Das Flugblatt „Das deutsche Volk in Frankfurt hat gesiegt! ...“ aus dem Revolutionsjahr 1848. Einbettung in den historischen Kontext


Hausarbeit, 2007
18 Seiten, Note: 1,0

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Das Flugblatt „Das deutsche Volk in Frankfurt hat gesiegt! Erzherzog Johann ist in Gefahr“[1] vom 21. (?) September 1848 und seine Einbettung in den historischen Kontext.

1. Entstehungszeit und –ort

Das Flugblatt ist, wie das Impressum angibt, in Wien entstanden. Druckort ist die Druckerei Franz Edlen von Schmid. Ohne genauere Datierung ist das letztgenannte im Flugblattext angegebene Datum die „Nacht vom 20. auf den 21. [September]“, welche also das Datum post quem gibt. Der letzte Informationsstand ist eine Angabe über den Aufenthalt des Erzherzogs Johann in Frankfurt.

Der Druckerei Franz Edlen von Schmid in Wien entstammen zahlreiche Flugschriften des Revolutionsjahres 1848.[2] Während die amtlichen Nachrichten von der K.K. Hof- und Staatsdruckerei gedruckt wurden, entstammen der Schmidschen Druckerei die revolutionsfreundlichen Flugschriften. Die Schmidsche Druckerei gab in der Revolutionszeit auch wichtige andere, linke bzw. radikal-demokratische Schriften heraus, so die von Anton Schmit edierte „Arbeiter-Zeitung“ (2 Nummern erschienen, am 1. und 5.Oktober 1848).[3] Schmit, der sich selbst als „Arbeiter“ bezeichnete (s. die Nr.1 der „Arbeiter-Zeitung“ [s. Österreichische Nationalbibliothek, Sign. 307.290-C.Alt-Mag]) und der im "Ersten Arbeiterverein in Wien" tätig war, hatte in der Sitzung des Vereins am 27. September 1848 einen Vortrag zum Thema "Reaktion" gehalten und "ein von einem Arbeiter dem Vereine gewidmetes Gedicht" – vermutlich von Schmit selbst verfasst -, mit dem Titel "Die Freiheit wird siegen" vorgelesen. Der Titel dieses Gedichtes koinzidiert bemerkenswerterweise mit dem „Motto“ des Flugblattes „Der Deutsche muss siegen.

Ebenfalls bei dem Edlen von Schmid wurde im September 1848 das von der Preußischen Regierung verbotene Gedicht von F. Freiligrath (1810-1876) „Die Todten an die Lebenden“ gedruckt[4]. Dieses Gedicht, im Juli 1848 verfaßt, ist eine Anklage der reaktionären Kräfte und eine Widmung an die am 18.März 1848 in den revolutionären Ereignissen in Berlin Gefallenen. Wegen seiner „Neueren politischen und sozialen Gedichte“ (vor allem wegen „Die Todten an die Lebenden“) wurde Freiligrath (1848 erst aus dem Londoner Exil nach Deutschland zurückgekehrt) verhaftet, im folgenden „Press-Process“ am 18. August 1848 allerdings freigesprochen.

2. Informationsstand

Der Text des Flugblattes zeigt nur mittelbare Kenntnis der Ereignisse vom September 1848 in Frankfurt. Quelle scheinen bloß „Nachrichten“ zu sein, „wie man sie bereits von Mund zu Mund erzählt“, „Gerüchte“. Dementsprechend vage wird formuliert („wenn man … Glauben schenken darf“; „so viel ist gewiss“).

Behauptet werden folgende Sachverhalte und Ereignisse:

a) Die Nachrichten vom Erstürmen der Frankfurter Barrikaden durch das Militär sind falsch bzw. geben nicht den endgültigen Stand wieder:

- es fanden Kampfhandlungen in der Nacht vom 20. zum 21.September statt
- das hessische Militär ist zum „Volk“ übergegangen

b) Tod der Abgeordeten Heckscher, Lichnowsky, Auerswald

c) Erzherzog Johann befindet sich nicht auf der Flucht, sondern noch in Frankfurt.

Mehrere dieser Nachrichten sind unzutreffend bzw. ohne korrekten faktischen Hintergrund.

- So ist der Minister Heckscher nicht in den Wirren ums Leben gekommen.[5] Die Formulierung, die Abgeordneten seinen „gefallen“ suggeriert, dass sie im Kampf gegen das Militär den Tod gefunden haben. Das Gegenteil war der Fall: Lichnowsky und Auerswald wurde vom aufgebrachten „Volk“ schlicht gelyncht. Der Textverfasser ist also nicht korrekt unterrichtet, oder aber er begeht eine wissentliche Verschleierung des wahren Tatherganges.

