Die Novelle „Jud Süß“ von Wilhelm Hauff im Vergleich zu Veit Harlans Verfilmung in Nationalsozialistischer Zeit


Facharbeit (Schule), 2006

15 Seiten, Note: 2,0


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themenfindung
1.2 Propagandafilme in der Zeit von 1933 bis 1945

2 Hauptteil
2.1 Die Person Joseph Oppenheimer
2.2 Die Novelle „Jud Süß“ von Wilhelm Hauff
2.2.1 Inhaltsangabe
2.2.2 Analyse
2.3 Veit Harlans Film „Jud Süß“
2.3.1 Inhaltsangabe
2.3.2 Analyse
2.4 Bezug von Veit Harlans Film zu Wilhelm Hauffs „Jud Süß“

3 Schluss
3.1 Gesellschaftliche Bedeutung und Auswirkungen des Films „Jud Süß“

4 Anhang
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Selbstständigkeitserklärung

1 Einleitung

1.1 Themenfindung

Bei der Auswahl des Themas kam ich nur langsam zu einer klaren Vorstellung welches es denn werden sollte. Die Themen mussten im Dezember 2005 stehen und zu dieser Zeit war im Literaturkurs gerade Filmanalyse an der Tagesordnung. Deshalb stand für mich schon einmal das Thema „Film“ oben auf der Anwärterliste. Nun informierte ich mich ganz generell über verschiedenste Schwerpunkte, die das Thema „Film“ betreffen und stolperte zufällig über den Bereich der Propagandafilme im Dritten Reich. Das Thema interessierte mich von Anfang an, da mir zwar der Name Leni Riefenstahl geläufig war, ich auch schon den Begriff „Propagandafilm“ kannte, aber noch nie einen solchen gesehen hatte. Darüber hinaus empfand ich bei der Reflexion darüber, dass dieses Thema in der Gesellschaft weitgehend ausgeklammert wird, obwohl bis zum heutigen Tage über 40 Filme aus dieser Zeit der Öffentlichkeit vorenthalten werden1.

Nach einer eingehenden Auseinandersetzung mit den produzierten Propagandafilmen fand ich unter dem Namen „Jud Süß“ nicht nur Informationen über den Film sondern auch über zwei völlig verschiedene Bücher mit dem gleichen Titel. Dabei bekam ich interessanterweise einerseits zu lesen, der Propagandafilm „Jud Süß“ sei in Anlehnung an Lion Feuchtwangers gleichnamigen Roman entstanden, andererseits aber auch, er basiere auf Wilhelm Hauffs Novelle mit dem Titel „Jud Süß“. Durch diesen Widerspruch entschied ich mich nun endgültig dazu, mich diesem Thema zuzuwenden.

1.2 Propagandafilme in der Zeit von 1933 bis 1945

Propagandafilme entwickelten sich im Laufe der Herrschaft der NSDAP in verschiedenste Richtungen. Schon unmittelbar nach der Machtergreifung 1933 entstanden mit „Hitlerjunge Quex“ und „SA-Mann Brand“ zwei Filme, deren Namen bis heute bekannt sind. Da das damalige Publikum zu diesem Zeitpunkt noch nicht für die Nazi-Ideologie sensibilisiert war, stießen beide Filme auf negative Resonanz und es wurde danach erst einmal auf diese Art von sehr direkter Propaganda verzichtet. In der Zeit von 1934 bis 1939 gab es auch Filme, die im Auftrag der Regierung gedreht wurden, wie Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“, Propagandafilme im ursprünglichen Sinne kamen dann aber erst wieder mit Deutschlands Einmarsch in Polen 1939 und dem damit verbundenen Ausbruch des 2. Weltkrieges auf.

In den darauf folgenden Kriegsjahren wurden dann besonders viele Propagandafilme gedreht, denn zum einen galt es, die daheim gebliebenen Frauen und Kinder weiterhin von der antisemitischen Idee und der Heldenhaftigkeit ihrer Männer und Väter zu überzeugen, zum anderen aber wurden Filme für die Motivation und Unterstützung der Frontsoldaten gedreht. Immer wieder passten sich die Filmthemen den Kriegsereignissen an, als im weiteren Kriegsverlauf immer mehr Frauen die Arbeit der Männer übernehmen mussten, boten auch die Filme plötzlich starke Frauen in wichtigen Rollen. Bekannte Filme aus dieser Zeit sind sind neben „Jud Süß“, „Der ewige Jude“ von Fritz Hippler, „Stukas“ von Karl Ritter und Veit Harlans „Kolberg“, der mit 8 Millionen Reichsmark der teuerste Film in der NS-Zeit war.

Der Film „Jud Süß“ nimmt hierbei noch eine besondere Stellung ein, Berichten zufolge wurde dieser Film nicht nur der Bevölkerung in Kinos, sondern auch SA-Männern vor Einsätzen gegen Juden gezeigt, sowie der nichtjüdischen Bevölkerung wenn Deportationen bevorstanden2. Diese Tatsache stellt sicherlich den direktesten und menschenverachtendsten Einsatz von Propagandafilmen dar. Außerdem wurde „Jud Süß“ ins Französische, Niederländische, Dänische und Norwegische synchronisiert, damit er auch in den besetzten Ländern gezeigt werden konnte3.

