Martin/Karoß/König, 1996, S. 37). Den „Besten“ kann man in der Regel ohne Weiteres anhand der Wettkampfresultate bestimmen. Den „Geeigneten“ vom „Ungeeigneten“ zu trennen, ist meist einiges schwieriger. Jedes System ist somit darauf zu überprüfen, ob es diesem Grundsatz gerecht wird. Zudem müssen Zugangs- und Fördermöglichkeiten möglichst lange offen gehalten werden. Das schließt ein, dass anfangs „Ungeeignete“ mit einbezogen, „Geeignete“ aber nicht ausgeschlossen werden. Dieses Prinzip hat zur Folge, dass der Teilnehmerkreis zu Beginn groß sein muss und erst nach und nach ein­geschränkt werden darf, indem die offenkundig „Ungeeigneten“ ausgeschlossen werden. Bei einem großen Kader hat der in seiner Entwicklung zurückgebliebene, aber sehr talentierte Sportler auch die Möglichkeit gefördert zu werden, und er wird sich im Laufe der Zeit, wenn er seinen körperlichen Nachteil wettgemacht hat, auch durchsetzen. Kommt er aber schon zu Beginn (ungerechtfertigterweise) nicht in den Kader, so wird er deshalb auch nicht optimal gefördert und man versagt ihm die Chance auf eine optimale Entwicklung. Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist die Kostspieligkeit, da der große Kaderkreis auch die entsprechenden finanziellen Mittel verschlingt.

Die Strategien zur Talenterkennung sollten deshalb so angelegt sein, dass durch vielseitige Untersuchungen möglichst wenige „Ungeeignete“ in den Kader rutschen, so dass zugleich die „Drop-out-Rate[12] “ minimiert werden kann.

Unverkennbar spielt die Leistung bei der Talentauswahl im Jugendalter eine mitentscheidende Rolle, denn es gibt kein Talent ohne Leistung. Aber die Bestenliste darf nicht das einzige Selektionskriterium sein. Damit überhaupt garantiert werden kann, dass möglichst viele Talente erkannt werden, beschreibt Joch drei Strategien der Talenterkennung (1997, S. 62):

1. Leistungsauffälligkeit,
2. Talenterkennung als Prozess,
3. Retrospektive.

2.3.1 Leistungsauffälligkeit

Nach Joch (1997) gilt jemand, der bereits im Kindesalter durch Leistungen auffällt, mit denen er andere übertrifft, als Talent. Dies ist nicht nur im Sport der Fall, sondern auch in der Musik, bei Wissenschaftsdisziplinen oder auch in der Kunst. Sogenannte Wunderkinder gibt es in jedem dieser Bereiche, z. B. Mozart (Musik), Kasparow (Schach). Ihnen scheint „der Hauch des Außergewöhnlichen“ (Senf, 1993, S. 48) anzuhaften, doch nicht alle haben diese frühe Leistungsauffälligkeit durch überragende Lebensleistungen bestätigt. Bedenken gegenüber Leistungsauffälligkeiten, welche schon im Kindesalter erzielt werden, überwiegen im Sport. Auch wenn sich die breite Bevölkerung bereitwillig von Kinderleistungen faszinieren lässt, wird der Begriff der „frühen Spezialisierung“[13] eher negativ gesehen. Kritische Standpunkte überwiegen, da der Aspekt, zu früh mit herausragenden Leistungen aufzufallen, oft für hohe Talentverluste verantwortlich gemacht wird. Demnach genügt die Feststellung eines überdurchschnittlich hohen Leistungsniveaus nicht, um Talente eindeutig zu erkennen. Aus diesem Grund wird in der Talentdiskussion als eine Strategie der Talentbestimmung die sportliche Anfangsleistung begutachtet, wobei die mögliche Endleistung jedoch im Zentrum des Interesses steht. Die Zielsetzung der möglichen Endleistung basiert auf dem Aspekt der Förderung und darauf, in welchem Maße sich die Anfangsleistung verändert, steigert und im Wettkampf individuell verfügbar machen lässt. Auch Hohmann und Carl (2002, S.9) sind der Ansicht, dass die juvenile[14] Wettkampfleistung lediglich einen ersten Anhaltspunkt bietet, um auf einen Nachwuchsathleten aufmerksam zu machen, jedoch im Weiteren nicht für eine Vorhersage zukünftiger Finalleistungen genügt. Dessen ungeachtet gelten die Wettbewerbsleistungen für die Praxis dennoch als bedeutend, da sie objektiv, einfach festzustellen und transparent sind. Hinzu kommt, dass auf den höheren Stufen des Trainings sportliche Leistungen keine hinreichende, jedoch eine unumgängliche Bedingung darstellen, da die Aussagekraft (bis zu einer gewissen Grenze) zunimmt, je älter der Athlet wird. Kritik üben Carl und Hohmann (2002) an der mäßigen Aussage des aktuellen Leistungsniveaus, welche vorrangig daraus resultiert, dass die Gegebenheiten, wie z.B. das genetische Potenzial, das aktuelle Leistungsprofil, das zurückliegende Training oder auch der spezifische biologische Entwicklungsstand im Normalfall nicht bekannt sind.

2.3.2 Talenterkennung als Prozess

Die Talentdiagnostik beinhaltet die Schwierigkeit, dass der Prozess- und Entwicklungscharakter des sportlichen Talents berücksichtigt werden muss. Da die Kriterien der auffälligen Wettkampfleistungen und der eben erläuterten Leistungsauffälligkeit einer eher statischen Gesinnung zuzuordnen sind, bezieht sich die Talentbestimmung diesbezüglich auf ein Sichtungsereignis, welches eine Wettkampfbeobachtung oder auch ein Test sein kann. Hinsichtlich der Talentthematik bleibt der perspektivische Charakter durch die Fixierung auf ein Ereignis dabei jedoch unbeachtet (Joch, 1997, S. 65). Zu verstehen ist Talenterkennung als ein langfristiger Verlauf, der sich an der Entwicklungsfähigkeit eines umfangreichen Systems im Mitwirken von physischen, psychischen, emotionalen, motorischen und adaptiven Komponenten orientiert. Thieß (1989, S. 11) formuliert diesbezüglich wie folgt: „Sportliches Talent und sportliches Training sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Das sportliche Talent entfaltet sich nur im zielstrebigen und effektiven Training, also in der Tätigkeit. Und umgekehrt: Wer im Verlaufe des Trainings eine für ihn besonders anzustrebende Leistung [...] erzielen will, muss dafür die erforderlichen Fähigkeiten besitzen und diese ständig durch Tätigkeit entwickeln.“ Auch Wolkow macht deutlich, dass die Langfristigkeit der Talenterkennung notwendig ist: „Die Auslese von jungen Sportlern ist für mich ein ununterbrochener Prozess. Und diese Kontinuität besteht darin, dass die Kinder nicht nur während des ganzen Jahres erfasst, sondern auch im Verlaufe einer längeren Periode überprüft und ausgelesen werden.“ (Wolkow, 1982, zitiert in Joch, 1997, S. 65). Der von Joch geforderte Prozesscharakter ist somit aktiv durch das Training zu bewerkstelligen und Talentkriterien werden dann durch die individuelle Anpassungsfähigkeit und die Entwicklungsdynamik diagnostiziert. Damit ist die Talenterkennung nicht von der Talentförderung zu trennen. Ereignisabhängige, einmalige und punktuelle Talentbestimmungsmaßnahmen sind seiner Meinung nach ungenügend und unzweckmäßig für eine ausreichende Diagnosesicherheit. Diese wird erst durch die Integration der Talenterkennung in Maßnahmen der trainingsmäßig geregelten und langfristig geplanten Talentförderung wirksam.

2.3.3 Retrospektive

Unter einer Retrospektive wird im Allgemeinen eine Rückschau bzw. ein Rückblick verstanden (Duden-Fremdwörterbuch, 2002). Nach dem retrospektiven Ansatz ist ein Talent erst dann zu erkennen, wenn es sich bereits voll entwickelt und bewährt hat. Joch (1997) interpretiert diesen Ansatz so, dass die retrospektive Talentdiagnostik sich zwar einerseits auf das Kriterium des Leistungsniveaus im Jugendalter bezieht, andererseits aber auch die Entwicklung bis ins Erwachsenenalter mit einbezieht. Deshalb lässt sich formulieren, dass erst nach abgeschlossener Entwicklung feststeht, wer ein Talent ist und wer nicht. Leistungsfähigkeit im Jugendalter ist nach Joch weder ein notwendiges noch ein hinreichendes Merkmal, anhand dessen ein Talent ausgemacht wird, denn auch Quereinsteiger oder Spätentwickler können sich noch als internationale Leistungsträger herausstellen. Mag die Retrospektive auf der einen Seite konsequent und schlüssig sein, ist sie auf der anderen Seite ebenso unbefriedigend und damit für die Praxis eher nebensächlich.

2.4 Talentförderung

Ist es im Vorfeld gelungen ein Talent anhand unterschiedlicher Merkmale und Auffälligkeiten zu bestimmen, geht es im nächsten Schritt darum, dem Talent bei der Weiterentwicklung die nötige Unterstützung zu bieten, es also zu fördern. Gezielte Maßnahmen zur Entwicklung spezifischer Fertigkeiten und Fähigkeiten vor allem bei jungen und talentierten Sportlern werden als Talentförderung bezeichnet (Röthig, 1983, zitiert in Weineck, 2004, S.120).

2.4.1 Methoden der Talentförderung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Methoden der Talentförderung

Im Folgenden werden die Methoden der Talentförderung, die Joch (1997, 1998) in der Literatur aufführt, im Einzelnen vorgestellt.

Reduzierung der Freiheitsgrade bedeutet die für die Leistungsentwicklung relevanten Merkmale so genau wie möglich zu definieren, sie bezüglich ihres Einflusses zu gewichten und dann zielgerecht auszubauen. Nach Joch (1997, S. 70) bedeutet dies „die Freiheitsgrade menschlicher Verhaltensweisen zu reduzieren.“ Durch die Festlegung des Trainingsumfangs, den definierten Einsatz der Trainingsmittel, einen genormten Trainingsaufbau unddie Festlegung des Leistungsprofils in den einzelnen Stufen des Trainingsprozesses wird diese Methode umgesetzt. Ein anderer Gesichtspunkt der Strategie besteht in der Normierung der gesellschaftlichen und kommunikativen Kontakte, in der Regelung des Tagesablaufs und in der methodischen Unterordnung aller Aktivitäten unter die sportlichen Leistungsziele, um letztendlich zu erreichen, dass leistungshinderliche Verhaltensentscheidungen von vornherein ausgeschlossen werden. Was ist denn auch falsch daran, die Aktivitäten der Schule zur Talentsichtung zu koordinieren? Was spricht gegen wissenschaftlich fundierte mehrseitige Trainings- und Wettkampfkonzepte? Was für Motive gibt es gegen Sportinternate oder Eliteschulen des Sports, die eine günstigere Vereinbarkeit von schulischer bzw. beruflicher Bildung und dem leistungssportlichen Training ermöglichen?

Es ist erwiesen, dass historische Vorbilder dieser Methode vorliegen und dass eine solche Strategie im internationalen Sportgeschehen betrieben wird – im Übrigen mit großem und weltweit anerkanntem Erfolg in der damaligen DDR (Joch, 1997). Ein wesentlicher Teil des Erfolges der DDR auf dem Gebiet des Nachwuchstrainings und der Talentförderung ging aus einem solchen System hervor, das – in Übereinstimmung mit den politisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – die Begrenzung der Freiheitsgrade planmäßig betrieb, praktisch erprobte, gesellschaftlich absicherte, wissenschaftlich begründete und so erfolgreich durchführte. Sicher scheint, dass das Konzept der Reduzierung der Freiheitsgrade in der Talentförderung erfolgversprechend ist, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dafür bestehen, und nicht aus sozialen und pädagogischen Gründen Beanstandungen gemacht werden.

In radikalem Gegensatz zur Methode der Reduzierung der Freiheitsgrade steht das Konzept des Wachsenlassens, in dem es darum geht, möglichst wenig in die Entwicklungsphasen von Jugendlichen einzugreifen. Feige beschreibt die Methode wie folgt: „Wachsen lassen mit individuell zu dosierenden Reizen unter Einbeziehung der umfangreichen Ergebnisse aus der Trainingslehre [...], dies ist die Antwort, auf eine kurze Formel gebracht“ (Feige, 1973, zitiert in Joch, 1997, S. 68-69). Die Theorie geht davon aus, dass das Kind durch eigene Kräfte wächst und sich dadurch entwickelt. Der Prozess ist vergleichbar mit einer Pflanze, die aus ihrer Umwelt die nötigen Nährstoffe bezieht, sich an die Umwelt anpasst und sich in ihr selbst zurechtfindet. Nach Wilhelm sollte der Pädagoge „diese Arbeit der Natur möglichst unterstützen; und er unterstützt sie am besten, wenn er möglichst wenig in diesen Prozess ein­greift" (Wilhelm, 1963, zitiert in Joch, 1997, S. 69). Hinter dieser Methode stehen polarisierende Ansichten, die dem Laissez-faire-Prinzipfolgen, individuelle Entfaltung gestatten, auf Selbstregulierung setzen und Interventionen für nachteilig halten. Der Spruch von Rousseau: „Zeit [...] verlieren, um Zeit zu gewinnen!“ (http://www.raffiniert.ch/srousseau.html) verdeut­licht eben dieses.

Als Beispiel des Wachsenlassens wird oft der Straßenfußball in Brasilien angeführt. Dieser wird als das eigent­liche Talentreservoir des Fußballs angesehen, denn die Kinder spielen eigenständig, ohne von Erwachsenen beaufsichtigt und gefördert zu werden. Es wird offensichtlich, dass die Methode des Wachsenlassens erfolgversprechend zu sein scheint, denn auf internationaler Ebene hat sich schon der eine oder andere Jugendliche so durchgesetzt. Die Grundidee basiert dabei auf der Aussage, dass Talente sich schon durchbeißen. Das natürliche Vertrauen in die Entwicklung von Anlagen, Eigenschaften und Befähigungen, welche sich ohne Mitwirkung der Erwachsenen aus eigenem infantilen Antrieb entwickeln, steht für die Kernaussage dieser Methode.

Nach Hanebuth sollte das Talentfördertraining vor allem vielseitig sein. „Jede ausschließlich für sich betriebene Sportart führt unweigerlich zu einer leistungshemmenden Einseitigkeit, weil dadurch sowohl die menschlichen Organe als auch die Muskelkraft und die Bahnen der körperlichen Bewegungsabläufe immer nur in ein und derselben Form und Intensität beansprucht werden und in diesem gleichbleibenden, monotonen Wachstumsreiz abstumpfen.“ (Hanebuth, 1961, zitiert in Joch, 1997, S. 72).

Die Vielseitigkeit kann dabei im Sinne der Motivationsförderung als vielseitig-abwechslungsreich, aber auch als Vermeidung von zu früher Spezialisierung als viel­seitig-allgemein verstanden werden. Dabei beinhaltet die Vielseitigkeit nicht nur trainings- oder sportartenspezifische Multifunktionalität, sondern auch die Fülle der Trainingsmittel und -formen, trainingsmethodische Aufgabenvielfalt und kindgemäße Variation. Die Viel­fältigkeit sollte vor allem den Zweck verfolgen, ein möglichst großes Bewegungsrepertoire zu bieten. Auch Thieß meint in seiner Abhandlung des Themas, dass „der Weg der sportlichen Leistungsentwicklung [...] über die Vielseitigkeit zur Spezialisierung, von der breit angelegten allgemeinen Ausbildung zu den spezifischen Trainingsinhalten“ erfolgt (Thieß, 1976, zitiert in Joch, 1997, S. 73). Im Verlauf der Fördermaßnahmen verdichtet sich das Spektrum der Vielseitigkeit, in dem es disziplin- und sportartspezifischer wird. Dem Bereich der Vielseitigkeit wird in der Vorbereitungsphase große Bedeutung zugemessen. In der Wettkampfperiode rückt dieser jedoch in den Hintergrund und es findet eine Akzentuierung der speziellen Leistungsanforderungen statt.

Nach Joch (1998) muss eine neue Strategie zu einer Stärkung der marktwirtschaftlichen Steuerungselemente führen. Wenn die sozialen Impulse für Leistungssport in Deutschland nicht vorhanden sind, müssen sie hervorgerufen werden, sonst bleiben – aufgrund der marktwirtschaftlichen Steuerung – nur wenige Sportarten, wie z.B. Tennis, Fußball und Formel 1, übrig. Fakt ist eine gering ausgeprägte Leistungskultur in unserer Gesellschaft. Für eine effiziente Talentförderung im Sport ist allerdings notwendig, sportliche Spitzenleistungen als ein gesellschaftlich anerkanntes und wünschenswertes Ziel zu akzeptieren. Gesellschaftliche Bestätigung schließt eine entsprechende Belohnung – gleich welcher Art – für Trainer, Vereine und Sportler ein. Bedeutsam erscheint die Sicherung der dem Leistungssport anknüpfenden Existenz. Marktwirtschaftliche Steuerung des Leistungssports stellt zwar neue Qualitätsansprüche, zugleich entspringt die Qualität der Leistung erst aus einer quantitativ gewichtigen Grundlage. Die reine Ökonomisierung unseres Fördersystems mit frühzeitiger Auswahl und Konzentration scheint wegen der Unzuverlässigkeit langwieriger Entwicklungsprognosen schwierig, wie auch die volle Aufmerksamkeit der Förderung auf Erfolg versprechende ältere Kaderbereiche. Schließlich hat Kinder- und Jugendsport ebenso eine bedeutende soziale Funktion. Andererseits ist Selektion unvermeidbar für Eliteförderung, und Auslese beinhaltet zugleich immer auch eine Begrenzung der Freiheitsgrade in der Entwicklung.

3. Das DFB-Talentförderprogramm

Das Projekt DFB-Talentförderprogramm hat zum Saisonauftakt 2002/2003 bundesweit begonnen. In 387 Stützpunkten, die flächendeckend über die ganze Republik verstreut sind, werden die fußballerischen Hoffnungen für die kommenden Weltmeisterschaften ausgebildet. Zusätzlich zum Vereinstraining lädt der DFB pro Woche einmal die größten Talente der Kreise zu einem Sondertraining ein. Speziell die individuelle Ausbildung der Technik und Taktik sind Bestandteil des Programms. „Der DFB ist ein Paradies, was die Jugendförderung angeht" (DFB, Talentförderung, S. 3), sagt Jörg Daniel, sportlicher Leiter des Talentförderprogramms.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Symbol DFB-Talentförderung. (siehe: http://www.dfb.de/index.php?id=11154)

Durch eine größtmögliche Flächendeckung ergibt sich die Zahl von fast 390 Stützpunkten, in denen Jungen und Mädchen im Alter von elf bis siebzehn Jahren gefördert werden. Im Durchschnitt entspricht das bei bundesweit 27.000 Vereinen etwa 70 Vereinen pro Stützpunkt. Damit ist ein engmaschiges Netz geknüpft, das eine kompakte Sichtung ermöglicht, wodurch der Wunsch des DFB-Präsidenten Mayer-Vorfelder, dass „jedes Talent [...] überall die gleiche Chance haben (soll), gesichtet und gefördert zu werden“ (http://www.dfb.de /index.php?id=11153), Realität zu werden scheint.. Etwa 1.200 Lizenztrainer, von denen elf Frauen sind (Stand: Oktober 2006), beschäftigen sich mit den ca. 22.000 Jugendlichen, die jährlich von der Sonderförderung profitieren. „Mit dem Talentförderprogramm möchte der DFBtalentierte Spieler und Spielerinnen durch ein qualitativ hochwertiges Training, sowie fachlich geschulte Trainer frühzeitig sichten und ausbilden.“ (DFB, Talentförderung, S. 3), so Erich Rutemöller.[15] Jedoch ist die Unterrepräsentanz der Frauen im Trainerbereich auch bei den Nachwuchskickerinnen wiederzufinden: Von den 22.000 Talenten sind nur ca. 3 % Mädchen, das entspricht in etwa 600 Spielerinnen. Mit Absicht investiert der Deutsche Fußball-Bund zehn Millionen Euro pro Jahr in das Talentförderprogramm, denn nach Mayer-Vorfelder „setzt der Deutsche Fußball-Bund ein Nachwuchskonzept in einer Dimension um, an die weltweit kein anderer Verband heranreicht.“ (http://www.dfb.de/index.php?id=11153).

3.1 Die Ziele des Talentförderprogramms

Das langfristige Ziel des Deutschen Fußball-Bundes liegt auf der Hand: Das Potenzial künftiger Spitzenspieler soll durch eine regelmäßige, intensive Sichtung und flächendeckende Förderung aller Talente einer Region merkbar vergrößert werden. Dadurch versucht der DFB seiner Aussage gerecht zu werden, dass der deutsche Fußball sich als erfolgreicher herausstellen wird, je größer die Auswahl an spielstarken, ideenreichen Nachwuchsspielern ist. Die individuelle Förderung, die einer einheitlichen, zeitangepassten Methodik folgt, soll dabei als Zusatz zum Vereinstraining angesehen werden. Dazu Erich Rutemöller: „Alle Ziele und Visionen, die wir mit unseren Talentförderprojekten verbinden, müssen immer das individuelle Vorankommen des Talents im Mittelpunkt sehen.“ (DFB, Talentförderung, S. 5). Profitieren sollen davon nicht nur die Nationalmannschaften, sondern letztendlich sämtliche Vereine im Lizenz- und Amateurbereich, da das Ziel der Heranbildung taktisch geschulter und technisch versierter Spieler auch diesen zugute kommt. Weitere grundsätzliche Ziele sind die Organisation von Fortbildungen für Vereins-Juniorentrainer vor Ort, die Schaffung der „kurzen Wege“ zwischen DFB, Verband und Vereinen und ein schnelleres Vermitteln neuer Trends in Spiel und Training an alle Vereine. Der DFB hat sich zudem die Aufgabe gestellt, neue Anreize für alle ambitionierten Talente darzulegen und neue Motivation für alle, die an der Förderung mitwirken, aufzubringen. Nur durch die Realisierung vieler Teilziele und der Zusammenarbeit aller Beteiligten des DFB-Talentförderprogramms lässt sich das anspruchsvolle Ziel eines zukünftig (weiterhin) erfolgreichen, interessanten Fußballs in Deutschland, gesichert durch ein großes Potential an talentierten Nachwuchsspielern, erreichen. Jedes Kind, unhängig davon, wo in Deutschland es Fußball spielt, muss die gleiche Chance besitzen von den Trainern des Talentförderprogramms gesichtet zu werden. Dabei ist wichtig, dass diese Sichtung nicht einmalig, sondern regelmäßig stattfindet, um zu überprüfen, ob der Spieler oder die Spielerin für das Stützpunkttraining geeignet ist. Wird der Junge oder das Mädchen für talentiert befunden, soll es auch dauerhaft und konstant ausgebildet werden und dies von Fachkräften, die mindestens die B-Lizenz aufweisen. Eine Ergänzung zum Vereinstraining ist das Fördertraining, welches vor allem der Verbesserung der Taktik- und Technikschulung dient.

Bei der individuellen Förderung der Talente steht neben der technischen Ausbildung eine gezielte Persönlichkeitsschulung im Vordergrund. Zudem sollen Selbstständigkeit und Eigeninitiative der Jugendlichen gefördert werden. Neben den genannten Zielen beinhaltet das Talentförderprogramm des DFB weitere Schwerpunkte. Beispielsweise sollen Quereinsteiger, die mit 14-16 Jahren noch in keiner Nachwuchsmannschaft eines Lizenzvereins spielen, jedoch durch einen späten Leistungssprung doch noch zu Toptalenten werden, in den Stützpunkten von der nötigen Förderung profitieren (http://www.dfb.de/index.php?id=11153). Im D-Jugend-Be­reich wird ein besonderes Augenmerk auf die verschärfte Sichtung und Förderung gelegt, da sich die Talente während dieser Altersspanne im besten fußballerischen Lernalter befinden und währenddessen die Grundlagen für eine aussichtsreiche Laufbahn im Spitzenfußball gebildet werden.

Des Weiteren gilt es verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen, damit eine Trainingsstätte als offizieller Stützpunkt gebilligt wird. Hierzu gehören u. a. infrastrukturelle Bedingungen, wie z. B. ein Schulungsraum, ein guter Rasenplatz, ein mit Flutlicht ausgestatteter Ausweichplatz und eine Sporthalle. Dass genügend Umkleideräume vorhanden sind und dass den Mädchen ei­ne eigene Kabine zur Verfügung gestellt wird, ist eine weitere zu beachtende Voraussetzung für jeden Stützpunkt.

Zur Verbesserung und Ausbildung des Programms wurden auch Interessengemeinschaften im wirtschaftlichen Bereich geschlossen. Hierzu zählen neben vielen Sponsoren und Projekten mit Prominenten, beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit der Popgruppe »Bro`Sis«, welche die Patenschaft für das erneuerte Stützpunktsystem angetreten haben. Dies soll vor allem eine gesteigerte Popularität und Akzeptanz für das DFB-Stützpunktprogramm in der Öffentlichkeit hervorrufen. Auch durch den Einsatz der Medien bieten sich neue Chancen für das Talentförderprogramm. Dazu zählen die Internetpräsenz auf der Homepage des DFB – www.dfb.de –, der dort veröffentlichte DFB Ringbuchordner „Talente fördern und fordern“ mit konkreten Hilfen für das Stützpunkttraining, die Rubrik „Training online“, die Trainingstipps für Vereinstrainer anbietet, die »Ballzauber-CD-ROM« mit Technikübungen für Jugendliche, sowie das Service-Magazin der Talentförderung „Intern“. Die Internetseite www.ich-spiele-fussball.dfb.de[16], wo unter anderem über talentierte Stützpunktspielerinnen berichtet wird, ist insbesondere für den Bereich des Mädchenfußballs ausgelegt. Zudem gehört die einheitliche Trainings- und Spielphilosophie zu den bedeutsamsten Verpflichtungen der Stützpunkte gegenüber dem DFB. Priorität ist außerdem die nahtlose Einfügung des neuen Systems in die bestehende Gesamtstruktur.

3.2 Analyse der DFB-Schriften bezüglich Mädchenfußball

Aus den Dokumenten des DFB – „Talentförderung“, „Das DFB-Talentförderprogramm“, „Intern“, „Eliteschulen des Fußballs“ – geht hervor, dass ambitionierten Spielerinnen insgesamt sehr viele Wege offen stehen, eine ideale Förderung zu erhalten. Allerdings ist die Art und Weise der Förderung regionalabhängig und in einigen Landesverbänden noch nicht ausreichend strukturiert. Ein Talent im Mädchenbereich hat dementsprechend die Möglichkeit, zum einen am Vereinstraining, das möglicherweise mit einer sportbetonten Schule[17] gekoppelt ist, und zum anderen am Stützpunkttraining – sei es dem DFB- oder Mädchenstützpunkttraining – teilzunehmen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit Trainingsmaßnahmen in den Auswahlmannschaften[18] zu nutzen, um sich dort weiterzuentwickeln und sich zu messen mit den besten Spielerinnen des Kreises, des Bezirks, des Landesverbandes oder bundesweit. Die Broschüren und auch die Homepage des DFB lassen erkennen, dass sprachlich nicht immer zielgerecht „Spieler und Spielerinnen“ verwendet wird. Nur selten und unregelmäßig ist ausdrücklich von „Spielerinnen“ die Rede. Im Gegensatz dazu wird bei der Bebilderung der Texte sehr wohl Wert darauf gelegt, dass immer auch eine Spielerin zu sehen ist. Weiterhin ist ein Wandel des Sprachgebrauchs in der neusten Broschüre des DFB zur Thematik „Eliteschule des Fußballs“ festzustellen: Hier wird ausnahmslos von „Mädchen und Jungen“ und „Junioren und Juniorinnen“ gesprochen.

