Erziehung im Jugendstrafvollzug - Hahnöfersand - Ein erster Versuch


Hausarbeit, 2007

21 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hahnöfersand – Ein erster Schritt
Allgemeines
Die Arbeit
Der Unterricht
Die Seelsorge
Disziplin und Strafe
Selbstverwaltung
Überwindung erziehungsfeindlicher Einflüsse
Sorge für die Zukunft
Ergebnisse

Aktuelle Diskussionen und Fazit

Quellen:

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob man den Versuch von Walter Herrmann und Carl Bondy, die im Jahr 1921 erste Versuche hinsichtlich des Erziehungsgedanken im Strafvollzug im Rahmen ihres Aufenthaltes im Gefängnis Hahnöfersand durchführten, als einen ersten Schritt in Richtung Erziehung im Jugendstrafvollzug werten kann.

Dabei werde ich ihre Methoden, ihre Theorien sowie ihre Ergebnisse näher beleuchten. Da das Thema außerdem gerade aktuell diskutiert wird, werde ich die Ergebnisse beziehungsweise die Vorschläge Herrmanns und Bondys mit den aktuellen Forderungen verschiedener Politiker vergleichen.

Hahnöfersand – Ein erster Schritt

Allgemeines

Im Jahr 1921 hospitierten Dr. Carl Bondy und Dr. Walter Herrmann (beschäftigten sich mit pädagogischen und psychologischen Fragen des Strafvollzugs) für insgesamt 4 Wochen in verschiedenen Hamburger Haftanstalten. Die letzten Tage dieser Zeit verbrachten sie im Gefängnis Hahnöfersand in der so genannten Jugendlichengruppe. Das Gefängnis Hahnöfersand befindet sich auf der gleichnamigen Insel in der Elbe. Diese Insel hat eine Fläche von etwa 1,6 km², ist 3,5 Kilometer lang und zirka 700 Meter breit und gehört zur Stadt Hamburg[1].

Bondy und Herrmann kamen dort zu der Überzeugung, dass „ falls überhaupt mit neuen Methoden im Strafvollzug, mit der Betonung des erzieherischen Moments während der Strafverbüßung Ernst gemacht werden soll“[2] dann im Gefängnis Hahnöfersand. Es schien ihnen der ideale Platz, da es dort möglich war versuchsweise Neuerungen einzuführen ohne damit grundsätzliche Strafvollzugsfragen aufzurollen.

Die Gemeinschaftshaft und das Vorhandensein einer speziellen Gruppe jugendlicher Gefangener boten gute Bedingungen einer fruchtbaren pädagogischen Arbeit. Herrmann und Bondy ließen sich als Hilfsaufseher in der Jugendlichengruppe einstellen und begannen am 1.11.1921 für die nächsten 9 Monate ihre Tätigkeit im Jugendgefängnis. Sie bekamen zusätzlich „Wachtmeister“ zur Seite gestellt, welche sich nach Herrmann „bewußt und mit voller Überzeugung in den Dienst des erzieherischen Strafvollzugs“ 2 stellten und ohne deren aufopferungsvolle Mitarbeit die Versuche Bondys und Herrmanns nicht möglich gewesen wären. Da die Beamten aber stärker an polizeidienstliche Vorschriften gebunden waren als Herrmann und Bondy, war deren Stellung den Gefangenen gegenüber schwieriger. Die Leiter der Gruppen waren für die Gefangenen eindeutig Herrmann und Bondy.

Als Herrmann und Bondy die Jugendlichengruppe übernahmen bestand diese aus etwa 30 Jugendlichen. In den 9 Monaten ihrer Tätigkeit schwankte die Anzahl der Jugendlichen zwischen 26 und 41. Herrmann hat über die Gefangenen genaustens Buch geführt. Er notierte Daten wie das Alter, den Beruf, die Lehrzeiten, die Straftat und -zeit und vieles mehr[3]. Bei den Straftaten handelte es sich hauptsächlich um Vermögensdelikte. Den einzigen Aspekt den Herrmann und Bondy nicht richtig festhalten und untersuchen konnten waren die häuslichen Verhältnisse (Alter, Beruf, Sucht, Kriminalität, „körperliche und geistige Defekte“[4] der Eltern und Verwandten) der Gefangenen. Hierbei zeigt sich das Herrmann und Bondy gern das soziale Umfeld der Jugendlichen näher untersucht hätten, um daraus auf mögliche Gründe für deren Straftaten schließen zu können. Die Untersuchung der oben genannten Aspekte geschah allerdings nur bei einigen Jugendlichen im Rahmen von Einzelgesprächen oder Briefen, die von ihnen verfasst wurden.

