Sportmotorische Tests - Ein Vergleich aktueller und alter Normwerte


Examensarbeit, 2007

84 Seiten, Note: 1,00


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Inhaltsverzeichnis

1 Aufbau und Gliederung der Arbeit

2 Einleitung
2.1 Stellenwert von Sport und Bewegung
2.2 Ziele und Hypothesen der Arbeit

3 Hauptteil
3.1 Begriffe und Definitionen
3.1.1 Sportmotorische Fähigkeiten und Leistung
3.1.2 Sportmotorische Tests und Testgütekriterien
3.2 Auswahl und Durchführung der sportmotorischen Tests
3.2.1 Auswahl der Probanden
3.2.2 Auswahl der sportmotorischen Tests
3.2.2.1 Ausdauer: Der Cooper - Test
3.2.2.2 Schnelligkeit: Der 20m - Sprint
3.2.2.3 Kraftausdauer: Der 30 Sekunden Sit - Up - Test
3.2.2.4 Kraftausdauer: Der Klimmzughang
3.2.2.5 Kraftausdauer: Der Rückentest
3.2.2.6 Maximalkraft und Schnellkraft: Der Standweitsprung
3.2.2.7 Koordination: Der Ballprell - Test
3.2.2.8 Beweglichkeit: Die Rumpfbeuge
3.2.3 Auswahl der Schulen
3.2.4 Durchführung der Konditionstests an den Schulen
3.2.4.1 Gymnasium Gars am Inn
3.2.4.2 Ruperti - Gymnasium Mühldorf am Inn
3.2.4.3 Staatliche Realschule Haag i. OB
3.3 Auswertung und Interpretation der erhaltenen Daten
3.3.1 Vorbemerkungen
3.3.2 Beschaffenheit der Daten
3.3.3 Mittelwerte, Standardabweichungen und Histogramme
3.3.3.1 Ergebnisse: 20m-Sprint
3.3.3.2 Ergebnisse: Ballprellen
3.3.3.3 Ergebnisse: Cooper - Test
3.3.3.4 Ergebnisse: Klimmzughang
3.3.3.5 Ergebnisse: Rücken - Test
3.3.3.6 Ergebnisse: Rumpfbeuge
3.3.3.7 Ergebnisse: Sit - Up - Test
3.3.3.8 Ergebnisse: Standweitsprung
3.3.4 Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit alten Normwerten
3.3.4.1 Vergleich: 20m - Sprint
3.3.4.2 Vergleich: Ballprellen
3.3.4.3 Vergleich: Cooper - Test
3.3.4.4 Vergleich: Klimmzughang
3.3.4.5 Normwertbildung: Rückentest
3.3.4.6 Vergleich: Rumpfbeuge
3.3.4.7 Vergleich: Sit - Up - Test
3.3.4.8 Vergleich: Standweitsprung
3.3.4.9 Gesamtbewertung Jungen
3.3.4.10 Gesamtbewertung Mädchen
3.3.5 Interpretation der Vergleichswerte
3.3.5.1 Interpretation Jungen
3.3.5.2 Interpretation Mädchen
3.3.6 Folgen aus der Auswertung

4 Schluss
4.1 Quo vadis? Eine Prognose!
4.2 Persönliche Meinung - Ein Fazit

A Sportmotorische Tests - Eine Übersicht

B Briefe, Realschulordnung
B.1 §113 Realschulordnung
B.2 Elternbrief
B.3 Brief des Kultusministeriums
B.4 Datenblatt zur Erfassung der Rohdaten

C Normierungstabellen: Münchner - Fitness - Test
C.1 Ballprellen
C.2 Rumpfbeuge

D Top Ten Freizeitaktivitäten - Jungen & Mädchen

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Kurzbiographie

1 Aufbau und Gliederung der Arbeit

Die Arbeit gliedert sich in drei Hauptabschnitte. Der einleitende erste Teil gibt einen groben Überblick über die Ziele der Arbeit. Außerdem werden in der Einleitung die- jenigen Beweggründe, die zu dem Thema führten, vorgestellt. Abgerundet wird dieser Abschnitt durch die zentralen Hypothesen und Ziele. Der eigentliche Hauptteil spaltet sich in zwei große Bereiche. Im Ersten werden wichtige Hintergrundinformationen über die sportmotorischen Tests dargestellt. Des Weiteren gibt dieser Teil Auskunft über die einzelnen Tests, die Auswahl der Probanden und Schulen, sowie Hinweise und Probleme bei der Vorbereitung und Durchführung der sportmotorischen Tests. Im zweiten Bereich, welcher der eigentliche Kern der Arbeit ist, werden die durch die durchgeführten Tests gewonnenen Daten ausgewertet und mit früheren Normwerten verglichen. Dabei werden die Ergebnisse aus den Vergleichen auch interpretiert, und zwar unabhängig davon, ob die Vermutungen zutreffen oder nicht. Im Schlussteil werden die wesentlichen Aussagen der Arbeit noch einmal zusammengefasst, ein Fazit schließt die Arbeit ab.

2 Einleitung

Dieser Abschnitt stellt wichtige Beweggründe, die entscheidend für die Auswahl des The- mas waren, vor. Wichtige Hintergrundinformationen ergänzen die Einleitung, um die je- weiligen Beweggründe besser nachvollziehbar machen zu können. Am Ende werden die zentralen Hypothesen und Ziele der Arbeit aufgelistet.

2.1 Stellenwert von Sport und Bewegung

Bewegung ist für Kinder wichtig, darüber sind sich Wissenschaftler und auch Eltern ei- nig. Trotzdem nimmt die Zeit, die Kinder draußen zum Spielen und Toben nutzen, ab. Dr. Breithecker (2005), Sport- und Bewegungswissenschaftler, nennt in einem Artikel auch Gründe für die rückläufigen Zahlen. Vorab muss aber noch erwähnt werden, dass „Be- wegung“ und „Sport“ unterschiedliche Bedeutung haben. Dr. Breithecker bezeichnet mit „Sport“ das Streben nach technischem Können, und mit „Bewegung“ den artgerechten Umgang mit dem eigenen Körper, was Bewegungsformen wie Klettern, Laufen, Sprin- gen, Drehen u.a. beinhaltet. Kindern wird es jedoch nicht gerade leicht gemacht, sich unbeschwert bewegen zu können. So finden sie immer weniger Spiel- und Bewegungs- möglichkeiten vor, in denen sie ihre Bedürfnisse spontan und gefahrlos ausleben können. „Events“ und „Aktionen“ planen den Ablauf des Spiels und grenzen so den natürlichen Spieltrieb weiter ein. Außerdem spielen Kinder häufig alleine, weil sie keine Spielpartner haben. Gravierender wirken sich aber Erwachsene aus, die in jedem Spielen und Toben der Kinder eine Gefahr sehen und dieses dann übermäßig stark eingrenzen. Folgen von Bewegungsmangel zeigen sich zum Beispiel im feinmotorischen Bereich, wie etwa darin, dass Kinder immer wieder stark über den Rand eines Malbuchs hinaus malen.

