„Es ist ein Triumph der offenen Form. Was Brecht als Bearbeiter, was Weill als Komponist in diesem leichten Nebenwerk geleistet haben, daß ist zugleich die Überwindung der Revue zu einer neuen Gattung und die Verschmelzung von Elementen des Varietes [...] zu einem lebendigen theatralischen Ausdruck.“
Herbert Jherning, BBC: 01.September 1928
So begeistert äußerte sich der britische Journalist nach dem triumphalen Erfolg von Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ und deren Songs . Diese Arbeit wird sich aber nicht mit dem Gesamtwerk beschäftigen, sondern mit dessen bekanntesten Song: der „Moritat von Mackie Messer“ , dem ersten Song der „Dreigroschenoper“.
Ich möchte dieses Einzelstück aus der Gesamtheit der Oper herausheben und zeigen, dass es durchaus ein einzelnes Werk für sich und als solches ebenso aussagekräftig ist. Der genaueren Analyse, Deutung und Interpretation widmet sich diese Hausarbeit genauso, wie ihrem unverwechselbaren Inhalt und dem berühmten Haifischmotiv. Des Weiteren möchte ich auf die Tatsache eingehen, dass die Moritat ebenfalls in musikalischer Form existiert, wodurch ich hoffe, ihre Eigenständigkeit als Text nochmals unterstreichen zu können.
Um die Herkunft der Moritat zu erläutern, werde ich zunächst mit einer kurzen Darstellung der „Dreigroschenoper“ und deren Eigenschaften beginnen, um mich danach ausschließlich der Moritat zu widmen. Der genauen Erläuterung ihres Inhaltes, Aufbaus und Charakters folgt die Analyse, die Abhandlung über das Haifischsymbol und die Darstellung der Moritat als Song. Abschließen möchte ich mit dem Versuch den Hintergrund der Vertonung der Moritat dazustellen und einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Die Dreigroschenoper“
2.1 Die Entstehung der „Dreigroschenoper“
2.2 Das epische Theater
2.3 Inhalt und Handlung der Dreigroschenoper
3. Die Moritat
3.1 Definition der Moritat
3.2 Die Entstehung der „Moritat von Mackie Messer“
3.3 „Die Moritat von Mackie Messer“
3.4 Die Einleitung der Moritat in der Dreigroschenoper
3.5 Inhalt und äußerer Aufbau
3.6 Innerer Aufbau, Wortwahl und Vergleiche
3.7 Das Haifischsymbol
3.8 Analyse und Interpretation der aufgeworfenen Fragen
4. Eine mögliche Deutung der Moritat
5. Die „gesungene“ Moritat
5.1 Die Entstehung der Songs
5.2 Schlager oder Chanson? – Das Genre
5.3 Das Original von Bertolt Brecht und Kurt Weill
5.4 Die Moritat als Hit
5.5 Die Hintergründe der Vertonung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Einzelstück „Die Moritat von Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer strukturellen Merkmale und ihrer spezifischen Symbolik. Ziel ist es, die Eigenständigkeit des Textes als Werk für sich zu belegen sowie die kritische Auseinandersetzung des Autors mit gesellschaftlichen Zuständen und deren spätere Transformation durch die Musikindustrie aufzuzeigen.
- Analyse des literarischen und äußeren Aufbaus der Moritat
- Untersuchung des Haifischsymbols und dessen Metaphorik in Bezug auf die Hauptfigur
- Kritische Beleuchtung der gesellschaftlichen Verhältnisse und deren Widerspiegelung im Werk
- Diskussion der musikalischen Adaption und der Verfremdung durch den kommerziellen Erfolg
Auszug aus dem Buch
3.3 „Die Moritat von Mackie Messer“
Und der Haifisch der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.
5 Ach, es sind des Haifischs Flossen
Rot, wenn dieser Blut vergießt!
Mackie Messer trägt ´nen Handschuh
Drauf man keine Untat liest.
An der Themse grünem Wasser
10 Fallen plötzlich Leute um!
Es ist weder Pest noch Cholera
Doch es heißt: Macheath geht um.
An ´nem schönen blauen Sonntag
14 Liegt ein toter Mann am Strand
15 Und ein Mensch geht um die Ecke
Den man Mackie Messer nennt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Begründung, warum die „Moritat von Mackie Messer“ als eigenständiges Werk analysiert werden soll.
2. „Die Dreigroschenoper“: Einführung in das Gesamtwerk, seine Entstehungsgeschichte und die theoretischen Grundlagen des epischen Theaters.
3. Die Moritat: Detaillierte Analyse der Definition, Entstehung, des Aufbaus, der Symbolik sowie der Interpretation der zentralen Fragen rund um den Protagonisten.
4. Eine mögliche Deutung der Moritat: Diskussion über die Eigenständigkeit der Moritat und ihre Bedeutung im Kontext der gesellschaftlichen Verfremdung.
5. Die „gesungene“ Moritat: Untersuchung der musikalischen Komponente, der Gattungsfrage zwischen Schlager und Song sowie der Vermarktung und Rezeption als Hit.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Eigenständigkeit der Moritat und der kritischen Reflexion ihrer Verwandlung in ein reines Unterhaltungsprodukt.
Schlüsselwörter
Bertolt Brecht, Dreigroschenoper, Moritat, Mackie Messer, Bänkelsang, episches Theater, Haifischsymbol, Sozialkritik, Kurt Weill, Song, Verfremdung, Verbrecher, Kapitalismuskritik, Musikindustrie, Rezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die „Moritat von Mackie Messer“ als zentrales, eigenständiges Werk innerhalb der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der literarischen Analyse des Textaufbaus, der Rolle des Haifischsymbols und der Untersuchung, wie sich die Rezeption des Werks durch die Vertonung und Vermarktung verändert hat.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, den Status der Moritat als eigenständiges Kunstwerk zu untermauern und die in ihr enthaltene Gesellschaftskritik Brechts herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Der Autor verwendet eine textanalytische Methode, die formale Aspekte (Metrum, Wortwahl, Struktur) mit inhaltlichen Interpretationen und kulturwissenschaftlichen Kontexten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Moritat-Definition, dem Aufbau des Textes, dem Haifisch-Vergleich sowie der Entwicklung vom kritischen Song zum kommerziellen Hit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Protagonisten Mackie Messer sind Begriffe wie episches Theater, Verfremdung, Haifischsymbol und die Gattung des Songs für das Verständnis der Arbeit essenziell.
Wie deutet der Autor die Figur des Mackie Messer in der Moritat?
Der Autor argumentiert, dass Macheath im Spannungsfeld zwischen der Rolle als bürgerlicher Gentleman und der Identität als krimineller Verbrecher steht, wobei die Beweisnot in der Moritat seine Sonderstellung unterstreicht.
Warum wird das Haifischsymbol kritisch hinterfragt?
Der Autor zeigt auf, dass der Hai zwar als Metapher für den Räuber dient, aber bei genauerer Betrachtung des Textes Macheath eher als überlegene Instanz im Vergleich zum Tier dargestellt wird, weshalb das Symbol komplexer zu bewerten ist als eine einfache Gleichsetzung.
- Citar trabajo
- Florian Huber (Autor), 2005, Bertolt Brecht "Und der Haifisch der hat Zähne...", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111723