Die Rational Choice Theorie

Konflikte und Kooperationen


Hausarbeit, 2008
17 Seiten, Note: 1,3

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Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE RATIONAL-CHOICE THEORIE
2.1. GRUNDANNAHMEN DER RATIONAL-CHOICE THEORIE
2.2. DIE SPIELTHEORIE
2.2.1. Das Gefangenendilemma

3. KONFLIKTE UND KOOPERATIONEN IN DER RATIONAL CHOICE THEORIE
3.1. DIE LOGIK KOLLEKTIVEN HANDELNS
3.2. KONFLIKTE AUF DER MAKRO-UND MIKROEBENE
3.3. ANREIZE ZUR KOOPERATION

4. ABSCHLUSSBEMERKUNG

1. Einleitung

Dem Rational-Choice Ansatz liegt das Prinzip des methodologischen Individualismus zu Grunde, nach welchem die Analyse und Erklärung kollektiver Phänomene, auf das Handeln von Akteuren in bestimmten sozialen Situationen zurückgeführt werden kann. Die einzelnen Akteure handeln dabei so, dass sie ihre Ziele unter Berücksichtigung der Handlungsbeschränkungen in höchstem Maße verwirklichen können – sie folgen also dem Grundsatz der Nutzenmaximierung.1 (Kunz 2004: 32) Die Grundannahmen dieser Nutzentheorie liefern demnach nicht nur Erklärungen für individuelles Handeln, sondern lassen sich auch auf kollektive beziehungsweise auf korporative Akteure anwenden. Zu den einflussreichsten Anwendungen gehört dabei die Analyse kollektivem Handeln nach Mancur Olsen (ebd.: 59), der das Problem gesellschaftlicher Kooperation aufgreift und den Konflikt zwischen individueller Rationalität und kollektiver Handlung aufzeigt. Wir wissen, dass die Menschen keine Engel sind und dass sie in erster Linie dazu neigen, für sich selbst und ihre eigenen Interessen zu sorgen. Demgegenüber ist uns aber auch bekannt, dass Kooperationen vorkommen und sie auch die Grundlage unserer Zivilisation bilden. (Axelrod 1991: 3) Die Frage die sich daraus ergibt ist: „Unter welchen Umständen sind Akteure bereit, miteinander zu kooperieren?“(Kunz 2004: 87).

In dieser Arbeit soll es nunmehr darum gehen, sich mit dem Problem gesellschaftlicher Kooperation auseinanderzusetzen und in diesem Zusammenhang den bestehenden Konflikt spezifischer herauszuarbeiten. Zunächst soll dabei die Rational-Choice Theorie und deren Grundannahmen – mit Blick auf die Spieltheorie und besonders dem sogenannten Gefangenen-Dilemma – kurz erläutert werden. Daran anschließend werden spezifische Betrachtungen zur Analyse des kollektiven Handelns auf der Basis von Mancur Olsen dargestellt, so dass letztlich eine Herausarbeitung des Konfliktes möglich ist und Anreize zur Konfliktvermeidung aufgezeigt werden können.

2. Die Rational-Choice Theorie

2.1. Grundannahmen der Rational-Choice Theorie

Aus der allgemeinen Definition der Soziologie sowie der Darstellung der soziologischen Erklärungen ist die zentrale Bedeutung des individuellen Verhaltens, für die Erklärung sozialer Tatbestände und somit der Nutzen einer allgemeinen Handlungstheorie bekannt. Es gibt diesbezüglich eine ganze Reihe verschiedener Theorien: „von behavioristischen Lern-und Verhaltenstheorien, über den rollen-und normorientierten Homo sociologicus und der Austauschtheorie bis hin zu phänomenologischen Alltagstheorien“ (Hill 2002: 29). Allen gleich sollte dabei der Anspruch auf Anwendbarkeit für alle Akteure und Handlungssituationen sein, wobei sich auch die Rational-Choice Theorie bemüht, diesem Anspruch gerecht zu werden. Der Rational-Choice Ansatz wird dabei meist mit einer Handlungstheorie assoziiert, die individuelles Verhalten als Resultat eines Maximierungskalküls darstellt und obwohl dies den handlungstheoretische Kern von Rational-Choice ausmacht, sind noch weitere Kernannahmen für die Erklärung sozialer Phänomene ebenso bedeutsam. Zu diesen Kernannahmen gehört das Prinzip des methodologischen Individualismus, d.h. dass für sozialwissenschaftliche Erklärungen auf die handelnden Individuen zurückgegriffen werden muss, wonach der Rational-Choice-Ansatz notwendigerweise mindestens zwei Ebenen beinhaltet: Die Makroebene mit kollektiven Phänomenen oder kollektiven Verhalten und die Mikroebene mit Individuen und deren Handlungen. (Abraham 2001: 2) Abbildung 1 stellt diese Ebenen dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: strukturell-individualistisches Erklärungsmodell

