Das Rollenspiel - eine vielfältige Methode


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

29 Seiten, Note: 1,0


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Gliederung

1. Einleitung

2. Methoden der Erwachsenenbildung und Jugendbildung
2.1 Begriffsklärung
2.2 Arten und Einsatz von Methoden

3. Die Methode des Rollenspiels / szenischen Spiels
3.1 Theoretische Grundlagen des Rollenspiels
a) Begriffsklärung
b) Formen des Rollenspiels
c) Ziele, Grenzen und Schwierigkeiten des Rollenspiels
d) Rahmenbedingungen für das Rollenspiel
e) Voraussetzungen für das Rollenspiel
f) Phasen des Rollenspiels
3.2 Die Umsetzung der Rollenspieltheorie in die Praxis
a) Vorbereitung
b) Durchführung
c) Nachbereitung- mein Lernfortschritt

4. Fazit

5. Literaturangaben

1. Einleitung

Bei der Planung und Durchführung von Seminaren stellt sich jeder Dozent die Frage, wie er sich am besten dem Lernziel der Veranstaltung nähert. Wie motiviere ich meine Teilnehmer? Wie aktiviere ich sie zur Mitarbeit? Wie erreiche ich einen Lernfortschritt? Wie vermittle ich den Inhalt am Geschicktesten? Wie erreiche ich das Interesse der Teilnehmer? Wie fange ich an? Wie...? (vgl. Knoll 2003, S. 7). Die Frage nach dem „wie" führt zu dem Weg, der Methode, die der Dozent in seiner Seminargestaltung mit Berücksichtigung von vielen Einflussfaktoren wählt.

In dieser Arbeit gehe ich von der Begriffsklärung der Methode aus und gebe dann einen Überblick über eben genante Faktoren, die die Wahl der Methode beeinflussen.

Anschließend gehe ich auf die vielfältige Methode des Rollenspieles ein, beschreibe theoretische Grundlagen und evaluiere meine Durchführung des Seminarabschnitts. Der Hauptteil endet mit einer Schilderung meines Lerngewinns durch die Gestaltung des Seminarteiles. Ich schließe mit einem Fazit über Methoden allgemein und dem Rollenspiel im Besonderen.

2. Methoden der Erwachsenenbildung und Jugendbildung Begriffsbestimmung:

Methoden sind abgeleitet vom griechischen Wort „Methodos" Wege die zu einem (Lern-) ziel führen. Dabei gibt es nicht einen Weg, sondern viele unterschiedliche Wege, die je nach Thema, Gruppe, Zeit und Bildungseinrichtung variieren (vgl. Siebert 2004, S.9). In der Erwachsenen- und außerschulischen Jugendbildung umfasst der Methodenbegriff sowohl Aktions-, Sozial- und Organisationsformen als auch der Einsatz von Medien und Formen der Verständigung. Zudem zählen die Auswahl und Gestaltung der Lernorte, die Festlegung geeigneter Zeiten, die Sitzordnung und die Vorbereitung von Materialien zur Methodik (vgl. ebd.). Dies bedeutet, dass in der außerschulischen Bildungsarbeit unter Methodik die Gestaltung organisierter Lehr-Lern-Situationen verstanden wird (vgl. ebd.).

Knoll bezeichnet Methoden als „helfende Verfahrensweisen" um u.a. Interesse bei Teilnehmern (TN) zu wecken und zu verstärken, Informationen zu vermitteln und die Auseinandersetzung mit Themen und Eigenaktivität zu fördern (Knoll 2003, S.12).

Art und Einsatz von Methoden

Der Methodenbegriff selbst ist wie in 2.1 beschrieben sehr umfassend. Während Knoll zwischen Methoden mit darbietendem Charakter, stofforientierte Methoden, kommunikativ akzentuierte, gestalterisch akzentuierte Methoden, spielerisch akzentuierte Methoden als auch Methoden zur Ergebnissicherung und Methoden zum Seminarbeginn differenziert (vgl. Knoll 2003, S.6), unterteilt Weidenmann folgende Arten von Methoden voneinander: Lehrvortrag, Lehrgespräch,

Impulsmethode, Folienvortrag, Rollenspiel und Gruppenarbeit (vgl. Weidenmann 1998, S.5f). Diese beiden Auflistungen deuten die Fülle von Methoden an und zeigen gleichzeitig, wie schwierig es ist sich für einen Weg zu entscheiden und diesen zu begehen.

Beim Einsatz von Methoden gibt es zudem viele Überlegungen, die zur Auswahl des Weges führen, denn Einsatz und der Effekt einer Methode sind abhängig vom Leiter selbst, aber auch von den TN, der Institution, der Rahmenbedingungen, dem Inhalt/Thema, sowie dem angestrebten Ziel (vgl. Knoll 2003, S.12). Die eben genannten Faktoren beeinflussen sich wechselseitig und wiederum die Wahl der Methode. „Welche Methoden passend sind, muss immer wieder neu vereinbart und auch erprobt werden. Entscheidend ist, dass Lehrend und Lernende mit Freude, vielleicht sogar mit Begeisterung ,bei der Sache sind' " (Siebert 2004, S.9).

So herrscht zu Beginn einer Veranstaltung oft Unsicherheit bei den TN und beim Leiter selbst, die durch die Auswahl einer geeigneten Methode abgebaut werden muss. Im Laufe einer Veranstaltung steigern sich aber die Sicherheit der TN, des Leiters und auch der Umgang mit Thema und Inhalt. „Die Bereitschaft zum methodischen

Experiment wächst mit der Freude an der Sache und mit der Sicherheit in der Gruppe" (Knoll 2004, S.46). Die Methoden sollten also auf die verschiedenen Faktoren abgestimmt sein.

Wenn der Leiter eines Seminars über eine große Methodenkompetenz verfügt, d.h. sowohl über Wissen über die Methode als auch über Erfahrung und Erprobung der Methode verfügt, scheint einem für die TN motivierenden und vielfältigen Mix von Methoden nichts mehr im Wege zu stehen. Zudem braucht aber der Dozent ein Gespür, welche Methode bei den TN angebracht ist. So muss er sich z.B. bei der Vorbereitung fragen, welche Methode am besten zum Ziel führt, wie Thema und Inhalt am günstigsten bearbeitet werden. Aber auch bei der Durchführung stellen sich Fragen, z.B. wie groß das Vertrauen innerhalb der Gruppe im Moment ist und wie gut die Aufnahmebereitschaft der einzelnen TN ist. Durch Empathie und Befragung der TN kann die Methodenwahl abgestimmt werden.

Doch auch die Institution mit ihren Normen, Werten und Richtlinien, sowie Dauer der Veranstaltung, Raum, Anzahl der TN, technische Bedingungen, ect. beeinflussen die Methodenwahl.

