Haustiere in der Bronzezeit


Seminararbeit, 2005

9 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis

1) Domestikation und ihre Auswirkungen

2) Die einzelnen Haustierarten

3) Verbreitung

Literatur:

"Haustiere in der Bronzezeit"

1) Domestikation und ihre Auswirkungen

Die Domestikation von Haustieren erfolgte zumeist im Gebiet des sog. "Fruchtbaren Halbmondes" (Vorderasien) im 9. Jahrtausend v.Chr.[1] Von dort erfolgte ihre Ausbreitung im 7. Jahrtausend zuerst im Mittelmeerraum, dann im Zuge der sogenannten „Neolithischen Revolution“ in einer zweiten Welle im restlichen Europa (Mitte 6. Jts.). Mit dem Ende des Neolithikums waren die vier wichtigsten Haustiere Rind, Schwein, Schaf/Ziege in ganz Europa bekannt. Größere Neuerungen traten erst wieder mit Beginn der Eisenzeit auf, weshalb die Haustierforschung der Bronzezeit bisher eher ein unbearbeitetes Feld darstellt[2]. Funde sind zudem spärlich.

Die Domestikation führt in der Regel zur Veränderung der Körpergröße[3] (kleiner als die Urform) und -gestalt (Hornausbildung[4], Fellfarbe), zur Abnahme des Hirnvolumens, zur Veränderung der Sinnesleistung (Hell-Dunkel-Sehen, Kurzsichtigkeit) und zur Beeinträchtigung des Kreislaufes bis hin zum Verlust der Überlebensfähigkeit in freier Wildbahn. Der Hormonhaushalt kann bis hin zur Dauerbrunst gesteigert werden, die Fortplanzungsrate (erhöhtes Jungtier-, bzw Legeaufkommen, Steigerung der Milchleistung) steigt wesentlich an. Die gezielte Zuchtauswahl, etwa unter dem Aspekt der „Friedfertigkeit“ und der geringeren Menschenscheu führt zu einem dem Wildtier gegenüber geänderten Verhalten[5].

Erkenntnisse über die Tierdomestikation und -nutzung stammen im Wesentlichen aus Knochenfunden (Siedlungsbefunde, Gräber, Opferstätten) und bildlichen Darstellungen (Felsbilder), für die späte Bronzezeit im Mittelmeerraum auch aus schriftlichen Quellen. Zusätzlich ermöglichen Funde von Arbeitsgerät (Pflüge, Joche) und Pflugspuren[6] Rückschlüsse auf Haustierhaltung und die Art ihrer Nutzung.

Der Nachweis einer Nutzung als Arbeistier erfolgt etwa bei Rindern über Abnutzungsspuren an den Hörnern (Zuggeschirrnutzung) und an den Knochen (Arthrosen), aber auch über typischen Frakturen etwa durch das "Tüdern" = Anbinden der Schweine bei der Waldmast[7]. Bei Pferden finden sich Abnutzungsspuren an den Zähnen durch Nutzung von Trensen[8].

Die Einführung von Haustieren führte zu einem stetigen Rückgang der Jagdtiere im Nahrungsaufkommen[9], allerdings auch zu einer teilweisen Verdrängung und Ausrottung vieler Wildtiere[10]. Im Gegenzug sind jedoch z.B. mit Feldhase oder Rebhuhn auch erste „Kulturfolger“ anzutreffen, die vor allem die von Menschen zwecks Ackerbau gerodete Flächen nutzen.

2) Die einzelnen Haustierarten

Als frühestes Haustier ist der Hund anzusehen[11]. Er taucht bereits am Übergang vom Spätpleistozän zum Frühholozän (13.000 – 7.000 v. Chr.) auf und diente wohl zumeist als Jagdhelfer, Hüte- und Hofhund, wohl eher selten auch als Fleisch- und Felllieferant[12].

