Im Rahmen eines religionspädagogischen Seminars entstand die vorliegende Arbeit mit der Beispielgeschichte vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37). Zunächst wird in einem exegetischen Teil der Text einer Betrachtung und Analyse unterworfen. Nach der Darstellung von Aufbau und Hintergrund folgt eine genauere Auseinandersetzung mit den im Gleichnis dargestellten Personen Priester, Levit und Samariter. Vor allem deren Verhalten und dessen Begründung aufgrund ihrer Beziehung zu dem unter die Räuber Gefallenen stehen im Zentrum der Ausführungen. Danach wird auf die Frage des Verständnisses vom »Nächsten« ausführlich eingegangen.
Auf der Grundlage dieser exegetischen Ergebnisse werden dann in einem religionspädagogischen Teil fünf Modelle vorgestellt, wie eine schulische Auseinandersetzung mit dieser Perikope aus dem Lukasevangelium und die Vermittlung ihrer zentralen Inhalte in verschiedenen Klassenstufen gestaltet werden kann. Bei aller Unterschiedenheit der Modelle ist es jedoch unerlässlich, darauf zu achten, dass genügend Korrelationspunkte gegeben sind, damit der Inhalt der thematisierten biblischen Geschichte in der heutigen Zeit, in einer verständlichen Sprache und in einer der Schülerinnen und Schülern gemäßen Art und Weise Ausdruck finden kann, um überhaupt begriffen werden zu können, damit ein wirklicher Umgang mit ihm möglich wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zum Text
2.1 Aufbau und Hintergrund
2.2 Exegetische Kurzbemerkungen
2.2.1 Der Priester und der Levit
2.2.2 Der Samariter
2.2.3 Wer ist der Nächste?
2.2.4 Fazit
3 Verschiedene Modelle zur Erarbeitung von Kernaussagen des Gleichnisses
3.1 Modell 1: “Der Barmherzige Samariter”
3.2 Modell 2a: “Unterlassene Hilfeleistung” in realem Beispiel
3.3 Modell 2b: “Unterlassene Hilfeleistung” in fiktiver Situation
3.4 Modell 3: “Was heißt »Nächster«?”
3.5 Modell 4: “Das Verhältnis von Streitgespräch und Beispielerzählung”
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert exegetisch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und entwickelt darauf basierend religionspädagogische Modelle, um die zentrale Botschaft der Nächstenliebe in verschiedenen Klassenstufen schülergerecht und lebensnah zu vermitteln.
- Exegetische Analyse von Struktur, Hintergrund und Akteuren des Gleichnisses.
- Radikale Umdeutung des Begriffs "Nächster" durch Jesus hin zur praktischen Lebensvollzug.
- Entwicklung von fünf didaktischen Modellen für unterschiedliche Altersgruppen.
- Übertragung der antiken Beispielgeschichte auf heutige soziale Lebenswirklichkeiten.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Der Priester und der Levit
Der Priester und der Levit werden mit der gleichen Reaktion beschrieben. Sie kommen den Weg von Jerusalem nach Jericho entlang, sehen den Verwundeten und gehen weiter. Der Priester hat wie der Levit “zweifellos seinen Dienst [im Tempel] beendet und kehrt nach Hause zurück: Anstatt die Nächstenliebe mit dem Gottesdienst zu verbinden, unterläßt er die Barmherzigkeit, durch welche der Glaube erst vollkommen wird.”
Beide repräsentieren das Leben nach dem Gesetz, nach dem “das Unvorhergesehene das Illegitime” ist. Daher kann dieses Unvorhergesehene nicht in ihr Leben eintreten. Es mag wohl sein, daß “sie tief erschüttert [waren], vielleicht haben sie sogar für den Unglücklichen gebetet.” Das wird jedoch nicht beschrieben, weil es folgenlos für ihn bleibt. Es wird nur gezeigt, daß Priester und Levit “dem Verwundeten nicht [begegnen], sie entfernen sich, werden inexistent, tot für die Gegenwart.”
Für ihr Verhalten werden in der Beispielgeschichte keine Gründe genannt. Doch lassen sich einige vermuten. Der gravierendste ist wohl der, daß sie “durch Berühren eines Toten ... kultisch unrein und damit auf längere Zeit amtsunfähig” werden würden. Der Halbtote im Straßengraben wird von den Vorübergehenden nicht nur dem gänzlichen Tod überliefert, “sondern jetzt schon behandeln sie ihn als einen Toten.” Weitere Gründe könnten die Sorge um sich selbst sein, da das Verweilen und die Versorgung des Verletzten das Risiko, selber Opfer der Räuber zu werden, erhöhte, und die Sorge um ihre Familie, da es ihre Verhältnisse nicht erlaubten, die Versorgungslast für diesen Menschen zu übernehmen bzw. den Verdienstausfall wegen der Unreinheit durch die Berührung des Blutenden zu verkraften. Als theologischer Grund mag auch eine Rolle spielen, daß Priester und Levit in ihm einen von Gott offensichtlich Gerichteten sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Gleichnis exegetisch zu analysieren und didaktische Modelle für den Unterricht zu erarbeiten.
