Das Problem der Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz ist nicht neu - es existiert, seitdem es außerhäusliche Frauenerwerbsarbeit gibt. Die Thematisierung des Problems in Unternehmen und der Öffentlichkeit ist dagegen eine relativ neue Erscheinung. Wie bei vielen anderen Themen auch, wurde Sexuellen Belästigung in den USA, im Vergleich zu Deutschland, verhältnismäßig früh diskutiert.
Bei Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz handelt es sich nicht um eine Randerscheinung; laut verschiedener Erhebungen in der Europäischen Union (EU) werden 40-50% der Arbeit-nehmerinnen belästigt. Das zeigt, dass es sich um ein dem normalen Arbeitsalltag zugehöriges Problem zu handeln scheint. Dabei beschränken sich die negativen Auswirkungen von Sexuellen Belästigung nicht nur auf die direkt betroffenen Personen, für die die Belästigung häufig dazu führt, dass sie den Spaß an ihrem Beruf verlieren, psychisch angespannt sind und sich ausgeliefert fühlen. Die Folgeerscheinungen wie Stress, Ängste, Depressionen und Aggressionen, können auch die Arbeitsleistung und -zufriedenheit beeinträchtigen. Konkrete Auswirkungen wären beispielsweise der Abbruch der Karriere, der Verlust des Arbeitsplatzes und Arbeitsunfähigkeit.
Öffentliche Diskussion und Enttabuisierung sind die wichtigsten Voraussetzungen für strukturelle Veränderungen. Ohne eine öffentliche Auseinandersetzung über die- bis vor wenigen Jahren nachhaltig verleugnete und totgeschwiegene- Problematik können Betriebe und Verwaltungen kein Problembewusstsein entwickeln. Enttabuisierung ist ein schwieriger und konfliktreicher Lernprozess, der sich zwischen radikalen Forderungen auf der einen und heftigem Widerstand auf der anderen Seite bewegt.
Noch von wenigen Jahren wurde das Problem „Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz“ auch von Frauenbeauftragten und Gleichstellungsstellen kaum wahrgenommen. Selten, aber doch zunehmend häufiger meldeten sich Frauen, die sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz erlebt hatten, mit dem Wunsch nach Unterstützung. Vor allem aber offenbarte sich das Ausmaß des berührten Tabus: In weit größerem Maße als bei anderen Benachteiligungen und Diskriminierungen von Frauen im Arbeitsleben werden bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz Widerstände und Abwehr lebendig. Sie reichen vom Herunterspielen und InfragestelIen des Konfliktgehalts bis zu scharfen Angriffen auf die persönliche Glaubwürdigkeit der Klägerin. [...]
Gliederung
1 Einleitung
1.1 Sexuelle Belästigung im Beschäftigtenschutzgesetz
1.2 Die Formen der Sexuelle Belästigung
2 Personenkonstellationen in Belästigungssituationen
2.1 Alter der Belästiger und der Belästigten
2.2 Betriebszugehörigkeitsdauer der Belästiger und der Belästigten.
2.3 Berufliche Position des Belästigers im Verhältnis zur Belästigten.
3 Sexuelle Belästigung aus verschiedenen Perspektiven.
3.1 Organisatorische Perspektive.
3.2 Soziokulturelle Perspektive
3.3 „Natürlich-biologische“ Perspektive.
4 Sexuelle Belästigung im Strafrecht.
4.1 Auszug aus dem Strafgesetzbuch.
5 Schlussbetrachtung.
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sexuellen Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz unter Berücksichtigung soziologischer, organisatorischer und biologischer Ursachen sowie rechtlicher Rahmenbedingungen und konkreter Bewältigungsstrategien für Betroffene.
- Analyse der Täter-Opfer-Konstellationen (Alter, Betriebszugehörigkeit, Hierarchie)
- Differenzierung der Belästigungsformen (verbal, nonverbal, physisch, Erpressung)
- Multiperspektivische Ursachenanalyse (Organisation, Kultur, Biologie)
- Strafrechtliche Einordnung und gesetzliche Regelungen in Deutschland
- Handlungsempfehlungen und Strategien zur Gegenwehr im Arbeitsalltag
Auszug aus dem Buch
1.2 Die Formen der Sexuelle Belästigung
Es gibt vier Kategorien der Belästigungsformen:
1. Verbal: obszöne Witze und Anspielungen, zweideutige Bemerkungen über Figur und sexuelles Verhalten, Aufforderungen zum Geschlechtsverkehr, unerwünschte Einladung mit eindeutiger Absicht, Avancen sowohl schriftlich als auch telefonisch.9 Sexuelle Auszüglichkeiten machen offenbar einen wesentlichen Bestandteil der Gesprächen am Arbeitsplatz aus. Die Frauen können sich über die Witze und Anspielungen ihrer Kollegen, Vorgesetzten oder Klienten vielfach nicht amüsieren.10
2. Nonverbal: Anstarren, Hinterherpfeifen, taxierende Blicke, Aufhängen von Pin-ups und pornographischen Bildern am Arbeitsplatz, auffordernde Gesten, Exhibitionismus.