Von „Rassehunden“ kann noch nicht gesprochen werden, eher von „unspezialisierten Gebrauchshunden“, die für die jeweils vorgesehenen Tätigkeiten speziell abgerichtet wurden.

Die Hunde der Bronzezeit entsprechen größenmäßig dem heutigen Foxterrier, Zwergschnauzer oder Zwergpudel[13].

Während der "Neolithischen Revolution" verbreiten sich Rind[14], Schwein[15], Schaf/Ziege[16] in ganz Europa. Am Ende des Neolithikums sind diese „großen Vier“ fester Bestandteil der bäuerlichen Wirtschaftsweise[17].

Von „Rassetieren“ im heutigen Sinn kann auch hier nicht die Rede sein.

Zunächst erfolgte wohl hauptsächlich die Nutzung dieser Tiere als Fleischlieferant[18].

Vermutlich in der Bronzezeit wurde die „Bewirtschaftung“ dann erweitert.

Bei Rindern tritt vermehrt die Nutzung zur Milchgewinnung und die Verwendung als Zugtier auf[19]. Das Rind taucht außerdem im Bestattungs- und Opferkult auf[20].

Mit der „Erfindung“, bzw. der Einführung des Wollschafes wird das neolithische Haarschaf abgelöst[21] und die Wollproduktion intensiviert. Eine Nutzung zur Milcherzeugung ist schwer nachzuweisen, aber stark anzunehmen. Auch hier liegt eine Verwendung im Bestattungs- und Opferkult vor[22].

Das Schwein muß wohl von Anfang an als reiner Fleischlieferant angesehen werden[23]. Er diente als Nebeneffekt wohl zusätzlich als „Mülleimer“. Es taucht nicht als Opfertier auf[24].

Als echter Newcomer der Bronzezeit muß das Pferd betrachtet werden[25]. Es taucht zwar schon im Endneolithikum auf, setzt sich jedoch erst in der Bronzezeit richtig durch. Seine Domestikation erfolgte zwar hauptsächlich in den Steppen Osteuropas, jedoch sind die Tiere in Mitteleuropa wohl doch nicht wie lange Zeit angenommen aus den östlichen Regionen importiert, sondern entstammen einer eigenen Domestikation.

Das Pferd wurde wohl in erster Linie als Trag-, Zug- und (speziell in Mitteleuropa) als Reittier genutzt, diente aber auch als Prestige- und Kultobjekt (Bestattungen, Opfer). Zur Fleischgewinnung wurde es wohl nur in Ost-, nicht jedoch in Mitteleuropa gezielt genutzt.

Erst in der späten Hallstattzeit treten das Haushuhn[26], etwa zeitgleich wohl auch die Hausgans[27] auf. Der Nachweis, ob es sich tatsächlich um domestizierte Tiere handelt oder um Wildtiere ist archäologisch allerdings schwierig. Eine endgültige Ausbreitung des Geflügels erfolgt erst in der Eisenzeit.

Die Veränderung im Kreislauf der Tiere (zunehmende Krankeitsanfälligkeit), sowie eine vermutete Klimaverschlechterung führen zum Beginn der Aufstallung der Tiere[28]. Damit verbunden wird eine Veränderung im Hausbau greifbar. Außerdem beginnt vermutlich die notwendige Lagerung von Futtermitteln.

Interessant ist die Frage nach der Domestikation der Biene. Sie ist als Wildnutzung bereits seit dem Mesolithikum belegt. Für die Zeit um 1100 v. Chr. sind Funde sogenannter „Klotzbeuten“, also Teile von Stämmen mit eingeschlossenen Bienennestern, belegt. Es ist jedoch fraglich, ob hier schon von einer Domestikation gesprochen werden kann.

Andere heute geläufige Haustiere wie die Katze, das Kaninchen, der Karpfen oder die Hausente tauchen erst später, teilweise erst im Mittelalter in Mitteleuropa auf[29] [30].

