Dehnen bei schnellkräftigen Bewegungen im Fußball. Möglichkeiten und Grenzen


Hausarbeit, 2021

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITENDES KAPITEL

2. HAUPTKAPITEL
2.1. Beweglichkeit und Beweglichkeitstraining
2.2. Dehnungsmethoden
2.3. Dehnen in der Spielvorbereitung
2.4. Dehnen als langfristiger Trainingsinhalt

3. FAZIT UND AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitendes Kapitel

Das Aufwärmen gehört bei nahezu jeder Sportart zur elementaren Vorbereitung auf den bevorstehenden Wettkampf. Zum einen können die Athlet*innen durch die Routinisierung und Ritualisierung in eine Art ‘Wettkampfmodus ‘ gelangen, zum anderen wird der Bewegungsapparat auf die kommenden Anforderungen vorbereitet. Denn die anstehenden Höchstleistungen im Wettkampf erfordern eine adäquate, sportartspezifische Erwärmung. Der auch im Fußball typischen Phasen der Erwärmung (allgemeine dynamische Ganzkörperbeanspruchung und koordinatives, sportartspezifisches Einüben (Wiemeyer, 2002)) ist in der Vergangenheit das Dehnen hinzugetreten. Die kolportierten Vorteile der Verletzungsprophylaxe und Leistungssteigerung des Muskels (Klee & Wiemann, 2005) werden oftmals als die wesentlichen Gründe genannt, wieso das Dehnen unverzichtbar sei. Die Literatur ist bisher zu keiner Eindeutigkeit gekommen. Es konnte nicht klar belegt werden, dass Dehnen verletzungsprophylaktisch wirkt. Die Anzeichen des Dehnens weisen vielmehr in die gegensätzliche Richtung. Die Feststellung von den australischen Forschern Herbert und Gabriel (2002), dass Dehnen weder eine Reduzierung, noch eine Reduktion von Verletzungen zur Folge hat, spricht insofern für eine Verneinung der verletzungsprophylaktischen Wirkung. Hinzukommend stellen die Erkenntnisse von Klee und Wiemann (2005), dass die Effekte der Dehnmaßnahmen auf die Kontraktionskraft und Schnellkraftleistungen nicht eindeutig identifizierbar sind, die Notwendigkeit des Dehnens zur Leistungssteigerung weiter in Frage. Inwieweit können Dehnübungen zur Vorbereitung auf Wettkampfleistungen (hier spezifiziert auf schnellkräftige Bewegungen für ein Fußballspiel) überhaupt die gewünschten Effekte hervorrufen? Wirken sie gegebenenfalls sogar kontraindiziert? Die Methode des Dehnens und ihre Effekte scheinen entscheidend zu sein, diese Frage beantworten zu können. Dabei werden folgend das statische und dynamische Dehnen betrachtet. Beide gehören den klassischen Dehnmethoden an, welche sich im Laufe der Zeit durchgesetzt haben und somit aufgrund ihrer Aktualität für eine genauere Betrachtung von Interesse sind. Ziel dieser Arbeit ist die Sinnhaftigkeit des Dehnens als Vorbereitung auf wettkampfspezifisch, schnellkräftige Leistungen zu analysieren und aufzuzeigen, welche kurz- und langfristigen Effekte Dehnen auslöst. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage: “Inwieweit kann statisch oder dynamisches Dehnen auf schnellkräftige Bewegungen vorbereiten?“. Beide Dehnmethoden unterscheiden sich in Ausführungsform und Wirkung, sie werden kurz betrachtet um anschließend den Einfluss des Dehnens untersuchen zu können. Das Fazit fasst am Ende zusammen, wie das Dehnen Einfluss nimmt und was in Zukunft verfolgt werden sollte, um eine allgemeingültige Aussage über das Dehnen treffen zu können.

2. Hauptkapitel

Im folgenden Kapitel soll der Einfluss des Dehnens in der Spielvorbereitung auf die Leistungsfähigkeit von Fußballern analysiert werden. Dabei wird der Schwerpunkt auf das wettkampfspezifische Erwärmen und anschließende schnellkräftige Bewegungen gelegt. Anhand einer kurzen theoretischen Fundierung des Beweglichkeitstrainings und einer Ausführung zu statisch und dynamischen Dehnen, wird anschließend erläutert, welchen Beitrag das Dehnen im Aufwärmprogramm leisten kann und welche kurz- und langfristigen Effekte festzustellen sind.

