Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Schulunterricht. Verschiedene Modelle der Aufarbeitung


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Text
2.1 Aufbau und Hintergrund
2.2 Exegetische Kurzbemerkungen
2.2.1 Der Priester und der Levit
2.2.2 Der Samariter
2.2.3 Wer ist der Nächste?
2.2.4 Fazit

3 Verschiedene Modelle zur Erarbeitung von Kernaussagen des Gleichnisses
3.1 Modell 1: “Der Barmherzige Samariter”
3.2 Modell 2a: “Unterlassene Hilfeleistung” in realem Beispiel
3.3 Modell 2b: “Unterlassene Hilfeleistung” in fiktiver Situation
3.4 Modell 3: “Was heißt »Nächster«?”
3.5 Modell 4: “Das Verhältnis von Streitgespräch und Beispielerzählung”

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Innerhalb des religionspädagogischen Seminars beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Beispielgeschichte vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37). Zunächst wird in einem exegetischen Teil der Text einer Betrachtung und Analyse unterworfen. Nach der Darstellung von Aufbau und Hintergrund folgt eine genauere Auseinandersetzung mit den im Gleichnis dargestellten Personen Priester, Levit und Samariter. Vor allem deren Verhalten und dessen Begründung aufgrund ihrer Beziehung zu dem unter die Räuber Gefallenen stehen im Zentrum der Ausführungen. Danach wird auf die Frage des Verständnisses vom »Nächsten« ausführlich eingegangen.

Auf der Grundlage dieser exegetischen Ergebnisse werden dann in einem religionspädagogischen Teil fünf Modelle vorgestellt, wie eine schulische Auseinandersetzung mit dieser Perikope aus dem Lukasevangelium und die Vermittlung ihrer zentralen Inhalte in verschiedenen Klassenstufen gestaltet werden kann. Bei aller Unterschiedenheit der Modelle ist es jedoch unerläßlich, darauf zu achten, daß genügend Korrelationspunkte gegeben sind, damit der Inhalt der thematisierten biblischen Geschichte in der heutigen Zeit, in einer verständlichen Sprache und in einer der Schülerinnen und Schülern gemäßen Art und Weise Ausdruck finden kann, um überhaupt begriffen werden zu können, damit ein wirklicher Umgang mit ihm möglich wird.

2 Zum Text

In der vorliegenden Perikope aus dem Lukasevangelium erzählt Jesus zur Erklärung und Darstellung seiner Antwort auf die Frage eines Schriftgelehrten, wer sein Nächster sei (V.29), das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter. Er veranschaulicht mit dieser Beispielgeschichte den Kern seiner Aussage nicht nur in eingängiger bildlicher, sondern zudem in dialogischer Art und Weise. So kann letztlich der Hörende die Antwort selber geben (V.37), denn “ihre Absicht leuchtet unmittelbar ein.”[1]

Da dieser Typos der Belehrung für Jesus charakteristisch ist, geht man überwiegend davon aus, daß diese Beispielgeschichte “in ihrer gegenwärtigen Form ... im wesentlichen von Jesus”[2] stammt.[3]

2.1 Aufbau und Hintergrund

Das Gleichnis gehört zum lukanischen Sondergut, ist jedoch eingebettet in ein Gelehrtengespräch, das synoptische Parallelstellen aufweist, so daß sich die Annahme nahelegt, von zwei ursprünglich selbständigen Texten auszugehen. Doch widerspricht dem der parallele Aufbau von Gelehrtengespräch und Gleichnis. Beide weisen die gleiche Struktur auf: Frage (V.25 bzw. 29), Gegenfrage (V.26 bzw. 36), Antwort (V.27 bzw. 37a) und Aufforderung zum Handeln (V.28 bzw. 37b). Der Unterschied besteht lediglich in der Begründungsgrundlage der Antwort. Im ersten Fall wird die Schrift als normative Instanz angeführt (V.27), im anderen dient die Beispielgeschichte (VV.30-35) als Lösung.

Die Erzählung Jesu bildet einen Kontrast zu der Frage des Schriftgelehrten. Dieser fragt theoretisch, Jesus aber antwortet mit einer konkreten Geschichte, die direkt aus dem praktischen Leben gegriffen scheint.

“Der Weg des Reisenden wird genau angegeben, und die Hörer, die das Land kennen, wissen, daß auf dieser fast dreißig Kilometer langen, durch die menschenleere und öde Hügellandschaft Judäas sich windenden Straße mit räuberischen Überfällen immer zu rechnen ist.”[4]

Darüber hinaus haben die Zuhörer präzise Vorstellungen von den auftretenden Personen - oder besser - Typen.[5]

2.2 Exegetische Kurzbemerkungen

2.2.1 Der Priester und der Levit

Der Priester und der Levit werden mit der gleichen Reaktion beschrieben. Sie kommen den Weg von Jerusalem nach Jericho entlang, sehen den Verwundeten und gehen weiter. Der Priester hat wie der Levit

“zweifellos seinen Dienst [im Tempel] beendet und kehrt nach Hause zurück: Anstatt die Nächstenliebe mit dem Gottesdienst zu verbinden, unterläßt er die Barmherzigkeit, durch welche der Glaube erst vollkommen wird.”[6]

Beide repräsentieren das Leben nach dem Gesetz, nach dem “das Unvorhergesehene das Illegitime”[7] ist. Daher kann dieses Unvorhergesehene nicht in ihr Leben eintreten. Es mag wohl sein, daß “sie tief erschüttert [waren], vielleicht haben sie sogar für den Unglücklichen gebetet.”[8] Das wird jedoch nicht beschrieben, weil es folgenlos für ihn bleibt. Es wird nur gezeigt, daß Priester und Levit “dem Verwundeten nicht [begegnen], sie entfernen sich, werden inexistent, tot für die Gegenwart.”[9]

