Rainer Maria Rilke - Sein Leben und seine Gedichte


Seminararbeit, 2003

28 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Inhalte und Ziele der Arbeit

2 Lebenslauf Rainer Maria Rilkes
2.1 Kindheit und schulischer Werdegang
2.2 Rilkes Reisen
2.3 Die Schweiz

3 Die literaturgeschichtliche Epoche des Symbolismus
3.1 Abgrenzung zu Naturalismus und Expressionismus
3.2 Das Wesen des Symbolismus

4 Interpretation von Gedichten Rainer Maria Rilkes
4.1 Der Panther
4.2 Das Karussell
4.3 Herbsttag
4.4 Römische Fontäne

5 Andere bedeutende Dichter der symbolistischen Lyrik
5.1 Baudelaire und weitere französische Symbolisten
5.2 Stefan George und Hugo von Hofmannsthal

Literaturverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Inhalte und Ziele der Arbeit

Für meine Seminararbeit habe ich mich entschieden über den österreichischen Dichter „Rainer Maria Rilke“ zu schreiben. Das Ziel meiner Arbeit soll dabei unter anderem sein, den Leser mit Rainer Maria Rilkes Leben und mit einigen bedeutenden Gedichten Rilkes bekannt zu machen. Als Erstes gebe ich deshalb dem Leser einen Überblick über die wichtigsten Stationen im Lebenslauf von Rainer Maria Rilke. Dabei stütze ich mich insbesondere auf die von Wolfgang Leppmann verfasste Biographie mit dem Titel „Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk.“ sowie die Monographie „Rainer Maria Rilke.“ von Hans Egon Holthusen. Bevor ich allerdings mit der Gedichtinterpretation beginne, erachte ich es als sinnvoll, die literaturgeschichtliche Epoche des Symbolismus vorzustellen. Die dazu durchgeführte Abgrenzung zu Naturalismus und Expressionismus und die erarbeitete Definition des Symbolismus sollen helfen, die nachfolgenden Gedichte literaturgeschichtlich einordnen und auch besser verstehen zu können. Ich habe fünf Gedichte Rilkes ausgewählt, die sowohl das Wesen des Dichters als auch den Symbolismus dem Leser näher bringen sollen. Mithilfe bereits vorhandener literaturwissenschaftlicher Untersuchungen habe ich eine etwas ausführlichere Interpretation des Gedichts „Der Panther“ vorgenommen und nachfolgend „Das Karussell“, „Herbsttag“, „Römische Fontäne“ und „Archaischer Torso Apollos“ in etwas knapperer Form interpretiert. Alle diese Gedichte sind während verschiedener Aufenthalte Rilkes in Paris entstanden. Meiner Meinung nach ist es daher notwendig, den französischen Wurzeln des Symbolismus nachzugehen. Ich tue dies, indem ich im Anschluss an die Interpretationen Charles Baudelaire und weitere französische Symbolisten kurz vorstelle. Im Zusammenhang mit dem Symbolismus müssen aber auch die beiden deutschsprachigen Dichter Stefan George und Hugo von Hofmannsthal genannt werden. Ein knapper Überblick über Leben und Werk dieser beiden Lyriker ist zugleich der letzte Punkt meiner Arbeit.

Ich hoffe dem Leser einen Einblick in die Welt von Rainer Maria Rilke geben zu können und ihn vielleicht ebenso sehr für diesen einzigartigen Dichter zu begeistern, wie mich die Beschäftigung mit diesem Thema für die Dichtkunst Rilkes begeistert hat. Hierbei möchte ich darauf verweisen, dass Rainer Maria Rilke nicht nur Gedichte verfasst hat, sondern auch viele Kurzgeschichten, Essays, Theaterstücke und einen Roman. Meine Seminararbeit hätte ich beliebig ausweiten können, ich habe mich aber bemüht, den Schwerpunkt auf die Gedichtinterpretation zu legen und mit den zusätzlich abgehandelten Punkten nötige Hintergrundinformationen zu den Werken Rilkes und dem Symbolismus zu liefern.