Nach Grosser und Starischka (2001, S. 176) weisen bereits 65% der Kinder im Grund- schulalter Haltungsschäden durch Mangel an Bewegung und zu langes Sitzen auf. Da sich Bewegung positiv auf die Gehirnleistung auswirkt, weil durch sie neue Verknüpfungen im Gehirn entstehen und die Durchblutung gefördert wird, besteht ein direkter Zusammen- hang zwischen Bewegung und Lern- bzw. Wahrnehmungsschwierigkeiten, auf den auch Dr. Breithecker hinweist. Einschränkend muss dabei jedoch darauf hingewiesen werden, dass Bewegungsmangel nur eine mögliche Ursache für diese Schwierigkeiten sein kann. Der Mangel an Bewegung im Kindesalter kann darüber hinaus Koordinationsstörungen verursachen, betroffene Kinder sind z. B. nicht (mehr) fähig, einem Gegenüber einen Ball zuzuwerfen, weil sie den dafür benötigten Kraftaufwand nicht richtig einschätzen können. Dr. Breithecker schreibt weiter, dass viele Unfälle im Kindergarten- und Grundschulbe- reich häufig auf mangelnde Bewegungserfahrung zurückzuführen sind. Selbst kleine Stür- ze können zu Verletzungen führen, weil den Kindern die notwendigen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten fehlen, um einen Sturz abfangen zu können. Selbst die Ursa- chen für geistige, emotionale oder soziale Entwicklungsstörungen können auf den Mangel an Bewegung zurückgeführt werden.

Zusammenfassend lässt sich also resümieren, dass Kinder unbedingt ausreichende tägli- che Bewegung brauchen, um eine angemessene motorische Entwicklung, die einen we- sentlichen Teil der menschlichen Gesamtentwicklung darstellt, gewährleisten zu können (Grosser & Starischka, 2001, S. 8). Aber wie viel Bewegung ist ausreichend? Bei Er- wachsenen sagt man, dass eine zwei- bis dreimalige einstündige Belastung pro Woche für den Erhalt der körperlichen Fitness genug sei (Breithecker, 2005). Für Kinder ist das zu wenig. Kinder müssen ihre Fähigkeiten erst aufbauen, deshalb denkt Dr. Breithecker eher an eine tägliche Bewegung von zwei bis drei Stunden. Auch Grosser und Starischka (2001, S. 176) teilen diese Auffassung. Aber diese Vorstellung entwickelt sich zunehmend zu einem Wunschdenken. Vor allem mit wachsendem Alter nimmt die Bewegung immer weiter ab, wie Abbildung 1 zeigt. Dies hängt vor allem mit dem Wandel der Freizeitgestal- tung zusammen. Sport und Spielen mit Freunden steht schon lange nicht mehr an erster Stelle. Unangefochten auf dem ersten Platz hat sich das Fernsehen als liebste Freizeitbe- schäftigung (vgl. Abbildung 2) platziert. Abbildung 2 kann man auch entnehmen, dass nur noch 46% der sechs bis 13 - Jährigen in ihren täglichen Freizeitaktivitäten „draußen Spielen oder etwas unternehmen“ mit einplanen. Der Mangel an Bewegung ist ein wichti- ger Grund für das Übergewicht vieler Kinder. Oft liest man auch, dass die Kinder durch zu fettes Essen immer dicker werden. Doch das Magazin Stern (Stern, 2004) behauptet, dass nicht schlechte oder falsche Ernährung Schuld an Fettleibigkeit sei, sondern die Ursachen eben an Bewegungsmangel liegen würden. Eine logische Konsequenz von Bewegungs- mangel ist, dass die Kinder einen reduzierten Energiebedarf haben. Kinder essen sogar immer weniger, wie eine Langzeitstudie des Dortmunder Instituts für Kinderernährung zeigt. Obwohl immer mehr Fast Food und Süßigkeiten auf dem Speiseplan stehen, sind diese nicht alleine Schuld an Übergewicht. Der rasant ansteigende Schulstress, vor allem bei Schülern an weiterführenden Schulen, kann den Einzelnen körperlich stark erschöp- fen. Oft wird die notwendige Freizeit, die Kinder als Ausgleich unbedingt brauchen, durch Lernen und Nachhilfe sehr stark eingeschränkt. Die Schule bestimmt bei vielen Kindern den kompletten Tagesablauf. Selbst ohne Nachmittagsunterricht können so Schultage mit einer Dauer von über zehn Stunden entstehen, was selbst die Arbeitszeit von Berufstäti- gen übersteigen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Spielen im Freien (fast täglich)

Diese Hintergründe werfen einige Fragen und Vermutungen auf. Welche das im Einzel- nen sind, wird nun im folgenden Abschnitt beschrieben.