Eine berühmte (da späterhin auch literarisch – teils ironisch – verewigte [Redcliff, Weerth]) Persönlichkeit war der Fürst von Lichnowsky[6]. Er war Brigadengeneral in spanischen Karlistenkrieg und Schriftsteller und späterhin eben Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, dort einer der von den Linken meistgehassten Politiker.[7] Er hatte sich, als einer der größten Grundbesitzer in Oberschlesien, aktiv in der oberschlesischen Kommunal- und Landespolitik betätigt, in der er z.B. gegen den Einzug der Juden in den Landtag agierte. Sein Verhalten während der furchtbaren Hungerkatastrophe im Winter 1847/48 in Oberschlesien wurde ihm von der Bevölkerung durch seine Wahl in das Frankfurter Parlament gedankt. Während der Märzrevolution in Berlin versuchte er den König zu einer konstitutionellen Monarchie zu bewegen. Lichnowsky trat vielfach öffentlichkeitswirksam in Erscheinung: als am 19. März 1848, da die königliche Proklamation in Berlin erschien, die den Frieden herstellte, sich viele Bürger auf dem Schlossplatz versammelten, versuchte der als Redner begabte Lichnowsky von einem in der Mitte aufgestellten Tisch aus die Menge zu beruhigen. In der Nationalversammlung gehörte er offiziell zur konservativen Rechten, von der er auch in den dreißigköpfigen Verfassungsausschusses gewählt wurde. Am Montag, den 18. September, blieb er, anders als die meisten Mitglieder der Rechten, die Frankfurt aufgrund der Straßenunruhen verließen, in der Stadt, in der Überzeugung, seine militärische Erfahrung könne entscheidend zur Beherrschung des Aufstandes beitragen. Als er einen Erkundungstritt vor das Eschenheimer Tor hinaus machte, um die Lage zu rekognoszieren, stieß er und General Hans von Auerswald auf eine bewaffnete Menge Aufständischer. Die beiden Reiter wurden von dieser mit Steinen und Schüssen attackiert. Sie stiegen von ihren Pferden und flüchteten in das Haus einer Gärtnerin. Dort wurden sie von den Aufständischen aufgefunden (Auerswald hatte man verletzt in einem Bett, Lichnowsky sich in einem Kellerverschlag versteckt) und – wobei Auerswald mit dem „verfemten Radowitz“[8] verwechselt wurde – ermordet.[9]

- Die im Flugblatttitel als ein Faktum gegebene Gefährdung des Reichsverwesers entpuppt sich als eine pure Vermutung („in der Brust eines jeden Deutschen Demokraten … steigt der Gedanke empor: Erzherzog Johann ist in Gefahr“).[10]
- Vom Übergang des hessischen Militärs ist sonst nirgendswo die Rede.[11] In der Mainzer Bundesfeste waren preußische und österreichische Truppen stationiert. Deren Loyalität soll recht zweifelhaft gewesen sein, und die Obrigkeit fürchtete tatsächlich einen Übergang zu den Republikanern.[12] Dieser hat aber nicht stattgefunden, ebenso wenig bei dem herangezogenen hessischen Militär. Ein Hilfskontingent Hessische Artillerie war am 18.09. mit der Eisenbahn nach Frankfurt gebracht und gegen die Aufständischen positioniert worden.[13]

Die Informationen des Flugblattes sind also weitgehend inkorrekt. Es basiert, wie es auch selbst angibt, auf mündlicher Erzählung, eine Form der Nachrichtenübermittlung, die für die Zeit noch charakteristisch ist. Wettengel 1989:254 schreibt dazu:

„Neu war neben der enormen Informationsnachfrage die Erweiterung des Publikums. Auch Frauen und Jugendliche, dies wurde in vielen Berichten hervorgehoben, zeigten großes Interesse an politischen Nachrichten. Die Poststationen wurden zu beliebten Sammelpunkten von Volksaufläufen bei dem Eintreffen von Postkutschen mit den neuesten überregionalen Zeitungen. In Kirberg, einer nassauischen Kleinstadt mit 1.300 Einwohnern, befragte die Jugend die Passagiere der Eilkutsche aus Wiesbaden allabendlich nach den neuesten Nachrichten. Selbst in Gießen, einer der größeren Städte der Region, war dies nicht viel anders, …“.

Wettengel 1989:253f. macht auch auf die zahlreichen „Gerüchte“ aufmerksam, die im Verlauf des Revolutionsjahres 48/49 kursierten, und er stellt die Forderung auf: „Die Rolle von Gerüchten und von Hysterie ist bislang eher unterschätzt worden, sie muß daher zur Erklärung des Revolutionsverlaufs verstärkt berücksichtigt werden.“ Auch in bezug auf den 18. September 1848 bildeten sich schnell „grotesk[e]“ Gerüchte.[14] Unser Flugblatt scheint davon keine Ausnahme zu machen. Möglicherweise geht es auf Fehlinformationen zurück, die für die Revolution selbst an anderer Stelle von größter Bedeutsamkeit wurden. Die Nachricht, die obrigkeitsstaatlichen Gewalten hätten im Septemberaufstand nicht den Sieg davongetragen, ist fehlerhaft. Genau aber diese Nachricht lag dem (missglückten) republikanischen Putschversuch von Gustav von Struve in Lörrach vom 21.09 zugrunde, also dem sog. „Zweiten badischen Aufstand“ (21.-25.09.1848).[15]

