Die Faktoren der Satzgliedabfolge im Mittelfeld


Zwischenprüfungsarbeit, 2007
21 Seiten, Note: 1,5

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Topologie des deutschen Satzes

3. Das Mittelfeld
3.1. Die Abfolge der Satzgliedfolge im Mittelfeld
3.1.1. Markierte und unmarkierte Satzgliedfolge
3.1.2. Syntaktische Faktoren
3.1.2.1. Bedingungen der Abfolge von DO und IO
3.1.2.2. Die Abfolge der Adverbialen
3.1.3. Pragmatische und semantische Faktoren
3.1.3.1. Thema-Rhema-Bedingung
3.1.3.2. Gesetz der wachsenden Glieder
3.1.3.3. Die Definitheitsbedingung
3.1.3.4. Agens vor Nicht-Agens
3.1.3.5. Belebt vor unbelebt
3.1.4. Die Informationsstruktur
3.1.4.1. Welche Informationsstrukturelle Dimension löst Voranstellung im Mittelfeld aus: Bekanntheit oder Worüber-sein?

4. Schlussfolgerung

5. Bibliographie

1. Einleitung

Diese Semesterarbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der Mittelfeldbesetzung. Positionen von Satzgliedern werden durch die syntaktischen Regeln bestimmt. Darüber hinaus spielen semantische und pragmatische Eigenschaften eine große Rolle. Trotzdem steht diese Flexibilität der Abfolge im Mittelfeld oft im Mittelpunkt sprachwissenschaftlicher Untersuchungen und Analysen. Aus diesem Grund befasst sich auch die vorliegende Arbeit mit der Erklärung der Wortstellung im Mittelfeld, wobei die folgenden Fragen im Vordergrund stehen: Welche Faktoren einen Einfluss darauf haben und wie viele Möglichkeiten es von der Mittelfeldbesetzung gibt. Insbesondere sollte die Frage gestellt werden, welche Elemente, die das Mittelfeld besetzen können und welche Abfolge dabei berücksichtigt werden sollen.

Um die Faktoren der Mittelfeldbesetzung im Deutschen besser herausarbeiten zu können, muss man zumindest einen kurzen Überblick über die Thematik des deutschen Satzbaus verschaffen. Deshalb möchte ich zunächst das Stellungsfeldermodell vorstellen, sowie die Feldereinteilung, die vom jeweiligen Verbstellungstyp abhängt. Nachdem das topologische Modell und die typischen Stellungsfelder erläutert werden, wird sich die Arbeit lediglich mit dem zweiten topologischen Feld des Satzes „Das Mittelfeld“ auseinandersetzen, das als das Hauptinteresse dieser Arbeit gelten soll.

Das Ziel ist es, einen Überblick über die verschiedenen Reihenfolge der Konstituenten im Mittelfeld zu liefern und die pragmatischen Funktionen der in der Mitte herausgestellten Einheiten zu untersuchen, die allerdings mit der Verhandelbarkeit des Redners im mittleren Rand des Satzes in einer engen Beziehung stehen. Dabei muss auch berücksichtigt werden, was den Schreiber bzw. den Sprecher dazu bewegt, bestimmte Satzglieder ins Mittelfeld zu verschieben und wovon solche Stellungen abhängig sind.

2. Topologie des deutschen Satzes

Gegenstand dieses Kapitels ist die Topologie des deutschen Satzes. In diesem Teil der Arbeit möchte ich das topologische Modell zusammenstellen, das einen Schwerpunkt auf die Untersuchung des Mittelfeldes legt.

Im Deutschen werden Sätze je nach Position des finiten Verbs in verschiedenen Satztypen unterschieden, wobei man vom finiten Verb als feste Position ausgeht. Das Finitum kann deskriptiv beschrieben werden und verschiedene Postionen einnehmen: Es kann an erster, zweiter oder letzter Position im Satz stehen. Die Satztypen werden im Folgenden dargestellt:

- Stirnsatz oder Verberstsatz;

z.B. Hat das kleine Kind den Film gesehen?

- Verbzweit- oder Kernsatz;

z.B. Das kleine Kind hat den Film gesehen.

- Verbletzt oder Spannsatz;

z.B. [Keiner weiß], ob das kleine Kind den Film gesehen hat.

(vgl.Eisenberg 2006: 395)

Nach der Stellung des finiten Verbs unterteilen die Sätze des Deutschen in topologische Felder, wobei die erste und zweite Position des Verbs die linke Satzklammer (LSK) bilden. Die satzfinale Position bildet die rechte Satzklammer (RSK), die bei den Verberst- und Verbzweit-Sätze aber auch durch den Verbalkomplex besetzt werden kann. Das Mittelfeld, worauf im nächsten Kapitel genauer eingegangen wird, befindet sich zwischen den beiden Teile der verbalen Klammer, wie in der Tabelle 1 zu sehen ist, stehen Vor- und Nachfeld jeweils außerhalb der linken und rechten Satzklammer.