2 Hauptteil

2.1 Die Person Joseph Oppenheimer

Zuerst einmal gilt es zu klären, was die Person Joseph Süß Oppenheimer ausmacht, und warum auf der Grundlage dieser Person zwei Filme und zwei Bücher entstanden sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Joseph Oppenheimer, dessen voller Name Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer ist, wurde im März 1698 in Heidelberg geboren. Wie für Juden zur damaligen Zeit üblich, begann Oppenheimer eine Laufbahn als Finanzier. Er kam sehr bald zu Ansehen, indem er vor allem Adligen zu Krediten verhalf und ihnen somit ihr verschwenderisches Leben finanzierte. Er arbeitete für den Pfälzischen und Kölner Kurfürsten, den Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg und schließlich auch für dessen Nachfolger, Karl Alexander. Unter diesem stieg Joseph Oppenheimer endgültig zum Finanz- und Wirtschaftsfachmann in Württemberg auf, als er schließlich zum Geheimrat ernannt wurde. Seine Hauptaufgabe zu dieser Zeit war es, durch die Verwaltung von Steuern und Abgaben den immensen Geldbedarf von Herzog Karl Alexander zu decken und gleichzeitig den desolaten Finanzhaushalt Württembergs zu egalisieren. Er führte Monopole, Ämterhandel und Münzverschlechterungen ein.

Oppenheimers Karriere endete jäh mit dem Tod Herzogs Alexander 1737 durch einen Schlaganfall. Schon im Vorfeld gab es viele Gegner seiner Finanzpolitik, da die Pläne vom absolutistischen Herzog ohne die Zustimmung der protestantischen Landesstände umgesetzt wurden, was gegen die Württembergische Verfassung verstieß. Dadurch, dass J.S. Oppenheimer die Beamtengehälter besteuern ließ, Handelsrechte für Salz, Leder und Wein verkaufte und in seiner Amtszeit unter Karl Alexander zu einem unverhältnismäßigen Wohlstand gekommen war, gab es Neid und Hass bei den Bürgern und Beamten, der sich nach dem Tod des Herzogs widerstandslos entlud.

Joseph Süß Oppenheimer wurde der Prozess gemacht, die Anklageliste war lang und

„lautete auf Hochverrat, Majestätsbeleidigung, Beraubung der staatlichen Kassen, Amtshandel, Bestechlichkeit, Schändung der protestantischen Religion und fleischlichen Umgang mit Christinnen4.“ Er wurde schließlich zum Tode verurteilt und vor den Toren Stuttgarts erhängt. Seine Leiche blieb 6 Jahre lang als Warnung in einem eisernen Käfig hängen, bis sie abgenommen und am Fuß des Galgens verscharrt wurde.

2.2 Die Novelle „Jud Süß“ von Wilhelm Hauff

2.2.1 Inhaltsangabe

Die Hauptfigur von Wilhelm Hauffs „Jud Süß“ ist wie erwähnt, der Finanzminister von Baden-Württemberg, Joseph Süßkind Oppenheimer. Es ist Karneval und zu diesem Anlass gibt es einen großen Festball in Stuttgart. Es sind eine Menge wichtiger Leute, genauso wie einfacheres Volk anwesend. Obwohl zu dieser Zeit eigentlich nicht denkbar, können die Oberen unter dem Schutz der Karnevalsmasken an diesem Tag auch einmal von der Bevölkerung ungestraft kritisiert werden. Das durch Oppenheimers Reformen gebeutelte Volk treibt es damit aber zu weit und Süß lässt, in einer für ihn stigmatischen Willkür, jemanden für eine all zu offene Kritik in Gewahrsam nehmen. Diese Person ist der Sohn des Landschaftkonsulenten Lanbeck und wie sich herausstellt, war die Festnahme kein Zufall. Lanbeck ist schon seit längerer Zeit an Oppenheimers Schwester interessiert und so nutzt Süß die Gelegenheit, ihn in eine Zwickmühle zu manövrieren. Er entlässt ihn aus der Haft, bietet ihm eine Anstellung als Expeditionsrat an und fordert ihn auf seine Schwester zu heiraten. Lanbeck muss das Angebot annehmen, weil Süß glaubhaft mit seiner Macht droht, ihn ohne weiteres in einen dunklen Kerker sperren lassen zu können. Allerdings ahnt Lanbeck schon eine Ächtung durch die Gesellschaft wenn die, bis dahin geheime Beziehung zu einer Jüdin ans Licht kommt und seine Freunde erfahren, wie er zur Anstellung als Expeditionsrat gekommen ist.

Später erfährt der Vater von der ganzen Geschichte und er beginnt zusammen mit den Landständen einen Aufstand zu planen. Eines Nachts reiten sie nach Stuttgart, mit dem Ziel Süß zu stürzen. Kurz vor ihrem Ziel kommt ihnen dieser aber entgegen, denn er ist geflüchtet, nachdem der Herzog an einem Schlaganfall gestorben ist. Sie nehmen Süß in

[...]


1 Nur unter Auflagen vorführbar, die so genannten „Vorbehaltsfilme“ Siehe auch Link 4a

2 Vergleiche Artikel des Deutschen Historischen Museums, Autor Unbekannt, Link 1b

3 ebd.

4 Wikipedia.de : Jospeh Süß Oppenheimer. Link 4b

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Die Novelle „Jud Süß“ von Wilhelm Hauff im Vergleich zu Veit Harlans Verfilmung in Nationalsozialistischer Zeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V111885
Dateigröße
755 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Novelle, Süß“, Wilhelm, Hauff, Vergleich, Veit, Harlans, Verfilmung, Nationalsozialistischer, Zeit
Arbeit zitieren
Tilman Bremer (Autor), 2006, Die Novelle „Jud Süß“ von Wilhelm Hauff im Vergleich zu Veit Harlans Verfilmung in Nationalsozialistischer Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111885

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