Solch ein Brief sah folgendermaßen aus:

Jugendlicher Nr.21, 15 Jahre, Arbeiter von Beruf, verurteilt zu 36 Monaten Haft wegen Diebstahl, 2 Vorstrafen:

„Das Leben nach dem meine Mutter in der Irrenanstalt untergebracht wurde. Eines Abends als ich schon halb eingeschlafen war, hörte ich auf einmal einen fürchterlichen Lärm ich stand auf und wollte aus der Tür raus aber da stand meine Mutter und warf immerzu Teller, Tassen, Waschalen und verschiedene andere Gegenstände aus der Haustür nach einem Mann den ich nicht erkennen konnte, aber wie ich später erfuhr unser Einlohgierer [Vermieter?] war. Ich erinnere mich noch dass ich auf einmal unter die Arme gegriffen wurde und zu der Viezenfrau (Vizewirtin) gebracht wurde. Dann gin der beständiege wechsel der Wohnung los zuerst kam ich nach meines Vaters Bruder, aber aus irgend einen Grund bald wieder weg, dann nach der Süderstrasse ganz oben wo die Häuser schon aufhörten weil mein Vater da Arbeitete, die Familie zog aber aus nach ihrer Heimat in der Schweiz, dann kam ich zu einem Wirt auch noch in der Süderstrasse von da nach der Woltmanstrasse, von der Woltmanstrasse nach Rothenburgsort zu einer Fischfrau, von da an zu dem letzten bürgerlichen Loji [Behausung[5] ] bei einer Frau namens Esser. Von da nach dem Weisenhaus, von dort nach Ohlsdorf [Fürsorgeerziehungsanstalt] war ein Weg von Ohlsdorf nach Fuhlsbüttel [Gefängnis].“[6]

Anhand dieses Briefes ist erkenntlich, dass dieser Jugendliche nur „umhergereicht“ wurde. Herrmann und Bondy sahen den schädigenden Einfluss schlechter häuslicher Verhältnisse als einen wichtigen Punkt. Dazu später mehr.

Die Aufgabe Herrmanns und Bondys in diesen neun Monaten war die erzieherische Ausgestaltung des Strafvollzugs. Der Schwerpunkt lag für sie auf „erzieherisch“ nicht auf Strafvollzug. Der Strafvollzug diente in diesem Fall nur als äußerer Rahmen (Freiheitsentzug, Einschluss und einzuhaltende Hausordnung).

Es handelte sich bei der Aufgabe um einen Versuch, zusammen mit straffälligen Jugendlichen eine Erziehungsgemeinschaft zu schaffen, welche nicht auf Furcht und Strafe, sondern auf Freundschaft und Vertrauen beruhte. Herrmann und Bondy wollten eine „Gemeinschaft, in der Erzieher und Zögling nicht im Verhältnis von Vorgesetzen und Untergebenen sich gegenüberstanden, sondern wo ein Miteinandergehen war, wo der Ältere Führer und Freund wurde.“[7] Die Grundeinstellung war demnach die eines Freundes der Hilfe anbietet.

Herrmann und Bondy entwickelten im Rahmen ihres Aufenthaltes pädagogische und psychologische Pläne.

Pädagogische Pläne: Durchführung des Erziehungsgedankens im Strafvollzug

1. Als Aufseher: menschliche , erzieherisch überzeugende Beeinflussung unter Beschränkung der Disziplinarmittel, vom bloßen Vorgesetzen zum Anleiter, erzieherisch wertvolle Anwendung der Freizeit
2. Als Lehrer: tgl. 1-2 Stunden Unterricht (Elementarwissen, Menschenkunde, ethischer Unterricht, Sport, Singen
3. Als Sozialbeamter: Mitübernahme der o.g. Aufgaben →Zusammenfassung dieser Arbeitsgebiete soll einer möglichst einheitlichen und tiefgreifenden Erziehung dienen

Psychologische Aufgaben

1. Aufstellung von Psychographien, differenzierte Behandlung der Gefangenen
2. Aufstellung psychologisch orientierter Fragebögen (als Anleitung zu Beobachtungen für die Aufseher, für bessere Beurteilung bei Gnadengesuchen)
3. Intelligenzprüfung bei den Gefangenen
4. Theoretische Bearbeitung der Psychologie des Jugendlichen

Da die praktisch-pädagogische Arbeit nach Herrmann die verfügbare Zeit komplett in Anspruch nahm kam es nie zu einer eingehenden psychologischen Behandlung.

Die Durchführung des Erziehungsgedankens unterteilten Herrmann und Bondy in die Punkte Arbeit, Unterricht, Seelsorge, Disziplin und Strafe, Selbstverwaltung, Überwindung erziehungsfeindlicher Einflüsse und Sorge für die Zukunft.

Die Arbeit

Was die Arbeit betrifft war Herrmann und Bondy wichtig, dass durch die Arbeit der Erziehungszweck der (Haft)Strafe gefördert wird. Herrmann behandelt dazu zwei Fragen getrennt: einmal die Erziehung zur Arbeit und die Erziehung durch Arbeit. Erziehung zur Arbeit war nicht schwer, da die Arbeitsleistung der Gruppe bereits recht gut war und sich auch nicht verschlechtert hatte als zusätzlich der 2-stündige Unterricht pro Tag eingeführt wurde. Ein weiterer Aspekt warum es nicht schwer war die jugendlichen Gefangenen zu Arbeitsfleiß zu erziehen, war die Tatsache, dass die meisten Arbeiten in Hahnöfersand Pensumarbeiten waren, das heißt wenn die Jugendlichen ihr zuvor festgelegtes Pensum erfüllt hatten, hatten sie den Rest des Tages frei (Herrmann und Bondy haben teilweise mitgearbeitet um ein realistisches Pensum festzulegen).