2.2 Ziele und Hypothesen der Arbeit

Wie im vorausgehenden Abschnitt gezeigt wurde, hat der Mangel an sportlicher Bewe- gung eine Reihe negativer Folgen, wie zum Beispiel konditionelle Mängel, koordina- tive Schwächen und Übergewicht. Von großem Interesse ist natürlich die Frage, ob sich die konditionellen Leistungsfähigkeiten der Kinder geändert haben. Die sportmotorischen Fähigkeiten gliedern sich in Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordi- nation. Für jeden dieser Bereiche gibt es Testverfahren, mit deren Hilfe versucht wird, diese Fähigkeiten quantitativ zu erfassen. Dies ermöglicht dem Lehrer, Übungsleiter oder Trainer, das Leistungsvermögen der Schüler zu beurteilen und konditionelle wie koor- dinative Schwächen zu erkennen und das Training dementsprechend anzupassen. Eine Beurteilung der Ergebnisse ist jedoch nur möglich, wenn Vergleichswerte existieren. Als Bezugsgrundlage der Vergleichswerte dienen Normwerte, wie man sie zum Beispiel bei Beck und Bös (1995) finden kann. In dieser Arbeit wurden anhand einer geeigneten Stich- probe neue Daten gewonnen, aus denen dann der Mittelwert und die Standardabweichung berechnet werden. Diese beiden Werte werden dann mit den bereits bestehenden Norm- werten, die z. T. bereits bis zu 20 Jahre alt sind, verglichen. Um die sportmotorischen Fähigkeiten beurteilen zu können, wurden Einzeltests ausgewählt, die alle Bereiche abde- cken. Die genauen Kriterien für die Auswahl der Tests werden in Abschnitt 3.2.2 erläutert. Eine Testbatterie, die ebenfalls alle konditionellen und koordinativen Fähigkeiten testet, ist zum Beispiel der Münchner - Fitness - Test. Der Test versucht Kinder mit erheblichen sportlichen Defiziten herauszufiltern. Allerdings sind nicht alle Einzeltests des Münchner - Fitness - Tests für die Zielsetzungen dieser Arbeit geeignet, so dass er nicht komplett für diese Arbeit übernommen werden kann. Des Weiteren weisen einige der Tests Mängel auf, die es fraglich erscheinen lassen, ob mit dem jeweiligen Einzeltest die entsprechende sportmotorische Fähigkeit auch wirklich ausreichend erfasst werden kann. Dennoch wur- den zwei Einzeltests aus dem Münchner - Fitness - Test auch in diese Arbeit verwendet. Welche das im Einzelnen sind, wird im ersten Teil des Hauptteils diskutiert. Neben dem Vergleich der Mittelwerte aus der aktuellen Stichprobe mit den alten, bereits vorhande- nen Normwerten, war die Durchführung der ausgewählten Tests Teil dieser Arbeit und wurde an drei Schulen mit ca. 400 elfjährigen Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Ziel dieser Arbeit ist es, mit Hilfe der sportmotorischen Tests herauszufinden, ob sich das veränderte Freizeitverhalten bzw. der Bewegungsmangel in einer Veränderung der Leis- tungsfähigkeit widerspiegelt. Ein weiteres Ziel, das mit dieser Arbeit verfolgt wird, ist es zu überprüfen, ob die ausgewählten Konditionstests sich eignen, um als Testbatterie eine zuverlässige Aussage über den Fitnesszustand der Schülerinnen und Schüler treffen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Tägl. Freizeitaktivität von Kindern (Alter: 6 - 13)

Doch welche Vermutungen ergeben sich daraus? Die im vorherigen Abschnitt dargestellte negative Entwicklung lässt die zentrale Vermutung aufkommen, dass die Mittelwerte der aktuellen Daten schlechter sind als die der geltenden Normwerte. Aufgrund der wachsen- den Zahl der Extremwerte vor allem im negativem Bereich, wird angenommen, dass die Standardabweichung bzw. die Streuung um die Mittelwerte zunehmen wird. Insgesamt wird erwartet, dass sich das arithmetische Mittel der aktuellen Messwerte bei jedem Test verschlechtert hat. Inwieweit diese Behauptung auf jeden sportmotorischen Bereich zu- trifft, wird sich erst in der Auswertung zeigen. Vermutet wird allerdings, dass durch das ständige Sitzen und die damit verbundene gesunkene Bewegungszeit der Kinder vor al- lem die Bereiche Koordination und Kraft leiden. Darauf, inwieweit sich diese Hypothesen bewahrheitet haben, wird im zweiten Teil des Hauptteils eingegangen.

3 Hauptteil

Im Hauptteil werden zunächst wesentliche, für das genaue Verständnis der Arbeit notwen- dige Begriffe erklärt. Zweitens wird auf die Auswahl der Probanden, sportmotorischen Tests und Schulen eingegangen, wobei auch die Kriterien, die für die Auswahl entschei- dend waren, behandelt werden. Der dritte, an sich wichtigste Teil umfasst die Auswertung und Interpretation der erhaltenen Daten. Den letzten Teil bildet ein Abschnitt mit Folgen und Erklärungen.

3.1 Begriffe und Definitionen

3.1.1 Sportmotorische Fähigkeiten und Leistung

In dieser Arbeit sollen die sportmotorischen Fähigkeiten gemessen werden. Wie Abbil- dung 3 zeigt, kann man die sportmotorischen Fähigkeiten grob in konditionelle und ko- ordinative Fähigkeiten gliedern. Als Erstes soll der Begriff Kondition erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Sportmotorische Fähigkeiten

In der Literatur findet man hierzu verschiedene Definition. So wird Kondition bei Jo- nath und Krempel (1981) folgendermaßen definiert: „Kondition umfasst die physische und psychische Verfassung sowie die Bereitschaft eines Sportlers, den spezifischen An- forderungen einer Sportart gerecht zu werden“ (Jonath & Krempel, 1981, S. 14). Diese Definition ist kurz und allgemein und die einzelnen Faktoren der physischen Verfassung werden hier nicht erwähnt. Aus diesem Grund soll noch die Definition des Konditions- begriffs von Grosser und Starischka (2001, S. 7) zum Vergleich herangezogen werden: „Unter Kondition verstehen wir allgemein die gewichtete Summe der physischen (kör- perlichen) Fähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Flexibilität und ihre Realisierung durch Bewegungsfertigkeiten/-techniken und durch Persönlichkeits-Eigenschaften (z. B. Wille, Motivation)“. Die konditionellen Fähigkeiten, also im Einzelnen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit, sind Faktoren, die die sportliche Leistung (vgl. Abbil- dung 4) mit determinieren. Neben der Kondition, die uns hauptsächlich interessiert, haben auch die anderen Bereiche der sportlichen Leistung Einfluss auf die Ergebnisse der sport- motorischen Tests. Im Gegensatz zur Abbildung 4 werden Rahmenbedingungen in der Literatur gewöhnlich in exogene und endogene Einflussfaktoren unterteilt. Exogene Fak- toren sind äußere Bedingungen (Grosser & Starischka, 2001, S. 8) wie Material, Familie oder Trainer, also Dinge, die man als Sportler nicht selbst beeinflussen kann. Unter endo- gene Faktoren, also Faktoren, die eine Person von innen heraus beeinflussen, fallen z. B. Talent, Konstitution und Gesundheit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die Faktoren der sportlichen Leistung (jkb, 2006)