- Vorfeld [ linke Satzklammer ] Mittelfeld [ rechte Satzklammer ] Nachfeld

In den Satzklammern befinden sich vor allem die verbalen Teile des Satzes. Die linke Satzklammer wird entweder von einer Konjunktion oder von einem finiten Verb besetzt. Die anderen Satzglieder (Subjekt, Objekte, adverbiale Bestimmungen) stehen normalerweise im Mittelfeld, wobei in Verbzweit-Sätzen eine Konstituente ins Vorfeld gestellt wird. Im Nachfeld stehen vor allem Nebensätze.

Nicht in jedem Satz sind alle Felder besetzt, auch haben nicht alle Sätze eine Satzklammer. In der Tabelle 1. wird es noch genauer gezeigt.

Dass tatsächlich der gesamte Bereich zwischen Einleitewort und Verbalkomplex des Spannsatzes zum Mittelfeld gehört und insbesondere nicht die Erstposition wie eine Vorfeldposition auszeichnet, wird im Folgenden in der Tabelle gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

| | | |nicht sicher sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1. Das topologische Modell (Steinbach)

Im vorangehenden Kapitel habe ich das Topologische Modell erläutert, das bei der Wortstellung im deutschen Satz eine große Rolle spielt. Im Folgenden werde ich auf das Mittelfeld, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt. Deshalb wird nicht genauer von Vor und Nachfeld die Rede sein.

3. Das Mittelfeld

Da sich die vorliegende Arbeit mit den Grundprinzipien der Abfolge im Mittelfeld beschäftigt, wird im folgenden Kapitel näher darauf eingegangen.

Das Mittelfeld befindet sich im Satz zwischen den linken und rechten Satzklammern, wo theoretisch eine unendliche Zahl von Satzgliedern stehen kann. Wenn der Satz kein Vorfeld hat, dann stehen im Mittelfeld in der Regel alle nominalen, präpositionalen Satzglieder und alle Nominal- und Präpositional-Phrasen. (vgl. Dürscheid 2007: 101)

3.1. Die Abfolge der Satzglieder im Mittelfeld

Im Folgenden geht es um die Frage, in welcher Abfolge die Satzglieder im Mittelfeld angeordnet sind. In der Arbeit von Dürscheid (2007), Syntax – Grundlagen und Theorien, werden die wichtigsten Abfolgeregularitäten der Mittelfeldbesetzung kurz zusammengefasst. Es wird dabei von Sätzen mit Verberst- und Verbendstruktur ausgegangen, da nur in diesen alle Satzglieder im Mittelfeld stehen können. Verbzweisätze bleiben unberücksichtigt.

Im Mittelfeld

- ist die unmarkierte Abfolge nominaler Satzglieder > SU vor IO vor DO<,
- ist die Abfolge pronominaler Satzglieder > SU vor DO vor IO<,
- steht ein Genitivobjekt in Sätzen mit Verbendstellung unmittelbar präverbal,
- steht ein PO in Sätzen mit Verbendstellung unmittelbar präverbal,
- steht ein obligatorisches Adverbial in Sätzen mit Verbendstellung unmittelbar präverbal.

Im Mittelfeld besteht die Tendenz zu

- Thema vor Rhema,
- definiter NP vor indefiniter NP,
- kurzem vor langem Satzglied,
- Agens vor Nicht-Agens. (vgl. Dürscheid 2007: 104)

Im Folgenden werden die oben genannten Abfolgeregularitäten der Mittelfeldbesetzung näher betrachtet.

3.1.1. Markierte und unmarkierte Abfolge

Wenn eine bestimmte Abfolge der Satzglieder von allen anderen ausgezeichnet werden soll, spricht man von der unmarkierten Abfolge oder von normaler Wortstellung. Eine Wortstellung ist normal, wenn ihre Akzeptabilität keine ungewöhnlichen Voraussetzungen an den Kontext stellt. Lenerz(1977) vertritt für das Deutsche die Ansicht, dass nicht alle möglichen Abfolgen gleichwertig sind, sondern dass es markierte und unmarkierte Abfolgen gibt. Die markierten Abfolgen unterliegen bestimmten Bedingungen, denen die unmarkierten Abfolgen nicht unterliegen:

„Wenn zwei Satzglieder A und B sowohl in der Abfolge AB wie in der Abfolge BA auftreten können, und wenn BA unter bestimmten, testbaren Bedingungen auftreten kann, denen AB nicht unterliegt, dann ist AB die unmarkierte Abfolge und BA die markierte Abfolge.“ (Lenerz 1977: 27)

Bsp. 2. a. Ich habe doch gestern auf euch gewartet.

Objekt Verb-Inf.

b. Ich habe doch gestern gewartet auf euch.

Verb-Inf. Objekt

Zu diesen „ testbaren Bedingungen“ gehören die Thema- Rhema- Bedingung und die Definitheitsbedingung, auf die ich in den nächsten Kapiteln eingehen werde.