2 Lebenslauf Rainer Maria Rilkes

2.1 Kindheit und schulischer Werdegang

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Rainer Maria Rilke wird am 4. Dezember 1875 in Prag geboren. Er wird auf den Namen René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke getauft. Seine Eltern, Josef und Sophie Rilke, trennen sich als er acht Jahre alt ist. Zwei Jahre später besucht er die Militär-Schulen in St. Pölten und Mährisch-Weißkirchen. Nach einem Jahr Ausbildung an der Handelsakademie in Linz, erhält Rilke ab 1892 Privatunterricht in Prag und besteht 1895 das Abitur.[1] Noch im selben Jahr beginnt er u. a. deutsche Literatur in Prag zu studieren, wechselt aber bereits sechs Monate später zum Studium der Rechtswissenschaften über. Er verlässt 1896 Prag und zieht nach München. Hier studiert er Kunstgeschichte[2] und Philosophie. 1897 lernt Rilke die gebürtige Russin Lou Andreas-Salomé kennen, die ihm rät, seinen Vornamen René einzudeutschen, sich also Rainer zu nennen. Lou wird für ihn, bis auf wenige Unterbrechungen, zuerst Geliebte und dann sehr enge Freundin sein.[3] Die um 14 Jahre ältere Schriftstellerin überredet ihn auch von München nach Berlin zu ziehen, wo sie mit ihrem Ehemann lebt. In Berlin schreibt sich Rilke an der Universität u. a. wieder für Kunstgeschichte ein.[4]

2.2 Rilkes Reisen

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] 1898 ist das Jahr, in dem Rilke Gefallen am Reisen findet. Nachdem er in Prag seine erste eigene Dichterlesung gehalten hatte, besucht er zum ersten Mal Italien. Im Frühjahr 1899 reist Rilke nach Russland zusammen mit Lou und deren Ehemann. Im folgenden Jahr unternehmen Rilke und seine Geliebte, diesmal alleine, erneut eine Reise in das Geburtsland von Lou. Anschließend zieht Rilke nach Worpswede in eine bekannte Künstlerkolonie. Dort lernt er auch seine zu-künftige Ehefrau, die Bildhauerin Clara Westhoff, kennen.

Am 28. April 1901 heiraten Rilke und Clara, im Dezember dieses Jahres kommt die einzige Tochter Ruth zur Welt.[5] Das Paar trennt sich aber bereits Mitte 1902 wieder. Rilke zieht sodann im Herbst dieses Jahres nach Paris um eine Monographie über den Bildhauer Auguste Rodin zu schreiben.[6] Anschließend verbringt er seine Zeit wiederholt in Italien und Paris[7], besucht Dänemark und Schweden, hält Vorträge überall in Deutschland und in Prag. Zwischenzeitlich arbeitet er 1906 sogar als Privat-Sekretär Rodins in Paris. 1910 schließlich erscheint Rilkes einziger Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“, in welchem Rilke seine eigenen Lektüre- und Pariserlebnisse verarbeitet.[8] „In den letzten vier Jahren vor Ausbruch des Krieges hat sich der Dichter an rund fünfzig verschiedenen Orten für kurze oder längere Zeit aufgehalten“[9], Rilke besucht unter anderem Nordafrika und Spanien[10]. 1916, der Erste Weltkrieg dauert nunmehr schon zwei Jahre, muss er für ein halbes Jahr im Wiener Kriegsarchiv arbeiten und zieht dann nach München.[11]

2.3 Die Schweiz

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Im Jahr 1919 führt eine Vortragsreise Rilke das erste Mal in die Schweiz. Er kehrt danach nicht mehr nach Deutschland zurück.[12] Rilke lernt kurz nach seiner Ankunft die Malerin Baladine Klossowska kennen, mit der ihn bald eine „leidenschaftliche Liebesbeziehung“[13] verbindet. Als Rilke 1921 zusammen mit Baladine das Chateau de Muzot im Kanton Wallis entdeckt, ist es für ihn, als hätte er endlich eine Heimat gefunden. In diesem Schloss entstehen bedeutende Werke: Im Februar 1922 beendet Rilke die „Duineser Elegien“ und fertigt im selben Monat die gesamten „Sonette an Orpheus“.[14] Nach dieser ungeheuren Produktion verschlechtert sich der Gesundheits-zustand Rilkes rapide.