Hervorzuheben ist noch die Rolle der Persönlichkeit des Leiters, denn schließlich ist es wichtig und entscheidend für den Erfolg einer Methode, dass sich der Leiter selbst mit der Verfahrensweise wohl fühlt und von der Effizienz des „Weges" überzeugt ist. Der Leiter sollte also hinter seiner Methode stehen und sie beherrschen. Variationen bei den Methoden sind nicht nur im Hinblick auf die TN Aktivität und Beteiligung, sondern auch für den Dozenten selbst bedeutend. So hat der Seminarleiter durch Abwechslung in der Methodik die Möglichkeit sich auch einmal aus dem „Brennpunkt des Geschehens" zurück zu ziehen und sich zu entspannen. Zudem kann sich so der Dozent eine Übersicht in der Gruppe verschaffen, die Perspektive wechseln und evtl, dropouts, d.h. einen vorzeitigen aktiven oder passiven Kursabbruch verhindern.

Der Methodenmix schützt also alle Beteiligten vor Überforderung und einseitigen Belastungen.

Für die Auswahl und den Einsatz von Methoden könne folgende Entscheidungsfragen hilfreich sein:

- Für wen? Dies schließt die Frage nach der Zielgruppe und ihrer Lebenswelt bzw. Lebenssituation ein.

Warum? Diese Frage nähert sich dem Ausgangsproblem

Wer? Diese Frage beschreibt das Verhältnis des Leiters zu sich selbst und zur Zielgruppe, sowie zum Ausgangsproblem

Wozu? Diese Frage zielt auf die Lernziele

Was? Diese Frage umschließt den Inhalt

Wie? Diese Frage zielt auf die Wahl der Methoden

Womit? Diese Frage zielt auf die gegebenen Rahmenbedingungen bei der Veranstaltung (vgl. Knoll 2003, S.102).

3. Die Methode des Rollenspiels / szenischen Spiels

Im Folgenden beschreibe ich die vielfältige Methode des Rollenspiels. Diese Methode bezeichne ich deshalb als vielfältig, da es eine Vielzahl von Anwendungsformen (vgl. 3.1.2 und 3.1.) und Techniken (vgl.3.1.) gibt. Diese Methode zeigt also um bei der Metapher des Weges zu bleiben nochmals viele Abzweigungen und Wege auf und ist nicht zuletzt aufgrund der differenten Lernmöglichkeiten von der Erwachsenenbildung nicht mehr wegzudenken.

3.1 Theoretische Grundlagen des Rollenspiels

a) Begriffsklärung

„Das Rollenspiel ist ein im erheblichen Maße handlungsorientiertes Spielverfahren. Das Verhalten der Teilnehmer ist von Rollen geprägt, die erfahren, gewechselt und geändert werden." (Broich, 1980, S.ll). Das Rollenspiel ist nach Broich durch die doppelte Als- ob- Situation gekennzeichnet, denn sowohl die Situation als auch die Rolle in der Situation sind fiktiv (vgl. ebd.). Weidenmann spricht hierbei von einer fiktiven Realität, der ausgedachten Situation und einer authentischen Realität, da der Akteur ja wirklich in der ausgedachten Rolle spielt (vgl. Weidenmann 1998, S.106).

Zusätzlich zeichnet das Rollenspiel die offene Lernsituation (Lernergebnis und Vorgehen sind nicht festgelegt) und das spontane Reagieren der Mitspieler, das sich im Spielgeschehen entwickelt, aus. Auch können beim Rollenspiel gesellschaftliche Herrschaftsstrukturen durchsichtig gemacht und Ängste bewusst werden.

Da das Spiel in der Gruppe einer Erweiterung des Bewusstseins und der Wahrnehmung dienen kann, hilft es dem Einzelnen sich weniger ausgeschlossen zu fühlen und Vereinzelung abzubauen. Soziales und Kommunikatives Verhalten kann erlebt und erfahren werden, Konflikte können behandelt, vergangene Erfahrungen verarbeitet werden (therapeutische Funktion). Auch können im Spiel schwierige Situationen für die TN simuliert werden, so dass TN im Spiel verschiedene Rollen ausprobieren und zukünftige Herausforderungen im Spiel erproben kann. Dem Begriff des Rollenspiels ähnlich und gleichzusetzen ist der Begriff des szenischen Spiels. „Szenisches Spiel ist Handeln in vorgestellten Situationen" (Scheller 2005, S.26). Gerade im Bereich der Pädagogik und des Lernens wird der Ausdruck szenisches Spiel oft verwendet. Auch bei der Lernform des szenischen Spiels sind die Ziele die Erschließung der bewussten und unbewussten Vorstellung, das Verstehen von Ereignissen und das (Wieder-) Entdecken von eigenen Anteilen (vgl. ebd.)

b) Formen des Rollenspiels:

Das Rollenspiel zählt auch deshalb zu einer vielfältigen Methode, da es viele verschiedene Formen der Anwendung gibt. So kann man grob zwischen edukativen und therapeutischen Rollenspiel unterscheiden (vgl. Broich 1980, S.24).

Beim edukativen Rollenspiel geht es um die Darstellung von Eigen- und Fremdrollen in angenommenen Situationen. Die Lust am Verhalten in der Fremdrolle innerhalb eines pädagogischen und sozialen Konfliktes veranlasst das Spiel, das in Lern- und/ oder in Spontangruppen stattfindet. Hierbei ist das Ziel das Bewusstsein der Spieler zu stärken und sein eigenes Verhalten zu analysieren und zu trainieren.

Das Planspiel gehört auch zu den edukativen Rollenspielen, findet aber aufgrund der Erfahrung eines Interpersonenkonfliktes statt. So werden Beziehungen zwischen sozialen, politischen, wirtschaftlichen Gruppen modellhaft dargestellt. Den Rahmen bilden entsprechend Lern- und (politische) Aktionsgruppen. Das Ziel liegt hierbei in der Entwicklung von Strategien zur Verwirklichung von Gruppeninteressen Zu den therapeutischen Rollenspielen Zählt das Psychodrama, wobei die eigene Person selbst in persönlich erlebten Situationen gespielt wird. Der Anlass für ein Psychodrama sind psychische Störungen. Es findet im Rahmen der Psychoanalyse und Psychotherapie statt und hat zum Ziel, die Störungen zu analysieren und zu beheben.

Auch im Soziodrama (therapeutisches Rollenspiel) stellt sich die Person selbst innerhalb einer Gruppensituation dar. Störungen der Gruppeninteraktion bilden in der Gruppentherapie und Gruppenlernprozesse die Ausgangsbedingungen für das Spiel. Hier wird wiederum das Ziel angestrebt, die Störungen in der Sozialtherapie zu analysieren und zu beheben (vgl. ebd.).

