Kolberg ein prekäres Thema deutscher Geschichte. Bis zu dem Erscheinen des Filmes „Kolberg“ allerdings weniger virulent. Durch die spezifische Geschichtsrezeption in diesem Film sind die Tatsachen des damaligen Geschehens verklärt und wenig an der historischen Realität.
In dieser Hausarbeit soll die Entstehungsgeschichte dieses Propagandafilmes dargestellt werden. Hinzu kommen die Hintergründe und die spezifischen Elemente dieses Filmes, die einen vergrößerten Blickwinkel auf den Film ermöglichen sollen. Zunächst werden die historischen Tatsachen mit denen des Filmes verglichen werden, allerdings wird ein allgemeiner Teil zu der Rezeption geschichtlicher Fakten in der NS-Zeit ausbleiben. Dieser Faktor wird hier nur exemplarisch behandelt werden können. Spezielle filmographische Elemente, wie wichtige Szenen und Dialoge sollen dann im Anschluss analysiert und deren antizipierte Folgen dargestellt werden. Die geschichtspädagogische Diskussion um Propagandafilme, wie sie in Ulrich Schröters Aufsatz anklingt, wird hier wohl lediglich gestreift werden. Auch wenn dies ein sehr interessantes Thema ist und sich ein Paradigmenwechsel abzuzeichnen scheint. Die geschichtspädagogische Sichtweise der Nachkriegszeit scheint sich aufzuweichen. Im weiteren werden die angeführten Fakten beider Rezeptionen mit denen der Kolberger Chronik zu vergleichen sein. Den Abschluss wird diese Arbeit in einer abschließenden und vergleichenden Betrachtung zwischen der ursprünglichen Fragestellung und den themenspezifischen Vorraussetzung der NS-Propaganda finden.
Die spezifische Fragestellung die dieser Arbeit vorangehen soll klingt im Titel der Arbeit an, füllt diese jedoch nicht aus. Es soll der Film Kolberg exemplarisch untersucht werden unter der Prämisse, dass sich so allgemeine Tendenzen der NS-Geschichtsrezeption darstellen lassen, da sich vergleichbare Elemente in anderen NS-Propagandafilmen aufzeigen und vergleichen lassen. Vorsichtig formuliert: Was bedeutet NS-Filmpropaganda und wie tritt diese in dem Film „Kolberg“ zu Tage?
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung:
3. Der Propagandafilm „Kolberg“
3.1. Der Filmstoff (Plot)
3.2. Szenographie: Ausgewählte Szenen
4. Historische Authentizität in Propagandafilmen der „NS-Zeit“
5. Affinitäten und monokausale Inhalte des „NS-Propagandafilms“
5.1. Rollenzuweisungen: Führerrolle, Frauenrolle
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Studienarbeit untersucht den nationalsozialistischen Propagandafilm „Kolberg“ (1945), um aufzuzeigen, wie historische Ereignisse zur Legitimierung der NS-Ideologie in der Endphase des Zweiten Weltkriegs umgedeutet wurden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie nationalsozialistische Filmpropaganda definiert ist und wie diese gezielt in die filmische Erzählstruktur und die Charakterdarstellung einfließt, um das Volk zur Opferbereitschaft zu mobilisieren.
- Analyse der Entstehungsgeschichte des Films „Kolberg“ unter Joseph Goebbels.
- Gegenüberstellung von historischer Realität und filmischer Darstellung zur Untersuchung der Authentizität.
- Dekonstruktion von nationalsozialistischen Rollenbildern (Führer- und Frauenrolle).
- Untersuchung von nationalsozialistischen Topoi wie Einkreisung, Gehorsam und nationalem Opfermythos.
- Vergleich der filmischen Rhetorik mit den Reden Hitlers und Goebbels.
Auszug aus dem Buch
3.2. Szenographie: Ausgewählte Szenen
Die Eingangsszene, in der man zunächst Volksmassen in Königsberg vor dem Palast des Königs marschieren sieht, die das schon zuvor erwähnte Lied singen. Danach erfolgt eine Blende in den Palast, in dem von Gneisenau stürmisch verlangt vor den König gelassen zu werden:
König: „Gneisenau?“
V. Gneisenau: „Ich bitte Eure Majestät im Namen aller Generäle einen Aufruf an unser Volk zu richten!“
König: „Aufruf? Was für einen Aufruf?“
V. Gneisenau: „Einen Aufruf an Ihr Volk, Majestät. Einen Aufruf zum Kriege, der auf den Straßen und den Plätzen angeschlagen wird und in den Zeitungen erscheint! Die Stunde ist da!“
König: „Aufruf zum Kriege? An das Volk? Wieso an das Volk? Ist Sache der Armee, Gneisenau.“
V. Gneisenau: „Sehr wohl Majestät, aber das Volk wird die Armee sein! Das ganze Volk. Schauen Sie dort hinaus!“ - Blende auf den Vorplatz mit den singenden Massen – „Ja, Majestät!“
König: „Rebellen, was?“
V. Gneisenau: „Ihr Volk, Majestät!“
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie NS-Filmpropaganda exemplarisch im Film „Kolberg“ konstruiert ist und welche Diskrepanzen zur historischen Realität bestehen.
