Zu: Edmondo De Amicis "Cuore"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 1,8


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Inhaltsverzeichnis

1. Edmondo De Amicis – der Mensch und Autor

2. Das Risorgimento in Italien.

3. Das Buch Cuore

4. Literaturverzeichnis

1. Edmondo De Amicis – der Mensch und Autor

Edmondo De Amicis wurde am 21.10.1846 in Oneglia (Imperia) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Turin bewarb er sich mit 16 Jahren bei der Accademia Militare di Modena und wurde sofort eingestellt. Die Idee vom Leben als Soldat, dem vita militare, sah er als positives Mittel der Erziehung, als Weg jeden Individuums in Richtung von Integrität und Selbstkontrolle. Diese Einstellung trug er zeitlebens in seinem Herzen

Einige Zeit später wurde er Offizier und nahm 1866 an der Schlacht von Custoza, dem dritten Unabhängigkeitskrieg, teil. Zu dieser Zeit war ein patriotischer Geist vorherrschend, der das Heer als erste Instanz betrachtete, in der sich die Einheit Italiens abzeichnete. De Amicis betrachtete das Heer als wertvolle, zu Disziplin ermahnende Erziehungsmethode. Er schrieb einige Artikel über das Leben im Heer und veröffentlichte sie in der Zeitschrift Italia militare, deren Direktor er war. Er tat dies, um die Rolle des Heers als Schule der nationalen Erziehung zu verdeutlichen. Die Veröffentlichung der Artikel führte zu einem Erfolg, der ihn dazu veranlasste das Heer zu verlassen und sich ganz der Literatur und dem Journalismus zu widmen.

In den folgenden Jahren reiste er sehr viel und schrieb eine gelungene Folge von Reportagen über die diversen Länder, die er bereiste, wie Spagna (1873), Olanda (1874), Ricordi di Londra (1874), Marocco (1876), Costantinopoli (1878) und Ricordi di Parigi (1879).

Edmondo De Amicis war mittlerweile so berühmt, dass er eine Einladung von Königin Margherita erhielt, die den Wunsch nach einem Buch äußerte, dass zum Weinen bringt und dennoch Kraft gibt.

1886 schließlich, nach sieben Monaten der Interviews mit Lehrern und Schülern erschien Cuore, dass ihm Ruhm und Erfolg einbrachte. De Amicis schrieb dieses bedeutende Werk, als er bereits ein bekannter und weitgereister Publizist war. Im Gegenzug zum verbreiteten Intellektualismus einer Zeit, die vom Geist des Positivismus geprägt war, wollte er den Rechten des Herzens Geltung verschaffen. Er wurde zum meistgelesenen Autor Italiens und wandte sich 1891 der sozialistischen Partei Italiens zu. Diese Wandlung wird in seinen folgenden Werken deutlich, in denen er seine Aufmerksamkeit auf die schwierige Situation der ärmsten sozialen Gruppen lenkte. Die nationalistischen Ideen, die Cuore beeinflusst haben, wurden gänzlich überwunden.

Weitere Werke De Amicis sind Sull’Oceano (1889), Il romanzo di un maestro (1890), Amore e ginnastica (1892), Maestrina degli operai (1895) und La carozza di tutti (1899).

1875 heiratete er Teresa Boassi, mit der er zwei Söhne, Furio und Ugo, hatte. Die letzten Jahre seines Lebens waren tragisch und geprägt vom Tod der Mutter, die eine der wichtigsten Personen seines Lebens war, und schließlich vom Selbstmord seines 22jährigen Sohnes. Edmondo De Amicis starb 1908 in Bordighera.

2. Das Risorgimento in Italien

Als Risorgimento italiano werden die Ideen und die politisch-soziale Bewegung, die zur Einheit Italiens zwischen 1815 und 1871 führen, bezeichnet. Sie erhielt ihren Namen von der Zeitung Il Risorgimento, die von Graf Camillo Benso di Cavour herausgegeben wurde. Die Einigungsbewegung ging von der großbürgerlich-adligen Oberschicht im Norden Italiens aus, die Unterschicht blieb außen vor. Die drei wichtigsten Persönlichkeiten des Risorgimento sind Graf Camillo Benso di Cavour, Giuseppe Manzini und Giuseppe Garibaldi. Nach dem Wiener Kongress war Italien in viele Staaten geteilt, die bis auf das Königreich Sardinien-Piemont und den Kirchenstaat unter fremder Herrschaft standen.

Das Risorgimento (Wiederauferstehung) vollzog sich in zwei Phasen. Die erste Phase dauerte von 1815 bis 1848. Sie begann damit, dass der Geheimbund der Carbonari Aufstände in Italien initiierte. Die Forderungen waren liberale Reformen, eine nationale Einheit und die Unabhängigkeit von Österreich. 1832 gründete der Republikaner Giuseppe Mazzini in Marseille den Geheimbund La giovine Italia und 1834 in Bern La giovine Europa mit deutschen, polnischen und italienischen Emigranten, die alle keinen Nationalstaat hatten. Ihre Forderungen waren die Schaffung eines Italien als unabhängige, geeinte Republik und ein Aufstand der Italiener, der alle Länder zu einem großen Aufstand gegen das Europa der Monarchen hin zu einem Europa der Völker bewegen sollte.

