Diese Hausarbeit untersucht, inwiefern es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen rechts- und linkspopulistischen Diskursen in Frankreich gibt. Untersucht werden jeweils eine Rede von Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon aus dem Präsidentschaftswahlkampf 2012.
Im Jahr 2002 schrieb die renommierte Populismusforscherin Margaret Canovan noch, dass eine sporadische Zunahme populistischer Bewegungen in vielen etablierten Demokratien festzustellen sei. 19 Jahre später sind rechts- wie linkspopulistische Parteien und Bewegungen in Europa omnipräsent geworden. Es gilt als Konsens, dass Populismus sich in liberalen Demokratien verbreitet und die Erklärungen dafür mannigfaltig sind. Taggart zufolge ist die starke Zunahme an rechtspopulistischen Parteien zu einer zentralen Eigenschaft gegenwärtiger europäischer Parteienpolitik geworden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1. Definition von Populismus
2.1.1. Schwierigkeiten
2.1.2. Zentrale Aspekte von Populismus
2.2. Populismus in Westeuropa
2.3. Rechts- und Linkspopulismus in Frankreich
2.4. Kontext: Präsidentschaftswahl 2012 in Frankreich
3. Methodische Vorgehensweise
4. Analyse
4.1. Rede von Marine Le Pen am 5. Januar 2012 ‚Vœux à la presse‘
4.2. Rede von Jean-Luc Mélenchon am 4. Januar 2012 ‚Vœux 2012 de Jean-Luc Mélenchon, candidat du Front de Gauche‘
4.3. Vergleich der Reden
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht durch eine Inhaltsanalyse von Reden aus dem Präsidentschaftswahlkampf 2012, inwiefern sich die Diskurse von Marine Le Pen (Front national) als Vertreterin des Rechtspopulismus und Jean-Luc Mélenchon (Front de Gauche) als Vertreter des Linkspopulismus in Frankreich ähneln oder unterscheiden.
- Vergleichende Analyse populistischer Rhetorik in Frankreich
- Operationalisierung der Konzepte Volkszentriertheit und Antielitismus
- Untersuchung der nationalen Volkskonzeptionen im Rechts- und Linkspopulismus
- Bewertung des Einflusses von Kernthemen wie Immigration, Korruption und Euroskeptizismus
- Kontextualisierung der Präsidentschaftswahl 2012
Auszug aus dem Buch
4.1. Rede von Marine Le Pen am 5. Januar 2012 ‚Vœux à la presse‘
Labbé/Monières (2014, S. 195) Einschätzung trifft hier zu, dass die Kritik an den Gegner*innen im Präsidentschaftswahlkampf 2012 von Polemik geprägt ist und dass Le Pen vor allem Kritik an Sarkozy übt. Sie stellt dar, dass ihm Demokratie und Pressefreiheit nicht so wichtig seien wie dem FN und ihr, indem sie sagt, dass sich Frankreich der Nichtregierungsorganisation Reporters Sans Frontières zufolge weltweit auf Platz 44 bezüglich Pressefreiheit befindet. Sie erweckt den Anschein, als seien ihr demokratische Prinzipien wie die Pressefreiheit wichtig: „Je vous souhaite donc toute la liberté du monde […]“ (Le Pen 2012), und demonstriert Einigkeit und den Willen, gemeinsam mit den Wähler*innen etwas gegen den Status quo zu unternehmen: „[…] pour que nous puissons sortir de cette situation honteuse pour la grande démocratie que nous sommes“ (Le Pen 2012). Die abwertende, polemische Kritik an Sarkozy wird besonders anhand der Formulierung „[l]e clan Sarkozy“ (Le Pen 2012) deutlich, indem sie ihm und seiner Regierung unterstellt, sich gegenüber der französischen Bevölkerung nicht ehrlich zu verhalten: „[…] dire la réalité de la situation aux Français, au-delà des mots et des postures électorales auxquelles le gouvernement Sarkozy nous a habitué“ (Le Pen 2012).