3.1.2. Syntaktische Faktoren

3.1.2.1. Bedingungen der Abfolge von DO und IO

Da im Mittelfeld ziemlich viele verschiedene Serialisierungsformen vorkommen, möchte ich in diesem Kapitel kurz die Variabilitäten in Betracht ziehen, die von den syntaktischen Faktoren abhängig sind. Eine von den syntaktischen Regeln für die Abfolge in diesem topologischen Feld ist, dass das indirekte Objekt (IO) vor dem direkten Objekt (DO) steht. (Diese Regel gilt für die Abfolge der nominalen Satzglieder). Aber in seinem Buch erklärt Lenerz die Umstellung zu DO IO laut Behaghel (1932) folgendermaßen;

a) „Ausnahmen haben zum Teil ihren besonderen Grund: etwa darin, dass ein Akkusativ eine mittelbare oder unmittelbare Aufnahme von etwas vorhergehendem enthält, daher an die Spitze tritt.
b) (…) oder der Akkusativ steht vor, weil auf dem Dativ ein besonderer Ton ruht (…)
c) (…) oder der Akkusativ steht vor, weil er affektisch betont ist (…)
d) Oder die Vorstellung des Akkusativs dient dem Gegensatz (…)
e) Oder es wirkt das Gesetz der wachsenden Glieder (…)“ (Lenerz 1977: 40)

Andererseits meint Erben (1972) dazu, dass zwischen Wortfolge und Intonation Zusammenhänge bestehen und dass bei den mehrgliedrigen Sätzen das sinnwichtigste Wort mit dem höchsten Mitteilungswert ans Ende des Satzes in die „Eindrucksstelle“ gerückt wird. Dieser syntaktische Faktor scheint also weniger wichtig als andere zu sein, als nicht rein syntaktisch sind.

Bsp. 3. a. Ich gebe meinem Freund das GELD. (nichts anderes)

b. Ich gebe das Geld meinem FREUND. (keinem sonst) (vgl. Erben 1972: 274)

Die Abfolge des IO und DO ist also abhängig von bestimmten Bedingungen und anderen Faktoren. Vor allem kann ich die „Thema- Rhema- Bedingung“ und die „Definitheitsbedingung“ nennen, die im Folgenden unter pragmatischen und semantischen Faktoren erläutert werden. Beide Bedingungen betreffen die Abfolge DO IO, die dadurch als markierte Abfolge bestimmt werden. Zwei weitere Bedingungen erscheinen für sich betrachtet nur als stilistische Tendenzen, z.B. Gesetz der wachsenden Glieder und die Satzklammerbedingung. Diese beiden Bedingungen lassen sich nicht zur Festlegung der unmarkierten Abfolge heranziehen, da sie sich ganz allgemein auf die Gewichtsverteilung mehrerer aufeinanderfolgender Satzglieder beziehen.

3.1.2.2. Die Abfolge der Adverbialen

Die adverbialen Bestimmungen zahlen sich auch zu den Abfolgeregularitäten. Lenerz (1977) beobachtet dies in seiner grundlegenden Untersuchung zur Serialisierung im Mittelfeld und greift einen, allerdings häufigen Fall heraus. Mit diesem Fall beschäftigt sich Bartsch (1972), was allerdings keiner expliziten Behandlung unterzogen wurde: Die Nebenordnung eines temporalen Adverbiales (TEMP) und eines lokalen Adverbiales (LOC). Diese beiden Adverbialen stehen im Deutschen normalerweise nach der Regel „Zeit vor Ort“.

Bsp. 4. Wir haben am letzten Freitag in Berlin zu Abend gegessen.

Lenerz (1977) ist der Meinung, dass eine Umstellung unter den bereits in letzten Abschnitt genannten Bedingungen möglich ist. Da die Abfolge der Adverbialen mit der Thema-Rhema-Bedingung im Zusammenhang steht, werden diese nach der Erklärung von Thema- Rhema nochmal aufgegriffen.

3.1.3. Pragmatische und semantische Faktoren

In den vorangehenden Kapiteln habe ich das topologische Modell des deutschen Satzes und die wichtigste syntaktische Grundprinzipien der Satzgliedabfolge im Mittelfeld erläutert. Im folgenden Kapitel möchte ich auf die pragmatischen und semantischen Prinzipien der Mittelfeldbesetzung eingehen, die bei der Grundfolge des Mittelfeldes eine äußerst wichtige Rolle übernehmen.

3.1.3.1. Thema- Rhema- Bedingung

In diesem Kapitel geht es um die Frage, in welcher Abfolge die Satzglieder im Mittelfeld nach der Thema- Rhema- Bedingung angeordnet sind. Um auch den Markiertheitsbegriff klarer stellen zu können, wird diese Bedingung benötigt. Diese befürwortet, dass die Abfolge B – A zweier NPs A und B gegenüber der Abfolge A – B dadurch eingeschränkt sein kann, dass in ihr (bei thematischem bzw. weniger rhematischem A) das B nicht Rhema sein darf. (vgl. Dürscheid 2007: 101) Es steht aber fest, dass das Thema das ist, worüber gesprochen wird, dagegen das Rhema das ist, was darüber gesagt wird ist. Diese werden durch einen Fragetest besser ermittelt.

Bsp.6. Was hat der Staatspräsident der Kanzlerin gegeben?

a. Der Staatspräsident hat der Kanzlerin (Thema/IO) die Ak te (Rhema/DO) gegeben.

b. Der Staatspräsident hat die Ak te (Rhema/DO) der Kanzlerin (Thema/IO) gegeben. (Markierte Satzgliedfolge)

Wenn die Sätze 6.b und 7.a verglichen werden soll, sieht man, dass sie nicht im gleichen grad markiert sind. Der Satz 6.b wirkt als „mehr markiert“, weil auch syntaktische Faktoren widersprochen werden.