1846 diskutierte man um zwei verschiedene Staatsformen. Sollte es eine Föderation aller italienischen Staaten unter Führung des Papstes oder eine nationale Einigung unter Sardinien-Piemont geben? 1848 gab es einen erneuten Aufstand in Palermo, bei dem König

Ferdinand II. eine Verfassung mit Kompromiss zwischen Krone, Adel und Bürgertum versprach. Die erste Phase des Risorgimento schloss mit der Revolution von 1848/1849 ab.

Die zweite Phase begann 1859 und endete 1870. Graf Camillo Benso di Cavour wurde Ministerpräsident in Sardinien-Piemont. Er wollte eine nationale Einigung unter der Führung Sardinien-Piemont erreichen und entwickelte es zum liberalen Musterland durch Freihandelspolitik, Justizreform, Kirchengesetzgebung, Eisenbahnbau, Bankgründungen und den Übergang zum Parlamentarismus.

Es folgten eine Reihe von Kriegen bis am 14. März 1861 Viktor Emanuel II. vom italienischen Parlament zum König von Italien erklärt wurde. Am 9. Oktober 1870 wurde Rom zur Hauptstadt Italiens und der Prozess des Risorgimento ist damit abgeschlossen.

Eine der Hauptaufgaben der italienischen Intellektuellen im Jahrhundert des Erwachens des nationalen Bewusstseins hatte darin bestanden, durch Literaturgeschichtsschreibung die Wurzeln der eigenen Kultur freizulegen. Die Selbstdarstellung der Gesellschaft durch die Literatur beschränkte sich aber nicht nur auf die Rekonstruktion der Vergangenheit; vielmehr wurde auch im konkreten Einwirken auf die gegenwärtige Gesellschaft eine Aufgabe der Literatur gesehen. Das vollzog sich besonders auf zwei Wegen: Durch die Erschaffung einer einheitlichen Sprache und durch Werke, die eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Welt der Kindheit und ihre Probleme lenkten. Nicht zufällig erschienen in einer Zeit, in der die italienische Kultur damit beschäftigt war, das Problem einer einheitlichen Bildung im Rahmen eines homogenen Wachstums zu lösen, zwei Kinderbücher, die zu den erfolgreichsten der Literatur gehören: Cuore von Edmondo De Amicis und Pinocchio von Carlo Collodi. Sie haben sich als Bildungs – und Entwicklungsromane eigener Art einen festen Platz in der Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesichert.

3. Das Buch Cuore

Der Verleger Emilio Treves brachte das Buch am 15. Oktober 1886, dem ersten Schultag, in die Buchläden und schon in den ersten Monaten zeichnete sich der Erfolg, den dieses Buch haben sollte, ab. Dieses Buch ist laut Verfasser vor allem den „Schülern der Grundschule im Alter von 9-13 Jahren gewidmet [und] man könnte ihm auch den Titel geben: Geschichte eines Schuljahres, geschrieben von einem Schüler der 3. Klasse einer italienischen Grundschule“ (Cuore, 1996, 9).

Die Idee ein solches Buch zu schreiben, manifestierte sich bereits acht Jahre vor Erscheinen von Cuore im Geist des Autors. Durch die Lektüre von Jules Michelets L’Amour wurde

De Amicis inspiriert ein ähnliches Werk zu schreiben. Zu dieser Zeit war dieses Vorhaben noch ohne Inhalt und Plan, aber es zeichnete sich bereits ab, dass es um ein großes Thema gehen sollte, welches nicht unbedingt ungewöhnlich für De Amicis war. Am 2. Februar 1878 teilte er seinem Verleger Emilio Treves schriftlich mit „Ho in testa un libro nuovo, originale, potente, mio…di cui il solo concetto m’ha fatto piangere di contentezza e di entusiasmo…Mi son detto: per fare un libro nuovo e forte bisogna che lo faccia colla facoltà nella quale mi sento superiore agli altri: col cuore. Il soggetto preso nel mio cuore. Il libro intitolato Cuore” (Traversetti, 1991, 70).

Sein Vorhaben blieb lange Zeit nichts anderes als ein einfacher Titel, da De Amicis fieberhaft nach Themen und Stoffen für sein Buch suchte. Allmählich wurde ihm klar, dass er ein Buch über die Städte der einzelnen Regionen Italiens plante. Später jedoch, nach dem Modell von Michelets L’Amour konzentrierte sich De Amicis auf ein Werk über die Freundschaft, von der er glaubte sie sei der literarische und thematische Schlüssel der Gedanken, die ihn beschäftigen. Das Werk heißt Gli amic i und ist eine weite und bemerkenswerte Darstellung verschiedener Charaktere, die in jedem Umfeld und jeder sozialen Klasse zu finden sind. Das Buch enthält Seiten psychologischen Scharfsinns und offener menschlicher Wärme.