Je nach Ausrichtung trennt man also das pädagogische vom psychologisch therapeutischen Rollenspiel (vgl. Schaller 2001, S.62f). Zudem können auch die verschiedenen Formen des Theaters wie Playback-Theater, Zeitungstheater, Forumtheater (vgl. ebd. S.64) zu den verschiedenen Formen des Rollenspiels hinzugefügt werden.

Zudem kann je nach dem Grad der Offenheit des Spiels differenziert werden, d.h. ob das Spiel angeleitet oder improvisiert ist (vgl. ebd). Eine gute Übersicht über die ebene angesprochen vier Formen gibt folgende Tabelle von Knoll (2003, S. ISS):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Spiel kennzeichnet sich durch die Offenheit, denn je mehr die Situation und Rolle vom Spielleiter definiert wird, desto weniger Gestaltungsfreiräume eröffnen sich für die Spieler. Handlungs- und Gestaltungsfreiräume sind bei Undefinierten Rollen und Situationen weiter, denn so liegt die Situation und Gestaltung der Rolle bei den Spielern und ist von deren Vorstellungen/ Phantasien der Spieler abhängig (vgl. ebd., S.189f).

c) Ziele, Grenzen und Schwierigkeiten des Rollenspiels Die Darstellung einer Rolle fördert das ganzheitliche Lernen, denn sowohl kognitive, affektive als auch motorische und soziale Fähigkeiten werden geübt und trainiert. So können z.B. die Körperhaltung und Gestik, aber auch die Sprache und der Ausdruck durch Beobachter-, Video- und Trainerfeedback bewusst gemacht werden und daraufhin geübt werden. Soziale und kommunikative Kompetenzen werden in dieser teilnehmer- und erfahrungsorientierten Methode gelernt. Auch verschiedene Wahrnehmungen und Interpretationen sind durch Selbst- und Fremdbeobachtung möglich. Dieses Ausprobieren von Rolleninterpretationen und Varianten erfolgt in einer angenehmen Lernatmosphäre in einem mittleren Anspannungsniveau, denn im Spiel hat das Verhalten keine realen Konsequenzen, sondern kann angstfrei getestet werden. Durch die Beobachtung, die vorgegebene Situation herrscht aber ein leichter Druck, so dass die TN im Rollenspiel bei der Sache sein müssen und das Lernziel gut verfolgen können. Lernziele können die Förderung der identitätsfördernde Fähigkeiten Rollendistanz, Ambiguitätstoleranz, Empathie und Identitätsdarstellung (vgl. Krappmann 2000) sein.

Allgemein kann man das angestrebte Ziel beim Rollenspiel folgendermaßen beschreiben: „Ziel des Rollenspiels ist es, Erkenntnisprozesse auszulösen und die Folgewirkungen auf eingetretene Verhaltensänderungen bei den Spielern und den Beobachtern zu reflektieren und aus dem Spielgeschehen zu lernen" (Broich 1980, S. 20).

Aber es gibt auch Grenzen und Schwierigkeiten beim Rollenspiel, denn die angestrebten Ziele können bei Übererfüllung der Rollenanforderung oder Überforderung durch die Situation und Rolle zu Problemen bei den Spielern führen. Im Folgenden habe ich die Ziele und die durch Über­und Fehleinschätzungen hervorgerufenen Schwierigkeiten gegenüber gestellt (vgl. Broich, 1980, S. 13f):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zugleich warnt aber Broich vor einem Überladen mit Zielen, denn dieses kann die TN auch überfordern, verwirren und steigert so die Unsicherheit. Deshalb ist es sinnvoll die Spielfreude und Ansätze von Kooperationsfähigkeit als oberstes Ziel anzuvisieren (vgl. ebd.). Zusammenfassend scheint mir anschließendes Statement, welches die Wahl der Methode bei bestimmten Zielen beschreibt als treffend: „Für Lernprozesse im Einstellungs- und Verhaltensbereich gibt es zum Rollenspiel keine gleichwertige methodische Alternative..." (Weidenmann 1998, S.114).

d)Rahmenbedingungen für das Rollenspiels

Elemente des Rollenspiels/ szenischen Spiels sind von gewissen Rahmenbedingungen abhängig.

Bei den räumlichen Gegebenheiten ist auf flexibles Mobiliar und Abgrenzungsmöglichkeiten des Spieler- und Beobachterraums zu achten. Dies beinhaltet, dass eine freie Spielfläche im Raum sein muss, sowie Requisiten bei bestimmten vorgegeben Situationen (vgl. Knoll 2003, S. 190).

Das szenische Spiel benötigt unterschiedlich viel Zeit. Diese ist von der Rollenspielart abhängig. So veranschlagt Knoll für Variante I und III (vgl. Tabelle S. 8) zehn Minuten, für Variante II und IV 30-45 Minuten Vorbereitungszeit. (vgl. ebd., S.191). Knoll gibt prinzipiell für die Vorbereitung wenig Zeit, damit das Rollenspiel nicht im Vorfeld determiniert und durchstrukturiert ist und keine theoretischen Lösungen das Spiel beherrschen. Auch das Spiel sollte nicht unnötig ausgedehnt (ca. zehn Minuten) werden, sondern der Höhepunkt der Situation ist als Schlusspunkt geeignet. Es besteht bei zu langer Spielzeit die Gefahr, dass sich Spielfrust breit macht. Deshalb sollte der Spielleiter frühzeitig unterbrechen, wenn keine neuen

Argumentationsmuster auftreten, Spieler bloßgestellt werden, die TN sich am Spiel erschöpfen.

Bei der zeitlichen Planung muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass die Entscheidung, wer spielt, oft schwierig und langwierig ist. So sollte der Leiter die Zeit im vornhinein einplanen um sich dann geduldig zeigen zu können (vgl. Knoll, 2003, S.191).

Zu den Rahmenbedingungen zählt auch die Teilnehmerzahl, die nicht mehr als 30 Personen in der Großgruppe, sowie in der Kleingruppe nicht mehr als sieben Personen umfassen soll (vgl. ebd., S. 190f). Zudem ist die Zeitdauer, die man für das Spiel bzw. für szenische Elemente veranschlagen sollte von den Erfahrungen der TN, des Leiters, aber auch vom Inhalt abhängig.

So können auch nur Elemente des Rollenspiels wie das Spiegeln zu Beginn des Seminars in einer Vorstellungsrunde (die Vorstellung der eigenen Person ist mit einem szenischen Element, der Spiegelung gekoppelt) oder als Auflockerung eingebaut werden.