Auch die etablierten Parteien kritisiert Le Pen, indem sie die UMP und den PS als alte Parteien bezeichnet (vgl. Le Pen 2012) und ihnen attestiert, sich kindisch und unreif zu verhalten: „[…] d’un concours de polémiques indignes et puériles entre l’UMP et le PS, à coup d’insultes dignes d’une cours de maternelle“ (Le Pen 2012). Die anderen Kandidierenden haben nicht das Format für das Präsident*innenamt, weil zwischen ihren Worten und Taten eine hohe Diskrepanz bestehe und sie keine handfesten Vorhaben vorweisen (vgl. Le Pen 2012). Mit gut klingenden Wahlversprechen belügen sie die französische Bevölkerung (vgl. Le Pen 2012). Sie selbst sieht sich als Opfer, da beispielsweise die wichtigsten Gewerkschaften in Frankreich die anderen Kandidierenden eingeladen haben, sie jedoch nicht, und bezeichnet sie als „baudruches“ (Waschlappen; Le Pen 2012), was wieder polemische Kritik darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Populismus in modernen Demokratien ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Diskurse von Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon im Wahlkampf 2012 zu vergleichen.
2. Theoretischer Rahmen: Das Kapitel erörtert die definitorischen Schwierigkeiten des Populismus-Begriffs und stellt zentrale Aspekte wie Antielitismus sowie die spezifische Situation des Populismus in Westeuropa und Frankreich dar.
3. Methodische Vorgehensweise: Hier wird die methodische Herangehensweise erläutert, die auf einer klassischen Inhaltsanalyse basiert, um die beiden ausgewählten Reden systematisch auszuwerten.
4. Analyse: Dieser Hauptteil analysiert und vergleicht die Reden von Le Pen und Mélenchon im Hinblick auf deren populistisches Vokabular, Volkskonzeptionen und politische Forderungen.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der untersuchten populistischen Diskurse zusammen und gibt Anregungen für zukünftige Forschungsperspektiven.
Schlüsselwörter
Populismus, Rechtspopulismus, Linkspopulismus, Frankreich, Präsidentschaftswahl 2012, Marine Le Pen, Jean-Luc Mélenchon, Diskursanalyse, Volkskonzeption, Antielitismus, Euroskeptizismus, Politische Rhetorik, Demokratie, Wahlkampfstrategie, Inhaltsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der vergleichenden Analyse von rechtspopulistischen und linkspopulistischen Diskursen in Frankreich am Beispiel des Präsidentschaftswahlkampfs 2012.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind die Definition von Populismus, die Rolle des Antielitismus, das Verhältnis zur Demokratie sowie die spezifische Ausgestaltung von Rechts- und Linkspopulismus in Frankreich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den populistischen Diskursen von Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon im Wahljahr 2012 bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine angelehnte Form der klassischen Inhaltsanalyse, um die beiden ausgewählten Reden in Bezug auf populistische Kernthemen und Volkskonzeptionen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Neujahrsansprachen von Le Pen und Mélenchon aus dem Januar 2012 und führt anschließend einen direkten Vergleich ihrer rhetorischen Strategien durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Populismus, Volkskonzeption, Antielitismus, Frankreich, Präsidentschaftswahl 2012 und diskursive Politikanalyse.
Wie unterscheidet sich die Volkskonzeption bei den beiden Kandidaten?
Während Le Pen ‚das Volk‘ eher ethnisch (éthnos) definiert und ausgrenzend agiert, nutzt Mélenchon zwar auch eine nationale Komponente, betont jedoch stärker den Gemeinschaftssinn und das Ideal des Volkes als Souverän (dēmos).
Welche Rolle spielt die Kritik an der Elite in den untersuchten Reden?
Beide Kandidaten üben scharfe Kritik an der herrschenden politischen Elite, wobei sie Sarkozy als Symbol für eine abgehobene Politik darstellen, die nicht das Wohl des Volkes, sondern die Interessen der Finanzwelt verfolgt.
- Arbeit zitieren
- Viktoria Woronin (Autor:in), 2021, Rechts- und Linkspopulismus in Frankreich. Ein Vergleich zwischen Marine Le Pen ("Front national") und Jean-Luc Mélenchon ("Front de Gauche") im Präsidentschaftswahlkampf 2012, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1113093