Nachdem er dieses Werk vollendet hatte, wurde ihm jedoch klar, wie weit dieses Buch von der Idee über Cuore, die immer noch in seinem Innersten vorhanden war, entfernt war.

Im Jahre 1884 führte ihn eine Reise nach Argentinien und Uruguay. Es war die Zeit der Auswanderung vieler italienischer Bürger nach Lateinamerika. Während dieser Reise, sah

De Amicis große und kleine Dramen, Schmerz, aber auch Hoffnung. Diese Eindrücke veranlassten ihn sich neu mit der Idee Cuore auseinanderzusetzen. Die Auswanderer zeigten beachtliche Wunden, die Arbeitslosigkeit und Analphabetismus in ihnen hinterlassen haben. In den neuen Siedlungen in Buenos Aires spiegelte sich dies in kulturellen Modellen des alten ländlichen Lebens wider. In dieser Gesamtheit von Elementen sah De Amicis die essentiellen Grundlagen und thematischen Kerne seines geplanten Werkes. Luciano Tamburini, der Cuore interpretierte, stellte richtig fest „Tre elementi cooperano così a costituire il vagheggiato e semiobliato Cuore: l’emigrazione, la componente locale, la scuola. La prima, intesa ancora angustamente negli affetti più che nelle cause […]; la seconda, rigetto di formule abusate e recupero di climi quotidiani; la terza, lucida e subitanea presa di coscienza di un altro problema trascurato e grave, quello dell’istruzione pubblica” (Traversetti, 1991, 73).

Diese drei Elemente, die ihm durch seine Reise in den Sinn kamen stellten für De Amicis das Grundgerüst seines geplanten Buches Cuore dar. Die Schule wird das vorherrschende Umfeld des Buches darstellen. Eine Umgebung voller moralischer und sozialer Philosophie mit all ihrer sentimentalen Nahrung. Die Schule ist Zeichen der gesamten Gesellschaft, der entscheidende Teil, der sie repräsentiert und in ihrer Gesamtheit aufnimmt.

Die genaue Dauer seiner Arbeit an diesem Werk ist belegt durch einen Brief, den er im Juni 1886 an Emilia Peruzzi schrieb: „Questa notte, al tocco, dopo sette mesi di lavoro continuo, ho scritto l’ultima parola d’un lavoro per i ragazzi intitolato Cuore. Mi affacciai al terrazzo a guardare le Alpi e il cielo stellato, ripensai a tutte le mie fatiche, alle profonde e gentili commozioni provate in questi sette mesi, rividi tutto il mio lavoro con uno sguardo solo, e mi parve che la coscienza mi dicesse: - Questa volta hai fatto un’opera buona davvero. Se sia bella non so: lo spero. Se un milione di ragazzi leggeranno il mio libro e ne saranno commossi, io vorrei che tendessero tutti le mani verso di Lei per dirle grazie. Un altro periodo della mia vita è finito” (Cuore, 2001, 329).