Der zuvor schon mit einer nicht allzu widerstandsfähigen Konstitution ausgestattete Dichter muss sich im Laufe des Jahres 1923 immer wieder in einem Sanatorium behandeln lassen.[15]

1924, es geht ihm wieder etwas besser, unternimmt er viele Autofahrten quer durch die französische Schweiz.[16] Als er 1925 ein letztes Mal nach Paris fährt, weiß er, dass es ein Abschied für immer von der geliebten Stadt ist.[17] Im November 1926 wird seine Krankheit schließlich als „eine seltene Form unheilbarer Leukämie“[18] identifiziert. Am 29. Dezember 1926 stirbt Rainer Maria Rilke mit 51 Jahren in Valmont. Seine Beisetzung findet am 2. Januar 1927 in Raron statt.[19]

3 Die literaturgeschichtliche Epoche des Symbolismus

3.1 Abgrenzung zu Naturalismus und Expressionismus

Die dem Poetischen Realismus um 1890 nachfolgende literarische Strömung ist der Naturalismus. In dieser Epoche machen es sich die Autoren zur Aufgabe, die Wirklichkeit detailgetreu darzustellen. Beeinflusst wurde der deutsche Naturalismus von Autoren wie Zola, Ibsen und Tolstoi. Die bisherigen Tabuthemen „Alkoholismus und Kriminalität, Sexualität und Triebhaftigkeit, Brutalität und Gewalt sowie Unterdrückung und Ausbeutung“[20] werden aufgenommen. Die Werke spielen oft in den unteren sozialen Schichten und es werden die entsprechenden Soziolekte und Dialekte verwendet. Prägnant ist auch der sog. Sekundenstil, hierbei wird versucht die Vorgänge deckungsgleich darzustellen. Wichtige Dichter des Naturalismus sind u. a. Arno Holz und Ludwig Thoma.[21] Als der „Gipfel der naturalistischen Dramatik“[22] gilt das bekannte Schauspiel „Die Weber“ von Gerhart Hauptmann.

Etwa 1910 wurden der Naturalismus und seine Gegenströmungen vom Expressionismus abgelöst.[23] Die Großstadt ist ein zentrales Motiv in dieser literaturgeschichtlichen Epoche, ebenso werden äußerst negative Themen (z. B. Selbstmord und Wahnsinn) häufig behandelt. Die Sprache wendet sich hin zu der sog. „Ästhetik der Hässlichkeit“[24], sie zeigt „Züge provozierender Verfremdung, chaotischer Zerrissenheit und fratzenhafter Verzerrung der Realität“[25]. Des Weiteren parodieren die Autoren oft traditionelle literarische Formen und Elemente.[26] Zu den bedeutendsten Dichtern der expressionistischen Lyrik zählen Georg Heym, Georg Trakl, Alfred Döblin und Franz Kafka. Das Ende der Epoche lässt sich etwa im Jahr 1925 ansiedeln.[27]

3.2 Das Wesen des Symbolismus

Der Symbolismus ist eine Gegenströmung zum Naturalismus, die ab etwa 1890 die deutschsprachige Literatur bereicherte. Neben dem Symbolismus gab es viele weitere literarische Strömungen in dieser Zeit, darunter z. B. den Impressionismus, die Neoklassik und die Neoromantik.