Es kommt wie immer auf das „Timing" an, d.h. das das spielerische Element im passenden Moment eingeführt wird. So kann z.B. zur Wiederholung, Zusammenfassung, Vertiefung von Inhalten, um die TN und ihre Erfahrungen aufzugreifen, die TN zu aktivieren, ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu vertiefen, ihnen die Chance zu geben diese auf zu arbeiten und neu zu bewerten oder neue Verhaltensweisen zu lernen.

Beim Einsatz von Rollenspiele ist nach van Ments zu beachten, dass es stets natürlich und nicht erzwungen eingesetzt werden soll. So kann es zur Einführung in ein Thema, zur Problementfaltung, als Zentraler Bestandteil des Unterrichts, zum Aufwärmen oder Unterbrechen, zum Zusammenfassen, zur Reflexion und als Überprüfung /Test durchgeführt werden (vgl. van Ments 1985, S.35).

Wenn nicht nur Elemente und Techniken des Rollenspiels durchgeführt werden, sondern ein „ganzes" Rollenspiel vollzogen wird, bildet ein Veitrauensklima und gegenseitige Bekanntschaft die Voraussetzung für das Rollenspiel. Der Einsatz empfiehlt sich demnach erst im Laufe des Seminars und nicht bei einer neuen Gruppe (vgl. Knoll 2003, S.191).

e)Voraussetzungen des Rollenspiels für Teilnehmer, Leiter und Themen /Inhalte (didaktisches Dreieck)

- Voraussetzungen Teilnehmer

Der TN sollte kommunikative und soziale Kompetenzen aufweisen, d.h. „über Wahrnehmungs- und Verhaltensfähigkeiten verfügen" (ebd., S.12).

Bei mangelnden Qualifikationen muss versucht werden, diese Defizite durch Vorübungen (vgl. Ablauf Rollenspiel) zu kompensieren.

- Spielleiter

Grundwahrnehmungskompetenzen für Rollenspiele Kenntnis und Fähigkeit zur Umsetzung von Normen, Zeichen und Sanktionen

Kenntnis- und Toleranzkompetenzen um Ambivalenzen, Frustrationen, ect. aushalten Spielerfahrung Kenntnisse der Kommunikationswissenschaft und Gruppendynamik

Qualifikationen sind von TN abhängig

Aufgabe SL:

-VH ist von der Spielgruppe festzulegen, z.B. ob er im Spiel eingreifen soll, Hilfestellungen leistet...

Bei fehlender Intervention des SL besteht die Gefahr laut Krappmann, dass die Kinder „nur die längst übernommenen starren Interaktionsmuster wiederholen" (vgl. ebd., S. 21) und das Rollenspiel folgenlos bleibt.

- Themen

Soziale Situationen und Ereignisse, die im Brennpunkt des Interesses der TN liegen. Der Inhalt sollte das Erlebens und Erkennen sozialer Zusammenhänge fördern.

Die Themen können aus eigenen Erlebnissen der TN, aus Texten, Filmen, Bildern, Fachinhalten des Unterrichts, ect. stammen und müssen in Rollen- und Situationsvorgaben aufgearbeitet werden (vgl. Scheller 2005, S.207).

Bsp.: Vermittlung von Fachkompetenzen, Training von Soft Skills, Workshops zur Problemlösung und Ideenfindung

Normalfall: Ausgangspunkt ist ein die TN betreffendes Problem (vgl. ebd., S.20)

f) Phasen während des Rollenspiels:

Zuerst muss mit der Gruppe das Ziel und Thema festgelegt werden. Dann gliedert sich die Durchführung des Rollenspiels in eine Interaktions-, Motivations-, Rollenspielphase. Bei der Reflexionsphase folgt die Auswertung des Rollenspiels, das Rollenspiel wird hinsichtlich der Zielsetzung kritisch reflektiert und die Gruppe entscheidet, ob das Spiel wiederholt werden soll (vgl. Broich, S 30). Nach Scheller folgt der Zielfestlegung eine Erkundungs-, Aneignungs-, Interpretations- und schließlich die Reflexionsphase.

Der Aufbau des Rollenspiels scheint auch bei den anderen Autoren ähnlich gehalten und sich so zu bewähren. Knoll unterscheidet bei der Durchführung aufgrund des Grades der Definiertheit der Rollen (definiert oder undefinert) und dem )

Auswertung

Zuerst Befragung der Spieler, wie es ihm/ ihr mit der Rolle ergangen ist. Hier muss dem Spieler auch die Option gegeben werden, sich von der Rolle zu differenzieren. Danach dürfen die Beobachter ihre gesammelten Eindrücke (Beobachtungsauf-gaben) wiedergeben.

Auch die Videoaufnahme kann für die Auswertung hilfreich sein. So haben auch die Spieler die Chance, sich aus einer anderen Perspektive zu sehen und wahrzunehmen.

Neue Lösungen können jetzt erörtert werden um dann evtl, ein neues Spiel anzuschließen um eine andere Verhaltensweise im Spiel auszuprobieren.

Scheller (2005) unterscheidet zw. Rollen-, Beobachter- und Spielerreflexion.

Rol len reflexion schildert der Rollenträger seine Erlebnisse während des Spiels, beschreibt sein aktuelles Befinden und deutet sein weiteres Vorhaben an (vgl. ebd. S.131).

Durch die Beobachterreflexion erfahren die Spieler, wie das Verhalten im Spiel von anderen wahrgenommen wird. Beide Reflexionen können in Form eines Gespräches, Darstellung in Standbildern, Interview geführt werden

Spielerreflexion: Spieler distanziert sich von ihrer Rolle und schildern das Erleben, ihre Gefühle, Erfahrungen aus ihrer eigenen Sicht. Hierbei ist es wichtig „zwischen sich und der Rolle, die sie gespielt haben zu unterscheiden" (ebd. S.141). Sie können sich abgrenzen und alternative Verhaltensweisen zeigen (vgl. ebd.).

Im Unterschied zu Broich, Schaller und Knoll empfiehlt Scheller zuerst die Beobachter und danach die Spieler zur Reflexion aufzufordern, da sonst die Deutungen von den Spielern übernommen werden.

Der SL sollte darauf achten „Beobachtetes nicht zu bewerten, sondern lediglich zu beschreiben, zu demonstrieren und zu interpretieren" (vgl. ebd., S. 212). Zudem muss er Kritik am Spiel und vorschnelle Ratschläge verhindern sowie stets auf Einhaltung des Rollenschutzes achten, d.h. dass ein Feedback sich nur auf die Rolle, aber nie auf den Spieler beziehen darf (vgl. ebd.).