Quelle: Abraham 2001: 3

Es wird ersichtlich, dass in einem ersten Schritt sogenannte Brückenannahmen formuliert werden müssen, die einen Zusammenhang zwischen individuellen Handlungssituationen und der Ausgangssituation auf der Makroebene herstellen – es geht also um „die Einbettung der Interaktionsbeziehungen in eine rechtliche Ordnung, institutionelle Regelungen oder den sozialen Kontext“ (Abraham 2001: 2). Im zweiten Schritt werden dann auf der Mikroebene Annahmen über die Art und Weise notwendig, wie die Akteure in dieser Situation handeln und welche individuellen Folgen damit verbunden sind. Letztlich muss dann in einem dritten Schritt geklärt werden, wie aus den individuellen Handlungen und Handlungsfolgen ein kollektives Phänomen entstehen kann.2

Neben dem Prinzip des methodologischen Individualismus bestehen allerdings noch weitere theoretische Annahmen über die Mikroebene für die Rational-Choice-Theorie. Es wird davon ausgegangen, dass Menschen motiviert bzw. zielgerichtet handeln, d.h. sie versuchen „auf der Grundlage der jeweiligen Möglichkeiten und unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände ihre persönlichen Ziele zu erreichen“(Abraham 2001: 3). Ihr handeln ist somit durch Präferenzen, Wünsche oder Motiven verursacht. Eine weitere Annahme geht davon aus, dass sogenannte Handlungsrestriktionen, welche den Individuen auferlegt sind, Bedingungen für ihr Handeln darstellen („constraints“) und dass desweiteren die Handlungen dem Prinzip der Nutzenmaximierung folgen. (Kunz 2004: 36) Jeder Akteur verfolgt letztlich also mit seinen Handlungen bestimmte Ziele. Die Handlungsbeschränkungen und Handlungsmöglichkeiten setzen in diesem Zusammenhang bestimmte Anreize für bestimmte Handlungen. Die positiv bewerteten Anreize sind mit positiven Nutzen und die negativ bewerteten Anreize mit negativem Nutzen – also Kosten des Handelns – verbunden. Die Gesamtheit dieser Anreizstruktur, wie sie letztlich der Akteur wahrnimmt, definiert die Logik der Situation, in der sich der Akteur befindet. Er ist in diesem Zusammenhang bemüht, das Beste aus seiner Situation zu machen.3 (ebd.: 37) Dabei hat der einzelne Akteur in einer bestimmten Handlungssituation immer mehrere Handlungsmöglichkeiten in denen verschiedene Bedürfnisse befriedigt werden können. Die neoklassische Wirtschaftstheorie hat in diesem Sinne aufgezeigt, dass der Akteur dabei nicht in der Lage ist alle Bedürfnisse gleichzeitig zu befriedigen bzw. alle Handlungen gleichzeitig auszuführen. „Das Besondere an den Rational Choice Modellen nun ist, daß man ganz bestimmte Annahmen über die Wahl macht“4 (Braun 1999: 33) Die Rationalität wird demnach in den Modellen rationaler Wahlhandlungen zu einem Vorgehen der genau kalkulierten und auf sich bezogenen Bedürfnisbefriedigung des Akteurs. Dem Individuum wird dabei unterstellt, dass es jederzeit in der Lage ist die Handlungsalternativen gegeneinander abzuwiegen. In diesem Zusammenhang ist es nicht möglich eine Entscheidung für eine Handlung ohne Kosten zu treffen, da jede Entscheidung für eine Handlungsalternative immer verbunden ist mit einer Entscheidung gegen eine andere Handlungsalternative. Allerdings bezieht sich die Entscheidung immer auf die Ziele des Handelnden und den Restriktionen, die aus seiner Sicht von Bedeutung sind und so besteht die Rationalität doch immer in der Fähigkeit der Akteure sich zwischen besser und schlechter widerspruchsfrei zu entscheiden.5 (Kunz 2004: 37f)

In diesem Zusammenhang ist letztlich auch zu berücksichtigen, dass die Handlungen der einzelnen Akteure nicht immer zu beabsichtigten, sondern auch zu unbeabsichtigten Folgen führen können. Die Modellierung dieser unbeabsichtigten Folgen ist dabei ein zentraler Bestandteil der Spieltheorie als eine Handlungstheorie.

