Das Ziel der Hausarbeit liegt in der Darstellung von Judith Butlers Theorie des performativen Geschlechts. Dabei soll ferner auch auf die vorausgesetzten Theorien anderer Autoren eingegangen werden, so wie Derridas Theorie der Iterabilität, Foucaults Theorie des Diskurses und Austins Theorie der Sprechakte. Es wird gezeigt werden, dass Geschlechtsidentitäten in die Kategorien anatomisches Geschlecht (sex), Geschlechtsidentifikation, Gender Performanz (gender performativity) und Zuschreibung aufgeschlüsselt werden können und diese Kategorien sich wechselseitig bei der Produktion und Aufrechterhaltung einer kohärenten, geschlechtlich bestimmten Identität beeinflussen. Dabei soll der Bedeutung von Geschlechtsidentität kein vorontologischer Status zukommen, sondern ein Zustand der stetigen Konstruktion und Verhandlung im Diskurs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gender und Sex
3. Identität
4. Der Diskurs und die Norm
5. Die Performativität
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, Judith Butlers Theorie des performativen Geschlechts darzulegen und in den Kontext bestehender Theorien, wie etwa jener von Derrida, Foucault und Austin, einzuordnen. Dabei wird kritisch untersucht, inwieweit Geschlechtsidentitäten nicht als vorgegebene biologische Fakten, sondern als diskursiv konstruierte, stetig verhandelte Prozesse zu verstehen sind.
- Die Dekonstruktion der essentialistischen Trennung von biologischem Geschlecht (sex) und sozialer Rolle (gender).
- Die Analyse der Identitätsbildung als normativer Prozess innerhalb diskursiver Strukturen.
- Die Anwendung der Sprechakttheorie von John L. Austin zur Erklärung der performativen Dimension von Geschlecht.
- Die Untersuchung der machttheoretischen Implikationen bei Foucault und deren Übertragung auf die Geschlechterordnung.
- Die kritische Reflexion über die Grenzen und Herausforderungen des konstruktivistischen Ansatzes.
Auszug aus dem Buch
3. Identität
Das Konzept der Identität, auf das sich die meisten Menschen bewusst oder unbewusst bei der Verwendung des Begriffs berufen, ist »die Vorstellung einer kontinuierlichen, sich selbst genügenden, sich entwickelnden und entfaltenden inneren Dialektik des Ich.« (Hall, 1994, S. 67).
»Sie enthält den Gedanken des wahren Ich, eines wirklichen Ich, das in uns vorhanden und in den Schalen all der zahlenreichen falschen Ichs verborgen ist, die wir dem Rest der Welt präsentieren. Es ist ein Garant unserer Authentizität. Erst wenn wir uns ganz nach innen kehren und hören, was das wahre Ich zu sagen hat, werden wir wissen, was wir >wirklich< sind.« (Hall, 1994, S.67)
Die Identität ist also per Definition das wahre Selbst eines Subjekts, das Subjekt ist gleichsam seine Identität. Nach diesem Verständnis müsste eine Geschlechteridentität das wahre Selbst des Subjekts darstellen, sie müsste gleichsam seine Essenz sein, die nicht ohne den Körper gedacht werden kann. Dadurch würde die Identität des Subjekts erst in Folge der Bestimmung seines anatomischen Geschlechts bestimmbar sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, indem sie Drag als performative Kunstform nutzt, um essentialistische Überzeugungen bezüglich des Geschlechts in Frage zu stellen und die theoretische Basis der Arbeit vorstellt.
2. Gender und Sex: Dieses Kapitel arbeitet die begriffliche Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender) heraus und stellt den Konstruktivismus dem Essenzialismus gegenüber.
3. Identität: Hier wird das populäre Konzept der Identität als innerer Kern hinterfragt und mithilfe von Derridas Begriff der Iterabilität als Zitat bzw. diskursive Position dekonstruiert.
4. Der Diskurs und die Norm: Das Kapitel analysiert nach Foucault, wie Diskurse durch Machtstrukturen definieren, was als normal gilt und wie Geschlechteridentitäten als ordnende Kategorien innerhalb dieser Diskurse funktionieren.
5. Die Performativität: Basierend auf Austins Sprechakttheorie wird hier dargelegt, dass Geschlecht durch wiederholte Handlungen erzeugt wird, die für die Subjekte als natürliche Essenz erscheinen.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und wirft kritische Fragen hinsichtlich der Konsequenzen einer rein performativen Geschlechtertheorie auf.
Schlüsselwörter
Geschlecht, Performativität, Diskurs, Identität, Konstruktivismus, Essenzialismus, Macht, Sprechakt, Iterabilität, Gender, Sex, Judith Butler, Foucault, Norm, Transsexualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Theorie des performativen Geschlechts nach Judith Butler und hinterfragt die Annahme, dass Geschlechtsidentität biologisch determiniert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Unterscheidung von Gender und Sex, die Rolle von Diskursen bei der Identitätskonstruktion sowie die Machtmechanismen, die Geschlechternormen aufrechterhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu zeigen, dass Geschlechtsidentitäten keine vorontologischen Tatsachen sind, sondern durch stetige diskursive Verhandlung und wiederholte performative Akte konstruiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse poststrukturalistischer Ansätze, insbesondere die Diskurstheorie von Foucault, die Sprechakttheorie von Austin und die Dekonstruktion von Butler und Derrida.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Identität als diskursivem Konstrukt, die Rolle von Macht und Normen im gesellschaftlichen Diskurs sowie die detaillierte Analyse der Performativität als Prozess der Geschlechtsherstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Performativität, Geschlecht, Diskurs, Konstruktivismus, Macht und Identitätsbildung charakterisiert.
Wie erklärt die Autorin die Rolle der Drag-Performance in diesem Kontext?
Drag dient als exemplarisches Beispiel für eine performative Kunstform, die die Annahme herausfordert, geschlechtertypisches Verhalten sei eine Natursache.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Fragilität der Identität?
Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Identität fragil ist, da sie auf der ständigen Anerkennung durch Andere und dem erfolgreichen Erfüllen diskursiv festgelegter Normen basiert.
- Arbeit zitieren
- Dennis Enßlen (Autor:in), 2019, Geschlecht als performativer Akt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118856