Techniken:

Das Rollenspiel kann sowohl an einem Ort, als auch gleichzeitig an mehreren Orten stattfinden. Häufig wird das sogenannte „Fischteichverfahren" angewendet. Dort „schwimmen" die Protagonisten „wie Fische im Teich" mitten im Raum und die Beobachter schauen dem „Treiben im Teich" zu. Eventuelle „Stützrollen" kommen von außen und ziehen sich nach ihren Einsatz wieder nach außen zurück.

Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der guten Beobachtung und Reflexion, da Details und Eindrücke von vielen TN wahrgenommen werden können. Zudem gibst diese Technik den TN die Möglichkeit des Rückzugs vom Spiel, falls sie nicht partizipieren wollen. Der Nachteil enststeht aber gerade durch die Menge an Beobachtern, die beim Spieler Zwang und Druck auslösen können. Die Angst vor „zur Schau gestellt werden" wächst (vgl. van Ments, 1983, S.91ff).

Beim Multiplen Verfahren teilt sich die Gruppe in viele Kleingruppen und alle spielen dasselbe Rollenspiel zur gleichen Zeit. Danach bietet sich eine gemeinsame Reflexion der Kleingruppenspiele im Plenum an. Der Vorteil liegt hier in der hohen Interaktionsdichte und Spielerfahrung. Zudem erzeugt dieses Verfahren weniger Angst, spart Zeit. Schließlich können so die Spieler mehrere Rollen und in den Interpretationen der Rolle variieren und ausprobieren. Der Nachteil kommt durch die reduzierte Beobachtung und Reflexion zustande. Es ist schwieriger nachvollziehbar „was, warum, wie" und auch vom Spielleiter ist weniger Intervention möglich, da er ja nicht bei jeder Gruppe zugleich sein kann. Da die Gruppen unterschiedlich lang für das Rollenspiel brauchen entstehen evtl. Wartezeiten zwischen den Kleingruppen (vgl. ebd.).

Zudem gibt es weitere Elemente und Techniken des Rollenspiels die den Akteuren helfen, neue Aspekte zu entwickeln, sie zu ermutigen, Gefühle, neue Interpretationen, Wege einzuschlagen, Erfahrung von Motiven, Verhalten und Erwartungen zu intensivieren (vgl. ebd. S.96f). Zu diesen Techniken zählen:

Rollen-Rotation oder Rollentausch: Hierbei wechseln die Spieler während dem Spiel die Rollen, so dass die Akteure ihre Rollen aus anderen Perspektiven erleben und eine andere Interpretation der Rollen kennen lernen (vgl. ebd. S.97ff).

- Alter ego/ Verdopplung: Der Spielleiter interveniert das Spiel, indem er seine seine Hand auf die Schulter des Redners legt und für den Darsteller spricht. Dadurch wird der Spieler ohne Bloßstellung gestärkt, ihm werden seine Position und seine Gefühle bewusst (vgl. ebd. S.lOOf).

Spiegel-Verfahren: Hier spiegelt ein Beobachter oder der Spielleiter einen Rollenträger in seiner Körperhaltung oder Position(vgl. ebd. S.101).

Eingreif-Verfahren: Der Leiter interveniert und gibt neue Impulse während des Spieles (vgl. ebd.).

Selbstgespräch: Der Spielleiter befragt den Spieler, wie er sich fühlt und fordert den Akteur auf ein Selbstgespräch zu führen. Dadurch wird dem Spieler bewusst, was in ihm vorgeht und er kann seine Rolle reflektieren und evtl, anders oder neu gestalten (vgl. ebd. S.lOlf).

Stuhl: Ein leerer Stuhl wird neben dem Spieler aufgestellt. Auf diesem Stuhl sitzt eine mögliche Gegenposition, eine Alternative zu seiner Meinung. Jetzt soll der Akteur mit sich selbst ein Zwiegespräch führen, indem er beide Stühle besetzt und „für sie" spricht. Dadurch erprobt der Spieler eine Alternative zu seinem Verhalten, klärt seinen eigenen inneren Konflikt o. ä. (vgl. ebd.).

Beratergruppen: Jede Rolle im Spiel wird von einer Beratergruppe vorbereitet. Ein TN aus jeder Gruppe beginnt das Spiel. Jeder Darsteller kann das Rollenspiel unterbrechen und sich mit seiner Beratergruppe treffen, sich austauschen und neue Argumente sammeln. Auf Wunsch kann jetzt auch ein anderer TN aus der Beratergruppe das Rollenspiel fortsetzen. Bei dieser Technik werden alle TN miteinbezogen. Zudem mindert sich der Druck und die Angst durch die gemeinsame Vorbereitung und der Möglichkeit zum Ausstieg (vgl. ebd. S.102f).

Wiederholung: Bei dieser Technik wird dem Akteur die Möglichkeit gegeben, seine Rollenspiel zu wiederholen, so dass er seine Rolle anders oder neu interpretieren und auslegen kann (vgl. S.103f).

Als weitere Techniken und Elemente des szenischen Spiels kann das Statuen bauen nach Scheller (vgl. Scheller, 2005, S.63ff), Imaginationen (vgl. Schaller 2001, S.20ff), Aufstellungen (vgl. ebd., S.30ff), sowie die Rollenübernahme auf Papier (vgl. ebd., S.48ff). hinzugefügt werden. Diese Liste gibt einen Eindruck über die vielfältige Methode des Rollenspiels wieder, ist aber bestimmt noch zu ergänzen.

3.2 Die Umsetzung der Rollenspieltheorie in die Praxis

a) Vorbereitung

Bei der Vorbereitung ist mir v.a. das Problem des Zeitmanagements, da die Methode des Rollenspiels unbekannt und für viele TN neu ist. Dementsprechend musste ich eine gute Einführung in die Methode geben, praktische Aufwärmübungen zum Abbau von Hemmungen, zur Vorbereitungen des Rollenspieles mit einplanen und auch neue Elemente, wie Spiegeln, Statuen bauen erst im Plenum erarbeiten. Weitere Schwierigkeit ist eine Betreuung von Kleingruppen allein. Ich entschloss mich dennoch für das multiple Verfahren und gegen das Fischteichverfahren, da ich jedem TN die Erfahrung der Beobachtung und des Rollenspiels geben wollte. Im Vordergrund meiner Überlegungen stand, bei den Studenten die Neugier gegenüber der Methode des Rollenspiels zu wecken. Jeder TN sollte die Chance erhalten Elemente des szenischen Spiels zu erfahren, beim Ablauf, Durchführung, Reflexion des Rollenspiels mitzuwirken. Ziel war es diese Methode auszuprobieren, zu erfahren und kritisch zu reflektieren, damit die Studenten im Anschluss an meine Seminareinheit motiviert sind sich weiter für die aufregende Methode des Rollenspiels zu interessieren.