Aus literarischer Sicht ist Cuore eine gelungene Mischung verschiedener Genera: Tagebuch, Roman und Erzählung für Kinder. In zehn Monaten, von Montag, den 15. Oktober 1881 bis Montag, den 10. Juli 1882 – vom ersten Schultag bis zu den Abschlussprüfungen – beschreibt der Schüler der dritten Klasse einer Grundschule in Turin, Enrico Bottini, in seinem Tagebuch den schulischen Alltag. Das Tagebuch ist in Ich-Form geschrieben und in zehn Kapitel unterteilt, die den Monaten entsprechen. Die Klasse wird als Mikrokosmos der neuen geografischen und sozialen Realität nach dem Risorgimento betrachtet. Die Erzählung ist unterbrochen von Briefen des Vaters (es sind insgesamt 18 Briefe), der seine Aufgabe darin sieht die moralischen Werte, wie Gleichheit, Opferbereitschaft, Disziplin, Pflichterfüllung und Liebe gegenüber dem Vaterland, des neuen Italien zu verteidigen und seinem Kind zu vermitteln. Die Briefe sind weder dynamischen Charakters, noch enthalten sie Beschreibungen von Taten oder Erlebnissen. Sie drücken Belehrungen, Ermahnungen aber auch Ermunterungen und Erwägungen moralischer Art aus. Auch die neun Erzählungen des Monats, in denen immer ein Kind einer anderen Region des neugeschaffenen Königreich Italiens die Hauptfigur ist, um sich umso mehr für die Einheit Italiens zu begeistern, setzen sich intensiv mit Themen auseinander, die noch heute nichts an Aktualität eingebüßt haben. Es wird erzählt von Armut, Emigration und den Kämpfen zur Zeit des Risorgimento. Der Autor versucht mit diesen Erzählungen kleine Kinder – Helden ins Zentrum der Handlung zu rücken, das sind beispielhafte und symbolische Figuren einer bewusst veränderten Realität. Er greift in das Aktionsgeschehen ein, so dass zwischen der Rahmenhandlung und den einzelnen Geschichten ein Gleichgewicht entsteht. Die erste und kürzeste Erzählung handelt vom kleinen Helden aus Padua, der von seinen Eltern verkauft wurde, fliehen konnte und sich nun auf einem französischen Dampfer von Barcelona nach Genua befindet. Er trifft auf Reisende, die ihm Geld geben, weil er einen so mitleiderregenden Eindruck macht, doch nachdem sie sich negativ über sein Land geäußert hatten, zahlt er es ihnen heim und wirft ihnen ihr Geld vor die Füße. In der zweiten Erzählung geht es um den kleinen lombardischen Späher, der sein Leben für sein Land lässt, weil er nach dem Feind spähend von einer Kanonenkugel tödlich getroffen wurde. Die dritte Erzählung handelt vom kleinen Schreiber aus Florenz, der ohne das Wissen seines Vaters, Nacht für Nacht Adressen abschreibt, um dem Vater zu helfen, der ihn jedoch nur für seine schlechten Schulleistungen, aufgrund des Schlafmangels, tadelt. Die nächste Erzählung handelt vom sardischen Trommler, der nicht vor den feindlichen Truppen zurückschreckt, seinen Auftrag, eine Nachricht zu übermitteln, gewissenhaft ausführt und mit dem Verlust eines Beins bezahlt. Die Geschichte des Monats Februar handelt vom Krankenwärter des Tata, einem kleinen Jungen, der tagelang mit großer Geduld und Liebe am Bett eines kranken Mannes ausharrt in dem Glauben es sei der eigene Vater. Im März hören die Schüler die Geschichte vom romagnolischem Blut, in der ein Junge sein Leben für das seiner Großmutter gibt. Im April lässt der Lehrer die Schüler die Geschichte von der öffentlichen Auszeichnung eines Jungen, der seinen Freund vorm Ertrinken rettete, abschreiben. Die Geschichte des folgenden Monats handelt von einem 13jährigen Genueser Jungen, der sich auf die lange Reise nach Amerika macht, um seine Mutter zu finden, die Jahre zuvor emigriert war, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Die letzte Geschichte des Monats erzählt von der heldenhaften Tat eines Jungen, der seinen Platz im Rettungsboot seiner neuen Freundin anbietet, mit dem Schiff untergeht und in den Wellen des Ozeans stirbt.

De Amicis isoliert und integriert zur selben Zeit und unterscheidet mit Hilfe der literarischen Genera die wesentlichen Bestandteile, die als Einheit in seinem pädagogischen Werk ineinander greifen. Die Tagebucheinträge stehen für das zentrale Gebiet der Schule, wo die erste Begegnung aller sozialen Klassen und verschiedener menschlicher Situationen stattfindet und wo, durch den nationalen Charakter des Unterrichts, die einheitliche Bildung der Schüler gewährleistet ist. Der epische Teil, die Briefe des Vaters, verdeutlichen einmal mehr die erzieherische Rolle der Familie. Die monatlichen Erzählungen hingegen beschreiben die kleinen Bausteine des Mosaiks, die sich durch die italienische Einigung zu einer Gesamtheit zusammensetzen. Die Protagonisten sind sowohl paduanische, lombardische florentinische, sardische als auch neapolitanische, romagnolische, turinische, genuesische und sizilianische kleine Helden.

„Signore, signori, donne del popolo, operai, ufficiali, nonne, serve, tutti coi ragazzi per una mano e i libretti di promozione nell’altra, empivan la stanza d’entrata e le scale, facendo un ronzio che pareva d’entrare in un teatro” (Cuore, 2001, 8).

So beschreibt De Amicis den Andrang der Eltern und Schüler am ersten Schultag. Man ist versucht sofort zu bemerken, dass die Aufzählung der sozialen Klassen einer strengen Hierarchie folgt, die von den signore zu den serve reicht. In Wirklichkeit vermischen sich die sozialen Stände in Cuore, denn De Amicis verfolgt zwei Hierarchien, die nur schwer miteinander zu verbinden sind. Die eine betrifft die Hierarchie der reichen Klasse, die zu jener Zeit sehr verbreitet war und die andere ist die Klasse der ethnischen Werte, die eng mit der Arbeitsideologie verbunden ist und gleichzeitig das Gerüst der pädagogischen Erziehung De Amicis darstellt. Wenige Seiten später, als Enrico, der Protagonist des Buches, seine Klassenkameraden vorstellt, erscheinen diese nicht geordnet nach sozialer Klasse sondern nach ethnischer Herkunft. Er beginnt mit Garrone, dem guten Sohn eines Eisenbahners, und ebenso schließt er mit Garrone, eine nicht zu versteckende Sympathie ausdrückend: „Ma Garrone è il più grande e il più buono“ (Cuore, 2001, 17).

Der Autor führt nun nach und nach die Mitschüler Enricos ein. Nach Garrone folgen Coretti, Nelli, Votini, Rabucco „il muratino“, Garoffi, Nobis, Precossi, Crossi, Stardi, Franti und Derossi.