Für ihr Verhalten werden in der Beispielgeschichte keine Gründe genannt.[10] Doch lassen sich einige vermuten. Der gravierendste ist wohl der, daß sie “durch Berühren eines Toten ... kultisch unrein und damit auf längere Zeit amtsunfähig”[11] werden würden.[12] Der Halbtote im Straßengraben wird von den Vorübergehenden nicht nur dem gänzlichen Tod überliefert, “sondern jetzt schon behandeln sie ihn als einen Toten.”[13] Weitere Gründe könnten die Sorge um sich selbst sein, da das Verweilen und die Versorgung des Verletzten das Risiko, selber Opfer der Räuber zu werden, erhöhte, und die Sorge um ihre Familie, da es ihre Verhältnisse nicht erlaubten, die Versorgungslast für diesen Menschen zu übernehmen bzw. den Verdienstausfall wegen der Unreinheit durch die Berührung des Blutenden zu verkraften. Als theologischer Grund mag auch eine Rolle spielen, daß Priester und Levit in ihm einen von Gott offensichtlich Gerichteten sehen.[14]

2.2.2 Der Samariter

Der Samariter ist die Kontrastfigur in der Beispielerzählung. Alle anderen Personen sind Juden - ein Jude wird von Juden überfallen und von Juden hilflos liegen gelassen. Während sich die, welche ihm eigentlich auf Grund des Judeseins am nächsten sein sollten, als fern erweisen, “verbindet den Samariter mit dem Unglücklichen nichts, sondern alles trennt die beiden voneinander.”[15] Dennoch ist er es, der barmherzig hilft. Dies ist eine erhebliche Provokation Jesu, da der Priester und der Levit die Moral und sonstige Tugenden repräsentieren, der Samariter aber “mehr noch als der Heide wegen seiner Herkunft aus dem alten Israel und seiner jetzigen Mischreligion der schlechthin Verwerfliche und Verworfene”[16] war.

“Es ist also sachlich zutreffend, wenn man zur Vergegenwärtigung bei heutiger Nacherzählung des Gleichnisses hier den Angehörigen der Menschengruppe einsetzt, die der jeweiligen Gruppe der Hörer am verächtlichsten oder am feindlichsten ist.”[17]

Anders als für Priester und Levit ist für den Samariter der im Graben Blutende nicht tot. Er erkennt vielmehr die Situation und verhält sich entsprechend. “Er begibt sich auf die Seite des Verwundeten, leidet mit ihm und unternimmt Schritte, die ihm Erleichterung bringen sollen.”[18] Sein Helfen richtet sich nach den jeweiligen, gegenwärtig notwendigen Erfordernissen. Der Samariter läßt sich von der Not des anderen “diktieren, wie er zu tun hat. Er improvisiert, - aber er organisiert auch.”[19] Zunächst kümmert er sich mit Öl und Wein (V.34a) um eine notdürftige Erstversorgung, bringt den Verletzten dann in die nächste Herberge (V.34b), um dort mit genügend Geld seine Weiterbehandlung zu gewährleisten.

2.2.3 Wer ist der Nächste?

Im Judentum zur Zeit Jesu verstand man unter dem Nächsten das Objekt der Nächstenliebe und diskutierte, bis in welche Kreise hinein man den Mitmenschen als Nächsten zu lieben habe.[20] Die Samariter galten jedoch innerhalb der rabbinischen Unterweisung ausdrücklich als von der Nächstenliebe ausgeschlossen.[21]

[...]


[1] Aus, 60.

[2] A.a.O., 61.

[3] Vgl. 2.2.

[4] Kahlefeld, 109.

[5] Vgl. 2.3.

[6] Bovon, 89.

[7] Gollwitzer, 50.

[8] A.a.O., 54.

[9] Bovon, 90.

[10] Vgl. Knoch, 308.

[11] Gollwitzer, 51.

[12] Vgl. Lev 21,1-4.

[13] Gollwitzer, 51.

[14] Vgl. ebd.

[15] A.a.O., 53.

[16] Ebd.

[17] Ebd.

[18] Bovon, 90.

[19] Gollwitzer, 55.

[20] “Weithin war man sich einig, daß außer den Juden auch die Vollproselyten dazu gehörten, d.h. jene Heiden, die sich ganz der jüdischen Religion angeschlossen hatten. In manchen Gruppen aber zog man die Grenzen enger: Die Pharisäer nahmen den gesetzesunkundigen Teil der Bevölkerung aus; die Essener beschränkten die Bezeichnung “Gefährte” auf die Mitglieder ihrer Gemeinschaft; im Volk war die Meinung verbreitet, der persönliche Feind sei von der Forderung des Liebesgebotes ausgenommen.” Sorger, 146.

[21] Vgl. Kahlefeld, 111.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Schulunterricht. Verschiedene Modelle der Aufarbeitung
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main  (Praktische Theologie)
Veranstaltung
Biblische Texte in Religionsunterricht und Erwachsenenbildung
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V11186
ISBN (eBook)
9783638174145
ISBN (Buch)
9783638746649
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verschiedene, Modelle, Aufarbeitens, Gleichnisses, Samariter, Schulunterricht, Biblische, Texte, Religionsunterricht, Erwachsenenbildung
Arbeit zitieren
Cornelius Keppeler (Autor:in), 1999, Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Schulunterricht. Verschiedene Modelle der Aufarbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11186

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