Bsp.7. Wem hat der Staatspräsident die Akte gegeben?

a. Der Staatspräsident hat der Kanz lerin (Rhema/IO) die Akte (Thema/DO) gegeben.

b. Der Staatspräsident hat die Akte (Thema/DO) der Kanz lerin (Rhema/IO) gegeben.

Es ist mit einer näheren Betrachtung zu verstehen, dass der Satz (Bsp.6.a) die mögliche Antwort der Frage (Bsp.6) ist und deshalb normale Abfolge genannt wird. Der Satz (Bsp.6.b) dagegen gilt als markiert, ist aber eine mögliche Antwort der Frage (Bsp.7). Die Regel „Subjekt vor IO vor DO“ ist in den Sätzen (a) bei den beiden Fragekontexten möglich. Im Gegenteil zu den Sätzen (b), bei den besondere Bedingungen eine Rolle spielen, ist diese Abfolge möglich, nur wenn die Thema – Rhema Bedingung erfüllt ist, nämlich wenn die vorangehende NP das Thema ist und sie vor der NP steht, die das Rhema enthält. Im Bezug dieses Wesens stellt Lenerz (1977) vor, dass die unmarkierte Reihenfolge im Mittelfeld die ist, die akzeptabel ist, ohne dass man weitere semantische- pragmatische Regeln beansprucht, an die keine Zusatzbedingungen gebunden sind.

In den obenstehenden Beispielsätzen wurde die Fokussierung bzw. Betonung, die als Faktor zu Unterscheidung von der Markiertheit bei der Wortstellung gilt, durch fettgedruckte Buchstaben gekennzeichnet. Die Thema - Rhema - Bedingung nimmt Bezug auf den Zusammenhang zwischen Pragmatik und Satzgliedstellung. Dabei wird als Thema die alte, bereits bekannte Information, als Rhema die neu hinzukommende Information bezeichnet, die oft betont wird. Der Fokusbegriff wird auch mit den Eigenschaften des relevanten Kontexts verknüpft. Der mögliche Fokus in einem Satz mit einer bestimmten Betonung kann ebenfalls durch den Fragetest ermitteln werden, wobei er den relevanten Kontext ersetzt.

(vgl. Muckel 2002: 8)

Nachdem man die Thema-Rhema-Bedingung definiert und mit Beispielen erklärt wurde, ist es noch darauf hinzuweisen, in welcher Reihenfolge die Adverbiale und Objekte zueinander stehen.

Wie ich in dem vorangehenden Kapitel erwähnt habe, nimmt Lenerz (1977) die Thema-Rhema-Bedingung, die sehr entscheidend für Variabilität der Satzglieder im Mittelfeld ist, für die Abfolge der Adverbialen. Als Beispiel hat er die folgenden Sätze gegeben.

Bsp.8. Wann hast du in Berlin gearbeitet?

a. Ich habe im Frühjahr in Berlin gearbeitet.

>(Markiert aber nicht ungrammatisch, weil die syntaktischen Faktoren eingehalten sind.)

b. Ich habe in Berlin im Frühjahr gearbeitet.

Bsp. 9. Wo hast du im Frühjahr gearbeitet?

a. Ich habe im Frühjahr in Berlin gearbeitet.

b. * Ich habe in Berlin im Frühjahr gearbeitet. (Lenerz 1977: 80)

Wenn TEMP das Rhema ist, dann sind beide Abfolgen (TEMP LOC; LOC TEMP) möglich. Wenn LOC das Rhema ist, dann ist nur die Abfolge TEMP LOC möglich.

Die Abfolge LOC TEMP unterliegt also besonderen Bedingungen. LOC TEMP ist nur möglich, wenn LOC zum Thema zählt. Dabei gilt die Abfolge TEMP LOC als die unmarkierte Abfolge.

Bezüglich der Abfolge von Adverbialen und Objekten weist Lenerz (1977) darauf hin, dass TEMP IO unmarkierte Abfolge ist, weil in ihr sowohl TEMP wie IO das Rhema sein kann, nicht aber in IO TEMP, das bei rhematischem IO abweichend ist.

Bsp.10. Wann hast du meinem Bruder geschrieben?

a. Ich habe deinem Bruder gestern geschrieben.

b. Ich habe gestern deinem Bruder geschrieben.

Bsp.11. Wem hast du gestern geschrieben?

a. Ich habe gestern deinem Bruder geschrieben.

b. ? * Ich habe deinem Bruder gestern geschrieben.

Wie man sieht, hat die Satzgliedstellung immer ein Zusammenspiel von syntaktischen und Thema-Rhema-Bedingung.

In der Abfolge DO LOC kann sowohl DO wie LOC Rhema sein, nicht aber in der Abfolge LOC DO (wie Bsp. 12.b.) zeigt. Aus diesem Grund ist DO LOC als die unmarkierte Abfolge zu betrachten.

Bsp.12. Wo hast du dieses Buch gekauft?

a. Ich habe dieses Buch in Berlin gekauft.

b. *Ich habe in Berlin dieses Buch gekauft.