Die Charaktere sind ein wenig stilisiert. Derossi, der Klassenbeste, ist das Symbol der Weisheit und des Wissens. Er ist „vivo, allegro, grazioso, bello, ridente, trionfante, nobile“. Franti ist die Wiedergeburt des Negativen und Bösen, “una faccia tosta e trista”, “quella brutta faccia”.

Garrone ist die Verkörperung der Güte und Großzügigkeit, gebunden an die körperliche Kraft. „E’ il più grande e il più buono”. Er ist der Retter und Verteidiger aller und vor allem der Mitschüler, die am schwächsten und hilflosesten sind. Nobis, einer reichen Aristokratenfamilie angehörend, steht für den Hochmut während Votini einerseits eitel und andererseits neidisch auf alles und jeden ist. Garoffi hingegen ist habsüchtig aber großzügig. Precossi, der „pallidino che non ride mai“ ist das Opfer seines alkoholsüchtigen Vaters und erscheint immer „insaccato in una giacchetta che gli arriva al ginocchio, pallidino che par malato [e con] l’aria spaventata“. Rabucco, “il muratino [con] la faccia tonda come una mela, con un naso a pallottola, che sa fare il muso di lepre“.

Crossi, der rote Haare und einen steifen Arm hat, den er immer in einer Schlinge trägt. Es scheint als würde er das Schlechte anziehen. Coretti, der immer „un berretto di pelo di gatto“ trägt und gut aufgelegt und lustig ist. „Figliuolo d’un rivenditore di legna che è stato soldato nella guerra del 66“ (Cuore, 2001, 16).

Stardi hält einige Überraschungen für den Leser bereit. Zu Beginn wird er vorgestellt als „piccolo e tozzo, senza collo, un grugnone che non parla con nessuno, e pare che capisca poco, ma sta attento al maestro senza batter palpebra, colla fronte corrugata e coi denti stretti: e se lo interrogano quando il maestro parla, la prima e la seconda volta non risponde, la terza volta tira un calcio“ (Cuore, 2001, 16). Im Verlauf des Buches zeigt er jedoch eine unerwartete Seite. Als Enrico ihn besucht, entdeckt dieser ihn als begeisterter Besitzer einer sorgfältigen Bibliothek. „Non è mica ricco, non può comprar molti libri; ma egli conserva con gran cura i suoi libri di scuola, e quelli che gli regalano i parenti, e tutti i soldi che gli danno, li mette da parte e li spende dal libraio: in questo modo s’è già messo insieme una piccola biblioteca, e quando suo padre s’è accorto che aveva quella passione, gli ha comperato un bello scaffale di noce con la tendina verde, e gli ha fatto legare quasi tutti i volumi coi colori che piacevano a lui. […] E’ come un bibliotecario. Sempre sta attorno ai suoi libri, a spolverarli, a sfogliarli, a esaminare le legature; bisogna vedere con che cura gli apre, con quelle sue mani corte e grosse, soffiando tra le pagine: paiono ancora tutti nuovi. […] Per lui, ad ogni nuovo libro che compera, è una festa a lisciarlo, a metterlo al posto e a riprenderlo per guardarlo per tutti i versi e a covarselo come un tesoro. Non m’ha fatto veder altro in un’ora. Aveva male agli occhi dal gran leggere” (Cuore, 2001, 89).

Luciano Tamburini bemerkt, dass Stardis Bibliothek einen autobiographischen Vergleich mit der Bibliothek De Amicis zulässt. Enrico erzählt weiter: “…si vedono tre file di libri d’ogni colore, tutti in ordine, lucidi, coi titoli dorati sulle coste; dei libri di racconti, di viaggi e di poesie; e anche illustrati. Ed egli sa combinar bene i colori, mette i volumi bianchi accanto ai rossi, i gialli accanto ai neri, gli azzurri accanto ai bianchi, in maniera che si vedan di lontano e facciano bella figura; e si diverte poi a variare le combinazioni” (Cuore, 2001, 89).

„Ma la biblioteca? – domanderà qualche bibliofilo – O Dio buono! Non è quella del Carducci, lo potete immaginare. [...] Avendo io avuto il ticchio di raggruppare i libri in ragione die colori, n’è riuscito un arruffo da rigatteria, in cui non si raccapezzerebbe in un mese il più paziente bibliotecario d’Italia. [...] E godevo a variare continuamente la disposizione die libri, cercando nuove armonie e nuovi contrasti di colori, a spolverare io stesso tavolini e scaffali”, schrieb De Amicis 1902 in einem Artikel in “La Lettura” und enthüllte somit, dass seine Bibliothek der von Stardi in der Weise ähnlich ist, dass er die Bücher nicht nach Inhalt, sondern nach Farben geordnet hatte.

