Das Anti-Aggressivitäts-Training als wirkungsvolle Diversionsmaßnahme bei gewaltbereiten Jugendlichen


Akademische Arbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Gewalt
2.2 Konfrontation

3. Die konfrontativen Ansätze der Gewaltprävention

4. Konfrontative Pädagogik

5. Anti-Aggressivitäts-Training
5.1 Rahmenbedingungen
5.2 Phasen
5.3 Curriculum

6. Anti-Aggressivitäts-Training als Diversionsmaßnahme nach §45 JGG

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

„Am Montag wurde ein 15 Jahre alter Junge in der Aschaffenburger Innenstadt von Gleichaltrigen niedergeschlagen. Als ihr Opfer am Boden lag, traten die drei Angreifer weiter auf ihn ein [...] Zudem wurde der 15-Jährige bespuckt [,..]Die drei Jugendlichen erwartet nun eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung“ (inFranken.de, 2020, online).

Meldungen, wie diese, bekommt man in den Regionalnachrichten ziemlich häufig zu sehen. Auch in den Tageszeitungen wird des Öfteren über ähnliche Vorkommnisse berichtet. Im Jahr 2018 sind rund 22.600 Jugendliche und ca. 23.200 Heranwachsende Tatverdächtige in Sachen Gewaltkriminalität, worunter u.a. Straftatbestände wie gefährliche und schwere Körperverletzung fallen, gewesen (BKA, 2019, S.11 f.). Auch wenn die von Jugendlichen ausgehende Kriminalität im Bereich der Gewalttaten im vergangenen Jahrzehnt besonders stark zurückgegangen ist, sollte diese Gewaltproblematik dennoch nicht vernachlässigt werden (Zieger & Nöding, 2018, S.4). Jedes Opfer ist eins zu viel. Die Geschädigten leiden häufig unter langfristigen Folgen, wie dauerhaften Schmerzen, Ängsten oder Persönlichkeitsproblemen. „Ihr Leid ist die maßgebliche Verpflichtung, Gewalt in allen Formen zu bekämpfen“ (Werner, 2014, S.14).

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich aus diesem Grund mit der Fragestellung auseinander, inwiefern mittels des Anti-Aggressivitäts-Trainings (im Folgenden mit ,AAT‘ abgekürzt) Gewaltprävention bei besonders gewaltbereiten Jugendlichen effektiv betrieben werden kann. Beim AAT handelt es sich um einen sozialen Trainingskurs, der dem Gebiet der Konfrontativen Pädagogik angehört und zur Gewaltprävention bei gewalttätigen Wiederholungstätern durchgeführt wird (Kilb & Weidner, 2013, S.125 f.). Um die eben genannte Fragestellung bestmöglich zu beantworten, ist die Studienarbeit folgendermaßen aufgebaut. Im ersten Kapitel werden zunächst die wesentlichen Begrifflichkeiten, die in dieser Ausarbeitung des Öfteren aufgegriffen werden, ausführlich erklärt. Anschließend wird das Feld der Gewaltprävention im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe dargestellt. Erste konfrontative Ansätze werden hierbei miteinbezogen. Außerdem erfolgt eine erste Verortung des AATs innerhalb des Spektrums der konfrontativen Gewaltprävention. Im nächsten Kapitel wird die Konfrontative Pädagogik vorgestellt, auf dessen Grundsätze und Prinzipien sich das Kernkonzept des AATs stützt. Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich schließlich ausführlich mit dem AAT selbst.

In dieser Hausarbeit wird aus Gründen der Lesbarkeit auf die Nennung beider Geschlechter verzichtet. Falls nicht ausdrücklich anders erwähnt, sind stets beide Geschlechter gemeint.

Hier werden insbesondere umsetzbare konfrontative Ansätze erläutert, mit denen gewalttätige Verhaltensweisen behandelt werden können. Im letzten Kapitel wird noch ein genauer Bezug zu unserem LF2-Thema hergestellt. Im Fazit werden letztlich die verschiedenen Aspekte der Studienarbeit reflektiert.

2. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN

2.1 GEWALT

Für den Begriff ,Gewalt‘ gibt es zahlreiche Definitionen. Dies liegt unter anderem an der hohen Anzahl verschiedener Gewaltformen. Im Folgenden wird eine Begriffsbestimmung vorgestellt, welche die Art von Gewalt, die insbesondere unter Jugendlichen stattfindet, treffend beschreibt. Korn und Mücke definieren Gewalt „als ein Verhalten, dass darauf ausgerichtet ist, die individuellen Grenzen einer Person zu überschreiten. Mit einem Menschen wird etwas getan, was dieser nicht will. Sein Wille wird durch Machtausübung gebrochen, da die persönliche Grenze individuell ist. Gewalt ist somit das, was eine Person als Gewalt empfindet“ (Korn & Mücke, 2011, S.15).

Dieses Verhalten kann sowohl physischer als auch psychischer Natur sein. „Physische Gewalt beschreibt Handlungen, in denen zwei oder mehr Individuen im Zuge der Auseinandersetzung physische Mittel einsetzen, um den Gegner körperlich zu verletzen“ (Kammler, 2013, S.21). Hierunter zählen aktive Handlungen wie bspw. das Schlagen, Treten oder Boxen anderer Personen oder auch das Werfen eines Gegenstandes auf einen anderen Menschen. Nach Jessel (2010, S.182) zählen zur psychischen Gewalt verbale Handlungen (z.B. Auslachen, Beleidigungen, Demütigungen, Erpressungen), nonverbale Aktionen (z.B. beleidigende Gesten) und Unterlassungen (z.B. verweigerte Hilfe). Kammler ergänzt, dass „es bei psychischer Gewalt anders als bei körperlicher Gewalt davon abhängt, ob sich das Opfer auch mobben lässt. Denn Beleidigungen wirken nur dann, wenn sich der Betroffene auch angesprochen und beleidigt fühlt“ (Kammler, 2013, S.22).

2.2 KONFRONTATION

Das Wort ,Konfrontation‘ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt ,Stirn an Stirn‘, womit eine Gegenüberstellung gemeint ist. Im pädagogischen Setting beziehen sich Gegenüberstellungen auf gegensätzliche Einstellungen, Erwartungen oder Verhaltensweisen (Werner, 2014, S.56). Nach Werner (Ebd.) besteht der Sinn einer Konfrontation darin, beim Edukanden reflektierende Denkmuster auszulösen, mit dem Ziel gegebenenfalls eine Verhaltensveränderung herbeizuführen. Die Einschränkung ,gegebenenfalls' ist an dieser Stelle vorgenommen worden, da im primären Bereich der Gewaltprävention i.d.R. keine Verhaltensveränderungen erforderlich sind , da die dort angesprochene Zielgruppe von Kindern und Jugendlichen sich im Normalfall bereits den gewünschten Normen unserer Gesellschaft entsprechend verhält. Nach Werner geht es also in erster Linie darum, dass Kinder und Jugendliche ihre bisherigen Einstellungen und Verhaltensmuster infrage stellen sollen. Konfrontative Auseinandersetzungen besitzen demnach immer einen entwicklungsfördernden Charakter (Ebd., S.57). Werner (Ebd., S.58) ist der Auffassung, dass Konfrontationen durch Emotionen, die durch angemessene Auseinandersetzungen ausgelöst werden, ihre Wirkung entfalten. Die Emotionalität trägt zur Selbstreflexion des Edukanden bei, wodurch bei diesem ein Bewusstsein des unangebrachten Verhaltens hervorgerufen wird. Dies wiederum kann zu einer Veränderung der Einstellung oder sogar des Verhaltens dieser Person führen.

Kilb definiert den Begriff Konfrontation' im pädagogischen Setting wie folgt:

„Konfrontationen im erzieherischen Kontext lassen sich i.d.R. als Handlungsaktion bzw. Handlungsform zwischen mindestens zwei Akteuren in einer [...] asymmetrischen Beziehung (Machtverhältnis) verstehen Der konfrontierende Akteur erlebt sich dabei [.] in einer moralischen Rechtsposition demjenigen gegenüber, den er mit einer [.] zugeschriebenen unmoralischen rechts- bzw. regelverletzenden Tat konfrontiert“ (Kilb, 2011, S.32).

Kilb beschränkt die pädagogische Anwendung der Konfrontation somit lediglich für den Fall, bei dem eine unmoralische Rechts- bzw. Regelverletzung vorliegt. Werner wiederum hat ein erweitertes Verständnis dieses Begriffes. Nach ihm können Konfrontationen auch der Fürsorge und Prävention dienen (Werner, 2014, S.58). Auf die präventive Funktion einer Konfrontation wird im nächsten Kapitel ausführlich Bezug genommen.