Uns interessieren von der sportlichen Leistung her nur die konditionellen Fähigkeiten, in Abbildung 4 werden sie auch als physische Leistungsfaktoren bezeichnet. Man sollte jedoch immer berücksichtigen, dass die anderen Faktoren der sportlichen Leistung auch Einfluss auf die Kondition ausüben. Die Psyche, so z. B. die Motivation, kann die Leis- tung und somit auch die Kondition entscheidend beeinflussen und sollte nicht unterschätzt werden. Auch die Technik spielt eine wichtige Rolle, weil ein Schüler, der in Leichtath- letik Sprinttechniken erlernt hat, z. B. beim Schnelligkeitstest einen Vorteil gegenüber einem Ungeübten hat. Die äußeren Bedingungen stellen keine Störgröße für diese Arbeit dar, weil, mit Ausnahme des „Cooper - Tests“, alle Tests in der Turnhalle mit densel- ben Materialien durchgeführt werden. Der „Cooper - Test“ wird normalerweise im Freien durchgeführt. Aufgrund der Witterung kann es aber durchaus sein, dass man in die Hal- le ausweichen muss. Außerdem haben nicht alle Schulen eine 400m Rundbahn, so dass hier die Bedingungen abweichen können. Die endogenen Bedingungen wie Talent und Gesundheit haben zwar Einfluss auf die sportliche Leistung und somit auch auf die Kon- dition, bleiben aber unberücksichtigt, da sie nicht Untersuchungsgegenstand sind. Der Bereich Taktik wirkt sich auch nicht auf die Ergebnisse aus, weil die Tests kein Taktieren zulassen. Einzig der „Cooper - Test“ ist auch hier eine Ausnahme, weil z. B. ein gleich- mäßiges Tempo ein besseres Ergebnis zur Folge hat, als ständiger Tempowechsel.

Einen sehr wichtigen Bereich der sportlichen Leistung stellen die konditionellen Fähig- keiten dar. Der Begriff Kondition wurde bereits zu Beginn des Kapitels definiert. In der Definition von Kondition nach Grosser und Starischka (2001, S. 7) wurden die vier wich- tigen Säulen bereits genannt. Diese sind Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Beweglich- keit. Jedoch lassen sich diese noch weiter unterteilen, wie Abbildung 5 zeigt. Während nach Grosser und Starischka (2001, S. 9) konditionelle Fähigkeiten primär morpholo- gisch - energetisch bestimmt werden, werden die koordinativen Fähigkeiten überwiegend von Steuerungs- und Regelvorgängen beeinflusst. Koordination wird differenziert in Dif- ferenzierungsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit, Kopplungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Umstellungsfähigkeit und Gleichgewichtsfähigkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Die Kondition und ihre einzelnen Elemente (Dobner, 2006)

Auf die einzelnen Elemente wird in diesem Kapitel nicht weiter eingegangen. Die ein- zelnen Fähigkeiten spielen erst bei der Auswahl der sportmotorischen Tests eine wichtige Rolle und werden aus diesem Grund hier nicht weiter ausgeführt.

Bei der Auswahl von geeigneten Tests war es wichtig, dass der jeweilige Test für den ent- sprechenden konditionellen Bereich oder für die Koordination optimale Werte liefert. Der „Ballprell - Test“ aus dem Münchner - Fitness - Test eignet sich, wie sich später zeigen wird, z. B. sehr gut, um die Koordination zu messen, während das „Stufensteigen“ als Ausdauertest ungeeignet ist. Auch auf diesen Sachverhalt wird im Abschnitt 3.2.2 einge- gangen. Aber selbst der für diese Arbeit gewählte „Cooper - Test“ misst nur einen Bereich der Ausdauer. Beim Untrainierten misst der Test die Grundlagenausdauer, die allerdings in der Übersicht in Abbildung 5 nicht als Element aufgeführt ist.

Bevor aber die Konditionstests im Einzelnen erläutert werden können, muss erst der Be- griff Konditionstest geklärt werden. Außerdem ist vor dem Abschnitt über die Auswahl der Konditionstests die Kenntnis über die Testgütekriterien unerlässlich. Diese beiden Punkte werden im nun folgenden Kapitel behandelt.

3.1.2 Sportmotorische Tests und Testgütekriterien

Wie bei den sportmotorischen Fähigkeiten wird auch bei sportmotorischen Tests zwischen Konditionstests und Tests, die die Koordination messen, unterschieden. Nachfolgend wird der Begriff Konditionstest näher erklärt.

„Ein Konditionstest ist ein unter standardisierten Bedingungen ablaufendes und wissen- schaftlichen Kriterien genügendes Verfahren zur Erfassung eines oder mehrerer empi- risch abgrenzbarer Merkmale des individuellen Konditionsniveaus. Erfassungsziel ist ei- ne möglichst quantitative Aussage über den relativen Grad der individuellen Ausprägung motorisch - konditioneller Fähigkeiten“ (Grosser & Starischka, 1986, S. 12).

Kurz: Ein Konditionstest soll, unter Berücksichtigung der Testgütekriterien Objektivität, Validität und Reliabilität, die entsprechende konditionelle Fähigkeit quantitativ messen. Nun zu den Testgütekriterien im Einzelnen. Die Objektivität beschreibt die Unabhän- gigkeit der Testleistung vom Testleiter, vom Auswerter und vom Beurteiler. Man unter- scheidet verschiedene Formen der Objektivität: Die Wichtigste für uns ist die sogenannte Durchführungsobjektiviät, welche hoch ist, wenn die Beschreibung des Testverhaltens klar ist. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Auswertungsobjektivität. Dies ist die Form von Objektivität, die man sich dem gängigen Sprachgebrauch folgend unter dem Begriff Objektivität vorstellt. Diese ist bei gemessenen Werten höher (z. B. Messen der Weite beim Weitsprung) als bei zu beurteilenden Werten (z. B. bei Bewegungsrhythmen im Tanz). Die Interpretationsobjektivität wird höher sein, wenn man numerische Werte hat, weil sie keinen Spielraum für Interpretationen zulassen: Das Ergebnis ist eindeutig und lässt sich nicht durch Interpretation verbessern.

Ein weiteres Gütekriterien ist die Zuverlässigkeit, auch Reliabilität genannt, mit der die Messgenauigkeit bezeichnet wird. Meistens prüft man dieses Kriterium durch die Wie- derholungsmethode. Dabei wird erwartet, dass die Werte annähernd dieselben sind, um den Zufall weitgehend auszuschließen. Um dieses Kriterium erfüllen zu können werden zum Beispiel beim „Standweitsprung“ dem Probanden mehrere Versuche eingeräumt. Aus Zeitgründen ist dies jedoch nicht immer möglich.

