Die Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, wieso Konrad Adenauer nach dem Zerfall der Nationalsozialisten dennoch an Hans Maria Globke festgehalten hat, einem Mann, der vor dem Krieg die Nürnberger Rassegesetze mitbegründet hatte. Wieso stellte Hans Maria Globke, der einst für das Dritte Reich arbeitete, kein Ausschlusskriterium für den Bundeskanzler dar und wieso konnte er nach dem Zweiten Weltkrieg unter Adenauer wieder Karriere machen?
Das gegenteilige Beispiel für den Umgang mit Politikern, die einst nationalsozialistische Tätigkeiten ausführten, ist Theodor Oberländer, der nach der Machtergreifung Hitlers auch Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei war. Dieser war von 1953-1960 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte. Nachdem die Sozialdemokratische Partei Deutschlands jedoch einen Untersuchungsausschluss über die Vergangenheit Oberländers angefordert hatte, trat dieser letztendlich am 04. Mai 1960 zurück. Aus diesem Grund ist die Frage zu stellen, inwiefern dies mit der Vergangenheitsbewältigung der Deutschen zusammenhängt und welche Unterschiede die Jahre 1953, die Bedienstung Globkes als Staatssekretär Adenauers und 1960, der freiwillige Rücktritt Oberländers im Hinblick auf die Vergangenheitsbewältigung aufweisen.
Wer auf die ersten vierzehn Jahre der Bundesrepublik Deutschland zurückblickt, an jene Zeit, die sich auch als „Ära Adenauer“ etablierte, dem steht ebenfalls ein Mann aus der nahen Umgebung Adenauers vor Augen: Hans Maria Globke. Über vierzehn Jahre lang war er der bedeutendste und zuverlässigste erster Berater des Bundeskanzlers Konrad Adenauer. So hat Globke ebenfalls einen Beitrag zum Aufbau der Bundesverwaltung geleistet. Im Laufe der Zeit wurde der Staatssekretär Adenauers letztendlich ein unentbehrlicher Gesprächspartner, der stets einen diskreten Umgang zu bewahren verstand. Doch wendet man den Blick auf die Kehrseite, so steht der Name Globke fernerhin auch als Synonym für die unaufgearbeitete braune Vergangenheit der deutschen Bevölkerung. Er war nicht nur 14 Jahre lang der Staatssekretär Adenauers, sondern freilich auch ein Mann, der einst Hitlers Rassegesetzte auslegte.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Globkes Stellung im Reichs- und Preußischen Ministerium des Inneren und im Nationalsozialismus (1929-1945)
- Globkes Position in der Ära Adenauer (1949-1963)
- Der Staatssekretär des Bundeskanzleramtes
- Der Staatssekretär der Bundesregierung
- Der Leiter des Bundeskanzleramtes
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Person Hans Maria Globke und untersucht, wie es zu seiner Karriere in der Bundesrepublik Deutschland nach seiner Tätigkeit im Nationalsozialismus kam. Dabei wird insbesondere die Frage gestellt, warum Konrad Adenauer trotz Globkes Mitwirkung an den Nürnberger Rassegesetzen an ihm festhielt.
- Globkes Rolle im Nationalsozialismus (1929-1945)
- Globkes Stellung in der Ära Adenauer (1949-1963)
- Adenauers Entscheidung, Globke trotz seiner Vergangenheit zu beschäftigen
- Vergleich mit dem Fall Theodor Oberländer
- Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik Deutschland
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit vor und führt den Leser in die Thematik ein. Sie beleuchtet die Bedeutung Hans Maria Globkes als engster Berater Adenauers und gleichzeitig als ehemaliger Mitarbeiter des NS-Regimes.
- Globkes Stellung im Reichs- und Preußischen Ministerium des Inneren und im Nationalsozialismus (1929-1945): Dieses Kapitel beleuchtet Globkes Karriere im Preußischen Innenministerium unter der Weimarer Republik und seine Rolle im Nationalsozialismus. Es untersucht seine Tätigkeiten in der Rechts- und Verfassungsabteilung und seinen Beitrag zur Ausarbeitung von Gesetzen, die später als Grundlage für die Nürnberger Rassegesetze dienten.
- Globkes Position in der Ära Adenauer (1949-1963): Dieses Kapitel konzentriert sich auf Globkes Position als Staatssekretär in der Ära Adenauer. Es untersucht seine verschiedenen Funktionen im Bundeskanzleramt und zeichnet ein Bild von seiner Beziehung zu Adenauer.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit zentralen Themen wie der Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik Deutschland, dem Umgang mit NS-Tätern in der Nachkriegszeit, der Rolle von Beamten im Nationalsozialismus und dem politischen Wirken von Hans Maria Globke und Konrad Adenauer. Weitere wichtige Begriffe sind Nürnberger Rassegesetze, Staatssekretär, Bundeskanzler, Zentrumspartei, Verfassungsrecht und die Ära Adenauer.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Hans Maria Globke?
Globke war ein hoher Beamter, der im Nationalsozialismus die Nürnberger Rassegesetze mitkommentierte und später Staatssekretär unter Konrad Adenauer wurde.
Warum hielt Konrad Adenauer an Globke fest?
Adenauer schätzte Globke als unentbehrlichen, loyalen und diskreten Fachmann für den Aufbau der Bundesverwaltung, trotz seiner belasteten Vergangenheit.
Was war Globkes Rolle bei den Nürnberger Rassegesetzen?
Globke wirkte an der Ausarbeitung und juristischen Kommentierung der Gesetze mit, die die rechtliche Grundlage für die Verfolgung von Juden im Dritten Reich bildeten.
Wie unterscheidet sich der Fall Globke von Theodor Oberländer?
Während Oberländer nach öffentlichem Druck 1960 zurücktreten musste, blieb Globke bis zum Ende der Ära Adenauer 1963 im Amt, was Fragen zur Vergangenheitsbewältigung aufwirft.
Gilt Globke als Symbol für die "unaufgearbeitete braune Vergangenheit"?
Ja, sein Name steht in der Geschichtsforschung oft stellvertretend für die Kontinuität von Funktionseliten aus dem NS-Regime in der frühen Bundesrepublik.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Hans Maria Globke. Mitbegründer der Nürnberger Rassegesetze und Staatssekretär von Konrad Adenauer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118800