Der totale Stalin - Formen und Funktion der allgegenwärtigen Führerdarstellungen im Stalinschen Totalitarismus


Hausarbeit, 2005

32 Seiten, Note: 1,0


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der künstliche Kult
2.1 Stalin. Personenkult am Paradebeispiel

3. Manifeste Formen des Führerkultes
3.1 „Informative“ Medien
3.2 „Schöne“ Literatur des Sozrealismus
3.3 Fotos, Plakate, Malerei – unbewegte Bilder
3.4 Film und Theater – bewegte Bilder

4. Die totale Vereinnahmung der politischen Kultur

5. Schluß

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Allgegenwart Stalins durch Bild und Namen, seine mediale Präsenz sind die grundlegenden Elemente seines Personenkults, der seit den 1930er Jahren eine stetige Intensivierung erfuhr. Als Faktoren dieser Intensivierung können zum einen die Quantifizierung der Stalin-Abbildungen und zum anderen die zunehmend konsequente Organisierung der Massen und der Propaganda gelten. Die Darstellung Stalins als Universalgenie, als idealisiertes, unüberholbares Vor- bzw. Leitbild, Erzieher, Lehrer, Vater, Landesvater[1] – schließlich als Symbol des Staates, kulminierte in der propagandistischen Attributierung mit gottgleichen Qualitäten.[2]

Der Führerkult fungierte als Bezugspunkt für die Ideologie,[3] als Form der Kommunikation zwischen Führer und Geführten.[4] Der zeitliche Kontext seines Entstehens wird verschiedentlich – von Max Weber ausgehend – mit der Krisensituation (nach Weber „Notsituation“) Ende der 1920er begründet.[5] Als ein weiterer begünstigender Faktor für die Entstehung des Kultes um Stalin gelten Leninismus und Leninkult, die Stalin zu forcieren wusste, um letztlich von ihnen zu profitieren – der tote Stalin wurde zum „stepping stone“[6] für Stalin.

Die Konstruktion eines sich um den autoritären Führer rankenden Mythos[7] soll Erwähnng finden im anschließenden Kapitel, das zunächst einmal, orientiert an der aktuellen und vorbildlichen Ausarbeitung Heidi Heins,[8] kultische Aspekte in Abstraktion betrachtet, um anschließend auf den Stalinkult einzugehen. Das darauf folgende 3. Kapitel beinhaltet den „Kampf an der dritten Front“[9] (Lunačarskij), der den totalitären Charakter der Kultur[10] seit den 1930ern bedingte – immer hinsichtlich der Intensität[11] von Stalindarstellungen in bewegten und unbewegten Bildern (Film und Fotos), in „Informations“medien (Presse, Historiographie) sowie in der offiziellen Dichtung.[12] Abschließend steht, besonders auch durch die oktroyierte Organisierung der Massen erreicht, die totale Vereinnahmung der politischen Kultur, die totale Okkupation des öffentlichen Raums durch Stalin – die allgegenwärtige Zelebrierung des Personenkults in allen erreichbaren Winkeln der Öffentlichkeit. Dabei wird sich im Verlauf der Arbeit zeigen, dass sich die Präsenz Stalins hin zur Ubiquität in der Gesellschaft analog zur Fortentwicklung des Stalinschen Totalitarismus intensivierte, so dass die Gegenwart Stalins gleichsam als Gradmesser seines totalitären Machtanspruchs dienen kann.

2. Der künstliche Kult

Heidi Hein beschreibt den Kult als „stark ritualisierte Form der Verehrung eines Gegenstandes oder einer Person.“ In der Religion, aus der der Begriff sich generiert, ist der Kult gemeinhin auf religiöse Handlungen in ihrer Gesamtheit bezogen, wobei als seine wesentlichen Merkmale die innerliche Unterwerfung des Menschen unter das von ihm verehrte, höherstehende Wesen und der äußere Ausdruck dieser Ehrfurchtshaltung gelten.[13] Hiermit haftet dem Kult gewissermaßen schon ein totalitärer Aspekt an. Die politischen Kulte[14] grenzt Hein wohlbedacht von den religiösen Kulten ab und bemüht sich auch um eine Vermeidung der religionswissenschaftlichen Perspektive.[15] Denn es sei zwar unvermeidbar, dass politische Kulte den religiösen Kulten vergleichbare Formen annehmen,[16] bzw. dass die äußere Beschreibung auch des politischen Kultes seinem religiösen Prototyp folgt, doch führe eine tatsächliche Gleichsetzung – so Benno Ennker – stets in die Irre.[17] Neben der Unterscheidung von politischem und sakralem Mythos[18] ist in der theoretischen Kult- und Mythosforschung spätenstens seit Cassirer auch die Unterscheidung von „echten“ und „gemachten“[19] Mythen geläufig. Der Mythus im 20. Jahrhundert, so Cassirer, „ist planmäßig erzeugt. Die neuen politischen Mythen wachsen nicht frei auf [...]. Sie sind künstliche Dinge.“[20]

Durch die über Vermittlungsformen hergestellte Allgegenwärtigkeit der verehrten Person, die ihre Breitenwirkung gerade auch über die modernen Massenmedien erlangt, sollen politische Kulte alle Mitglieder der Zielgruppe, d. h. in der Regel die gesamte Gesellschaft erreichen.[21] E. Rees bemerkt, Führerkulte versuchten einen Referenzpunkt für das gesamte Glaubenssystem zu bilden, zentriert auf eine Person, in der sich die ideologische Doktrin verkörpere.[22]

Die Bindung der Bevölkerungsmassen an die als Führer verehrte Persönlichkeit geschieht über Erschaffung und Propagierung eines idealen Bildes dieser charismatischen Persönlichkeit[23] – die Konstruierung eines Personen-Mythos.[24] Dabei ist der „charismatische Herrscher“ besonders durch seine allseits propagierten Reden und Schriften und in seinen überall vorhandenen Bildern in der Öffentlichkeit omnipräsent.[25] Hein konstatiert, der politische Kult sei letztlich als „praktische Dimension des Mythos, als dessen Umsetzung in eine umfassendere kommunikative und politische Praxis“ zu bestimmen.[26] Der Mythos wiederum ist bei Hein definiert als selektive Interpretation der Wirklichkeit, die zu einer „mythischen Lesart der Wirklichkeit“ führe.[27]

Explizit werden Mythos und Kult über politische Symbole wie beispielsweise Flaggen, Parolen und Hymnen kommuniziert, implizit wirkt die vermittelte Leitvorstellung zudem über Briefmarken und Zahlungsmittel in scheinbar unpolitische Lebensbereiche hinein.[28] So legt Hein Mythen und ihre nonverbale Umschreibung in Form von Symbol und Ritual als diejenigen Elemente fest, auf denen der Kult basiere[29] und vermerkt weiter: „Bei der mythischen Verklärung von lebenden Personen bzw. ihren Leistungen wird die Verbindung von Mythen, Ritualen und Symbolen besonders deutlich, da sie, wenn sie in einem Deutungs- und Abhängigkeitsgeflecht auftauchen, einen politischen Kult bilden, der daher als soziale Praxis von Mythen verstanden werden kann.“[30] Als zentrale Funktion des politischen Mythos wie des politischen Kults gibt sie die Sinngebungs- bzw. Orientierungsfunktion[31] an und meint, dass Mythen in einer säkularisierten Welt eine Art Religionsersatz darstellten.[32] Die kultische Darstellung als überhöhter Vater und Führer gipfelt oft sogar in der Proklamation und Präsentation der kultisch verehrten Person als wesentlichstes Symbol des Staates.[33]

2.1 Stalin. Personenkult am Paradebeispiel

Lev Trockij, Stalins Projektsionsfläche für[34] alle angeblich systemfeindlichen Elemente, behauptete, noch 1925 haben kaum mehr als 1% der Bevölkerung Stalins Namen gekannt.[35] Wenngleich diese Angabe viel Polemik enthalten mag, so wurden erste kultähnliche Ovationen doch tatsächlich erst 1929 produziert.

Die historiographische Bestimmung des Beginns der kultischen Verehrung Stalins ist nicht einheitlich. Am häufigsten findet sich die vorbehaltliche Angabe des Jahres 1929:[36] Zu Stalins 50. Geburtstag im Dezember seien Stalins Person zwar erste durchaus ausgeprägte Preisungen entgegengebracht worden, doch habe die übermäßige Aufmerksamkeit nach den Festveranstaltungen auch wieder nachgelassen.[37] Als „turning point“ bezeichnet Sarah Davies den XVII. Parteikongreß im Januar 1934, neue Höhen habe er nach dem Kirov-Mord gewonnen;[38] Ennker und Bonnell hingegen äußern, Stalin habe 1929 seine völlige Kontrolle über die Medien etabliert[39] und von 1930 an seien alle Formen der Massenpropaganda moblilisiert „to sing the leader’s praises.“[40] Sehr spät setzt John Barber den Stalinkult in seiner Untersuchung zum Stalin-Bild im Zweiten Weltkrieg an, wenn er behauptet, erst „in the war years the Stalin cult took root in popular consciousness and became a mass phenomenon.“[41] Gewiss war der Kult nicht statisch, vielmehr kam es in seiner gesteuerten Vermittlung situationsabhängig mal zu auffallend schwächeren Ausprägungen des Stalinkults,[42] mal zu bemerkenswert starker Präsenz.[43]

Zur Entwicklung des Stalinkults und zur Ausdehnung seiner sozialen Basis trugen besonders die veränderte soziale Struktur und Verteilung der neuen Basis Stalins auf Sektoren und hierarchische Ebenen der Gesellschaft, der durch Zusammenfassung in Kollektiven erleichterte Zugriff auf die Menschen und die hiermit einhergehende zunehmende Zentralisierung von Entscheidungsprozessen bei.[44]

Die Proklamation Stalins als Integrationsfigur gewann an Vehemenz, Stalin wurde in der Phase der Neuorientierung[45] zu Beginn der 1930er als Personifizierung von zugleich Modernität und Tradition angeboten.[46] Stalins Kult lässt sich auf diese Weise mithin auch als ein Kult aus Nützlichkeitserwägungen beschreiben.[47] In diesem Sinne bemerkte übrigens schon Berthold Brecht, man solle doch Stalin statt den Großen besser den Nützlichen nennen.[48]

Dass, sobald jemand oder etwas definiert wird, sich dies in Abgrenzung zu etwas anderem, zu etwas als oppositionär konstruiertem vollzieht, lässt sich besonders prägnant am Beispiel der stilisierten Diabolisierung Trockijs als „Kontrapunkt“ zur Vergöttlichung Stalins aufzeigen.[49] Der Etablierung Stalins als mythische Gestalt entsprach politisch die Ersetzung der Partei durch ihren Führer, der nun in ein „unmittelbares“ Verhältnis zur Masse seiner Anhänger trat.[50] Unmittelbar allerdings war das Verhältnis von Führer und Geführten beileibe nicht:[51] In den wenigen Fällen, in denen das Volk den Führer leibhaftig sah, stand er stets räumlich weit entfernt, vom Podest aus Paraden ab- und Feiern entgegennehmend. Der volksnahe Stalin war ein reines Propaganda-Produkt[52] – der tatsächliche Stalin wurde substituiert durch sein allgegenwärtiges Abbild.[53] Zur Entfernung vom Volk als obligater Komponente der Mystifizierung äußert sich schon Hannah Arendt in ihrem Werk Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft: Die Durchschlagkraft der totalitären Propaganda „beruht darauf, daß Massen an die Realität der sichtbaren Welt nicht glauben, sich auf eigene, kontrollierbare Erfahrungen nie verlassen [...] und darum eine Einbildungskraft entwickeln, die durch jegliches in Bewegung gesetzt werden kann, was scheinbar universelle Bedeutung hat und in sich konsequent ist. [...] Diese Attitude der Flucht aus der Wirklichkeit in die Einbildung [...] ist die Voraussetzung für alle Massenpropaganda.“[54] Arendt spricht in diesem Sinne auch von dem manipulierten Abbild als der „eigentlicheren“ Realität.[55] Die eigentlichere Realität war das retuschierte Stalinbild, der pockennarbenfreie, große und akzentfrei russisch sprechende Stalindarsteller Alexej Diki im Film, Levitans sonore Stimme im Radion. Ursula Justus bemerkt hierzu, die Darstellung Stalins, begründet in einer ikonographisch vorgegebenen Identitätsstiftung, erschaffe durch die Angleichung in den Medien ein „Intertextualitätsverhältnis, das die Darstellung der einzelnen Künste zu einer werkübergreifenden Realität verdichtet und die Darstellung Stalins unabhängig von ihrer medialen Existenz als vermeintlich authentische bestätigt.“ So würden die verschiedenen Künste letztlich als unterschiedliche Abbildungen ein- und derselben Wirklichkeit erscheinen.[56] Stalin selbst wird folgende aussagekräftige Einschätzung zugeschrieben: „I’m not Stalin. Stalin is sowjet power. Stalin is what he is in the newspapers and portraits, not you, no not even me.“[57] Diese Bemerkung bringt zudem auf den Punkt, dass Stalins „Charisma“ möglicherweise kein „natürliches Charisma“ – wie Weber es voraussetzte – war, sondern erst von den Medien konstruiert wurde, d. h. ein „manufactured charisma“ war.[58]