2.1. Beweglichkeit und Beweglichkeitstraining

Die Beweglichkeit wird den konditionellen Fähigkeiten zugeschrieben. Neben der Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit gehört sie nach Jürgen Weineck zu den relevantesten konditionellen Komponenten der Leistung. Die Beweglichkeit bezeichnet die Fähigkeit, die realisierbare Schwingungsweite der Körpergelenke auszunutzen. Die Sportwissenschaft unterscheidet in die allgemeine und spezielle, aktive und passive sowie dynamische und statische Beweglichkeit. Zuallermeist treten diese Formen in diversen Kombinationen auf. Für diese Ausarbeitung ist vor allem die aktiv-dynamische Beweglichkeit von Interesse. Sie beschreibt das Ausmaß der maximalen Gelenkreichweite, bei gleichzeitiger Kontraktion der über das involvierte Gelenk verlaufenden Muskeln. Für eine gute Bewegungsausführung ist eine hohe Beweglichkeit und teils auch Gelenkigkeit elementare Voraussetzung. Ein Defizit der Beweglichkeit kann auf der einen Seite zu einem erschwerten Erlernen diverser Bewegungen führen, auf der anderen Seite kann ebenjenes zu Verletzungen führen (Klee & Wiemann, 2005). Das Training der Beweglichkeit zielt auf das Lösen von Blockaden und Verspannungen ab, wobei eine Verbesserung der intra- und intermuskulären Koordination erreicht werden soll. Dabei soll eine maximale Dehnposition sehr kurz eingenommen werden, sodass eine anschließende Kontraktion des zu trainierenden Muskels einsetzt. Der kurze isometrische Impuls sorgt für die Überprüfung und Koordination motorischer Einheiten, was zu einer Entspannung der Verspannung führen soll. Die Stellen, die vorher die Muskelbewegung einschränkten, können sich nun nicht mehr verletzten (Anrich, 2003).

2.2. Dehnungsmethoden

In der Praxis haben sich fünf verschiedene Dehnungsmethoden durchsetzen können. Die ‘klassischen4 Dehnmethoden teilen sich in das dynamische und statische Dehnen, in das Antagonist­Contract Stretching (AC), Contract-Relaxing Stretching (CR) und eine Mischform des AC-CR- Stretchings (Klee & Wiemann, 2005, S. 64-66). Aufgrund ihres vermehrten Einsatzes im Fußball richtet sich der Fokus auf die beiden erstgenannten Methoden. Das dynamische Dehnen beschreibt ein schnelles Einnehmen der Dehnposition, welche unmittelbar wieder verlassen und in der Folge mit einigen kurzen Ausholbewegungen wiederholt eingenommen wird. Das statische Dehnen hingegen nimmt die Dehnposition langsam ein und harrt am Maximum der Dehnung für längere Zeit unbeweglich aus. Beide Dehnungsmethoden beabsichtigen die isolierte Dehnung bestimmter Muskeln mit dem Zweck, sie vor der Belastung ohne erheblichen Aufwand aufzuwärmen.