3.3 Die Suche nach Fußballtalenten

Bei der Talentauswahl werden perspektivisch ausgerichtete Sichtungskriterien gefordert. Der Literatur sind allerdings keine spezifischen Kriterien zu entnehmen, die ein Talent erfüllen muss, um am Stützpunkt aufgenommen zu werden. Der DFB deutet lediglich einige Schwerpunkte an. Um zu bestimmen, ob jemand als Talent gilt oder nicht, ist nach Ansicht des DFB nicht nur die Registrierung des fußballerischen Könnens erforderlich (DFB, Das DFB-Talentförderungsprogramm, S.20). Zugleich sind noch weitere Aspekte ausschlaggebend. Langfristig mit Fleiß und Geduld den sportlichen Erfolg anzustreben, zeichnet die Persönlichkeit eines Talents zum einen aus. Auch verfügt es über ein hohes motorisches Potenzial, welches sich in überdurchschnittlich dynamischen, harmonischen, flexiblen sowie präzisen Bewegungsabläufen zeigt. Eben dieser Motorik wird auch eine wichtige Aussagekraft bezüglich der Qualität fußballspezifischer Eignungsmerkmale zugewiesen, die sich je nach Alter voneinander unterscheiden. Zu guter Letzt besitzt ein Talent eine leistungsfördernde soziale und private Umgebung sowie ein Trainingsumfeld, das eine sportliche Förderung gewährleistet, die quantitativ und qualitativ ist. Der DFB fasst die für ihn relevanten Merkmale eines Fußballtalents in folgender Grafik zusammen:

Die Merkmale eines Fußballtalents

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Abbildung 6: Die Merkmale eines Fußballtalents. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Das DFB-Talentförderprogramm, S.20)

Die Aufgabe der Talentsuche innerhalb des Förderprogramms besteht darin, aus einer großen Anzahl fußballspielender Kinder diejenigen herauszufiltern, die für ein Zusatztraining der ersten Fördergruppe geeignet erscheinen. Diesem Schritt schließt sich ein fortlaufender Prozess an, der sich durch die Kooperation von Verbands- und Honorartrainern[19] auszeichnet. Den Talenten wird dadurch nicht nur innerhalb der Stützpunkte Beobachtung gewährt, sondern auch außerhalb, um die individuellen Leistungsentwicklungen zu verfolgen. Auf diese Art und Weise kann diagnostiziert werden, ob ein Nachwuchsspieler sich auch auf den weiteren Ausbildungsabschnitten behaupten kann. Je mehr Informationen über die aktuellen Entwicklungen der Talente bekannt sind, desto leichter ist es, die Ambitioniertesten in das Fördersystem einzugliedern. Um auf der ersten Sichtungsphase eine möglichst große Gruppe an Nachwuchsfußballern zu erfassen, ist Koordinierung und Einsatz der Honorartrainer vor Ort erforderlich. Hierzu gehören unter anderem die Turnier- und Spielbeobachtungen, die Durchführung von regelmäßigen “Talente-Tagen“ sowie der permanente Kontakt zu Vereinstrainern. Um Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle sicherzustellen, muss ein stetiger Austausch überschaubarer und strukturierter Informationen zwischen den einzelnen Talentförderinstanzen gewährleistet sein, wie zum Beispiel durch eine Spieler-Datenbank[20], in der die sportlichen Werdegänge und Leistungsverläufe aller Stützpunkt-Spieler festgehalten werden, um dann objektive Rückschlüsse auf verschiedene Facetten des Jugendfußballs zu erhalten.

3.4 Aufbau des Talentfördersystems im DFB

Durch das DFB-Talentförderprogramm entsteht eine ideale Ergänzung zu den bereits existierenden Institutionen, durch das die zu Beginn einer leistungsorientierten fußballerischen Ausbildung entstehende Kluft geschlossen wird. Durch die sich anschließenden Maßnahmen wird das große Potenzial an talentierten Nachwuchsspielern durch verschiedene Bereiche und Instanzen systematisch gefördert.

Die verschiedenen Talentförder-Bereiche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Die verschiedenen Talentförder-Bereiche. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Das DFB-Talentförderprogramm, S. 10)

Die Länderspiele der Junioren-Nationalmannschaften und das damit einhergehende Training ab der U15 stehen in der Pyramide der Talentförderung an oberster Stelle. Während die Aufgabe der Lizenzvereine darin besteht, die Nachwuchsspieler auf die hohen Ansprüche im Leistungsfußball aufmerksam zu machen und sie darauf vorzubereiten, erfüllen die Verbände eine Vermittlerfunktion zwischen Vereinen und dem Deutschen Fußball-Bund. Auch eine Kooperation zwischen Vereinen, Verbänden und Schulen ist zweckmäßig, da es gilt die fußballerischen Anforderungen mit den schulischen Pflichten abzustimmen. Hinzu kommt die Ebene der Junioren-Bundesliga, wo den Leistungsstärksten Spielpraxis auf höchstem Niveau geboten wird.

Das Nachwuchskonzept des DFB setzt sich aus vier Bausteinen zusammen: den Talentzentren, den Junioren-Nationalteams, den Schulkooperationen und dem Trainer-Service (http://www.dfb.de/index.php?id=11153).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Die Bausteine der Talentförderung

Die eigentliche Grundlage der Talentförderung sind die 27.000 Sportvereine. Dort beginnt für nahezu jeden Spieler und jede Spielerin die fußballerische Entwicklung.

Zu den Talentzentren gehören auf der einen Seite die Leistungszentren der Lizenzvereine (1. und 2. Männer-Bundesliga) und auf der anderen Seite die Stützpunkte des DFB. Die Einrichtung eines Leistungszentrums ist seit 2002/2003 für jeden Lizenzverein verpflichtend. Hier erhalten die begabtesten Spieler aus den regionalen Vereinen eine intensive Förderung. Jedoch haben viele Gegenden in Deutschland aufgrund mangelnder Infrastruktur keine Anbindung an einen Lizenzverein und profitieren somit kaum von dieser Förderung. Darunter leiden neben den Jungen, besonders auch die Nachwuchskickerinnen. Durch die Neuerungen im Talentfördersystem sollen in Zukunft auch die strukturschwachen Regionen erreicht werden. Der Förderung von Spitzentalenten dienen darüber hinaus auch die Junioren-Nationalteams. Um ein effektives Training an den DFB-Stützpunkten garantieren zu können, sollen an jedem Stützpunkt in zwei Gruppen nicht mehr als jeweils 30 Spieler trainiert werden. Die Einteilung nach Alter geschieht folgendermaßen: U12, U13 und U14 bis U18. Der Schwerpunkt der Arbeit wird hierbei – laut DFB-Schriften (DFB, Das DFB-Talentförderprogramm, S. 17) – der U12/U13 zuteil, denn eine derart umfangreiche und intensive Sichtung des D-Junioren-Jahrgangs gab es bislang nicht. Das Fördertraining findet als Zusatzeinheit einmal pro Woche statt.

Eine weitere wichtige Stütze der Nachwuchssicherung und -förderung im DFB stellt der Trainer-Service dar, der, neben der Eignung der Trainer, auch die Qualität des Trainings sicherstellt. Der DFB hat diesbezüglich auf seiner Homepage den Link „Training-Online“ angelegt, wodurch alle DFB-Trainer die Möglichkeit haben mittels des Internets Trainingstipps für die Juniorentrainer zu erteilen. Allen voran sollen Neulinge im Trainerbereich mit geringem Vorwissen angesprochen werden, die über die herkömmlichen Trainerlehrgänge nicht erreichbar sind. Eine gleichförmige Spiel- und Trainingsphilosophie soll somit bis zur Basis hin deutlich gemacht werden. Zugleich sind die Stützpunkttrainer Anlaufstelle für regelmäßige Gespräche und Auskünfte. Der DFB strebt durch diese Maßnahmen eine weitere Besserung auf dem Weg zum Service-Dienstleister für Trainer und Vereine an.

Zudem werden an ausgewählten Standorten mit Bundes- und Landesleistungsstützpunkten und mit einer größeren Anzahl von Kadersportlerinnen und -sportlern im Kooperationsprojekt „Sportbetonte Schule“ Sportklassen eingerichtet, um den Nachwuchsleistungssportlerinnen und -sportlern, neben den schulischen Angeboten Hausaufgabenbetreuung, Förder- und Stützunterricht sowie weitere Hilfen, wie z. B. integriertes Vormittagstraining, anbieten zu können (Brettschneider/Klimek, 1998, S. 21-35).

Die Einschulung in eine SportbetonteSchule erfolgt auf Empfehlung der Verbandssportlehrer und nach festgelegten Leistungskriterien. Um sich für eine Sportbetonte Schule zu empfehlen, muss ein Nachwuchsspieler ein Auswahlsystem durchlaufen, das Eigenschaften wie Athletik, Technik und vor allen Dingen die Spielfähigkeit prüft. Bereits seit der Saison 1996/1997 wird die Arbeit der Sportbetonten Schulen in den Verbänden des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) vom DFB unterstützt. Das vorrangige Ziel dabei war, Nachwuchsspieler in den neuen Bundesländern durch die existierenden Schulen, die einstigen Kinder- und Jugendsportschulen (KJS), zu fördern. Das Konzept der Sportbetonten Schulen scheint aufzugehen, denn unter anderem gingen heutige Nationalspieler, wie zum Beispiel Michael Ballack und Bernd Schneider, aus diesem hervor.

Begann das Projekt mit Beginn des Schuljahres 1996/1997 mit 27 lizenzierten Honorartrainern an 14 Schulen, verdienen sich mittlerweile im Bereich des NOFV 15 Sportbetonte Schulen das Prädikat eines Leistungsstützpunktes, die von DFB-Coach Frank Engel koordiniert werden. Die 15. Sportbetonte Schule wurde im März 2003 mit der Eliteschule des Sports “Friedrich Ludwig Jahn“[21] in Potsdam gegründet und in das Programm der Talentförderung aufgenommen. Da die Förderung des Mädchenfußballs hier an erster Stelle steht, verläuft die Zusammenarbeit zwischen dem 1.FFC Turbine Potsdam (1. Frauen-Bundesliga) und der Friedrich-Jahn-Schule ausgezeichnet. Der Erfolg dieser Schule ist festzumachen an Viola

Odebrecht[22] oder auch Jennifer Zietz[23], um nur zwei Beispiele zu nennen, die an dieser Schule ihren Abschluss erlangten und nun auf höchstem Niveau Fußball spielen.

Momentan sind an den 15 Sportbetonten Schulen, welche die Schulform Gymnasium, Gesamtschulen, Realschulen und Berufsbildende Schulen abdecken, 38 Honorartrainer für die fußballerische Ausbildung der ca. 700 talentiertesten Spieler und Spielerinnen, im Alter zwischen 11 und 18 Jahren, zuständig. Finanziert werden die Trainer und die benötigte Ausstattung durch den Deutschen Fußball-Bund. Dadurch, dass die Bewerberanzahl seit Bestehen des Projekts von 600 auf über 1200 gestiegen ist und sich zur Zeit auf einen freien Platz fünf Spieler bewerben, konnte das Leistungsniveau gesteigert werden.

Zu den Schulkooperationen zählen seit Ende 2006 auch die Eliteschulen des Fußballs. Die Basis für das Projekt der Eliteschulen wurde im April 2002 auf einem Schulfußball-Kongress mit dem Motto “Bündnis für den Fußball – Schule, Verein, Verband“ in Potsdam gelegt, bevor dann am 15. September 2006 in Cottbus die erste Eliteschule des Fußballs ausgezeichnet wurde. Zu diesem Anlass äußerte sich der Präsident des DFB, Theo Zwanziger, folgendermaßen: „Die Eliteschulen des Fußballs, denen die enge Kooperation mit Verein und Verband zu Grunde liegt, sollen in Zukunft ein wesentlicher Baustein sein, um talentierten Mädchen und Jungen die Doppelbelastung von Schule und Leistungssport zu erleichtern.“ (http://www.dfb.de/index.php?id=501041). Nachwuchstalente müssen die sportlichen Ansprüche, welche die zeitaufwändigen Trainingslager und Auswahl-Reisen sowie das häufige Training an sie stellen, mit der schulischen Ausbildung in Einklang bringen und versuchen, diese miteinander zu koordinieren. Nur durch die Hilfe und Zusammenarbeit der Vereine, Verbände und Schulen ist die Bewältigung dieser Aufgabe möglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Optimale Talentförderung. (siehe: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.) (2006). Eliteschulen des Fussballs – Verbundsystem von Leistungsfussball und Schule, S. 4)

Der Ausdruck “Eliteschulen des Fußballs“ ist ein Synonym für ein wirksames Netzwerk von Verein, Verband und Schule, welches gewährleistet, dass alle Nachwuchstalente das Ziel einer gleichlaufenden schulischen und sportlichen Karriereförderung anstreben können.

Die Vorteile einer Eliteschule liegen zum einen darin begründet, dass zusätzliche Trainingseinheiten am Vormittag möglich sind. Zum anderen wird die Schulausbildung und der anvisierte Bildungsabschluss durch Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung und zeitlich flexible Klausuransetzungen garantiert, ohne die systematische sportliche Förderung außer Acht lassen zu müssen. Beispielhaft wird hier ein Tagesablauf für die 7. bis 10. Klasse dargelegt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Exemplarisches Stundenplanbeispiel für die 7. und 10. Klasse (U14-U17). (siehe: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.) (2006). Eliteschulen des Fussballs – Verbundsystem von Leistungsfussball und Schule, S. 4)

Mit der Gründung von Eliteschulen ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Nachwuchsförderung gemacht, durch den die ambitioniertesten Jugendfußballer der Stützpunkte in Kooperation mit den Leistungszentren intensiv und konzentriert gefördert werden können. Aktuell existieren bundesweit fünf Eliteschulen, außer der in Cottbus noch eine in Potsdam und weitere drei in Stuttgart, wobei die Stätten in Stuttgart erst zu Beginn des Jahres 2007 durch Dr. Theo Zwanziger als solche ausgezeichnet wurden (http://www.kicker.de/fussball/junioren/startseite/artikel/360376/). Auch wenn jede zukünftige “Eliteschule des Fußballs“ in Verbindung mit einem Leistungszentrum steht, bleiben sie trotzdem offen für talentierte Spieler der Amateurvereine außerhalb dieser Zentren.

Zudem müssen die Schulen den höchsten Qualitätsstandard aufweisen, da ihr Stellenwert hinsichtlich der Talentförderung zunehmen wird. Aus diesem Grund wurde ein Kriterienkatalog (DFB, Eliteschulen des Fußballs, 2006, S. 7) erstellt, den die Schulen bzw. der Schulverbund erfüllen müssen, um seitens des DFB-Präsidiums als Eliteschule anerkannt zu werden. Der Katalog umfasst 18 Punkte, in denen u. a. der Anschluss an ein Leistungszentrum für Junioren bzw. Mädchen und Frauen, die Bildung eines Regionalteams als Leitungsgremium mit Vertretern aller Instanzen und die Mitwirkung bei der Fortbildung von Lehrern auf regionaler Ebene gefordert wird. Im Weiteren muss ein Schulkonferenzbeschluss zur leistungsorientierten Schulsportförderung vorliegen sowie eine Abstimmung der Inhalte, Organisation und Belastungen des Trainings. Die finanzielle und organisatorische Hilfe durch alle beteiligten Instanzen muss sichergestellt sein und ein regelmäßiger Austausch zwischen den Kooperationspartnern ist verpflichtend. Die Schule erklärt sich außerdem bereit qualifizierte und lizenzierte Trainer und Trainerinnen im Fußballunterricht einzusetzen, die aus Lizenzvereinen abgestellt sein können. Weitere wichtige Kriterien sind die räumliche Bündelung von Fußball, Schule und Wohnbereich sowie angemessene Sportstätten und die Kooperation mit DFB-Stützpunkten in der Region. Für die Schüler muss eine außerschulische Betreuung, zusätzliches Training im Rahmen des Schulunterrichts und eine flexible Regelung hinsichtlich schulischer Abläufe bei sportbedingten Fehlzeiten gewährleistet werden.

3.5 Nachwuchsförderung und -sichtung der Mädchen im DFB

Der dargelegte Aufbau der Talentförderung im DFB wird auch für talentierte Spielerinnen genutzt, aufgrund der räumlichen Besonderheiten im Mädchen- und Frauenfußball allerdings in veränderter Prägung, denn die Strukturen der Förderung im Bereich der Mädchen sind von Landesverband zu Landesverband differenziert zu betrachten. Nachfolgend wird lediglich ein kurzer Überblick gegeben, da in späteren Abschnitten dieser Arbeit eingehender auf Sichtungs- und Fördermaßnahmen der Mädchen eingegangen wird (siehe Kap.7.1.1).

Grundsätzlich entsteht die Sichtungsgrundlage im Verein. Herausragende Spielerinnen werden entweder von den Auswahltrainern während des regulären Spielbetriebs gesichtet oder vom eigenen Vereinstrainer für die Auswahl vorgeschlagen. Gelingt einer talentierten Nachwuchskickerin der Sprung von einer Kreis- oder Bezirksauswahlmannschaft in die Auswahl des jeweiligen Landesverbandes, so kann sie sich bei dem Länderpokal des DFB beweisen und für weitere Aufgaben empfehlen. Während dieses Events treten alle Auswahlmannschaften der Landesverbände des DFB miteinander in Konkurrenz. Kann eine Spielerin bei dieser Maßnahme auf sich aufmerksam machen, hat sie die Möglichkeit sich für die Nationalmannschaft ihrer Altersklasse zu qualifizieren. Des Weiteren nimmt sie an Freundschaftsspielen, Stützpunkttrainingseinheiten, Ausbildungslehrgängen und Turnieren der Nationalmannschaft teil, wenn der Schritt in den erweiterten Kader – angefangen von der U15 bis zur U21 – gelingt (DFB, Frauen Fussball, 2002).

Untersucht man die unterschiedlichen Landesverbände bezüglich der Mädchenförderung und des jeweiligen Auswahlsystems, dann fallen Differenzen in der Zielsetzung und Ausführung auf. Das DFB-Stützpunktpunktprogramm weist vereinzelte Stützpunkte für Mädchen auf, die sich in Oberhaching (Bayern) und Magdeburg (Sachsen-Anhalt) befinden. Doch im Hinblick auf die reinen Mädchenstützpunkte handeln die Landesverbände unterschiedlich. Während einige Verbände seit mehreren Jahren spezifische Mädchenstützpunkte einrichten, besitzen andere dagegen noch keine. So arbeitet der Fußballverband Mittelrhein mit insgesamt vier Stützpunkten, an denen jeweils etwa 40 Spielerinnen in zwei Altersgruppen ausgebildet werden (www.fvm.de). Fünf Mädchenstützpunkte mit 15 bis 20 Talenten hat der Schleswig-Holsteinische Fußballverband zu betreuen (www.maedchen-stuetzpunkte.de). In zwei Altersgruppen zu je 25 Spielerinnen werden die Mädchen im Württembergischen Fußballverband an neun Stützpunkten trainiert, wobei geplant ist, die Anzahl der Fördereinrichtungen auf 16 auszubauen (www.wuerttfv.de). Der Bayrische Fußball-Verband hat vor ab März 2007 acht Mädchenstützpunkte einzurichten, aber konkrete Pläne sind bislang nicht verwirklicht (www.bfv.de). Bisher keine expliziten Stützpunkte für Mädchen hat der Nordostdeutsche Fußball-Verband, jedoch bestehen hier die Sportbetonten Schulen und die Eliteschulen des Fußballs (siehe auch Kap.3.4),an denen ambitionierte Fußballspielerinnen von den Förderprogrammen des Landesverbandes profitieren. Die weiteren Landesverbände des DFB machen keine weiteren Angaben betreffs Mädchenstützpunkte (Stand: 17. März.2007).

Die Nachwuchsförderung und -sichtung der Mädchen im Deutschen Fußball-Bund, wie man sie mit Hilfe des neuen Talentförderprogramms des DFB zu verwirklichen sucht, lässt sich durch folgende Grafik veranschaulichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Förderstrukturen für talentierte Spielerinnen im DFB. (nach: Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006)

Auf die konkreten Maßnahmen, die unternommen werden, um talentierte Mädchen im Deutschen Fußball-Bund zu sichten und zu fördern, wird in späteren Abschnitten der Arbeit näher eingegangen.

3.6 Die Optimierungsansätze des DFB

In der Vergangenheit hat der DFB durchaus erfolgreiche Nationalspieler und Weltmeister ausgebildet, so dass der DFB eine weltweite Anerkennung für sein klar strukturiertes Talentfördersystem erfährt. Dennoch muss berücksichtigt werden, dass die Anforderungen im modernen Fußball steigen und sich die Lebenswelt heutiger Jungtalente verändert. Das Talentfördersystem muss deshalb nicht neu erfunden, sondern verbessert werden. Es geht nicht um die Einführung eines gänzlich neuen Ausbildungssystems, sondern um die Optimierung der Talentsichtung und -förderung auf Grundlage der bestehenden Strukturen. Die Philosophie des DFB beinhaltet hierzu unterschiedliche Optimierungsansätze.

Die verschiedenen Optimierungsansätze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Die verschiedenen Optimierungsansätze. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Das DFB-Talentförderprogramm, S. 11)

Die wichtigsten Forderungen beinhalten zum einen eine einheitliche Fußball-Philosophie für alle an der Talentförderung Mitwirkenden, an der sich u.a. alle deutschen Trainer orientieren sollen und in welcher auch das Anforderungsprofil eines Spitzenspielers definiert ist. Das Ziel der neuen Talentfördermaßnahmen besteht im Weiteren nicht darin, alte Strukturen zu ersetzen, sondern diese an geeigneter Stelle zu erweitern und zu verbessern.

Auf jeder einzelnen Ebene der Talentförderbereiche sind Besserungen möglich, wobei alle Instanzen an einem Ziel ausgerichtet werden sollen. Zweckmäßige Ansätze und Ideen dazu sind vorhanden, jedoch sind Neuerungen von Beginn an effektiver, wenn diese sich an einem identischen Trainings-, Spiel- und Ausbildungskonzept erklären. Dem DFB wird hiermit die Aufgabe zuteil, dank konzeptioneller Anforderungen eine stärkere Integrations- und Leitfunktion einzunehmen. Zugleich füllen die Vorgaben eine Kontrolle aus, indem alle Einrichtungen der Förderung sich daran messen lassen müssen, welchen Anteil sie zur Verwirklichung dieses Ausbildungskonzepts leisten.

Bezüglich zum Beispiel der Spielauffassung legt der DFB das spielbestimmende Auftreten der gesamten Mannschaft als oberstes Ziel fest. Hinzu kommt die Devise durch individuelle Angriffsbemühungen verbunden mit schnellem Kombinationsspiel mutig nach vorne zu spielen. Das flexible Verteidigen zu viert, ein mitspielender Torwart, sowie die aktive Balleroberung und die Ausrichtung aller Aktionen unmittelbar auf “Angriff“ nach Ballverlust sind weitere Grundzüge. Auch ein betontes Offensivspiel über die Außen und das Vorbereiten der Tore durch dynamische und trickreiche Einzelaktionen über die Flügel werden verlangt.

Waren die einzelnen Instanzen des Talentförderbereichs bis 2002 oftmals isoliert voneinander zu betrachten, wird durch die zusätzliche Einrichtung des DFB-Talentförderprogramms diese infrastrukturelle Lücke geschlossen und eine Verbindung geschaffen. Dadurch bietet das Projekt die Möglichkeit eine bundesweit einheitliche Sichtungs- und Förderstruktur herzustellen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt begründet sich durch die vielen Wechselwirkungen unter den etablierten Einrichtungen, so dass der DFB erstmals in der Lage ist, seine Führungs- und Integrationsfunktion hinsichtlich einer homogenen Ausbildungsphilosophie in die einzelnen Sektoren hineinzutragen.

Wie bereits angedeutet, steckt in jeder Talentfördereinrichtung das Potenzial Verbesserungen durchzuführen. Das Gesamtsystem der einzelnen Ebene nimmt an Qualität zu, wenn der Aufgabenbereich jeder dieser Instanzen kritisch hinterfragt und auf Wege der Optimierung untersucht wird. Wichtig ist für jede dieser Instanzen selbstkritisch zu bleiben, empfindlich für neue Aufgaben- und Problemfelder zu sein und die eigene Wirkung im Sinne der individuellen Förderung junger Fußballer dabei nicht außer Acht zu lassen.

In der Vergangenheit wurden bereits Entwürfe zur Optimierung einzelner Bereiche umgesetzt. Im Sommer 1996 begann das Konzept der Sportbetonten Schulen und mit der Einrichtung von Winter- und Sommertrainingslagern wurde die Förderung der Jugendnationalmannschaften seit Oktober 1997 intensiviert. Die U11 und U12 profitieren seit August 1998 von einer zusätzlichen Sichtung und Förderung, während die Leistungszentren der Lizenzvereine seit A­p­ril 2000 ein verbindliches, lizenz-relevantes Anforderungsprofil vorzuweisen haben.

Die Einrichtung effizienter neuer Talentförderinstanze n beinhaltet zum Teil schon angesprochene Schwerpunkte, wie zum Beispiel die Errichtung von weiteren Sportbetonten bzw. Eliteschulen. Relevant ist hier auch der Aufbau oder auch der Ausbau der DFB-Stützpunkte wie auch die Optimierung der Leistungszentren der einzelnen Lizenzvereine (DFB, Das DFB-Talentförderprogramm, S. 11-14).

Für die Talentförderung der13- bis 17- Jährigen existierten im Jahr 1999 in ganz Deutschland 121 Stützpunkte, in denen bis 2002 mehr als 3000 Nachwuchskicker neben den Aktionen der Vereine und Verbände durch 242 Honorartrainer geschult wurden. Zugleich finanzierte der DFB die Intensivierung der Nachwuchsarbeit innerhalb der D-Jugend. Die Sichtungs- und Förderkonzepte wiesen betreffs der Trainingshäufigkeit und der Flächendeckung jedoch Unterschiede auf. Das neue DFB-Talentförderprogramm hat sich aus diesem Grund zur Aufgabe gemacht, diesbezüglich bundesweit einheitliche Strukturen vergleichbarer Qualität zu bilden. Das bedeutet im Einzelnen:

Das seit 1999 bestehende DFB-Stützpunktsystem basierte zum einen auf der Talentsichtung und -förderung der U11/ U12 durch qualitativ und quantitativ verschiedene Förderinstitutionen der Verbände. Zum anderen fußt es auf der Spezialförderung der U13 bis U17, welche an 121 Stützpunkten mit insgesamt 25 Trainingseinheiten im Jahr und zwei Trainern je zwei Trainingsgruppen durchgeführt wurde. Seit 2002 hat sich die Zahl der Stützpunkte mehr als verdreifacht, was sicherlich auch der vermehrten Sichtung und Förderung zugeschrieben werden kann. Mittlerweile bestehen unter der Verantwortung von 29 DFB-Stützpunkt­koordinatoren bis zu 390 flächendeckende Fördergruppen in ganz Deutschland. Auf welche Art und Weise die Fördergruppen auf die jeweiligen Landesverbände aufgeteilt werden, richtet sich dabei nach dem Verbandsgefüge, der Fläche des Verbandes und den bestehenden Juniorenteams. Des Weiteren wird der geographischen Lage und der vorliegenden Infra­struktur eine große Bedeutung zuteil. Pro Stützpunkt helfen zudem drei Honorartrainer den Verantwortlichen bei ihrer Arbeit. Eine weitere Neuerung gegenüber dem Konzept von 1999 ist das wöchentliche Training, wobei die jeweils Begabtesten der Jahrgänge U12 bis U18 zusätzlich zum Vereinstraining eine weitere Einheit pro Woche – im Sinne der individuellen Förderung - absolvieren.