Soll die Arbeit aber ein Erziehungsmittel sein, muss der jugendliche Straftäter nach Herrmann zunächst „zur Freude an der Arbeit und zur Erkenntnis einer „sozialen Arbeitspflicht“ erzogen werden.“[8] Diese Aufgabe stellte sich als schwieriger heraus, denn die Arbeit galt bei den Jugendlichen niemals als Selbstzweck oder gar Lebensinhalt, sondern eher als notwendiges Übel mit dem man leben musste. Die Gefangenen bemängelten nach Herrmann, dass die Fertigstellung und das Gelingen ihrer Arbeit keinen Stolz auf das eigene Können in ihnen hervorrief (Bsp.: sie bauten einen Deich, der von nächsten Sturmflut wieder weggespült wurde). Noch schwerer war es den Jugendlichen beizubringen, dass einen gewisse soziale Arbeitspflicht besteht. Das hängt nach Herrmann unter anderem damit zusammen, dass die Jugendlichen gelernt haben auch ohne ehrliche Arbeit leben zu können.

Der Unterricht

Der Unterricht den Herrmann und Bondy für die neun Monaten eingeführt hatten hatte als Aufgaben die Kenntnisvermittlung, die Gewöhnung an geistiges Arbeiten und die ethische Beeinflussung.

Die Kenntnisvermittlung und die Gewöhnung an geistiges Arbeiten galten eher als Form, beziehungsweise Vorbereitung auf das nach Herrmann eigentlich Inhaltgebende und Wesentliche: die ethische Beeinflussung.

Herrmann und Bondy unterrichteten zusammen mit ihren Wachtmeistern verschiedene Fächer wie Singen, Deutsch, Sport usw.

Die Jugendlichen waren erst sehr erfreut über den Unterricht, aber er wurde schnell zu einer Selbstverständlichkeit und verlor den Reiz des Neuen. Trotzdem waren die Jugendlichen glücklich darüber:

Jugendlicher Nr.1, 18 Jahre, Schlosser von Beruf, verurteilt zu 16 Monaten Haft wegen schwerem Diebstahl, 1 Vorstrafe:

„ Wie kann man sagen: Spiel und Sport in einen Gefängnis und doch ist es so. wir Gefangene haben mit Freude die Einführung von allerlei Spiel und Sport begrüßt…“ [9]

Die Seelsorge

Herrmann betont ausdrücklich, dass es sich hierbei nicht um die kirchliche Seelsorge handelt. Der Begriff Seelsorge umfasst hier alles was mit der Beeinflussung des Gefühlslebens zusammenhängt. Ein Mittel zur seelischen Beeinflussung war für Herrmann und Bondy die Freizeit erzieherisch sinnvoll auszugestalten, denn die Jugendlichen sollten sich nicht daran gewöhnen, ihre Freizeit mit sinnlosen Nichtstun zu verbringen. Diese Freizeitmaßnahmen waren unter anderem: Feste, Unterhaltungs- und Lesestunden, Musikstunden, Vorleseabende.

Eine weiter Möglichkeit zur seelischen Beeinflussung der Jugendlichen waren die Einzelgespräche und Aussprachestunden. In den Einzelgesprächen hatten die Jugendlichen die Möglichkeit über alles zu reden was ihnen Sorge bereitete und in den Aussprache­stunden war dies dann vor der ganzen Gruppe möglich und gleichzeitig ein gutes Training von bestimmten Geprächsführungsregeln (den anderen ausreden lasse, melden wenn man sagen möchte etc.).

Disziplin und Strafe

Ziel der Erziehung zur Disziplin bei Herrmann und Bondy war die Selbstdisziplinierung der Jugendlichen. Sie sollten verstehen warum sie etwas auf diese bestimmte Art und Weise machen sollten und nicht einfach nur mechanisch auf Kommandos reagieren.

Ein einfaches Beispiel für die Selbstdisziplinierung war nach Herrmann, dass dadurch, dass sie zu den Jugendlichen freundlich waren („danke“ „bitte“), nach und nach die Atmosphäre in der ganzen Gruppe angenehmer und freundlicher wurde.

Ermahnungen erfolgten auf verständliche Art und Weise und nicht als abstrakte Moralpredikten. Dadurch wurden sie von den Jugendlichen wahrgenommen, verstanden und beachtet. Zudem wurde ihnen immer wieder klar gemacht, dass alle Anordnungen in ihrem Interesse gegeben werden. Zusammenfassend waren Herrmann und Bondy mit der Disziplin der Jugendlichen zufrieden. Strafe galt bei richtiger Anwendung als wichtiger Erziehungsfaktor. Die Bedeutung der Strafe lag bei Herrmann und Bondy in der Beugung unter einem höheren Willen, der abschreckenden Wirkung und der Differenzierungsmöglichkeit. Die Strafe gibt nach Herrmann, wenn sie überlegt und nach individueller Abstufung angewandt wird, viele erzieherische Möglichkeiten (bei Herrmann und Bondy: schlechte Noten, Singverbot, Badeverbot, Entziehung von Vergünstigungen, Isolierung, Arrest…). Es kam vor, dass auf manche Vergehen keine Strafen folgten, sondern mit dem Jugendlichen gesprochen wurde und das dieses Gespräch eine stärkere Wirkung auf ihn hatte als eine äußerlich harte Strafe.