3. Der Propagandafilm „Kolberg“: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte, die enormen Produktionsmittel und die propagandistischen Erwartungen des Regimes an den Film.
3.1. Der Filmstoff (Plot): Der Abschnitt gibt eine strukturierte Zusammenfassung der Filmhandlung und beleuchtet die Integration von Nebenhandlungen zur Identifikationsstärkung beim Publikum.
3.2. Szenographie: Ausgewählte Szenen: Hier werden zentrale Dialoge und Schlüsselszenen analysiert, um die filmische Vermittlung von Werten wie Gehorsam, Mut und Führertum aufzuzeigen.
4. Historische Authentizität in Propagandafilmen der „NS-Zeit“: Eine tabellarische Gegenüberstellung von historischen Daten der Stadtchronik und den fiktionalisierten Zahlen im Film verdeutlicht die bewusste Manipulation der Fakten.
5. Affinitäten und monokausale Inhalte des „NS-Propagandafilms“: Das Kapitel untersucht die Verbindung von preußischen Motiven, wie der Person Friedrichs II., mit der Ideologie des Nationalsozialismus und der Sprache von Hitler und Goebbels.
5.1. Rollenzuweisungen: Führerrolle, Frauenrolle: Die Analyse zeigt auf, wie der Protagonist Nettelbeck als Führer-Prototyp und die weibliche Hauptfigur als Idealbild der „tugendhaften deutschen Frau“ instrumentalisiert werden.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der propagandistischen Wirkung des Films, der als Legitimation für den „Volkssturm“ in der letzten Kriegsphase diente.
Schlüsselwörter
Kolberg, NS-Propagandafilm, Joseph Goebbels, Veit Harlan, Nationalsozialismus, Historische Authentizität, Volkssturm, Führerprinzip, Frauenbild, Preußentum, Filmpropaganda, Gehorsam, Opferbereitschaft, Totaler Krieg, Geschichtsrezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den 1945 uraufgeführten Propagandafilm „Kolberg“ hinsichtlich seiner Funktion, propagandistische Narrative des nationalsozialistischen Regimes in der Endphase des Zweiten Weltkriegs filmisch umzusetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Verzerrung historischer Fakten, die Etablierung von Führermythen, die Darstellung traditioneller Geschlechterrollen sowie die Instrumentalisierung preußischer Tugenden für die NS-Ideologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Mechanismen der NS-Filmpropaganda aufzuzeigen, insbesondere wie ein Film durch die Überhöhung von Werten wie Opferbereitschaft und Treue das Volk zur Akzeptanz des „totalen Krieges“ bewegen sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor kombiniert eine historische Analyse der Fakten (durch Abgleich mit Stadtchroniken) mit einer filmwissenschaftlichen und inhaltlichen Untersuchung zentraler Szenen und Dialoge im Kontext der zeitgenössischen NS-Propagandarhetorik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Plots, eine detaillierte Szenenanalyse, einen Faktencheck zur historischen Authentizität sowie eine Untersuchung der ideologischen Affinitäten zu Hitler und Goebbels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind „Kolberg“, „NS-Propaganda“, „Führerrolle“, „Opferbereitschaft“, „Preußentum“ und „Totaler Krieg“.
Warum wurde der Film „Kolberg“ erst so spät im Krieg veröffentlicht?
Die Produktion war aufgrund technischer Anforderungen und kriegsbedingter Umstände sehr langwierig. Zudem wollte Goebbels den Film als „größten Film aller Zeiten“ präsentieren, was erst Anfang 1945 realisiert werden konnte.
Welche Rolle spielt der Vergleich zwischen Nettelbeck und dem Direktor der Schule im Zehnerrat?
Der Vergleich verdeutlicht den Konflikt zwischen dem NS-propagierten Ideal des bedingungslosen Heldentums und Gehorsams (vertreten durch Nettelbeck) sowie einem humanistisch-vernunftorientierten Gegenentwurf, der im Film als „feige“ oder schwach diffamiert wird.
Wie unterscheidet sich die historische Darstellung der Soldatenzahlen im Film von der Realität?
Der Film überhöht die Anzahl der belagernden französischen Soldaten massiv, um die Situation der Kolberger als ausweglos und den Widerstand somit als heldenhaft erscheinen zu lassen, was der Chronik widerspricht.
- Quote paper
- M.A. Magister Artium Sebastian Popovic (Author), 2005, Der Film Kolberg (1945) und der nationalsozialistische Propagandafilm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111666