3. Zielsetzung, politische Ausrichtung, Adressat

Das Flugblatt hat keine objektive, rein informierende Zielsetzung. Bereits die Verwendung eines „Motto“s („Der Deutsche muss siegen“) zeigt an, dass es im Rahmen einer politischen Agitation steht: die Nachrichten aus Frankfurt werden für die Wiener Stimmungslage nützlich gemacht. Als Mittel verwendet es eine beschönigende (wenn nicht verschleiernde) Sprache (s.o. zum Tod Lichnowskys und Auerswalds) und eine oft inhaltsleere, pathetische Rhetorik. Die Terminologie ist politisch schwammig. Verwendet werden die Begriffe „Deutscher“, „Volk“, „(Deutscher) Demokrat“, „Republikaner“, „Rechter“. Die ersten vier Begriffe werden quasi synonym gebraucht, wobei der Ausdruck „Republikaner“ mit leichter Distanzierung ausgesprochen wird. Nationale, soziale und politische Begrifflichkeit schwimmt ineinander. Sollte es sich so verhalten, dass insbesondere in Wien 1848 das Wort „Volk“ als Gegenbegriff zu „Bürgertum“ verwendet wurde, wie Müller 2002:114 sagt, so stünde unser Flugblatt in eben dieser Tendenz.

Die gröbere Terminologie verweist darauf, dass der Adressat des Blattes eher die klein- und unterbürgerliche Schichten sind, Schichten, deren politisches Differenzierungsvermögen[16] gering und die leicht mit den großen leeren Worten zu erreichen waren.

Damit ist aber auch das Flugblatt selbst nicht exakt zu positionieren. Es steht natürlich links von der „Rechte[n]“ – die eine für den Schreiber revolutionsfeindliche Position einnimmt. Der Rechten, d.h. den Konstitutionellen Abgeordneten wird eine nicht näher bestimmte Böswilligkeit vorgeworfen, was sich entweder auf die Annahme des Malmöer Abkommens oder aber auf das Anfordern des Militärs gegen die Frankfurter Aufständischen bezieht. Sollte ersteres der Fall sein, so muß das Blatt auch links der Liberalen positioniert werden, denn auch sie unterstützten ja größtenteils die Annahme des Abkommens. Für eine links-radikale Position würde der Druckort und die vermutete Verfasserschaft (Schmit ?) sprechen. Bemerkenswert ist aber die „bange Furcht“ des Verfassers um die Person des als unschuldig erklärten Reichsverwesers Herzog Johann. Entweder gehört der Verfasser also denjenigen an, die der Reichsverweserschaft des Herzog Johann tatsächlich zugeneigt waren (was in der Tat ein fraktionsübergreifendes Phänomen war[17] ), oder aber die Besorgnis ist vorwiegend dem Populismus – der Erzherzog Johann erfreute sich einer volkstümlichen Beliebtheit – geschuldet.

Die Einstellung des Verfassers gegenüber dem Militär ist hingegen zweideutig. Zum einen erscheint es als Funktionsträger der alten Mächte, zum andern aber soll es zum Volk gehörig sein („und der Soldat gehört ja auch zum Volk“), sein Überlaufen wird begrüßt. Es ist anbei bemerkenswert, dass auch die alten Staatsmächte eine Neubestimmung des Soldaten forderten, ihn nämlich ebenfalls in seiner Funktion als Soldat noch als „Bürger“ verstanden wissen wollten.[18]

Schließlich bestimmen nationalistische Töne die Rede des Flugblattes. Da der Verfasser in Wien für Wiener schreibt, so dürfte er versuchen, in dem Wort „Deutscher“ Objekt und Adressat seines Berichtes zusammenzufassen. Man wird annehmen dürfen, dass der Verfasser ein Anhänger der ‚großdeutschen’ Lösung war.

4. Kontext des Flugblattes

4.1. Österreich im September 1848

Adressat des Flugblattes sind mit seiner deutlich deutsch-demokratischen Propaganda die Träger der Wiener Revolution. Diese hatten im Deutschen Bund den sicherlich schwersten Stand: die obrigkeitsstaatlichen Gewalt in der Habsburgermonarchie trat den revolutionären Bestrebungen, zumal diese sich mit separatistischen Tendenzen innerhalb des Vielvölkerstaates verbanden, insbesondere den ungarischen Unabhängigkeitsbestrebungen, am härtesten entgegen.[19] Diesen exzentrischen Kräften gesellten sich starke soziale Spannungen hinzu. Zur Linderung der sozialen Not hatte man in Wien, wie auch in anderen europäischen Metropolen, staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ins Leben gerufen. Mehr als 20000 Wiener waren in diesen untergebracht. Sie wurden durch Kürzungen in den Hilfsprogrammen existentiell getroffen. So kam es Mitte August zu Demonstrationen, die in der sog. „Praterschlacht“, an deren Ende 20 Menschenleben zu beklagen waren, blutig niedergeschlagen wurde.