Das dritte Kriterium ist die Gültigkeit oder Validität. Die Validität gibt an, in welchem Ausmaß ein Test das Merkmal erfasst, welches er auch erfassen soll. Auch hier werden bestimmte Formen unterschieden. Meistens wird auf die inhaltliche Gültigkeit verwiesen, die verwendet wird, wenn der Test selbst die konditionelle Fähigkeit am besten misst, so wie z. B. die „Rumpfbeuge“ die Beugefähigkeit der Hüftmuskulatur bestimmt. Die ande- ren Formen sind nicht entscheidend für diese Arbeit (Grosser & Starischka, 1986, S. 12f). Jeder wissenschaftliche Test muss diese Testgütekriterien erfüllen, daher werden sie auch als die Hauptgütekriterien bezeichnet. Im Bereich Sport spielen noch weitere Kriterien ei- ne Rolle, die bei Grosser und Starischka (1986, S. 12) als Nebengütekriterien bezeichnet werden. Zu ihnen zählt man Ökonomie, Vergleichbarkeit, Nützlichkeit und Normierung. Bei Grosser und Starischka (1986, S. 14) gilt ein Test als ökonomisch, wenn er in kurzer Zeit durchführbar ist, wenig Material benötigt, einfach zu verstehen ist, als Gruppentest durchgeführt werden kann und ohne größeren Rechenaufwand auswertbar ist.

Ein Test gilt als normiert, wenn Angaben zur Einordnung eines Ergebnisses vorliegen. In dieser Arbeit werden für die Interpretation hauptsächlich Mittelwert und Standardabwei- chung als Bezugsgröße verwendet (Grosser & Starischka, 1986, S. 14).

Vergleichbarkeit meint nicht den Vergleich von aktuellen Werten mit alten Bezugsdaten bei einem identisch durchgeführten Test, weil hierbei die Daten sowieso verglichen wer- den können. Vielmehr meint dieses Kriterium die Vergleichbarkeit mit Paralleltests, mit denen ein ausgewählter Konditionstest in Bezug gesetzt werden kann.

Ein Konditionstest gilt als nützlich, wenn für das Ergebnis eines sportmotorischen Tests ein echtes Interesse vorliegt (Grosser & Starischka, 1986, S. 15). Der Begriff Neben- gütekriterien suggeriert eine eher untergeordnete Bedeutung, allerdings können diese im Einzelfall wichtiger sein als die Hauptgütekriterien.

Sportmotorische Tests können in Elementartests, Testprofile und Testbatterien (vgl. Ab- bildung 6) eingeteilt werden. Der Elementartest misst ein klar abgrenzbares Merkmal. Der „Standweitsprung“ z. B. misst u. a. die Schnellkraft der Beinmuskulatur. Ein Testprofil und eine Testbatterie sind eine Kombination aus mehreren Einzeltests. Ein Testprofil ist eigentlich nur die grafische Darstellung mehrerer Einzeltests auf einem Auswertungsbogen. Die Einzeltests in einem Testprofil können alle für sich betrachtet und ausgewertet werden (Beck & Bös, 1995, S. 12). Eine Testbatterie besteht ebenfalls aus Einzeltests, die einem gemeinsamen Ziel untergeordnet werden und somit ihre Unabhängigkeit verlieren (Beck & Bös, 1995, S. 12). Ein Beispiel soll diesen Zusammenhang verdeutlichen: Beim „Cooper - Test“ wird die aerobe Ausdauer, und beim „Standweitsprung“ die Maximalkraft der Beinmuskulatur gemessen. Werden diese in Form eines Testprofils durchgeführt, wer- den diese Tests einzeln aufgeführt und in einer Übersicht dargestellt, behalten also ihre Unabhängigkeit. Bei einer Testbatterie wird vorher ein gemeinsames Untersuchungsziel festgelegt. Wird der Fitnesszustand gemessen, werden die Tests nicht in einem Profil an- gegeben, sondern bilden nur einen Teil des Ergebnisses.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Systematisierung sportmotorischer Tests (Beck & Bös, 1995)

Bei einer homogenen sportmotorischen Testbatterie wird ein Merkmal mit Hilfe mehrerer Tests gemessen. Die Tests haben untereinander eine hohe Korrelation. Heterogene sport- motorische Testbatterien messen mehrere Merkmale mit unterschiedlichen Tests, „die un- tereinander möglichst nicht korrelieren sollen“ (Kühnhardt, 2006). Die Einzeltests in die- ser Arbeit werden in Form einer heterogenen sportmotorischen Testbatterie durchgeführt, denn ihr gemeinsames Ziel ist die Erfassung der allgemeinen motorischen Leistungsfä- higkeit der Kinder. Trotzdem ist eine Auswertung auf Einzeltestebene möglich, wie sie auch in Abschnitt 3.3.3 durchgeführt wird.

Vor der Auswahl der sportmotorischen Tests muss zuerst noch geklärt werden, mit wel- chen Probanden die Tests durchgeführt werden sollen.

3.2 Auswahl und Durchführung der sportmotorischen Tests

3.2.1 Auswahl der Probanden

Da sich die Fragestellung mit der konditionellen Leistungsfähigkeit im Kindesalter be- schäftigt, wären Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren geeignet gewesen. Die Tests werden an Schulen durchgeführt, weil hier die Durchführung wesentlich einfacher ist als mit kleineren Gruppen, wie z. B. Mannschaften eines Sportvereins. Wenn die Kinder sechs bis ca. 14 Jahre alt sein sollen, kommen somit die Klassen eins bis ca. sieben in Frage. Eine Stichprobe aller Jahrgänge mit ca. je 400 Daten, hätte den Rahmen der Arbeit gesprengt. Aufgrund folgender Kriterien wurde schließlich ein geeigneter Jahrgang aus- gewählt. Die Durchführung an Grundschulen würde aufgrund der geringeren Jahrgangs- stärke bedeuten, dass man die Tests an ca. sechs bis acht Schulen durchführen müsste. Bei weiterführenden Schulen wie Gymnasien oder Realschulen, ist eine Jahrgangsstufe meistens mit über 100 Schülern besetzt, so dass lediglich bis zu vier Schulen für eine Testdurchführung gewonnen werden müssten. Der Vorteil wäre ein wesentlich geringerer Zeitaufwand, weil eine größere Gruppe die Tests auf einmal durchführen könnte. Nach diesem Kriterium kommen nur noch Schüler von zehn bis 14 Jahren in Betracht.