Organisation des Stützpunkttrainings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Organisation des Stützpunkttrainings. Das DFB-Stützpunkttraining. (Angelehnt an: Deutscher Fußball–Bund (Hrsg.). Talentförderung, S. 7)

Für die Trainingsgruppen der U12 und U13 sichten die Honorartrainer ab den E-Junioren in umliegender Gegend. Hierbei wird darauf geachtet, den Kreis der ausgewählten Spieler zu Beginn großzügig zu gestalten, um auf Grundlage der ersten Trainings- und Spielimpressionen die angemessene Fördergruppe herausfiltern zu können. Bezüglich der U14 und der U15 werten die Trainer die Entwicklungen der aktuellen Auswahlspieler aus und beobachten gleichzeitig auch die Fortschritte der nicht nominierten Talente der Region; ist mangelhaftes Engagement oder eine längeranhaltende Leistungsstagnation zu erkennen, behalten sich die Honorartrainer vor, betroffene Spieler auszutauschen. Der Förderungsschwerpunkt der U16, U17 und U18 fußt auf der Sichtung talentierter Quereinsteiger aus der näheren Umgebung und auf der Integration dieser in die jeweilige Fördergruppe (DFB, Das DFB-Talent­förderprogramm, S. 17).

3.7 Vergleich der theoretischen Konzeption der Talentförderung mit der praktischen Durchführung des DFB

Bleibt nun zu hinterfragen, ob das DFB-Talentförderprogramm den bereits erläuterten Definitionen und Ansprüchen u.a. hinsichtlich eines Talents und seiner Bestimmung genügt.

Im Vergleich mit der dynamischen Definition des Talentbegriffs von Joch (1997) können hinsichtlich des DFB-Talentförderprogramms einige wichtige Parallelen festgehalten werden. Die Veränderung des Leistungszustandes soll aktiv durch den Trainer und durch das Training in pädagogisch sinnvoller Begleitung beeinflusst werden, wie unter Kap.1.1.2 erläutert. Im Konzept des DFB spiegelt sich dies in der Arbeit des Jugendtrainers wieder, denn die Ziele sind folgendermaßen formuliert: Das Projekt sieht vor, dass durch ein systematisch geplantes Training und durch eine motivierende, pädagogische Ansprache ausgewählte Nachwuchsspieler taktisch wie auch technisch auf ein hohes Niveau geführt werden. Gerade die pädagogische Betreuung wird beim DFB-Talentförderprogramm als sehr bedeutsam eingeschätzt. Aus diesem Grund werden an den Stützpunkten ausschließlich Ausbilder mit ausreichender Kenntnis beschäftigt und Trainerfortbildungen vor Ort werden organisiert (Kap.3.1). Auf die Durchführung in der Praxis soll hier nicht weiter eingegangen werden, jedoch ist zu erkennen, dass der Trend dorthin strebt, wichtige theoretische Konstrukte in die Lernpraxis mit einzubeziehen.

Das Verhältnis zwischen Betreuer und Talent wird in der statischen Definition nicht beachtet und auch der Trainerperson an sich wird keine weitere Aufmerksamkeit beigemessen. Somit kommt dieser Schwerpunkt des Talentbegriffs für das Vorhaben des DFB nicht in Frage. Das Talent wird allein durch seine Bereitschaft, seine Disposition, sein soziales Umfeld und seine Leistungsresultate definiert (Kap.1.1.1) und dies kann nicht im Sinne einer pädagogischen Einrichtung sein, wie es der DFB hinsichtlich der Nachwuchsförderung ist.

3.8 Kritische Betrachtung des Talentförderprogramms

Die Angaben seitens des DFB zu konkreten Zielen, die der DFB mit dem Fördersystem verwirklichen will, scheinen einheitlich und eindeutig: Jungen und Mädchen sollen in gleicher Weise gefördert werden. Schaut man allerdings etwas genauer hin, so wird insbesondere im Sprachgebrauch offenkundig, dass an vielen Stellen vorwiegend von Spielern die Rede ist, die für den Amateurspitzenfußball oder den Profibereich gefördert werden sollen. Im Hinblick auf das, was im DFB einerseits im Vordergrund vereinbart wird und andererseits im Hintergrund tatsächlich stattfindet, scheint ein ungleichmäßiges Verhältnis zu bestehen.

Auch bezüglich der Ziele, die Spielerinnen mit dem Training im Stützpunkt verbinden, besteht eine weitere Diskrepanz: Während die Spielerinnen durchaus leistungsorientierte Zielsetzungen mit dem Stützpunkttraining verbinden, scheinen diese Ansprüche der Spielerinnen den zuständigen Betreuern als auch Entscheidungsträgern mehrheitlich nicht bewusst zu sein (Kap.7.1.2).

So gibt eine Stützpunktspielerin als Antwort auf ihre Zielvorstellungen zur Aussage: „ ...also ich denke einmal, 1. Bundesliga auf jeden Fall, und dann, wenn`s halt mit der Nationalmannschaft klappt, dann würd ich des auch machen.“, während demgegenüber ein Stützpunktkoordinator zu Protokoll gibt: „Ob unbedingt eine leistungssportliche Entwicklung dahinter steckt, das ist bei den wenigsten Mädchen der Fall. Sie nutzen diese Gelegenheit, wenn sie angeboten wird, aber nicht unbedingt mit dem Gedanken im Hinterkopf, ich könnte mal 2. Bundesliga spielen.“ (Kugelmann/Röger/Weigelt, 2006).

Durch diese vorliegende unzureichende Zieltransparenz zwischen den beteiligten Parteien des DFB-Stützpunktprogramms könnte der geringe Anteil von Mädchen am Stützpunktprogramm erklärt werden.

Auch wenn den am Stützpunkt trainierenden Spielerinnen und Spielern dieselben finanziellen Ressourcen zur Verfügung stehen, ist die Anzahl der Fußballerinnen in den Stützpunkten dennoch verhältnismäßig geringer als die der Spieler. Demzufolge profitieren die Mädchen weniger von den finanziellen Ressourcen, die ca. 10 Millionen Euro pro Jahr betragen (http://www.dfb.de/index.php?id=11154). Hinzu kommt die Tatsache, dass viele talentierte Spielerinnen, die in den eigens für Mädchen eingerichteten Stützpunkten der Landesverbände trainieren (Kap.3.5), obwohl sie nicht im DFB-Stützpunkttraining sind, die finanzielle Unterstützung des DFB Stützpunktprogramms nicht beanspruchen können, da die Landesstützpunkte finanziell vom Landesverband getragen werden. Zwar werden die Materialien von Jungen und Mädchen gleichermaßen benutzt, dennoch existieren deutlich weniger Plätze für Mädchen und somit insgesamt auch weniger Ressourcen.

Die infrastrukturellen Probleme hinsichtlich der Mädchen am Stützpunkt sind jedoch vorrangig außerhalb des Programms zu suchen. Aufgrund der Tatsache, dass die wenigen Mädchenmannschaften meistens auch noch geografisch weit auseinander liegen, kann es zu Anfahrtsproblemen zum Stützpunkt kommen. Während beispielsweise im Jungenbereich ein flächendeckendes Netz an Vereinsmannschaften besteht, woraufhin eine Anfahrt zum Stützpunkt kein Problem ist, kann es bei den Mädchen aufgrund der geografisch weit auseinanderliegen Mädchenmannschaften zu Anfahrtsschwierigkeiten kommen. Hinzu kommt, dass alle Stützpunktkoordinatoren zwar mindestens eine Trainer-A-Lizenz besitzen, allerdings am Stützpunkt meist zum ersten Mal mit der Betreuung von Mädchen konfrontiert werden, so dass es an Erfahrung mangelt, um einschätzen zu können, über welche fußballerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten ein Mädchen verfügen muss. Infolge dessen orientiert sich die Sichtung größtenteils am Jungenfußball, während weibliche Talente nicht erkannt bzw. verkannt werden. Auch kann die geringe Anzahl von Trainerinnen[24] am Stützpunkt als Grund gesehen werden, die weibliche Unterrepräsentanz zu erklären (Kugelmann/Röger/Weigelt, 2006).

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Entwurf eines Talentförderprogramms nur idealtypisch sein kann. Die Praxisdurchführung sieht leider in vielen Fällen anders aus, als es die Grundkonzeption voraussieht. Auch in Zukunft wird es nicht verhindert werden können, dass hoffnungsvolle Talente durch das Raster der Förderung fallen. So werden auch kritische Stimmen laut, wie die von Karl-Heinz Rummenige, der sich im Mai 2006 zu der Thematik des Talentförderprogramms äußerte, in dem er zu Protokoll gab, dass der Verband „bisher überhaupt kein gescheites Konzept gehabt“ (http://www.dfb.de/index.php?id=500014...) habe.

Mangelndes finanzielles Engagement kann dem DFB zumindest nicht vorgeworfen werden, denn die Bilanz der Mittelverwendung für die Jahre 2003 bis 2005 weist die Nachwuchsförderung als einen Schwerpunkt der DFB-Arbeit aus (http://www.dfb.de/index.php?id=11153). Die nahezu 390 Stützpunkte und die vom DFB unterstützten Junioren-Bundes- und –Regionalligen sowie die Sportbetonten Schulen veranschlagen insgesamt 26,8 Millionen Euro. Dem fügen sich weitere fünf Millionen Euro für den Schulfußball und 1,3 Millionen Euro für das “Mädchen-Fußballprogramm“[25] an.

4. Frauenfußball und seine Hintergründe

Der (deutsche) Frauenfußball lässt sich auf verschiedenste Aspekte hin untersuchen: sei es die historische Aufarbeitung, das weibliche Geschlecht in der Fanszene, Frauenfußball im Ausland oder auch das Tabuthema der Homosexualität im Frauenfußball.

Zahlreiche Bücher zur Geschichte des deutschen Fußballs, zu trainingswissenschaftlichen oder sportpsychologischen Aspekten im Fußballsport, massenhaft Biografien von Fußballern und Zeitungen, die über Fußball berichten, reichlich PC- und Playstation-Spiele, mit denen man das Fußballspektakel selbst managen kann. In vermehrter Hinsicht lässt sich der Fußball also im Alltag wieder finden. Mittelpunkt des Interesses ist dabei all zu oft die männliche Jugend. Beiträge, die sich explizit mit weiblichen Jugendlichen und Fußball beschäftigen, sind hingegen weniger zu finden. Entweder tauchen fußballspielende Mädchen und junge Frauen in den Daten zu den vereinsorganisierten Sportarten gar nicht erst auf oder sie sind zum Teil unter die Sammelkategorie „andere“ gefasst. Ziel dieses Kapitels ist es, die Hintergründe des Frauenfußballs zu ergründen. Die Untersuchung des nationalen Mädchen- und Frauenfußballs erfolgt dabei zunächst auf einer historischen Analyse seiner Entwicklung. Anschließend wird unter anderem die aktuelle Situation des vereinsorganisierten weiblichen Fußballsports dargestellt, um eventuelle Weiterentwicklungen und Verbesserungen oder aber auch Stagnation betreffs des weiblichen Fußballsports zu konstatieren. Im Weiteren werden erste Vermutungen über Gründe zum Fußballspielen von Mädchen geäußert. Was Mädchen dazu bewegt, sich für Fußball zu interessieren, ist beispielsweise eine zu erläuternde Fragestellung. Daran anknüpfend wird der Mädchenfußball vor dem Hintergrund der bewegungspädagogischen Sicht betrachtet, um Möglichkeiten für Mädchen, die sich diesen durch den Fußball erschließen, herauszukristallisieren.

4.1 Geschichte des Frauenfußballs

Die Anfänge des Frauenfußballs liegen in England. 1894 gründete die aus London stammende Nettie Honeyball das erste englische Frauenfußballteam mit dem Namen „British Ladies“ (bpb, S. 34ff.). Ein mutiger Schritt, denn auch wenn 10000 Zuschauer zum ersten Ladies Football Match 1895, bei dem sich South of England und North of England (Endstand 1:7) gegenüberstanden, kamen, wurde die Entwicklung des Frauenfußballs von den Herren der Football Association (F.A.) mit großer Skepsis betrachtet. Die Entrüstung und Problematik galt nicht zuletzt der unanständigen Fußballkleidung, denn statt mit vorgeschriebenen langen Röcken zu spielen, liefen die Ladies immer öfter in sportiven Kniehosen auf. 1902 verbot die F.A. ihren Mitgliedsvereinen jegliche Austragung von Spielen gegen Lady Teams (Hoffmann/ Nendza, 2005, S. 6). Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begannen die goldenen Jahre des englischen Frauenfußballs. Bei den Männern kam der Wettkampfbetrieb zum Erliegen, so dass die Plätze und Stadien für die Frauen frei wurden. „Anfang 1921 war es, als ob ein Frauenfußball-Fieber das ganze Land ergriffen hätte. Jedes größere Dorf hatte nun ein eigenes Frauenteam, in den Städten – vor allem im Norden – gab es sogar mehrere gleichzeitig.“ (Williamson, 1991, S. 11, zitiert in Fechtig, 1995, S. 17). Zu den erfolgreichen Mannschaften zählten die 1917 gegründeten „Dick Kerr`s Ladies“, die Arbeiterinnen der Kerr`s Munitionswerke (Pfister, 2006, S.149). Das Team reiste zu sogenannten Wohltätigkeitsspielen, denn die Einnahmen wurden für karitative Zwecke verwendet, und stieg mit Spielen gegen Schottland, die USA und Frankreich zur inoffiziellen Frauen-Nationalmannschaft Englands auf. Finanzielle Ungereimtheiten und die Wiederaufnahme des männlichen Spielbetriebs sind für die F.A. Grund genug Ende 1921 offiziell zu erklären, dass der Fußballsport „gänzlich unpassend für Frauen ist und nicht gefördert werden sollte.“ (Williamson, 1991,S.69, zitiert in Fechtig, 1995, S.20). Damit war das Ende des englischen Frauenfußballs als eine Sportart mit Massenpopularität besiegelt. Auch wenn die Spielerinnen aus 25 Frauenteams wenig später einen eigenen Verband gründeten, die „English Ladies Football Association“, und 1922 sogar im freiheitlich orientierten Amerika Spiele zu Werbezwecken austrugen, bewirkte der Beschluss der F.A. das allmähliche Aus des englischen Frauenfußballs. Der Bann wurde erst 1971 aufgehoben.

Auch in Deutschland ermöglichte der Krieg den Frauen neue Handlungsmöglichkeiten, allerdings fand der Fußball kaum Anhängerinnen und das erste Frauenteam wurde erst 1930 auf Initiative von Lotte Specht in Frankfurt ins Leben gerufen. „Ich habe gesagt, was die Männer können, können wir auch.“ (Lotte Specht, Interview, 1999, zitiert in Hoffmann/Nendza, 2005, S. 20). Die Spielerinnen sahen sich heftiger Proteste ausgesetzt, wurden in den Medien verlacht und auf dem Platz als Mannsweiber beschimpft (bpb, 2006, S. 35), so dass sich das Team bereits nach einem Jahr wieder auflöste. Der Nationalsozialismus bedeutete einen weiteren Rückschlag für den Frauenfußball, denn die Mutterschaft wird als nationale Aufgabe definiert. Als die Männer des DFB 1954 Weltmeister wurden, kam es in der allgemeinen Euphorie auch zu einzelnen Frauenfußballspielen, die allerdings unter der Kategorie Spaßveranstaltung einzuordnen waren. 1955 folgte der DFB dem englischen Verband, in dem er seinen Mitgliedsvereinen die Gründung von Frauenabteilungen und die Bereitstellung von Sportplätzen untersagte (Düwel, 2005, S.13). Insbesondere wurden auch medizinische und biologische Argumente zur Erklärung des Verbots vorgebracht, die u. a. auch von dem Psychologen Fred J. J. Buytendijk mit der Aussage „Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob darum Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich.“ (Buytendijk, 1953, S. 25 f., zitiert in Hoffmann/Nendza, 2005, S. 30) untermauert werden. Trotz des Verbots entstanden im Laufe der 60er Jahre im Süden und Westen Deutschlands erste Frauenfußball-Vereine, eine Entwicklung, die auch durch die Emanzipations- und Studentenbewegung gefördert wurde. Letztendlich musste der DFB akzeptieren, dass der Fortschritt des Frauenfußballs nicht mehr aufzuhalten war, und so wurde am 30. Oktober 1970 auf dem Bundestag der Beschluss von 1955 zurückgenommen (Fechtig, 1995, S. 31), nicht ohne eine Reihe von Regeln aufzustellen. So durfte nur bei guter Witterung und nicht während der Wintermonate gespielt werden, Jugendbälle wurden eingesetzt und die Spielzeit betrug lediglich zwei mal 30 Minuten (bpb, 2006, S. 36). 1974 wurde erstmals ein Deutscher Meister im Frauenfußball ermittelt, dessen Sieger der TuS Wörrstadt war. Die deutsche Frauennationalmannschaft besteht jedoch erst seit 1982. In der DDR gab es diese sogar erst 1990, sie konnte vor der Wiedervereinigung nur ein Spiel bestreiten. Das deutsche Frauennationalteam gewann 1982 in Koblenz vor 5500 Zuschauern mit 5:1 gegen die Schweiz. Dies war der Anfang einer Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Die Frauen-Nationalmannschaft gewann 2003 den Wettkampf um den seit 1991 ausgetragenen Weltmeister-Titel, erreichte 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney und 2004 in Athen die Bronzemedaille und wurde 2005 zum sechsten Mal Europameister (Düwel, 2005, S. 13).

Dennoch haben die weltweite Expansion des Frauenfußballs und die großen Erfolge deutscher Mannschaften, u. a. der 1.FFC Turbine Potsdam als UEFA-Cup Gewinner 2005, nicht verhindert, dass der Fußball der Frauen weiterhin in zweiter Reihe steht. Obwohl die Mitgliederzahlen im Mädchen- und Frauenfußball stetig steigen (DFB, Mitgliederstatistik, 2006), stehen in den Vereinen Frauenabteilungen bei der Vergabe von Geldern und Trainingszeiten hinten an. Nach wie vor wird der Fußballsport oftmals durch den “Mann“ bestimmt, sei es beispielsweise auf dem Platz oder auch im Vorstand der Vereine. Diese Aussage wird auch im Interview bestätigt:

„Es ist auch wichtig, dass die entscheidenden Positionen, die Führungsträger was für den Mädchenfußball übrig haben und [...] sehen, wie wichtig das ist. [...] , da sitzen ja jetzt auch keine 30-Jährigen mehr, die das auch erst mal mitbekommen müssen. Das ist ein Denkprozess, der da umgewandelt werden muss, [...].“ (Int.1)

Eingeschränkt werden die Möglichkeiten des Frauenfußballs weiterhin durch mangelndes Medieninteresse, geringe Zuschauerzahlen und spärliche Sponsorengelder. Selbst die Fußballerinnen der Nationalmannschaft betreiben ihren Sport neben ihrer Arbeit nach wie vor als Halbprofis – im Männerfußball undenkbar. Allerdings zeigte die Weltmeisterschaft 1999 in den USA, welche Möglichkeiten auch im Frauenfußball bestehen. Nach dem Titelgewinn der US-Frauenmannschaft nahmen die Vorbereitungen für eine Frauenfußball-Profiliga – auch im Zuge der großen Euphorie – konkrete Formen an. Mit Hilfe von Sponsoren, Fernsehrechten und -übertragungen wurde die WUSA, die Women`s United Soccer Association, gegründet, in der u. a. die deutschen Nationalspielerinnen Doris Fitschen, Maren Meinert, Bettina Wiegmann und Birgit Prinz spielten und dadurch ihren Lebensunterhalt verdienten. Auch wenn die WUSA sich aus finanziell auftretenden Schwierigkeiten und nachlassenden Zuschauerzahlen nicht behaupten konnte und kurz vor der WM 2003 den Spielbetrieb einstellen musste, gelang es den USA dennoch ein Vorbild für den Frauenfußball zu werden (Hoffmann/ Nendza, 2005). Momentan steht die amerikanische Frauenfußball-Liga vor einem Comeback, geplant ist der Neustart mit acht Mannschaften für April 2008 (http://www.dfb.de/index.php?id= 500014...).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Fußballspielerinnen viele Jahre lang gegen die Arroganz, die Skepsis und den Spott ihrer männlichen Kollegen und Funktionäre kämpfen mussten. Die Frauen erfuhren auf ihrem Weg viele Vorurteile, bis sie die verdiente Achtung fanden. Es war somit nicht nur ein Tritt gegen das runde Leder, sondern es war auch immer ein Kick gegen voyeuristische Männerfantasien und männlich dominierte Herrschaftsstrukturen, gegen Weiblichkeitsklischees und Pöbeleien.

4.2 Mädchenfußball: Zahlen - Daten - Fakten

In Deutschland ist Fußball die Sportart Nummer eins, jedoch – was die Zahlen angeht – in erster Linie aus Sicht der Männer. In der Saison 2005/2006 kann der DFB 6.351.078 registrierte Mitglieder vorweisen, dabei ist nur jedes 14. Mitglied weiblich, der Anteil der Spielerinnen mit 902.494 also gering. Bei den Jugendlichen ist Fußball attraktiv wie nie zuvor. Für 50% der Jungen zählt der Fußball zur Einstiegssportart und jeder dritte Junge unter 14 Jahren ist Mitglied in einem Fußballverein. Insgesamt kicken nach der neuen Mitglieder-Statistik 2006 des DFB in den 21 Länderverbänden 2.127.189 Jungen und Mädchen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von 45.277 Kindern und Jugendlichen im Alter bis zu 18 Jahren. Der Anteil der Mädchen beträgt dabei lediglich 12% (DFB, Mitgliederstatistik, 2006), denn im Vergleich zu den Jungen spielen erst 0,7 % der Frauen ab 14 Jahren regelmäßig Fußball und nur 3,5 % gehen dieser Sportart gelegentlich nach (DFB, Leitfaden Mädchenfußball-Programm, 2003, S. 28).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14: Mitgliederboom im DFB setzt sich fort. (siehe: http://www.dfb.de/index.php?id=11015)

Aus den ersten Ergebnissen[26], einem von Prof. Dr. Claudia Kugelmann geleiteten Forschungsprojekt mit dem Titel „Mädchenfußball unter der Lupe“, geht hervor, dass im Stützpunktprogramm des DFB zur Zeit lediglich 3% Mädchen gefördert werden (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Immer noch bestehen beim Fußball die alten, unbegründeten Vorurteile und Vorbehalte.

„Da gibt’s [...] einige, die sagen: Nein, Fußball war schon immer so, da dürfen nur Jungs spielen, das bleibt so.“ (Int.1)

Jedoch gibt es im DFB beim Frauenfußball trotz dieser Einschränkungen eine sehr positive Entwicklung. Für das Jahr 2004 wies die Mitgliederstatistik des DFB 635.072 Frauen und 222.148 Mädchen (bis 16 Jahre) auf, die aktiv Fußball spielten. 2006 zählen die Frauen bereits 640.650 und die Mädchen 261.844 Mitglieder. Wenn auch der Anteil der Mädchen absolut gesehen gering ist, ist dennoch gerade beim Mädchenfußball ein besonderer Aufwärtstrend zu verzeichnen: Im Vergleich zum Vorjahr wurden mit 5140 Teams rund 20% mehr Mädchenmannschaften zum Spielbetrieb gemeldet (DFB, Mitgliederstatistik, 2006). Bestätigt wird diese Aussage durch einen Funktionär des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes:

„[...] im letzten Jahr kamen allein 20% an (Mädchen-, Anm. d. V.) Mannschaften dazu und das ist schon ein ganz schöner Batzen.“ (Int.1)

Auch die Anzahl der gemeldeten Frauenmannschaften stieg von 3.577 im Jahr 2005 auf 3.896 Mannschaften in der Saison 2006 an, nicht zuletzt eine Folge der achtbaren Erfolgsserie der Frauen-Nationalmannschaft. Dabei ist der Spielverkehr seit 2004 in einer 1. Bundesliga (12 Mannschaften) und einer zweigeteilten 2. Bundesliga (ebenfalls jeweils 12 Mannschaften) organisiert. Hinzu kommt der DFB-Pokalwettbewerb, an dem 64 Mannschaften teilnehmen. Die meisten Bundesligavereine sind vor allem in West- und Süddeutschland zu finden. Zudem wurden für die Bundesliga und den Pokalwettbewerb TV-Verträge abgeschlossen. International wird der deutsche Frauenfußball durch sechs Nationalmannschaften repräsentiert, beginnend mit der U15 bis hin zur A-Mannschaft. „Damit wird eindeutig belegt, dass der Fußball für Jungen und Mädchen nach wie vor die beliebteste Sportart ist. Ganz besonders freut mich der Zulauf bei den Mädchen.“, so der geschäftsführende DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger (http://www.dfb.de /index.php?id=500014...).

Dennoch ist Vorsicht geboten. Studien bezüglich der demografischen Entwicklung belegen, dass die Bevölkerung in Deutschland in den kommenden Jahren sinkt und der weibliche Anteil steigt (Statistisches Bundesamt, 2006). Daraus resultiert im Weiteren, dass weniger Menschen sportlich aktiv sein werden. Gingen im Jahr 2005 ca. 50 % der Bevölkerung – das sind ca. 41 Millionen – dem Sport nach, wären das im Jahr 2050 bei gleichbleibender Beteiligung nur noch ca. 35 Millionen. Der DFB wird somit in den bevorstehenden Jahren voraussichtlich einen wesentlichen Mitgliederrückgang zu bewerkstelligen haben, falls es nicht gelingen sollte, mehr Mädchen für den Fußball zu gewinnen, denn laut Meinung Sepp Blatters gilt: „die Zukunft des Fußballs ist weiblich.“( http://www.ich-spiele-fussball.dfb.de).

4.3 Subjektive Beweggründe der Mädchen für das Fußballspiel

Alle Frauen und Mädchen für das Fußballspiel begeistern zu können und sie von der Attraktivität dieser Sportart zu überzeugen, wäre unrealistisch anzunehmen; so wünschenswert dieses auch ist. Nach wie vor wird es Frauen und Mädchen – wie auch Männer und Jungen – geben, die keinerlei Interesse daran haben, welche Spieler die Torschützenliste anführen oder welcher Club vom Abstieg bedroht ist. Um mehr weibliche Mitglieder für den DFB zu gewinnen, müssen folgende Fragestellungen beantwortet werden: Was könnte Mädchen, die bisher keine Verbindung zum Fußball haben, dazu veranlassen, sich diesem zu nähern? Was könnte sie hindern und abschrecken?

Eltern und Lehrkräfte regen Kinder im Vorschul- und Grundschulalter zu neuen Erfahrungen an. Allen voran sind es die Väter oder Brüder, welche die Mädchen für das Fußballspiel begeistern. Hingegen scheint das Klischee, das beide Mütter in dem Film „Kick it like Beckham“[27] nachdrücklich vertreten – auf den Punkt gebracht: Fußballspielen ist nichts für Mädchen – nach wie vor auch in Deutschland weit verbreitet zu sein. Es gilt also im Zusammenhang mit der Gewinnung von Mädchen dieser Altersgruppe zunächst die Erziehungsberechtigten zu überzeugen. Unabhängiger von ihren Eltern bezüglich ihrer Lebensgestaltung und ihrer Vorlieben werden die Kinder mit fortschreitender Entwicklung. Jugendliche achten vermehrt darauf sich nicht zu blamieren, Bestätigung zu erlangen und Freundeskreise aufzubauen. Zudem ist es ihnen wichtig mit dem Sport individuelle Ziele und attraktive Ereignisse vereinbaren zu können. Durchaus wollen Mädchen sich auf der einen Seite verbessern, etwas leisten und mit anderen konkurrieren. Daneben wollen sie jedoch auf der anderen Seite auch mit Freundinnen zusammen sein, gemeinsam scherzen und etwas unternehmen. Somit fixieren Mädchen sich nicht zu sehr auf den Sport, sondern versuchen auch andere Interessen zu befriedigen, die sehr viel mit Gemeinschaft zu tun haben (Möhwald/Kugelmann, 2006). Bei der Entscheidung sich für oder gegen den Fußball zu entscheiden, ist ein weiterer wichtiger Grund die Person des Trainers. Wird die Funktion von einem Mann oder einer Frau wahrgenommen? Ist er oder sie fachlich kompetent? Wenn die Mädchen sich verstanden fühlen, sie Mitsprache und Akzeptanz erfahren und der Trainer bzw. die Trainerin auch außerhalb des Sports zu Unternehmungen bereit ist, wirkt sich das positiv auf die Motivation und das Klima aus.