Bsp.13. Was hast du in Berlin gekauft?

a. Ich habe in Berlin dieses Buch gekauft.

b. Ich habe dieses Buch in Berlin gekauft.

Schließlich wird auch die Abfolge von propositionalen Objekt und Adverbialen untersucht. Lenerz(1977) weist darauf hin, dass die Stellung von LOC und PO als unmarkierte Abfolge anzusehen ist, da sie sowohl LOC wie PO das Rhema enthalten kann. In der markierten Abfolge PO LOC ist rhematisches PO nicht möglich, wie (14.b) zeigt.

Bsp.14. Auf wen hast du am Bahnhof gewartet?

a. Ich habe am Bahnhof auf meine Frau gewartet.
b. *Ich habe auf meine Frau am Bahnhof gewartet.

Bsp.15. Wo hast du auf deine Frau gewartet?

a. Ich habe am Bahnhof auf meine Frau gewartet.
b. Ich habe auf meine Frau am Bahnhof gewartet.

(Lenerz 1977: 86)

Bei näherer Betrachtung jedoch zeigt sich, dass die auf diese Weise im einzelnen nachgewiesenen unmarkierten Abfolgen transitiv zu verstehen sind, d.h. aus TEMP IO und IO DO folgt auch TEMP DO als unmarkierte Abfolge. Ebenso folgt IO LOC aus IO DO und LOC sowie IO PO aus IO DO und DO PO, und schließlich ergibt sich aus TEMP LOC und LOC PO auch TEMP PO als unmarkierte Abfolge. Es ist leicht nachzuweisen, wenn man von obligatorischen LOC absieht, die unten mit Beispielen dargestellt werden.

In diesem Zusammenhang muss zwischen fakultativen lokalen Adverbialen und obligatorischen lokalen (direkte und modale) Adverbialen differenziert werden. Während die LOC direkt an der strikten Subkategorisierung bestimmter Verben (wie wohnen in, reisen nach, sich aufhalten in, etwas bringen nach) beteiligt sind, lassen sich dagegen die fakultativen lokalen Adverbialen auf Temporalsätze zurückführen. Dabei muss man erkennen, ob diese Temporalsätze Subjekt oder Objekt bezogen sind.

Bsp.16. Ich habe deine Schwester in Berlin besucht.

a. Ich habe deine Schwester besucht, als ich in Berlin war.
b. Ich habe deine Schwester besucht, als sie in Berlin war.

Die Abfolge von DO und LOC nur bei subjektbezogenem LOC möglich umzustellen.

Bsp.17. Ich habe in Berlin deine Schwester besucht.

a. Ich habe, als ich in Berlin war, deine Schwester besucht.
b. *Ich habe, als sie in Berlin war, deine Schwester besucht.

An diese Stelle ist darauf hinzuweisen, dass DO LOC sowohl für fakultative und auch für obligatorische LOC die unmarkierte Abfolge dargestellt.

Bsp.18. a. Ich habe deine Frau in Berlin gesehen.
b. Ich habe deine Frau in Berlin gesehen.
c. *Ich habe in Berlin deine Frau gesehen.
d. Ich habe in Berlin deine Frau gesehen.

Bsp.19. a. Ich habe das Paket nach Berlin geschickt.

b. Ich habe das Paket nach Berlin geschickt.

c. *Ich habe nach Berlin das Paket geschickt.

d. Ich habe nach Berlin das Paket geschickt. (Lenerz 1977: 89)

Während „in Berlin“ in Bsp.18 fakultatives LOC ist, ist „nach Berlin“ in Bsp.19 obligatorisches LOC. Die Abfolge LOC DO ist also unmarkiert und nur mit rhematischem LOC ungrammatisch. Einerseits ist die Abfolge für obligatorische lokale Adverbiale TEMP IO DO LOC PO, andererseits muss für fakultative LOC neben der unmarkierten Abfolge DO LOC bei mehreren Satzgliedern dennoch TEMP LOC IO DO angenommen werden.

(vgl. Lenerz 1977: 89)

3.1.3.2 . Gesetz der wachsenden Glieder

Dieses Gesetz ist eins von einer Reihe von Regeln, die von Behaghel (1909) formuliert wurden und die genau wie die oben genannten Regeln die Satzgliederabfolge im Mittelfeld beeinflussen. Behaghel macht die Bedeutung der „Gewichtigkeit“ für die Abfolge von Satzgliedern mit einer Vielzahl von Beispielen deutlich und wird als „Gesetz der wachsenden Satzglieder“ festgehalten. Außerdem besagt es, dass das umfangreichere Satzglied nach dem wenigen umfangreicheren steht. (vgl. Behaghel 1909: 38,139)

Bsp.20. Wem hast du das Buch gewidmet?

a. Ich habe das Buch den vielen überaus hilfreichen Kollegen gewidmet, die durch ihre Kritik erst seine Entstehung ermöglicht haben.
b. Ich habe den vielen überaus hilfreichen Kollegen, die durch ihre Kritik erst seine Entstehung ermöglicht haben, das Buch gewidmet.
c. Ich habe das Buch den vielen überaus hilfreichen Kollegen, die durch ihre Kritik erst seine Entstehung ermöglicht haben, gewidmet.