3. Manifeste Formen des Führerkultes

Die Bemerkung, das Konzept „charismatischer Führung“ erhalte seine historisch konkrete Geltung erst, wenn es statt der Prämisse des unmittelbaren Verhältnisses zwischen Führer und Gläubigen das Medium der Öffentlichkeit einschließt,[59] ist durchaus plausibel. Ennker legt dar, dass der Kommunikationsprozess und die Medien der bürgerlichen Öffentlichkeit die Basis für „weitreichende Vergesellschaftungen“ bedeuteten und zieht für den sowjetischen Fall den Umkehrschluss, nämlich einen Bolschewisierungsprozess der gesellschaftlichen Öffentlichkeit: „Es handelt sich um eine Entwicklung, die auf Kosten der in den Öffentlichkeitsinstanzen angelegten Potenzen von Vergesellschaftung erfolgte. Dies bewirkte eine Rückbildung der Gesellschaft in einen sowjetischen Untertanenverband. Unter den historischen Bedingungen der frühen Sowjetunion war die ,Öffentlichkeit‘ also dem Monopol der bolschewistischen Herrschaft unterstellt worden. Mit diesem Interpretationsmonopol wurde über die Bedingungen des öffentlichen Diskurses entschieden.“[60] Weiter spricht Ennker von einer „Tendenz zum Fiktiven“, die der durch mediale Nutzung aller modernen Techniker der Reproduktion hergestellten Korrelation zwischen Führerbild und Öffentlichkeit innewohne.[61] Der zu verehrende Führer, Stalin war omnipräsent – über Fotos und Plakate auf den Straßen, in Filmen, Theaterstücken, Museen, im Unterrichtsmaterial, in Büchern aller Art, in der verstaatlichten Presse, besonders in sämtlichen Zeitungen und im sich verbreitenden Radio, das die Menschen auch auf der Strasse mit Informationen versorgte; selbst Städtenamen, Architektur und Briefmarken trugen oder suggerierten den Namen des Führers. Um den Kult möglichst allumfassend zu gestalten, gab es sogar zielgruppenspezifische Ausdifferenzierungen,[62] die zudem die Kontrolle des Sozialisationsprozesses kalkulierten.

Ein ganz grundlegender Faktor war hier gerade auch die Alphabetisierung großer bisher schwer erfassbarer Bevölkerungsteile, die als Maßnahme nicht zuletzt die Rezeption von Propaganda verbessern sollte.[63]

Der Agitprop[64] spannte ein engmaschiges Netz staatlicher bzw. parteilicher[65] Kontrolle über das Land, er schulte „Lehrer“ zu Agitatoren und Propagandisten, wirkte unmittelbar ein auf kulturelle Prozesse, die sich beispielsweise in Druckerzeugnissen aller Art manifestierten und war zudem mit der Organisation von Massenveranstaltungen betraut; als seine zentrale Aufgabe lässt sich schließlich die „Zentralisierung und Ausweitung von Agitation und Propaganda auf alle Lebensbereiche“ bestimmen.[66] Dass das sowjetische Leben vom Zeitpunkt seiner Entstehung an intensiv von Propaganda durchdrungen wurde, beschreibt besonders Peter Kenez in The Birth of the Propaganda State:[67] Propaganda sei Teil der Erziehung gewesen,[68] wobei es kaum einen Unterschied gegeben habe zwischen Propagierung von aufklärender Alphabetisierung und Vermittlung der sozialistischen Ideologie.[69]

Hannah Arendt behauptet, totalitäre Regierungen pflegten die Propaganda der Bewegungen durch Indoktrination zu ersetzen,[70] wobei zentrales Ziel aller totalitären Propaganda bzw. der Indoktrination[71] die totale Organisation des Menschen sei. Allerdings greift Arendts Argumentation hier vielleicht etwas kurz, denn prinzipeill ist die Organisierung des Menschen doch ebenso als Mittel zum Zweck zu betrachten wie die Propaganda.

Die folgenden Abschnitte über das Stalinbild in verschiedenen Medien konzentrieren sich mit den 1930er Jahren auf die Zeit, in der der Stalinsche Totalitarismus sich zu etablieren begann. Während dieser Periode verloren Künstler und Künste nach und nach vollends ihre wesentliche Unabhängigkeit, wurden gewissermaßen „enteignet“ und zu obligaten Instrumenten der Partei, die schließlich sämtliche verfügbare Medien instruierte, über implizite und explizite Darstellungen und suggestive Huldigungen des Führers die Emotionen der zu beeinflussenden Massen zu vereinnahmen. Das Oberhaupt Stalin wurde, wie oben bereits aufgezeigt, zum Produkt komplexer Stilisierungen. Historiker, Schriftsteller, Maler und Filmleute waren aufgerufen, mit allen verfügbaren Medien besonders des Führers Format anzupreisen und im kollektiven Bewusstsein[72] zu verankern, um somit nicht zuletzt die Legitimität des Regimes zu untermauern.

3.1 „Informative“ Medien

Unmittelbar nach der Oktoberrevolution verstaatlichten die Bolschewiki per Pressedekret die gesamte Publikations-Industrie und führten eine eigene Zensur ein, die zunächst als vorübergehende, d. h. nur bis zu endgültigen Zerschlagung „bourgeoiser“ Veröffentlichungen bestehende Institution betrachtet wurde.[73]

Am meisten erreichte Stalin über die Presse, besonders über die Zeitung,[74] die übrigens gerade auch als Wandzeitung in der Öffentlichkeit für den Sowjetbürger unumgänglich wurde.[75] Dabei existierten neben Pravda und Izvestija auch „Massenzeitungen“ mit einer (noch verstärkt) simplifizierten, eingängigen Aussage in leichtverständlichem Stil.[76] Stalins Name und Bild erschienen inflationär bei Siegen und Erfolgen und deflationär bei Niederlagen bzw. in für die Bevölkerung besonders beschwerlichen Zeiten.[77] Zum 50. Geburtstag bedachte eine Bauernzeitung[78] Stalin mit einer Spezialausgabe, die zahlreiche ikonenähnliche Illustrationen enthielt. An Stalin gerichtete, den Adressaten preisende Briefe[79] wurden nicht nur zu den Geburtstagen, sondern ständig abgedruckt und lassen sich als Reminiszenz an die russische Tradition der Petition an den Zaren interpretieren.[80]

Am 30. Dezember 1936 bildete eine Zeitung Stalin auf der Titelseite als Väterchen Frost ab, mit strahlenden Kindern um einen Neujahrsbaum, der mit Schulen, Bussen, Flugzeugen und anderen Geschenken geschmückt war – Stalin als symbolisierter Wohltäter des Landes.[81]

Das Radio galt bis zum Ende der Sowjetzeit in der Revolutionshistoriographie als zentrales Fortschrittsmotiv, das exemplarisch den Beginn der neuen, sowjetischen Epoche markiert. Von Anfang an diente es als „Schalltrichter der Revolution“. Erstmals erschallte im Juni 1923 auf sechs öffentlichen Plätzen in Moskau aus Lautsprechern: „Hallo! Hallo! Hört die gesprochene Zeitung!“[82] Im Jahre 1925 gab es in Sowjetrussland 25.000 Radioapparate, ein Jahr später bereits 83.000;[83] für 1940 weist Brooks eine Anzahl von sieben Millionen Radios – Anlagen auf öffentlichen Plätzen inklusive – und ein Jahrzehnt später 13,3 Millionen Radios nach.[84] Der Eigenbau von Radiogeräten war dabei durchaus erwünscht, wurde jedoch streng kontrolliert. Eine besondere Bedeutung kam der Verbreitung von Radiogeräten und -lautsprechern auf dem Land zu.[85]

Das Radio wurde gerade für diesen Bereich als Wunderwaffe der Aufklärung gesehen, da über Radio auch die Analphabeten erreicht werden konnten; und zwar zum einen zur Propagierung von Alphabetisierung und zum anderen zur auditiven Vermittlung von „Informationen“.[86] Zur Versorgung der Bevölkerung mit Nachrichten von der Front wurde das Radio zwischen 1941 und 1945 regelmäßig genutzt;[87] nach 1943 wurde Stalins Proklamation eines jeden militärischen Erfolgs im Radio von Levitan verlesen.[88]

Auch die Biographie – in möglichst günstiger, d. h. opportuner Verschriftlichung – spielte für die Konstruktion des Kults eine substantielle Rolle.[89] Die erste Stalin-Biographie, in einem Umfang von zunächst einmal nur vierzehn Seiten in der Enzyklopädie Granat, erschien 1927.[90] Wie sämtliche folgende Lebensbeschreibungen Stalins musste auch dieser erste Abriß autorisiert werden. Zu Stalins 50. Geburtstag erschienen zahlreiche Artikelsammlungen, die Stalin rühmten und seinen Lebenslauf schmückten; fünf Jahre später wurde die erste umfassendere Biographie verfasst: nicht von Gorkij, der sich nicht befähigt sah,[91] sondern von dem Franzosen Henri Barbusse: Stalin. Eine neue Welt.[92] Eine weitere Stalin-Biographie schrieb Berija,[93] und 1939 gab das Marx-Engels-Institut eine von Stalin redigierte Biographie heraus, die 1947 neu aufgelegt wurde.[94] Dabei diente die, durchweg mit Geschichtsfälschung arbeitende,[95] Biographie – wie so viele andere Künste auch – der Vergegenwärtigung seiner Größe und Unfehlbarkeit sowie letztlich seiner Legitmierung. Als besonders einflußreich kann die Darstellung Stalins als Lehrer, Vater, Freund und Held in Schulbüchern angesehen werden, die ab 1933 üblich und bald stereotyp verwendet wurde.[96] Anhand von Statistiken zu Publikationen über Stalin lässt sich der graduelle Anstieg der Veröffentlichungen als Barometer für den Kult bezeichnen.[97]

Auch die Werke Stalins waren „compiled to magnify Stalin, and [...] contributed to the personality cult.“[98] Stalins simplifizierenden Darstellungen der komplexen Ideen Marx’ und Lenins erleichterten besonders dem weniger gebildeten Zielpublikum den Zugang.[99] Wenn Stalin noch 1929 mit nur einem Werk (Probleme des Leninismus) auf der Lektüreliste der philosophischen Fakultät empfohlen wurde,[100] so erhöhte sich die quantitative Vertretung seiner Werke in Relation zu anderen Klassikern des Marxismus-Leninismus in den 1930ern doch erheblich.[101] Auch auf die Historiographie hatte Stalin maßgeblichen Einfluß: Er beteiligte sich beispielsweise an der Geschichte der Russischen Revolution sowie an der Geschichte der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) der UdSSR.[102] Indes wurde gerade auch die Geschichtsschreibung zu einem beliebig manipulierbaren Instrument der Herrscher.[103]

3.2 „Schöne“ Literatur des Sozrealismus

An den vorhergegangenen Abschnitt anknüpfen lässt sich mit der Frage Wie man mit Literatur Geschichte fälscht, die Ursula Justus in ihrer Dissertation zum Thema Literatur als Mythefabrik aufwirft und beantwortet.[104] Neben der literarischen Inszenierung historischer Authentizität untersucht Justus die Literatur besonders auch als Instrument zur Ästhetisierung der Wirklichkeit.[105]