3) Verbreitung

Die Funde für die Haustierhaltung sind spärlich, der Forschungsstand läßt zurzeit noch zu wünschen übrig. Trotzdem lassen sich wohl grob einige oberflächliche Einteilungen vornehmen.

An der Küste scheint durch die gesamte Bronzezeit hindurch nur das Rind eine größere Rolle gespielt zu haben.

In der Frühen und mittleren Bronzezeit sind die Funde in Mitteldeutschland (heute Gebiet Ostdeutschland) spärlich und wenig aussagekräftig. In der Spätbronzezeit übersteigt die gemeinschaftliche Hauptnutzung von Rind/Schwein die Nutzung der Kombination Rind/Schaf/Ziege.

Für Westdeutschland sind die Funde zu spärlich, um eine Aussage zu treffen. Das mag am Forschungsstand, vielleicht aber auch an einer geringeren Siedlungsdichte liegen.

Im Alpenraum ist die Verteilung aufgrund der Kleinräumigkeit und der unterschiedlichsten geographischen Bedingungen sehr unterschiedlich.

In Osteuropa überwiegt in der Früh- und Mittelbronzezeit die Haltung von Rind/Schaf/ Ziege. Hier finden sich auch die einzigen Hinweise auf gezielte Fleisch­nutzung von Pferden. In der Spätbronzezeit werden die Funde dann seltsamer­weise recht spärlich, die Verteilung uneinheitlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literatur:

K.E. Behre, Landwirtschaftliche Entwicklungslinien und die Veränderung der Kulturlandschaft in der Bronzezeit Europas. In: B. Hänsel (Hrsg), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 91-109.

N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendalten Beziehung (Stuttgart 1994).

N. Benecke, Haustierhaltung, Jagd und Kult mit Tieren im bronzezeitlichen Mitteleuropa. In: B. Hänsel (Hrsg), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 61-75.

A. Jockenhövel, Agrargeschichte der Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit (von ca. 2200 v.Chr bis Christi Geburt). In: J. Lüning / A. Jockenhövel / H. Bender / T. Capelle, Deutsche Agrargeschichte. Vor- und Frühgeschichte (Stuttgart 1997) 165-175.

J. Schibler / M. Veszeli, Die Tierknochen der Seeufersiedlungen von Zug-Sumpf und ihre Bedeutung im Rahmen der bronzezeitlichen Wirtschaft im nördlichen Alpenvorland. In: M. Seifert / St. Jacomet / S. Karg / J. Schibler / B. Kaufmann, Die spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen von Zug-Sumpf 1: DieDorfgeschichte (Zug 1996) 305 – 343, 368 – 369.

St. Jacomet / J. Schibler, Schlussfolgerungen aus einem Vergleich von Pflanzenspektra und Tierknochenspektra der Bronzezeit. In: M. Seifert / St. Jacomet / S. Karg / J. Schibler / B. Kaufmann, Die spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen von Zug-Sumpf 1: DieDorfgeschichte (Zug 1996) 344 – 349.31

[...]


[1] N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung (Stuttgart 1994) 95 - 102.

[2] K. E. Behre, Landwirtschaftliche Entwicklungslinien und die Veränderung der Kulturlandschaft in der Bronzezeit Europas. In: B. Hänsel (Hrsg.), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 91; J. Schibler / M. Veszeli, Die Tierknochen der Seeufersiedlungen von Zug-Sumpf und ihre Bedeutung im Rahmen der bronzezeitlichen Wirtschaft im nördlichen Alpenvorland. In: M. Seifert / St. Jacomet / S. Karg / J. Schibler / B. Kaufmann, Die spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen von Zug-Sumpf 1: DieDorfgeschichte (Zug 1996) 324.

[3] A. Jockenhövel, Agrargeschichte der Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit (von ca. 2200 v.Chr. bis Christi Geburt). In: J.Lüning / A. Jockenhövel / H. Bender / T. Capelle, Deutsche Agrargeschichte. Vor- und Frühgeschichte (Stuttgart 1997) 169, Abb. 4; Benecke Tabelle 21, 23, 24.