So ergibt sich bei der Abfolge der Objekte ein Unterschied in den Sätzen, in denen das gewichtigere Satzglied dem anderen, weniger gewichtigen vorausgeht oder ihm folgt. Wie oben bereits angeführt wurde folgt im Beispiel 20.a. das gewichtigere und gleichzeitig rhematische IO dem weniger gewichtigen DO. Dabei mag der Beispielsatz 20.b. mit der umgekehrten Abfolge als stilistisch weniger gut angesehen werden und die Abfolge DO IO mit gewichtigem IO im Satz 20.c. erscheint abweichend im Vergleich zu Satz 20.a. Aber es ist trotzdem grammatisch, so dass Nebensatz Bezugswort folgt. (vgl. Lenerz 1977: 59)

3.1.3.3 . Definitheitsbedingung

Ein weiterer Faktor für die Bestimmung der Reihenfolge der Satzglieder im Mittelfeld ist die so genannte „Definitheitsbedingung“. Sie besagt, dass die definiten Konstituenten vor den indefiniten stehen. Da man für die bereits schon bekannte Information im Satz mit dem definiten Artikel und für die neue Information den indefiniten Artikel verwendet (nur wenn die neue Information nicht einmalige („unikale“) Entitäten betreffen, steht sie also in Verbindung mit der Thema - Rhema - Bedingung. Daneš (1970) zeigt ein Beispiel für die (fälschliche) Gleichsetzung von „Thema-Rhema“ mit „bestimmt- unbestimmt“.

Bsp.21. - Er bekam das Buch von einem Kollegen.

- Von wem bekam er das Buch ?

a. Er bekam das Buch von einem Kollegen. (Die Ergänzung „von einem Kollegen“ bildet das Rhema, und der Rest der Aussage stellt das Thema dar.)

- Die Frage lautet: Was bekam er von dem Kollegen? (In diesem Satz erweist sich der Ausdruck ein Buch als Rhema).

b. Er bekam von dem Kollegen ein Buch. (vgl. Daneš 1994: 73)

Man beachte, wie hier unter der Hand (und nicht einmal unbedingt bewusst) die Artikel bei IO und DO vertauscht werden.

In einem anderen Beispiel ist es festzustellen, dass diese Regel sich in bestimmten Fällen wiederspricht, weil z.B. der im Bsp.21 vorangeführte Satz akzeptabel erscheinen kann, obwohl das mit dem infiniten Artikel vorangestellt wird.

Bsp.22. Soweit ich weiß, hat das/ein Kind der Mutter das Buch geschenkt.

Es zeigt sich, dass das Subjekt sich im Gegenteil zu den Objekten über die informationsstrukturellen Regeln hinwegsetzen kann. In diesem Zusammenhang führt Lenerz (1977) den Begriff der „Agenshaftigkeit“ des Subjekts ein, d.h. dass Agens vor Nicht- Agens steht.

3.1.3.4 . Agens vor Nicht-Agens

Wie Lenerz (1977) und Zubin/Köpcke (1985) in ihren Arbeiten hingewiesen haben, ist es schon bekannt, dass man nicht von einer generell gültigen unmarkierten Position des Subjekts im Mittelfeld ausgehen kann. In bestimmten Fällen ist aber die Voranstellung des Subjekts als unmarkiert zu betrachten.

Bsp.23. Aber wir hatten das Gefühl, dass die Millionen, die den Film gesehen hatten, mit

ihrem Eintrittsgeld den wilden Tieren Afrikas helfen wollten.

Wie in IDS Grammatik (1997) hingewiesen wird, ist eine Umstellung von „Agens vor Nicht-Agens“ kaum möglich, während bei einer anderen Verwendung von „helfen“ gerade die Nachstellung des Subjekts als unmarkiert gilt.

Bsp.24. Wir hoffen, dass den wilden Tieren Afrikas die Millionen, die der Film einbrachte, helfen würden. (vgl. IDS Grammatik 1997: 1515)

Es würde normalerweise nicht reichen, die Voranstellung des Subjekts in Fällen wie Bsp.23 mit seiner Agentivität in Verbindung zu bringen und ein Stellungsprinzip „Agens vor Nicht-Agens“ zu formulieren. Damit ist beispielsweise weder Bsp.24 zu erklären noch die Tatsache, dass auch für die meisten nicht-agentivischen Subjekte Voranstellung die Regel ist.

Bsp.25. a. Wenn nur nicht noch die Afrikaner und Indonesier

das moderne Nationalbewusstsein und den Rassenhass lernen, (…)

b. Es wird sich aber kaum vermeiden lassen, dass die Auswahl den Standort des Betrachters verrät.

Der gesamte „Agens vor Nicht-Agens-Bereich„ müsste eigentlich weiter unter einzelnen Punkten untergliedert werden, deren Reihenfolgebeziehungen dann zu beschreiben wären. Diese werden in dieser Arbeit nicht behandelt, weil somit der Rahmen meines Themas gesprengt werden würde.

