Wittener Tage für Neue Kammermusik - Klang-Experimente mit Stimmen, Puppen und Flügeln - Festival Bericht 2007


Rezension / Literaturbericht, 2007

5 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Vom 20.-22. April fanden die Wittener Tage für Neue Kammermusik statt, welche wieder einmal ein gehobenes und ausgereiftes Programm boten. 20 Ur- und Erstaufführungen von Komponisten aus zehn Nationen boten sowohl positive als auch negative Überraschungen. Die hohen Besucherzahlen sind wieder ein Beleg dafür, dass die Wittener Tage mittlerweile in der internationalen Festspielszene einen hohen Rang einnehmen.

In diesem Jahr setzten sich die Komponisten und Interpreten im weitesten Sinne mit Sprache und Stimme auseinander. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf dem griechisch-französischen Komponisten Georges Aperghis, der mit Musiktheater, Diskussionsrunde, Konzerte und Filmporträt im Mittelpunkt des Festivals stand. So boten die Veranstalter um den Festspielleiter Harry Vogt dem Publikum ein umfassendes Bild vom vielschichtigen Œuvre des Komponisten Aperghis.

Musiktheatralisches Recycling

Georges Aperghis sucht stets nach neuen und verfremdeten Sprachklängen der menschlichen Stimme, sowie nach sprachähnlichen Klängen seiner Instrumente. Seine instrumentalen Stücke kann man mit Dialogen vergleichen, was in den Solo- und Duo-Werken für Klarinette, Bassklarinette, Tenor- und Sopransaxophon (Ernesto Molinari und Marcus Weiss) angenehm zu erleben war. Überhaupt legt Aperghis großen Wert auf Fragmente, die des Zuhörers Fantasie und Aufmerksamkeit anregen.

Schon von Kindheit an spielte Aperghis mit aufgeschnappten Worten die er nicht verstanden hatte. Dieser Hauch von "interpretativem Existenzialismus" - wie er sagt - lässt sein Publikum aus den Worten und verfremdeten Sprachklängen seine eigene Interpretation schließen.

Aperghis bot mit seiner Uraufführung und multimedialen Transformation "Zeugen" (2006 -'07) eine moderne und überzeugend musiktheatralische Inszenierung. Diese hinterließ aber leider nicht nur positive Eindrücke bei den Zuschauern, was eventuell mit der etwas langen Spieldauer (von ca. 55 Minuten) des "spectacle musical" zu erklären ist. Aus dem Zusammenwirken mit der Hochschule der Künste und dem Stadttheater aus Bern ist dieses zukunftsweisende und Impulse setzende Modell für Musiktheaterprojekte entstanden.

Basierend auf den Texten von Robert Walser hat Aperghis es geschafft, den verbrauchten, verlebten und zerfetzten Handpuppen nochmals Leben einzuhauchen. Die "close-ups" des Kamera führenden Puppenspielers zeigten jede Falte und detaillierte Struktur der auch wortlos sehr mitteilsamen, aus Abfallmaterialien, Korken, Flaschenstücken und anderen Müllresten gebastelten Puppen. Dabei produzierte Walser Textfragmente aus "Resten", die kongenial von Salome Kramer vorgetragen wurden. Sie erklären nicht die Figuren, sondern bloße Momentaufnahmen. Das von Zsolt Nagy geleitete Quintett aus Klavier, Cimbalom, Akkordeon, Altsaxophon und Bassklarinette untermalte dieses Stück mit Musik, die ebenfalls aus "Resten" aus dem eigenen Werk Aperghis' besteht. So ergänzte sich die mikroskopische Kameraführung mit den mikrographischen Textdimensionen Walsers in einem spürbaren Gleichgewicht zu der fragmenthaften, sehr gestischen Musik. Kein Medium war übertrieben hervorstechend, aber jede Ebene gab ihre Impulse zu dem Gesamtkunstwerk eines rätselhaft-originellen multimedialen Experiments.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Wittener Tage für Neue Kammermusik - Klang-Experimente mit Stimmen, Puppen und Flügeln - Festival Bericht 2007
Hochschule
Folkwang Universität der Künste
Veranstaltung
Wittener Tage für Neue Kammermusik 2007
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
5
Katalognummer
V111515
ISBN (eBook)
9783640095667
ISBN (Buch)
9783640432158
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kammermusik, Klang-Experimente, Stimmen, Festival, Bericht, Kammermusik, Wittener Tage für Neue Kammermusik, Rezension, Neue Musik, zeitgenössische Musik, Moderne, Post-Moderne
Arbeit zitieren
Jacek Brzozowski (Autor:in), 2007, Wittener Tage für Neue Kammermusik - Klang-Experimente mit Stimmen, Puppen und Flügeln - Festival Bericht 2007, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111515

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