[4] Benecke (Anm. 1) Tabelle 22.

[5] Zu den Auswirkungen der Domestikation ganz allgemein: Benecke (Anm. 1) 41 – 58.

[6] Behre (Anm. 2) 97f.

[7] Benecke (Anm. 1) 166f, Abb. 80.

[8] Benecke (Anm. 1) Abb. 69, 70.

[9] N. Benecke, Haustierhaltung, Jagd und Kult mit Tieren im bronzezeitlichen Mitteleuropa. In: B. Hänsel (Hrsg.), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 67; Benecke Abb 36.

[10] Benecke (Anm. 9) 71.

[11] Zur Entwicklungsgeschichte des Hundes allgemein: Benecke (Anm. 1) 208 – 228.

[12] Schibler (Anm. 2) 334.

[13] Jockenhövel (Anm. 3) 165.

[14] Zur Entwicklungsgeschichte des Rindes allgemein: Benecke (Anm. 1) 260 – 288.

[15] Zur Entwicklungsgeschichte des Schweines allgemein: Benecke (Anm. 1) 248 – 260.

[16] Zur Entwicklungsgeschichte von Schaf/Ziege allgemein: Benecke (Anm. 1) 228 – 248.

[17] Benecke (Anm. 9) 61.

[18] Benecke (Anm. 9) 62; Jockenhövel (Anm. 3) 170f.

[19] Benecke (Anm. 1) 142 – 147, Abb. 56 – 61; Benecke (Anm. 9) 64f; Schibler (Anm. 2) 327.

[20] Zu Opfer und Kult siehe: Benecke (Anm. 1) 68 – 71, Abb. 12 – 14.

[21] Benecke (Anm. 1) 136 – 139; Benecke (Anm. 9) 65.

[22] Vergleiche Anm. 20.

[23] Schibler (Anm. 2) 332 deutet den hohen Anteil der Schweineknochen in den Höhensiedlungen von Zug-Sumpf als Hinweis auf die Nutzung der Siedlungen als Fluchtburgen.

[24] Vergleiche Anm. 20.

[25] Benecke (Anm. 9) 61, 65 - 67; Jockenhövel (Anm. 3) 165; zur Entwicklungsgeschichte des Pferdes allgemein: Benecke (Anm. 1) 288 – 310.

[26] Benecke (Anm. 9) 62, Abb. 1; Jockenhövel (Anm. 3) 169, zur Entwicklungsgeschichte des Huhnes allgemein: Benecke (Anm. 1) 362 – 372.

[27] Benecke (Anm.9) 61f; zur Entwicklungsgeschichte der Gans allgemein: Benecke (Anm. 1) 372 – 379.

[28] Behre (Anm. 2) 93 – 95, Abb. 3; Benecke (Anm. 1) 162 – 166; Jockenhövel (Anm. 3) 172.

[29] Benecke (Anm. 1) 105; zur Entwicklungsgeschichte dieser Beispiel-Tierarten: Benecke (Anm. 1) 344 – 353, 356 – 362, 406 – 411, 379 – 383.

[30] Benecke (Anm. 1) 113 – 115, Tabelle 14; Benecke (Anm. 9) 62 – 64, Abb 2, 3; Jockenhövel (Anm. 3)166 – 168.

[31] Zusammengestellt nach Benecke (Anm. 1).

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Details

Titel
Haustiere in der Bronzezeit
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Seminar für Vor- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Siedlung und Wirtschaft der Bronzezeit
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
9
Katalognummer
V111364
Dateigröße
348 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Haustiere, Bronzezeit, Siedlung, Wirtschaft, Bronzezeit
Arbeit zitieren
Florian Gils (Autor), 2005, Haustiere in der Bronzezeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111364

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