Die Möglichkeit „die Einschränkungen einer vom Weiblichkeitszwang bestimmten Sozialisation zu überschreiten“, ist nach Kugelmann (2006, S.155) ein weiterer Anlass für Mädchen mit dem Fußballspielen anzufangen. Die Schranken traditioneller Weiblichkeit können mit Hilfe des Fußballsports und den damit gewonnenen Entdeckungen erweitert werden. Durch den Wettkampf miteinander in Konkurrenz zu treten, Stärke und Kraft zu offenbaren, aufbauende Körperbilder und damit verbunden ein besseres Selbstwertgefühl zu erlangen, tragen laut den Befunden der Frauenforschung in der Sportwissenschaft in der Tat dazu bei, dass Mädchen dafür offener werden, ihre individuelle weibliche Identität zu entwickeln und ihre persönlichen Stärken zu erkennen (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006).

4.4 Vereine als Basis der Förderung

Für die dargelegte Unterrepräsentanz der weiblichen Teams im Fußball – im Jahr 2006 insgesamt 171.877 Mannschaften im DFB, davon nur 9.036 Frauen- und Mädchenmannschaften (DFB, Mitgliederstatistik, 2006) – müssen sich u. a. die Vereine verantwortlichen, denn nicht jeder kann eine Mädchenmannschaft bzw. eine Frauenmannschaft vorweisen. Sicherlich ist das nicht immer nur mangelndem Engagement seitens der Funktionäre zuzuschreiben, doch offenkundig ist, dass – mehrfach – innerhalb der Vereinsstruktur weitaus mehr für den Bereich der Jungen und Männer getan wird und die Fußballerinnen hinten anstehen müssen.

Hier gilt es also anzusetzen: Der Verein muss davon überzeugt werden, dass gesteigertes Interesse und die Gründung einer Mädchen-/Frauenmannschaft Sinn macht, dass der Mädchenfußball “in“ ist und dass u. a. Fußballinteressierte bzw. spielende Väter gefunden werden können, die bereit sind die Mannschaft zu trainieren. Um auch in Zukunft existieren zu können, muss sich der Verein darüber klar werden, dass er sich neuen Entwicklungen öffnen und ein Angebot schaffen muss, in dem sich die gesamte Familie betätigen kann. Die Funktionäre von der längst veralteten Wert- und Normvorstellung, dass Fußball keine Sportart für Mädchen sei, abzubringen, erreicht man durch die Darlegung von Erfahrungs- und Forschungsberichten, die gezeigt haben, dass Fußballspielen Mädchen stark macht und ihre Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflusst. Hinzu lernen Mädchen durch das Spiel soziale Kompetenzen wie Kampfgeist, Disziplin, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt Selbstvertrauen, insgesamt Eigenschaften, die ihnen auch in anderen Lebensbereichen von Nutzen sein werden (DFB, Leitfaden Mädchenfußball-Programm, 2003, S. 17-19). Aufgrund dessen, dass im Bereich der Junioren-Mannschaften im Vergleich der Spieljahre 2005 und 2006 ein Rücklauf – 170 Mannschaften weniger (DFB, Mitgliederstatistik, 2006) – zu verzeichnen ist, werden immer mehr Spielgemeinschaften gegründet. Dazu eine Interviewaussage:

„[...] Mädchenfußball ist noch [...] in der Aufschwungsphase und der Jungsfußball ist am stagnieren [...].“ (Int.1)

Wie bereits erläutert, werden auch die zukünftigen geburtenschwachen Jahrgänge die Vereine erkennen lassen, dass sie auf alle Kinder angewiesen ist. Durch die Aufnahme von Mädchen in den Fußballverein und das Angebot, diese auch in der Jungenmannschaft spielen zu lassen, können diese Probleme behoben werden. Das Ziel der Vereine muss es sein, neben Mädchenmannschaften auch Frauenmannschaften für die Zukunft zu bilden, um der ganzen Familie das Fußballspielen ermöglichen zu können.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Förderung weiblicher ambitionierter Fußballspielerinnen nur dann optimal verlaufen kann, wenn die Grundlagen bereits in den Vereinen gelegt werden. Die örtlichen Fußballvereine sind für Kinder und Jugendliche die erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, sich sportlich zu betätigen. Aus diesem Grund dürfen Mädchen nicht durch das Fehlen einer Mädchenmannschaft am Fußballspiel gehindert werden. Ausnahmslos alle Vereine sollten sich zur Aufgabe machen, den alten und unbegründeten Vorbehalten und Vorurteilen, Fußball sei Männersache, entgegenzusteuern, denn Mädchen lassen sich leicht für Fußball begeistern, wenn sie Unterstützung erfahren.

4.5 Mädchenfußball aus bewegungspädagogischer Sicht

Die Chancen durch den Fußball für Mädchen und Frauen lassen sich in drei Ebenen unterteilen: die individuelle, die interaktionale und die gesellschaftlich-kulturelle Ebene (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006).

Auf der individuellen Ebene bedeutet das Fußballspielen einen Weg zu attraktiven und wichtigen Bewegungs- und Körpererfahrungen. Im Gegensatz zum Alltäglichen wird der Gegenstand, in diesem Fall der Ball, nicht mit den Händen bewegt, sondern geschickt durch die Füße gesteuert und kontrolliert. Ausdauernd laufen, sich gegen eine Gegnerin durchsetzen und das Gefühl zu haben, etwas besonderes zu sein und etwas zu haben, das einen von anderen unterscheidet, sind Inhalte, die Bestandteil der erforderlichen Entwicklungsaufgaben von jungen Menschen auf dem Weg zur Individualität sind. Mädchen werden u. a. durch das “Sich-dreckig-machen“ und das “Bei-Wind-und-Wetter-draußen-sein“ Spielräume bei der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität eröffnet. Es handelt sich um Erkenntnisse, die in einer klassischen Mädchensozialisation ungewohnt sind und von denen deshalb Mädchen häufig abgeraten wird, anstatt sie zu ermutigen. Somit kann Fußball also eine Möglichkeit sein, soziale Rollenklischees zu überwinden (Möhwald/Kugelmann, 2006). Wünschenswerte soziale Erfahrungen ermöglicht der Fußballsport auf der interaktionalen Ebene. Hierbei geht es um die Einbindung in ein soziales Netz, um die Anerkennung der Gleichaltrigen und um die Möglichkeit, mit Freundinnen und Freunden sowie Schulkameraden und Verwandten mitspielen zu können.

Für eine beständige Integration von jungen Mädchen sind auf der interaktionalen und individuellen Ebene Probleme vor allem im familiären und schulischen Umfeld der Mädchen festzuhalten. Meistens werden die Nachwuchskickerinnen von ihren Vätern und Brüdern unterstützt, allerdings scheinen Bedenken bezüglich Vermännlichung, Homosexualität und Brutalität Hemmungen seitens der Mütter zu bestehen. Des Weiteren sind mangelndes Interesse, unzureichende Kenntnisse und die fehlende Qualifikation vieler Pädagoginnen in der Schule hinsichtlich des Fußballssports zu beklagen, wodurch im Schulsport kaum beziehungsweise gar kein Mädchenfußball angeboten wird. Die Bereitwilligkeit zur Fortbildung in diesem Bereich ist lediglich bei jüngeren Kolleginnen vorhanden, da der Mädchenfußball in ihrer modernen Sportlehrerausbildung weitestgehend etabliert ist. Demgegenüber folgen die älteren Lehrerinnen weiterhin dem veralteten Status des Fußballs als Männer- und Jungensportart und bieten deshalb diese Option den Schülerinnen auch nicht an.

Auf der interaktionalen Ebene sollen also Erlebnisse vermittelt werden, die das Selbstwertgefühl junger Menschen stärken und gleichzeitig eine Grundlage sind für das Fußballspielen auf der gesellschaftlich-kulturellen Ebene.

In diesem Zusammenhang bedeutet der Fußball die Zugehörigkeit zu einem gesellschaftlich hoch angesehenen Ereignis, das sich durch die ständige Existenz in den Medien und im Stellenwert, den dieser Sport in den alltäglichen Dialogen der Menschen in unserer Gesellschaft hat, zeigt. Barrieren findet man allerdings in den meistens männlich geleiteten Sportredaktionen, die oft nur den traditionellen Männerfußball thematisieren. Werden die Auseinandersetzungen der erfolgreichen Frauen-Nationalmannschaften seit Jahren bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt, finden Berichte über die weiblichen Bundesligen nur am Rande Erwähnung, werden bzw. nur von den regionalen Medien vernommen. Das Interesse der Sportberichterstattung richtet sich hauptsächlich auf Sportlerinnen, die sich aufgrund ihres Aussehens und ihrer sexuellen Attraktivität besonders gut vermarkten lassen bzw. sich selbst vermarkten. Weiterhin ist die bildliche Inszenierung des Sports, bei der dem Körper eine tragende Rolle zufällt, differenziert zu betrachten. Der Sportberichterstattung nach zu urteilen, passt der männliche Körper zum Sport, während der weibliche Körper insbesondere nur dann abgebildet wird, wenn er sportlich und schön ist (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006).

Neben dem medial hoch anerkannten Ereignis „Fußball“ engagiert man sich zugleich in einer Sportart, die von einem einflussreichen Verband aktiv vertreten wird, der an der Expansion des Fußballsports auf die Mädchen und Frauen interessiert ist.

Die männliche Überlegenheit im Fußball ist aus bereits erläuterten historischen Gründen (Kap.4.1) unanfechtbar und ebenso unbestreitbar sind die Schwierigkeiten des Frauenfußballs sich in dieser Domäne durchzusetzen. Doch in den letzten Jahren haben sich die Frauen mit kontinuierlicher Entschlossenheit nicht nur auf dem Spielfeld zunehmende Bedeutung und Anerkennung erkämpft. Dass der gesellschaftliche Wert dieses Nationalsports ohne die Beachtung und die Teilhabe der ca. 50 % der Bevölkerung nicht ausgereizt ist, haben parallel dazu letztendlich auch die einflussreichen Funktionäre erkannt.

Aber kann nicht auch eine andere Sportart Beweggrund für die Wahrnehmung solcher Chancen sein? Kann die individuelle, soziale Entwicklung und Bildung nicht auch durch Leichtathletik, Tennis, Handball oder Turnen angeregt werden? Zunächst scheint das im Prinzip möglich zu sein. Jedoch bietet besonders das Fußballspiel durch seine mit männlich geprägten kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einen geeigneten Raum dafür, dass Mädchen und Frauen aufzeigen und demonstrieren können, wozu sie in der Lage sind. Die unkomplizierte Verwirklichung des leicht zu inszenierenden Sports – ein Ball, zwei Tore, ein freier Platz – ist auf der einen Seite ein nicht zu unterschätzender Vorzug, der auch Mädchen viele Spielchancen eröffnet. Auf der anderen Seite existieren allerdings in der öffentlichen Inszenierung einige Ereignisse, die als eher kontraproduktiv und hemmend für die Entwicklung des Frauenfußballs gesehen werden müssen. Dabei handelt es sich u. a. um den beklagenswert niedrigen Stellenwert, den die Talentsuche und Förderung von Mädchen im Vergleich mit der allgemeinen Jugendarbeit einnimmt, denn – wie mehrfach erwähnt – in Deutschland sind keine 3 % der Stützpunktteilnehmer weiblich (www.frauen-fussball.org). Für Mädchen und Frauen bedeutet der Fußball nichtsdestotrotz die Gelegenheit von den finanziellen, fachlichen und strukturellen Ressourcen eines vermögenden Fachverbandes zu profitieren und in einem privat, wirtschaftlich und politisch wichtigen gesellschaftlichen Bereich kompetent zu werden.

Die gegenwärtigen Entwicklungen im Fußball tendieren dazu, den Boden für solche Chancen zu bieten. Der Wandel der Sport- und Spielkultur in den letzten Jahren bringt eine Situation mit sich, die den Fußball nicht mehr als reines Männerrevier betrachtet, was in Ländern wie England, Norwegen und Amerika längst selbstverständlich ist (Pfister, 2000). „Und nicht zuletzt durch die Erfolge der Nationalmannschaft haben Fußballerinnen hierzulande ihren festen Platz in der Sportgesellschaft gefunden“ (Klasen/Klasen, 2005, S. 169), erlangen stärkeres Medieninteresse, werden von bekannten Sponsoren vertreten und gewinnen mehr Publikum. Hierdurch haben sich konkret, wie auch symbolisch, Bereiche für Fußballspielerinnen eröffnet, die es ihnen möglich machen, sich zunehmend an diesem Sport zu beteiligen. Natürlich bestehen bzgl. des Frauenfußballs nach wie vor teilweise Desinteresse und Arroganz, jedoch ist in der aktuellen Fußballkultur der Kontrast von Männlichkeit und Weiblichkeit fließender geworden und nachhaltig in Bewegung geraten, wodurch die Aussichten für Mädchen und Frauen gewachsen sind.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Ursachen der geringen Teilhabe und Integration von Mädchen im organisierten Sport sehr vielschichtig und durch mehrere Ebenen zu erklären sind.

5. Mädchenfußball in der Schule

Da der Fußball mit ca. 20 Millionen Spielerinnen weltweit mittlerweile die beliebteste Sportart der Frauen ist und auch in Deutschland die Mitgliederzahlen des DFB stetig steigen (DFB, Mitgliederstatistik, 2006), hat sich der DFB zur Aufgabe gemacht, den Fußball verstärkt auch in den Schulen zu unterstützen und zu fördern. Geplant ist die Einführung des Mädchenfußballs als Pflichtfach in der Sportlehrerinnen-Ausbildung sowie eine Verankerung in allen Lehrplänen. Des Weiteren wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen angestrebt (www.ich-spiele-fussball.dfb.de). Als Vorbild dienen die USA: Dort stellt Mädchenfußball in der Schule mit dem Resultat von sieben Millionen Kickerinnen und einem öffentlichen Interesse, das den Männerfußball übersteigt, eine Selbstverständlichkeit dar. Um den Mädchenfußball auch an deutschen Schulen voranzutreiben, könnte beispielsweise ein Schulturnier organisiert oder auch eine Mädchenfußball-AG gegründet werden. Sind das Engagement und die Leistung der Mädchen vorhanden, besteht die Möglichkeit die Mannschaft für den Wettkampf „Jugend trainiert für Olympia“ zu melden. Vorraussetzungen für die Förderung des Mädchenfußballs in der Schule sind die Bereitschaft der Lehrkräfte, das Interesse der Mädchen an der Sportart und die Unterstützung der regionalen Vereine.

5.1 “Deutschlands coolste Schulkickerinnen“

Das Mädchen-Schulfußballprojekt, das seit dem 1. Dezember 2006 bis zum 30. Juni 2007 stattfindet[28], wird vom Deutschen Fußball-Bund und www.ich-spiele-fussball.dfb.de bundesweit für alle Schulformen ausgeschrieben. Prämiert werden Ideen und Aktivitäten, durch die die Intensivierung und Entwicklung des Mädchenfußballs in der Schule ermöglicht werden. Im Vordergrund steht dabei nicht die Auszeichnung sportlich herausragender Leistungen, sondern die Förderung der kreativen und innovativen Vorschläge zur Entwicklung des Mädchenfußballs innerhalb des Schulsports und das Modell einer Kooperation zwischen Schulen und Vereinen. Durch die anschließende Präsentation der eingegangenen Aktionen und Anregungen erhofft sich der DFB eine bundesweite Gesamtentwicklung des Mädchenfußballs. Teilnehmen können alle 1. bis 4. Klassen der Grund- und Gesamtschulen, alle 5. bis 10. Klassen der Haupt-, Real-, Gesamtschulen, Gymnasien und alle 11. bis 13. Klassen der Gymnasien, Gesamtschulen, die mit einem oder mehreren Vereinen zusammenarbeiten. Die Bewerbungsunterlagen der einzelnen Schulen umfassen dabei eine durch Eigenleistung der Schüler erarbeitete Vorstellung der Schule, evtl. durch Fotos, Videos oder auch Internetauftritten. Zusätzlich sollen schlichte Fakten dargelegt werden: Gibt es eine reine Mädchenmannschaft oder gemischte Teams? Findet regelmäßiges Training statt? Wie ist die Mannschaft entstanden? Durch welche Maßnahmen hat man das Interesse der Mädchen für den Schulfußball geweckt? Das letzte Kriterium, welches dem Motto „Warum sind wir Deutschlands coolsten Schulkickerinnen?“ folgt, besteht in der Originalität und der Ausgefallenheit der Bewerbung. Die Beiträge werden nach Abschluss des Wettbewerbes durch die Redaktion „ich-spiele-fussball“ ausgewertet. Die ideen­reichsten und inte­ressantesten Vorschläge der Vorauswahl werden dann abschließend gemeinsam mit der Abteilung Mädchen- und Frauenfußball des DFB bewertet (www.ich-spiele-fussball.dfb.de).

5.2 Potsdamer-Jahn-Schule

Wie bereits in Kapitel 3.4 erwähnt, ist die Sportschule Potsdam eine Eliteschule des Sports, deren Ziel darin besteht Schule und Nachwuchsleistungssport optimal miteinander zu verbinden. Gefördert werden sportlich begabte Schüler, wobei eine hochqualifizierte Ausbildung der Schüler mit einem dementsprechenden qualifizierten schulischen Abschluss gewährleistet wird. Mögliche Abschlüsse sind: erweiterte Berufsreife, Fachoberschulreife, Allgemeine Hochschul­reife. Für Kadersportler ist nach individueller Vereinbarung eine Schulstreckung möglich, das bedeutet eine Ausdehnung der Jahrgangsstufe 12 auf zwei Schuljahre. Ferner wird die Schule durch den Alltag einer Ganztagsschule bestimmt, so werden u. a. die unterschiedlichsten Fördermaßnahmen wie Hausaufgabenbetreuung, Arbeitsgemeinschaften und Förderunterricht im Rahmen der Ganztagsbetreuung angeboten. Durch eine enge Kooperation mit den Olympia-, Bundes-, Landes-, Verbands- und Vereinsstützpunkten kann ein koordiniertes Beratungssystem aufrechterhalten werden. Neben Frauenfußball werden im Weiteren Schwimmen, Rudern, Handball, Leichtathletik, Fünfkampf und Triathlon von A-Lizenz-Trainern unterrichtet. Hierbei macht die Schule Gebrauch von zwei Stadien, jeweils einer Schwimm-, Turn-, Fecht-, Handball- und Leichtathletikhalle, Trainingsstätten für Kanu und Rudern sowie einer Gegenstromanlage für das Schwimmtraining. Die Unterbringung vieler Schüler erfolgt in einem Internat, wodurch es möglich wird in unmittelbarer Nähe der Schule zu wohnen. Die in Zwei- und Drei-Bettzimmern unterteilten 364 Betten stehen neben Sportschülern auch Auszubildenden, Mitgliedern der Sportfördergruppe der Bundeswehr und Lehrgangsteilnehmern zur Verfügung. Eine Rundumbetreuung wird u. a. durch 24 Erzieherinnen und eine Sachbearbeiterin sichergestellt. Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, gute Verkehrsanbindungen und eine ausgewogene Verpflegung zeichnen die Schule in Potsdam zudem als eine der besten Sportschulen bundesweit aus.

Die Erfolgsaussicht das Abitur zu bestehen, wird als Aufnahmekriterium veranschlagt. Ausnahmen werden lediglich bei besonders geförderten Ausnahmesportlern zugelassen. Die Schüler müssen bei der Anmeldung ein Grundschulgutachten, eine sportliche Empfehlung eines Landessportverbandes und einen Antrag der Eltern vorlegen. Die Entscheidung über die Zulassung an der Sportschule Potsdam ist abhängig von der Einschätzung der Schule und dem Landesverband, ob der Bewerber in der Lage ist, den hohen Ansprüche von Schule und Nachwuchsleistungssport gerecht zu werden. Die Informationsgespräche, die der Jahrgangsleiter und die Schulleitung mit den Interessenten und ihren Eltern führen, sind diesbezüglich mit ausschlaggebend (www.sportschule-potsdam.de).

Aufgrund der herausragenden Nachwuchsarbeit im Bereich des Mädchenfußballs wurde die Sportschule Potsdam – in Anbindung an den erfolgreichen 1.FFC Turbine Potsdam – am 20. Dezember 2006 als zweite Nachwuchseinrichtung Deutschlands als Eliteschule des Fußballs ausgezeichnet. Zuvor wurde die Lausitzer Sportschule in Cottbus vom DFB mit diesem Titel geehrt. Während in Cottbus den männlichen Talenten des Fußballs Aufmerksamkeit zuteil wird, sind es in Potsdam hauptsächlich Mädchen, die eine gesonderte Fußballförderung und Unterstützung von der Schule erhalten (www.ffc-turbine.de). Schon seit mehreren Jahren arbeitet der 1. FFC Turbine Potsdam mit der Sportschule Potsdam, die im Jahr bis zu zehn talentierte Nachwuchsspielerinnen neu aufnimmt, zusammen. Zudem bietet der Verein Sportschülerinnen durch regelmäßige Praxiserfahrungen in den Nachwuchsteams des 1. FFC Spiel- und Wettkampfpraxis, so dass die Entwicklung der ambitionierten Kickerinnen stetig gefordert und gefördert wird.

5.3 Die “Schulfußball-Offensive“ des DFB

Der DFB nutzt die “Schulfußball-Offensive“ um Menschen zusammenzuführen und um sich u. a. bei all den Schülern, die die deutsche Nationalmannschaft während der WM 2006 tatkräftig unterstützt haben, zu bedanken und ihnen eine Freude zu machen.

Dass die Schule ein wichtiger Ort ist, um den Spaß an der Bewegung zu entdecken, strich die 21-jährige Nationalspielerin Anja Mittag bei einer Auftaktveranstaltung an der Möwensee- Grundschule in Berlin heraus: „Ich habe früher immer mit meinem Bruder Fußball in der Schule gespielt und dadurch die Begeisterung für diesen Sport entwickelt." (http://www.kicker.de/fussball/junioren/startseite/artikel/355002).

Der DFB will vor dem Hintergrund der Aktion “Schule und Fußball – ein starkes Team“ alle Grundschulen in Deutschland in Form von speziellen Schulfußball-Paketen mit Stundenplänen, Bällen und Postern ausstatten. Außerdem sponsert der Sportartikelhersteller adidas das Projekt mit 340.000 Leibchen und 85.000 "Teamgeist"-Bällen und bringt damit seine Unterstützung zum Ausdruck. Die Begeisterung und den Schwung der WM 2006 noch mitzunehmen und hineinzutragen in rund 20.000 Grundschulen in Deutschland, versuchen der DFB und seine Landesverbände mit der Schulfußball-Offensive unter dem Motto “Schule und Fußball – ein starkes Team“. Ziel der Aktion ist es, Fußball als Basissportart in den Schulen noch besser zu platzieren als bisher und vor allem im harmonischen Zusammenspiel mit den Lehrkräften auch in besonderem Maße den Mädchen die Chance einzuräumen, verstärkt an den Schulen Fußball spielen zu dürfen.

6. Studien und Projekte des DFB

Um die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs voranzutreiben, hat der Deutsche Fußball-Bund in der Vergangenheit bereits einzelne Konzepte durchgeführt. Nachfolgend werden einige dieser Studien und Maßnahmen dargestellt. Sei es das DFB-Projekt “Mädchen- und Frauenfußball“, die Einführung eines Bonussystems für Juniorinnen oder auch der “Tag des Mädchenfußballs“: Das gewünschte Ziel, die bundesweite Förderung und Anerkennung des Mädchen- und Frauenfußballs, wurde bislang lediglich in den ersten Ansätzen erreicht. Durch die aktuell laufende Schulfußball-Offensive und das Mädchenfußball-Programm erhofft man sich weitere Erfolge.

6.1 “Mädchen- und Frauenfußball“

Der DFB gab das Projekt “Mädchen- und Frauenfußball“, das von Prof. Dr. Claudia Kugelmann, Marit Möhwald und Wolfgang Fischer (alle Uni Erlangen) geleitet wurde, für den Zeitraum Oktober 2004 bis Oktober 2005 in Auftrag. Das Programm ist ein Projekt zur Motivforschung von Mädchen in Bezug auf Fußball mit dem Ziel einer Integrationsförderung im Vereinsbereich des Mädchen- und Frauenfußballs. Untersucht werden sollten die Erwartungen und Motive von Mädchen bezüglich der Teilnahme an Vereinsangeboten in der Sportart Fußball. Mittels der Ergebnisse sollten Konzepte entwickelt werden, durch welche die Bedürfnisse der Fußballerinnen konkreter verwirklicht werden können, um damit die Mitgliedschaft am Vereinsfußball attraktiver werden zu lassen.

Die Methodik des Projekts umfasste drei Phasen. Phase 1 beschäftigte sich mit qualitativen Intensivinterviews, für die sich Mädchen, Trainer sowie Lehrkräfte an Schulen zur Verfügung stellten. Die Gespräche galten als Vorbereitung für Phase 2, die repräsentative schriftliche Befragung der vorher Interviewten. In Phase 3 wurde dann aufgrund der erforschten Befunde ein Konzept zur Integration von Mädchen in den Vereinsfußball entwickelt und erprobt. Das Anliegen des DFB war die Angleichung der damals aktuellen Systeme im Mädchenfußball an die Beweggründe und Neigungen von Mädchen, wodurch ein Zuwachs der Mitglieder an fußballbezogenen Vereinsangeboten erreicht werden sollte (www.frauen-fussball.org/).

6.2 Bonussystem für Juniorinnen

Seit der Saison 2005/2006 belohnt der Deutsche Fußball-Bund mittels einer Prämie Vereine, die Spielerinnen ausgebildet haben, die erstmals in einem offiziellen Spiel der U17-Nationalmannschaft zum Einsatz kommen. Somit profitieren rückwirkend alle Klubs von dieser Regelung, in denen das Talent zuvor gespielt hat. Der Verein erhält 500 € pro Saison, in der die Spielerin für den jeweiligen Verein tätig war, wobei die Beiträge am Saisonende ausgezahlt werden. DFB-Schatzmeister Heinrich Schmidhuber dazu: „Wir kalkulieren damit, jährlich 100.000 bis 130.000 Euro auszuschütten. Damit erreichen wir eine breite Masse an Vereinen.“ (http://www.dfb.de/index.php?id=500014...). Durch die entsprechende Regelung zu der im Junioren-Bereich, wo das Konzept im Spielbetrieb der U16 schon seit der Saison 1997/1998 umgesetzt wird, verfolgt der DFB die Politik, den Mädchenfußball gleichberechtigt zu fördern. Die Vereine sollen durch das Bonussystems motiviert werden, eine qualifizierte Betreuung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen anzustreben. Dadurch wird ein wichtiger Anreiz für die Vereine geschaffen, sich im Mädchenfußball noch stärker zu engagieren. Somit dient die Einführung des Systems im Mädchenbereich als optimale Ergänzung zum “Mädchenfußball-Programm“, welches durch den DFB Anfang des Jahres 2005 ins Leben gerufen wurde.

6.3 “Mädchenfußball-Programm“

Das “Mädchenfußball-Programm“ zielt darauf ab, mehr Frauen und Mädchen für die Vereine zu gewinnen. Durch ein attraktives Angebot in den Vereinen und den gleichzeitigen Ausbau eines entsprechenden Gefüges mit Trainern, Schiedsrichtern und Betreuern soll zum einen Begeisterung für den Fußball hervorgerufen werden und zum anderen – bedingt durch eine große Anzahl von Spielerinnen – ein größerer Kreis von Talenten für die Auswahlmannschaften zur Verfügung stehen. Aufgrund eines breiteren Freizeitangebots und des bundesweiten Rückgangs der Anzahl von Jugendlichen sind bereits heute vielerorts schwindende Mitgliederzahlen im männlichen Jugendbereich zu registrieren. So wurden für das Jahr 2005 insgesamt 100.333 Mannschaften gezählt, während im Jahr 2006 nur noch 100.163 gemeldet sind (DFB, Mitgliederstatistik, 2006). Durch die Weiterentwicklung des Mädchenfußballs in den Verbänden kann die Anzahl der Vereinsmitglieder erhalten bleiben und Jugendmannschaften können beispielsweise durch die Bildung gemischter Teams weiterbestehen.