Unser Flugblatt fällt also in die Phase zwischen jener zweiten revolutionären Erhebungswelle in Wien vom Spätsommer 48 und der dritten Demonstrationswelle vom Oktober 48 (mit der Erhängung des Kriegsministers und der 5tägigen, 2000 Tote fordernden Rückeroberung Wiens durch die habsburgische Reaktion vom 26.-30.Oktober), in deren Folge der linksliberale Abgeordnete der Nationalversammlung Robert Blum, den die Linke der Paulskirche zum Zeichen der Solidarität mit der Wiener Revolution nach Wien entsandt hatte[20], trotz seiner Immunität verhaftet und standrechtlich erschossen wurde – ein Ereignis, dass nicht nur die Schärfe der Konterrevolution der Habsburger sondern wohl auch deren Verachtung der Paulskirchenversammlung zeigte. Die Zeit Mitte September war jedoch in Wien keine Zeit vorübergehender Beruhigung. Am 14.9. wurden radikale Ausschreitungen durch Linientruppen und Nationalgarde unterdrückt. Am Folgetag kam es zur Organisation des konservativen, schnell 6000 Mitglieder zählenden „Monarchisch-Konstitutionelle(n) Verein(s)“, während die Linke unter der Führung des Philologen Tausenau eine Gegenregierung in Form eines „Zentralkomitees der radikalen Vereine“ schuf: „Wien glich einem Pulverfass“[21] zu der Zeit, da unser Flugblatt eine der ersten allgemeinen Informationen von den Frankfurter Ereignissen in die österreichische Hauptstadt brachte (wie der Text selbst angibt, nicht die erste, denn es waren ja schon – richtige – Nachrichten über die Erstürmung der Frankfurter Barrikaden nach Wien gedrungen).

4.2. Der Frankfurter Septemberaufstand

Das Flugblatt „Das Deutsche Volk in Frankfurt hat gesiegt“ bezieht sich auf ein Geschehen, das in der Forschung zur 48er-Revolution als „Septemberaufstand“ in Frankfurt bezeichnet wird.[22] Dieser Aufstand steht in einer Reihe von lokalen Konflikten, „einer förmlichen Protestserie“[23], die im September 1848 in einer zweiten Revolutionswelle kulminieren. Wettengel 1989:253 sieht die Monate März bis September 1848 „durch eine zunehmende politische Polarisierung und eine allgemeine Anspannung und Aufregung gekennzeichnet“, wobei diese Polarisierung nun eine innerhalb der im weitesten Sinne revolutionären Kräfte ist. Im Rhein-Main-Raum kam es vor dem Frankfurter Aufstand zu insgesamt vier großen Zusammenstößen mit Beteiligung des Militärs.[24] Diese zweite Revolutionswelle erstreckte sich im Bund von Baden und Bayern über das Rheinland und Mitteldeutschland bis nach Schlesien.[25]

Anlaß für den Frankfurter Aufstand war die überraschende Annahme der Frankfurter Nationalversammlung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Dänemark und Preussen in Malmö (26.08.1848) am 16.09.1848.[26] „In der öffentlichen Meinung löste dies eine allgemeine Empörung aus, nicht nur unter Demokraten und Republikanern, sondern auch unter Konstitutionellen“, wie Wettengel 1989:269 schreibt. Man ging von einem Verrat der - ohnehin verhassten[27] -Preussen aus und man glaubte sich durch die Nationalversammlung ein zweites Mal verraten; man erklärte die Abgeordneten „für Verräter des deutschen Volkes, der deutschen Freiheit und Ehre.“[28] Das Waffenstillstandsabkommen bedeutete nämlich eine Preisgabe von Schleswig-Holstein, dessen Zugehörigkeit zum zu schaffenden Deutschland einhellig gefordert wurde. Zur „Schicksalsfrage der Revolution“[29] wurde die Schleswig-Holstein-Frage zunächst deshalb, weil die Revolution von 1848 in Deutschland ja von Anfang an nicht nur eine soziale oder politische war, sondern eine zugleich nationale Angelegenheit, die wesentlich auf die Schaffung eines Deutschlands ging, über das dann aber strittig war, wie dessen Grenzen aussehen sollten, wie es sich definieren solle.[30]

Bereits am 16.09.[31], nach Bekanntwerden der (wenn auch knappen [258:237 Stimmen][32] ) Annahme des Abkommens durch die Nationalversammlung, brachen spontane Unruhen mit Stoßrichtung gegen die konservativen Abgeordneten aus.[33] Am Abend desselben Tages trafen sich Delegierte verschiedener politischer Vereine und beschlossen für den Folgetag eine Kundgebung auf der Frankfurter Pfingstweide. Zu dieser Kungebung versammelten sich mehr als 10000 Teilnehmer[34]. Es wurden von den Vereinsvertretern radikale Beschlüsse gefasst, die allerdings in einer Sitzung der linken Abgeordneten der Nationalversammlung am Abend des 17.09. nicht gebilligt wurden.[35] Als Reaktion darauf beschlossen die radikalen Wortführer für den Vormittag des 18.09.1848 eine bewaffnete Volksversammlung auf dem Frankfurter Rossmarkt. Der Frankfurter Senat - und der Innenminister Schmerling[36] - hatten allerdings schon in Folge der Geschehnisse vom 16.09. am 17.09 aus Mainz Bundestruppen requiriert, die in der Nacht zum 18.09. in Frankfurt einrückten. Bei einem Volkszusammenlauf am Vormittag des 18.09 wurden durch preußisches Militär einige Zivilisten verwundet, was den unmittelbaren Anlaß zu einem allgemeinen Aufstand gab. Zur sozialen Zusammensetzung der an den Kämpfen beteiligten Zivilisten schreibt Wettengel 1989:272:

„Zunächst wurden diese [Barrikaden] nach Augenzeugenberichten in erster Linie von Jugendlichen errichtet. Doch an den Kämpfen nahmen den Auswertungen der gerichtlichen Untersuchungsakten zufolge hauptsächlich Personen im Alter zwischen 25 und 39 Jahren teil. Ihrer beruflichen Herkunft nach waren sie vor allem nicht-zünftische Handwerker und Tagelöhner sowie Handwerksgesellen aus Branchen, die transportable, nicht verderbliche Güter produzierten, insbesondere aus Massenhandwerken wie Schneider und Schuhmacher. Handwerksgesellen der Baugewerbe und der Lebensmittelgewerbe waren dagegen unterrepräsentiert. Einen leicht überproportionalen Anteil an den Aufständischen stellten die Kleinhändler.“

Die Aufständischen hatten, zumal Hilfsunternehmen aus benachbarten Städten nicht zustande kamen[37], gegen die militärische Übermacht keine Chance. Die Barrikadenkämpfe wurden am 18. und 19.September niedergeschlagen, wobei mehr als 80 Personen getötet wurden.[38]

In unserem Flugblatt können wir in jenem Zusammenschluß der Begriffe „Deutscher“, „Volk“ und „Demokrat“ einen Reflex jener Stimmungslage der Revolution wiederfinden, wie sie in Frankfurt den Aufstand herbeigeführt hatte: die Verbindung äußerst linker Positionen bzw. deren Trägern mit extrem nationalen, ja schon nationalistischen Ideen.

Das Flugblatt gibt dem Glauben Ausdruck, dass die revolutionäre Sache noch nicht verloren sei. Tatsächlich war sie es aber längst an jenem 21. oder 22. September, da das Flugblatt in Wien erschien.

Die Forschung ist sich heute im wesentlichen darin einig, in den Septemberereignissen eine Wende der Revolution[39] und den Anfang ihres Endes zu sehen. Im Verlauf der Frankfurter Unruhen war es zur Ermordung der konservativen Abgeordeten Lichnowsky und Auerswald gekommen (s.o.). Diese Ermordung nicht zuletzt wurde Anlaß, dass die Reichsregierung über Frankfurt den Belagerungszustand verhängte und die politischen Vereine verbot[40]. Das verantwortliche rechts-konservative Lager hatte sich damit selbst an die Stelle der obrigkeitsstaatlichen Gewalt gesetzt, gewissermaßen Konterrevolution betrieben: „Der Beginn der systematischen und koordinierten Reaktion im Rhein-Main-Raum waren die Maßnahmen der Provisorischen Zentralgewalt nach dem Septemberaufstand. Die Gewinner des Septemberaufstandes waren jedoch nicht die konstitutionellen Politiker, sondern … die alten obrigkeitsstaatlichen Gewalten.“[41] Gesellschaftlich war der Aufstand von großer Tragweite, da sich das Bürgertum nun offen von den Barrikadenkämpfen – an denen es sich ohnehin kaum je beteiligt hatte[42] -, d.h. von der Straße und den Kräften der Sraße ab- und den alten Mächten zuwandte.[43] Auf der anderen Seite fühlten sich eben diejenigen, die die Sache der Revolution auf der Straße betrieben, von den bürgerlichen Kräften im Stich gelassen: „Von einer übergreifenden Einheit wie in den Märztagen konnte jedenfalls spätestens seit diesen Septembertagen keine Rede mehr sein.“[44]

5. Anhang: Ein zweites Flugblatt aus der Druckerei Franz Edlen von Schmidt vom 22. September 1848

Dieses Flugblatt, kurz nach dem Blatt „Das Deutsche[45] Volk in Frankfurt hat gesiegt“ erschienen, ist gewissermaßen die Richtigstellung der Fehlinformation jenes ersten. Der Verfasser dürfte derselbe sein. Auch in diesem Blatt werden „Anhänger der Linken“ – also die Barrikadenkämpfer – als deutsche Heroen verklärt, gegen das „verrätherische(n) Treiben der Rechten“; die Nationalversammlung (oder nur Teile dieser?) wird bezeichnet als „die der Volksfreiheit nicht nur gefährliche, sondern ihr sogar widerstrebende Partei der Reichsversammlung“. Der Verfasser hat die Tragweite der Niederschlagung noch nicht erfasst oder will sie doch noch nicht sehen. Das Flugblatt endet mit den Worten: „Ist auch diesmal das Werk mißlungen, wir erkennen den guten Willen, der nicht rasten wird, für Deutschlands Wohl mit erneuerten Kräften das Beste zu wirken.“

In Frankfurt

Republik

ausgerufen,

der Reichstag

gesprengt,

Barrikaden

gebaut.

Vor einigen Stunden ist eine Stafette hier in Wien angekommen, welche äußerst wichtige Nachrichten aus Frankfurt am Main brachte.