Selbstverwaltung

Selbstverwaltung ist in diesem Fall nicht ganz als solche zu verstehen, da es sich hier um eine kleine Gruppe von 30 Jugendlichen handelt, welche nach Herrmann keinen Einfluss auf die Verwaltung des Gefängnisses nehmen könnte. Vielmehr ging es Herrmann und Bondy darum ob die Jugendlichen überhaupt dazu fähig sind ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie versuchten die straffälligen Jugendlichen zur Mitarbeit und zu Verantwortungsbewusstsein zu erziehen. „Nur in diesem sehr viel engeren Sinn der aktiven Tätigkeit der Gefangenen am gemeinsamen Wohl ist der Begriff der Selbstverwaltung hier zu verstehen. “[10] Aus diesen Gründen wurde ein so genannter Innenring eingerichtet. Er war ein Zusammenschluss eines Teils der Gruppe, und hat zur Aufgabe den anderen als ein gutes Beispiel voranzugehen. So stellten sie eine Saalordnung auf, nach der sich jeder richten musste. Durch ihre eigene Mitarbeit sahen sich die Jugendlichen als Teil einer Gemeinschaft, die sich aus der Masse abhob. Es wurde danach gestrebt Mitglied im Innenring zu werden.

Überwindung erziehungsfeindlicher Einflüsse

Erziehungsfeindliche Einflüsse sind nach Herrmanns und Bondys Ansicht einerseits Belastungen der Vergangenheit und andererseits Einflüsse im Gefängnis. Die Belastungen der Vergangenheit wurden in drei Faktoren unterteilt: (1) schlechte häusliche Verhältnisse, (2) geringe Bedeutung der Schulzeit sowie (3) Erfolglosigkeit und Schäden der Fürsorgeerziehung. Zu den Einflüssen im Gefängnis zählen Herrmann und Bondy die Unterbringung, Essenmängel, Wechsel der Gefangenen, Schlechte Witterung, schlechtes Verhalten Einzelner, Zusammensein mit Erwachsenen und das Rauchen.

Über die häuslichen Verhältnisse erfuhren Herrmann und Bondy nur durch Gespräche oder freiwillig geschriebene Lebensläufe beziehungsweise Briefe (vgl. S.4).

So zeigte sich, dass viele Jugendliche alkoholabhängige Eltern hatten oder auch durch die Eltern zum Verbrechen angeleitet beziehungsweise gezwungen wurden, wie folgender Ausschnitt aus einem Brief zeigt.

Jugendlicher Nr.14, 16 Jahre, Walker von Beruf, verurteilt zu 36 Monaten Haft wegen Diebstahl, 2 Vorstrafen:

„…ich war zwölf Jahre alt da worde ich von meinen Eltern zum Stehlen und Reubern angehalten…und wenn ich auf meinem Raubzug nichtzt ergattert hatte dan worde ich so Misshandelt…“ [11]

Nach Herrmann fehlt Jugendlichen mit solch einer Vergangenheit jegliches Heimatgefühl, Rückhalt und somit auch Hemmungen gegen manche Versuchung. Daraus entsteht ein wichtiger Aspekt, der die Erziehungsarbeit im Gefängnis erschwert: der Jugendliche hat anfangs kein Vertrauen, lässt sich nicht helfen, hat wenig Achtung vor seinen Mitmenschen. Diese Schwierigkeit ließ sich bei manchen Jugendlichen in Hahnöfersand nur langsam beseitigen.

Die geringe Wirkung der Schulzeit, als Schwierigkeit der Erziehung im Strafvollzug, heißt für Herrmann und Bondy der Mangel an Denkfähigkeit und das Unvermögen zu geistiger Arbeit. Ihrer Meinung nach hat die Schule zusätzlich insofern versagt, dass sie den Jugendlichen keine Vorbilder geben konnte.

Die Unterbringung im Gefängnis spielt nach Herrmann und Bondy insofern eine Rolle als das die unbeaufsichtigte Nachtruhe im Schlafsaal problematisch werden kann. Herrmann spricht hier von zweierlei Gefahren. Einerseits das Leben im „Verbrechermilieu“[12], das heißt, dass nachts in den Gemeinschaftsschlafräumen die „schlimmen und gerissenen Elemente“[13] den Ton angeben und die ruhigeren Jugendlichen darunter leiden und sich den negativen Einflüssen nicht entziehen können. Die andere Gefahr, von der Herrmann spricht, ist die Sexualität. Im Gefängnis sind den Jugendlichen die Gelegenheiten heterosexueller Betätigung genommen und infolgedessen „verfallen sie sehr leicht der Onanie oder kommen zur erotischen Hinneigung zum eigenen Geschlecht und zu homosexuellem Verkehr.“[14] Das zeigte sich auch in Briefen und Berichten der Jugendlichen.