Eines der Projektziele besteht in der Gründung bzw. im Ausbau von Strukturen an der Basis, die es ermöglichen, mehr jungen Nachwuchsspielerinnen den Weg in die Vereine zu ebnen, um dort – bestmöglich in einer altersgerechten Mädchenmannschaft – Fußball zu spielen. Derzeit tun dies etwa 220.000 Mädchen, eine Größenordnung, die bei insgesamt 3,4 Millionen deutschen Schülerinnen noch beachtliches Potenzial bietet. Umfragen haben ergeben, dass sechs von zehn Mädchen gerne Fußball spielen möchten. Geht man davon aus, dass die WM 2006 im eigenen Land eine Aktivierung für das Thema Fußball nach sich gezogen hat, könnte sich diese Quote noch erhöhen (www.ich-spiele-fussball.dfb.de). Hier setzt das “Mädchenfußball-Programm“ an: Die Kreismädchenreferentinnen leisten Überzeugungsarbeit bei genau diesen Mädchen. Im Vordergrund stehen dabei Vereine, die bislang kaum oder keinen Mädchenfußball betreiben. Zeigt ein Verein Interesse an der Arbeit der Referentinnen, stehen diese mit praktischen Anweisungen und Hilfen beiseite. Wie organisiere ich einen “Tag des Mädchenfußballs“, wie plane ich ein Schnuppertraining, wie gründe ich eine Mädchenmannschaft, wie sieht eine Schulkooperation aus oder wie gestalte ich ein Mädchenfußball-Camp? Das sind Fragen, die jederzeit beantwortet werden können. Ist das Projekt in einem Verein gestartet, wird darauf geachtet, dass dieser nicht auf sich allein gestellt ist, denn ein dauerhaft betriebener Austausch ist vorgesehen, um das Netzwerk zu festigen. Darüber hinaus ist das “Mädchenfußball-Programm“ bestrebt, Synergien mit bereits vorhandenen Netzwerken aus dem (Jungen-)Nachwuchsbereich zu nutzen, um so umfassend eine intensivierte Werbung für den Jugendfußball zu betreiben. Und nicht zuletzt haben die DFB-Verantwortlichen das Programm darauf ausgerichtet, die Größe und Stärke der Vereins- und Verbandsstrukturen auf breiter Basis zu erhalten und auszubauen: Neben Spielerinnen werden auch Ehrenamtliche aus den Bereichen Trainer, Übungsleiter, Schiedsrichter und auch Fans mit dem Projekt angesprochen. Um die genannten Ziele zu verwirklichen, stützt sich das Programm auf drei inhaltliche Säulen: Kommunikation, Stärkung der Verbandsstrukturen und begleitende Maßnahmen. In den Bereich der Kommunikation fallen Informations- und Interaktionsmittel, wie beispielsweise der Internetauftritt www.ich-spiele-fussball.dfb.de oder auch Werbemaßnahmen durch Broschüren, Plakate etc. Ein Leitfaden sowie die Vernetzung existierender Maßnahmen dienen einer Stärkung der Verbandsstrukturen (http://www.ich-spiele-fussball.dfb.de /de/arena.html).

Damit das “Mädchenfußball-Programm“ seine Ziele erreichen und die Stärkung bzw. der Auf- und Ausbau der Verbandsstrukturen, für den Mädchenfußball bis hin in die Kreise optimal gelingen kann, sind alle Beteiligten aufgefordert, attraktive Angebote für den Mädchenfußball zu entwickeln.

6.4 Internet-Portal “ich-spiele-fussball“

„Ich spiele Fußball und Du?“ lautet der Slogan zum “Mädchenfußball-Programm“, in dessen Rahmen auch das Internet-Portal www.ich-spiele-fussball.dfb.de ins Leben gerufen wurde. Hier wird der Spitzen-Frauenfußball stark repräsentiert. Wer sich vorab oder auch nachträglich über Mädchenfußball informieren will, wird bei dem umfangreichen Angebot im Internet fündig. Unter anderem finden sich hier News zur 1. und 2. Frauen-Bundesliga, der Nationalmannschaften und zu den aktuellen Spielverlegungen. Mit Beginn der Saison 2005/2006 ist u. a. ein Live-Ticker eingerichtet worden, über den an den Spieltagen die aktuellen Spielstände abgerufen werden können.Wer auf der Suche nach neuen Spielerinnen für den eigenen Verein ist oder sich selbst einer anderen Mannschaft anschließen will, erhält die notwendigen Informationen. Des Weiteren sind die Fußballgeschichte und -regeln, Fitness-, Trainings- und Ernährungstipps, Hintergründe zur DFB-Talentförderung sowie Wissenswertes zum Thema (Mädchen-)Fußball und Schule nachzulesen. Der “Treffpunkt“ bietet eine Gelegenheit sich per Chat mit anderen Kickerinnen über Filme, Literatur, CDs und Alltägliches auszutauschen. Eine Besonderheit dabei ist der regelmäßig stattfindende Event-Chat, bei dem gestandene Bundesligaprofis, wie z. B. Steffi Jones oder auch Sandra Smisek, Rede und Antwort stehen. Unter der “Arena“ verbergen sich Verbandsnachrichten, Ausschnitte des Leitfadens zum “Mädchenfußball-Programm“, Trainingstipps und Download-Links (www.ich-spiele-fussball. dfb.de).

In Zusammenarbeit mit der Zeitschrift “FF Magazin“[29] veröffentlicht das Internet-Portal seit Juni/Juli 2006 ein eigenes Mädchenfußball-Magazin mit dem Titel “Ich spiele Fussball“ und auch die Kooperation mit dem DFB verläuft bisher wie geplant. So suchten der Deutsche Fußball-Bund und die Mädchenfußball-Internet-Plattform bei dem Mädchenfußball-Wettbewerb “Wir sind das coolste Team“ gemeinsam drei Monate lang nach den "coolsten" Mädchenteams im Lande (Kap.5.1).Mitmachen konnten alle Mädchenfußballvereine und -teams unabhängig von ihren sportlichen Erfolgen. Gesucht wurde die Mannschaft oder der Verein, die den Mädchenfußball durch lang- oder kurzfristige, geschickte Aktivitäten in ihrer Gegend vorangebracht haben. So wurden zum Beispiel außergewöhnliche Maßnahmen, Schulkooperationen und andere Aktivitäten beurteilt, durch die neue Spielerinnen gewonnen wurden (http://www.ich-spiele-fussball.dfb.de/de/fussball-und-schule).

6.5 “Tag des Mädchenfußballs“

Ein Schwerpunkt der Arbeit der Sepp-Herberger-Stiftung[30] liegt bei der Ausrichtung des “Tag des Mädchenfußballs“. Dieser wird von der Stiftung gemeinsam mit den DFB-Landesverbänden finanziert und ausgerichtet. Die Veranstaltung wird, ähnlich den Zielvorstellungen des “Sepp-Herberger-Tages“, durchgeführt: auch zu dieser Aktion sollen nach Möglichkeit viele Mädchen-Schulfußballmannschaften unterschiedlicher Jahrgänge eingeladen werden.

2006 veranstalteten der DFB und Alpro Soya[31], offizieller Förderer des Mädchen- und Frauenfußballs, ein dreitägiges Fußball-Camp auf Mallorca für Mädchen, die sich zuvor im Rahmen der bundesweit stattfindenden “Tage des Mädchenfußballs“ durch besondere fußballerische Leistungen hervorgetan hatten. Die 14 bis 16-jährigen Mädchen absolvierten unter der Anleitung von DFB-Trainerin Silvia Neid, der U19-Trainerin Maren Meinert sowie des mitgereisten Trainer-Stabs neben mehreren Koordinationseinheiten Torschusstechnik, Ballführung und Flanken. Durch unmittelbares Feedback für die Nachwuchskickerinnen erteilten Silvia Neid und Maren Meinert wertvolle Ratschläge und Verbesserungsvorschläge (http://www.dfb.de/index.php?id=500014).

Anhand der ausgewählten Projekte, die im Rahmen der Mädchentalentförderung in der Vergangenheit durchgeführt bzw. aktuell veranstaltet wurden, lässt sich erkennen, dass der DFB bestrebt ist die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs voranzutreiben. Den Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes wird bewusst, dass sie handeln müssen, wenn sie bezüglich der Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung gleiche Verhältnisse zwischen Jungen und Mädchen schaffen wollen. Beispielsweise sind die Einführung des Bonussystems für Juniorinnen und die Erstellung des “Mädchenfußball-Programms“ deutliche Zeichen dafür, dass auch Mädchen die Möglichkeit haben sollen, gesichtet und gefördert zu werden.

7. Spielerinnen im DFB-Stützpunktprogramm

Aus Kapitel drei geht hervor, dass die bundesweit flächendeckend verteilten Talentstütz­punkte, neben der Förderung über die Verbände und die Junioren-Nationalmannschaften, ein essentieller Baustein der augenblicklichen Talentförderung des Deutschen Fußball-Bundes sind. Deren Funktion besteht darin, Jungen und Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren weitere Trainings- und Qualifizierungsmöglichkeiten für den Bereich Fußball zu eröffnen. Im Vordergrund steht dabei, dass, „egal, wo ein Kind in Deutschland spielt, [...] es muss die gleiche Chance besitzen [...], gesichtet zu werden.“ (DFB, Talentförderung, S.5). Die angesprochene Unterrepräsentanz des weiblichen Geschlechts im DFB zeigt sich auch bei den an den Stützpunkten beteiligten Trainerinnen und Stützpunktkoordinatorinnen. Unter 29 hauptamtlichen Stützpunktkoordinatoren findet sich mit Birte Brüggemann für den Landesverband Bremen nur eine Frau wieder (http://www.dfb.de/index.php?id=11159). Insgesamt sind im DFB zwar weniger Fußball spielende Mädchen (bis 16 Jahre) als Jungen (bis 14 Jahre) gemeldet (laut Mitgliederstatistik 2006: 261.844 zu 1.351.890), und aus diesem Grund werden unvermeidlich weniger talentierte Spielerinnen gefördert. Dennoch profitieren ambitionierte Fußballerinnen deutlich weniger als talentierte Jungen von dem Stützpunktsystem des DFB und werden darüber hinaus innerhalb dieses Förderprogramms eher von Männern als von Frauen betreut. Vor diesem Hintergrund ergibt sich das Forschungsinteresse des Projekts “Mädchenfußball unter der Lupe“.

7.1 “Mädchenfußball unter der Lupe“

Das von Oktober 2004 bis September 2006 durchgeführte Projekt “Mädchenfußball unter der Lupe“, dessen Auftraggeber das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war, beschäftigt sich mit der Nachwuchssichtung und der Nachwuchsförderung aus Sicht der Frauen- und Geschlechterforschung. Analysiert wurden dabei einerseits die Situation von weiblichen Talenten im DFB-Stützpunktprogramm sowie andererseits die Stärken und Schwächen des aktuellen Talentförderprogramms des DFB. Diesbezüglich wurden verschiedene Einflüsse betrachtet, durch die die geringe Teilhabe der Mädchen am Programm begründet werden soll. Ziel der Studie ist die Verbesserung der Talentsichtung, -auswahl und -förderung im Mädchenfußball des Deutschen Fußball-Bundes und der Entwurf eines mädchenorientierten Sichtungs- und Förderungskonzepts (http://www.frauen-fussball.org). Das Projekt wurde von Prof. Dr. Claudia Kugelmann – wie auch schon die Untersuchung “Mädchen- und Frauenfußball“ (Kap.6.1) – sowie Dr. Ulrike Röger und Yvonne Weigelt geleitet, die durch Interviews und Befragungen von Spielern, Funktionären und Trainern am Stützpunkt zunächst einen Überblick über den aktuellen Zustand der Talentförderung des DFB geben.

Zur Vorbereitung der zweiten Phase, der standardisierten schriftlichen Befragung, dienen dann die vorher gewonnenen Erkenntnisse. Mittels Fragebögen werden dann die Vor- und Nachteile für die Mädchen während des Stützpunkttrainings erarbeitet, die gleichzeitig die Grundlage für Optimierungsvorschläge im Hinblick auf die Integration von talentierten Spielerinnen bilden. Auch wenn die Einbindung von ganz besonders talentierten Spielerinnen in das DFB-Stützpunktprogramm bereits gelungen ist, zeigt die Studie “Mädchenfußball unter der Lupe“ bezüglich einer umfangreicheren Talentsuche, -auswahl und -förderung wesentliche Defizite auf, die von Trainern, Spielern und Funktionären jedoch unterschiedlich aufgefasst werden. Die Studie der Uni Erlangen legt aufgrund dieser Feststellung Lösungsmöglichkeiten dar, wodurch die auftretenden Defizite vermindert, wenn nicht gar verhindert werden sollen. So werden auf der einen Seite Möglichkeiten gezeigt, auf welche Art und Weise die talentierten Spielerinnen in vollem Umfang von dem Talentförderprogramm des DFB profitieren können. Trainer und Funktionäre erhalten auf der anderen Seite Anregungen für eine Sensibilisierung in Bezug auf eine mädchenspezifische Talentförderung.

Im Zentrum der Arbeit stehen demzufolge zwei Zielstellungen. Zunächst wird versucht eine Antwort auf die Frage zu finden, durch welche Einflüsse die ungleiche Verteilung der Geschlechter im Hinblick auf die Spieler und Spielerinnen im Nachwuchssichtungs- und -förderungsprogramm des DFB zustande kommt. Im zweiten Schritt geht es dann um die Umsetzung der Ergebnisse in gezielte Strategien, um der Unterrepräsentanz von Mädchen im Stützpunktprogramm entgegenzuarbeiten und neue Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006).

7.1.1 Sichtung der Mädchen

Die Sichtung (Kap.3.5) weiblicher Fußballtalente erfolgt offiziell durch drei unabhängige Handlungen. Entweder werden herausragende Spielerinnen bei den Punktspielen von Auswahltrainern gesichtet oder die jeweiligen Vereinstrainer schicken ihre Spielerinnen zu einem Stützpunkt-Probetraining. Die dritte Maßnahme besteht darin, bei dem jährlich stattfindenden “Tag des Talents“ entdeckt zu werden (Kugelmann/Röger/Weigelt, 2006, S. 166-167). Hierzu die 22-jährige BK, wie sie für die (Niedersachsen-) Auswahl gesichtet wurde:

„[...] Niedersachsenauswahl erfährt man dann halt bei dem Bezirksturnier [...]. (Es gibt, Anm. d. V.) diese vier Bezirksturniere: Hannover, Lüneburg, Braunschweig und Weser-Ems. [...] So eine Art Talenttag.“ (Int.3)

Im Hinblick darauf, wie Mädchen und Jungen gesichtet werden, ist einerseits zu unterscheiden zwischen Mädchen, die in reinen Mädchenmannschaften spielen, und andererseits zwischen Jungen und Mädchen, die in Jungenmannschaften kicken. Da das Hauptaugenmerk der Talentsichtung – laut Aussagen vieler Stützpunkttrainer – nicht speziell auf den Mädchenmannschaften liegt, haben es diese zur letzten Gruppe gehörenden Mädchen besonders schwer auf sich aufmerksam zu machen. Erst wenn eine Spielerin es tatsächlich in den Bezirks- oder Landeskader geschafft hat, werden sie dem Stützpunktkoordinator von den Auswahltrainern gemeldet. Oft genug ist auch die Eigeninitiative der Mädchen gefragt, die sich selbst über ihren Vereinstrainer für das Auswahltraining melden bzw. mit den Eltern vorstellig werden. Bezeichnend sind die Aussagen zweier Auswahlspielerinnen:

„Bei Kreisauswahl muss erst mal der Trainer [...] beim Kreisauswahltrainer anmelden. [...]“ „Bei mir war das so, dass der Trainer da immer angerufen hat und dann wurde gesagt, ich sei zu jung oder zu klein, und da hat mein Vater da angerufen [...].“ „Papa hat dann gesagt, was denn mit uns sei und dann hat der uns auch eingeladen.“ (Int.2)

Auch wenn die Anzahl der reinen Mädchenvereine übersichtlich ist und man sich auf die funktionierende Zusammenarbeit mit den Auswahltrainern verlässt, können durch diese Methode talentierte Spielerinnen unbeachtet bleiben. Damit wäre das Ziel des DFB-Talentförderprogramms, dass alle Talente, gleich, ob Junge oder Mädchen, gefördert werden sollen, verfehlt. Es besteht somit die Notwendigkeit, einen Ausbau der Sichtungsmaßnahmen in Betracht zu ziehen und Informationsmängel der Beteiligten zu verringern.

7.1.2 Ziele der Fußballerinnen

Ergebnis der Studie “Mädchenfußball unter der Lupe“ ist u. a., dass es Stützpunktspielerinnen mitunter darum geht professionell und leistungsorientiert Fußball zu spielen (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Dieses wird belegt durch eigene Nachforschungen per Fragebogen[32]. Auf die Frage, welche Ziele mit dem Fußballspielen verfolgt werden, antworten aktive Auswahlspielerinnen unter anderem mit:

„Ganz klar, erfolgreich sein.“, „Ich möchte in der ersten Elf sein [...].“

(Angaben in Fragebögen)

Kritik bzgl. der Förderkonzepte des DFB wird jedoch von ausgeschiedenen Spielerinnen geübt, die der Meinung sind, dass die Umsetzung des Talentförderprogramms noch ein langer Weg ist. Dazu eine Auswahlspielerin auf die Frage nach ihren persönlichen Zielen:

„Würde gerne Karriere machen, aber als Frau hat man bei derzeitiger Förderung eh keine Chance.“ (Angabe in einem Fragebogen)

Für alle Stützpunktspielerinnen, die im Verlauf der Studie befragt wurden, steht die Verbesserung der fußballerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Vordergrund, während der Faktor “Spaß“ weit hinten ansteht. Im Gegensatz dazu zeigen die Ergebnisse der eigenen empirischen Untersuchung, dass immerhin 29 % (siehe Abb.15) den Spaß als Ziel nennen. Somit erscheint es wichtig, eine Unterscheidung zu treffen, zwischen Stützpunktspielerinnen des DFB, die bzgl. ihrer Ziele leistungs- und erfolgsorientiert denken, und nicht am Stützpunkt gemeldeten Fußballspielerinnen, bei denen zwar dem Erfolg auch eine große Bedeutung zukommt (30 %, Abb. 15), der Spaß jedoch - wie bereits erwähnt mit 29 % - fast als genauso wichtig angesehen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 15: Ziele bzgl. des Fußballspielens (in %)

Hierzu ein Statement, welches die Verbindung dieser beiden Ziele belegt:

„Im Moment will ich meinen Stammplatz zurück erkämpfen, den ich während der Verletzungspause verloren hab. Ganz allgemein will ich einfach nur Spaß haben [...].“ (Angabe in einem Fragebogen)

Das Ziel durch den Fußball Geld zu verdienen, wird laut Forschungsprojekt vor allem von den Spielern genannt, jedoch tendieren auch vereinzelte Spielerinnen des Stützpunktes dazu. Möglicherweise entsteht dieser Wunsch durch die sportlichen Karrieren ihrer Vorbilder, denn immer wieder gelingt Stützpunktspielern und -spielerinnen der Sprung in die Bundesliga und sogar in die Nationalmannschaft. Im Frauenfußball nimmt das Motiv des Geldes einen weitaus geringeren Stellenwert ein als im Männerbereich (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Dies zeigt sich auch anhand der eigenen Auswertungen; das Ziel “Geld verdienen“ fiel in diesem Zusammenhang überhaupt nicht. Im Folgenden verdeutlicht eine Aussage in welchem Zusammenhang “Frauenfußball und Geld verdienen“ für viele weiblichen Spielerinnen steht:

„Ich mache mir nicht die Illusion, irgendwann einmal mit dem Fußball Geld verdienen zu können, auch wenn ich das gerne würde.“

(Angabe in einem Fragebogen)

Die Zielformulierung später in der Bundesliga spielen zu können, wird nach Kugelmann, Röger und Weigelt-Schlesinger (2006) wiederum vermehrt von den Spielern genannt. Gründe hierfür können erneut die durch Öffentlichkeitsarbeit und Medien entstandenen Vorbilder sein.

„[...] schon gerne Bundesliga (zu, Anm. d. V) spielen [...].“ und „vielleicht noch mal höherklassig zu spielen, 2. Bundesliga habe ich bereits gespielt.“ (Angaben in Fragebögen)

sind die einzigen Aussagen der eigenen Untersuchung, die auf das Ziel “Bundesliga zu spielen“ hinweisen. In Abbildung 15 finden sich diese unter dem Punkt “Erfolg“.

Ähnlich fällt der Ergebnisvergleich der Zielvorstellung “später in den Kader der Deutschen Nationalmannschaft aufgenommen zu werden“ aus. Spielerinnen, die zur Zeit aktiv am Stützpunkt gemeldet sind, ziehen diese Möglichkeit laut “Mädchenfußball unter der Lupe“ durchaus in Betracht. Von den eigens schriftlich Befragten, geben 29 an bereits in einer Auswahl tätig zu sein (davon niemand DFB). Von diesen 29 erwähnte lediglich eine ehemalige Auswahlspielerin den Wunsch gehabt zu haben, in der Nationalmannschaft zu spielen.

„Früher wollte ich in der Nationalmannschaft spielen, aber auf Grund schlechter Förderung und Ausbildung hat man keine Chance.“

(Angabe in einem Fragebogen)

Auch hier scheint nochmals eine Differenzierung zwischen Stützpunktspielerinnen des DFB und “Freizeitfußballerinnen“ vorgenommen werden zu müssen. Einerseits verfolgen die für den DFB Spielenden Ziele, die sich auf die Leistung und den Erfolg konzentrieren (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Hingegen stehen für die “Freizeitkickerinnen“ neben dem Erfolg (30 %) auch Spaß (29 %) und das Kontakteknüpfen (17 %) im Vordergrund, was durch die Fragebögen deutlich wird (siehe Abb. 15).

7.1.3 Einfluss äußerer Faktoren

In diesem Abschnitt werden die Einflüsse äußerer Faktoren auf die Unterrepräsentanz der Mädchen im Fußball eingehender untersucht, in dem auf der einen Seite die Ergebnisse der Studie “Mädchenfußball unter der Lupe“ dargelegt werden, um diese dann mit den eigenen Befunden vergleichen zu können. Ein besonderes Interesse gilt hierbei – der Studie folgend – der Schule, den Medien, den Eltern und Freunden sowie dem Umgang zwischen Jungen und Mädchen.

Kugelmann, Röger und Weigelt-Schlesinger (2006) fassen ihre Resultate folgendermaßen zusammen: Die von ihnen befragten Personen schätzen die Möglichkeiten der Talentförderung, die sich auf die Medien und die Schule beziehen, mitsamt nur als genügend ein. Aktive wie auch inaktive Spielerinnen sind der Meinung, dass die Schule und das Stützpunkttraining nichts miteinander zu tun haben und sie sich seitens der Schule nicht ausreichend unterstützt fühlen. Auch wenn der DFB versucht, innerhalb und durch die Schule verstärkt für den Fußball zu werben (Kap.5), scheint dies nicht ausreichend zu sein.

Unterstützt werden diese Ergebnisse durch die persönlichen Recherchen. Auf die Frage, ob auch in der Schule bzw. im Sportunterricht viel Fußball gespielt, antwortete LS wie folgt:

„Bei uns war das so, dass die Jungs Fußball spielen durften und die Mädchen was anderes gemacht haben [...]. Und bei „Jugend trainiert für Olympia“, da durften die Mädchen auch nicht mitspielen.“ (Int.2)

Eine ähnliche Aussage im Hinblick auf den Sportunterricht kommt auch untenstehend zum Ausdruck:

„[...] wir haben bei den Jungs mitgespielt und die Mädels haben ihren eigenen Sportunterricht abgezogen. [...] weil wir gesagt haben, dass wir bei den Jungs mitspielen wollen, also war es eigentlich schon getrennt Jungs und Mädchen.“ (Int.4)

Letztendlich lässt sich festhalten, dass dem Mädchenfußball in der Schule eindeutig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. So bemerkt eine Schülerin:

„[...] ich hatte zum Beispiel noch nie in der Schule Fußball als Kurs, man spielt immer Volleyball oder Handball.“ (Int.2)

Als Fazit bezüglich des Einflusses der Schule merkt eine junge Referendarin auf die Frage nach einer Verbesserung der Talentförderung für Mädchen passend an :

„[...] Werbung in den Schulen machen, die Mädchen zu Mädchenfußball- AGs motivieren. [...] Es gibt viele Mädchen, die gerne Fußball spielen würden, sich aber nicht in einen Verein trauen – man muss sie nur motivieren und langsam an den Fußball heranführen! – Die Förderung der Mädchen in Schulen ist mit am wichtigsten.“

(Angabe in einem Fragebogen)

Während die Unterstützung durch Freunde gesichert zu sein scheint, fällt die Bewertung diesbezüglich der Eltern eher negativ aus (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Auch die Auswertungen der Fragebögen ergeben hinsichtlich der Freunde ein vergleichbares Bild. Bekannte kommen zu den Spielen, feuern ihre Freunde an und nehmen ab und an auch weitere Fahrten auf sich. Dabei ist auffällig, dass manche Spielerinnen zusätzlich angeben, dass

„Immer mehr Interesse auch von männlichen Freunden [...].“

(Angabe in einem Fragebogen)

registriert werden kann. Stellvertretend für sämtliche Antworten lässt sich durch folgende Aussage ein Fazit ziehen:

„Alle meine Freunde finden es gut oder bewundern, dass ich Fußball spiele.“ (Angabe in einem Fragebogen)

In Bezug auf die Unterstützungsleistungen der Eltern ergab sich mittels eigener Fragebögen ein anderes Ergebnis, als das der Erlanger Universitätsstudie. Von den Fragebogenteilnehmern fühlten sich “nur“ 9 % nicht unterstützt. Demnach gaben 91 % der befragten Spielerinnen an, von ihren Eltern u. a. finanziell unterstützt oder auch durch die Anwesenheit als Zuschauer am Spielfeldrand bestätigt zu werden (Abb. 16).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 16: Unterstützung der Eltern (in %)

Finanzielle Unterstützung zeigt sich im Kauf von Trainingskleidung, Fußballschuhen oder durch die Zahlung der Vereinsbeiträge. Die interviewten Spielerinnen sind sich dieser Unterstützung sichtlich bewusst:

Ja, also ein Bayern-Trikot haben wir gekriegt, Torwarthandschuhe, [...].“ (Int.3), „Wenn wir Trainingsklamotten brauchen, haben wir`s auch immer bezahlt gekriegt.“ (Int.2)

Eltern sind, solange die Mädchen selber noch nicht in der Lage sind Auto zu fahren, durchaus bereit, ihre Kinder zum Training und zu den Spielen zu fahren (11 %, Abb. 16). Dazu die 16-jährige KS im Interview:

„[...] die fahren uns überall hin [...].“ (Int.2)

Ein Drittel (33 %, Abb. 16) der Befragten gab an, dass ihre Eltern als Zuschauer Begeisterung für den Sport ihrer Töchter zum Ausdruck bringen. Nach dem Aspekt des Finanziellen (40 %, Abb. 16) stellt dieser Bereich den größten Unterstützungsbeitrag der Eltern dar. Diese begleiten ihre Kinder nicht nur zu den Heimspielen, sondern nehmen auch die eine oder andere Auswärtsfahrt auf sich oder fahren ihre Kinder zum weiter entfernten Auswahllehrgang und Stützpunkttraining.

„Dann waren die auch bei allen Heimspielen dabei, Papa war auch beim Auswärtsspiel dabei [...] und Mama ist jetzt auch immer noch dabei [...].“

(Int.3)

Anhand der eigenen Befunde lässt sich also feststellen, dass sich der Großteil der Spielerinnen (91 %, Abb. 16) von seinen Eltern hinsichtlich des Fußballspielens unterstützt fühlt.