Im Umfeld der Schüler befinden sich eine Reihe von Erwachsenen: Eltern, Lehrer und Lehrerinnen. Die Väter sind in Cuore am realistischsten. Sie sind gebildet und souverän und doch nicht frei von Lastern und Gewalttätigkeiten. Zum Beispiel kommt der Vater von Precossi eines Tages nach Hause „briaco d’acquavite, e lo batte senza un perché al mondo, gli butta in aria i libri e i quaderni con un rovescione; ed egli viene a scuola coi lividi sul viso, qualche volta col viso tutto gonfio e gli occhi infiammati dal gran piangere” (Cuore, 2001, 90). Die Mütter hingegen scheinen opferbereit und belastbar zu sein. Sie arbeiten unermüdlich für ihre Männer und Kinder. In dieser Hinsicht teilen sie das Schicksal mit den Lehrern und Lehrerinnen. Miese Gehälter, schlechte Gesundheit, Spuren tragischer Ereignisse auf ihren Seelen und ihr kümmerliches Leben, aber gleichzeitig auch heldenhafte und selbstzerstörerische Hingabe sind die entscheidenden Merkmale der Lehrerklasse. An dieser Stelle wird die Kritik De Amicis am damaligen System deutlich, denn die wirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Situation war nach dem Risorgimento eher schlecht.

Es ist die Rede von einem Lehrer „ben vestito, con gli occhiali, e due baffetti biondi, che chiamano l’avvocatino, perché facendo il maestro studiò da avvocato e prese la laurea, e fece anche un libro per insegnare a scriver le lettere” (Cuore, 2001, 45). Ein anderer ist “imbacuccato in una grande cravatta di lana, sempre tutto pieno di dolori, e si prese quei dolori quando era maestro rurale, in una scuola umida dove i muri gocciolavano” (Cuore, 2001, 45). Der Direktor der Schule ist “alto, calvo, con gli occhiali d’oro, con la barba grigia che gli vien sul petto, tutto vestito di nero e sempre abbottonato fin sotto il mento; così buono coi ragazzi, che quando entrano tutti tremanti in Direzione, chiamati per un rimprovero, non li sgrida, ma li piglia per le mani, e dice tante ragioni, che non dovevan far così, e che bisogna che si pentano, e che promettano d’esser buoni, e parla con tanta buona maniera e con una voce così dolce, che tutti escono con gli occhi rossi, più confusi che se li avesse puniti” (Cuore, 2001, 45).

Und natürlich gibt es die “maestrina della prima inferiore numero 3, quella giovane col viso color di rosa, che ha due belle pozzette nelle guancie, e porta una gran penna rossa sul cappellino e una crocetta di vetro giallo appesa al collo” (Cuore, 2001, 71).

Die Welt in Cuore ist gänzlich und typischerweise städtisch: städtisch ist die Landschaft, in der sich die Ereignisse abspielen, städtisch sind die Berufe und Tätigkeiten der Charaktere und städtisch sind auch die Probleme und der moralische Hintergrund. Nicht umsonst stellen Kritiker Collodis Pinocchio und De Amicis Cuore gegenüber, denn sie zeigen so, dass Collodis Werk die Erwartungen und Werte einer ländlichen Umgebung wiedergibt, während in De Amicis Werk das System des Lebens in einer großen Stadt festgelegt wird. Aber wie ist die Beziehung zwischen der Stadt und den Charakteren, zwischen der Stadt und dem Werk selbst? Amerigo Restucci bemerkte in L’immagine della città, dass die Stadt in Cuore stereotyp erscheint: “Manca ancora una volta la visione d’insieme, sembra che esista solo il quartiere storico, l’area centrale in cui la vicenda, tra realtà e immaginazione, si colloca. Enrico abita vicino alla scuola e quando entra in classe non è mai stanco e trafelato come altri scolari che ‘vengono da più lontano’; manca una descrizione del quartiere o della zona della città dove vivono. Sono ancora una volta il quartiere storico e la città signorile, che vengono proposte per i lettori del resto d’Italia, come esempio di città ordinata, con le sue scuole, le sue strutture, le sue strade” (Traversetti, 1991, 84).

Turin ist zu dieser Zeit des 19. Jahrhunderts das am meisten bewegte, industrielle Zentrum des Landes. Es ist Schauplatz tiefgründiger Veränderungen. De Amicis zeigt die Stadt Turin in Cuore als Stadt-Museum des Risorgimento mit seinen armen Bewohnern der feuchten Dachkammern und unbewohnbaren Mansarden. Bruno Traversetti macht die Bedeutung der Stadt folgendermaßen deutlich: „Ma se Torino nella sua concreta individualità storica sfugge oltre i margini narrativi del libro, un significato importante ha in esso la città in sé, l’idea generica di città come teatro privilegiato dell’azione pedagogica” (Traversetti, 1991, 85).

Die Schule ist der Ort, an dem sich die Annäherung verschiedener Menschentypen vollzieht und sich ein einheitliches, nationales erzieherisches Modell herausbilden kann.