Herrmann und Bondy sind der Meinung, dass durch diese beiden Problemfelder die tagsüber mühsam aufgebauten Erfolge in der Nacht wieder zerstört werden. Für die Erziehungsarbeit ist somit die Ausschaltung dieser Faktoren besonders wichtig. Sie haben erfolgreich versucht, die Jugendlichen zu beeinflussen und abzulenken (Bücher mit zur Nachtruhe, leises Singen, Musik im Nebenzimmer des Schlafsaals).

Zum Einfluss des Essensmangels auf die Erziehung im Strafvollzug sagen Herrmann und Bondy, dass die Tagesstimmung der Gefangenen oft vom Essen abhing, da die Mahlzeit die einzige materielle Freude war die die Jugendlichen hatten. Da es vorkam, dass die Mahlzeiten spärlicher ausfielen (schlechte Wirtschaftslage) kam es demnach häufiger vor, dass die Jugendlichen nicht konzentriert am Unterricht teilnahmen beziehungsweise mürrisch und unzugänglich wurden.

Durch den ständigen Wechsel der Gefangenen herrschte eine große Unruhe im Gruppenleben und das wirkte sich nach Herrmann negativ auf die Erziehungsarbeit aus. Die Gefangenen, die Wärter und die Neuankömmlinge mussten sich jedesmal erst aneinander gewöhnen und den anderen kennenlernen, um richtig miteinander umgehen zu können. Herrmann und Bondy zogen einige Gefangene als sogenannte Schützer oder Helfer heran. Ihre Aufgabe bestand darin, die Neuankömmlinge mit dem Leben in der besonderen Jugendlichengruppe vertraut zu machen. Oft war der Einfluss der Helfer allerdings nicht sehr groß, da diese selbst noch nicht so weit waren um richtige Vorbilder zu sein. Ein weiterer Versuch die Gruppe harmonischer werden zu lassen war der sogenannte Eingangssaal, in welchen die Neuankömmlinge in einer extra Gruppe mit strengeren Bestimmungen wohnten.

Selbstverständlich spielte auch ungünstige Witterung eine große Rolle in der Erziehungsarbeit, da sich der Großteil des Tages im Freien bei der Arbeit abspielte und die Jugendlichen somit dem Wetter schutzlos ausgeleifert waren. Von schlechtem Wetter ließen sich die Gefangenen nach Herrmann schnell niederdrücken, sie wurden reizbar und empfanden ihr Leben als trostlos und schwer.

Schon damals sah der Strafvollzug vor, Jugendliche getrennt von Erwachsenen unterzubringen. Auf Hahnöfersand war dies nicht immer möglich. Der Einfluss der Erwachsenen auf die Jugendlichen war insofern schädlich, als das die Erwachsenen die Strafvollzugsart der Jugendlichengruppe aus Neid schlecht machten und einige der Jugendlichen diese Ansichten übernahmen. Ein weiterer negativer und nach Herrmann sehr wichtiger Aspekt war die Versorgung der Jugendlichen mit Tabak durch die Erwachsenen. Den Jugendlichen war der Genuss von Tabak in jeglicher Form verboten. Herrmann und Bondy versuchten mit allen Mittel (Gespräche, Aufklärung, Kunsthonig als alternatives „Reizmittel“, Strafe) den Jugendlichen das Rauchen abzugewöhnen. Allmählich ließ das Rauchen in der Gruppe nach (nach 4 Monaten 1/3 der Gruppe (10 Jgdl.) Nichtraucher) und die Jugendlichen waren stolz auf ihre Erfolge.

Sorge für die Zukunft

Nach Herrmann sollte sich der Strafvollzug, der seine Bedeutung nicht nur in der abschreckenden Strafe sondern auch in der Besserung des Rechtsbrechers in Hinsicht auf sein Leben in der Gesellschaft sieht, nicht darauf beschränken seine Aufmerksamkeit nur dem Leben des Häftlings während der Zeit im Gefängnis zu widmen. Wichtig ist auch, sich um die Gestaltung der Zukunft der Jugendlichen zu kümmern. Das ist nach Herrmann schon an den hohen Rückfallzahlen zu erkennen, die bescheinigen, dass die Zeit unmittelbar nach der Haft die kritischste für den Entlassenen darstellt. Der streng geregelte Gefängnisalltag bringt dem Jugendlichen einerseits zwar wichtige Tugenden wie Pünktlichkeit, Ordnung und Pflichtbewusstsein bei, aber andererseits lässt sie den Menschen sehr unselbstständig werden, was in der Freiheit ein großes Hindernis darstellen kann.

Die Erziehung im Gefängnis muss demnach „ständig das Leben in der Freiheit im Auge haben und muß nach Mitteln suchen, die es verhindern, daß das Erziehungswerk mit dem Augenblick der Entlassung abgebrochen und womöglich zunichte gemacht wird.“[15]

Für Herrmann und Bondy ergab sich daraus die Forderung, dass die Erziehungsarbeit an den Jugendlichen nicht mit dem Ende der Haft aufhören darf, sondern dass man mit den Jugendlichen in Verbindung bleibt (Briefe, Gespräche, Besuche) und ihnen bei ihrem Wiedereintritt in die Gesellschaft helfend zur Seite steht.