Natürlich gibt es auch vereinzelte Aussagen, die diesem Urteil widersprechen. So gab eine Spielerin an:

„[...] gut finden sie es (das Fußballspielen, Anm. d. V.) nicht. Ablehnung von ihnen erfahre ich dann zum Beispiel, wenn ich eine halbe Stunde später zu einer Feier kommen möchte, weil wir vorher noch ein Fußballspiel haben. Da sagen meine Eltern immer: „Das kannst du auch mal ausfallen lassen.““ (Angabe in einem Fragebogen).

Um auch diese Eltern von der Sportart des Mädchen- und Frauenfußballs zu überzeugen, wäre es sinnvoll, seitens der Vereine und des DFB Initiative zu ergreifen. So könnte der Verein zum Beispiel einen “Tag der offenen Tür“ veranstalten oder auch ein Mädchenfußballturnier, um die ganze Familie in das Geschehen mit einbeziehen zu können (siehe auch Kap. 4.4).

Akzeptanz durch die Jungen erfahren Mädchen laut “Mädchenfußball unter der Lupe“ erst, wenn sie ihr fußballerisches Können unter Beweis gestellt haben. Dies gaben neben allen Spielerinnen, die einen Stützpunkt besucht haben, auch die Funktionäre zu Protokoll. Demgegenüber erwähnten die Jungen, dass dieses Phänomen eher nicht korrekt sei (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Die Ausführungen der eigens Befragten ergeben dieselbe Aussage: Dass auch Mädchen mit dem Ball umgehen können, wird den Jungen erst bewusst, wenn sie es mit “eigenen Augen“ gesehen haben. Dazu eine Spielerin der 1. Bundesliga:

„[...] wenn wir da erst mal mitgespielt haben und die haben gesehen, wir können spielen oder sind sogar besser als die, haben die schnell den Mund gehalten. Wir mussten uns also schon erst beweisen und zeigen, dass wir Fußball spielen können.“ (Int.4)

Im Zusammenhang mit der wirtschaftlich zur Verfügung stehenden Unterstützung, den Druckschriften des DFB und den Medien sehen sich (ehemalige) Spielerinnen hinsichtlich der Gleichbehandlung vernachlässigt. Einig sind sich außerdem alle Befragten, dass allen voran die Medien augenblicklich zu wenig über die Stützpunkte und das Stützpunkttraining informieren (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). So äußert eine Interviewpartnerin aus dem Raum Vechta auf die Frage, ob dem Frauenfußball in den Medien genügend Beachtung geschenkt wird:

„Nein. Gar nicht. Gestern war erst in der “Sportbild“ 25 Seiten über Herrenfußball und eine Spalte über Frauenfußball. Unglaublich.“ (Int.2)

In Bezug auf die Präsenz des Frauenfußballs in den Zeitungen antworten zwei weitere Spielerinnen aus dem Landkreis Emsland differenzierter:

„Ich glaube, das ist von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich. Hier bei uns im Emsland wird, denk ich, dem Frauenfußball genügend Beachtung geschenkt [...].“ (Int.4)

Eine entsprechende Aussage kommt nachfolgend zum Ausdruck:

„Also im Emsland ist es [...] ziemlich gut, was die Zeitungsartikel angeht, da auch viele Mannschaften relativ hoch spielen, aber wenn man jetzt mal so in den Wolfsburger Raum geht oder [...] Osnabrück steht ja auch nicht viel drin [...].“ (Int.3)

Jedoch überdenkt die Befragte nach einer kurzen Pause ihre getroffene Aussage und fügt dem an, dass:

„[... ] wenn hier mehr (Männer-, Anm. d. V.) Mannschaften höherklassiger spielen würden, würde man die Artikel der Frauen auf jeden Fall kürzen.“ (Int.3)

Bei einem Vergleich der eigenen Untersuchungen mit der Studie von Kugelmann, Röger und Weigelt-Schlesinger (2006) ist zu erkennen, dass die Ergebnisse hinsichtlich der schriftlichen Medien übereinstimmen. Es besteht Einigkeit darüber, dass

„man [...] in den Medien mehr tun (könnte, Anm. d. V.).“ (Int.3)

Betreffs der Fernsehpräsenz wünschen sich die Spielerinnen des Weiteren

„mehr TV-Übertragungen und nicht nur immer auf WDR [...].“ (Int.2)

Diese Meinung wird auch durch die weiteren Interviews sowie die Auswertung der Fragebögen vertreten. Die Fußballspielerinnen vermissen eine Zusammenfassung des Spieltages in der Damen-Bundesliga oder wenigstens die Bekanntgabe der Ergebnisse in der Sportschau. Dass der Frauenfußball nicht

„[...] nur auf dem Dritten oder [...] Hessen Drei [...]“ (Int.3) gezeigt wird, sondern auch durch die ARD-Sportschau publik gemacht wird, „[...] wo das auch mehr auffällt“ (Int.3),

scheint allen Befragten wichtig zu sein. Aber auch, wenn die Spielerinnen zur Kenntnis nehmen, dass die Medienpräsenz des Frauenfußballs in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, ist ihnen dennoch bewusst, dass der Herrenfußball in Zukunft weiterhin im Fokus der Öffentlichkeit stehen wird.

„Im Fernsehen ist das ein bisschen wenig, würd` ich sagen, auch wenn das in den letzten Jahren schon mehr geworden ist. Aber das irgendwann mal die 2. Bundesliga gezeigt wird, soweit wird’s nicht kommen.“ (Int.4)

In deutschen Medien werden mittlerweile vereinzelte Werbespots ausgestrahlt, in denen Nationalspielerinnen gezeigt werden. Beispielsweise schauen sich Nia Künzer und Steffi Jones in einem Spot für eine Kaffeesorte ein Fußballspiel ihrer männlichen Kollegen an. Die Männer verlieren, weil sie „immer noch das alte System von früher spielen“, vermutet die Weltmeisterin Nia Künzer in der Werbung, während Steffi Jones daraufhin ironisch hinzufügt: „Und wahrscheinlich sind sie auch noch Filterkaffee-Trinker.“ (Krull, 2005). Dem Betrachter soll durch diesen Spot verdeutlicht werden, dass auch Frauen etwas von Fußball verstehen. Auffällig ist jedoch, dass in Werbefilmen mit Fußball spielenden Jungen und Männern die sportliche Leistung und Stärke im Vordergrund steht, während die Sports der deutschen Nationalspielerinnen eher die Eleganz, den Anmut und ein mädchenhaft-charmantes Image, „weg von den `Mannweibern und Lesben` hin zu grazilen Gestalten auf dem Spielfeld“ (Fetscher, 2004, S.19), vermitteln sollen.

Allerdings ist weiterhin trotz der Präsenz einiger Fußballerinnen in den Medien die Dominanz des Fußballs von Männern offensichtlich, sowohl im Rundfunk, in den Sportteilen der Zeitungen, als auch im Fernsehen.

Die Ergebnisse der bislang unveröffentlichten Studie aus Erlangen zeigen, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für den Frauenfußball in den letzten Jahren deutlich an Beachtung und Anerkennung gewonnen hat (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Auch wenn die Kommentare der Interviewpartner und die schriftlichen Befragungen diese Resultate belegen, werden auch Einschränkungen bezüglich der sozialen Akzeptanz und der Entwicklung des Frauenfußballs gemacht. Während viele zu Protokoll geben,

„Inzwischen [...] eigentlich nur noch positives Feedback (zu erfahren, Anm. d. V.)

(Angabe in einem Fragebogen),

sind auch viele Anmerkungen zu verlesen, die sich auf Ablehnung – oft seitens der Männer –, dumme Sprüche, Gelächter und Vorurteile beziehen. Eine Spielerin zieht ihr persönliches Fazit, in dem sie bezüglich Sepp Blatters Aussage, dass “die Zukunft des Fußballs (...) weiblich“ ist, wie folgt antwortet:

„Das glaube ich nicht, weil, ich glaube, soweit wie wir jetzt mit dem weiblichen Fußball sind, viel weiter wird der auch nicht kommen, also in den Medien und vom Finanziellen her, da wird der Männerfußball immer an erster Stelle stehen.“ (Int.4)

Das Fazit hinsichtlich der äußeren Faktoren, seien es die Schule, die Freunde, Eltern oder auch die Medien, lässt sich aufgrund des Projekts “Mädchenfußball unter der Lupe“ und auch der eigenen empirischen Durchführung wie folgt festhalten: Die Spielerinnen schätzen die Unterstützungsleistung seitens der Schule oder auch der Medien als nicht ausreichend ein. Beispielsweise berichten die Medien allgemein zu wenig über den regionalen Spielbetrieb, die Talentförderung oder auch die aktuellen Entwicklungen des weiblichen Fußballs im In- und Ausland. Bezugnehmend auf die Schule wird deutlich, dass Fußballspielerinnen zu wenig Möglichkeiten geboten werden, sich für den Sport zu interessieren bzw. sich weiterzuentwickeln. Doch gerade in den jüngeren Jahren werden die Karrierelaufbahnen zukünftiger Talente geformt, so dass der Schule bezüglich der zukünftigen Entwicklung des Mädchenfußballs eine große Bedeutung zuteil wird. Hier muss angemerkt werden, dass der DFB zur Zeit bestrebt ist, genau an dieser Stelle anzusetzen (Kap.5). Die Ergebnisse der Einschätzung zur Unterstützung durch die Eltern und Freunde zeigen, dass eine deutliche Akzeptanz seitens des Freundeskreises zu vermerken ist und auch die Eltern bestrebt sind, ihren Kindern Anerkennung entgegenzubringen, indem sie diesen beispielsweise finanziell unter die Arme greifen oder als Zuschauer am Fußballgeschehen teilnehmen. Registriert werden muss hier jedoch, dass die Studie hier entgegen der eigenen Analysen besagt, dass die Spielerinnen am Stützpunkt sich nicht hinreichend von ihren Eltern unterstützt fühlen, was eventuell auf die weiteren Fahrten, vermehrtes Training oder auch zeitintensivere Trainingslager zurückzuführen ist.

7.1.4 Zusammenfassung

In Bezug auf die allgemeinen Ziele des DFB hinsichtlich des Stützpunktprogramms kommen Differenzen zwischen den Befragten zum Ausdruck. Aktive als auch ehemalige Stützpunktspielerinnen sind der Auffassung, dass Mädchen und Jungen nicht in gleicher Art und Weise gefördert werden, obwohl das eine Zielvorgabe des DFB ist (siehe Kap.3.1). Dieser Meinung schließen sich zudem auch Funktionäre und Trainer an, die unsicher sind, ob der DFB allen Talenten – Jungen als auch Mädchen – die gleichen Möglichkeiten und Aussichten bietet. Grund für die negative Einstellung der aktiven Spielerinnen kann sein, dass sie oftmals als einziges Mädchen durch eine Außenseiterfunktion am Stützpunkttraining teilnehmen, während ehemals teilnehmende Nachwuchskickerinnen allein durch die Tatsache des Ausscheidens ablehnender eingestellt sein können. Betreffs persönlicher Ziele wollen Stützpunktspielerinnen vorrangig ihr fußballerisches Können verbessern (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schle­sin­ger, 2006), während für die Freizeitkickerinnen neben dem Erfolg auch der Spaß im Vordergrund steht (siehe Abb. 15). Auch wenn Leistungsfußballerinnen den Wunsch äußern professionell und erfolgsorientiert Fußball zu spielen, machen sie sich kaum Hoffnungen, mit dem Sport später einmal Geld verdienen zu können. Dazu meint eine Spielerin der 1. Bundesliga:

„Also, der Spaß steht sowieso immer an erster Stelle, weil wir ja auch nichts dafür kriegen und quasi auch nicht genug entlohnt werden dafür [...]. Wenn ich damit wie die (männlichen, Anm. d. V.) Profis in der Bundesliga Geld verdienen könnte [...], dann würde man auf Sachen eingehen, auf die man jetzt nicht eingeht, zum Beispiel woanders hinziehen und seine Umgebung aufgeben, was man jetzt nicht macht , weil es sich auch nicht lohnt zu machen.“ (Int.4)

Funktionäre und Trainer denken hingegen nicht, dass Mädchen auch professionelle Ziele verfolgen; eventuell auch deshalb, weil sie die Chancen der weiblichen Fußballer gegebenenfalls realistischer einschätzen und nicht daran glauben, dass es in absehbarer Zukunft Profivereine geben wird, in denen die Spielerinnen genug Geld erhalten, um sich den Lebensunterhalt sichern zu können. Was die Behandlung der Mädchen im Vergleich zu den Jungen angeht, zeigen sich die Spielerinnen am Stützpunkt sehr zufrieden. Fast alle Befragten gehen davon aus, dass die Stützpunkttrainer die Spieler und die Spielerinnen gleich behandeln und unterstützen. (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Dies bestätigt auch eine interviewte Spielerin:

„[...] die Behandlung (am Stützpunkt, Anm. d. V.) ist gleichwertig.“ (Int.2)

Die Unterstützung der Spielerinnen durch die Schulen, Medien oder durch die Familie werden von den Befragten insgesamt nur als mittelmäßig eingeordnet. Beispielsweise beanstanden alle, dass die Medien zu wenig von der gesamten Talentförderung im DFB berichten. Dies findet Bestätigung in den eigenen Untersuchungsauswertungen, wobei hier der Schwerpunkt auf der Medienpräsenz des Frauenfußballs allgemein liegt. Dieses Phänomen scheint jedoch nicht nur den Frauenfußball zu betreffen, denn einer aktuellen EU-Studie zum Thema “Sports, Media and Stereotyps“ (02.02.2006) nach beträgt der Anteil der Berichterstattung bezüglich Frauen und Sport nicht mehr als 12% (Diketmüller, 2006). Die schulische Unterstützung, falls diese vorhanden ist, wird von den am Stützpunkt gemeldeten Spielerinnen nicht wahrgenommen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass Lehrkräfte nichts über die Teilnahme ihrer Schülerinnen am Stützpunkttraining wissen und diese infolgedessen auch nicht fördern können. Im Gegensatz zu den weiblichen Fußballern reagieren die männlichen Spieler, Funktionäre und Trainer: Ihrer Ansicht nach hängen Schule und Stützpunkttraining sehr wohl miteinander zusammen, denn Mädchen können noch intensiver gefördert werden, wenn die Schule eine leistungsorientierte Karriere im Fußball befürwortet (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006). Zurzeit errichtet der DFB nach und nach Eliteschulen, so dass auf dieser Ebene dem notwendigen Handlungsbedarf Rechung getragen wird (siehe Kap.3.4).

Ein bisher noch nicht angesprochener Punkt betrifft die Unterstützung seitens der Vereinstrainer. Die Ergebnisse der von Prof. Dr. Claudia Kugelmann geleiteten Studie besagen, dass Funktionäre und Stützpunkttrainer der Meinung sind, dass die jeweiligen Vereinstrainer der jungen Talente sich dagegen sträuben ihre Spielerinnen an den Stützpunkt zu schicken; aus Angst, diese könnten dort eventuell von anderen Vereinen abgeworben werden. Im Gegensatz dazu signalisieren Spielerinnen, dass sie diese Situation nicht so wahrnehmen. Die eigens Interviewten machen sogar deutlich, dass ihre Vereinstrainer sehr wohl an der Entwicklung ihrer Schützlinge interessiert waren. So ergriffen diese oftmals die Initiative, wenn es um die Fortbildung der talentierten Spielerinnen ging. Dafür stehen hier folgende Aussagen:

„[...] die (eigene Trainerin, Anm. d. V.) ist zu dem Kreisauswahltrainer hingegangen und hat gesagt: „Können die nicht mal mittrainieren?““ (Int.3), „[...] unser Trainer hat gesagt, wir sollen da mal mittrainieren, unser Trainer hat uns quasi vorgeschlagen.“ (Int.4)

Ein Grund für die Einschätzung der Spielerinnen, welche konträr zu der Auffassung der Trainer und Funktionäre ist, kann sein, dass diese zum einen derartige Erfahrungen noch nicht gemacht haben oder auch zum anderen der Kommunikation zwischen Vereins- und Stützpunkttrainer nicht beiwohnen. Auffällig sind zusätzlich die Ergebnisse bezüglich des Umgangs zwischen den Mädchen und Jungen. So geben viele der befragten Spielerinnen an, dass man erst sein fußballerisches Können unter Beweis stellen muss, bevor man von den Jungen richtig akzeptiert wird. Weiterhin liefert die Studie der Uni Erlangen das Ergebnis, dass Mädchen sich am Stützpunkt sicherer fühlen würden, wenn noch weitere Mädchen dabei wären. Vorrangig wurde diese Aussage von inaktiven Stützpunktspielerinnen getroffen, die sich evtl. aus genau dem Grund, das einzige Mädchen gewesen zu sein, nicht wohl fühlten. Hier besteht somit Handlungsbedarf, beispielsweise in der Errichtung weiterer Mädchenstützpunkte (siehe Kap.3.5). Die Antwortausprägungen der Spielerinnen hinsichtlich der Unterstützung und Akzeptanz durch die Freunde fallen, wie mehrfach erwähnt, durchweg positiv aus.

Das angestrebte Ziel sollte es sein, den Zustand talentierter Nachwuchsfußballerinnen zu verbessern. Hierzu hat die Uni Erlangen ein sogenanntes Qualitätsmodell (siehe Abb. 17) entworfen, um zu verdeutlichen, auf welche Art und Weise das Vorhaben umgesetzt werden kann.

Grundlage dieses Modells sind vier Teilabschnitte, die zeitweise gleichzeitig, maßgeblich aber nacheinander durchgeführt werden. Während der Planung, die den ersten Teilabschnitt darstellt und sich an den Ergebnissen der Studie “Mädchenfußball unter der Lupe“ orientiert, werden in Form eines kooperativen Planungsprozesses konkrete Anordnungen zur verbesserten Integration von Spielerinnen in das DFB Stützpunktprogramm entwickelt, wobei Spielerinnen und Spieler, Medien, Funktionäre und Trainer mit einbezogen werden. Im zweiten Schritt, der Umsetzung, werden die beabsichtigten Maßnahmen dann ausgeübt. Die dritte Phase, die Evaluation, beschäftigt sich einerseits mit der Bewertung der ersten beiden Bereiche (Prozessevaluation), andererseits mit der erbrachten Leistung und der Wirkung bei den Adressaten von Planung sowie Umsetzung (Ergebnisevaluation). Durch die Evaluation erhofft man sich wiederum eine Besserung der aktuellen Strukturen, wodurch man die vierte Ebene, die Verbesserung, erreicht hat (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 17: Kooperative Maßnahme zur Verbesserung der Situation talentierter Spielerinnen im DFB Stützpunktprogramm (nach: Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger,2006)

8. Mädchen mit Migrationshintergrund

Vorangegangene Kapitel zeigen deutlich auf, dass sich Mädchen im Hinblick auf das Fußballspielen unterschiedlichsten Erschwernissen ausgesetzt sehen: sei es beispielsweise die immer noch vorherrschende gesellschaftliche Ablehnung oder auch die Nichtbeachtung durch die Medien.

Im Folgenden wird das Thema der Arbeit bezüglich Mädchen mit Migrationshintergrund durchleuchtet. Unter dem Begriff “Migrationshintergrund“ versteht man die im In- oder Ausland geborenen Kinder deutscher oder anderer Nationalität von Eltern sehr unterschiedlicher Herkunft (www.destatis.de). Laut der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes werden im Jahr 2050 mehr als die Hälfte aller unter 30-Jährigen in Deutschland nichtdeutscher Herkunftssprache sein. Augenblicklich haben etwa 30 % der in Deutschland Geborenen mindestens ein Elternteil, welches zugewandert ist (Statistisches Bundesamt, 2006). Für viele dieser Familien ist der Mädchenfußball noch etwas Fremdes. Auch wenn es Familien gibt, in denen der Erziehungsstil einen deutlichen Wandlungsprozess durchlaufen hat, steht in zahlreichen eher traditionell orientierten Familien die Vorbereitung der Töchter auf die Mutterrolle und die Hausfrauenarbeit im Zentrum der Erziehung. Aufgrund des Ehrbegriffs dürfen die Mädchen das Haus ohne Begleitung selten verlassen und auch der Kontakt zu Jungen wird ihnen meist untersagt. Der Argwohn der Eltern findet sich auch hinsichtlich des Sportvereins und des Trainings an sich wieder. Die Missbilligungen beziehen sich hierbei auf das zu späte Nach-Hause-kommen oder die fehlende Hilfe im Haushalt. Die betroffenen Mädchen sehen diese Argumente jedoch als „Ausreden“, ihrer Meinung nach geht es ihren Eltern darum, die gewünschte Isolation ihrer Töchter aufrecht erhalten zu können (Kleindienst-Cachay, 2005). Monika Staab, ehemalige Trainerin des erfolgreichen 1. FFC Turbine Potsdam (bis 2004) und aktuelle Nationaltrainerin der Frauenmannschaft Bahrains, merkt auf die Frage, ob ausländische Spielerinnen neben der allgemeinen Ablehnung zusätzlich kulturelle zu überwinden haben, an: „Das hatten wir in der Vergangenheit schon mehrfach, insbesondere bei türkischen Mädchen. Da sagen die Eltern, Fußball ist nichts für meine Tochter [...]. Noch problematischer war es bei einigen Mädchen aus Afrika, die sich weder ausziehen noch duschen, keine nackten Körperteile zeigen durften. [...] viele Mädchen würden gerne spielen, bekommen es aber von zu Hause nicht erlaubt, durch die Kultur oder die religiöse Einstellung.“ (http://www.kinofenster.de /filmeundthemen/...). Weitere Barrieren, die Migrantinnen überwinden müssen, sind in dem Bereich der sozialen Benachteiligung zu finden. Spürbar wird diese zum einen durch die soziale Interaktion; die Mädchen fühlen sich unerwünscht, abgelehnt und vernachlässigt. In den äußeren Umständen, wie zum Beispiel der Armut, der schlechten Wohnverhältnisse und dem sozial niedrigen Status, zeigt sich die soziale Benachteiligung zum anderen. Als Folge dessen ist es den Eltern häufig nicht möglich den Vereinsbeitrag zu begleichen, so dass den Kindern von Beginn an der Zugang zum örtlichen Sportverein verwehrt bleibt. Zudem erfordert der Fußball, aufgrund der saisonbedingten wechselnden Trainingsplätze und Spielstätten, ein hohes Maß an Mobilität, welches die Eltern zumeist nicht aufbringen können (Seifert, 2002). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Schwierigkeiten und Hindernisse der Mädchen mit Migrationshintergrund hinsichtlich des Fußballs – neben den bereits angesprochenen Erschwernissen – einerseits kulturell, traditionell, religiös und familiär begründet werden können, andererseits aber auch gesellschaftlich zu erklären sind. Hier gilt es anzusetzen, indem man u. a. die in der sportbezogenen Jugendarbeit Tätigen auffordert, diesen Mädchen die erforderliche Unterstützung zu geben, beispielsweise durch mehr weibliche Trainer. Neben verstärkter Werbung und vertrauensbildenden Maßnahmen, wodurch der Anteil der ausländischen Spielerinnen in den Vereinen erhöht werden kann, ist es vor allen Dingen wichtig auch die Eltern von der Zweckmäßigkeit des Fußballspielens zu überzeugen.

„Fußball ist ideal für die Integration, insbesondere für Migrantinnen, da sie sich erfahrungsgemäß bei der Integration noch schwerer tun als ihre männlichen Pendants. Kaum einer anderen Sportart gelingt es, so viele Menschen aus unterschiedlichen Milieus und Schichten zusammenzuführen", erklärt Dr. Ulf Gebken[33] und begründet damit die Initiative des DFB für das Projekt “Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“, welches in Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück durchgeführt wird. Prominente Paten dieses Konzeptes sind die Nationalspielerinnen Nia Künzer und Fatmire Bajramaj, die sich dafür einsetzen, dass sich die Mädchen mitsamt ihren Familien durch den Verein besser kennen lernen, ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln und Geborgenheit erfahren. Des Weiteren bietet der DFB darüber hinaus älteren Teilnehmerinnen die Möglichkeit eine Ausbildung zur Gruppenleiterin zu absolvieren, um später selbst einmal die Verantwortung übernehmen zu können. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger betont, dass neben der Förderung der Mädchen das Hauptaugenmerk auch auf der Integration derselben liegt. „Unsere neue Initiative ist ein Beitrag dazu, dass der DFB seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen will. Das Projekt ist eine ideale Möglichkeit, um zusätzlich über den Sport Kinder zu integrieren." (www-ich-spiele-fussball.dfb.de).

9. Trainerinnen im Fußball

Im folgenden Abschnitt wird auf die Gegenwart der Trainerinnen im Fußball eingegangen. Auf den ersten Blick mag es undurchsichtig erscheinen, den Bezug zum Thema „Mädchen haben es schwer – Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Fußball“ herzustellen, doch laut Kugelmann, Röger und Weigelt-Schlesinger (2006) sind vereinzelte DFB-Funktionäre des Top-Management der Meinung, dass „die geringe Anzahl der Trainerinnen ein Hauptgrund sein könnte, weshalb die Anzahl der Mädchen in den Stützpunkten bisher gering ist.“ Von 1200 Honorartrainern kümmern sich nur 11 Frauen um die derzeitigen 22.000 Talente und unter 29 Stützpunktkoordinatoren findet sich lediglich eine Frau (http://www.dfb.de /index.php?id=11159). Zumindest die Frauenfußball-Nationalmannschaft wird von einer Trainerin (seit 2005 Silvia Neid, vorher Tina Theune-Meyer) betreut und in einzelnen Landesverbänden des DFB sind Trainerinnen sogar hauptamtlich angestellt. Dennoch gibt es verhältnismäßig wenige Frauen, die eine Fußballtrainer-Qualifikation anstreben. In der Saison 2005/2006 gab es bei insgesamt 33 Vereinen, die in der 1. und 2. Bundesliga Mannschaften stellten, lediglich sieben verantwortliche Frauen, von denen nur zwei im “Oberhaus“ trainieren: Sissy Raith seit 2004 beim FC Bayern München und Nicole Werner seit 2000 beim FFC Heike Rheine.

Viele Frauenvereine sind bewusst auf der Suche nach weiblichen Trainern, jedoch scheitert dieses Vorhaben allzu oft aufgrund der Mangelware an gut ausgebildeten Trainerinnen (Steinbichler, 2006). Erfahrungsgemäß werden die weiblichen Mannschaften in den unteren Spielklassen von formal nicht qualifizierten Trainern betreut. Genaue Zahlen darüber, wie viele Frauen tatsächlich an der Seitenlinie einer (Frauen-)Fußballmannschaft stehen, sind nur schwer ermittelbar. Gründe für die Unterrepräsentanz sind auf gesellschaftlicher, organisatorischer, interaktionaler und individueller Ebene zu verorten. Um Probleme beim Einstieg in eine mögliche Fußball-Trainerinnen-Karriere zu bewältigen, müssen Verbände, Vereine und Schulen systematischer zusammenarbeiten. Leider verdienen Fußballerinnen während ihrer aktiven Zeit nicht so viel, als dass sie sich eine sechsmonatige Auszeit erlauben könnten, um den 5000 € teuren Lehrgang zu finanzieren, den die Fußball-Lehrer-Lizenz mit sich bringt. „Dass bei den Männern so viele ehemalige Spieler wieder als Trainer [...] auftauchen, liegt vor allem daran, dass sie damit Geld verdienen können. So weit sind wir im Frauenfußball leider noch nicht.“ (Kittmann, 2006). Somit bleibt einer Spielerin, die ihre Karriere beendet hat, oftmals nur die Möglichkeit sich erst einmal beruflich zu orientieren und zu festigen.