3. DIE KONFRONTATIVEN ANSÄTZE DER GEWALTPRÄVENTION

Werner (2014, S.62 ff.) unterteilt die Gewaltprävention in folgende drei Kategorien: primäre, sekundäre und tertiäre Gewaltprävention.

Bei der primären Gewaltprävention geht es um die Vorbeugung gewalttätigen Verhaltens, bevor überhaupt Auffälligkeiten in diesem Bereich zu sehen sind. Konfrontative Ansätze der primären Gewaltprävention zielen darauf ab, dass Kinder und Jugendliche eine klare Einstellung zum Thema Gewalt entwickeln. Die verwendeten Methoden sollen die Zielgruppe dazu ermutigen, Zivilcourage zu zeigen. Empathische und reflektierende Konfrontationen regen das Verantwortungsbewusstsein der Kinder und Jugendlichen an und schulen zudem die Vertretung prosozialer Werte (Ebd., S.120). Zu den verwendbaren Methoden gehören u.a. mit Emotionen behaftete Fragestellungen und irritierende Behauptungen, mit denen die Kinder konfrontiert werden (Ebd., S.62). Solche Methoden erhöhen die Motivation der Kinder und Jugendlichen, ihre eigene Haltung zu reflektieren und gegebenenfalls auch zu korrigieren (Ebd., S.121).

Die sekundäre Gewaltprävention umfasst vorbeugende Maßnahmen, die sich an gefährdete und leicht auffällige Kinder und Jugendliche richtet. Diese Maßnahmen setzen konkret am gewalttätigen Verhalten der Täter an (Ebd., S.155). Die Kinder und Jugendlichen werden mit ihren eigenen Verhaltensweisen konfrontiert und befassen sich im Gegensatz zur primären Gewaltprävention nicht nur allgemein mit dem Thema Gewalt. Konfrontative Ansätze der sekundären Gewaltprävention zielen, ebenso wie im primären Bereich, auch darauf ab, dass Kinder und Jugendliche eine prosoziale Einstellung sowie eine klare Haltung gegen Gewalt entwickeln. Dementsprechend geht es auch darum, dass die Täter ihr gewalttätiges Verhalten nicht mehr an den Tag legen (Ebd., S.156). Verwendete Methoden der sekundären konfrontativen Gewaltprävention sind u.a. Ich-Botschaften, kritische Äußerungen, aktivierende Ressourcenkonfrontationen, Ermahnungen und Aufforderungen (Ebd., S.62). Folgendes Beispiel gleicht dem vom Werner (Ebd., S.63 f.) und zeigt auf, wie einige dieser Methoden in der Praxis angewendet werden können:

Pascal, du hast dich gerade über Chris lustig gemacht. So ein Verhalten missfällt mir und akzeptiere ich nicht! Unterlasse dieses Verhalten zukünftig! Weißt du, wie peinlich dem Chris diese Witze über ihn sind? Du bist ein Schüler, der viele Stärken hat! Du bist häufig sehr zuvorkommend und unterstützt oft andere. Auf der anderen Seite hast du gerade Chris vor der ganzen Klasse bloßgestellt. Ich verstehe nicht, wie du mit deinen Stärken ein solches Verhalten zeigen kannst! Wieso hilfst du Chris stattdessen nicht, sich besser in der Klasse zurechtzufinden? Du bist doch ein hilfsbereiter Schüler! [dieses Beispiel ist kein wörtliches Zitat]

An diesem Beispiel wird gut deutlich, dass das Repertoire der sekundären konfrontativen Gewaltprävention durch Methoden ergänzt wird, die sich durch eine deutlich höhere Konfrontationsintensität auszeichnen (Ebd., S.156). Die Elemente der primären konfrontativen Gewaltprävention dürfen in dieser Stufe auch angewendet werden (Ebd., S.155). Zu den Programmen der sekundären konfrontativen Gewaltprävention gehört u.a. das Coolness-Training (Ebd., S.167).