Da die Rechte der Deutschen Reichsversammlung alldort mit wahrhafter Schmach fortfuhr, zur Unterdrückung eines einigen Deutschlands mit allem und jedem Kraftaufwande zu wirken, so versuchten es die heroischen Anhänger der wahren Volkspartei, deren höchste Idee es ist, ein einiges, freies, deutsches Land zu gründen und zu befestigen, die Anhänger der Linken nämlich, diesem verrätherischen Treiben der Rechten einen Damm entgegenzusetzen. Wie konnten sie dieses aber besser tun, als wenn sie offen ihre Meinung, ihre innerste Überzeugung laut werden ließen, dass nur eine republikanische Verfassung das Heil des gesamten deutschen Vaterlandes herbeiführen könne. Diese unerschütterlichen Kämpfer für die Freiheit, diese wahren Männer des Volkes, die nicht nach Glanz und Würden streben, sondern deren höchste und einzige Aufgabe es ist, das Wohl des Volkes dauernd zu begründen, scheuten sich daher nicht, ihre innerste Überzeugung offen auszusprechen. In allen Straßen tönte daher der laute Ruf: „Hoch die deutsche Republik“- man machte sich sodann daran, die der Volksfreiheit nicht nur gefährliche, sondern ihr sogar widerstrebende Partei der Reichsversammlung aus einander zu sprengen. Aber nur kurze Zeit dauerte diese für jeden Demokraten so entzückende, wahrhaft erfreuliche Zeit, denn schnell kam österreischisches, preußisches und Mainzer Militär angerückt, um den auseinander gesprengten Reichstag wieder einzusetzen. Die wackern Kämpfer bauten stockhohe Barrikaden, aber umsonst, das Militär rückte heran und nahm sie nach hartem Kampfe im Sturme. Ist auch diesmal das Werk mißlungen, wir erkennen den guten Willen, der nicht rasten wird, für Deutschlands Wohl mit erneuerten Kräften das Beste zu wirken.

Wien im Septbr. 1848

Gedruckt bei Franz Edlen v. Schmid

6. Literaturverzeichnis

Dipper, Chr., U. Speck [Hrsg.] ( 1998 ): 1848. Revolution in Deutschland. Fr./M. und Leipzig. (Darin besonders: M. Wettengel, Frankfurt und die Rhein-Main-Region, S. 130-151).

Hachtmann, R. ( 2002 ): Epochenschwelle zur Moderne. Tübingen.

Hein, D. ( 1998 [3. Auflage 2004] ): Die Revolution von 1848/1849. München.

Langewiesche, D. ( 1989 ): Europa zwischen Restauration und Revolution. 1815-1849. München.

Müller, F.L. ( 2002 ): Die Revolution von 1848/1849. Darmstadt.

Neuland, Fr. ( 1998 ): Proletarier und Bürger. Arbeiterbewegung und radikale Demokratie 1848/49 in Frankfurt am Main. Fr./M.

Wettengel, M. ( 1989 ): Die Revolution von 1848/1849 im Rhein-Main-Raum. Wiesbaden.

Wolny, R. ( 2003 ): Fürst Felix Lichnowsky ( 1814-1849 ). Ein früh vollendetes Ritterleben. St. Ottilien.

[...]


[1] Das Flugblatt trägt in der Frankfurter Universitätsbibliothek die Signatur SF 16 / 100 MAPP / B1.

[2] s. die Sammlung der Flugblätter von 1848 der Universitätsbibliothek Frankfurt, elektronisch aufgearbeitet unter http://1848.ub.uni-frankfurt.de.

[3] Vom 7. bis 24. September 1848 waren in Wien bereits sechs Nummern einer "Arbeiter-Zeitung" erschienen, gedruckt bei den Mechitaristen, einer Kongretation armenisch-katholischer Mönche mit Sitz in San Lazzaro und Wien (zu den Wiener Mechitaristen s. F. Scherer, Die Mechitaristen in Wien, Wien 1892; I. Vahan, Hundertfünfzig Jahre Mechitaristen in Wien [1811-1961], Wien 1961; M.K. Arat, Die Wiener Mechitaristen; armenische Mönche in der Diaspora, Wien 1990).

[4] Freiligrath, in seinen Anfängen durchaus kein politischer Dichter, verfasste mehrere Gedichte zur Revolution von 1848, so „Februar-Klänge“, „Die Revolution“.

[5] Johann Gustav Wilhelm Moritz Heckscher, 1797-1865, deutscher Jurist und Politiker, verfasste juristische und politische Schriften. Er hatte u.a. an den Befreiungskriegen und am Wartburgfest teilgenommen und war Delegierter im Vorparlament, dem Fünfzigerausschuß und der Nationalversammlung, wo er zur Casino-Fraktion (später Übergang zum Pariser Hof), also zur rechten Mitte zählte. Am 15.Juli wurde er zum Reichsjustizminister der provisorischen Zentralgewalt gewählt, am 9.August übernahm er auch das Außenministerium.

[6] Ein neues biographisches Werk ist 2003 erschienen: Fürst Felix Lichnowsky (1814-1848). Ein früh vollendetes Ritterleben. Zum 150. Jahregedenken an seine Ermordung im Frankfurter Septemberaufstand 1848. St.Ottilien. Dieses Werk ist ein hagiographischer Bericht, gerichtet gegen die Schmähschrift von Georg Weerth aus dem Jahre 1849 „Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski“.

[7] In einem Karikatur-Flugblatt (Universitätsbibliothek Frankfurt, SF 16 / 115 MAPP / B 29) vom 19.09.1848 wird Lichnowsky, also noch einen Tag nach seiner Ermordung (er verstarb am 18.09. kurz vor 24 Uhr), wurde als Schoßhündchen vornehmer Damen dargestellt, die von ihm sagen „er lauft uns von selbst nach“.