3.1.3.5 . Belebt vor Unbelebt

Eine der wichtigsten Bedingungen für die Satzgliedstellung im Mittelfeld ist die Belebtheit. Dieser Faktor beeinflusst die Abfolge der Satzglieder. Dies wird deutlich, wenn bei einem bestimmten Verb wie beispielsweise „entziehen“ die Belebtheit der Objekte variiert wird. In Bsp.26 ist zu sehen, dass „das DO vor IO gestellt wird, oder umgekehrt, je nachdem, welches davon eine belebte Entität bezeichnet“. (Musan 2002: 20)

Musan(2002) verdeutlicht dies mit den unteren Beispielen:

Bsp.26. a. (...), dass man die Kinder diesem Einfluss entzog.

b. ?(…), dass man diesem Einfluss die Kinder entzog.

c. ?(...), dass man den Führerschein dem Fahrer entzog.

d. (...), dass man dem Fahrer den Führerschein entzog. (Musan 2002: 20)

Im vorangehenden Kapitel habe ich die wichtigsten syntaktischen und semantisch-pragmatischen Aspekte bekannt gemacht und anschließend lässt sich feststellen, welche Faktoren noch im Mittelfeld Rolle spielen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Informationsstruktur eingehen.

3.1.4. Informationsstruktur

In Folgenden werde ich mich auf die informationsstrukturelle Ebene konzentrieren, mit der man die Wortstellungsvarianten erklären kann, die sich von oben genannten Regeln abweichen. Unter Informationsstruktur versteht man die Strukturierung von sprachlicher Information zum Zweck der Optimierung des Informationstransfers im Diskurs. Damit lassen sich auch die Sätze, die zwar grammatisch korrekt, aber dennoch „schlecht“ sind, beschreiben. Nach Musan (2002) bezieht sich die Informationsstruktur auf die Relation einer Äußerung zum situativen und textuellen Kontext. In der Forschung zur Informationsstruktur sind mehrere Faktoren bekannt, die die Wortstellung im Deutschen beeinflussen. In dem Teil dieser Arbeit werde ich nur die wichtigsten Faktoren in Bezug nehmen.

Bsp.27. Was hat die Dame am Tisch Sieben bestellt?

a. Ich glaube, dass den Rotwein die Dame an Tisch SIEben bestellt hat.
b. Ich glaube, dass die Dame an Tisch Sieben den ROTwein bestellt hat.

Wie Musan (2002) darauf hinweist, müssen die Antworten an den Kontext angebunden sein, um als „gut“ zu gelten. Mit Hilfe der Informationsstruktur lässt sich erklären, dass Sätze nicht nur eine bestimmte Information ausdrücken, sondern auch im konkreten Informationsfluss zwischen einem „Sprecher“ und einem „Hörer“ im weitern Sinne Informationen übermitteln. Die Informationen können dabei variieren, da sie vom Kontext abhängen. Wie die folgenden Beispiele zeigen, ändert sich aber eigentlich nichts an der Reihenfolge.

Bsp.28. - Was für einen Wein hat die Dame an Tisch Sieben bestellt?

a. Die Dame an Tisch Sieben hat einen Rotwein bestellt.

- Was hat die Dame an Tisch Sieben bestellt?

b. Die Dame an Tisch Sieben hat einen Rotwein bestellt.

- Wer hat den Rotwein bestellt?

c. Die Dame an Tisch Sieben hat einen Rotwein bestellt.

- Was ist passiert?

d. Die Dame an Tisch Sieben hat einen Rotwein bestellt.

Der Hauptakzent des Antwortsatzes tritt an verschiedenen Stellen auf, je nachdem, wie in der Antwort alte und neue Informationen verteilt sind. Dabei fällt auf, dass Nominalphrasen besser nicht vorne im Satz stehen, wenn sie etwas Neues bezeichnen.

Bsp.29. Was hat die Dame an Tisch Sieben bestellt?

a. Ich glaube, dass die Dame an Tisch Sieben den Rotwein bestellt hat. (gut)
b. Ich glaube, dass den Rotwein die Dame an Tisch Sieben bestellt hat. (schlecht)

(vgl. Musan 2002: 203)

3.1.4.1 . Welche Informationsstrukturelle Dimension löst Voranstellung im Mittelfeld aus: Bekanntheit oder Worüber-sein?

Um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, ob „Bekanntheit“ oder “Worübersein“ Voranstellung im Mittelfeld auslöst, konzipierte Musan (2002) einen Test, bei dem Studentinnen und Studenten Noten für Sätze vergeben sollten. Diese Sätze waren so geschrieben, dass einmal Nominalphrasen vorangestellt werden, die etwas bezeichnen, worüber gesprochen wird, bei einem anderen Typ wurden Nominalphrasen vorangestellt, die etwas Bekanntes beschrieben. Auffallend war, dass in beiden Fällen die Betonung mittelmäßig bis schlecht ausfiel und nur bei einem Beispielsatz ergab die Durchschnittsbenotung eine 1.

Bsp.30. Guck mal, wie der Vogel aussieht? Ich glaube, dass dem Vogel eine Katze die Feder ausgerissen hat.

Die bekannte Konstituente „dem Vogel“ steht vor der unbekannten Konstituente „eine Katze“. Man kann daher schlussfolgern, dass eine bekanntere Konstituente einer weniger bekannten Konstituente vorangestellt wird.