Eine obligate Politisierung der Literatur – und damit einhergehend ein Verlust künstlerischer Eigenständigkeit – setzte ein, nachdem Stalin die Beteiligung der Literatur am Aufbau einer neuen, sozialistischen Gesellschaft anmahnte und, um seinem Appell Nachdruck zu verleihen, die prinzipiell[106] parteigetreue Schriftstellerorganisation RAPP auflöste, was letztlich als „totale Verstaatlichung der Literatur“[107] interpretiert werden kann. Kunst und Literatur wurden, verstanden als Auftragsarbeiten,[108] zur Organisation einer öffentlichen Meinung herangezogen.[109] Die methodische Doktrin der Sowjetliteratur (wie der Sowjetkunst überhaupt) wurde der Sozialistische Realismus,[110] sein einzig zulässiger Gegenstand die neue sowjetische Wirklichkeit. Justus bemerkt sehr klug, dass, indem das literarische Wort hier stets auf dieselben Referenten bezogen werde wie das rhetorische Wort der offiziellen Propaganda, seine Möglichkeit einer eigenständigen Sinnkonstitution eingeschränkt und auf die künstlerische Gestaltung des im ideologischen Wortgebrauch bereits hergestellten Bedeutungszusammenhang festgelegt werde.[111] Die Literatur des „totalen Realismus“[112] wurde so zum Ersatz einer Realitätserfahrung, die nicht länger jedem einzelnen überlassen, sondern als kollektive Erfahrung in das Bewusstsein der sowjetischen Öffentlichkeit eingetragen wurde.[113]

Seit den 1920er Jahren war man zu diesem Zweck in der Literaturpolitik auch besonders um die Erreichung und Gewinnung des „Massenlesers“ bemüht.[114] Die Vielfalt des Angebots verringerte sich allerdings vermutlich in dem Maße, in dem der Anteil der Alphabetisierten zunahm. Es gab eine „Einheits-Auswahl“ sozrealistischer Prosaromane mit gewissermaßen standardisiertem Inhalt. Poetisch waren panegyrische Oden „Meterware“[115], wobei der Dichter jedoch unbedingt zu beachten hatte, dass „for a poem to go through there had to be a few lines devoted to Stalin.“[116]

3.3 Fotos, Plakate, Malerei – unbewegte Bilder

Stalins optische Allgegenwart wurde in der Öffentlichkeit besonders über visuelle Medien [117] wie Fotos,[118] Ölbilder, Wandgemälde (beispielsweise an den Stationen der neuesten Errungenschaft, der Metro) und überdimensionale Vergrößerungen Stalins auf Plakaten[119] erzielt. Die Fotographie verfügte dabei über den Vorteil, eine Echtheit des Bildes postulieren zu können. Wie auch in der Literatur gehörte Montage jedoch zur Tagesordnung,[120] wobei Stalin in der Fotografie geradezu als ein Musterexempel für die Anwendung der Prinzipien des sozialistischen Realismus auf die Darstellung der sowjetischen gesellschaftlichen Wirklichkeit allgemein anzusehen ist. Auch hier sollte möglichst nicht das Faktische, das, was mit dem mechanischen Auge der Kamera scheinbar „objektiv“ festgehalten und reproduziert werden konnte, dargestellt werden. Denn – nach einer Bekundung der Zeitschrift Proletarskoe Foto – ermögliche allein das Mittel der „künstlerischen Komposition“, dass im Foto „das Wesen der Erscheinung“ zum Ausdruck gebracht würde.[121]

„Gegen das synthetische Porträt und für die Momentaufnahme“ plädierte der avantgardistische Fotograf Aleksandr Rodčenko.[122] Ein denkbar günstiger Einfall, bot er doch in Konsequenz eine Vielfalt von Möglichkeiten der Stalin-Stilisierung und -glorifizierung.[123] Stets befand Stalin sich im Zentrum bildlicher Darstellungen;[124] und selbst wenn manche Bilder ihn nur indirekt zeichnen, d. h. zum Beispiel als Bild im Bild, so unterstreicht diese eigentliche Entfernung vom Expliziten doch umso stärker seine ständige Gegenwart.[125]

Zahl und Themen der Fotos gab der Agitprop vor,[126] und ähnlich wie für die Zeitungsberichte galt auch für öffentliche Abbildungen eine Rücknahme der Präsenz Stalins in politisch unbequemen (und dabei nicht so recht schön zu redenden) Zeiten und entsprechend eine Verstärkung seiner Präsenz bei Erfolgsmeldungen.[127] Zahlen zur Quantität der Stalinporträts, die es übrigens überall zu kaufen gab, illustrieren eine ubiquitäre „poster-mania“[128] und erzeugen hiermit einhergehend eine „overwhelming presence“ Stalins.[129]

So ist denn auch die sagenhafte Begebenheit der bei Stalins tatsächlicher, leiblicher Erscheinung in Ohnmacht fallenden Frau durchaus nachzuvollziehen, wenn sie ihre Reaktion deutete: „Мне показалось, что на меня идёт портрет Сталина.“[130]

3.4 Film und Theater – bewegte Bilder

Auch das Kino beherrschte Stalin als „Herr der Bilder“[131] – sowohl hinsichtlich seiner Kontrolle[132] über die Sujetwahl, die Art der Darstellung von historischen Ereignissen und über die Auslese der ihn darstellenden Schauspieler[133] als auch hinsichtlich seiner Präsenz in den ausgestrahlten Filmen, die, wie schon für die unbewegten Bilder festgestellt, Stalin oftmals auch indirekt darstellen.[134]

Die in der GUFK zentralisierte Film- und Fotoindustrie erhielt von einer direkt dem ZK unterstellten Kinokommission (unter Mitarbeit Gorkijs und des Volkskommissars für Erziehung Bubnov) seit 1933 die Vorgaben für Themen und Anzahl der zu produierenden Filme. Zuvor schon, in den Jahren 1928-1933, war die Zahl der Kinos im Rahmen der Kinofizierung von 7.331 auf 27.578 angewachsen, wobei alleine 15.000 neue Abspielstätten auf dem Land entstanden.[135]

Nach Trockijs Aussage, die Stalin später übernahm, sei das Kino schlicht das „beste Propagandainstrument“.[136]

Auch Bulgakowa behauptet, der sowjetische Film sei als das „wirksamste Propaganda-Medium“ zu werten.[137] Tatsächlich fungierte der Film zentral zur Installation des gewünschten Geschichtsbildes[138] – wobei die Grenzen von Dokumentation und Fiktion entschieden durchlässig waren – und wurde als selbstständige Kunst weitgehend ignoriert.[139] Neben historischen Filmen entstand auch eine Tradition der filmischen Komödie, die eine fröhlich lachende Sowjetunion fingierte, begründete und propagierte.[140]

Mit der obligatorischen Anwendung des Sozrealismus wurde im Rahmen des Allunionskongresses der Filmschaffenden im Januar 1935 die Voraussetzung geschaffen, den Film als weiteres totalitäres Propagandainstrument zu nutzen, meint Nikolas Hülbusch im Rahmen seiner Analyse zum Stalinbild in den Filmen Lenin im Oktober und Der Fall von Berlin.[141]

Das Filmwesen ist durchaus als Mitproduzent des Stalinkults anzusehen, wohingegen das Theater, das sich an einer „Mystifikation der Macht“[142] und Rechtfertigung der stalinschen Herrschaft zwar beteiligte, zur ausgedehnten Verbreitung des offiziellen Stalinkults jedoch eher uneffektiv war.[143]

4. Die totale Vereinnahmung der politischen Kultur

Den Grundstein zu einer Kulturrevolution, zur Erschaffung einer sowjetischen Gesellschaft und des „neuen Menschen“ legte Stalin in seiner Rede zum XV. Parteitag im Dezember 1927, die zugleich den Beginn der totalen Umgestaltung der sozialen wie ökonomischen Realität und der völligen Vereinnahmung von Kunst und Literatur markiert. Der gesamten künstlerischen Produktion kam von nun an die Funktion zu, „die faktische Realität an ihr offizielles Ideal anzugleichen und die von ihr geschaffene Fiktion an den Leser weiterzuvermitteln.“[144] Die Kunst sollte die Sowjetunion in den 1930er Jahren in ein Gesamtkunstwerk Staat und schließlich in das Gesamtkunstwerk Stalin verwandeln.[145] Dabei war im sozialistischen Referenzrahmen selbstverständlich, dass die „Kunst gegenüber der Ideologie eine sekundäre Formation darstellt.“[146]

Die gesamte Propaganda-Maschinerie[147] fokussierte Stalin, und niemandem gelang es, Zeugnis von einer anderen Wirklichkeit neben der offiziell propagierten, staatlich gewollten und künstlerisch fingierten zu übermitteln. „Works of totalitarian art do no describe the world – they occupy the world“,[148] konstatiert zutreffend Boris Groys, und Murašov/Witte sprechen von dem Phänomen einer exzessiven „Anschaulichkeit“ und optischen Hyperpräsenz Stalins.[149] Die Ausgeprägtheit, die Quantifizierung des Stalinkults wird gut illustriert durch die Angaben bei Koenen, der zum Gebrauch des Worts „Stalin“ aussagt, im „Lexikon der Worthäufigkeit“ sei nach „Stalin“ fast gleichauf das Wort „groß“ gekommen und dann lange Zeit nichts,[150] und die Bemerkung bei Davies, im Radio sei jedes fünfte Wort „Stalin“ gewesen.[151]

Über die Kunst hinaus wurde jeder Aspekt des kulturellen sowie des alltäglichen Lebens vereinnahmt. Cassirer konstatiert: „Jede politische Aktion hat ihr spezielles Ritual. Und da im totalitären Staat keine private Sphäre unabhängig vom politischen Leben besteht, wird das ganze Leben des Menschen plötzlich von einer Hochflut neuer Riten überschwemmt. Sie sind so regelmäßig, streng und unerbittlich wie jene Rituale, die wir in primitiven Gesellschaften finden. Jede Klasse, jedes Geschlecht und jedes Alter hat seinen eigenen Ritus.

Niemand konnte auf die Straße gehen, niemand konnte seinen Nachbarn oder Freund grüßen, ohne ein politisches Ritual zu vollziehen. Und genau wie in primitiven Gesellschaften bedeutete die Vernachlässigung eines vorgeschriebenen Ritus Unglück und Tod.“[152] Seit den 1920er Jahren wurde nach und nach eine totale Politisierung sämtlicher Lebensbereiche vollzogen, angefangen sinnvollerweise bei der Kleinkind-Erziehung;[153] bald wurde auch die Frau, eine bislang wenig berücksichtigte Domäne der Propaganda, in die Okkupation durch den Kult einbezogen,[154] wodurch der Einfluss auf das private Leben noch verstärkt werden konnte. Die beste Möglichkeit, den Menschen zu beeinflussen war allerdings noch sein Eintritt in die Partei.[155]

Löhmann bemerkt, die Altersstruktur der Sowjetbevölkerung in den 1930ern habe ein beträchtliches Überwiegen junger Menschen aufgewiesen,[156] was schließen lässt, dass sich die wenigsten Menschen in diesen Jahren noch an das Zarenreich erinnerten, sondern mit dem Kult um Lenin aufgewachsen waren, und dass zudem in der also insgesamt eher jugendlichen Bevölkerung ein Verfall von Traditionen angelegt war.[157]

Fotos und Büsten von Stalin wurden in Ersetzung der Ikonen in die roten Ecken gestellt,[158] Städte nach Stalin benannt,[159] selbst der höchste Berg der Sowjetunion hieß nach Stalin[160] – Stalins Größe wurde derart allerorten suggeriert.