Da ich also alleine 24 TN beim Rollenspiel unterstützen wollte und ihnen die Erfahrung des Spiels ermöglichen wollte, bildete ich drei

Zufallsgruppen durch abzählen. Die Gruppe musste zuerst einen Spielleiter bestimmen, der den Ablauf des Rollenspiels sowohl inhaltlich als auch zeitlich koordinieren sollte. Er erhielt von mir schriftliche Anweisungen zu Vorbereitung und Durchführung des Rollenspiels( Vgl. Anhang) und ausformulierte Fragen bei der Reflexion (vgl. Anhang). Dabei unterstütze ich alle Spielleiter und Gruppen bei ihrer Arbeit und ging von Gruppe zu Gruppe, unterstütze, hörte zu, griff ein, dirigierte falls notwenig, gab Tipps und förderte das Spiel, die Vorbereitung und Reflexion.

Lehrskizze Rollenspiel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b) Durchführung

Zu Beginn stelle ich mich und mein Thema, die Methode des Rollenspiels kurz vor und erwähne mein angestrebtes Ziel die Methode des Rollenspiels den TN näher zu bringen, Neugier zu wecken und Erfahrung in dieser spannenden Methode zu sammeln. Um die TN auf die Methode des Rollenspiels einzustimmen beginne ich mit einem Brainstorming mit der Frage: „Was denkst du? Was fühlst du, wenn du als TN hörst: Als nächstes machen wir ein Rollenspiel?" So fordere ich die TN auf ihre Assoziationen zu verbalisieren. Die genannten Assoziationen visualisiere ich am Flipchart. Folgendes wird genannt: „Skepsis, Spaß, Psychoanalyse, Angst vor Blamage, Kosten-Nutzen?, Mut, Zweifel".

Da die TN im Verlaufe des Seminars schon viele Methode kennen gelernt haben, kann ich auf ihr Vorwissen aufbauen und sie nach ihren Erwartungen an mich fragen: „Was möchtet ihr über die Methode des Rollenspiels erfahren?"

Wiederum visualisiere ich die genannten Aspekte und Fragen: „Definition, Zeit, Materialien, Inhalte, Vorlagen, Gefahren, In welcher Situation? Auswertung, Vorbereitung, Umgang mit Widerstand, Angstabbau".

Dann gehe ich auf die aufgeworfenen Fragen mit Hilfe meines Handouts, meiner Erfahrung und meiner Literaturrecherche ein. Dabei sind jederzeit weitere Fragen, Ergänzungen und Anmerkungen gewünscht. Wenn alle TN mit der Antwort vorläufig zufrieden sind, versehe ich den Aspekt mit einem Haken und gehe im Gespräch weiter zum nächsten Punkt.

Für die Einstimmung und Theorie zum Rollenspiel, bei der ich auch die Techniken des Spiegelns (vgl. Scheller 2005, S.SS) und Statuen bauen (vgl. ebd., S. 63ff) demonstriere und diskutiere, benötigen wir 40 Minuten.

Im Anschluss lade ich die TN ein mit ihrem Stuhl in den Raum vor der Cafete zu gehen, denn dort findet das Rollenspezifische Aufwärmen statt. Nachdem ich Sinn und Zweck des Aufwärmens erklärte, leitete ich folgende Übungen an:

1. ) Körperliches Aufwärmen:

Durch den Raum gehen, erst langsam schleichend, dann schneller werdend, auf Zehenspitzen, dann schreiten, eilen, stehen bleiben und genau in der Bewegung verharren. Weiter geht es mit dem Nachahmen von betont weiblichem Gehen, dann männlich. „Bewege dich fort wie eine Fünfjährige, ein Greis" -Stopp, verharre in deiner Position, Körperhaltung. Die Spieler sollen in ihrer Bewegung „einfrieren". Durch antippen „taue" ich sie wieder auf und fordere sie auf die „Eingefrorenen" zu spiegeln. So lernen die Spieler zuerst spontan auf Anwesungen zu reagieren, sich in Rollen einzufühlen und auf sie einzulassen. Durch die abschließende Spiegelung schulen sie ihre Beobachtungsgabe und ihr Einfühlungsvermögen, denn ich fordere sie auf, für den Partner zu sprechen, wie er sich in der eingefrorenen Körperhaltung fühlt. Diese Übungen werden mit Lachen und Begeisterung der TN begleitet. Dabei fordere ich die TN immer wieder auf sich auch zu konzentrieren und auf die Übung einzulassen. Dann steigere ich die Übung, indem im Folgenden keine menschlichen Rollen vorgegeben waren, sondern Abstraktes. Die TN sollen Eigenschaftswörter darstellen, nicht die Reaktion darauf, sondern das Wort selbst. Dabei sollten sie bei folgenden Wörtern ihre Phantasie freien Lauf lassen und diese in ihrer Körperbewegung, Mimik widerspiegeln: elastisch, zäh, elektrisch, sauer, knarrzig, süß. Diese Übung ist für mache TN schwierig, einige amüsiert sie, einige scheinen stark gefordert und können mit der Anweisung nichts anfangen.

2. ) Sprech- und Kommunikationsübungen

Die TN gehen zu fünft zusammen, formieren sich im Stuhlkreis und probieren folgende Assoziationsspiele aus:

Wortassoziation: Ich sage ein Wort und die TN assoziieren frei darauf. Reihum reagieren die TN innerhalb von 10 Sekunden auf das vorangehende Wort. Das Wort war „Student". Diese Übung erzeugt durch die Einfachheit der Aufgabe keinen Druck und scheint für den Anfang ideal.

Geschichte erzählen: Die Wörter sollen jetzt sinnvoll aneinandergereiht werden und eine Geschichte erzählen. Jeder TN nennt ein Wort und zeigt auf einen TN seiner Wahl, der das nächste Wort nennt usw.

Dann soll jeder TN einen Satz erzählen und die Geschichte an den nächsten weitergeben.

Nonsensdebatte: Die Gruppe sollte über folgendes Thema diskutieren, dabei aber die Diskussionsregeln einhalten und jeden zu Wort kommen lassen. Das Thema hieß: „Hosenträgerpflicht für Frauen über 22 in der Öffentlichkeit".

Die Sprech- und Kommunikationsübungen, sowie die Übungen zum körperlichen Aufwärmen, habe ich in Anlehnung an Broichs verbale und nonverbale Interaktionsübungen (Broich 1980, S.42 und S.59ff) und an Scheller (2005, S. 87) aufgebaut und durchgeführt.