Dennoch ist die Ausbildung von Trainerinnen ein Gewinn für den organisierten Fußballsport. Wilhelm Link, der vor der Saison 2005/2006 seinen Job bei einem Männer-Bezirksligisten aufgab, um beim Frauenzweitligisten FFC Wacker München – ohne jegliche Erfahrungen im Frauenfußballbereich – eine neue Herausforderung anzutreten, merkt hierzu an: „[...] die Arbeit mit Frauen ist vor allem in Sachen Psychologie schon anders.“ (Kittmann, 2006). Hierzu antwortet eine Zweitligaspielerin auf die Frage, was die Person des Trainers auszeichnet:

„ [...] das muss `ne Frau sein [...] `ne Frau kann besser auf Frauen eingehen, als ein Mann. [...] Männer verstehen teilweise den Frauenfußball nicht oder die Frauen an sich nicht.“ (Int.3)

Dieses Statement macht deutlich, dass Fußball spielende Mädchen und Frauen sich von einer Frau an der Seitenlinie besser verstanden fühlen als von einem Mann. Begründet werden könnte dieses dadurch, dass ihnen evtl. mehr Verständnis entgegengebracht wird und die Distanz sich anzuvertrauen geringer ist, denn

„[...] die Frauen wissen genau wie Frauen ticken, die Männer hauen einfach nur drauf.“ (Int.4)

Eine Spielerin, die sowohl unter einem Mann als auch unter einer Frau trainiert hat, äußert sich wie folgt:

„Die (männlichen Trainer, Anm. d. V.) vergleichen das immer zu sehr mit dem Herrenfußball und mit Männern allgemein.“ (Int.3).

Es lässt sich also feststellen, dass sich Mädchen – aufgrund der geringen Anzahl an Fußballtrainerinnen – auch auf dieser Ebene des Fußballgeschehens Schwierigkeiten ausgesetzt sehen. Beispielsweise unter dem Motto “Frauen für Frauen“ erscheint es sinnvoll in Zukunft verstärkt auf eine Ausbildung weiblicher Fußballtrainerinnen zu achten und diese ebenso wie die aktiven Spielerinnen zu unterstützen und zu fördern.

Da, wie bereits angesprochen, Frauen zur Zeit selten eine Ausbildung zur Fußball-Lehrer-Lizenz anstreben, muss der DFB hier an der Basis ansetzen, indem er Lehrgänge und Fortbildungen anbietet, die sich speziell auf die Arbeit mit Mädchen beziehen, um die – zahlenmäßig überlegenen – männlichen Trainer für den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht zu sensibilisieren. Fußballspielerinnen und besonders solche, die es werden wollen, müssen erkennen, dass die Ausbilder bereit sind, sich auf die Arbeit mit ihnen einzulassen.

Studien, welche sich speziell mit dem Phänomen der geringen Anzahl an Fußballtrainerinnen und den damit verbundenen Schwierigkeiten für Fußball spielende Mädchen auseinandergesetzt haben, liegen zur Zeit jedoch nicht vor.

10. Fazit

Mittels vorliegender Arbeit wurde der Versuch unternommen, Möglichkeiten und Hindernisse für weibliches Fußball spielen aufzuspüren. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Mädchen es im Fußball entgegen populistischer Auffassungen immer noch schwer haben. Mit der folgenden abschließenden Betrachtung sollen die Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst werden. Einerseits werden der Argumentationsverlauf und die gewonnenen Ergebnisse in ihren wesentlichen Punkten dargestellt. Zudem ist beabsichtigt, die Erkenntnisse auf ihre Bedeutung hinsichtlich der zentralen Themenstellung der Arbeit zu überprüfen. Andererseits geht es in einem Ausblick um Forschungslücken im Hinblick auf einen mädchenfreundlichen Fußballsport von übermorgen und die Frage, welche Maßnahmen unternommen werden müssen, um Schwierigkeiten der Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung bezüglich des Mädchen- bzw. Frauenfußballs zu mindern, wenn nicht gar gänzlich zu vermeiden.

In der fortwährenden Begeisterung über die Männer-WM 2006 sollte nicht vergessen werden, dass auf der einen Seite 2007 eine Frauenfußballweltmeisterschaft in China stattfindet und auf der anderen Seite die Frauenfußball-WM 2011 vorrausichtlich in Deutschland erfolgen wird. Vor dem Hintergrund dieser beiden Groß-Events ist es für die Entwicklung von talentierten Spielerinnen besonders wichtig, dass ihnen alle Möglichkeiten für eine gleichrangige Teilhabe an den Talentförderprogrammen des DFB gewährt werden. Dass dies zwar auf einem guten Weg, aber dennoch nicht immer der Fall ist, zeigen die Ergebnisse dieser Arbeit.

Kindern und Jugendlichen werden eine Vielzahl an Chancen durch den Fußball geboten. Die Spielerfahrungen im Fußballsport haben eine weitgreifende Bedeutung für die körperliche, personale und soziale Entwicklung und Lebensgestaltung. Dessen ungeachtet scheint die Faszination durch den Fußball bislang weniger Mädchen und junge Frauen, sondern vielmehr Jungen und Männer in den Bann gezogen zu haben. Aus Sicht der Sportpädagogik kann das Fußballspiel aber für Jungen und Mädchen eine attraktive Sportart darstellen. Elementare Bewegungserfahrungen, Gemeinschaftserleben, Stärkung des Selbstwertgefühls und das Ausleben von neuen Seiten ihrer weiblichen Identität sind hervorzuheben. Jedoch sind mit dieser Grenzüberschreitung auch Risiken verbunden. Die weibliche Fußballaktivität kann als unweiblich und auch ungewöhnlich betrachtet werden, wodurch Mädchen bei ihrer Identitätsfindung Schwierigkeiten zu überwinden haben. Dem hingegen kann das weibliche Fußballengagement aber auch als Anlass zur Fluchtmöglichkeit vor typischer Weiblichkeit gesehen werden, womit Emanzipationsmöglichkeiten eröffnet werden. Da es in der gegenwärtigen Fachdiskussion an Beiträgen diesbezüglich fehlt, konnte dieser Aspekt nur anhand einzelner Studien – u. a. von den Autoren Kugelmann, Röger und Weigelt-Schlesinger – sowie eigener Fragebögen- und Interviewaussagen vertieft werden. Eine Aufarbeitung der Daten zum weiblichen Fußballspielen lässt darauf schließen, dass Mädchen und junge Frauen oftmals mit Widerständen im Fußballverein konfrontiert werden. Historisch gesehen haben sittenstrenge Argumente wie „das Nichttreten ist weiblich“ (Buytendijk, 1953, S. 25 f., zitiert in Hoffmann/Nendza, 2005, S. 30) oder sportmedizinische Besorgnisse Mädchen und Frauen lange Zeit den Weg zum Fußballsport versperrt. Öffentliche Verbote von Frauenfußball existieren unterdessen nicht mehr, jedoch hat Fußball durch die althergebrachten Denk- und Deutungsmuster nach wie vor das kulturelle Image als männliche Sportart. Eine Analyse der Schriften und Mitgliederstatistiken des DFB verdeutlicht, dass Fußball keine häufig betriebene Sportart bei weiblichen Kindern und Jugendlichen ist. Hiermit wird ein Widerspruch zu der Annahme vom starken Aufholen der Mädchen im formellen Fußballsport aufgezeigt. Insgesamt wird durch die Untersuchung vergangener und augenblicklicher Daten offenkundig, dass Mädchenfußball im Verein Unzulänglichkeiten aufweist. Nach wie vor ist Mädchenfußball nicht selbstverständlich in den Fußballvereinen. Zahlreiche Vereine bieten Mädchen keine organisatorischen und logistischen Rahmenbedingungen für ein dauerhaftes Fußballengagement. Hieraus begründet sich auch die Unterrepräsentanz von Mädchen und jungen Frauen im Talentförderprogramm des DFB. Den theoretischen Rahmen für Erklärungsansätze diesbezüglich liefert die Studie der Universität Erlangen “Mädchenfußball unter der Lupe“. Das Projekt bestätigt zum einen die gelungene Förderung und Integration von auffallendambitionierten Spielerinnen in das DFB-Stützpunktprogramm. Anhand der Ergebnisse wurden zum anderen, im Hinblick auf eine breiter angelegte Talentsuche, -auswahl und -förderung talentierter Mädchen, jedoch auch Mängel des DFB-Stützpunktprogramms enthüllt. Zum Tragen kommen diese Defizite, die von den jeweiligen befragten Personengruppen differenziert registriert werden,demnach u. a. in den unterschiedlichen Bereichen: Sichtungsmaßnahmen, Chancen und Ziele. Mit Hilfe eigener empirischer Studien, den Schriften des Deutschen Fußball-Bundes sowie dessen Internetpräsenz, der Erlanger Studie und vereinzelter Fachliteratur kann eine Darstellung der zentralen Ergebnisse erfolgen. Folgende Aspekte können danach als Hindernisse für Mädchen im Fußball erachtet werden:

- Fortleben des traditionellen Fußballverständnisses: Fußball wird immer noch als eine Domäne des Mannes gesehen. Die (veraltete) Auffassung, dass Frauen im Fußballsport nichts zu suchen haben, ist leider noch in vielen Denkprozessen fest verankert.
- Mädchen als Randgruppe in Fußballvereinen: Fußballinteressierten Mädchen werden in ihrem Umfeld häufig keine Gelegenheiten geboten, sich in einem Fußballverein zu engagieren, was auf die niedrige Staffelung von Mädchen- und Frauenmannschaften in Sportvereinen zurückzuführen ist.
- Mädchenfußball als Ausnahmeerscheinung in Schulen: Im Sportunterricht sind Mädchen in Bezug auf das Thema Fußball Konflikten ausgesetzt, weil sie im Zusammenhang mit Jungen oftmals deren Dominanz zu spüren bekommen. Dies kann das Interesse der Mädchen an der Sportart Fußball nachhaltig beeinflussen.
- Geringe mediale Präsenz des Mädchen- und Frauenfußballs: Frauenfußball erfährt in den Printmedien, sowie der digitalen Übertragung im Fernsehen kaum Beachtung, wodurch Mädchen kaum Vorbilder haben.

Auch wenn durch die Studie “Mädchenfußball unter der Lupe“ (Kugelmann/Röger/Weigelt-Schlesinger, 2006) auf der einen Seite die gelungene Einbindung und Förderung von weiblichen Talenten belegt werden kann, lassen sich hinsichtlich dem Anliegen, (welches im Übrigen auch in den Fragebögen zum Tragen kommt,) dass

„[...] die Förderung breiter gefächert [...]“

(Angabe in einem Fragebogen)

und die Talentsuche, -auswahl und -förderung der Mädchen ausgedehnt werden sollte, Mängel in den verschiedensten Bereichen festhalten. Aufgrund dessen, dass die vorliegenden Defizite von den – innerhalb der Studie – befragten Personengruppen unterschiedlich registriert werden, erscheint es zunächst erstrebenswert, die angesprochenen Parteien für den Mädchen- und Frauenfußballs allgemein sowie insbesondere für die Förderung von begabten Nachwuchskickerinnen empfindlich zu machen. Vorbildfunktion erfüllen hier die vor kurzem eingerichteten DFB-Mädchenstützpunkte in Sachsen-Anhalt und Bayern (Kap.3.5). Ein durchdachter Austausch betreffs gewisser Entscheidungen und Vorgänge, die sich auf eine Optimierung der Talentförderung im Mädchenfußball beziehen, kann dazu beitragen neue Denk- und Handlungsalternativen zu formulieren. Im Folgenden werden einige Optimierungsvorschläge gegeben, durch die in erster Linie die betroffenen Mädchen profitieren. Zum einen muss eine verbesserte Verständigung zwischen der Achse DFB-Verband-Verein und den weiblichen Talenten vorherrschen. Zudem ist neben einer gezielten Begleitung und Förderung seitens der Vereins- und Stützpunkttrainer auch ein stetiger Zuspruch, dass die Spielerinnen ihre Ziele gegenüber Betreuern äußern und verstärkt im Auge behalten sollen, wichtig. Durch eine Darlegung von Informationen auf der Homepage der Landesverbände hinsichtlich Fördermöglichkeiten für ambitionierte Spielerinnen können offene Fragestellungen geklärt und Interesse geweckt werden. Des Weiteren wirkt sich eine geschlechtersensible Fußballtraineraus- und Fortbildung gewinnbringend auf die Förderung der Mädchen aus, eben­so die Teilnahme jeweiliger Vereinstrainer an Stützpunkt-Informationsveranstaltun­gen. Mädchen profitieren gleichzeitig von einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen den regionalen Medien und den einzelnen Stützpunkten und von dem zusätzlichen Aufbau unabhängiger DFB-Mädchenstützpunkte. Allgemein ist die Kooperation aller beteiligten Parteien, Schule, Verein, Eltern, Wirtschaft und Medien, bedeutend für die Weiterentwicklung des Mädchenfußballs. Zu guter Letzt sollte sich der DFB verpflichtet fühlen, gezielte Sichtungsmaßnahmen, auch in Mädchenmannschaften, durchzuführen und die Kommunikation zwischen Vereins- und Stützpunkttrainern betreffs der Sichtung zu optimieren.

Die Arbeit schließt mit einem Zitat von Joseph Sepp Blatter (www.fifa.com), der die Zielvorstellungen hinsichtlich des Mädchen- und Frauenfußballsprägnant zusammenfasst:

„Überall auf der Welt können Frauen heute Fußball spielen - das ist die Botschaft,die ich damals ausgegeben habe und sie gilt auch heute noch: Lasst die Mädchen und Frauen Fußball spielen, denn sie haben die gleichen Fähigkeiten, wie Jungenund Männer."

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Filme

Eine andere Liga, Deutschland, 2005, Regie: Buket Alakus

FC Venus, Deutschland, 2006, Regie: Ute Wieland

Kick it like Beckham (Originaltitel: Bend it like Beckham), Goßbritannien, 2002, Regie: Gurinder Chadha

12. Eidesstaatliche Erklärung

Ich versichere, dass ich die Hausarbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Arbeit, die im Wortlaut oder Sinn nach anderen Werken entlehnt sind, unter Angabe der Quelle in jedem einzelnen Fall kenntlich gemacht habe.

(Datum) (Unterschrift)

13. Anhang

Anhang 1: Anfrage Fragebogen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Liebe Trainer und Trainerinnen,

liebe Spielerinnen,

Im Rahmen meines Lehramtstudiums (Sportwissenschaften, Mathematik) schreibe ich zur Zeit an meiner Examensarbeit im Fachbereich Sport mit dem Thema:

Mädchen haben es schwer – Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Fußball

Ich bitte hiermit um Ihre Hilfe, mich bei meinem empirischen Teil, der unter anderem auf den vorliegenden Fragebögen basiert, zu unterstützen.

Es wäre nett, wenn sich jede/r ca. 5 Minuten Zeit nehmen könnte, um die Fragen zu beantworten.

Ein Umschlag für die Rücksendung ist beigelegt.

Ich bedanke mich für ihre Unterstützung.

Liebe Grüße,

Natascha Korte

Osnabrück, den 17.Januar 07

Anhang 2: Standardisierter Fragebogen Spieler

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Thema: Mädchen haben es schwer – Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Fußball

Aktueller Verein/Liga:

Alter:

Beruf:

1. Ab welchem Alter spielst du Fußball im Verein?

2. Welche Motive/Beweggründe brachten dich dazu Fußball im Verein zu spielen?

3. Hast du in reinen Mädchenmannschaften gespielt? Ja weiter mit 4. Nein weiter mit 3.1

3.1 In welcher Jugend/in welchem Alter?

4. Hast du bereits in einer Auswahl gespielt? Ja weiter bei 4.1 Nein weiter bei 5.

4.1 In welcher/welchen Auswahl/en und für wie lange?

4.2 Wie war das prozentuale Verhältnis Mädchen/Jungs?

4.3 Wurdest du von einem Mann oder einer Frau gesichtet?

4.4 Wurdest du von einem Mann oder einer Frau trainiert?

4.5 Waren die Betreuer/Physiotherapeuten, etc. männlich/weiblich?

4.6 Wie lief die Kontaktaufnahme ab? Persönliches Gespräch

Per Telefonanruf

Über Mitspielerinnen

Über eigenen Trainer/in

Sonstiges

5. Unterstützen deine Eltern dich bzgl. des Fußballspielens? Ja weiter mit 5.1 Nein weiter mit 6.

5.1 Auf welche Art und Weise? Finanziell

Als Trainer/in

Als Betreuer/in

Fahrdienste

Als Zuschauer

Sonstiges

6. Auf welche Art und Weise erfährst du Akzeptanz bzw. Ablehnung bzgl. des Fußballspielens?

7. Was sind deine Ziele bzgl. des Fußballspielens?

8. Warum wird deiner Meinung nach mehr in Jungen-, als in Mädchenmannschaften gesichtet?

9. Haben es Mädchen, bezüglich Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung, deiner Meinung nach schwer im Fußball? Begründe deine Meinung.

10. Was sollte man deiner Meinung nach ändern, um die Talente im Frauenfußball verstärkt zu fördern?

11. Kommentiere folgendes Zitat: „Es sind einfach zu wenig Mädchen in den Jungenmannschaften, und reine Mädchenmannschaften, die sichten wir nicht, weil: das bringt nichts.“

Anhang 3: Interviews

Telefon-Interview (Int.1)

Interviewpartner: Moritz Lufft (ML)

Funktion: Referent Schul- & Mädchenfußball SHFV-Kiel

Datum: 13.März 2007

ML: [...] und ich könnte dir sonst noch einiges erzählen, wie es denn am Sinnvollsten ist, Mädchenfußball überhaupt erst einmal in die Breite zu kriegen. So Maßnahmen sind sicherlich einerseits das Mittel als Kommunikation Werbung überhaupt für den Fußball zu machen, Mädchen für den Fußball anzuwerben und dann natürlich auch die bestehenden Mannschaften und Ähnliches in die Organisation und in die Durchführung eines Mädchentages oder Turnieren mit einzubeziehen. Das ist sicherlich die eine Geschichte. Die andere Geschichte ist dann, wie bringe ich überhaupt den Mädchenfußball in die Breite, in die entsprechenden Fußballkreise. Da müsste man sich zunächst einmal die Gedanken machen, zuerst eine Struktur aufzubauen, zum Beispiel über Ehrenamtliche Mitarbeiter..[..].

Wenn es darum geht Aktionen zu planen oder zum Beispiel den “Tag des Mädchenfußballs“ [..], dann sprechen die Mädchenbeauftragten an und sagen „wir würden gerne mit euch zusammen einen “Tag des Mädchenfußballs“ organisieren“, dann kann er das natürlich vor Ort organisieren und absprechen und so weiter und wir sind im Hintergrund als Landesverband und können dann entweder die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen oder irgendwelche Soccer- Courts oder was auch immer stellen.

Also geht der “Tag des Mädchenfußballs“ nicht von den Vereinen aus, sondern vom Verband, der das organisiert?

ML: Die Iniziierung selbst, das kommt ganz drauf an, es gibt Vereine, die rufen hier bei mir an und sagen „ich würde gerne einen “Tag des Mädchenfußballs“ organisieren“ und dann sagen wir „das finden wir super und unterstützen euch dabei.“ [..] oder wir würden im Rahmen des “Tag des Mädchenfußballs“ eine Lehrveranstaltung anbieten [...] zum Beispiel die Eltern, die können dann 3 Stunden an einer Fortbildung für Fußballbetreuer und Betreuerinnen teilnehmen. Das können wir dann vom Verband aus organisieren und der Verein selbst organisiert dann zum Beispiel Fußballturniere oder Schminkwettbewerbe [...].Aber es kann natürlich auch so sein, dass wir vom Verband aus auf einen Kreis zugehen und sagen „wir würden gerne mit euch, weil ihr herausragende Arbeit gemacht habt, euch das auch als Belohnung geben“. Das ist natürlich auch sehr pressewirksam, wenn man das medial begleiten lässt [..].

Was sind dann die Ziele? Warum würdet ihr als Verband auf die Vereine zugehen?

ML: [...] es gibt ja viele unterschiedliche Aktionen [..] es dient immer dazu einerseits die bestehenden Strukturen zu stärken und dann natürlich neue Mädchen für Fußball zu gewinnen, das heißt zu begeistern und zu zeigen, dass ordentlich was gemacht wird, dass die Strukturen vor allen Dingen modern sind und nicht behäbig, sondern dass sich da auch moderne Gedanken gemacht werden [...], dass sich was getan hat und Mädchenfußball nicht das alte angestauchte Image hat. Das heißt, neue Leute [...] anwerben, die bestehenden Strukturen unterstützen und für den Verein selbst ist es natürlich [...] sein Image rüberzubringen [...], Sponsoren mit einzubeziehen, da haben wir gegenüber Alpro Soya, der natürlich der Hauptsponsor für das Mädchenprogramm beim DFB ist gegebenenfalls auch Verpflichtungen [...].

Habt ihr solche Aktionen, wie beispielsweise den “Tag des Mädchenfußballs“, in den letzten Jahren verstärkt durchgeführt?

ML: Also wir haben in dem letzten Jahr zwei “Tage des Mädchenfußballs“ durchgeführt, das werden wir in diesem Jahr mindestens machen, also ich würde ehrlich gesagt in jedem Kreis einen “Tag des Mädchenfußballs“ durchführen, aber das ist dann natürlich auch so, dass es dann medial nicht mehr ganz so interessant ist [..], deswegen muss man da immer so ein wenig abwägen, wie viel Bedarf ist eigentlich da.[..] Da kann man auch sehr gut mit den Schulen zusammen arbeiten [...].

Wird denn deutlich, dass diese Projekte Erfolg haben?

ML: Ja, ja, das bringt auf alle Fälle was, also [...] im letzten Jahr kamen allein 20 Prozent an Mannschaften dazu und das ist schon ein ganz schöner Batzen. Das ist sicherlich nicht nur mit dem “Tag des Mädchenfußballs“ verbunden, sondern die allgemeine WM-Euphorie, und dann ist es so [...] sobald sich mehr Vereine finden, entsteht eine Konkurrenzsituation, sprich ein Spielbetrieb ist möglich [...] und dadurch steigt die Attraktivität für den Sport und immer mehr Mädchen sehen, dass das modern ist, dass ihre Mädels, ihre Freundinnen dann entsprechend auch Fußball spielen und das wird dann wie so ne Spirale, die nach oben geht.

[...]

Würdest du prinzipiell sagen, dass für den Jungenfußball mehr getan wird, als für den Mädchenfußball?

ML: [...] Speziell mit solchen Aktionen mehr im Mädchenfußball. Aber auch, weil das Potenzial natürlich noch größer ist, das heißt es ist derzeit am Aufbauen und man hat noch lange nicht den Zenit erreicht, wie zum Beispiel jetzt der Jungenfußball. [...] Der Mädchenfußball ist noch viel, viel jünger, eher noch – das ist eine persönliche Einschätzung – in der Aufschwungphase und der Jungsfußball ist am stagnieren [...]. Der allgemeine Trend geht dahin, dass immer mehr Mädchen Fußball spielen. Und deshalb ist es wichtig dort extra Aktionen zu fahren, nur für Mädchen, diesen Trend zu unterstützen.

[...]

Wird deiner Meinung nach mehr in Jungen- und Männermannschaften gesichtet?

ML: [...] das öffentliche Interesse am Herrenfußball höher ist als am Frauenfußball.[...] Und das sehen ja auch die entsprechenden Talentförderungen oder die Sichtungen. [...] Wir hier in Schleswig-Hollstein haben [...] 14 Talentstützpunkte für Jungs, für Mädchen aber nur 5. Wir brauchen aber gar keine 14, da wir gar nicht so viele Mannschaften haben [...]. Jetzt geht es darum, einen Verbandssportlehrer zu engagieren, der die Mädchen betreut und nicht mehr irgendein Ehrenamtlicher [...]. Andere Landesverbände haben solche Stützpunkte noch nicht, da sind wir in Schleswig-Hollstein sicherlich federführend mit.[...] Aber es ist sicherlich so, dass in den Landesverbänden, was die Talentförderung angeht, mehr für Jungen gemacht wird oder angeboten wird, es einfach professioneller ist. Das liegt daran, dass da die Talentförderung der Mädchen und der Frauen [...] noch in den Kinderschuhen steckt. [...] Der Hype der A-Nationalmannschaft der Frauen geht auch erst seit einigen Jahren. [...] seit der EM und seit dem geht das ja alles nach oben, aber das muss sich auch erst mal bis unten durchsetzen.

[...] ohne eine breite Masse zu haben, ist es natürlich auch schwierig, daraus Talente zu fördern, insofern bedingt das Eine sicherlich das Andere. [...] Es ist auch wichtig, dass die entscheidenden Positionen, die Führungsträger was für den Mädchenfußball übrig haben und [...] sehen, wie wichtig das ist. [...] Das ist historisch gesehen [...] da geht’s jetzt darum in den Köpfen der Entscheidungsträger [...], da sitzen ja jetzt auch keine 30- jährigen mehr, die das auch erst mal mitbekommen müssen. Das ist ein Denkprozess, der da umgewandelt werden muss, was langwierig ist, da muss man sicherlich auch einige Geduld mitbringen und die Leute davon überzeugen, dass es nicht nur um Jungsspielbetrieb geht, sondern auch darum geht, soziale Verantwortung gegenüber den Mädchen wahrzunehmen. [...] Da gibt’s aber einige, die sagen „Nein, Fußball war schon immer so, da dürfen nur Jungs spielen, das bleibt so.“ [...]

Ich danke dir, dass du Zeit für mich hattest.

ML: Falls noch irgendwelche Fragen sind, ruf an und ansonsten viel Erfolg. [...]

Interview (Int.2)

Interviewpartner: Lisa Seeger (LS) und Kathrin Seeger (KS)

Funktion: Auswahlspielerinnen

Aktueller Verein: VfL Oythe (Regionalliga)

Datum: 25.März 2007

Würdet ihr euch zunächst einmal vorstellen?

LS: LS, Geburtsdatum: 28.9.88 und ich spiele im Moment in der Regionalliga beim VfL Oythe und ich habe gespielt in der Kreis-, Bezirksauswahl, zur Zeit U21 Niedersachsenaus­wahl und Sichtung Duisburg dann zur U18 DFB- Auswahl. [...].

KS: Ich bin KS, Geburtsdatum ist am 23.8.1990, spiele auch beim VfL Oythe und war auch in der Kreis-, Bezirk- und aktuell U18 Niedersachsenauswahl. [...].

Aus welchem Grund habt ihr mit den Fußballspielen angefangen?

LS: Es gab nichts anderes in unserem Dorf. Weil wir konnten nur mit den Jungs Fußball spielen [...] und da wir direkt gegenüber dem Sportplatz wohnen und Papa die Jungenmannschaft trainiert hat, sind wir da mitgelaufen. [...].

Waren eure Eltern dafür? Unterstützen Sie euch?

LS: Auf jeden Fall dafür. Das war halt ein Dorf und die hatten eh nicht genug Leute in der Jungenmannschaft und deshalb mussten wir Mädchen da mitspielen. Wir wurden dann immer besser und besser, irgendwann waren wir besser als die Jungs und dann hassten die uns.

KS: Ja, und die fahren uns überall hin, haben uns früher selber trainiert, nachmittags immer und so was halt [...]. Wenn wir Trainingsklamotten brauchen, haben wir`s auch immer bezahlt gekriegt.

Habt ihr in der Schule auch viel Fußball gespielt?

LS: Nein, ich find nicht.

KS: Also, ich find es geht, zwischendurch schon, aber nicht so richtig.

LS: Aber ich hatte zum Beispiel noch nie in der Schule Fußball als Kurs, man spielt immer Volleyball oder Handball. Bei uns war das so, dass die Jungs Fußball spielen durften und die Mädchen was anderes gemacht haben [...]. Und bei „Jugend trainiert für Olympia“, da durften die Mädchen auch nicht mitspielen. [...].

KS: Doch, ich durfte da mitspielen.

LS: Aber nur irgendwie bis U16 oder so, wenn das älter wurde, dann nicht mehr, wegen den Kabinen und so.

Was zeichnet eurer Meinung nach die Person des Trainers aus?