3. Physisch: Unerwünschter körperlicher Kontakt, „zufällige“ Berührung von Körperteilen wie Brust und Genitalien, Po-Kneifen oder Klapsen, Aufgedrängte Küsse und Umarmungen, (versuchte) Vergewaltigung. Schwere Formen sexuelle Übergriffe, die auf den Intimbereich der Frauen gerichtet sind, finden allerdings vielfach unter Ausschluss eines Publikums statt. Unter diesen Bedingungen kann das zudringliche Verhalten für das Opfer zu einer massiven Bedrohung seiner körperlich-sexuellen Unversehrtheit erwachsen, deren Endpunkt nicht mehr einschätzbar ist.11
4. Sexuelle Erpressung: Androhung beruflicher Nachteilen bei sexueller Verweigerung, Versprechen beruflicher Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen.12
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung und die gesellschaftliche Relevanz der Thematisierung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
1.1 Sexuelle Belästigung im Beschäftigtenschutzgesetz: Dieses Kapitel erläutert die gesetzliche Verankerung und Definition des Problems im Beschäftigtenschutzgesetz seit 1994.
1.2 Die Formen der Sexuelle Belästigung: Hier werden die vier Hauptkategorien verbaler, nonverbaler, physischer Belästigung und sexueller Erpressung klassifiziert.
2 Personenkonstellationen in Belästigungssituationen: Das Kapitel analysiert empirisch, welche demografischen Gruppen am Arbeitsplatz überproportional häufig als Täter oder Opfer in Erscheinung treten.
2.1 Alter der Belästiger und der Belästigten: Untersuchung der Altersstruktur und der Korrelation zwischen dem Alter der Akteure und dem Auftreten von Belästigungsereignissen.
2.2 Betriebszugehörigkeitsdauer der Belästiger und der Belästigten.: Analyse des Zusammenhangs zwischen der Dauer der Beschäftigung und dem Risiko, Ziel oder Täter einer Belästigung zu werden.
2.3 Berufliche Position des Belästigers im Verhältnis zur Belästigten.: Betrachtung hierarchischer Abhängigkeiten und der Rolle von Kollegen gegenüber Vorgesetzten in Belästigungskontexten.
3 Sexuelle Belästigung aus verschiedenen Perspektiven.: Einleitung in die theoretische Betrachtung des Phänomens durch unterschiedliche wissenschaftliche Sichtweisen.
3.1 Organisatorische Perspektive.: Untersuchung von Arbeitsbedingungen und Unternehmenskulturen als Auslöser für sexistisches Verhalten.
3.2 Soziokulturelle Perspektive: Analyse der Machtdynamiken und Rollenbilder, die sexuelle Belästigung als Instrument zur Grenzensetzung nutzen.
3.3 „Natürlich-biologische“ Perspektive.: Kritische Diskussion evolutionsbiologischer Erklärungsansätze für männliches Sexual- und Aggressionsverhalten am Arbeitsplatz.
4 Sexuelle Belästigung im Strafrecht.: Überblick über die strafrechtlichen Konsequenzen und den Schutz von Arbeitnehmern vor Übergriffen.
4.1 Auszug aus dem Strafgesetzbuch.: Dokumentation relevanter Paragraphen aus dem StGB zum Schutz vor sexuellem Missbrauch und Nötigung.
5 Schlussbetrachtung.: Zusammenfassende Bewertung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und des Wandels im öffentlichen Bewusstsein hinsichtlich sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
Schlüsselwörter
Sexuelle Belästigung, Arbeitsplatz, Frauen am Arbeitsplatz, Machtstrukturen, Beschäftigtenschutzgesetz, Diskriminierung, Prävention, Belästigungsformen, Soziokulturelle Perspektive, Strafrecht, Aggressionsverhalten, Rollenbilder, Gleichstellung, Arbeitsklima, Mobbing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Problem der sexuellen Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz, beleuchtet deren verschiedene Erscheinungsformen sowie die Ursachen hinter dem Verhalten der Täter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die juristischen Rahmenbedingungen, die Rollenverteilung in Organisationen, die soziokulturelle Einbettung von Machtverhältnissen und praktische Strategien zur Bewältigung solcher Situationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen und Strukturen von sexueller Belästigung zu schaffen, um sowohl betriebliche als auch individuelle Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus einer Literaturanalyse, der Auswertung empirischer Studien zur Branchenverteilung und einer juristischen Einordnung anhand des Strafgesetzbuches.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Täter-Opfer-Analyse, eine mehrperspektivische Ursachenforschung (organisatorisch, soziokulturell, biologisch) und die strafrechtliche Behandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sexuelle Belästigung, Arbeitsplatz, Machtmissbrauch, Beschäftigtenschutz, Diskriminierung und Strategien gegen Belästigung.
Wie unterscheiden sich die im Text genannten "natürlich-biologischen" Perspektiven?
Diese Perspektive wird kontrovers diskutiert; sie versucht, männliches Verhalten evolutionsbiologisch zu erklären, was jedoch von vielen Frauen als Täter-Opfer-Umkehr und Rechtfertigungsversuch abgelehnt wird.
Welche vier Strategien zur Gegenwehr werden für den Alltag empfohlen?
Die Arbeit nennt Ignorieren/Rückzug, Diskutieren, Konfrontieren/Abgrenzen und das aktive Hilfeholen bei Dritten.
Warum spielt die Betriebszugehörigkeit laut Studie eine Rolle?
Statistiken zeigen, dass längere Betriebszugehörigkeit der Täter mit bestimmten Machtkonstellationen korreliert, während betroffene Frauen oft in den ersten Berufsjahren besonders vulnerabel sind.
- Quote paper
- Ina Aleksandrovich (Author), 2008, Sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz - Ursachen und Gegenmaßnahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111602