Des Weiteren versuchten Herrmann und Bondy die Verbindung zwischen dem Jugendlichen und seinen Angehörigen wieder herzustellen, (durch Briefe, Hausbesuche, Gespräche) um ihnen nach der Entlassung einen gewissen Rückhalt zu geben. Dies gelang in den meisten Fällen und oftmals reichte schon ein kurzes Wort über das gute Verhalten des Jugendlichen im Gefängnis. Gute Führung war die Vorrausetzung, dass dem Jugendlichen in dieser Hinsicht überhaupt geholfen wurde. Durch diese Versuche wurde auch das Verhältnis zwischen den Jugendlichen und Herrmann und Bondy verbessert, da eine gewisse Dankbarkeit für die Wiedervereinigung der Familie vorhanden war.

Der Tag der Entlassung galt durch den plötzlichen Wechsel von völliger Abschottung zu völliger Freiheit als ein sehr kritischer Punkt. Herrmann und Bondy versuchten der Tatsache entgegenzuwirken, dass die Jugendlichen gleich nach ihrer Entlassung die langen Entbehrung verschiedener Lebensgenüsse (Kino, Bordell, Kneipe) befriedigen, indem sie dafür sorgten, dass der Jugendliche vom Gefängnis abgeholt wird (von Familienangehörigen, ehemaligen Gefangene der Gruppe die ihr Leben jetzt im Griff haben, Herrmann und Bondy selbst oder deren Freunde). Wenn eine Abholung nicht möglich war dann gaben sie dem Jugendlichen einen Brief als „Merkzettel“ beziehungsweise Erinnerung mit um ihn in den ersten Momenten der Freiheit von „Unüberlegtheiten und Dummheiten zurückhalten zu können“[16].

Der Aspekt der Arbeitsbeschaffung für die Jugendlichen nach der Entlassung hat sich als eines der wichtigsten Probleme herausgestellt. Dabei sollten die Jugendlichen selbst Initiative ergreifen anstatt dass ihnen einfach etwas vorgesetzt wird. Dabei wurden sie natürlich unterstützt. Die Notwendigkeit einer sofortigen Anstellung nach der Entlassung ergibt sich schon daraus, dass der Lebensunterhalt vom Jugendlichen selbst gesichert werden muss. Sie müssen nach Herrmann lernen, dass sie sich ein ordentliches Leben nur durch ehrliche Arbeit und Pflichterfüllung gewährleisten können. Diesen Aspekt behandelte schon die Erziehung durch die Arbeit im Gefängnis.

Dieser Notwendigkeit stellten sich aber immer wieder Schwierigkeiten entgegen. So zum Beispiel die Gesellschaft, die in den Jugendlichen nur den ehemaligen Gefangenen, „ein minderwertiges Wesen“[17] sieht. Es gab nur wenige Arbeitgeber, die sich über diese Ansichten hinwegsetzten.

Meistens wurde der Jugendliche gar nicht erst eingestellt beziehungsweise nach der Einstellung von seinen Arbeitskollegen diskriminiert. Ein weiteres Problem war die damalige Wirtschaftslage, die dadurch bedingte Arbeitsnot und hohe Arbeitslosenzahl.

Der Einfluss der wirtschaftlichen Lage in den ersten Wochen nach der Entlassung auf die weitere Entwicklung des Jugendlichen, wird von Herrmann als sehr hoch angesehen, denn dadurch kann schnell wieder das zerstört werden, was im Gefängnis mit viel Mühe aufgebaut wurde.

Um den Kontakt zu den entlassenen Jugendlichen beizubehalten haben Herrmann und Bondy, auf Anfrage eines ehemaligen Häftlings, in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Volksheim (öffentliche Begegnungsstätte) eine Gruppe gegründet, die sich wöchentlich einmal trifft. In dieser Gruppe waren auch immer eine Anzahl Menschen (Studenten, Angehörige der Jugendbewegung) die nicht in Hahnöfersand waren. Nach Herrmann schien das Zusammensein mit den „Nichthahnöfersandern“ für die ehemaligen Häftlinge das Wertvollste an diesen Abenden gewesen zu sein. Herrmann bezweifelte allerdings ob diese Gruppe wegen der verschiedenen Mitglieder überhaupt überlebensfähig ist. Es wurde dennoch ein „Innenring“, bestehend aus Mitgliedern der Volksheimgruppe, gegründet, der (wie schon in Hahnöfersand) das Rückgrat und der Kern der Gruppe sein sollte. Die Aufgaben des neuen Innenrings sollten die eigene Fortbildung und die Sorge für die ehemaligen Mitinsassen sein.

Ergebnisse

Herrmann erhebt mit seiner Arbeit nicht den Anspruch die Probleme des Strafvollzugs erschöpfend behandelt zu haben. Es sollte ein Versuch sein, durch praktische Erziehungsarbeit im Gefängnis, der Lösung dieser Fragen näherzukommen. Er formulierte die Ergebnisse seines Versuches im Nachhinein als „Plan einer Reorganisation des Jugendgefängnisses Hahnöfersand, Strafanstalt IV der hamburgischen Strafanstalten“, und legte diesen am 19.Juni 1922 der Direktion der Hamburgischen Strafanstalten vor. Dieser Plan bestand aus drei Teilen: (1) Die Einführung des progressiven Strafvollzugs, (2) die Ausbildung der Beamten und (3) die Verbindung mit der Wissenschaft.

