Die Verwendung von Musik im Deutsch als Fremdspracheunterricht erweitert dessen interkulturellen Bedeutungsreichtum. Ziel der interkulturellen Methode im DAF-Unterrichts ist es, die kulturellen Gegensätze und Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen und den „Kultur-Schock“ beim erlernen einer neuen Sprache (in diesem Fall Deutsch) zu minimieren (vgl. Neuner 1999).
Musik bietet mit ihren pluralistischen Facetten und ihrer interkulturellen Bedeutung eine Grundlage, um die Anerkennung der deutschen Sprache zu fördern. Schwerpunkt des Fremdsprachenunterrichts am Beginn des 20. Jahrhundert war die Literatur der jeweils unterrichteten Sprache. Der Unterricht im Fremdsprachenbereich wurde nach den Vorbildern des schulischen Unterrichts und der „hohen Kulturen“ ausgerichtet (vgl. Götze, 1996 Fünf-Lehrwerksgenerationen). Die Grammatik-Übersetzungsmethode konzentrierte sich auf das Übersetzen von bedeutenden Werken der hohen Kulturen. In heutiger Zeit werden Lehren und Lernen einer Fremdsprache mit individuellen Mehrsprachlichkeitsprofilen definiert – Kommunikation, Interkulturalität und Sprachhandeln sind Grundlagen des Sprachenerwerbs. Diese neuen Unterrichtsmethoden verlangen ebenso nach neuen Unterrichtsmaterialien die in der bisherigen Entwicklung eher eine nachgeordnete Rolle spielten.
Die deutsche Kultur ist eng mit historischen Persönlichkeiten verbunden, so werden als Denker und Dichter häufig Goethe und Schiller mit der deutschen Kultur assoziiert. Betrachtet man die musikalische Entwicklung in Deutschland so lassen sich ebenso viele Persönlichkeiten finden. Amadeus Mozart als Genie der Klassik (hatte die erste nicht-italienische Oper geschrieben), Ludwig van Beethoven (Symphonie Nr. 5 c-moll) und Franz Schubert (Winterreise D911). Diese einzelnen Persönlichkeiten werden mit Deutschland in Verbindung gebracht, haben aber ihren sprachunterrichtlichen Aktualitätsbezug weitestgehend verloren. Die Gesellschaft von heute hört zumeist „massentaugliche Ware“ – populäre Musik deren vorwiegende Sprache Englisch ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Ziele in der Verwendung von Musik
Musiktypen
Zielgruppen / Kriterien der Auswahl
Grundfertigkeit Hören
Berücksichtigung metakognitiver Strategien
Beschaffung von Unterrichtsmaterialien
Aufgabenstellungen für die Verwendung von Musik im DaF-Unterrichtes
Kritik an der Verwendung von Musik im fremdsprachlichen Unterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial populärer Musik als didaktisches Mittel im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht, um die interkulturelle Kompetenz zu fördern, die Sprachmotivation zu steigern und einen lebensweltorientierten Zugang zur deutschen Sprache zu ermöglichen.
- Historische Entwicklung und Einordnung verschiedener Musikstile (Schlager, Rock, Rap, Neue deutsche Welle).
- Kriterien für die zielgruppengerechte Auswahl von Musik im Unterricht.
- Analyse der Grundfertigkeit Hören und relevanter Verstehensstrategien.
- Methodische Ansätze zur Einbindung von Musik in den Unterrichtsalltag.
Auszug aus dem Buch
Zielgruppen/ Kriterien der Auswahl
Eine Zielgruppenanalyse im Bereich Deutsch als Fremdsprache bezieht sich nicht nur auf den Wissensstand nach dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeRR), sondern beinhaltet auch die Analyse des sozialen Umfeldes und der individuellen Interessen. Dabei muss bedacht werden, dass ältere Zuwanderer einer anderen Kohorte angehören als jüngere Menschen aus dem gleichen Land. Auch die pluralistischen Kulturen innerhalb einer Lerngruppe bestimmen die Auswahl des Lern- und Lehrstoffes und verlangen vom Lehrer Sorgfalt.
Die Präsentation von Musik im DaF-Unterrichts muss vom Lehrer sicher abgestimmt werden, da eine „allzu abprubte Konfrontation des Lernenden etwa mit Themenbereichen aus den Zielsprachenländern, die im eigenen Kulturbereich tabuisiert sind (Alkohol, Sex, Drogen etc.) bzw. eine Verfremdung oder Verzerrung der Realität bei ihm Abwehrreaktionen hervorrufen (Kulturschock) und zu Lernblockaden führen können.“ (Neuner, G & Hunfeld, H. (2007) Methoden des fremdsprachlichen Deutschunterrichts. Fernstudieneinheit 4. Kassel: Langenscheidt. S. 109) Musik die aktuell in deutschen Wohn- und Jugendzimmern läuft ist daher nicht immer empfehlenswert für den Gebrauch im Unterricht, da zahlreiche Musiker unter dem Aspekt der künstlerischen Freiheit Tabuthemen aufgreifen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert den Stellenwert von Musik zur Förderung interkultureller Kompetenz und zur Steigerung der Motivation beim Sprachenlernen.