Ihre volle Wirksamkeit erreichte die Propaganda allerdings – wie bereits verschiedentlich angedeutet – erst über die Organisation oder besser: über die „Superorganisation“[161] der Gesellschaft. Ein Paradebeispiel war die Zusammenfassung der bäuerlichen Bevölkerung in Kollektive, die den politischen Zugriff verbesserte und die Menschen dirigierbar (kontrollierbar, indoktrinierbar) machte. Die mit der systematischen Organisierung der Menschen einhergegangene Zentralisierung der Macht bewerkstelligte die totale Mobilisierung aller gesellschaftlichen Kräfte. Alfred G. Meyer meint:

„Die Sowjetunion hat, wie andere bürokratische Großorganisationen auch, den Drang, alle menschlichen Tätigkeiten rational zu organisieren; angefangen vom Berufsleben über das Konsumverhalten bis hin zur Freizeitgestaltung. Sie hat mit ihnen eine völlig autoritäre politische Struktur gemeinsam.“[162] Zur Machtsicherung haben Stalin und seine Partei eines Netzes die ganze Gesellschaft überspannender Organisationen sowie entsprechend einer koordinierenden Zentrale unbedingt bedurft. Wagner äußert, die organisatorische Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Kräfte mache sich in allen Lebensbereichen bemerkbar, was sich wiederum in einer vierfachen Monopolstellung der Partei niederschlage.[163] Dies bedeutet letzten Endes die bürokratische Totalorganisation der sowjetischen Gesellschaft unter der ihr gemäßen totalitär verfassten Ordnung.[164] Besonders betrachtet Wagner auch den Personenkult als ein „sachgemäßes Phänomen der totalitären Gesellschaft“, da eine „idealtypisch entworfene totalitäre Gesellschaft [...] aus einem Kollektiv und einem Individuum“ bestehe.[165] Diese systembedingt hervorgehobene Position nahm Stalin ein – im politischen Wirken sowie in „Qualität“ und Quantität seiner künstlerischen Darstellung.[166] Stalins Kult war dabei Mittel zur Mobilisierung der Massen[167] oder genauer gesagt: Propaganda und Propagierung des Stalinkults, erleichtert durch die Totalorganisierung der sowjetischen Gesellschaft, dienten der Indoktrinierung und Kontrollierung der Sowjetbürger, zu deren einzig wählbarer Möglichkeit die Bestätigung und Ehrung der stalinschen Herrschaft und Herrlichkeit wurde. Und so gab denn auch die in den Medien konstruierte „Vox populi“ niemals Zeugnis von einer anderen Realität neben der ideal inszenierten Sowjetwirklichkeit als deren zentrales Symbol Stalin eingesetzt wurde.

5. Schluß

Im Zweiten Weltkrieg stieg die Frequenz der Stalindarstellungen noch an.[168] Dabei trat Stalin als großer Vater gewissermaßen in Union mit dem Mutterland auf[169] – das höchste Symbol der Allgegenwart Stalins. Als Stalin am 5. März 1953 tatsächlich starb, „hatten wir längst vergessen, dass Stalin ein Mensch war,“ so Ilja Ėrenburg: „Er hatte sich in einen allmächtigen und geheimnisvollen Gott verwandelt.“[170] Wochenlang noch erschienen pathetische Würdigungen, doch bald erlebten die Sowjetbürger eine wenig subtile Deflation der Stalindarstellung. In seiner Rede Über den Personenkult und seine Folgen auf dem XX. Parteitag am 25. Februar 1956 desavouierte Chruščev Stalin als groben Despoten und unrechtmäßigen Verursacher zahlreicher politischer und wirtschaftlicher Fehlentwicklungen. Der Stalinkult wurde versuchsweise ersetzt durch einen Kult der Partei,[171] wobei Nikita Chruščev einen eigenen kleinen Kult entwickelte, und auch der Leninkult wurde in den 1960er Jahren teilweise neu gebräuchlich.[172] Eine Lockerung der sozialen Fesseln – das Tauwetter – setzte mit der Entstalinisierung ein.

Zuvor stand in jeder Stadt Stalins Monument,[173] befand Stalins sich an jeder Straßenecke, war stets allgegenwärtig ohne physische Anwesenheit, präsent in jedermanns Vorstellung – allerorten und allezeit prinzipiell total und totalitär anwesend. Stalins absolute Herrschaft konstituierte sich parallel zur allgegenwärtig werdenden Zelebrierung seines Kults. Analog zur fortschreitenden Totalisierung seiner Hegemonie intensivierte sich besonders auch die Vermittlung seines ästhetisierten, idealisierten Bildes, anders ausgedrückt: Entsprechend der Okkupation der Öffentlichkeit durch Stalin-Abblildungen verstärkte sich gleichermaßen die Fortentwicklung des Stalinschen Totalitarismus in den 1930ern. Künstlerisch erzeugte Ubiquität und Umfang seines Machtanspruches interagieren.

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[...]


[1] Die Epitheta der Stalinbenennung bzw. -anrufung waren genau abgezirkelt. Vgl. Ursula Justus, die in ihrer hervorragenden Untersuchung einen Katalog der kanonisierten Bilder und Metaphern in der literarischen Stalindarstellung erstellt: Justus: Literatur als Mythenfabrik. I. V. Stalin als literarische Figur in ausgewählten Werken der Stalinzeit. Göttingen 2002. Hier zitiert nach: [http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/JustusUrsula/diss.pdf], S. 530, 532, 541ff.

[2] Davies, Sarah: The „Cult“ of the Vozhd’. Representations in Letters, 1934-1941. In: Russian History 24 (1997), S. 134. Davies vermerkt, Stalin sei von der Propaganda zwar nie explizit als Gott beschrieben worden, doch suggerierten besonders seine metaphorische Größe in Relation zu anderen Abgebildeten eine göttliche Überhöhung. Vgl. auch den plakativen Titel der Stalinausstellung 2003 in Neuhardenberg: Genosse Gott – Stalin.

[3] Heidi Hein: Historische Kultforschung. In: Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas. Stand Januar 2005. Site besucht am 20. 10. 2005: [http://www.vifaost.de/sys/cgi/w/index.cgi?l=de&sid=fT6X&p=geschichte/handbuch/hein-kultforschung.html], S. 13. Vgl. auch Gottfried Korff, der am Beispiel Lassalles den Kult als ideologische und politische Waffe beschreibt, in soziofunktionaler Hinsicht das Verehrungsobjekt als Steuerungs- und Integrationsmittel bzw. als Orientierungssystem für das schrittweise zu politischem Selbstbewusstsein kommenden Proletariat bezeichnet und anführt, der Lassallekult sei alsDurchgangsphase zum politisch argumentierenden Sozialismus gerechtfertigt worden. Korff: Politischer „Heiligenkult“ im 19. und 20. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Volkskunde 71 (1975), S. 216, 218/215, 213. Hierzu auch Eberhard Fromm, der Lassalles Aussage anführt, er habe von den Arbeitern stets gehört: Wir müssen unsrer aller Willen in einen einzigen Hammer zusammenschmieden. Fromm: Der Kult der großen Männer. Berlin 1991, S. 50f. Marx selbst versuchte den Personenkult zu erklären als Nachgeben gegenüber Provokationen „der persönlichen Verkörperung des Despotismus persönliche Verkörperungen der Revolution entgegenzustellen.“ Karl Marx: Espartero. In: MEW, Bd. 10, S. 384. Hier nach Fromm, S. 117.

[4] Plamper, Jan: Introduction: Modern Personality Cults. In: Heller, Klaus; Plamper, Jan (Hgg.): Personality Cults in Stalinism. Göttingen 2004, S. 34. Nina Tumarkins Bezeichnung des Leninkults als „emotional bridge“ zwischen Volk und Führer lässt sich entsprechend auch für den Stalinkult formulieren. Tumarkin: Lenin Lives! Cambridge 1983, S. 252.

[5] Cassirer, Ernst: Der Mythus des Staates. Frankfurt a. M. 1985 (11949), S. 361-363. Cassirer bleibt allerdings, wie Weber, recht allgemein, beschreibt die „Notsituation“ nicht kontextgebunden. Konkreter: Löhmann, Reinhard: Der Stalinmythos. Münster 1990, S. 165; Heizer, James: The Cult of Stalin, 1929-1939. Georgetown 1977, S. 192.

[6] Tumarkin: Lenin, S. 255. Zu Stalins eigennütziger Initiierung des Leninkults und zur folgenden allmählichen Substituierung des Lenin- durch den Stalinkult vgl. auch Heizer: The Cult, S. 190; Bonnell, Victoria: The Leader’s two Bodies. In: Russian History 23 (1996), S. 127f. Ingo Grabowsky berichtet, der Leninismus als doktrinär vermitteltes Theoriegebilde sei beim Agitprop – in dessen Abteilung Stalin 1921 übrigens angestellt war – entwickelt worden, bevor sich Stalin seiner bedient habe und ihn zum Hauptinstrument des ideologischen Kampfes beförderte. An anderer Stelle formuliert Grabowsky: „Der Leninismus war mithin – dialektisch gesprochen – die Synthese des Bedürnisses der Partei nach einer starken, einheitlichen Ideologie und des Volkes nach einer starken, personalen Leitfigur. Grabowsky: Agitprop in der Sowjetunion. Bochum, Freiburg 2004, S. 334, 186. Vgl. Löhmann: Stalinmythos, S. 63.

[7] Gill, Graeme: The Soviet Leader Cult. In: British Journal of Political Science 10 (1980), S. 167.

[8] Hein: Kultforschung sowie Hein: Historische Mythosforschung. In: Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas, 2005. Site besucht am 20. 10. 2005: [http://www.vifaost.de/sys/cgi/w/index.cgi?l=de&sid=fT6X&p=geschichte/handbuch/hein-mythosforschung.html]

[9] D. h. die Bemühungen um die Anhebung des kulturellen Wohlstandes der Bevölkerung bzw. der Kampf um die Umgestaltung des kulturellen Lebens, die Schaffung des „neuen Menschen“. Teilnehmer dieser „dritten Front“ waren staatlicherseits das Volkskommissariat für Aufklärung (mit Gosizdat, Glavpolitprosvet, Glavlit, Glavbum u.a.), gewerkschaftliche und Künstler-Organisationen sowie die Abteilung für Agitation und Propaganda des Zentralkomitees. Grabowsky: Agitprop, S. 232, 11f.

[10] Jurij Murašov und Georg Witte bemerken zu Recht, der totalitäre Charakter der sowjetischen Kultur sei in einer isolierten Beschreibung der zentralisierten und repressiven politisch-institutionellen Strukturen und des staatlichen Terrors nur unzureichend zu erfassen und stellen daher die Frage nach den identifikationsstiftenden suggestiven symbolischen Manifestationen und Faszinationsangeboten dieser Kultur. Murašov; Witte (Hgg.): Die Musen der Macht. Medien in der sowjetischen Kultur der 20er und 30er Jahre. München 2003, S. 7.

[11] Polemisch formuliert: Penetranz der Stalindarstellung.

[12] Hier lässt sich – wie wir sehen werden – in gewissem Sinne von einer Art der Enteignung des Künstlers sprechen.

[13] Hein: Kultforschung, S. 3.

[14] Hein unterscheidet politische Kulte hinsichtlich ihres Bezugobjektes, wobei sie an erster Stelle den Personenkult nennt, ferner die kultische Verehrung von Personenkollektiven, die kultische Erhöhung von legendär gewordenen Personen bzw. personifizierten, ursprünglich abstrakten Begriffen, und die mythische Überhöhung von historischen Ereignissen. Dabei ließen sich letztere nicht als autonome Kulte, sondern ausschließlich als unterstützende Elemente hauptsächlich des Kults um eine Person instrumentalisieren. Am Beispiel des Stalinkults konstatiert Hein ein System von verschiedenen, auf den Stalin-Kult ausgerichteten Kulten. (Als konkretes Beispiel verzeichnet Hein hier die zusätzliche Motivierung des Stalinkults über den Aleksandr-Nevskij-Kult sowie die Heldenverehrung im Zweiten Weltkrieg und die dem Stalinkult untergeordneten Kulte um lokale politische Führer). Hein: Kultforschung, S. 10/11.

[15] Und befindet sich hiermit im Konsens mit Benno Ennker. Dieser kritisiert (in seiner Darlegung der Streitfrage um die Qualifizierung des Bolschewismus als Quasi- oder Ersatzreligion) Tumarkins Vorgehen, den Leninkult in die Traditionsgeschichte des russischen religiösen Geistesleben zu stellen und auch insgesamt den Kult durchweg in religionswissenschaftlichen Kategorien zu erläutern: Diese Betrachtung laufe Gefahr, sich in den Stereotypen eines sehr traditionellen Russlandbildes zu verfangen, so Ennker; „Tumarkin wird durch ihr religiöses Vorurteil über den Leninkult zum Teil gehindert, dessen politischen Charakter genügend zu gewichten“ Tumarkins Perspektive ist zugleich die fehlerhafte Prämisse eines beachtlichen Teils der Forscher, der eine Kontinuität der politischen Kultur aus der vorrevolutionären Geschichte voraussetzt. Ennker widerspricht dieser Annahme, Ennker: Die Anfänge des Leninkults in der Sowjetunion. Köln [u.a.] 1997, S. 6; 343f. Auch Korff weist darauf hin, dass Übereinstimmungen zwischen überlieferter religiöser und sozialistischer „Weltbewältigung“ – auf formaler Ebene, beispielsweise Loblieder und Bilder als Devotionsstützen – als Analogien gewertet werden müssen. Korff: Politischer „Heiligenkult“, S. 218.