Das staatsbürgerliche Pflichtgefühl, welches in den hierarchischen Gesellschaften der Vergangenheit vor allem interne Codes der einzelnen sozialen Schichten betraf, wird in der Gesellschaft des industriellen und bürgerlichen Aufschwungs zu einem allgemeinen, durchschnittlichen und vermittelndem Code, dessen Aufgabe es ist eine Regel zu erstellen, die Konfliktsituationen zwischen verschiedenen Menschengruppen vorbeugt. Die Stadt an sich ist folglich der Nährboden einer solchen Regel.

Der Vater Enricos widmet diesem Thema einen seiner Briefe, in dem er schreibt: „ Se misuri i tuoi passi e i tuoi gesti in una casa privata, perché non dovresti far lo stesso nella strada, che è la casa di tutti? Ricordati, Enrico. Tutte le volte che incontri un vecchio cadente, un povero, una donna con un bimbo in braccio, uno storpio con le stampelle, un uomo curvo sotto un carico, una famiglia vestita a lutto, cedile il passo con rispetto. [...] Ogni volta che vedi una persona a cui arriva addosso una carrozza, tiralo via, se è un fanciullo, avvertilo, se è un uomo. [...] E quando passa un uomo legato fra due guardie, non aggiungere la tua alla curiosità crudele della folla: egli può essere un innocente. Cessa di parlar col tuo compagno e di sorridere quando incontri una lettiga d’ospedale, che porta forse un moribondo, o un convoglio mortuario, ché ne potrebbe uscir uno domani di casa tua. Guarda con riverenza tutti quei ragazzi degli istituti che passano a due a due: i ciechi, i muti, i rachitici, gli orfani, i fanciulli abbandonati: pensa che è la sventura e la carità umana che passa” (Cuore, 2001, 153).

Bruno Traversetti schreibt eindrucksvoll: „Questa città in cui, si addensano tutti i dolori del mondo come in un catalogo esemplare, non ha fisionomia storica determinata e neppure un preciso volto topografico. E’ una corposa astrazione che ospita l’intera tassonomia del cuore: l’intera fenomenologia della sventura e della diseguaglianza, ordinata al ventaglio delle emozioni che suscita, alla didattica dei sentimenti” (Traversetti, 1991, 86).

Enricos Vater schreibt weiterhin: “Rispetta la strada. L’educazione d’un popolo si giudica innanzi tutto dal contegno ch’egli tien per la strada. Dove troverai la villania per le strade, troverai la villania nelle case” (Cuore, 2001, 154).

In Cuore kommen alle menschlichen Gefühle, außer der Hoffnung, zusammen. Das eigene Schicksal wird von jedem Charakter des Buches akzeptiert und angenommen. So sagt zum Beispiel Coretti, der die Stunde wiederholen muss, weil er seinem Vater beim Holz tragen helfen musste, voller Neid zu Enrico „Felice te!“ Doch der antwortet mit seinem Herzen: „Ah no, Coretti, no: sei tu il più felice, tu perché studi e lavori di più, perché sei più utile a tuo padre e a tua madre, perché sei più buono, cento volte più buono e più bravo di me, caro compagno mio“ (Cuore, 2001, 43).

Die Sprache des Buches ist streng und „buonista“. Der Erzähler in der Figur des Lehrers erweist sich als guter Erzieher, als streng so weit es nötig ist. Die Schüler werden fortlaufend getadelt weil sie unkorrekt, ungeduldig, nicht besonders großzügig sind, zu viel verlangen begehren und nie daran denken, dass es immer welche gibt, denen es schlechter geht. Die reichen Jungen werden getadelt weil sie reich und wohlhabend sind und nur die Armen sind die Besten! Die Schüler werden so erzogen, dass sie gehorchen und bereit sind Opfer zu bringen.

Das Wort Cuore taucht 104 mal auf. Es steht immer in Verbindung mit traurigen Adjektiven wie, freddo, agghiacciato, stretto dall’angoscia,...

Von den religiösen Festen wird weder Weihnachten noch Ostern erwähnt. Nur dem Tag der Toten wird gedacht und geehrt.

Unter den Farben, die der Autor wählte, dominiert das Weiße (80), das aber nie leuchtend sondern immer mit der kränklichen oder tödlichen Blässe einer Krankheit oder des Alters verbunden ist.

Rot (77) erscheint in Verbindung mit der maestrina con la penna rossa, rot vor Wut, Scham oder das Rot des Blutes. Das Schwarz (70) der Kleider, der Trauer, der Armut und des Alters, das Schwarz des Todes und der Kohlen. Grün, die Farbe der Hoffnung, erscheint überhaupt nicht.

Das Verb morire wird in gut 189 Fällen und Situationen gebraucht. Von Kranken ist 75 mal die Rede, von Gesunden hingegen nur 4 mal. Sich zu amüsieren ist quasi verboten oder zumindest ein Tabu. Man findet immer wieder piangere (85), tremare (38), soffrire (28), silenzio (28). Der Tod und das gewollte oder vom Himmel gefallene Unglück sind die besten Mittel, um die Probleme des Lebens zu lösen.