Ein weiteres Kriterium ist das Einzugsgebiet einer Schule. Während eine Grundschule meistens Kinder aus demselben Ort besuchen, haben weiterführende Schulen auf dem Land den Vorteil, dass sie ein wesentlich größeres Einzugsgebiet haben. Dadurch erreicht man, dass nicht eine größere Gruppe dieselbe sportliche Vorerfahrung hat. Denn bei ei- nem Test in der Grundschule könnte es passieren, dass die Schule oder der Verein ein übermäßiges Sportangebot zur Verfügung stellen. Dies hätte aber zur Folge, dass diese Schüler den Test bei insgesamt 400 Daten verfälschen würden, weil z. B. 60 Schüler dann gute bis sehr gute Werte hätten. Bereits 60 Schüler würden allein 15% der Daten ausma- chen, was einen relativ großen Einfluss auf das Ergebnis nehmen würde.

Die Wahl wurde weiter dadurch eingeschränkt, dass nicht für alle Jahrgänge Normwerte zur Verfügung stehen und deshalb keine Vergleiche hergestellt werden können. Bei eini- gen Kondtionstests gibt es zwar Werte ab sechs Jahren (Beck & Bös, 1995), aber eben nicht bei allen, zumindest nicht bei denen, die für diese Arbeit ausgewählt worden sind. Nach welchen Kriterien die Konditionstests ausgewählt wurden, wird im nächsten Ab- schnitt genau beschrieben.

Da es Ziel war, alle konditionellen Fähigkeiten zu erfassen, musste man bei der Auswahl der Krafttests Folgendes beachten. Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren ha- ben noch ein „biegsames “ Skelett. Deshalb sollten Krafttraining und Konditionstests, die die Kraft messen sollen, ohne Fremdgewicht durchgeführt werden (Grosser & Starischka, 2001, S. 182). Eigentlich wären für Krafttests ältere Schüler geeigneter, dann hätte man aber wieder das Problem, dass eine Schule oder eine Klasse ein Ergebnis stark verfälschen könnten.

Die Kriterien führten am Ende dazu, dass für diese Untersuchung Schüler der fünften Klassen von weiterführenden Schulen ausgewählt wurden, weil diese Jahrgangsstufe die Kriterien am besten erfüllt, obwohl diese Gruppe die Auswahl der Krafttests stark ein- schränkt, weil alle Tests mit Fremdgewicht herausfallen. Aber die Kriterien des sportli- chen Einflusses einer Schule sowie die größere Anzahl der Schüler in einer Jahrgangsstufe führten letztendlich zu dieser Entscheidung.

3.2.2 Auswahl der sportmotorischen Tests

In diesem Abschnitt wird dargestellt, welche Konditionstests für diese Arbeit ausgewählt wurden. Außerdem wird hier beschrieben, welche konditionellen Fähigkeiten der ausge- wählte Test jeweils misst. Eine Übersicht der einzelnen Tests findet sich im Anhang A. Für die Durchführung der Tests standen maximal 90 Minuten zur Verfügung. Dadurch war der Zeitfaktor für die Testauswahl mitentscheidend. In dieser Zeit mussten zwischen 35 und 65 Schüler und Schülerinnen getestet werden. Diese hohe Probandenzahl führ- te dazu, dass Abstriche bei den Testgütekriterien gemacht wurden. Die Zuverlässigkeit oder Genauigkeit leidet unter dem Zeitdruck, weil meistens nicht jeder Schüler einzeln getestet wurde, sondern meistens mehrere Schüler gleichzeitig, überwiegend in Vierer- gruppen. Beim „Klimmzughang“ z. B. hingen zwei Schüler gleichzeitig an der Stange, in dem Moment, in dem einem Probanden das Kinn unter die Stange sank, wurde ihm die entsprechende Zeit zugerufen, weil die Stoppuhren nicht immer eine Zwischenzeitfunk- tion hatten. Auch beim Rückentest wurden aus Zeitgründen immer vier Probanden auf einmal getestet. Ein weiteres Gütekriterium, welches unter dem Zeitdruck leidet, ist die Durchführungsobjektivität. Obwohl den Gruppen die Testdurchführung im Vorfeld genau gezeigt wurde, gab es im Nachhinein immer wieder Fehler in der Ausführung. Je nach Grad des Fehlers wurde auf eine Wiederholung entweder ganz verzichtet und der Versuch trotzdem gewertet, oder der Proband musste den Versuch wiederholen. Die anwesenden Versuchsleiter wurden aber angehalten, die Tests zügig durchzuführen und so wenig Wie- derholungen wie möglich zuzulassen. Außerdem war nur ein kurzes Aufwärmen möglich. Obwohl alles optimal vorbereitet wurde, ergaben sich vor Ort Probleme, die bei der Pla- nung nicht berücksichtigt werden konnten. Darauf soll aber im Abschnitt 3.2.4 weiter eingegangen werden. Um den Vergleich mit existierenden Normwerten sicherzustellen, mussten Tests gewählt werden, die auch für das entsprechende Alter geeignete Norm- werte aufweisen. Einzige Ausnahme ist hierbei der Rückentest, für den keine früheren Vergleichswerte vorhanden sind. Die in der Literatur vorhandenen Rückentests, wie z. B. das Aufbäumen (Grosser & Starischka, 1986), testen nicht die Kraftausdauer der Rücken- muskulatur, genauer wird dieses Problem im weiteren Verlauf dieses Abschnitts geklärt. Des Weiteren gab es für Konditionstests des Rückens keine Normwerte für Elfjährige. Aus diesem Grund konnte der Rückentest auch neu gestaltet werden.

Außerdem muss berücksichtigt werden, dass die Tests mit einfachen Materialen durchge- führt werden sollen, weil die Durchführung aller Tests nicht nur im Rahmen dieser Arbeit erfolgt, sondern auch im Nachhinein von Sportlehrern in deren Sportstunden angewen- det werden soll. Deshalb sollte das Material in einer normal ausgestatteten Schulturnhalle vorhanden sein, damit ein Lehrer nicht schon durch das Material von einer Testdurch- führung abgeschreckt wird. Lediglich beim Sprinttest wurden für die Zeitmessung Licht- schranken verwandt. Allerdings könnte man diesen Test auch mit Stoppuhren durchfüh- ren, jedoch auf Kosten der Genauigkeit.