Ziele in der Verwendung von Musik: Dieses Kapitel beschreibt, wie Musik durch ihre Verbindung zu Jugendkulturen die Sprachmotivation steigert und rezeptive Fertigkeiten trainiert.
Musiktypen: Hier erfolgt ein Überblick über die deutsche Musikgeschichte vom Schlager bis zum Rap und deren Bedeutung im gesellschaftlichen Kontext.
Zielgruppen / Kriterien der Auswahl: Dieses Kapitel thematisiert die Notwendigkeit einer differenzierten Zielgruppenanalyse und die Auswahl geeigneter, nicht abstoßender Musikthemen.
Grundfertigkeit Hören: Die Erläuterung der kognitiven Prozesse beim Hören und die Unterscheidung zwischen verschiedenen Hörverstehensprozessen bilden den Kern.
Berücksichtigung metakognitiver Strategien: Hier wird die Rolle von Strategien zur Überwachung des eigenen Textverständnisses beim Lesen und Hören beleuchtet.
Beschaffung von Unterrichtsmaterialien: Dieses Kapitel bietet praktische Tipps für die Materialsuche, unter anderem im Internet, in Bibliotheken und bei Konzertbesuchen.
Aufgabenstellungen für die Verwendung von Musik im DaF-Unterrichtes: Eine Übersicht konkreter Aufgabenformate für das Training von Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen.
Kritik an der Verwendung von Musik im fremdsprachlichen Unterricht: Das letzte inhaltliche Kapitel fasst die didaktischen Herausforderungen und Gefahren, wie etwa die Gefahr der Überforderung oder unpassender Inhalte, zusammen.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, DaF, Musikdidaktik, Hörverstehen, Interkulturelles Lernen, Sprachmotivation, Musikgeschichte, Schlager, Rap, Unterrichtsmethodik, Metakognitive Strategien, Sprachhandeln, Zielgruppenanalyse, Landeskunde, Sprachkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die didaktischen Möglichkeiten und Herausforderungen, die sich bei der Integration populärer Musik in den Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auswahlkriterien für Musikstücke, die neurologisch fundierte Analyse des Hörverstehens, didaktische Methoden sowie die Einordnung historischer und moderner deutscher Musikrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften aufzuzeigen, wie sie Musik nutzen können, um die Motivation der Lernenden zu erhöhen und ein tieferes Verständnis für die deutsche Sprache und Kultur zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender didaktischer Ansätze, unter anderem von Neuner und Hunfeld, und verbindet diese mit praktischen Anwendungsbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Einordnung verschiedener Musiktypen, eine Zielgruppenanalyse, didaktische Strategien zur Schulung des Hörverstehens sowie praktische Tipps zur Materialbeschaffung und Aufgabenentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Musikdidaktik, Hörverstehen, Interkulturalität, Sprachmotivation und DaF-Methodik.
Warum spielt die Zielgruppenanalyse bei der Musikauswahl eine so große Rolle?
Da verschiedene Altersgruppen und kulturelle Hintergründe unterschiedliche Interessen und Tabuzonen haben, muss die Musik sorgfältig gewählt werden, um Lernblockaden und Kulturschocks zu vermeiden.
Wie lässt sich die Grundfertigkeit Hören sinnvoll im Unterricht trainieren?
Durch die Unterscheidung zwischen selektivem, globalem und detailliertem Hörverstehen sowie durch die gezielte Bereitstellung von Text-Handreichungen bei schnellen oder komplexen Musikstücken.
Welche Rolle spielt die Musikgeschichte für den Sprachunterricht?
Historische Werke helfen, die kulturelle Entwicklung nachzuvollziehen, während aktuelle Musik den direkten Lebensweltbezug zu den Lernenden herstellt.
Welche Herausforderungen nennt der Autor bei der Nutzung von Rap-Musik?
Rap weist oft eine sehr hohe Geschwindigkeit und die Verwendung von Alltagssprache oder Slang auf, was das Hörverstehen für Lernende auf niedrigerem Sprachniveau stark erschwert.
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- Jan Fendler (Author), 2007, Die Verwendung populärer Musik im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111737