[8] Wolny 2003:69.

[9] Die Ermordung von Lichnowsky und Auerswald ist bündig auch dargestellt in Neuland 1998:126-128. In Neuland 1998:126f. findet sich folgende Beschreibung von Lichnowsky und Auerswald: „beides Vertreter des reaktionären Adels, der erstere dazu wegen seiner unverhüllt zu Schau getragenen Verachtung für die „Canaille“ bestens gehasst. Ein Landsknecht dazu, der für fremdes Geld in Spanien gekämpft hatte, Frauenheld und „Dandy“ der Frankfurter Lebewelt in den Tagen der Paulskirche …“.

[10] Zumindest am 18.09., dem Tag des Aufstandes, war Johann in Frankfurt, s. Neuland 1998:127.

[11] Vielleicht sind Teile der Bürgerwehr gemeint (?). Vgl. Wettengel 1989:272.

[12] S. Wettengel 1989:266f., Wettengel in Dipper/Speck 1998:140.

[13] S. Wettengel 1989:272.

[14] Wettengel 1989:272. Die Gerüchtebildung mag kein zufälliges Phänomen sein. Die Revolution von 1848 fällt in eine Zeit, da die Ereignisse bereits Größenordnungen angenommen hatten (z.B. Versammlungen von 20000 Personen), die von den Einzelnen nicht mehr richtig überschaut und verfolgt werden konnten, da auf der anderen Seite aber die zu einer angemessenen Erfassung nötigen technischen Hilfsmittel sämtlich noch nicht entwickelt waren.

[15] S. Hachtmann 2002:88, Müller 2002:114.

[16] In der Tat sind die politischen Verhältnisse der Nationalversammlung schwer zu überschauen, als sich noch keine fixen Parteien mit klaren Grenzen gebildet hatten. Hachtmann 2002:80f. gibt ein genaues Bild der verschiedenen Fraktionen, wie sie sich in der Mitte 1848 herausgebildet hatten, wobei aber Fluktuationen üblich waren. Auch stellt Hachtmann 2002:81 fest: „Im übrigen schlossen sich nicht alle Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung einer Fraktion an; etwa 30% blieben ungebunden.“ Zur sozialen Zusammensetzung der Fraktionen s. Hachtmann 2002:81f.

[17] S. Hein 1998 [2004]:48f.

[18] S. Wettengel 1989:268. De facto war das Verhältnis der Bürger zum Militär eher schlecht, s. Wettengel 1989:259ff. Speziell zur Mainzer Garnison schreibt Wettengel 1989:260: „Das Verhältnis zwischen Militär und Bürgerschaft war in den Garnisonsstädten der Revolutionszeit stets problematisch, ausgesprochen schlecht war es jedoch in der Bundesfestung Mainz, wo während der Revolution bei einer Truppenstärke von zeitweilig mehr als 10.000 Mann auf drei bis vier Einwohner ein Soldat kam. Mit den dort stationierten Österreichern gab es dabei im allgemeinen wenig Schwierigkeiten, aber zwischen der preußischen Garnison und den unterbürgerlichen und kleinbürgerlichen Schichten der Mainzer Bevölkerung kam es immer wieder zu Reibereien“.

[19] Aus der Druckerei des Edlen von Schmid hat sich auch ein Flugblatt vom 19.09.1848 erhalten (Universitätsbibliothek Fr./M.), das mit den Worten beginnt: „Neuestes vom ungarischen Kriegsschauplatze: Schändlicher Verrat des Grafen Adam Teleky: Erzherzog Stephan vertheidigt mit seinen letzten Blutstropfen das Land …“. (Der Ungar Teleky war zu den Habsburgern übergelaufen, Erzherzog Stephan war ungarischer Vizekönig). Die Wiener Druckerei publizierte also pro-revolutionäre wie pro-ungarische Texte. In Folge der Niederschlagung der Wiener Demonstrationen vom August und Septemner 1848 kam es im Oktober zu einer Verbindung der politischen Linken mit der ungarischen Freiheitsbewegung. Die Folge waren jene berühmten Unruhen, da der Kriegsminister Latour an einer Laterne erhängt und der Kaiser – bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr – aus Wien fliehen musste. (Zu diesen Ereignissen s. Hein 1998 [2004]:91ff.).

[20] Die Mehrheit der deutschen Nationalversammlung verurteilte indes die revolutionären Ereignisse in Wien vom Oktober 1848.

[21] Müller 2002:114.

[22] Primärliteratur zum Septemberaufstand findet sich zusammengestellt bei Wettengel 1989:269 Fn.55.

[23] Hein 1998 [2004]:89.

[24] S. Wettengel 1989:258ff., Wettengel in Dipper/Speck 1998:138ff. Zu weiteren Aufständen in demselben Zeitraum s. Müller 2002:112.

[25] S. Hein 1998 [2004]:89.