LS: Dass er selber Fußball spielt, ist [...] wichtig, er muss das ja selber auch können [...] und viel Ruhe, weil wenn man selber da so emotional mitgeht [...], ist das für die Spieler auf dem Feld nicht so einfach.

KS: Es ist auch wichtig, dass der Trainer auch außerhalb des Fußball was mitmacht, zum Beispiel Geburtstag oder so. [...] Sonst entsteht da voll der Abstand, wenn man nichts miteinander zu tun hat.

Auf welche Art und Weise wurdet ihr gesichtet?

LS: Bei Kreisauswahl muss erst mal der Trainer, weil es spielen ja nicht viele Mädchen in den Jungenmannschaften, in den unteren mit, [...] beim Kreisauswahltrainer anmelden. Also sagen: wir haben hier Mädchen. Dann kommt der zu den Spielen und guckt einen an. Dann wird man eingeladen zum Trainingslehrgang.

Und wie wurdest du eingeladen?

LS: Per Brief.

KS: Bei mir war das so, dass der Trainer da immer angerufen hat und dann wurde gesagt, ich sei zu jung oder zu klein, und da hat mein Vater da angerufen [...].

LS: Papa hat dann gesagt, was denn mit uns sei und dann hat der uns auch mit eingeladen.

[...].

Wie wurdet ihr im Vergleich zu den Jungs an den Stützpunkten bzw. beim Auswahllehrgang behandelt?

LS: Das kam auf den Trainer an, bei einem haben wir gar nicht gespielt und bei dem anderen waren wir fest in der Mannschaft [...], da waren wir auch gleichwertig mit denen, aber eigentlich wurden wir mehr so als Mitläufer gesehen.

[...]. Die Jungs haben auch den Vorteil, dass sie nicht so zerstreut aus viel Vereinen kommen, sondern mehr aus größeren Vereinen, wie Wolfsburg und Hannover und sich dann ja auch schon kennen. Bei Mädchen ist das Problem, die kommen aus ganz vielen kleinen Orten zusammen meistens und dann ist das glaub ich ein bisschen doof. [...].

Wie lange fahrt ihr bis zum Stützpunkt?

KS: Nach Barsinghausen 2 Stunden mit dem Auto.

LS: Und sonst 2 ½ bis 3 Stunden mit dem Zug.

Welches sind aus eurer Sicht die Gründe für die Unterrepräsentanz der Mädchen am Stützpunkt?

KS: Weil das Interesse bei Jungen oder Männern größer ist, so von Zuschauern und insgesamt.

[...].

LS: [...] die Jungs werden immer sofort abgeworben, das ist bei den Mädchen nicht so, man bekommt nicht so schnell Angebote von anderen Verein. [...]. Außerdem mehr Geld, mehr Werbung und so was.

Glaubt ihr die Gesellschaft befürwortet fußballspielende Mädchen?

KS: Das kommt ganz drauf an. Einige Mädchen und Jungs, die würden sagen: Ja, Mädchen und Fußballspielen, das ist ja nichts, erstens können die das nicht und außerdem ist das ja nur was für Jungs. Andere [...] finden das gut und sagen: Mannschaftssport, macht Spaß.

LS: [...] Fußball hat ja schon immer ein wenig das Image, dass es ein Männersport ist. [...], aber das ist glaub ich überall so im Sport.

KS: Nein, ich glaube, dass das schon eher beim Fußball ist. [...].

LS: [...] weil die Unterschiede auch viel größer sind, [...] der Männerfußball ist wirklich schneller und attraktiver [...] als Frauenfußball.

Wird dem Frauenfußball in den Medien genügend Beachtung geschenkt?

LS: Nein. Gar nicht. Gestern war erst in der “Sportbild“ 25 Seiten über Herrenfußball und eine Spalte über Frauenfußball. [...]. Unglaublich.

Was sollte man diesbezüglich ändern?

LS: Zum Beispiel mehr TV-Übertragungen und nicht nur immer auf WDR abends ne kleine Wiederholung zeigen [...], sondern zum Beispiel in der ARD-Sportschau ne kleine Zusammenfassung zeigen.

KS: Das ist ja eigentlich auch berechtigt, weil die sind ja gut, die Frauen von Deutschland.

Glaubt ihr das die Mädchen es schwerer haben im Fußball?

LS: Ja, um weiter rauszukommen auf jeden Fall, also damit Geld verdienen, geht ja gar nicht, egal wie gut man ist. [...].

KS: Das Interesse bei den Männern ist auch viel größer, die werden viel mehr akzeptiert.

LS: Das kannst ja sehen, wenn in der Schule ein Junge [...] hoch Fußball spielt, das ist dann da der King im Grunde und bei den Mädchen ist das: Ach Männersport.

Möchtet ihr sonst noch was sagen?

KS: [...] Viel Erfolg.

Dann bedanke ich mich bei euch für dieses Interview.

Interview (Int.3)

Interviewpartner: Britta Kappel (BK)

Funktion: Auswahlspielerin

Aktueller Verein: SV Viktoria Gersten (2. Bundesliga)

Datum: 26.März 2007

Würdest du dich zunächst bitte vorstellen?

BK: Ich bin BK, komme aus Meppen und bin 22 Jahre alt.

In welchen Auswahlmannschaften hast du bisher gespielt?

BK: Kreisauswahl U13, Bezirkauswahl und NFV–Auswahl U18 und U21 und einmal U21 DFB. [...].

Aus welchem Grund hast du mit dem Fußball angefangen?

BK: Weil unser Papa Fußballfanatiker war und meine Brüder keinen Fußball spielen können und Inga und ich das eigentlich immer ganz gut konnten.

Also waren deine Eltern für das Fußballspielen?

BK: Ja, Papa sowieso und Mama wollte auch, dass wir Sport machen.

Wie haben dich deine Eltern bezüglich des Fußballspielens unterstützt?

BK: Ja, also ein Bayern-Trikot haben wir gekriegt, Torwarthandschuhe [...]. Dann waren die auch bei allen Heimspielen dabei, Papa war auch beim Auswärtsspiel dabei [...] und Mama ist jetzt auch immer noch dabei, bei jedem Heimspiel.

Hast du auch in der Schule, im Sportunterricht, viel Fußball gespielt?

BK: Ja, und wir wurden auch immer ziemlich früh gewählt [...] wir haben zwischendurch gespielt, in den Pausen [...].

Was zeichnet die Person des Trainers für dich aus?

BK: Ja, das die halt auch immer mit auf Partys gehen, dass die aber auch Verständnis hat und das muss `ne Frau sein, erst mal muss die selber Fußball gespielt haben, damit die weiß, wies da abgeht, auch höherklassig und [...] `ne Frau kann besser auf Frauen eingehen, als ein Mann. [...] Männer vergleichen das immer zu sehr mit dem Herrenfußball und mit Männern allgemein.

Was sind aus deiner Sicht Gründe für die Unterrepräsentanz der Mädchen im Fußball? Warum werden mehr Jungen als Mädchen gefördert?

BK: Weil Männer halt mit dem Fußball Geld verdienen können und auch groß raus kommen können [...] Männer denken halt, Frauenfußball ist nicht so gut, obwohl wir ja Weltmeister sind im Gegensatz zu den Herren, amtierender Europameister. Dass muss sich jetzt alles erst mal ein bisschen hocharbeiten [...], sich entwickeln.

Wie wurdest du für die einzelnen Auswahlmannschaften gesichtet?

BK: Also, Kreisauswahl hat uns die D., die ist zu dem Kreisauswahltrainer hingegangen und hat gesagt, können die beiden nicht mal mittrainieren. Ja, da haben wir dann mittrainiert und waren dann in der Auswahl. Dann Bezirksauswahl war der gleiche Trainer, wie der von der Kreisauswahl, der hat uns dann halt wieder eingeladen und Niedersachsenauswahl erfährt man halt dann bei dem Bezirksturnier direkt vom Trainer, ob man weiter ist oder nicht und dann wird man über Post darüber informiert, [...].

Das war dann ein extra Turnier, wo speziell gesichtet wurde?

BK: Ja, diese vier Bezirksturniere: Hannover, Lüneburg, Braunschweig und Weser- Ems. [...] Da wird dann für die Niedersachsenauswahl gesichtet. [...] So eine Art Talenttag. Also ein Wochenende. [...].

Und für den DFB?

BK: Durch den Länderpokal in Duisburg, das dauert ja immer vier bis fünf Tage, wo dann die einzelnen Verbände gegeneinander spielen, da sind dann halt ganz viele DFB-Sichter und das erfährt man dann am Ende des Turniers, ob man gesichtet worden ist oder nicht und wird dann anschließend noch mal über die Post darüber informiert. [...].

Wie lange brauchst du, um zum Stützpunkt zu fahren?

BK: Bis nach Barsinghausen 2 ½ Stunden mit dem Auto. Mit dem Zug brauch man 3 ½ Stunden.

[...].

Welche Ziele verfolgst du mit dem Fußball?

BK: Erst mal irgendwann 1. Bundesliga spielen und auch schon wenigstens einmal das Trikot der Nationalmannschaft. [...]. Früher war das, dass man erst mal spielt, um Spaß zu haben und wenn man dann merkt, dass es klappt, dann macht es einem auch fast nur noch Spaß, wenn man Leute hat, die genauso gut spielen, wie man selber. [...] und dann will man auch mehr erreichen.

Glaubst du, dass die Gesellschaft fußballspielende Mädchen befürwortet?

BK: Das verbessert sich auf jeden Fall [...]. Auch dadurch, dass es teilweise im Fernsehen gezeigt wird, DFB-Pokal-Finale und die Hallenmasters und UEFA-Cup und wichtige Spiele wie Frankfurt gegen Potsdam [...]. Wird mehr anerkannt mittlerweile, aber noch nicht so wie der Herrenfußball.

[...].

Findest du, dass die Akzeptanz steigt, je höherklassiger man spielt?

BK: Ja, auf jeden Fall, weil das liegt ja auch daran [...], wenn du dir den Kreisklassenfußball anguckst, das ist ja auch wirklich schlecht, [...] und in der Schule, spielen wir nur mit den Jungs, [...], die konnten auch aufs Sportinternat gehen und haben selber schon Niedersachsenauswahl gespielt, die akzeptieren das halt [...] auch, dass man eigentlich vom technischen und taktischen genauso gut ist wie die selber, die binden einen auch gut mit ins Spiel ein und von denen kann man auch noch viel lernen.

Findest du, dass dem Frauenfußball in den Medien genügend Beachtung geschenkt wird?

BK: Nein, noch gar nicht. Man muss ja nicht so wie bei den Herren, die Bundesliga, die ganzen Spieltage zeigen, aber man könnte zumindest die Ergebnisse mal im Fernsehen bekannt geben, man muss ja nicht die ganzen Spiele zeigen, sondern zwei, drei gute könnte man ja raussuchen und im Sportstudio zeigen [...]. Und die Länderspiele werden ja sowieso schon nachmittags alle übertragen. Aber UEFA-Cup [...] wird halt nur aufm Dritten übertragen und nicht aufm Ersten oder Zweiten, wo das auch mehr auffällt. [...] Das man das nicht nur auf Hessen oder Hessen Drei zeigt.

Und was denkst du diesbezüglich über die Zeitungen?

BK: Also im Emsland ist es denke ich ziemlich gut, was die Zeitungsartikel angeht, da auch viele Mannschaften relativ hoch spielen, aber wenn man jetzt mal so in Wolfsburger Raum geht oder Hannoveranischen Raum oder Osnabrück steht ja auch nicht viel drin [...]. Aber wenn hier mehr Mannschaften höherklassiger spielen würden, würde man die Artikel der Frauen auf jeden Fall kürzen. [...]. Man könnte in den Medien mehr tun.

Sepp Blatter hat gesagt, die „Zukunft des Fußballs ist weiblich“. Was sagst du dazu?

BK: [...] Frauenfußball kommt ja jetzt auch erst und wenn die Mädchen erst mal in den Jungsmannschaften mittrainieren, dann werden die irgendwann genauso schnell umschalten können und auch von der Schnelligkeit her wahrscheinlich mehr zunehmen. [...] Gefördert werden die Mädchen aber jetzt erst so intensiv [...]. Das wird sich alles jetzt auf jeden Fall verbessern, dadurch dass jetzt auch Neubrandenburg ein Sportinternat hat, Wattenscheid will ein Sportinternat machen, Potsdam hat ein Sportinternat, also das wird jetzt alles, also viel dafür getan.

Das Thema der Arbeit lautet “Mädchen haben es schwer“. Was denkst du?

BK: [...] Klar, haben die es schwerer als die Jungs, weil die sich ganz anders durchsetzen müssen, aber wenn man Talent hat, sollte man das auch nutzen [...] und wenn man das schaffen will, kann man das auch schaffen.

Ich danke dir für das Interview.

Interview (Int.4)

Interviewpartner: Inga Kappel (IK)

Funktion: Auswahlspielerin

Aktueller Verein: VfL Wolfsburg (1. Bundesliga)

Datum: 26.März 2007

Würdest du dich zunächst bitte vorstellen?

BK: Ich bin IK, 22 Jahre alt und komme aus Meppen.

In welchen Auswahlmannschaften hast du bisher gespielt?

BK: Emslandauswahl U13, Bezirkauswahl und NFV, also U13 Kreisauswahl, U15 NFV, U18 NFV und U21 NFV [...]. Und bei U21 wurden wir gesichtet für den DFB.

Aus welchem Grund hast du mit dem Fußball angefangen?

IK: Wir haben damals in der Schule oder auf der Straße Fußball gespielt und von unserem Vater der Kollege war Trainer und dann sind wir einfach mal zum Training gefahren.

Also waren deine Eltern für oder gegen das Fußballspielen?

IK: Dafür, beide. Papa sowieso und Mama hat sich einfach angeschlossen.[...]. Toll hat sie nicht gesagt.

Hast du auch in der Schule, im Sportunterricht, viel Fußball gespielt?

IK: Also aufm Schulhof durften Britta und ich immer mitspielen, die anderen wurden aussortiert, die durften nicht, weil die zu schlecht waren und im Unterricht nicht unbedingt. [...] wir haben bei den Jungs mitgespielt und die Mädels haben ihren eigenen Sportunterricht abgezogen. [...] weil wir gesagt haben, dass wir bei den Jungs mitspielen wollen, also war es eigentlich schon getrennt Junge und Mädchen.

Was zeichnet die Person des Trainers für dich aus?

IK: Muss selber Fußball gespielt haben, guten Fußballverstand haben, `ne Mannschaft gut einstellen können und muss die Fähigkeit haben, Menschen zu motivieren.

Ist es egal, ob es ein Mann oder eine Frau ist?

IK: Ja, aber bis jetzt war die beste Trainerin, die ich hatte `ne Frau. [...] weil sie die einzige ist, die richtig motivieren kann, die gutes hartes Training macht und genau weiß, wann sie auf jemanden Druck ausüben oder jemanden wieder hochpushen muss. [...] Die Frauen wissen genau wie Frauen ticken, die Männer hauen einfach nur drauf.

Was sind aus deiner Sicht Gründe für die Unterrepräsentanz der Mädchen im Fußball? Warum werden mehr Jungen als Mädchen gefördert?

IK: Erst mal gibt’s ja mehr Jungs, die Fußball spielen und Männerfußball bzw. Jungenfußball ist populärer als der von den Mädchen und von den Damen. [...] Es ist schon interessanter, sich Männerfußball anzugucken als Mädchen- oder Damenfußball, weil der halt dynamischer ist als der Damenfußball. Damenfußball ist zwar technisch ein wenig versierter, aber vom Umschalten her und taktischer Kenntnis her ist der Männer- und Jungenfußball besser.

Wie wurdest du für die einzelnen Auswahlmannschaften gesichtet?

IK: Damals hat die Kreisauswahl in Meppen Training gemacht und unser Trainer hat gesagt, wir sollen da mal mittrainieren, unser Trainer hat uns quasi vorgeschlagen. [...] Für NFV, also der Kreistrainer war automatisch dein Bezirkstrainer [...] und dann sind wir nach Barsinghausen auf ein Sichtungsturnier gekommen und da haben die vier Bezirke vom NFV gegeneinander gespielt und da waren da Sichter vom NFV und dich haben dich dann gesichtet.

Wie lange brauchst du, um zum Stützpunkt zu fahren?

IK: Mit dem Auto 2 Stunden und mit dem Zug auch, ist glaub ich ungefähr gleich. Naja, mit dem Auto vielleicht 2 ½ Stunden.

Welche Ziele verfolgst du mit dem Fußball?

IK: Früher wolle ich immer mal 1. Liga spielen oder Nationalmannschaft, also 1. Liga habe ich ja dann jetzt gespielt und jetzt ist es mir eigentlich egal, [...] ich will schon im Verein spielen, wo vernünftiger Fußball gespielt wird, wo ich meine Leistung abrufen muss, aber hauptsächlich um Spaß zu haben. [...] Also, der Spaß steht sowieso immer an erster Stelle, weil wir ja auch nichts dafür kriegen und quasi auch nicht genug entlohnt werden dafür [...]. Wenn ich damit wie die Profis in der Bundesliga Geld verdienen könnte, dann würde ich mich schon mehr abquälen [...], aber dann würde man auf Sachen eingehen, auf die man jetzt nicht eingeht, zum Beispiel woanders hinziehen und seine Umgebung aufgeben, was man jetzt nicht macht, weil es sich auch nicht lohnt zu machen.

Glaubst du, dass die Gesellschaft fußballspielende Mädchen befürwortet?

IK: Das glaube ich schon. Erstens ist Theo Zwanziger ja großer Fan vom Frauenfußball, aber ich denke, dass es immer so bleiben wird, das Männer- und Jungenfußball mehr angesehen wird als Damenfußball.

Erfährst du denn selber Akzeptanz oder Ablehnung bezüglich des Fußballs?

IK: Mehr Akzeptanz. Uns sprechen viele Leute auf der Straße an, die wir behaupt nicht kennen und fragen wie wir gespielt haben und die finden das ja auch toll. [...] Das war eigentlich erst so, als wir gewechselt sind, seitdem steht man ja auch öfter in der Zeitung. [...] Davor war das nicht so extrem [...], es kam jetzt keiner von außerhalb, der uns kannte oder so. [...].

Und es kam nie vor, dass Jungs in der Schule gesagt haben: „Fußball ist Männersport“?

IK: Wenn dann aus Spaß, wenn wir da erst mal mitgespielt haben und die haben gesehen, wir können spielen oder sind sogar besser als die, haben die auch schnell den Mund gehalten. Wir mussten uns also schon erst beweisen und zeigen, dass wir Fußball spielen können.

Findest du, dass dem Frauenfußball in den Medien genügend Beachtung geschenkt wird?

IK: Ich glaube das ist von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich. Hier bei uns im Emsland wird denk ich dem Frauenfußball genug Beachtung geschenkt, die Vereine, die oben stehen, stehen immer mit Bericht in der Zeitung [...]. Im Fernsehen ist das ein bisschen wenig, würd` ich sagen, auch wenn das in den letzten Jahren schon mehr geworden ist. Aber das irgendwann mal die 2. Bundesliga gezeigt wird, soweit wird’s nicht kommen.[...].

Sepp Blatter hat gesagt, die „Zukunft des Fußballs ist weiblich“. Was sagst du dazu?

IK: Das glaube ich nicht, weil, ich glaube, soweit wie wir jetzt mit dem weiblichen Fußball sind, viel weiter wird der auch nicht kommen, also in den Medien und vom Finanziellen her, da wird der Männerfußball immer an erster Stelle stehen. [...] Dafür ist das zu unpopulär und zu medienunfreundlich [...]. Viele Männer sind auch auf dem Stand, dass Frauenfußball wie Nonnenhockey ist.

Das Thema der Arbeit lautet “Mädchen haben es schwer“ bezüglich Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung. Glaubst du das auch?

IK: Ich glaube nicht, da es bei den Mädchen nicht so viele gibt. [...]. Bei den Männern wird schon mehr gesichtet, aber es gibt ja auch mehr zu sichten. Beim Damenfußball ist ja auch noch nicht unbedingt das Potenzial da, also ich denke, das ist schwierig zu sagen. [...] Und sonst müssen die Trainer die Mädchen halt selbst vorschlagen [...].

Ich danke dir für das Interview.

Anhang 4: Auszug der DFB-Mitgliederstatistik 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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[...]


[1] Talent, das (gr.–lat.): 1. a) Anlage zu überdurchschnittlichen geistigen od. körperlichen Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet; angeborene besondere Begabung; b) jmd., der über eine besondere Begabung auf einem bestimmten Gebiet verfügt. 2. altgriechische Gewichts- u. Geldeinheit in: Dudenredaktion (2002): Duden - Fremdwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich

[2] Adolph (1979, S.5) fügt vertiefend den „milieu-theoretischen oder auch lerntheoretischen Begabungsbegriff“ ein, der die Mit- und Umwelt für die Leistungsfähigkeit verantwortlich macht

[3] endogen (gr.): (Med.) im Körper selbst, im Körperinnern entstehend, von innen kommend (von Stoffen, Krankheitserregern od. Krankheiten). In: Dudenredaktion (2002): Duden - Fremdwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich

[4] intentional (lat.-nlat.): mit einer Intention verknüpft, zielgerichtet, zweckbestimmt in: Dudenredaktion (2002): Duden - Fremdwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich

[5] Nach Joch (1984, zitiert in Joch 1997, S. 94) ist die motorische Entwicklung ein „aktiver Selbstausbildungsprozess“.

[6] “Wachsenlassen“ bezeichnet eine Methode der Talentförderung (Joch, 1997), siehe Kap.2.4.1.

[7] Vertiefende Literatur zum Thema “Trainingsaufbau“ findet sich bei Joch, W. (1997, Kap.6)

[8] Vertiefende Literatur zu den vier „Eignungsindikatoren“ findet sich in: Hohmann, A., Wick, D., Carl, K. (Hrsg.) (2002, S. 6-22). Talent im Sport. Schorndorf: Karl Hofmann

[9] An dieser Stelle wird auf weitere Erläuterungen verzichtet, da in späteren Abschnitten der Arbeit auf ausgewählte Kriterien eingegangen wird

[10] Heredität, die: 1. Erbschaft. 2. (Rechtsw.) Erbfolge. In: Dudenredaktion (2002): Duden - Fremdwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich

[11] Vertiefende Literaturhinweise zu den einzelnen Forschungsrichtungen finden sich in: Hohmann, A., Wick, D., Carl, K. (Hrsg.) (2002, S. 6). Talent im Sport. Schorndorf: Karl Hofmann

[12] Drop–out, der: jmd., der aus der sozialen Gruppe ausbricht, in die er integriert war. In: Dudenredaktion (2002): Duden - Fremdwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, hier: Durchfallquote

[13] Unter „früher Spezialisierung“ versteht man nach Joch (1997) eine frühe sportartspezifische Leistungsauffälligkeit, welche sich im Wettkampfgeschehen aktualisiert (S.62)

[14] juvenil (lat.): jugendlich, für junge Menschen charakteristisch. In: Dudenredaktion (2002): Duden - Fremdwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich

[15] Erich Rutemöller ist ehemaliger Bundesligatrainer und jetziger Ausbildungsleiter für die Erlangung der Fußballlehrerlizenz beim DFB (seit Juli 2000). Aktuell trainiert er das Team 2006, das Perspektivteam zur Unterstützung der A–Nationalmannschaft.

[16] Mehr zum Thema www.ich-spiele-fussball.dfb.de in Kap.6.4

[17] Mehr zum Thema „Sportbetonte Schule“ in Kap.3.4

[18] Die Frauen werden durch sechs Nationalmannschaften repräsentiert: U15, U17, U19, U20, U21, Frauen.

[19] Honorartrainer zeichnen sich durch psychologische Grundkenntnisse, pädagogische Qualitäten, detaillierte Fachkenntnisse (mindestens B-Trainer-Lizenz), körperliche Fitness, fußballerisches Können und Kommunikations-/ Kooperationsbereitschaft in der Zusammenarbeit mit den Vereinen aus. Zudem verfügen sie über Kontakte zu der regionalen Jugendfußballszene. (DFB, Talentförderprogramm, S. 27)

[20] Solch eine Datenbank wird zur Zeit von Hans-Dieter Flick, Assistenz-Coach der deutschen Nationalmannschaft, erstellt und soll voraussichtlich im Sommer einsatzfähig sein (http://www.kicker.de/fussball/nationalelf/ startseite/artikel/363307/).

[21] Mehr zu der „Potsdamer- Jahn- Eliteschule“ unter Kap.5.2

[22] Viola Odebrecht spielte seit 1998 beim 1.FFC Turbine Potsdam und wurde mit diesem Verein Deutscher Meister, Pokalsieger und UEFA-Cup Sieger. 2003 gewann sie mit der Nationalmannschaft die Weltmeistschaft. In Amerika spielte sie von August 2005 bis Frühjahr 2006 in einer Collegemannschaft. In der kommenden Saison 2006/2007 wird sie für den FCR Duisburg zum Einsatz kommen. (http://www.viola-odebrecht.de/index.php)

[23] Jennifer Zietz ist seit der Saison 1999 für den 1.FFC Turbine Potsdam tätig. Nachdem sie in der U16, U19 und U21 zum Einsatz kam, spielt sie nun für die deutsche A- Nationalmannschaft. (http://www.jenny-zietz.de/index.php)

[24] „Trainerinnen im Fußball“ werden in Kap.9 behandelt

[25] Das “Mädchen- Fußballprogramm“ des DFB wird in Kap.6.3 behandelt

[26] Die Publikationen bezüglich der endgültigen Ergebnisse der Studie „Mädchenfußball unter der Lupe“ liegen zur Zeit noch nicht vor, mehr dazu in Kap.7

[27] Mit "Kick it like Beckham (2002)" wurden Fußball spielende Frauen fürs Kino entdeckt. 2005 kam mit "Eine andere Liga (2005)" die nächste Kickerinnengeschichte auf die Leinwand, bevor letztes Jahr mit dem Film "FC Venus (2006)" der nächste “Streich“ folgte.

[28] Der Wettbewerb wurde aufgrund der großen Resonanz um drei Monate verlängert, ursprüngliches Ende war der 20. März 2007 (Stand: 4. März 07,www.ich-spiele-fußball.dfb.de).

[29] Das “FF-Magazin. Frauenfußball in deutschland.“ wird von Monika Koch-Emsermann (ehemalige Trainerin und Managerin des FSV Frankfurt) herausgebracht, die bereits die erste Frauenfußball-Zeitschrift überhaupt, die “Dieda“, im Jahr 1993 veröffentlichte (Fechtig, 1995, S. 120-123)

[30] Vertiefende Informationen zur “Sepp-Herberger-Stiftung“ und zum “Sepp-Herberger-Tag“ finden sich unter www.dfb.de

[31] Informationen zu Alpro Soya finden sich unter http://www.alpro-soya.de/

[32] An der schriftlichen Befragung mittels Fragebogen (siehe Anhang 2) nahmen 68 aktive wie auch inaktive (Auswahl-)Spielerinnen teil. Das Niveau der Spielklasse reicht dabei von der Kreisklasse bis hin zur Regionalliga.

[33] Der Hochschullehrer Dr. Ulf Gebken entwickelte im Oldenburger Stadtteil Ohmstede als Pilotprojekt "Soziale Integration von Mädchen durch Fußball". Dieses wird jetzt mit Hilfe des DFB an zehn bundesweiten Standorten mit sozialen Brennpunkten und hohem Anteil an Migranten in der Zusammenarbeit von Schule, Sportverein und Jugendhilfe umgesetzt. Mehr dazu unter www.ich-spiele.fussball.dfb.de.

112 von 112 Seiten

Details

Titel
Mädchen haben es schwer! - Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Fussball
Hochschule
University of Sheffield
Note
2,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
112
Katalognummer
V111303
Dateigröße
1097 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mädchen, Nachwuchssuche, Fussball
Arbeit zitieren
Natascha Korte (Autor), 2007, Mädchen haben es schwer! - Nachwuchssuche, -auswahl und -förderung im Fussball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111303

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