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Die Fremde in "The travels of Sir John Mandeville"

Title: Die Fremde in "The travels of Sir John Mandeville"

Seminar Paper , 2002 , 17 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Johanna Wünsche (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Reisen in die Fremde und ihre literarische Verarbeitung sind Gegenstand vielfacher Darstellung. Einer der ersten englischsprachigen Reiseberichte, der Traditionen vorangegangener Epochen verarbeitet, wird hier übersichtlich dargestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Soziologische Fremdbetrachtung im Bezug auf die Darstellung des Autors

III. Die Darstellung der Griechen

IV. Das Heilige Land

V. Die Sarazenen

VI. Fremde jenseits des Heiligen Landes

VII. Das Land des Grossen Khan

VIII. Erstrebenswerte Fremde: Priester Johann, die Brahmanen und das Paradies

XI. Die Verwendung der Fremde bei Mandeville

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit analysiert die literarische Darstellung des Fremden in "The Travels of Sir John Mandeville". Dabei wird untersucht, wie der Autor durch die Schilderung fremder Länder und Kulturen eine Kritik an der moralischen Verfassung und Korruptheit der westlichen christlichen Welt des 14. Jahrhunderts übt.

  • Analyse der soziologischen Wahrnehmung des Fremden bei Mandeville.
  • Untersuchung der christlich geprägten Perspektive auf den Fernen Osten.
  • Kontrastierung von fremden Kulturen mit der Moral der westlichen Christenheit.
  • Aufzeigen der Funktion der Fremde als Vorbild für christliche Tugenden.
  • Deutung der "Travels" als fiktives, moralisch intendiertes Werk statt als faktischer Reisebericht.

Auszug aus dem Buch

Die Darstellung der Griechen

Im Prolog zu seinem Werk stellt der Autor seine Intention dar: als guter Christ unterstützt er das Bestreben das Heilige Land und vor allem Jerusalem als Mittelpunkt der Erde zurückzuerobern, da es das den Christen rechtmäßig zustehende Erbe sei. Zu Beginn des Werkes entsteht der Eindruck, dass der Autor einen Kreuzzug führen wird zur Wiederinbesitznahme des Heiligen Landes:

For we are called Christian men from Christ our Father; and if we be true children of Christ, we ought to lay claim to the heritage that our Father left to us, and win it out of strange men’s hands. (MT, 44)

Es folgt aber keine Anleitung zur Rückgewinnung, sondern die Beschreibung von Wegen zum Heiligen Land und die Darstellung der gerade erwähnten seltsamen, fremden Menschen, ihrer Länder und Sitten. Der erste umfassende Gegenstand der Fremddarstellung ist Griechenland. Er zeichnet sich aus durch den starken religiösen, christlichen Bezug in der Beschreibung des Landes. Dieser christliche Hintergrund zieht sich unterschiedlich stark durch das ganze Buch. Neben geographischen, ethnographischen, mythischen und wundersamen Darstellungen stellt die christliche Religion für den damaligen Leser das Band dar, welches das entfernte, fremde Griechenland mit der Heimat verbindet. Ich möchte daher diese Fremddarstellung unter dem Aspekt einer nahen und zugänglichen Fremde anhand der Kapitel drei, vier und fünf analysieren.

Einen religiösen Einstieg schafft Mandeville durch die Vorstellung von Konstantinopel (MT, 49 ff.). Dort liege die Heilige Anne, Mutter von Maria. Nach einigen Details über den Stadtaufbau geht der Autor über zu geographischen Informationen über Griechenland und seine Inseln. Zwischen diese Fakten mischt er entweder historische Begebenheiten, wie zum Beispiel über Aristoteles und seine Geburtsstadt, oder er stellt Sitten dar, wie das jährliche Fest am aristotelischen Grab, oder er berichtet über Wundersames, wie über die trockene Luft auf dem Berg Athos.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung ordnet das Werk historisch ein und verdeutlicht die zentrale These, dass die Reisebeschreibung als fiktives Instrument zur Kritik an der westlichen christlichen Gesellschaft dient.

II. Soziologische Fremdbetrachtung im Bezug auf die Darstellung des Autors: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Stufen der Fremderfahrung nach Waldenfels und zeigt, wie Mandeville das Fremde durch rationalisierende Stile aneignet und zur Spiegelung des Eigenen nutzt.

III. Die Darstellung der Griechen: Der Autor nutzt das bekannte griechische Christentum als Brückenelement, um den Leser behutsam vom Vertrauten zum Fremden zu führen, während er erste subtile Kritik am westlichen Klerus einfließen lässt.