[16] „Politische Kulte dagegen bezeichnen die politisch motivierte, säkulare, aber stark ritualisierte Verehrung […] von […] Persönlichkeiten, wobei die konkreten Vermittlungs- und Ausdrucksformen phänomenologisch religiösen Kulten entsprechen.“ Hein: Kultforschung, S. 3.

[17] Ennker: Die Anfänge, S. 4-5, 20.

[18] Vgl. beispielsweise Flood, Christopher (1996): Politischer Mythos. Eine theoretische Einführung. In: Barner, Wilfried [u.a.] (Hgg.): Texte zur modernen Mythentheorie. Stuttgart 2003, S. 301ff. Flood unterscheidet sakrale und politische Mythen, wobei er den politischen Mythos als Teil von „Ideologie“ betrachtet.

[19] So formuliert Ennker die Distinktion in expliziter Anlehnung an Cassirer. Ennker: Die Anfänge, S. 8.

[20] Cassirer: Mythus, S. 367. Fromm formuliert bezogen auf den Totenkult: „Wo in der jüngeren Geschichte ein Totenkult [...] kultiviert, verbreitet und in seiner Bedeutung aufgewertet wurde, da geschah das nunmehr künstlich: Es war ein gewollter Kult, der bestimmte Funktionen in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu erfüllen hatte. Fromm: Kult, S. 21f.

[21] Hein: Kultforschung, S. 3.

[22] Rees fährt an dieser Stelle fort: „The ,totalitarian‘ regimes of the twentieth century, with their powerful leader cults, their elitist organisation and doctrines, had as their avowed aim the integration of the masses into the political process as a community of believers.“ Rees, E. A.: Leader Cults. Varieties, Preconditions and Functions. In: Apor, Balázs [u.a.] (Hgg.): The Leader Cult in Communist Dictatorships. Hampshire 2004, S. 7. Auch Löhmann beschreibt den Personenkult herrschaftssoziologisch als Beziehungsmodel zwischen Führer und Massen. Löhmann: Stalinmythos.

[23] Hier bezieht Hein sich explizit auf Max Weber, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Begriff der charismatischen Herrschaft prägte. Weber, Max: Die charismatische Herrschaft und ihre Umbildung. In: derselbe: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen 51972 (11921), S. 654-687. Inwiefern bzw. ob Stalin tatsächlich als ein „natürlicher“ „charismatischer Herrscher“ gelten kann, soll weiter unten besprochen werden.

[24] Dazu werden zunächst die gesellschaftlichen Verhältnisse personalisiert (gleichzeitig wird die Führerpersönlichkeit überhöht), dann monumentalisiert (konkurrenzlos, verherrlicht) und zuletzt mythisiert (unfehlbar, allwissend und allgegenwärtig). Dies sind nach Löhmann die drei Entwicklungsstadien des Personenkultes. Löhmann: Stalinmythos, S. 10f.

[25] Löhmann: Stalinmythos, S. 11. Dass die zu verehrende Person durch Abbildung in der Öffentlichkeit allgegenwärtig erscheint, beschreiben auch andere Forscher als zentrales Merkmal: Rees beispielsweise definiert Personenkult: „A leadercult is an established system of veneration of a political leader, [...] a system that is omnipresent and ubiquitous, it is everywhere.“ Rees: Leader Cults, S. 4, 7.

[26] Hein: Kultforschung, S. 5.

[27] Hein: Mythosforschung, S. 3.

[28] Symbole gelten als „Bausteine des Myhos“. Friedrich Doucet: Im Banne des Mythos, S. 95. Zitiert nach Hein: Mythosforschung, 5. Rituale sind gleichsam symbolische Handlungen.

[29] Hein: Mythosforschung, S. 5.

[30] Hein: Mythosforschung, S. 9.

[31] 1946 bestimmt schon Cassirer – in seiner Auseinandersetzung mit der (politischen) Rückkehr des mythischen Denkens im 20. Jahrhundert – die orientierende Funktion des Mythos und vermerkt, dieser könne als bildhafter Ausdruck kollektiver Gefühle die Stiftung von Gemeinschaften gewährleisten. Cassirer: Der Mythus des Staates. In: Barner: Texte, S. 36. Cassirer zitiert auch Doutté, nach dessen Aussage Mythus „le désir collectif personnifié“ ist. Cassirer: Mythus, S. 365. Aus Führerperspektive hat der Mythos allerdings noch weitere Funktionen; so legitimiert er Macht und fungiert als Mechanismus zum Regulieren und Entschärfen potentieller Konflikte in der Regierungsgruppe. Rees: Leader Cults, S. 21.

[32] Ebenda, S. 6. An anderer Stelle heißt es: „Die spezifische Wirkungsweise von politischen Kulten befriedigt […] emotionale und soziale Grundbedürfnisse einer Gesellschaft, gibt ihr Orientierung und Identität, so dass dabei ein (pseudo-)religiöses Vokabular verwendet wird.“ Hein: Kultforschung, S. 3. Ennker ist der Meinung, dass die Erklärung einer Politik á la Stalin unter Hinweis auf das angebliche „mythische Bedürfnis in den Menschen“ über den instrumentalen Charakter der modernen politischen Mythen hinwegtäusche und hebt hervor, dass die Auffassung des Kults als Konstrukt der bolschewistischen Herrschaft nicht von der Annahme einer Totalmanipulation auszugehen habe: Ohne eine relevante soziale Resonanz wäre die Inszenierung nicht durchsetzbar gewesen. Ennker: Die Anfänge, S. 8, 25. Am geeignetsten erscheint mir die Formulierung des „Ausnutzung“ emotionaler Bedürfnisse und sozialer Orientierungslosigkeit durch die Herrschenden.

[33] Hein: Mythosforschung, S. 10.

[34] Zur Genese und Semantik des Begriffs Personenkult – mit zentralem Bezug auf den Stalinkult – siehe besonders Plamper: Introduction. In: Heller; Plamper: Personality Cults, S. 19ff.

[35] Nach Heizer: The Cult, S. 37. Heizer liefert leider keinen Hinweis, inwiefern bzw. ob diese subjektive Einschätzung Trockijs sich auch empirisch nachweisen ließe.

[36] Robert Tucker führt das Jahr 1929 als „opening episode“. Tucker: The Rise of Stalin’s Personality Cult. In: The American Historical Review 84 (1979), S. 349.

[37] Hierzu besonders Heizer: The Cult, S. 44, 55, 98-105. Heizer konstatiert, bis in die erste Hälfte der 1930er Jahre hinein „Stalin certainly was not making himself the center of attention.“ Heizer belegt dies sehr ausführlich anhand zahlreicher Statistiken, so über die Anzahl von Stalins Auftritten (S. 102f.), Interviews (S. 40, 103), Fotos in Zeitungen (S. 109), Artikel in Zeitungen (S. 111, 114). Er führt aber auch Zeitzeugen an, die einen Kult schon in den frühen 1930ern wahrnahmen (S. 126ff.). Heizer konkludiert für die Zeit bis 1934 eine „inconsequential adulation“. Erst nach 1934 stieg Stalins Präsens auch in der Pravda (Statistiken: S. 132-142). Vgl. auch Heizers umfassende Darlegung, wer in der Forschung wann den Kult um Stalin ansetzt: S. 4ff., 20.

[38] Davies: Cult of the Vozhd’, S. 133. In ihrer recht interessanten Arbeit versucht Davies – anhand von Briefen aus der Bevölkerung an die Führer – die Beziehung zwischen offizieller Propaganda und allgemeiner Resonanz im Volk herzustellen. Darüber hinaus fragt sie, wie die Wirkung der Propaganda auf ihre Rezipienten gewesen sei, wobei sie diese eingangs gestellte Frage letztlich leider nicht zufriedenstellend beantwortet.

[39] Ennker: The Stalin Cult, Bolshevik Rule and Kremlin Interaction in the 1930s. In: Apor: Leader Cult, S. 83f. Ennker fügt hinzu, 1933 sei der Kult um Stalin fertig konstituiert.

[40] Bonnell: Two Bodies, S. 124f.

[41] Barber, John: The Image of Stalin in Soviet Propaganda and Public Opinion during World War 2. In: Garrard, John; Garrard, Carol (Hgg.): World War 2 and the Soviet People. Hampshire 1993, S. 48.

[42] So im Rahmen der Säuberungen u. a. mißliebiger Themen. Messbar ist dies beispielsweise am Rückgang der Bilderanzahl in Zeitungen zu Zeit der Säuberungen; Ziel war, Stalin von der Verantwortung zu entlasten. Löhmann: Stalinmythos, S. 324, sowie die Statistiken bei Heizer: The Cult, S. 132ff.

[43] So in siegreichen Kriegszeiten.

[44] Vgl. Löhmann: Stalinmythos, S. 299.

[45] Der Verlust von althergebrachten Werten und Identitäten forderte Alternativangebote.

[46] Löhmann: Stalinmythos, S. 301f.

[47] Wie schon der Kult um Lenin posthum erdacht wurde aus „politischen Nützlichkeitserwägungen“. Ennker: Die Anfänge, S. 343.

[48] In einem Gedicht von 1938. Nach Koenen, Gerd: Die großen Gesänge. Lenin, Stalin, Mao Tse-tung. Führerkulte und Heldenmythen des 20. Jahrhunderts. Frankfurt a. Main 1991, S. 134.

[49] Vgl. beispielsweise Koenen: Die grossen Gesänge, S. 130 und Bois, Pierre du: Stalin – Genesis of a Myth. In: Survey 28 (1984), S. 178. Die totalitäre Herrschaft entwarf in Trockij ihr obligatorisches Feindbild, das als Ausgangs- und Zielpunkt allen Übels stets beliebig bezichtigt werden konnte, und unter das zudem sämtliche unliebsamen Subjekte subsumiert (und in Konsequenz eliminiert) werden konnten.

[50] Löhmann: Stalinmythos, S. 308; S. 317 merkt Löhmann an, Stalin sei von der Notwendigkeit autoritativer Herrschaft überzeugt gewesen.

[51] Schon traditionell galt die Distanz übrigens als eine Voraussetzung des Mythos vom „guten Zaren“ – und analog auch Stalins, so Löhmann: Stalinmythos, S. 298, 303f. Löhmann gibt auch an, Stalin habe die Dichotomie von Führer und Masse als normal angesehen. Löhmann, S. 317.

[52] Hierzu z. B. Medwedew, Roy: Das Urteil der Geschichte. Stalin und Stalinismus, Bd. 3. Berlin 1992, S. 90.

[53] Vgl. hierzu besonders Bonnell: Two Bodies, S. 113-140, aber auch in Bonnell: Iconography of Power. Soviet Political Posters under Lenin and Stalin. Berkeley 1997, dort Kapitel 4, S. 136-186. Koenen: „Die reale Person verschwand völlig hinter ihrem allgegenwärtigen Abbild.“ Dem gleichen Realitätsverlust sei auch Stalin erlegen, der „totaler als irgendein großer Herrscher, ausschließlich in der Welt seiner Berichte, Zahlen und Bilder – kurzum, im Medium einer Wirklichkeit aus zweiter Hand“ gelebt habe. Koenen: Die grossen Gesänge, S. 164, 240. Zu Stalins mangelndem und nachlassendem Verhältnis zur Realität, zur Außenwelt vgl. auch Löhmann: Stalinmythos, S. 334, 336. Statistiken unter anderem zu Stalins (Nicht-)Präsenz nach 1929 liefert Heizer: The Cult, S. 26ff.

[54] Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft. Frankfurt a. M. 1962. (New York 1955), S. 688.

[55] Ebenda.

[56] Justus, Ursula: Stalins Dramen. Inszenierung einer literarischen Figur zwischen Personenkult, Text und Bühne. In: Heller; Plamper: Personality Cults, S. 251. Vgl. auch Groys, Boris: The Art of Totality. In: Dobrenko, Evgeny; Naiman, Eric: The Landscape of Stalinism. Seattle, London 2003, S. 104.