2 Zum Text: Dieses Kapitel liefert eine exegetische Analyse von Aufbau, Hintergrund und den handelnden Personen des Gleichnisses.
2.1 Aufbau und Hintergrund: Es wird die Einbettung des Gleichnisses in das Gelehrtengespräch und die lukanische Struktur untersucht.
2.2 Exegetische Kurzbemerkungen: Hier erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Akteure (Priester, Levit, Samariter) und des Nächstenbegriffs.
2.2.1 Der Priester und der Levit: Untersuchung des Verhaltens und der möglichen Motive für das Unterlassen der Hilfeleistung bei den religiösen Amtsträgern.
2.2.2 Der Samariter: Analyse der Rolle des Samariters als Kontrastfigur, der trotz seiner Ausgrenzung barmherzig handelt.
2.2.3 Wer ist der Nächste?: Untersuchung der jüdischen Nächstenliebe zur Zeit Jesu im Kontrast zur radikalen Umdeutung durch Jesus.
2.2.4 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Jesus den Ausgangspunkt der Geschichte zum Bedürftigen hin verschiebt.
3 Verschiedene Modelle zur Erarbeitung von Kernaussagen des Gleichnisses: Vorstellung von fünf didaktischen Modellen zur Vermittlung des Gleichnisses in der Schule.
3.1 Modell 1: “Der Barmherzige Samariter”: Konzeption für die Grundschule mit Fokus auf soziale Aspekte und Lebensweltbezug.
3.2 Modell 2a: “Unterlassene Hilfeleistung” in realem Beispiel: Einsatz eines Zeitungsberichts für die Mittelstufe zur Diskussion von Motiven.
3.3 Modell 2b: “Unterlassene Hilfeleistung” in fiktiver Situation: Rollenspiel-Ansatz mit einer fiktiven Situation für die Mittelstufe.
3.4 Modell 3: “Was heißt »Nächster«?”: Tiefgehende Analyse von Geographie, Akteuren und dem Nächstenbegriff für die Jahrgangsstufen 9-10.
3.5 Modell 4: “Das Verhältnis von Streitgespräch und Beispielerzählung”: Strukturanalyse der Perikope für die Oberstufe.
Schlüsselwörter
Barmherziger Samariter, Gleichnis, Religionspädagogik, Nächstenliebe, Lukasevangelium, Exegese, Schulpraxis, Didaktik, Hilfeleistung, Ethik, Jesus, Unterlassene Hilfeleistung, Bibelauslegung, Christentum, Nächster.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Aufarbeitung des biblischen Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) für den schulischen Religionsunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die exegetische Analyse der Perikope sowie deren religionspädagogische Vermittlung durch verschiedene Modelle in unterschiedlichen Klassenstufen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Inhalt des Gleichnisses in heutiger verständlicher Sprache und auf altersgerechte Weise für Schülerinnen und Schüler aufzubereiten, damit ein wirklicher Umgang mit dieser biblischen Geschichte möglich wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine exegetische Textanalyse mit religionspädagogischen Konzepten zur didaktischen Umsetzung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine exegetische Analyse der Akteure und Hintergründe sowie die Vorstellung von fünf spezifischen Unterrichtsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Nächstenliebe, Barmherziger Samariter, Didaktik, Exegese und Religionspädagogik.
Warum ist die Analyse des Priesters und Leviten für den Unterricht wichtig?
Die Analyse verdeutlicht das Verhalten derer, die das Gesetz repräsentieren, aber in einer konkreten Notsituation versagen, was für die Schülerinnen und Schüler als Kontrast zum barmherzigen Handeln dient.
Welche besondere Schlussfolgerung zieht der Autor zum Begriff "Nächster"?
Jesus modifiziert das Verständnis radikal: Nicht derjenige, dem ich Gutes tue, ist mein Nächster, sondern derjenige, der mir als Nächster begegnet und mir Gutes tut. Der Fokus verschiebt sich vom Subjekt zum Bedürftigen.
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- Cornelius Keppeler (Author), 1999, Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Schulunterricht. Verschiedene Modelle der Aufarbeitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11186