[26] Der Deutsch (Preußisch) - dänische Krieg und der Friedensschluß von Malmö: Im Januar 1848, versuchte der dänische Staat eine Verfassung zu erarbeiten. Die Verfassung sah vor, „Schleswig“, seit dem 15. Jahrhundert in Personalunion mit dem dänischen Staat verbunden, diesem nun einzugliedern und dem zum Deutschen Bund gehörigen Holstein eine selbständige Verfassung zu geben. Die Reaktion der Deutschen in den beiden Herzogtümern (24. März 1848) war die Bildung einer eigenen provisorischen, antidänischen Landesregierung. Man bestand zum einen auf der Unteilbarkeit beider Herzogtümer und auf deren Zulassung zu den Wahlen zur Frankfurter Nationalversammlung. Dies bedeutete die Annexion Schleswigs durch den deutschen Bund bzw. die Reichszentralgewalt . Dänische Truppen marschierten daraufhin in Schleswig ein, gegen die die Landesregierung preußische Truppen anforderte; dieser Schritt wurde am 9. Juni von der Frankfurter Nationalversammlung ausdrücklich bekräftig. Der Krieg verlief uneinheitlich. Während die Preußen nach Dänemark vorstieß, behaupteten die Dänen die Seeherrschaft. Auf internationalen Druck hin trat Preußen in Verhandlungen mit der dänischen Regierung. Es kam im schwedischen Malmö zum Abschluß eines Waffenstillstandsabkommens (24.08.1848). Dieser – nicht vom Bund bzw. der Nationalversammlung gedeckte - preußische Schritt führte zu Empörung im Volk wie bei den Parlamentariern. Insbesondere die Linke beantragte in Frankfurt, den als „Bundeskrieg“ verstandenen Krieg fortzusetzen, und das Abkommen wurde mit 238:221 Stimmen am 5.09. sistiert (s. Hein 1998 [2004]:82). Zur allgemeinen Überraschung, aber wie die Forschung heute eher urteilt, zwangsläufig, wurde von der Nationalversammlung dem Malmöer Abkommen jedoch in zweiter Entscheidung am 16.09. zugestimmt: „Nach Lage der Dinge blieb der Nationalversammlung wohl kaum eine realistische Alternative zu diesem Beschluß; er enthüllte jeoch die Machtlosigkeit des Parlaments und dessen Abhängigkeit, insbesondere von der preußischen Regierung.“ (Wettengel 1989:270).

[27] Zum Preußenhaß s. Wettengel 1989:269, auch 260-262.

[28] Zit.n. Hein 1998 [2004]:89.

[29] Hein 1998 [2004]:81.

[30] Diese Problematik ist übersichtlich dargestellt in Hein 1998 [2004]:71-84; Langewiesche 1989:96f., 99f.

[31] Parallele, jedoch weniger bekannte Ereignisse fanden auch in Köln statt. Bereits am 7.09. demonstrierten dort 4000 Menschen gegen das Malmöer Abkommen, am 11.09. kam es zu einer Konfrontation mit dem Militär, in dessen Folge eine Volksversammlung einen „Sicherheitsausschuß“ wählte. Am 20.09. wiederholten die Kölner den Beschluß der Frankfurter Pfingstweide, am 25.09 errichtete man in Köln Barrikaden. Jedoch griff niemand ein, und so gingen die Barrikadenkämpfer unverrichteter Dinge wieder heim. (s. Müller 2002:112, 114).

[32] Hein 1998 [2004]:82.

[33] S. Wettengel 1989:270.

[34] So Wettengel 1989:270, Wettengel in Dipper/Speck 1998:141. Hachtmann 2002:88 spricht von „15000 bis 20000 Teilnehmern“, Hein 1998 [2004]:89 von „mehr als 15000“.

[35] S. Wettengel 1989:271.

[36] So Hein 1998 [2004]:89.

[37] S. dazu Wettengel 1989:273.

[38] Nach Müller 2002:113 33 getötete Aufständische, 62 Tote und Verwundete in den Reihen des Militärs (nach Wettengel in Dipper/Speck 1998:141 mindestens 14 getötete Soldaten).

[39] S. Hachtmann 2002:87, Hein 1998 [2004]:85ff. („Revolutionswende“), Neuland 1998:117ff. („Wendepunkt der Revolution. Der Frankfurter Aufstand vom 18. September 1848.“).

[40] S. dazu Wettengel 1989:274.

[41] Wettengel 1989:274.

[42] S. z.B. Hein 1998 [2004]:20.

[43] Zu einer Opposition „Barrikade“ – „Parlament“ s. Hachtmann 2002:86f.

[44] Hein 1998 [2004]:90.

[45] Universitätsbibliothek Frankfurt, Signatur SF 16 / 100 / B7 313.

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Details

Titel
Das Flugblatt „Das deutsche Volk in Frankfurt hat gesiegt! ...“ aus dem Revolutionsjahr 1848. Einbettung in den historischen Kontext
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
„ Das europäische Revolutionsjahr 1848 „
Note
1,0
Autoren
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V111546
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Revolutionsjahr, Flugblatt, Volk, Frankfurt, Erzherzog, Johann, Gefahr“, September, Einbettung, Kontext
Arbeit zitieren
Güven Asmacik (Autor)Güven Asmacik (Autor), 2007, Das Flugblatt „Das deutsche Volk in Frankfurt hat gesiegt! ...“ aus dem Revolutionsjahr 1848. Einbettung in den historischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111546

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