2.3. Dehnen in der Spielvorbereitung

Dass Dehnübungen bei Sportarten, die eine hohe Beweglichkeit erfordern, einen leistungssteigernden Effekt haben, ist unstrittig. Für die Spielsportart Fußball, die ein hohes Maß an Schnellkraft erfordert lässt sich dies nicht auf weiteres bestätigen. Allerdings hat Weineck (2003) festgestellt, dass verkürzte und ungenügend dehnfähige Muskeln weniger Kraft entfalten können. Insofern scheint auch für Spielsportler eine ‘hohe‘ Beweglichkeit im Sinne einer aktiv-dynamischen von Vorteil zu sein. Daraus stellt sich die Frage, ob mittels eines kurzzeitigen Dehnungsprogramm die gewünschte Beweglichkeit - und die dazugehörige Wirkung - hergestellt werden kann. Wiemann (1994) unterteilt die Dehnmaßnahmen nach zeitlichen Dimensionen. Hinsichtlich des Aufwärmen in der Spielvorbereitung ist die Dimension des Kurzzeit-Dehnen 1 mit ihren kausalen Effekten von besonderer Bedeutung. Sie scheinen die entscheidenden Faktoren für die Sinnhaftigkeit eines Dehnprogrammes darzustellen. Was für kurzfristige Effekte das Dehnen auf Kraftleistungen hat, beschreibt (Wiemeyer, 2002, S. 61) wie folgt: die dynamische und isometrische Maximalkraft sowie die dynamische Schnellkraft im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus [konnten] durch ein statisches Dehnen in keinem Fall positiv beeinflusst werden“. Daraus ist festzustellen, dass zumindest dem statischen Dehnen keine schnellkräftige Leistungssteigerung zuzuschreiben ist. Dem hinzukommend haben Kokkonen, Nelson und Cornwell (1998) festgestellt, dass nach einem 20-minütigem aktiv- und passiv-statischem Dehnen die konzentrische Maximalkraft um 7,3 bis 8,1% abnimmt. Sie untersuchten hierfür 30 College-Studierenden, wobei der Treatment-Gruppe eine Kontrollgruppe gegenüberstand, welche nach zehnminütigem Sitzen die anschließende Messung durchführte. Gemessen wurde die konzentrische Maximalkraft der Kniebeuger und -strecker. Auch Klee und Wiemann (2005) beschreiben die kurzfristige Effekte eines Kurzzeit-Dehnens mit einer Abnahme der Kontraktionskraft und Schnellkraftleistungen. Die Kontraktionskraft nimmt um 7% ab, wobei jedoch zu beachten ist, dass noch nicht genügend Untersuchungsergebnisse vorliegen, um diese erste Annahme weiterhin zu bestätigen. Die Abnahme der Schnellkraftleistungen um 5% hingegen wurde bewiesen. Wiemeyer (2002) untersuchte die Auswirkungen eines statischen Dehnens auf die Sprungkraftleistung anhand eines Vertikalsprunges. Dabei wurde bestätigt, dass ein statisches Dehnen, nach vorausgegangener allgemeiner Erwärmung, zu einer erheblichen Schnellkraftreduktion führt. Die Schnellkraftleistungen im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus wurden deutlich beeinträchtigt.

Um den Vorgang während des Dehnens im Muskel verstehen zu können, ist eine kurze Betrachtung seiner kontraktilen Struktur von Nöten. Ein Muskel setzt sich aus mehreren Muskelfaserbündeln zusammen, die sich wiederum aus einzelnen Muskelfasern ergeben. Seine kontraktilen Anteile sind verschiedene Arten von Fibrillen, die in unterschiedlichster Weise inner- und außerhalb der Muskelfasern angeordnet sind. Die Muskelfasern enthalten Myofibrillen, die in den sogenannten Sarkomeren überlappend angeordnet sind (Wunderlich, 2016). Die Muskelfibrillen sind unter anderem aus den Proteinen Myosin und Aktin aufgebaut. Neben den Myosin- und Aktinfilamenten rücken seit Ende der 70er Jahre die Titinfilamente in den Mittelpunkt, wenn es um die Elastizität der Muskulatur geht (Wiemann & Klee, 2000). Diese Titinfilamente befinden sich innerhalb der Sarkomere und sind hochelastisch. Während der Dehnung nehmen sie eine ‘ zusammenhaltende ‘ Funktion ein, indem sie das zu weite Auseinandergleiten der Myosin- und Aktinfilamente verhindern (Wunderlich, 2016). Ihre wesentliche Aufgabe ist laut Wiemann und Klee (2000) jedoch die Wiederherstellung der optimalen Position der Filamentüberlappung nach der Dehnung. Die Titinfilamente bauen bei zunehmender Dehnung „eine progressiv ansteigende Dehnungsspannung“ (Wiemann & Klee, 2000, S. 7) auf, was folglich für die muskulären Strukturen „eine nicht zu unterschätzende Spannungsbelastung darstellt“ (Wiemann & Klee, 2000, S. 8). Ist diese Spannungsbelastung zu hoch, weil sich der/die Sportler*in intensiv dehnt, dann ist die Überbelastung der Filamentstrukturen und damit der Abfall der Leistungsfähigkeit des Muskels die Folge. Mit dem Wissen, dass bei einer Dehnung die muskulären Strukturen auseinandergezogen und stark beansprucht werden, ist eine folgende kurzfristige Leistungseinbuße zu erklären. Zwar sagt Anrich (vgl. Kapitel 2.1), dass eine kurze isometrische Kontraktion der zu dehnenden Muskulatur zu einer Reduktion der Verletzungsanfälligkeit führen solle, jedoch ist nach dem Einblick in den Muskel festzuhalten, dass das richtige Dehnen gelernt werden muss, da es ansonsten zu einer erhöhten Spannungsbelastung und folglich zu einer erhöhten Verletzungsgefahr kommen kann. Auch Klee und Wiemann attestieren dem Kurzzeitdehnen einen kurzfristigen Anstieg der Verletzungsgefahr.