3.2.2.1 Ausdauer: Der Cooper - Test

Der „Cooper - Test“, benannt nach Kenneth H. Cooper, ist ein anerkannter Test zur Über- prüfung der aeroben Ausdauer (Durst, 2006). Unterschieden wird beim „Cooper - Test“ in einen 15 - Minuten und 12 - Minuten Test. Die Variante mit 12 Minuten wird dabei meist als „modifizierter Cooper - Test“ bezeichnet. Bei diesem Test muss der Proband in 12 bzw. 15 Minuten in einem abgesteckten Rundkurs eine möglichst große Strecke durch Laufen und/oder Gehen zurücklegen (Grosser & Starischka, 2001, S. 141).

Dieser Test eignet sich vor allem dazu, um bei Untrainierten bzw. weniger Trainierten die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit zu testen, da wegen der Länge der Belastungsdauer der Anteil der anaeroben Energiebereitstellung relativ gering ist. Hierbei spielt im anae- roben Bereich die Laktatelimination während der Belastung eine wichtige Rolle, während im aeroben Bereich das maximale Sauerstoffvolumen als leistungsbestimmend anzusehen ist (Grosser & Starischka, 2001, S. 117).

Der Test ist etabliert und bietet durch seine häufige Verwendung gesicherte Normwerte. Zudem ist der „Cooper - Test“ einfach durchzuführen, benötigt wenig Material und ist den Schülern schnell erklärt. Andere Ausdauertests wie „Dauerschwimmen“, „Boxtest“ und „Radfahren“ (Grosser & Starischka, 1986, S. 87ff), waren aufgrund des deutlich hö- heren Aufwandes, vor allem aufgrund des größeren Materialbedarfs und des zeitlichen Aufwandes, nicht geeignet.

Beim Münchner - Fitness - Test wird die Ausdauer durch den „Stufentest“ getestet. Bei diesem Test müssen die Probanden in einer Minute ca. 40 mal auf eine Bank steigen, und zwar so, dass sie jeweils mit beiden Beinen mit durchgedrückten Knien auf der Bank stehen. Der Versuchsleiter gibt dabei durch Zählen den Rhythmus vor. Eine Messung des Pulses erfolgt vor der Belastung (Ruhepuls), unmittelbar nach der Belastung (Arbeitspuls) und dann nochmals zwei Minuten nach der Belastung (Erholungspuls). Die Differenz aus Erholungspuls und Ruhepuls ergibt den Messwert (Rusch & Weineck, 2001, S. 117). Die- ser Test ist für die Ausdauerleistungsfähigkeit nicht sehr aussagekräftig, da beim Stufen- test auch die Kraft eine entscheidende Rolle spielt und die Belastung von nur einer Minute zu gering ist. Oft wird der „Stufentest“ durch den „Sechs - Minuten - Lauf“ ersetzt, der auch in der Halle durchgeführt werden kann und eine zuverlässigere Messung ermöglicht (Beck & Bös, 1995, S. 44). Aber auch der „Cooper - Test“ hat Nachteile. Wie bereits erwähnt, ist er witterungsabhängig, da bei Regen auf die Halle zurückgegriffen werden muss, wo es sich bekanntlich nicht so gut läuft wie auf einer 400m Rundbahn. Außerdem verfügten einige Schulen nicht über eine 400m - Tartanbahn, so dass der Test auf Ra- sen durchgeführt werden musste. Ein weiteres Problem ist, dass untrainierte Schüler ihre Leistung nicht einschätzen können und mit viel zu hohem Tempo starten und dadurch schon sehr früh an ihre Leistungsgrenze kommen und dann Gefahr laufen, zusammenzu- brechen. Allerdings kann man diesem Problem durch gute Information vorbeugen, oder man lässt die Schüler in einer vorherigen Sportstunde z. B. fünf Minunten laufen, damit sie die Laufgeschwindigkeit besser einschätzen können.

3.2.2.2 Schnelligkeit: Der 20m - Sprint

Bei diesem Test müssen die Probanden eine Laufstrecke von 20m so schnell wie möglich zurücklegen. Die Schüler stehen knapp hinter der ersten Lichtschranke. Mit dem ersten Schritt lösen sie die erste Lichtschranke und damit die Zeitmessung aus. Die Lichtschranke im Ziel stoppt die Zeitmessung.

Der Materialaufwand ist sehr gering. Es werden lediglich eine Stoppuhr bzw. Lichtschran- ken sowie Klebeband und Kegel benötigt, mit deren Hilfe der Start und das Ziel markiert werden. Dieser Test misst vor allem die Sprintkraft, die für die Laufbeschleunigung ver- antwortlich ist und die zyklische Frequenzschnelligkeit. Die Reaktionsschnelligkeit wur- de ausgeschaltet, weil die Schüler nicht auf Kommando starten. Sprints über 30m oder sogar 100m waren insofern problematisch, weil in einigen Schulen die Halle nur ca. 25m - 30m lang ist und somit einfach zu klein war. Beim „20m - Sprint“ waren somit ungefähr 5m Auslauf vorhanden, mit einer am Ende der Strecke an der Wand senkreckt aufgestell- ten Weichbodenmatte war die Sicherheit gegeben.

Andere Tests wie der „Pendellauf“, bei dem eine zehn Meter Laufstrecke fünfmal hin und her gelaufen werden muss, hätte einen sehr großen koordinativen Anteil, so dass dann die eigentliche Schnelligkeitsleistung, die ja im Mittelpunkt unseres Interesses stand, nicht getestet werden würde (siehe Validität Kap. 3.1.2). Der „20m - Sprint“ bietet den Vor- teil, witterungsunabhängig in der Halle durchgeführt werden zu können, was einer hohen Objektivität entsprechen würde, denn im Freien wäre man nicht nur vom Wetter abhän- gig, sondern auch die Beschaffenheit des Untergrunds würde eine entscheidende Rolle spielen. Auch für diesen Test existieren zahlreiche Vergleichsdaten, siehe Beck und Bös (1995, S. 176).