Bei der tertiären Gewaltprävention geht es um die Verhinderung erneuter Gewalttaten. Die Jugendlichen sind bereits im erheblich gewalttätigen Maß auffällig geworden. Die deliktspezifischen und resozialisierenden Programme verfolgen das Ziel der Rückfallvermeidung (Ebd., S.177). Die Konfrontationsintensität ist hier besonders hoch. Es erfolgen klare Grenzziehungen. Verbote und eindeutige Verhaltensaufforderungen zur Besserung werden hier unmissverständlich deutlich gemacht. Diese Art der Konfrontation gilt als ,ultima ratio‘. Die nächsthöhere Maßnahme wäre letztendlich der Freiheitsentzug (Ebd., S.178). Die Täter sollen sich in dieser Stufe tiefgehend mit ihren Gewalttaten befassen. Aus dem Fehlverhalten resultierende Folgen für die Opfer und auf die Täter zukommende Konsequenzen im Falle einer erneut von Gewalt geprägten Straftat werden ebenso angesprochen (Ebd., S.65). Zu den Programmen der tertiären konfrontativen Gewaltprävention gehört u.a. das AAT, welches in Kapitel 5 ausführlich vorgestellt wird (Ebd., S.204).

4. KONFRONTATIVE PÄDAGOGIK

Bei der Konfrontativen Pädagogik handelt es sich um einen erzieherischen Handlungsstil und eine Methodik, durch welche Demokratiefähigkeit und Selbstverantwortung des Klienten gefördert werden sollen (Kilb, 2010, S.38). Nach Weidner (2010, S.28) ist die Konfrontative Pädagogik stark am autoritativen Erziehungsstil angelehnt. Pädagogen sollen demnach zu 80% empathisch, verständnisvoll bzw. wertschätzend sein und zu 20% Konflikt- und Grenzziehungsbereitschaft zeigen. Der Leitsatz, der dahinter steckt, lautet: „Abweichendes Verhalten verstehen, aber nicht einverstanden sein“ (Ebd., S.29). Die Konfrontative Pädagogik zielt nach Weidner (Ebd., S.24) darauf ab, prosoziales Verhalten, die Entwicklung eines moralischen Bewusstseins sowie Empathie und Frustrationstoleranz der gewaltbereiten Jugendlichen zu fördern. Für die Täter sind ihre Opfer häufig ein Tabuthema. Es gilt, den Tätern die Opferperspektive näherzubringen sowie Gefühle der Schuld und Scham hervorzurufen (Ebd., S.25). Zudem ist der konfrontative Stil geprägt von ständigen Aushandlungsprozessen zwischen den Pädagogen und den Jugendlichen. Dies ist von hoher Bedeutung, da viele gewaltbereite junge Menschen bedingungslose Akzeptanz seitens der Pädagogen als Schwäche interpretieren (Ebd., S.24). Konfrontationen hingegen haben einen reflektierenden sowie beurteilenden Charakter, der „das psychische Gleichgewicht der Konfrontierten [...] vorübergehend sogar [destabilisieren kann]“ (Kilb, 2010, S.45). In diesen Momenten sind intrinsische Veränderungsprozesse möglich. Kilb (Ebd., S.41) betont auch hier, dass solche Konfrontationen nur wirksam sein können, wenn es eine stabile und von Wertschätzung geprägte Beziehung zwischen dem Pädagogen und dem Klienten gibt.

Was man genau unter ,Konfrontation' versteht und welchen Zweck diese im pädagogischen Kontext erfüllen soll, wurde bereits in Kapitel 2.2 ausführlich dargestellt. Konfrontationen sind eine Form der Intervention, bei denen Pädagogen eine entschiedene Haltung einnehmen. Die pädagogischen Fachkräfte sind innerlich entschlossen, Jugendlichen, die anderen Menschen mit Gewalt begegnen, unmittelbar nach einem solchen Regelverstoß interventionistisch entgegenzutreten. Mit den Jugendlichen wird hierbei respektvoll und wertschätzend umgegangen (Ebd., S.38). Konfrontatives Verhalten kann in unterschiedlichen Ausprägungen stattfinden. Die Intensität einer Konfrontation muss immer angemessen sein und richtet sich an die jeweilige Situation. Im erzieherischen Rahmen beginnen solche Konfrontationen zunächst sehr empathisch und dienen der Vorbeugung. Anschließend sind sie durch einen demokratisch-partizipativen Stil geprägt und münden letztendlich, wenn bis dato keine Besserung des Verhaltens eingetreten ist, in unmissverständliche Aufforderungen der Verhaltensänderungen (Werner, 2014, S. 64). Kilb (2010, S.43) beschreibt es ähnlich und versteht die Konfrontation als „Handlungsaktion meist in einer Abfolgekette oder Schrittfolge eines meist größeren Handlungszusammenhangs aus sukzessiv sich steigernden Interventionsimpulsen oder -schritten.“ Diese unterschiedlichen Ausprägungen konfrontativen Verhaltens sind auch in Kapitel 3 widergespiegelt worden. Dort erkennt man die Zunahme der Konfrontationsintensität, ausgehend von dem primären Bereich der Gewaltprävention bis hin zum tertiären Bereich, sehr deutlich.