Für jede Übung lasse ich den Gruppen jeweils ca. 2-3 Minuten Zeit. Anschließend fordere ich die Studenten auf wieder den Raum zu wechseln. Beim Hinausgehen probieren sie noch die Technik „Stuhl" aus. Dabei stelle ich einen Stuhl vor die Tür und sagt, dass dort das „ Nein" ist. Auf ihrem eigenen Stuhl ist das „ja". Bevor sie durch die Tür gehen, sollen sie einen oder beide Stühle ausprobieren und für das „ja" oder „nein" die Gedanken, Empfindungen verbalisieren. Nachdem ich die Technik demonstriere, verlässt ein Student nachdem anderen den Raum.

So erhalte ich von jedem TN ein kurzes Feedback oder einen Eindruck, wie es ihm jetzt bei den Übungen ergangen ist und wo er steht (Verhinderung des dropouts). Nachdem einige TN ihren Wunsch nach einer kleinen Pause äußern gehe ich darauf ein und lade alle TN zu zehn Minuten Pause ein, nach der sich alle wieder im Sitzkreis einfinden.

Im Sitzkreis leite ich dann auf das Rollenspiel ein, wobei ich aufgrund des knappen Zeitrahmens das Thema und das Ziel des Rollenspiels vorschlage. Da wir alle Pädagogik studieren und das Problem der Anerkennung des Studiengangs uns alle betrifft schlage ich folgendes Thema vor: Die diffuse Identität des Pädagogen- Fehlende Anerkennung /Verständnis für das gewählte Studienfach. Das Ziel ist die Selbstdarstellung und die Darstellung des Studiums. Als fiktives Szenario biete ich entweder ein Bewerbungsgespräch oder ein Gespräch innerhalb der Familie an. Die Gruppe scheint mit dem Thema des Rollenspiels einverstanden zu sein und wählt als Szenario das Gespräch in der Familie. Nachdem das Ziel und Thema festgelegt wurden, erkläre ich den Ablauf des Rollenspiels.

Zunächst muss jede Gruppe einen Leiter bestimmen, der den Ablauf des Rollenspiels sichert. Dazu erhält er von mir den Ablauf des Rollenspiels und die vorgesehen Zeit schriftlich. Dann erkläre ich den Ablauf (Vorbereitung, Durchführung, Reflexion, Zeitrahmen) im Plenum und gehe auf die Fragen der TN ein. Danach bilde ich durch „abzählen" drei Zufallsgruppen und weiße die Gruppen in ihre Räumlichkeiten ein. Die Studenten gehen als Kleingruppe geschlossen in einen Raum und bestimmen zunächst einen Leiter, der von mir folgende schriftliche Anweisung bekommt:

Einleitung zum Thema:

Diffuse Identität des Pädagogen.

Selbstdarstellung, Darstellung deines Studiums Szenario: Bewerbungsgespräch /Familie Zielvereinbarung: Selbstdarstellung Vorbereitungszeit insgesamt ca.15-20 Min Situationsvorgaben: „Einfühlung in die Situation: Worum geht es in der Szene? Was hat zu zur Situation geführt? Wo spielt sie? Wann, zu welcher Tages- und Jahreszeit und in welchen Jahr spielt sie? Welche Ereignisse und Probleme beschäftigen die Menschen in dieser Zeit? Welche Personen treffen in der Szene aufeinander? Was haben sie miteinander zu tun und in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Was tun sie in der Szene?

Anhand des so abgesteckten Rahmens können sich dann die einzelnen Spieler alleine oder zu zweit mit der Rolle beschäftigen, die ihre Person in der Szene spielt. Dabei können sie folgende Fragen klären:

Einzelne Spieler:

In welcher Situation und Verfassung befindest du dich gerade? Wie bist du hineingeraten? Was hast du vorher gemacht? Was tust du und sagst du in der Szene? Warum? Wie ist dein Stimmung? Was erwartest du von den anderen Personen? Wie ist deine Beziehung zu den anderen? Was magst du an ihnen, was nicht? Wie nehmen sie dein Verhalten wahr? Wie nimmst du ihr Verhalten wahr? Welche Gedanken und Empfindungen löst es bei dir aus? Wie reagierst du und wie geht es dir dabei? An welcher Stelle geht es dir gut?, an welcher weniger?" (Scheller 2005, S.179)

Durchführung

- Szenario vorbereiten, Beobachter im Halbkreis davor
- Spielleiter schildert Situation und Rollen. Gibt Startschuss zum Spiel
- Spielzeit max. 10 Minuten spielen

Frühzeitiger Abbruch, wenn zu erwarten ist, dass das Rollenspiel seine geplante Funktion nicht erfüllen kann, wenn vorgesehene Spielhandlung beendet, keine neuen Impulse mehr zu erwarten sind

Auswertung/ Reflexionsphase

Spielleiter an :

1.Frage an jeden Rollenträger: bleib in deiner Rolle: Was hast du gerade in deiner Rolle erlebt? Wie ist dein Befinden in deiner Rolle? Bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Wie ist dein weiteres Vorgehen? (vgl. Scheller 2005, S. 29)

2.Beobachter: Wie habt ihr die Rollen erlebt?

a)Versuche eine Statue für die einzelnen Rollen zu bauen. Suche dir eine Person aus dem Beobachterteam, modelliere sie in Körperhaltung, Position, Mimik..

Diskutiert eure Wahrnehmungen und ändert die Statuen nach den unterschiedlichen eindrücken ab (vgl. Scheller 2005, S.134ff).

b)Setzt die Statuen in Beziehung zu einander. Könnt ihr eine Momentaufnahme machen?

3.Spieler: Legt die Rollen ab Wie hast du dich beim Spiel erlebt? Was hast du wahrgenommen? Welche Gefühle hat das Spiel bei dir hervorgerufen? Sprecht über das, was ihr durch die Beobachter und die Rolle erfahren habt.

Welche Alternativen zu der Rolle gibt es? Stelle Differenzen zu der Rolle nach dem Muster: „In der Situation würde ich mich nicht so verhalten, wie es die von mir gespielte Person getan hat, sondern so..."

(vgl. Scheller 2005, S. 140f)

Zunächst gehe ich zu jeder Gruppe, frage nach Unklarheiten, kläre diese und coache den Gruppenleiter. Die einzelnen Gruppen betreue ich reihum und greife falls notwendig unterstützend ein oder stehe helfend zur Seite, wobei ich darauf achte, dass die Hauptverantwortung bei der Gruppe selbst bleibt.