[57] Stalin zu seinem Sohn Vasilij. Zitiert nach Davies: Stalin and the Making of the Leader Cult in the 1930s. In: Apor: Leader Cult, S. 30. Stalins Beurteilung des Kults um seine Person ist eine durchaus interessante Domäne und in ihrer Widersprüchlichkeit von der Forschung vielfach beschrieben. Siehe z. B. Hein: Kultforschung, S. 8; Löhmann: Stalinmythos, S. 66, 316ff.; Bois: Genesis, S. 172, 178/9; Tucker: Rise, S. 349, 352f., 355f., 362; Davies: Stalin and the Making, S. 29ff.; Ennker: The Stalin Cult, S. 84; auch Montefiore, Simon: Stalin. Am Hof des Roten Zaren. Frankfurt a. M. 2005, S. 191f, 689f. Montefiore zitiert auch aufschlussreiche Aussagen Stalins wie: „Die Leute brauchen einen Gott.“ (S. 163) Und in einem Gespräch mit seiner Mutter habe Stalin erklärt: „Ich bin eine Art Zar.“ (S. 210)

[58] Heizer: The Cult, S. 193-195. Vgl. Brooks, Jeffrey: Thank you, Comrade Stalin! Soviet Public Culture from Revolution to Cold War. Princeton 2000, S. 59. Oder auch, mit Weber argumentierend, die Bedeutung von Stalins angeblichem Charisma wurde mit zunehmender „Disziplinierung“ (bzw. Organisierung) der Gesellschaft eingeschränkt. Weber: Die charismatische Herrschaft, S. 681ff, 687. Vermutlich ist Webers Defizit die Vernachlässigung des Potentials moderner Massenmedien.

[59] Ennker weiter: „[D]er Führerkult [setzt] seit der Französischen Revolution die Medien der öffentlichen Meinung voraus.“ Zudem „bedeutete die Mediatisierung des Führercharismas nicht bloß eine quantitative Erweiterung seiner Wirkungen, sondern erfordert eine ebenso genaue Zeichnung seines Bildes.“ Ennker: Die Anfänge, S. 14, 15. Vgl. schon Cassirer: „Während der Boden für den Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts lange vorher bereitet worden war, hätte er seine Früchte nicht ohne geschickten Gebrauch der neuen technischen Mittel tragen können.“ In: Mythus, S. 360.

[60] Ennker: Die Anfänge, S. 17.

[61] Ebenda, S. 18. Nach Ennkers Begrifflichkeit liegt hier – mit Weber argumentierend – der Übergang von Charisma in das „Petrefakt“, die Metamorphose des Charismas in den Kult. Vielleicht aber besaß Stalin tatsächlich nie ein „natürliches Charisma“. Hannah Arendt ist übrigens der Ansicht, dass „persönliche Fähigkeiten“ des Führers tatsächlich nur unerläßlich seien, solange die Bewegung sich auf dem Weg zur Totalisierung befinde. „Für die totalitäre Bewegung selbst, ist sie erst einmal vollentwickelt, ist die Funktion des Führers und seine Position im Zentrum [...] sehr viel wichtiger als seine persönlichen Eigenschaften.“ Arendt: Elemente und Ursprünge, S. 553.

[62] Zum Kult für Kinder vgl. beispielsweise Kelly, Catrina: Grandpa Lenin and Uncle Stalin. Soviet Leader Cults for Little Children. In: Apor: Leader Cult, S. 102-123; Heizer: The Cult, Kapitel 7: Stalin and Children.

[63] Arendt meint gar, die Herrschaft unter Lenin und Stalin unterscheide sich nur insofern von der Zarenherrschaft, als die neue despotische Herrschaft das Analphabetentum abschaffte, da sich dieses immer noch als ein sehr natürlicher und wirksamer Schutz gegen Propaganda und ideologische Indoktrination erwies. Arendt: Elemente und Ursprünge, S. 479. Hierzu auch Löhmann: Stalinmythos, S. 200.

[64] Die Abteilung für Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, kurz: Agitprop wurde am 27. November 1921 vom Orgbüro gegründet. Hierzu Grabowsky: Agitprop, S. 69. Leider beschränkt sich Grabowskys Untersuchung der sich ständig verändernden Strukturen der Agitprop-Abteilung auf die 1920er.

[65] Agitprop war in seinen Kompetenzen den staatlichen Behörden , wie etwa Glavlit, übergeordnet. Vgl. Grabowsky: Agitprop, S. 13. Ruben Katanjan, leitender Funktionär beim Agitprop, bestimmte – in Übereinstimmung mit Lenins Vorstellung von der parteilichen Dominaz über staatlich-sowjetische Institutionen –, dass überall die führende, richtungsweisende Rolle in der agit-propagandistischen Arbeit ausschließlich der Partei zufallen solle. Grabowsky: Agitprop, S. 48. Für den sich seit den 1930er Jahren entwickelnden Totalitarismus gilt aber ohnehin eine Gleichsetzung von Staat und Partei, was im Endeffekt auf die Identität von Staat und Stalin hinausläuft.

[66] Grabowsky: Agitprop, S. 13; 325; 46f. Grabowsky formuliert als ein weiteres Arbeitsziel: Machtsicherung. Zu diesem Zweck habe der Apparat des Agitprop ab 1923 als ideologisches Instrument den Leninismus entwickelt. S. 334, 330.

[67] Peter Kenez konstatiert, das Regime hätte ohne Propaganda nicht existieren können und formuliert überspitzt, die Geschichte der Propaganda könne als Synonym für die Geschichte der Sowjetunion beschrieben werden. Kenez: The Birth of the Propaganda State. Cambridge 1985, S. 13, 3. Eine brauchbare Definition liefert er auf den folgenden Seiten: „Propaganda is [...] the attempt to transmit social and political values in the hope of affecting people’s thinking, emotions and thereby behaviour.“ Zur Definition von Propaganda siehe auch Grabowsky: Agitprop, S. 135f.

[68] Kenez: Birth of Propaganda, S. 6, 8.

[69] Kenez beschreibt die Alphabetisierungsinitiative als elementares Instrument der Mobilisierung. Kenez: Birth of Propaganda, S. 16.

[70] Arendt: Elemente und Ursprünge, S. 508, 511.

[71] In diesem Kontext habe Gewalt als integrierter Bestandteil der „Werbung“ zu gelten. Grabowsky: Agitprop, S. 137. Justus konstatiert in diesem Zusammenhang eine „Gleichschaltung aller sprachlichen Äußerungen [...], die keine alternativen Realitätskonzepte mehr kennt. Der damit einsetzende ,Terror der Indoktrination‘, den Arendt als konstitutives Element aller totalitären Systeme beschreibt, soll den Blick auf die Wirklichkeit so weitgehend okkupieren, daß sie [...] nicht mehr angreifbar ist.“ Im Kontext der mit dem Fünfjahresplan und der Kulturrevolution angestrebten Vereinheitlichung der Wirklichkeit fungiere die Kunst auf diese Weise als symbolischer Wirklichkeitsersatz, dessen künstlerische Fiktion die mythische Realität der 1930er gestalte. Justus: Literatur als Mythenfabrik. Auf Justus’ exzellente Analyse wird weiter unten noch eingegangen.

[72] Prinzipiell können sämtliche Vermittlungsformen des Kults als „Medien der Bewußtseinsbildung im öffentlichen Lebensraum“ gelten. Die Formulierung entstammt Hubertus Gaßners und Eckhart Gillens Artikel im Ausstellungskatalog zu „Agitation zum Glück“. Gaßner; Gillen: Vom utopischen Ordnungsentwurf zur Versöhnungsideologie im ästhetischen Schein. In: Agitation zum Glück. Sowjetische Kunst der Stalinzeit. Bremen 1994, S. 28.

[73] Vgl. z. B. Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 3. Grabowsky: Agitprop, S. 219f.

[74] Heizer: The Cult, S. 29. Grabowsky zitiert Stalins nachdrückliches Eintreten für die Bedeutung der Presse: Grabowsky: Agitprop, S. 103. Bemerkenswert ist Lenins Forderung nach einer Zeitung als Ausgangspunkt für die Tätigkeit der revolutionären Bewegung. Grabowsky, S. 135, 137.

[75] Zur Wandzeitung Kenez: Birth of Propaganda, S. 115, 237-239. Brooks bemerkt, die Leser seien nicht gewillt gewesen, für Zeitungen zu zahlen. Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 15.

[76] Brooks nennt sie „mass-newspapers“: Thank You, Comrade Stalin, S. 5, 61.

[77] Speziell auf den Krieg bezogen bei Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 184, 192 und bei Barber: Image, S. 42. Auch Montefiore weiß zu berichten, dass Stalin die Presse hinsichtlich der relationalen Vertretung seines eigenen Namens prüfte. Die erfolgreichen Kriegshandlungen soll er erzürnt kommentiert haben: „Ihr habt jetzt genug über Koniew gebracht.“ Montefiore: Stalin, S. 416. Zur Reduktion der Erwähnungen Stalins in Zeitungen während der Säuberungen vgl. Heizer: The Cult, S. 145f. Zur Quantität der typographischen Hervorhebung von Stalins Namen: Heizer: The Cult, S. 162.

[78] Nach Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 61.

[79] Heizer kommt aufgrund der Identität publizierter Briefe aus der Bevölkerung zu der Vermutung, diese seien häufig von Zeitungsredaktionen fingiert. Heizer: The Cult, S. 14, 62ff., 79f. Ähnlich auch Winkel, Heike: Schreibversuche. Kollektive Vorlagen und individuelle Strategien in den „Briefen der Werktätigen“. In: Murašov; Witte: Musen, S. 79. Heizer verdächtigt außerdem die Geburtstagsglückwünsche aus China und Deutschland wegen prägnanter Übereinstimmungen des Plagiats in Moskau. Heizer, S. 89. Zu Briefen in Zeitungen vgl. zudem Davies: Cult of the Vozhd’, S. 131-147.

[80] Ebenda, S. 137.

[81] Nach Brooks in der „official trade union newspaper Labor“ (Trud). Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 70.

[82] Vgl. Murašov: Das elektrifizierte Wort. In: Murašov; Witte: Musen, S. 81ff. Zur „Radiozeitung“ vgl. Grabowsky: Agitprop, S. 317.

[83] Zahlen nach Murašov: Das elektrifizierte Wort, S. 83.

[84] Bei einer Bevölkerungszahl von 200 Millionen. Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 5.

[85] Vgl. Kenez: Birth of Propaganda, S. 257.

[86] Murašov: Das elektrifizierte Wort, S. 83ff.

[87] Zu Stalins Ansprache bei Kriegsbeginn siehe Löhmann: Stalinmythos, S. 329 und Barber: Image, S. 41f. Letzterer dort auch zur Ansprache zum Jahrestag der Revolution 1941.

[88] Barber: Image, S. 43.

[89] Für den Führerkult um den ungarischen Staatsmann Rákosi hat Balász Apor die Rolle des Biograpie-Schreibens untersucht, wobei er nebenher auch auf den Stalinkult eingeht. Apor: Leader in the Making. The Role of Biographies in Constructing the Cult of Mátyás Rákosi. In: Apor: Leader Cult, S. 63-83.

[90] Heizer: The Cult, S. 34. Vgl. besonders auch Bois: Genesis, S. 168ff.

[91] Vgl. Ennker: Stalin Cult, Bolshevik Rule. In: Apor: Leader Cult, S. 85.

[92] Koenen meint, „das Buch von Alfred Kurella alias Henri Barbusse, Stalin. Eine neue Welt, verdient es, unter die großen phantastischen Romane der Weltliteratur gezählt zu werden.“ [Unterstreichung von mir, D. C.] Koenen: Die großen Gesänge, S. 107. Auch Bois konstatiert: „While in 1927 myth did not inevitably contradict reality, in 1935 mythicizing had turned into inventions and lies. [...] [Stalin] thus emerges from Barbusse’s biography totally mythicized. Bois: Genesis, S. 173f.