Cuore wurde sofort zu einem großen Erfolg, so dass es in viele verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Mit Stolz und Neugier äußerte sich De Amicis 1902 dazu folgendermaßen: „Ed ecco la terza biblioteca, di più che trecento volumi, della maggior parte die quali non capisco un’acca; per mia fortuna, perché so da buone fonti che, se li potessi leggere, ci troverei troppi strafalcioni intrecciati coi miei. E’ la biblioteca delle traduzioni, dove spiccano i volumi stupendi dei fratelli Putnam di Nuova York, e venticinque Cuori, fra cui uno russo, uno greco e uno arabo, con la dolce parola italiana trasformata nei suoni più strani e nei titoli più diversi: Sziv, Serce, Srdce, Pamietnik, Chlopca, Iongensleven, Kamarater en Skolhistoria, Hiertet paa rette Sted; illustrati da ogni specie di disegni bizzarri, nei quali i soldati italiani dell’originale appaiono con le uniformi di tutti gli eserciti d’Europa, e le case di Torino ricostruite con le architetture più fantastiche” (Traversetti, 1991, 139).

Ein Jahr nach Erscheinen des Buches wurde es bereits in polnisch, portugiesisch und spanisch übersetzt. Nach zwei Jahren folgten Übersetzungen in niederländisch, ungarisch, griechisch und serbisch-kroatisch, nach drei Jahren in deutsch und russisch und nach sechs Jahren schließlich in englisch und französisch. Und heute weiß man, dass dieses Werk vor zehn Jahren in die chinesische Sprache übersetzt worden ist.

Cuore, als Produkt und in gewisser Art und Weise Spiegel der piemontesischen Realität entpuppte sich nicht nur als, für die gesamte italienische Gesellschaft geeignetes moralisches Handbuch, sondern als ausführbares Modell, fähig durch seine erzieherischen Gedanken Trost und Hilfe für die Mehrzahl der Gesellschaften, und mögen sie noch so weit auseinander liegen, zu spenden. Der Grund dafür liegt wahrscheinlich in der Schreibweise De Amicis, der mit diesem Werk seine Ideale postulierte. Es ist, nach Pinocchio, das bekannteste Buch für Kinder, das in Italien je geschrieben wurde und es ist eines der berühmtesten Bücher der Welt. Es ist ein Buch für das vereinigte Italien. Als es 1886 erschien, befand sich der junge italienische Staat vor dem Versuch ein einheitliches Nationalbewusstsein im ganzen Gebiet zu verbreiten und eine kulturelle und linguistische Vereinheitlichung zu verwirklichen. Cuore und die monatlichen Erzählungen versuchen also ein einheitliches Italien zu präsentieren, zumindest durch die gemeinsamen Gefühle und die Liebe zum Vaterland. Die Moral, die De Amicis in diesem Buch zum Ausdruck bringt, ist für jedermann gültig. Von den piemontesischen Kindern bis zu denen aus Kalabrien, vom reichen Herrn zum armen Arbeiter,...es ist eine Moral, die das Opfer bringen und die Arbeit würdigt, der Respekt der sozialen Stände und der menschlichen Brüderlichkeit (fratellanza umana).

Die Bedeutung von Cuore als Dokument der Zeit und als getreuer Spiegel der postrisorgimentalen Gesellschaft ist immens. De Amicis vertrat einen gemäßigten und humanitären Sozialismus, der nicht ohne kleinbürgerliche Züge war. Sein Hauptwerk wurde, obwohl es ein wahres Kompendium der Ideale der Bourgeoisie seiner Zeit war, von der faschistischen Kritik mit Misstrauen betrachtet. Auch wenn De Amicis’ Darstellungen angesichts der gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes heute fast als naiv erscheinen, war es sein pädagogisches Ziel, Vorbilder zu schaffen, die zur Integration der verschiedenen Volksschichten verhelfen sollten.

Cuore wurde von verschiedenen Kritikern bewertet. Croce beispielsweise sieht in De Amicis „un moralista nel disegno e nell’ispirazione, senza un centro poetico generatore“. Flora bezeichnet das Buch als “uno dei più felici romanzi dell’800” während Luigi Russo dem Autoren vorwirft “gli interessi della borghesia capitalistica, nazionalistica e guerrafondaia” propagiert zu haben.

4. Literaturverzeichnis

De Amicis, Edmondo, Cuore. Torino, 2001

De Amicis, Edmondo, Cuore. Eine Kindheit vor hundert Jahren. Berlin, 1996

Kapp, Volker (ed.), Italienische Literaturgeschichte. Weimar, 1994

Traversetti, Bruno, Introduzione a De Amicis. Roma, 1991

17 von 18 Seiten

Details

Titel
Zu: Edmondo De Amicis "Cuore"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Romanistik)
Veranstaltung
Letteratura Italiana
Note
1,8
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V111368
ISBN (Buch)
9783640115921
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Edmondo, Amicis, Cuore, Letteratura, Italiana
Arbeit zitieren
Ines Will (Autor), 2005, Zu: Edmondo De Amicis "Cuore", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111368

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