Nach dem Rollenspiel und der Auswertung innerhalb der Gruppen treffen sich alle TN wieder im Sitzkreis. In der anschließenden gemeinsamen Reflexion fordere ich zunächst die Leiter der drei Gruppen auf über ihr Rollenspiel, Probleme und Erfahrungen zu berichten; die anderen TN ergänzen. Danach frage ich im Plenum, wie es den TN mit dieser Methode erging und ob sie glauben dass diese Methode geeignet ist, das Ziel Identitätsdarstellung zu erreichen. Diese Fragen werfen sofort eine Diskussion auf und es verdeutlicht sich das Problem, dass das Ziel dieses Rollenspiels vor Beginn der Durchführung nicht deutlich genug formuliert war, so dass es einigen Spielern nicht präsent war und sie ihr Spiel nicht zielgerichtet auslegen konnten. Ich erkläre, dass normalerweise das Thema und das Ziel eines Rollenspiels in der Gruppe gemeinsam erarbeitet wird und nicht wie jetzt aus Zeitgründen vom Dozenten festgelegt wurde. Es stellt sich heraus, dass ich das Ziel des Rollenspiels zu unklar ausgedrückt habe. Dadurch wird der Sinn des Rollenspiels in Frage gestellt. Dieses Problem klären wir aber in einer anschließenden Diskussion.

Abschließend fasse ich den Ablauf meines Seminarabschnitts zusammen und betone mein eingangs erwähntes angestrebtes Ziel die Methode des Rollenspiels den TN vorzustellen, die Neugier zu wecken und Erfahrung in dieser spannenden Methode zu sammeln. Für die engagierte Mitarbeit und das Interesse der TN bedanke ich mich herzlich.

Im Folgenden erhält jeder TN einen Feedbackfragebogen (von der Feedbackgruppe) über meinen Seminarabschnitt (vgl. Anhang).

c) Nachbereitung/ mein Lernfortschritt

Mein Seminarbeitrag gestaltet sich für mich lehrreich und bereichert mich in meiner Erfahrung als angehende Erwachsenenbildnerin. Die Befürchtungen der mangelnden Kooperation der TN und das Einlassen auf die neue Methode stellten sich nicht ein.

In der abschließenden Diskussion bzw. dem Lehrgespräch über Sinn und Zweck der Rollenspiele, spiegelten sich viele kritische Haltungen gegenüber dieser Methode. Die Kritik forderte mich stark und zunächst fühlte ich mich als Person angegriffen. Doch dann lernte ich zwischen dem Infragestellen meiner Person und dem Inhalt zu unterscheiden und konnte das Lehrgespräch professionell führen. So kann ich aus dieser Erfahrung auch für mich selbst Profit ziehen.

Nach dem Seminar lese ich die Feedbackbögen und bin davon begeistert, denn das Feedback der TN ist ausgesprochen gut (vgl. Anhang) und stimmt mit meinen subjektiven Erleben überein.

Aus dem Inhalt der Diskussion lerne ich, dass die entscheidende Phase, der Erfolg einer Methode mit der Zielvereinbarung steht und fällt. Dieser Schritt muss unbedingt mit der Gruppe vereinbart und klar formuliert werden (vgl.3.2). Diesen Schritt werde ich beim nächsten Mal nicht mehr überspringen und mir die Zeit nehmen die Zielvereinbarungen mit der Gruppe zu erarbeiten.

Zudem ist es schwierig und anstrengend drei Kleingruppen mit 6-7 Leuten zu betreuen. Meine Hilfestellungen waren aber laut Feedback erwünscht und hilfreich. Auch die Einteilung in Zufallsgruppen fand Zustimmung.

Kritisiert wurde mein teilweise mangelndes Vertrauen in die Gruppe, ich hätte den TN partiell mehr Zutrauen können. Dieser Kritikpunkt scheint mir angebracht, da es mir schwer fällt einzuschätzen, wieviel ich den TN zumuten kann. Andererseits schienen einige TN laut Feedbackbogen stark gefordert zu sein. Zusammenfassend denke ich, dass eine leichte Überforderung an die TN gut ist, da sie die Motivation und aktive Mitarbeit der TN erhöht. So werde ich meine teilnehmerzentrierte Planung auch in Zukunft, wenn es der Inhalt, die Institution, die Rahmenbedingungen und TN zulassen, beibehalten.

Bei der Durchführung einer Gruppenarbeit werde ich mich aber in Zukunft mehr zurückhalten und in die Fähigkeiten der TN vertrauen.

Zuletzt möchte ich noch auf das Problem des Zeitmanagements eingehen. Bereits bei der Vorbereitung fiel mir die zeitliche Einteilung meiner Seminargestaltung sehr schwer, da Mitarbeit, Fragen der TN ect. schlecht einschätzbar sind. Meine Zeiteinteilung funktionierte gut, doch hätte ich für die abschließende Diskussion noch mehr Zeit benötigt.

4. Fazit

Dennoch denke ich, dass die Problematik Fragen und Diskussionen im Vorfeld einzuplanen jeden Dozenten begleitet.

Deshalb ist jede Durchführung eines Seminars eine wichtige Erfahrung und stellt eine Bereicherung für den zukünftigen Erwachsenbildner dar, denn nur in der Praxis wird die Theorie lebendig und im Tun wächst die Erfahrung. So gewinnt der Student an Methodenkenntnis und auch in der Anwendung der Methode Sicherheit. Seine Methodenkompetenz und Flexibilität steigert sich, so dass Einfühlung in die Situation und die TN spontan zu reagieren und die Seminarinhalte auf den TN abzustimmen.

Der Weg ist das Ziel.

5. Literaturangaben

Böhm, Winfried (2000): Wörterbuch der Pädagogik. Stuttgart Broich, J. (1994). Rollenspiele mit Erwachsenen, 5. Auflage ed. Köln: Maternus

Knoll, Jörg (2003): Kurs- und Seminarmethoden. Weinheim Krappmann, Lothar(2000): „Soziologische Dimensionen der Identität. Stuttgart

- Van Ments, Morry (1985): Rollenspiel: effektiv. München

Schaller, Roger (2001): Das große Rollenspielbuch. Weinheim und Basel

Scheller, Ingo (2005): Szenisches Spiel. Handbuch für die pädagogische Praxis. Berlin

Siebert, Horst (2004): Methoden in der Bildungsarbeit Weidenmann, B. (2003): Erfolgreiche Kurse und Seminare : professionelles Lernen mit Erwachsenen, 6., neu ausgestattete Aufl. ed. Weinheim [u.a.]: Beltz.

29 von 29 Seiten

Details

Titel
Das Rollenspiel - eine vielfältige Methode
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Methoden der Jugend- und Erwahsenenbildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V111685
Dateigröße
949 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rollenspiel, Methode, Methoden, Jugend-, Erwahsenenbildung
Arbeit zitieren
Hauschild Martina (Autor), 2006, Das Rollenspiel - eine vielfältige Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111685

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