Obwohl der obigen Befunde hat das Dehnen nach wie vor seine Daseinsberechtigung in der Spielvorbereitung. Dies ist auf zwei Umstände zurückzuführen. Einerseits muss selbstverständlich zwischen statisch und dynamischen Dehnen differenziert werden, andererseits sind weitere Kennwerte2 (u.a. Gelenkreichweite, Dehnbelastungsfähigkeit) und ihre Effekte zu berücksichtigen. Zum Unterschied zwischen statisch und dynamischen Dehnen haben Bergert und Hillebrecht geforscht. Ebenjene (2003) waren gewollt herauszufinden, ob die vom statischen Dehnen bekannten negativen Einflüsse sich auch durch dynamisches Dehnen einstellen. Es konnte hierbei keine signifikante Beeinflussung festgestellt werden, sodass der Einsatz des dynamischen Dehnens nach bisherigen Untersuchungen keinen negativen Einfluss auf die Schnellkraft nimmt. Somit ist im Vergleich zwischen dem statischen und dynamischen Dehnen in der Spielvorbereitung letzteres zu bevorzugen. In Anbetracht des von Klee und Wiemann postulierten Zusammenhangs zwischen einem Defizit der Beweglichkeit und eines erhöhten Verletzungsrisikos (vgl. Kapitel 2.1.) ist es wichtig zu betonen, dass zwar durch statisches Dehnen ein kurzfristiger Effekt die Verbesserung der Gelenkreichweite ist, jedoch weder die Verletzungsprophylaxe noch die Leistungsfähigkeit steigt. Vielmehr ist der Anstieg der Verletzungsgefahr als kurzfristiger Effekt festgestellt worden. Anhand dessen wird im Folgenden der Horizont dieser Ausarbeitung erweitert.

2.4. Dehnen als langfristiger Trainingsinhalt

Neben den im Kapitel 2.3 genannten kurzfristigen Effekte des Kurzzeitdehnens werden in diesem Kapitel die Effekte des Langzeitdehnens 3 auf ihre Tauglichkeit für Fußballer*innen analysiert. Dabei weitet sich der Fokus auf die weiteren Kennwerte der Gelenkreichweite und die Dehnbelastungsfähigkeit und die ihnen zugeordneten langfristigen Effekte.

[...]


1 Kurzzeit-Dehnen ist ein 15-30minütiges Programm mehrerer Dehnübungen für einzelne Muskeln oder Muskelgruppen (vgl. Wiemann, 1994, S. 51).

2 Für einen Überblick über die Effekte verschiedener Dehnmethoden auf die weiteren Kennwerte empfiehlt sich in Klee und Wiemann (2005) ‘Beweglichkeit / Dehnfähigkeit die Tabelle 3 auf Seite 51.

3 Langzeitdehnen beschreibt das über Wochen tägliche oder mehrmals wöchentliche Ausführen von Kurzzeitdehnprogammen (vgl. Wiemann, 1994, S. 51).

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Dehnen bei schnellkräftigen Bewegungen im Fußball. Möglichkeiten und Grenzen
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Sportwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
10
Katalognummer
V1118667
ISBN (eBook)
9783346486448
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss des Dehnens auf schnellkräftige Bewegungen, Dehnen, Dehnen zur Spielvorbereitung im Fußball
Arbeit zitieren
Julius Vincent Bujara (Autor), 2021, Dehnen bei schnellkräftigen Bewegungen im Fußball. Möglichkeiten und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118667

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