[93] Berija, L.: K voprosu ob istorii bolševistskich organizacij v Zakavkazie. Moskva 1935. Im Englischen mit dem Untertitel Stalin’s Early Writing and Activities versehen. Nach Bois: Genesis, S. 175. Berija war nicht der einzige aus der Führungsriege der Partei, der Stalins Lebenslauf gestaltete; auch Jaroslavskij, der zudem noch „Fehler“ zu revidieren hatte, verfasste 1939 eine glorreiche Stalin-Biographie. Nach Tucker: Rise, S. 362.

[94] Iosif Vissarionovič Stalin. Kratkaja Biografija. Moskva 1939. Hierzu Heizer: The Cult, S. 148. Ennker beschreibt diese Biographie als erste offizielle. Ennker: Stalin Cult. In: Apor, S. 85. Eben diese Kurze Lebensbeschreibung erschien dann auch auf anderen Sprachen, z. B. deutsch: Marx-Engels-Lenin-Institut Moskau (Hg.): J. W. Stalin. Kurze Lebensbeschreibung. Wien [o. J.]

[95] Bois führt als ein Beispiel des „rewriting of history“ an, dass die Anzahl der Verbannungen und Fluchten Stalins aus der Zeit vor 1917 von Darstellung zu Darstellung stetig anstieg. Bois: Genesis, S. 176.

[96] Heizer: The Cult, S. 130.

[97] Ebenda, S. 160, 181ff.

[98] Im Jahr 1946 wurde mit der Herausgabe von Stalins Werken als Gesamtausgabe begonnen, 1953 wurde der 13. Band publiziert. Heizer: The Cult, S. 24.

[99] Koenen formuliert: „Niemand vielleicht beherrschte wie er die Kunst der äußersten Vereinfachung und plakativen Bildhaftigkeit sowie der Prägung vertrauter liturgischer Formeln von großer Massenwirksamkeit.“ Koenen: Die großen Gesänge, S. 67. Vgl. auch Grabowsky: Agitprop, S. 185f. Auch Löhmann ist der Meinung, dass man seit den 1930ern eher Stalin las als Lenin, da Stalins Reduzierung von Komplexität die Orientierung in der gesellschaftlichen Realität erleichterte. Löhmann: Stalinmythos, S. 280, 288.

[100] Und dazu noch erst an 23. Stelle. Tucker: Rise, S. 349f.

[101] Eine Statistik aus dem Jahr 1934 führt eine Auflage von mehr als 16 Millionen für Stalins Werke an; wohingegen Marx und Engels lediglich sieben Millionen und Lenin immerhin noch 14 Millionen erreicht. Nach Tucker: Rise, S. 366.

[102] Bois: Genesis, S. 175f.

[103] Zur Geschichtsschreibung z. B. Medwedew: Das Urteil, S. 77. Zur Historiographie und zu Stalins eigenen Werken auch Löhmann: Stalinmythos, S. 323, 329, 331 u. a.

[104] Justus: Literatur als Mythenfabrik. In Kapitel 2 untersucht Justus hier am Beispiel von Aleksej Tolstojs Chleb die Inszenierung historischer Authentizität, die realistische Motivierung der literarischen Fiktion, die Erzeugung von Wirklichkeitsillusion.

[105] Ebenda, S. 4, 6: Die Berufung auf die Techniken des Realismus ist verfälschend, denn „[e]ntgegen der Behauptungen der sowjetischen Literaturwissenschaft ist Realismus [...] nicht das wahrheitsgetreue Abbild der Wirklichkeit, sondern ihr literarisches Konstrukt.“ Dabei setzt die normative Literaturpolitik durch den Sozialistischen Realismus die grundsätzliche Verschiedenheit von Kunst und Wirklichkeit außer Kraft, und sozrealistische Werke dokumentieren nur noch was sie selber schaffen: die parteipolitisch vorgegebene Vision einer Wirklichkeit, deren faktische Realität vollkommen anders aussieht. Justus, S. 19. „Zentrales Moment der Indienstnahme der Literatur ist dabei nicht das von Stalin konstatierte Zurückbleiben des Bewußtseins hinter dem Umbau der Wirklichkeit, sondern das Zurückbleiben der Wirklichkeit hinter ihrem offiziell propagierten Bild. Diese Differenz soll mit Hilfe der Literatur kompensiert [...] werden.“ Justus, S. 20.

[106] Aber letzten Endes dann wieder doch nicht völlig „parteitreu“: Im Herbst 1931 wurde die RAPP künstlerisch kritisiert wegen ihres Konzepts der ungeschönten Wirklichkeitsdarstellung. Justus bemerkt: „Da die Entmachtung der RAPP mit der Machtergreifung Stalins einhergeht, erscheint sie als Versuch, alle konkurrierenden Systeme einer symbolischen Welterzeugung außer Kraft zu setzen und so die Glaubwürdigkeit der eigenen Mythenproduktion zu erhöhen.“ Justus: Mythenfabrik, S. 17. An anderer Stelle: „Die Gleichschaltung von Kunst und Literatur zielt [...] nicht allein auf eine Indienstnahme der Literatur als Propagandawerkzeug ab, sondern versucht gleichzeitig, durch die Kontrolle der Literatur die von ihr betriebene symbolische Welterzeugung selbst zu kontrollieren.“ Justus: Mythenfabrik, S. 21.

[107] Justus: Mythenfabrik, S. 16.

[108] Dabei sei es gerade die imaginäre Kraft literarischer Texte, die sie für diesen („sozialen) Auftrag“ prädestiniere, bemerkt Justus. „Nur die Literatur [...] kann die disparate Realität der faktischen Ereignisse aufheben und durch die Illusion einer ganzheitlichen Wirklichkeit ersetzen.“ Justus: Mythenfabrik, S. 18.

[109] Justus: Mythenfabrik, S. 8. An anderer Stelle: „Mit der politischen Vereinnahmung wird die Literatur zu einem jener Propagandainstrumente, über die Stalin bereits [...] 1923 [...] schreibt, daß er sie nicht als Diskussionsorgan betrachte, sondern als „Transmissionsriemen“, dem keine agitatorische Aufgabe zukomme, sondern eine organisatorische.“ Justus: Mythenfabrik, S. 7.

[110] Der Begriff „Sozialistischer Realismus“ wurde – wie so vieles – Stalin zugeschrieben. Geprägt angeblich bei einer Begegnung in Gorkijs Haus am 26. Oktober 1932. Vgl. Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 108; hierzu ergänzend Schmitt, Hans-Jürgen; Schramm, Godehard (Hgg.): Sozialistische Realismuskonzeptionen. Frankfurt a. M. 1974, S. 10f. Schmitt und Schramm fügen hinzu, Stalin habe bei eben diesem Treffen zudem den Ausdruck „Ingenieure der Seele“ (für sein Ideal des Schriftstellers als Werkzeug) verwendet. Schmitt; Schramm, S. 15f.

[111] Somit verliert die Literatur ihre künstlerische Selbstständigkeit und wird zusammen mit der Presse zu einem der wichtigsten Übertragungsinstrumente parteipolitischer Propaganda. Justus: Mythenfabrik, S. 25.

[112] Justus: Mythenfabrik, S. 14.

[113] Ebenda, S. 33.

[114] Grabowsky: Agitprop, S. 306. Grabowsky führt hier auch Zahlen zur Buch-Produktion im Jahre 1925 an, wobei er bemerkt, dass sich die Produktion kaum nach Leserinteressen gerichtet habe, und dass zudem die hohen Preise die Leser entmutigt hätten. Grabowsky, S. 311ff., 318f.

[115] Koenen: Die großen Gesänge, S. 192. Einige Seiten weiter bemerkt Koenen noch überspitzt: „Die Hymne wird in dieser Zeit die universale Form nahezu jeder Art von öffentlicher Äußerung.“ Koenen, S. 200.

[116] Heizer: The Cult, S. 12. Hinzuzufügen ist: einige unbedingt preisende Zeilen über den unfehlbaren Herrscher! (Andernfalls wurden sie – bestenfalls – von dem publizierenden Organ hinzugefügt). Der entgegengesetzte Fall kam vor und wurde liquidiert. Als Exempel sei hier Mandel’štams pamphletisches Epigramm gegen Stalin angeführt, das er, gezwungenermaßen, mit seiner Ode an Stalin ausgleichen wollte. Mandel’štams Versuch eines Lobes mißlang aber. Seine kryptische „Ode“ enthält unter der Oberfläche tatsächlich kaum Herrscherlob, und der Dichter wurde in die Verbannung geschickt, wo er starb. Zu Mandel’štams zwei unterschiedlichen Entwürfen eines Stalinbildes vgl.: Chmelik, Daniela: Я с дымящей лучиной вхожу К шестипалой неправде в избу – Mandel’štams hybride Annäherung an Stalin. (Hausarbeit zu dem Seminar II „Poesie und Politik“ im Wintersemester 2004/2005 am Institut für Slavistik der Universität Hamburg). Hamburg 2005. Operierend mit Enzensbergers These zur Unmöglichkeit des Artikulierens von Herrscherlob mittels echter, wahrhafter Poesie wird hier dargestellt, wie Mandel’štams Poesie sich herrischer Politik verweigert. Der Ode an Stalin unterlief zwischen den Zeilen ein Gegensinn, ein gegen Stalin.

[117] Plamper bemerkt, die visuellen Medien seien bis zur zweiten Hälfte der 1930er Jahre „master-media“ gewesen. Plamper: Georgian Koba or Soviet ,Father of Peoples‘? The Stalin Cult and Ethnicity. In: Apor: Leader Cult, S. 126. Die Privilegierung des Auges, der bildlichen Propaganda ist für diese Zeit durchaus einleuchtend, war die Alphabetisierung der Bevölkerung doch erst in Arbeit.

[118] Allerorten waren Stalinporträts befestigt: in Amtsstuben, Schulen, öffentlichen Gebäuden; Stalinporträts zierten die erste Seite aller seiner zu Lebzeiten herausgegebenen Bücher, und Stalinporträts hatten in etlichen Wohnzimmern die Heiligenbilder ersetzt. Zudem hielten die Teilnehmer von Prozessionen an Feiertagen Stalinporträts in die Höh.

[119] Zu den Dnepr’-Staudamm-Feierlichkeiten 1932 beispielsweise wurden in Moskau Plakate von Lenin und Stalin montiert, die 25 Meter Höhe und neun Meter Breite maßen. Sartorti, Rosalinde: „Großer Führer, Lehrer, Freund und Vater“ – Stalin in der Fotographie. In: Loiperdinger, Martin; Herz, Rudolf Herz; Pohlmann, Ulrich (Hgg.): Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotographie und Film. München 1995, S. 201. Zu den konventionell in der Ikonenmalerei verwendeten überlebensgroßen Abbildungen bolschewistischer Führer auf politischen Postern vgl. auch Bonnell: Two Bodies, S. 117ff.

[120] Zur Fotomontage, Manipulation von Stalinfotographien vgl. Bonnell: Two Bodies, S. 125; Bois: Genesis, S. 167; Heizer: The Cult, S. 12; Sartorti: „Großer Führer“, S. 191, 200, 205. Sartorti weiß zu berichten, dass Fotographien von Ereignissen, bei denen Stalin zugegen war, am Abend jeweils für die Zeitung des nächsten Tages (mittels Pinsel, Schere, Farbe) präpariert wurden.

[121] Dargestellt wurde also auch in der Fotografie nur noch das, was sein sollte. Sartorti: „Großer Führer“, S. 209.

[122] Nach Sartorti: „Großer Führer“, S. 189.

[123] So werden z. B. Blumen ein beliebtes Accessoire der Stalin-Abbildung. Brooks schreibt: „The amalgam of flowers and fatherhood enhanced Stalin’s near magical persona in the performance, his power over life itself. Flowers have signified royality, paradise, and rites of passages, particularly of love and death, throughout Eurasia.“ Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 70.

[124] Besonders augenfällig in der gemeinsamen Abbildung mit seiner Führungsgarnitur: Die ihn Umgebenden garnieren ihn. Dabei war Stalin sicherlich nicht von vornherein Mittelpunkt jeglicher Darstellung. Seine Dominanz musste sich erst aus Lenins Schatten heraus bilden. Vgl. z. B. Löhmann: Stalinmythos, S. 307.

[125] Stalin dringt auf diese Weise immer weiter ins Bewusstsein, ins Unterbewusstsein.

[126] Sartorti: „Großer Führer“, S. 192.