Eine andere Überlegung wäre, dass vorangestellte Elemente aus einer Domäne rechts im Satz herausgelöst werden, weil ihr Bekanntheitscharakter innerhalb einer Neuheitsdomäne stört. Diese These wird durch eine weitere Untersuchung gefestigt, die in der Arbeit von Musan(2002) dargestellt wird. In dieser Untersuchung sollten Probanden Sätze mit einer Linksherausstellung vergleichen, bei denen es keine Herausstellung gab. Die Ergebnisse zeigen klar, dass die die bekannten Elemente aus einer Neuheitsdomäne entfernt werden sollten, damit sie Sätze als „gut“ bewertet werden.

Es hat sich festgelegt, dass Voranstellung im Mittelfeld mit den semantisch-pragmatischen Faktoren zusammenhängt. Allerdings konnte dabei keine Verbindung zwischen dem was gesagt wird und dieser Voranstellung festgestellt werden. Und es zeigt sich auch, dass es zu einer Voranstellung von bekannten Elementen in einer Neuheitsdomäne kommen könnte.

4. Schlussfolgerung

Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, eine Reihe von Regeln aufzuführen und zu klären, ob und inwieweit sie die Satzgliederabfolge im Mittelfeld beeinflussen. Die Sätze wurden zuerst nach dem topologischen Modell in verschiedene Felder unterteil, die sich auf der spezifischen Verbstellung in der deutschen Sprache ergeben. Danach habe ich versucht die Faktoren zu formulieren, die bei der Mittelfeldbesetzung mitwirken. Es hat sich ergeben, dass die normale Abfolge auf der syntaktischen Ebene bei den nominalen Satzgliedern, „SU IO DO „ ist. Dagegen zeigte sich, dass die Abfolge der pronominalen Satzgliedern „SU DO IO“ ist, wobei man Phänomene festgestellt hat, die nur anhand weiterer Faktoren erklärt werden können. Zum Beispiel habe ich bei der semantischen Ebene versucht, die Einflüsse der Agentivität zu zeigen. Hier wurde deutlich, dass das Agens, das durch Konstituente im Nominativ realisiert wird, vorangestellt wird und diese Reihenfolge als unmarkiert gilt. Weil die Betonung jede Information, ob alt oder neu beleuchtet, spielt sie eine große Rolle bei der Akzeptabilität und der Markiertheit eines Satzes, wobei die Thema-Rhema-Bedingung und Definitheit berücksichtigt werden soll. Ich habe diese Faktoren teilweise voneinander unabhängig untersucht und dazu passende Beispiele gegeben.

Es stellte sich dabei heraus, dass alle obengenannten Faktoren miteinander in Relation stehen. Deshalb bin ich auf die Bedingung „die Abfolge der Adverbiale“ zunächst sehr kurz eingegangen und habe das Thema unter „Thema-Rhema-Bedingungen“ nochmals aufgegriffen, um dies ausführlicher erläutern zu können. Denn ohne die Kenntnisse der Thema-Rhema-Bedingungen ist die „Abfolge der Adverbiale“ nicht zu verstehen.

Da diese Arbeit sich insbesondere mit der Abfolge von SU IO DO beschäftigt hat, obwohl es nur grundsätzlich in Betracht gezogen wurde, ist es auch interessant zu sehen, wie sich die Satzglieder in Verbindung mit den verschiedenen adverbialen Bestimmungen verhalten und welche Rolle sie bei der Wortstellung haben. Die von Musan (2002) berücksichtigte Untersuchung mit Informationsstruktur, die die Wortstellungsvarianten beeinflussen, können in einer anderen Arbeit noch ausführlicher dargestellt werden.

5. Bibliografie

Behaghel, Otto (1932): Deutsche Syntax: Einde geschichtliche Darstellung. Band 4: Wortstellung. Heidelberg.

Daneš, František (1994): The syntax of sentence and text. Amsterdam.

Drach, Erich (1937): Grundgedanken der deutschen Satzlehre. Frankfurt. (Fotomechanischer Nachdruck Darmstadt 1963).

Dürscheid, Christa (2007): Syntax. Grundlagen und Theorien. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Vierte, überarbeitete und ergänzte Auflage.

Eisenberg, Peter (2004): Der Satz. Grundriss der deutschen Grammatik. Stuttgart: Metzler.

Erben, Johannes (1972): Abriss der deutschen Grammatik. München.

Hoffman, Zifonun, … (1997): IDS, Grammatik der deutschen Sprache. Berlin. New York: de Gruyter.

Lenerz, Jürgen (1977): Zur Abfolge nominaler Satzglieder im Deutschen. Tübingen: Narr. (Studien zur deutschen Grammatik 5).

Musan, Renate (2002): Informationsstrukturelle Dimensionen im Deutschen. In Zeitschrift für germanistische Linguistik 30: 198-221

6. Tabellenverzeichnis

(Steinbach, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 05.01.2008)

http://www.staff.uni-mainz.de/steinbac/Lehre/Grammatik/Top-felder.pdf (Stand 12.01.2008)

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Details

Titel
Die Faktoren der Satzgliedabfolge im Mittelfeld
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V111422
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faktoren, Satzgliedabfolge, Mittelfeld
Arbeit zitieren
Hüseyin Kuru (Autor), 2007, Die Faktoren der Satzgliedabfolge im Mittelfeld , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111422

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