Bezüglich der Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis gilt es zwischen den verschiedenen Grundformen der Konfrontativen Pädagogik zu differenzieren. Als Handlungsstil sowie als eine Form der Gesprächsführung können konfrontative Ansätze in allen sozialpädagogischen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe genutzt werden. In curricularer Form des Coolness-Trainings kommt die Konfrontative Pädagogik vor allem in schulischen Kontexten, in der Sozialen Gruppenarbeit gem. §29 SGB VIII sowie in der Horterziehung zum Einsatz sekundäre Gewaltprävention). In curricularer Form des AATs werden die konfrontativen Ansätze u.a. im Strafvollzug sowie bei Angeboten der Bewährungshilfe, also im Bereich der tertiären Gewaltprävention, verwendet (Kilb & Weidner, 2013, S.125 f.).

5. ANTI-AGGRESSIVITÄTS-TRAINING

In diesem Kapitel werden Rahmenbedingungen, einzelne Phasen und das Curriculum des AATs vorgestellt. Da das AAT u.a. von Sozialarbeitern bzw. Sozialpädagogen durchgeführt wird, stellt dieser Teil der Ausarbeitung einen expliziten Bezug zur Sozialen Arbeit her.

5.1 RAHMENBEDINGUNGEN

Beim AAT handelt es sich um einen deliktspezifischen, sozialen Trainingskurs, in welchem das konkrete Gewaltdelikt des Klienten im Vordergrund steht. Ziel dieser tertiär-gewaltpräventiven Maßnahme ist es, eine resozialisierende Wirkung beim Klienten zu entfalten, sodass weitere Gewalttaten nicht mehr zustande kommen. Zur Zielgruppe des AATs gehören Jugendliche, die wiederholt gewalttätig gewesen sind. Häufig liegt bei den Jugendlichen eine Anzeige wegen Körperverletzung gemäß §§ 223, 223a, 224, 226 StGB bzw. wegen Straftaten gegenüber dem Leben gemäß §§ 211, 212, 213 StGB bzw. wegen schweren Raubes gemäß §250 StGB vor (Werner, 2014, S.216 f.). Aus Gründen der Qualitätssicherung sind in den vergangen Jahren fachliche Standards eingeführt worden, die im Folgenden kurz vorgestellt werden:

- Die Teilnehmer am AAT müssen kognitiv in der Lage sein, dem Programm inhaltlich sowie sprachlich zu folgen.
- Für Jugendliche mit bestimmten, festgestellten psychischen Störungen oder Suchtproblematiken ist das AAT ungeeignet. Das AAT richtet sich ebenso wenig an Sexualstraftäter.
- Die Trainingsdauer sollte zwischen vier bis sechs Monaten liegen, damit genug Zeit zur Verfügung steht, einen Beziehungsaufbau zu ermöglichen und eine konstruktive Arbeitsatmosphäre herzustellen.
- Eine Gruppe wird von zwei Trainern mit abgeschlossenem Hochschulstudium im Bereich der Sozialen Arbeit oder einem ähnlichen Studiengang angeleitet. Einer dieser Trainer muss zudem die Zusatzausbildung zum AAT/CT-Trainer erfolgreich absolviert haben.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Anti-Aggressivitäts-Training als wirkungsvolle Diversionsmaßnahme bei gewaltbereiten Jugendlichen
Hochschule
Hochschule Mannheim
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V1118270
ISBN (eBook)
9783346480309
ISBN (Buch)
9783346480316
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anti-aggressivitäts-training, diversionsmaßnahme, jugendlichen
Arbeit zitieren
Marian Enrik Hecker (Autor:in), 2020, Das Anti-Aggressivitäts-Training als wirkungsvolle Diversionsmaßnahme bei gewaltbereiten Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118270

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