IV. Das Heilige Land: Hier wird das Ziel der Pilgerreise erreicht, wobei Mandeville die Unwürdigkeit der aktuellen christlichen Herrschaft über das Heilige Land betont und den Übergang zu nichtchristlichen Völkern darstellt.

V. Die Sarazenen: Durch die Konfrontation mit der islamischen Welt wird der Sultan als Spiegelfigur eingeführt, die das moralische Versagen der Christen durch deren eigenes sündhaftes Verhalten begründet.

VI. Fremde jenseits des Heiligen Landes: Der Autor berichtet von exotischen Völkern wie den Amazonen, wobei er durch Einordnung und Deutung der fremden Sitten das Bedrohliche nimmt und dem Leser das Unbekannte rational erklärt.

VII. Das Land des Grossen Khan: Das Reich von Cathay wird als vorbildhaft idealisiert, da es göttlichen Willen, Ordnung und moralische Bescheidenheit verkörpert, was als indirekter Appell an die westliche Welt verstanden werden kann.

VIII. Erstrebenswerte Fremde: Priester Johann, die Brahmanen und das Paradies: Dieses Kapitel vergleicht die tugendhaften Brahmanen mit den sündhaften westlichen Christen und unterstreicht die moralische Überlegenheit der dargestellten Fremden als Mahnung.

XI. Die Verwendung der Fremde bei Mandeville: Die Zusammenfassung verdeutlicht, dass das Werk keineswegs der reinen Unterhaltung dient, sondern eine komplexe, moralisch-didaktische Absicht verfolgt, um die Christen zu einer Selbsterneuerung zu bewegen.

Schlüsselwörter

Sir John Mandeville, Fremderfahrung, Mittelalter, Reisebericht, Literaturanalyse, Soziologie, Christentum, Moral, Pilgerfahrt, Kulturvergleich, Orientalismus, Ethnozentrismus, Idealisierung, Fremdheit, Gesellschaftskritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das mittelalterliche Werk "The Travels of Sir John Mandeville" das Konzept des Fremden konstruiert und nutzt, um eine gesellschaftskritische Botschaft an die westliche christliche Welt des 14. Jahrhunderts zu vermitteln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die literarische Gestaltung von Reiseberichten, die soziologische Theorie der Fremdheit, die Rolle von Religion und Moral sowie die Funktion von Fiktion in faktisch getarnten Erzähltexten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass der Autor "The Travels" nicht als bloße Dokumentation nutzte, sondern gezielt fremde Kulturen als Vorbild oder Spiegel für die Verfehlungen der zeitgenössischen europäischen Christenheit inszenierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, kombiniert mit soziologischen Theorien zur Fremderfahrung (u.a. nach Bernhard Waldenfels), um die Intentionen des fiktiven Reiseberichts methodisch zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise verschiedene geographische und kulturelle Stationen der Reise – von Griechenland über das Heilige Land bis hin zum Fernen Osten –, um die Entwicklung der Fremddarstellung vom Vertrauten zum Vorbildhaften darzulegen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fremderfahrung, mittelalterliche Reiseliteratur, Moraltheologie, gesellschaftliche Spiegelung und die "hybride Gattung" des Travelogue definiert.

Welche Rolle spielt der Sultan im Werk?

Der Sultan fungiert als Sprachrohr für die Kritik des Autors, indem er die Sündhaftigkeit und das moralische Defizit der westlichen Christenheit offen benennt und sie damit als Ursache für den Verlust des Heiligen Landes identifiziert.

Warum stellt Mandeville die Brahmanen so positiv dar?

Die positive Darstellung der Brahmanen dient als Kontrast zu den westlichen Christen; ihre Einhaltung der Gebote und ihre moralische Reinheit werden genutzt, um den moralischen Verfall in Europa zu verdeutlichen.

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Details

Title
Die Fremde in "The travels of Sir John Mandeville"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Course
PS Medieval and Early Modern Travel Narratives
Grade
2,3
Author
Johanna Wünsche (Author)
Publication Year
2002
Pages
17
Catalog Number
V11166
ISBN (eBook)
9783638173995
ISBN (Book)
9783638799096
Language
German
Tags
Fremde John Mandeville Medieval Early Modern Travel Narratives
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna Wünsche (Author), 2002, Die Fremde in "The travels of Sir John Mandeville", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11166
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