3.2.2.3 Kraftausdauer: Der 30 Sekunden Sit - Up - Test

Die Aufgabe bei diesem Test besteht darin, so viele Sit - Ups wie möglich in 30 Sekunden zu absolvieren. Der Proband liegt dabei mit dem Rücken auf einer Matte und ein Helfer hält die im Kniegelenk abgewinkelten Füße am Boden fest. Die Testperson muss dann mit verschränkten Händen im Nacken vom Boden liegend sich aufwärts bewegen, bis die Hüfte einen Winkel von 90erreicht (siehe Abbildung 7) und sich danach wieder auf dem Rücken ablegen und das Ganze 30 Sekunden lang so oft wie möglich wiederholen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Durchführung: Sit - Up - Test

Auch bei diesem Test kommt man mit wenig Material aus. Eine Stoppuhr, um die 30 Se- kunden zu messen, sowie eine Matte reichen aus. Um in kurzer Zeit viele Schüler testen zu können, kann man den Test auch auf dem Hallenboden in zwei Durchgängen durchführen. Jeweils die Hälfte der Schüler macht die Übung, während die andere Hälfte den Partner an den Füßen hält und die Sit - Ups zählt. Die Lehrer kontrollieren die Ausfüh- rung und lassen gegebenenfalls einzelne Probanden den Test wiederholen.

Getestet werden soll hier vor allem die dynamische Kraftausdauer der Bauchmuskulatur. Nach Grosser und Starischka (2001, S. 44) versteht man unter der dynamischen Kraftaus- dauer „die Fähigkeit, bei einer bestimmten Wiederholungszahl von Kraftstößen (= Kraft mal Zeit) innerhalb eines definierten Zeitraums die Verringerung der Kraftstöße möglichst gering zu halten“. Allerdings ist dieser Test oft kritisiert worden, weil neben der Bauch- muskulatur auch die Hüftbeuger und am Ende auch die Beinstrecker wirksam werden (Beck & Bös, 1995, S. 69). Es gibt auch noch die 40 Sekunden Variante, jedoch sind hier- für keine Vergleichsdaten vorhanden. Besser wäre ein Konditionstest, der die Haltekraft der Bauchmuskulatur testet. Die Bewegung des Sit - Up - Tests ist dynamisch, weshalb auch die Beweglichkeit eine tragende Rolle spielt. Ein Test, bei dem der Körper mit den Bauchmuskeln in eine Position gebracht wird und gehalten werden muss, konnte auch nach längerer Recherche einfach nicht gefunden werden. Trotz der Kritik an diesem Test, konnte die Bauchmuskulatur nicht weggelassen werden, weil die Bauchmuskulatur als große Rumpfmuskulatur an vielen Bewegungen beteiligt ist und somit in keiner Testbat- terie, die vollständig sein will, fehlen darf. Deswegen wurde dieser Test aus Mangel an Alternativen ausgewählt.

3.2.2.4 Kraftausdauer: Der Klimmzughang

Bei diesem Test müssen die Probanden an einer Reckstange im freien Hang mit gebeug- ten Armen solange wie möglich hängen. Die Arme greifen im Ristgriff, also mit dem Handrücken zum Körper, um eine Stange, die sich ungefähr in Kopfhöhe befindet. Die Zeit läuft, sobald das Kinn oberhalb der Stange ist und wird gestoppt, wenn das Kinn sich unter die Stange senkt (siehe Abbildung 8). Gemessen wird die Zeit in Sekunden. Aufzu- bauen ist bei diesem Test eine Reckstange mit einer oder zwei Turnmatten zur Sicherung. Dieser Test ist übrigens auch ein Bestandteil des Münchner - Fitness - Tests. Hier wird der Test aber an der Sprossenwand durchgeführt, setzt aber eine nach außen geschobene Sprosse voraus, weil sonst kein freier Hang möglich ist, vgl. Rusch und Weineck (2001, S. 116), wobei der Test hier „Halten im Hang“ heißt.

Der „Klimmzughang“ misst die statische Kraftausdauer des Schultergürtels und der Oberarmbeugemuskulatur. Statische Kraftausdauer bezeichnet nach Grosser und Starisch- ka (2001, S. 44) „die Fähigkeit der Muskulatur, einen bestimmten Kraftwert über eine def- nierte Anspannungszeit möglichst ohne Spannungsverlust zu halten“. Hier testet man die maximale Zeit, in der man einen Kraftwert aufrechthalten kann. Vorwiegend wird hier die Haltekraft gemessen. Außerdem wird auch der obere Bereich des Trapezius beansprucht. Dieser Test eignet sich besonders gut, um den oberen Bereich der Rückenmuskulatur zutesten. Kinder müssen viel Sitzen, vor allem in der Schule. Beim Sitzen ist die statische Kraft des Schultergürtels entscheidend, weil diese für eine gesunde Sitzhaltung wichtig ist. Dynamische Tests wie Klimmzüge aus dem Schrägstand unterhalb der Reckstange, eignen sich deswegen nicht. Klimmzüge sind sowieso ungeeignet, weil bei den meisten Kindern die Rückenmuskulatur nicht gut ausgebildet ist und kaum genug Klimmzüge ge- schafft werden würden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Durchführung: Klimmzughang

Bei diesem Test darf die Motivation als leistungsbeeinflussende Größe nicht unterschätzt werden. Die Motivation kann gesteigert werden, wenn immer zwei Schüler gleichzeitig den Test ausführen, wobei dann aber darauf hingewiesen werden muss, dass dies die Ob- jektivität evtl. deutlich einschränken könnte, weil dann nicht alle dieselben Bedingungen hätten, weil nicht jeder denselben Partner hat: Ein starker Partner kann sein Gegenüber so motivieren, dass der Schwächere durchzuhalten versucht, gleichzeitig kann ein schwä- cherer Partner den Stärkeren dazu verleiten die Übung früher als nötig, nämlich sobald der Schwächere losgelassen hat, zu beenden.

Insgesamt eignet sich der „Klimmzughang“ hervorragend, um die statische Kraftausdauer zu messen, da er sehr gut erprobt und einfach zu verstehen ist und im Grunde keinerlei Nachteile besitzt.

84 von 84 Seiten

Details

Titel
Sportmotorische Tests - Ein Vergleich aktueller und alter Normwerte
Hochschule
Technische Universität München
Note
1,00
Autor
Jahr
2007
Seiten
84
Katalognummer
V111388
Dateigröße
4179 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportmotorische, Tests, Vergleich, Normwerte
Arbeit zitieren
Bernd Katterloher (Autor), 2007, Sportmotorische Tests - Ein Vergleich aktueller und alter Normwerte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111388

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