2.2. Die Spieltheorie

Der Ausgangspunkt der Spieltheorie sind Entscheidungssituationen, die durch eine wechselseitige Verschränkung der Handlungsoptionen gekennzeichnet sind, d.h. es geht hierbei um Entscheidungen bzw. Handlungswahlen, wo der Akteur die Entscheidungen anderer Akteure in seine miteinbeziehen muss und jeder Entscheider auch davon ausgeht, dass sich alle anderen dieser Interdependenz bewusst sind.(Kunz 2004: 53) Die Spieltheorie (die „Wissenschaft vom strategischen Denken“) betrachtet dabei Situationen mit zwei oder mehr Spielern, wo jeder einzelne die Wahrscheinlichkeiten und die strategischen Überlegungen seiner Gegenspieler einbeziehen muss. Auf der allgemeinen Annahme rationalen Selbst-Interesses und der Nutzentheorie trifft jeder selbst Entscheidungen, die seine Ziele am besten realisieren. Die Folgen der jeweiligen Entscheidungen lassen sich dabei am besten durch ein sogenanntes Nicht-Nullsummenspiel aufzeigen.6 Ein Nicht-Nullsummenspiel zeichnet sich dadurch aus, dass Ergebnisse auftreten können, bei denen die Spieler zusammen besser wegkommen, nämlich wenn sie kooperieren. Die interessantesten Spiele sind dabei die, wo sowohl Interessenübereinstimmung als auch Interessenkonflikte auftreten können – sie sind auch gerade für die Sozialwissenschaften von besonderem Interesse, da sie Verhandlungen zulassen. Eines der bekanntesten Nicht-Nullsummenspiele, welches „zu überraschenden Ergebnissen führt […] und eine Menge vertrauter strategischer Situationen modelliert“ (Gutsche 2003: 12) ist das sogenannte Gefangenendilemma.

2.2.1. Das Gefangenendilemma

Das Gefangenendilemma ist das klassische Problem der Spieltheorie zur Abbildung einer interpersonellen Konfliktsituation. Dabei handelt es sich „um ein sogenanntes Spiel mit gemischten Motiven („mixed motive game“)“ (Kunz 2002: 464) mit zwei Spielern, von denen jeder zwei Entscheidungsmöglichkeiten hat: zu kooperieren oder zu defektieren. Das Dilemma besteht darin, dass sich zwar beide Spieler durch Kooperation besser stellen würden, es letztlich aber immer vorziehen nicht miteinander zu kooperieren. Beide Akteure kennen in diesem Spiel ihre Handlungsalternativen und die damit verbundenen Konsequenzen, d.h. sie treffen ihre Entscheidung unter völliger Information. Allerdings sind diese Informationen „nicht perfekt, da jeder Akteur unabhängig von und unter Unkenntnis der Entscheidung des Anderen seine Auswahl zwischen beiden Alternativen treffen muss“ (ebd.: 55). Die Abbildung 2 stellt eine mögliche Matrix (Auszahlungsmatrix) dieses Spiels dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beispiel einer Auszahlungsmatrix im Gefangenendilemma

Quelle: Kunz 2004: 56

[...]


1 Das Prinzip der Nutzenmaximierung wird auch als „Rationalität des Handelns“ bezeichnet (Kunz 2004: 32)

2 Alle drei Schritte oder auch „Logiken“ ermöglichen eine Verknüpfung von Makro-und Mikroebene, wobei ihnen spezifische Bezeichnungen gegeben sind: Logik der Situation, Logik der Selektion und Logik der Aggregation (Kunz 2002: 466).

3 Der Akteur folgt somit den Anreizen der Situation (Kunz 2004: 37)

4 Man spricht hierbei von der „Logik der Selektion“, welche nach genau festgelegten Regeln verläuft (Braun 1999: 33)

5 Dies macht eine Rationalitätsprämisse aus, die als Konsistenzbedingung bezeichnet wird. Desweiteren beinhaltet die Rationalität auch die sogenannte Transitivitätsbedingung, d.h. „wenn Sachverhalt A gegenüber Sachverhalt B vorgezogen wird und Sachverhalt B gegenüber Sachverhalt C, dann muss Sachverhalt A gegenüber Sachverhalt C vorgezogen werden“ (Kunz 2004: 38)

6 Ein Nullsummenspiel wäre hier weniger geeignet, da es sich um ein Spiel handelt, wo der Gewinn des einen Spielers gleich dem Verlust des anderen entspricht, d.h. die Summe der Auszahlungen ist Null und dieses Spiel lässt keine Kooperation zu. (Gutsche 2003: 11)

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Die Rational Choice Theorie
Untertitel
Konflikte und Kooperationen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V111900
ISBN (Buch)
9783640127788
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rational, Choice, Theorie
Arbeit zitieren
Anja Kornemann (Autor), 2008, Die Rational Choice Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111900

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