Die Autoren des Symbolismus distanzierten sich von politischen und sozialen Fragen, die Betonung lag auf der Subjektivität und Psychologie einzelner Figuren, welche wieder dem gehobenen Bürgertum entstammen durften bzw. sogar aus Adels- oder Künstlerkreisen kamen.[28] Auch in der Sprache zeigen sich deutliche Unterschiede zum sachlichen Naturalismus. Der Stil des Symbolismus

„wurde weitgehend vom Bestreben bestimmt, mit suggestiv-musikalischen Mitteln wie Klangmalerei, Assonanzen, Rhythmen, Reimen und einer kühnen Bildersprache die in den Dingen versteckte Geheimniskomponente zu evozieren.“[29]

Die symbolistischen Dichter verwendeten also Bildzeichen (=Symbole), um sich an das Unsagbare annähern zu können, „d.h. konkret Dargestelltes bekommt Verweisfunktion auf dahinterliegende Wahrheiten.“[30] Diese Art der Dichtung wird häufig auch als „poésie pure“, was soviel wie reine Dichtung heißt, und „l’art pour l’art“ (Kunst um der Kunst willen) bezeichnet. Daraus hat sich der Typus des Dinggedichts entwickelt.[31] „Als Schöpfer des Dinggedichts gilt Rainer Maria Rilke“[32], einige Gedichte dieser Gattung werden dem Leser im folgenden Abschnitt vorgestellt. Die ausländischen Einflüsse, die auf den deutschen Symbolismus einwirkten, sowie weitere Werke und Dichter dieser literaturgeschichtlichen Epoche spreche ich im letzten Punkt an.

[...]


[1] Vgl. Leppmann (1998), 12 – 52.

[2] Vgl. Holthusen (2002), 19 – 30.

[3] Vgl. Leppmann (1998), 77 – 102.

[4] Vgl. Holthusen (2002), 34ff.

[5] Vgl. Leppmann (1998), 107 – 167.

[6] Vgl. Holthusen (2002), 56.

[7] Vgl. Leppmann (1998), 215–231.

[8] Vgl. Stahl (1979), 159.

[9] Vgl. Holthusen (2002), 103.

[10] Vgl. Holthusen (2002), 81–112.

[11] Vgl. Leppmann (1998), 365ff.

[12] Vgl. Holthusen (2002), 134f.

[13] Leppmann (1998), 405.

[14] Vgl. Holthusen (2002), 141–146.

[15] Vgl. Leppmann (1998), 443.

[16] Vgl. Holthusen (2002), 155.

[17] Vgl. Holthusen (2002), 445ff.

[18] Holthusen (2002), 162.

[19] Vgl. Holthusen (2002), 163.

[20] Müller (1997), 401.

[21] Vgl. Müller (1997), 401f.

[22] Brenner (1996), 194.

[23] Vgl. Sorensen (1997), 176f und Beutin (1994), 334.

[24] Hermes (1999), 186.

[25] Müller (1997), 448.

[26] Vgl. Hermes (1999), 186.

[27] Vgl. Müller (1997), 404, 448.

[28] Vgl. Müller (1997), 402f.

[29] Sorensen (1997), 125.

[30] Müller (1997), 403.

[31] Vgl. Müller (1997), 446.

[32] Preuß (2003), 2. Abgedruckt im Anhang als Anlage 6.

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Rainer Maria Rilke - Sein Leben und seine Gedichte
Hochschule
Universität Passau
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V111653
ISBN (Buch)
9783640116034
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rainer, Maria, Rilke, Leben, Gedichte, Rainer Maria Rilke, Panther, Karussell, Torso Apollos, Römische Fontäne, Herbsttag, Hofmannsthal, George, Symbolismus, Impressionismus, Naturalismus, Dinggedicht, Frühe Moderne, Paris, Clara, Baudelaire
Arbeit zitieren
Tanja Wagner (Autor), 2003, Rainer Maria Rilke - Sein Leben und seine Gedichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111653

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