Hauptbestandteil dabei war die Einführung des progressiven Strafvollzugs, der vorsah, dass der Gefangene aus der „erzieherisch wertlosen Monotonie des alten Strafvollzugs zu einer stärkeren Aktivität gebracht wird, indem er in gewisser Beziehung die Möglichkeit hat, durch seine Führung sein Schicksal im Gefängnis selbst zu gestalten und zu verbessern“[18]. Der Gefangene sollte dabei die Möglichkeit haben, seinen Alltag im Gefängnis durch seine Führung beeinflussen zu können. Ein zweiter wichtiger Punkt im progressiven Strafvollzug war die allmähliche Heranführung des Gefangenen an das Leben in Freiheit. Den vollen Wert erhält der progressive Strafvollzug nach Herrmann aber erst durch seinen pädagogischen Bezug. Dieser sollte mit den schon genannten Mitteln wie Unterricht, Vorträge, Aussprachen etc. gewährleistet werden. Zur Durchführung des progressiven Strafvollzugs sollten die Gefangenen in verschiedene Abteilungen unterteilt werden: die Untergruppe (Neuzugänge), die Mittelgruppe, die Obergruppe, die Bedingt-Begnadigten, der Strafsaal und die Jugendlichenabteilung. Die Abteilungen sollten sich insofern unterscheiden, dass in jeder andere Bedingungen für den Gefangenen herrschen und es meist allein am Verhalten des Gefangenen liegt, in welcher der Abteilungen er sich befindet.

Die Ausbildung der Beamten sollte in einer extra dafür eingerichteten Gefängnisbeamtenschule stattfinden. Die Ausbildung der Aufseher sollte aus juristischen Kursen, psychologisch-pädagogischen Kursen und medizinisch-hygienischen Kursen bestehen. Desweiteren benötigt der Strafvollzug nach Herrmann auch akademische Beamte (Sozialbeamten).Diese sollen neben der universitären Ausbildung als Hilfsaufseher in Hahnöfersand arbeiten um dort praktische Erfahrungen zu sammeln. Diese Sozialbeamten wären dann auch für andere deutsche Länder verfügbar. Darin sah Herrmann eine Möglichkeit die Erfahrungen des Hahnöfersander Progressivsystems zu verbreiten.

Der dritte Punkt des Planes, Verbindung mit der Wissenschaft, beinhaltete die Forderung nach der wissenschaftlichen Arbeit der akademischen Beamten. Sie sollten sich mit einschlägiger Literatur beschäftigen beziehungsweise die eigenen praktischen Erfahrungen bearbeiten und auswerten.

Des Weiteren fand Herrmann wichtig, dass sich Hahnöfersand mit weiteren Universitäten beziehungsweise wissenschaftlichen Instituten/Einrichtungen in Verbindung setzt und mit diesen zusammenarbeitet.

Am 29.Juli 1922 wurde der progressive Strafvollzug in allen hamburgischen Strafanstalten eingeführt.

Aktuelle Diskussionen und Fazit

Das Bundesverfassungsgericht hat mit Urteil vom 31.05.2006 eine gesetzliche Grundlage für den Jugendstrafvollzug in Deutschland gefordert. Somit stehen die einzelnen Bundesländer vor der Aufgabe bis Ende des Jahres 2007 einen Gesetzesentwurf, der mit den Forderungen des Bundesverfassungsgerichtes übereinstimmt, vorzulegen.

Im Folgenden möchte ich kurz vier der ersten Entwürfe vorstellen.

Jürgen Banzer (CDU, Hessischer Justizminister) fordert in seinem Gesetzesentwurf:

- Geschlossener Vollzug = Regelvollzug
- Elektronische Fußfessel
- Intensive Erziehung und Therapie
- Ausbildung und Arbeit als zentrale Fördermaßnahmen (Ausbildung Vorrang vor bloßer Beschäftigung)
- Besuchszeit ausgeweitet (mindestens 4h/Monat)
- tagsüber Unterbringung in Wohngruppen – nachts Einzelunterbringung
- Verpflichtende Deutschkurse
- Intensive Wochenendbetreuung

Brigitte Zypries (SPD, Bundesjustizministerin) fordert:

- tagsüber Wohngruppen (max. 8 Gefangene) - nachts Einzelunterbringung
- Ausgestaltung des Vollzugs mit jugendspezifischen Inhalten (Bildung, berufl. Qualifikation)
- Ausweitung der Besuchszeit
- Schul- und Ausbildungsplätze für mindestens zwei Drittel der Haftplätze
- Eigene Schulabteilungen

Beate Merk (CSU, Bayerische Justizministerin) fordert:

- Zentrales Ziel: Schutz der Allgemeinheit
- Geschlossener Vollzug = Regelvollzug
- Ausbau der Sozialtherapie Jugendstrafvollzug
- Erhöhung der Sicherheit in den Jugendstrafvollzugsanstalten (mehr Überwachung)
- Aus- und Fortbildung im Vordergrund

Ulrich Goll (FDP, Justizminister Baden-Württemberg) fordert:

- Kriminalpräventive Aufgabe vorrangig
- es besteht ein Erziehungsauftrag
- Dreiteilung des Strafvollzugs (Jugendliche (14-18), Heranwachsende/junge Erwachsene (18-24), erwachsenen (ab 24)
- Integration/Eingliederung als Zielvorgabe
- Unterbringung in Wohngruppen (im geschl. Vollzug nachts einzeln)

Wenn man die Ideen von Herrmann und Bondy aus dem Jahr 1922 mit den Gesetzesentwürfen unserer aktuellen Politiker vergleicht, kann man feststellen, dass sehr viele Parallelen zu finden sind beziehungsweise Herrmann und Bondy schon vor über 80 Jahren Praktiken, Techniken und Konzepte ausprobiert und erfolgreich angewandt haben, die heute noch als Forderung in einem Gesetzesentwurf für den Jugendstrafvollzug genannt werden. So zum Beispiel der Aspekt, dass die Jugendlichen tagsüber gemeinschaftlich untergebracht sind, nachts aber eine Einzelzelle für jeden Gefangenen zur Verfügung steht.

Ein weiterer Punkt wäre die Bildung im Gefängnis. Herrmann und Bondy haben sich für den Unterricht im Gefängnis eingesetzt und heutzutage diskutiert man immer noch über eigene Schulabteilungen und über die Wichtigkeit eines Vollzugs mit jugendspezifischen Inhalten, wie Bildung/ oder berufliche Ausbildung.

Was mir persönlich bei einigen Gesetzesentwürfen fehlt, was aber bei Herrmann und Bondy eine wichtige Rolle spielt, ist die Sorge für die Zukunft der Gefangenen.

Heute heißt das Resozialisierung. Aber um jemanden zu resozialisieren braucht man meines Erachtens mehr als eine Schul- oder Berufsausbildung. Das sind zwar gute Grundlagen, aber was hat ein Gefangener davon, wenn er nach seiner Entlassung keinen Zufluchtsort hat – demnach sollte man sich vielleicht nicht nur um den Gefangenen selbst, sondern auch um eventuelle Aufrechterhaltung seiner sozialen Netzwerke bemühen.

Ich bin letztendlich erstaunt darüber, dass so viele Aspekte, die Herrmann und Bondy schon vor 86 Jahren am Strafvollzug allgemein und auch am Jugendstrafvollzug direkt bemängelten oder forderten immer noch heiß diskutiert werden und teilweise noch immer nicht realisiert wurden. Wahrscheinlich hat das Buch zur damaligen Zeit nicht viele Menschen angesprochen und die, meiner Meinung nach, guten Ansatzpunkte, die aus dem Aufenthalt in Hahnöfersand entstanden sind, sind einfach in Vergessenheit geraten oder vielleicht auch nur nicht beachtet worden. Schade eigentlich, denn vielleicht wären wir mit Hilfe solcher Ansätze heute schon weiter im Hinblick auf den Strafvollzug beziehungsweise Jugendstrafvollzug. Wir sind zwar auf einem guten Weg aber es gibt, denke ich, trotzdem weiterhin genug zu tun um straffällig gewordene Menschen wieder dazu zu befähigen in der Gesellschaft Fuß zu fassen und ein „vernünftiges“, geregeltes Leben zu führen.

Trotzdem denke ich, dass man die Versuche Herrmanns und Bondys durchaus als einen ersten Schritt in Richtung Erziehung im Jugendstrafvollzug werten kann, denn wenn die Ergebnisse populärer geworden wären, hätten sie, denke ich auch mehr Erfolge hinsichtlich des pädagogischen Aspektes im Jugendstrafvollzug verzeichnet.

Quellen:

- Herrmann, W., Das Hamburgische Jugendgefängnis Hahnöfersand. Ein Bericht über Erziehungsarbeit im Strafvollzug. W.Gente Wissenschaftlicher Verlag, Hamburg 1923
- http://www.bmj.bund.de
- http://www.bayern.de/Presse-Info/PM/2007MRat/070320-Ministerrat.html#0
- http://www.hr-online.de
- http://www.wikipedia.de

[...]


[1] Vgl. www.wikipedia.de

[2] Herrmann (1923), S.25

[3] ebd., S.28/29

[4] ebd., S.31

[5] http://idolinguo.org.uk/idger.htm

[6] Herrmann (1923), S.31ff

[7] ebd., S.34

[8] Herrmann (1923),S.38

[9] ebd., S.55

[10] Herrmann (1923), S.72

[11] Herrmann (1923), S. 84

[12] ebd., S. 88

[13] ebd., S. 89

[14] Herrmann (1923), S.90

[15] Herrmann (1923) S. 101

[16] Herrmann (1923) S.108

[17] ebd., S.111

[18] Herrmann (1923) S.119 ff

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Details

Titel
Erziehung im Jugendstrafvollzug - Hahnöfersand - Ein erster Versuch
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V111413
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Jugendstrafvollzug, Hahnöfersand, Versuch
Arbeit zitieren
Ronny Klaas (Autor), 2007, Erziehung im Jugendstrafvollzug - Hahnöfersand - Ein erster Versuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111413

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