[127] Sartorti berichtet, alle Erfolgsmeldungen im Rahmen des Fünfjahresplans seien in den Zeitungen mit einem Stalinporträt kombiniert erschienen. Sartort: „Großer Führer“, S. 203.

[128] Kenez: Birth of Propaganda, S. 111f.

[129] Bonnell: Two Bodies:, S. 131. Angaben zur zahlenmäßigen Substituierung der Lenin- durch Stalinbilder in der Öffentlichkeit berufen sich auf Eugene Lyons, den amerikanischen Pressekorrespondenten in der Sowjetunion der frühen 1930er. Lyons zählte im November 1933 entlang der Tverskaja 103 Stalin- und nur 58 Lenin-Porträts. Zitiert nach Heizer: The Cult, S. 121f. Siehe auch Tumarkin: Lenin, S. 249-251; Tucker: Rise, S. 365; Bonnell: Two Bodies, S. 128ff. Bonnell auch zur relationalen Auflage der Stalin-Porträts sowie zur Produktion von Plakaten in den 1920ern (mit zahlreichen Zahlen) und deren Intensivierung in den 1930ern. Bonnell: Iconography, S. 6.

[130] „Mir schien, auf mich kam ein Porträt von Stalin zu.“ Nach Plamper: Introduction. In: Heller; Plamper: Personality Cults, S. 13.

[131] Bulgakowa, Oksana: Herr der Bilder – Stalin und der Film, Stalin im Film. In: Agitation zum Glück, S. 65. Auch: Bulgakowa: Der Mann mit der Pfeife oder Das Leben ist ein Traum. Studien zum Stalinbild im Film. In: Loiperdinger [u.a.]: Führerbilder. München 1995, S. 211.

[132] Seine Kontrolle über die Kinematographie betrachtete Stalin selbst als kollektive Kreation der Regisseure und seiner Person. Siehe z. B. Bulgakowa: Der Mann mit der Pfeife, S. 210f.

[133] Dokumentaraufnahmen mit dem „realen“ Stalin sind rar. Stalins leibhaftiges Erscheinen ist, wohl wegen seines un-idealen Aussehens, in Filmen seit den 1930ern generell durch inszenierte Auftritte ersetzt. Das bewegte Bild des Films sah sich noch nicht in der Lage, eine idealisierende Darstellung herzustellen wie es beim unbewegten Bild durch Manipulation bereits geläufig war.

[134] Sofern er nicht ohnehin Zentrum der Abbildung ist. Die indirekte Darstellung in den visuellen Medien ist durchaus häufig. Für den Film bemerkt Bulgakowa, Stalin trete überaus oft durch orale Übermittlung in Erscheinung. Bulgakowa: Der Mann mit der Pfeife, S. 220. Zudem kann die filmische Darstellung von Stalinbildern an Wohnzimmerwänden o.ä. als sehr typisch gelten. Für die Malerei konstatiert Plamper anhand des Bildes Nach der Demonstration (sie sahen Stalin) eine rein gedachte Be-inhaltung Stalins: Stalins Anwesenheit wird hier in den ehrfurchtsvollen und freudigen Gesichtern der Kinder reflektiert. Plamper konkludiert: „Stalin, the center, was now everywhere.“ Plamper: The Spatial Poetics of the Personality Cult. In: Dobrenko: Landscape, S. 43. Zu Stalins Bild im Bild siehe auch zahlreiche Beispiele bei Bonnell: Iconography.

[135] Hülbusch, Nikolas: Džugašvili der Zweite. Das Stalin-Bild im sowjetischen Spielfilm (1934-1953). In: Heller; Plamper: Personality Cults, S. 208f. Kenez weist für das Jahr 1925 eine Anzahl von 900 Projektoren in den gesamten Sowjetunion nach, nur etwas später seien es bereits 1500 gewesen. Eine konkretere Angabe macht Kenez leider nicht. Kenez: Birth of Propaganda, S. 221.

[136] Nach Kenez: The Golden Age of the Soviet Cinema. In: Birth of Propaganda, S. 219.

[137] Bulgakowa: Ton und Bild. Das Kino als Synkretismus-Utopie. In: Murašov; Witte: Musen, S. 177. Wenngleich ich dem nicht völlig zustimme, so lässt sich diese These doch rechtfertigen mit dem Hinweis auf die besonders suggestive, Emotionen vereinnahmende Kraft des Kinos.

[138] Besonders Filme wie Ėjzenštejns Aleksandr Nevskij, Ivan Groznyj und Oktober; Sergej Vasilevs Die Verteidigung von Zaryzyn; Michail Romms Lenin im Oktober u.v.m. Romms Film Lenin im Oktober von 1937 begründete den Stalinkult im Film und ist der erste Film mit einem Stalin-Schauspieler. Nach Plamper: Georgian Koba. In: Apor: Leader Cult, S. 126. Der einzige Film, in dem die Opposition zu Wort kommt, ist übrigens Der große Patriot (1938). Nach Bulgakowa: Ton und Bild, S. 182, 184.

[139] Vgl. Bulgakowa: Ton und Bild, S. 177.

[140] Boris Sumjackij, eine führende Figur des Filmwesens in den 1930ern, spricht in seinem Werk Kinematografija millionov. Opyt analiza. (Moskva 1935) von dem Recht der siegenden Klasse auf freudiges, sowjetisches Lachen. Nach Hängsen, Sabine: Film als Erbe anderer Medien. In: Murašov; Witte: Musen, S. 187. Hängsen beschäftigt sich hier besonders mit dem Lied in den Filmkomödien Grigorij Aleksandrovs. Zum Massenlied auch: Günther, Hans: The Mother Archetype and Space in the Soviet Mass Song. In: Dobrenko: Landscape, S. 77-96. Zum Musical: Taylor, Richard: „But Eastward, Look, the Land is Brighter.“ Toward a Topography of Utopia in the Stalinist Musical. In: Dobrenko: Landscape, S. 201-219.

[141] Hülbusch: Džugašvili, S. 210. Hülbuschs Konklusion zum Bild Stalins in Der Fall von Berlin ist bemerkenswert und sei daher hier zitiert: „In ,Padenie Berlina‘ vereinigen sich die Linien der Revolutions- und Bürgerkriegsfilme, der Gegenwarts-Heldenfilme und der Kriegschroniken und gelangen zur Apotheose einer Figur, die in ihrer übermenschlichen Weisheit und göttlichen Güte jenseits von Zeit und Raum zu stehen scheint. Die Spaltung der Identität Stalins ist perfekt, das Alter Ego hat den symbolischen Platz seines ursprünglichen Vorbilds voll übernommen.“ Hülbusch: Džugašvili, S. 237.

[142] Justus: Stalins Drama. In: Heller; Plamper: Personality Cults, S. 263.

[143] Ebenda, S. 276. Justus formuliert, „die Stücke reproduzieren den offiziellen Stalinkult“, fügt aber hinzu, das Theater habe nicht die aktive Rolle zur Produktion und Entwicklung des Kults gespielt wie andere Medien. Nicht eingegangen werden kann hier auf die fahrenden Theater, die gerade die ländliche Bevölkerung über Agitation zu erreichen suchte und sowieso vermutlich durchaus wenig „künstlerisches“ im Sinn hatte.

[144] Justus: Mythenfabrik, S. 6, 7.

[145] Ähnlich Justus, die sich auch explizit auf den Titel bei Groys bezieht. Justus: Mythenfabrik, S. 22. Groys, Boris: Gesamtkunstwerk Stalin. Die gespaltene Kultur in der Sowjetunion. München, Wien 1988/1996.

[146] Laz’jan nach Justus: Mythenfabrik, S. 9.

[147] Kenez spricht von einem „elaborate indoctrination network“ sowie von „indoctrination machinery“. Kenez: Birth of Propaganda, S. 5, 9; 11, 257: Kenez führt aus, die funktionierende Staats- bzw. Parteimaschinerie, die erfolgreich jeden Aspekt des täglichen Lebens eines jeden Bürgers kontrollierte, habe es in ihrer typischen Totalität seit der absoluten Entfaltung des Stalinismus in den 1930er Jahren gegeben, wobei die 1920er bereits alle nötigen Vorbereitungen getroffen hatten.

[148] Groys: Art of Totality, S. 98.

[149] Murašov; Witte: Musen, S. 23.

[150] Koenen: Die großen Gesänge, S. 114. Leider ohne Nachweis.

[151] Davies expliziert, diese Angabe entstamme einer subjektiven Quelle. Davies: Cult of the Vozhd’, S. 146.

[152] Cassirer: Mythus, S. 371.

[153] Heizer: The Cult, S. 35, 121. Heizer erwähnt auch, Stalin sei sogar auf Nuckelflaschen für Säuglinge und Kleinkinder abgebildet gewesen: S. 169.

[154] Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 93.

[155] Grabowsky führt den Ausspruch eines Funktionärs an, es sei nicht möglich, irgendeinen in die Partei eintretenden Arbeiter „ohne ideologische Bearbeitung zu lassen“. Grabowsky: Agitprop, S. 210.

[156] Löhmann: Stalinmythos, S. 162ff.

[157] Ebenda.

[158] Und dies war bei weitem nicht die einzige Reminiszenz an russische orthodoxe Traditionen: „The traditional devotion to and worship of icons, relics of saints, and processions was apparently being replaced by a shallow imitation of iconlike imagery, official mass liturgy, effigies, and especially, processions and pilgrimages to the mausoleum sheltering an embalmed atheist.“ Lewin, Moshe: The Making of the Soviet System. Zitiert nach Bonnell: Two Bodies, S. 133.

[159] Siehe besonders bei Heizer: The Cult, der auf S. 209 eine Liste über die Orte, die nach Lenin, Stalin u.a. benannt wurde, anführt.

[160] Vgl. Genosse Gott Stalin, Ausstellungskatalog, S. 41.

[161] Wagner, Helmut: Die Rolle des Terrors und des Persönlichkeitskultes in der Sowjetunion. In: Osteuropa 17 (1967), S. 756.

[162] Zitiert nach Wagner: Die Rolle, S. 757.

[163] So besitze die Partei das politische, das wirtschaftliche, das geistige und das gesellschaftliche Monopol. Wagner: Die Rolle, S. 758.

[164] Ebenda. Weiter führt Wagner an dieser Stelle aus, dass der Terror das von Stalin benutzte Mittel zur Schaffung der institutionellen und psychologischen Bedingungen, ohne die eine totalitäre Ordnung nicht bestehen könne, gewesen sei. Wagner: Die Rolle, S. 759f.

[165] Wagner argumentiert weiter, dass „eine totalitäre Ordnung [...] eine konformistische Gesellschaft ist“ und dass, „wenn immer eine Gesellschaft geistig entmündigt wird, sie eines individuellen Vormundes bedarf.“ Woraus Wagner folgert, dass der Personenkult das legitime Kind einer totalitär verfassten Gesellschaft sei. Wagner: Die Rolle, S. 762f.

[166] Die ihn allerdings parallel auch als volksnah, volks-ähnlich inszenierte, um nicht eine Distanz hervorzurufen, die den Wunsch nach Identifikation von vornherein erschweren würde.

[167] Hein: Mythosforschung, S. 4.

[168] Wobei nun Patriotismus die Ideologie ersetzte. Nach Barber: Image, S. 40. Der prägende Slogan war: За Родину – за Сталина!

[169] Zur Suggestion dieses fürsorglichen „Elternpaares“ Brooks: Thank You, Comrade Stalin, S. 69.

[170] Nach Koenen: Die großen Gesänge, S. 262.

[171] Tucker: The Metamorphosis of the Stalin Myth. In: World Politics 7, 1 (1954), S. 38-62.

[172] Vgl. Tumarkin: Lenin Lives, S. 259.

[173] Nach dem Gedicht Danksagung aus dem Jahr 1953, Stalins Todesjahr, von Johannes R. Becher.

32 von 32 Seiten

Details

Titel
Der totale Stalin - Formen und Funktion der allgegenwärtigen Führerdarstellungen im Stalinschen Totalitarismus
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Personenkult in Osteuropa
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
32
Katalognummer
V111540
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stalin, Formen, Funktion, Führerdarstellungen, Stalinschen, Totalitarismus
Arbeit zitieren
Daniela Chmelik (Autor), 2005, Der totale Stalin - Formen und Funktion der allgegenwärtigen Führerdarstellungen im Stalinschen Totalitarismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111540

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