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Todorovs fantastisches Kriterium der Unschlüssigkeit demonstriert anhand visueller Gestaltungsmittel im Spielfilm Unbreakable

Title: Todorovs fantastisches Kriterium der  Unschlüssigkeit  demonstriert anhand visueller Gestaltungsmittel im Spielfilm  Unbreakable

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Karin Ostertag (Author)

Theater Studies, Dance
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Summary Excerpt Details

Shyamalans Film "Unbreakable" ist eine Hommage an den Glauben an das Unglaubliche. Er
huldigt dem kindlichen Vertrauen in einen Supermann, einen Helden des Guten und
Unbesiegbaren. Meist geht dieses Vertrauen im Zuge des Erwachsenwerdens zugrunde,
spätestens nach Entdeckung der Schwerkraft, oder den ersten, bewusst miterlebten Tränen des
eigenen Vaters.
Die Hauptfigur Elijah Price (Samuel L. Jackson), Galerist und Comic-Fetischist, widersetzt
sich jedoch den Gesetzen des Erwachsenwerdens. An der Krankheit Osteogenesis Imperfekta
leidend, durch die seine Knochen ungewöhnlich zerbrechlich sind, hat er viele Tage seiner
Kindheit im Krankenhaus Comic-lesend verbringen müssen. Aufgewachsen mit den
fiktionalen Realitäten des Comics, glaubt er, deren essentielle Wahrheiten in der realen
Realität aufspüren zu können.
Nach langem Suchen hat Elijah tatsächlich ein vermeintlich unverletzliches Alter ego David
Dunn (Bruce Willis) aufgespürt: Er war der einzige Überlebende eines Zugunglücks. Daher ist
er überzeugt, dass David unentdeckte übermenschliche Fähigkeiten besitzt. Im Glauben, einen
klassischen Helden gefunden zu haben, stilisiert sich Elijah nun als den Gegenpart: den
Bösewicht - strikt nach den dramaturgischen Gesetzen der Comicwelt, die grundsätzlich den
Kampf zwischen Gut und Böse illustriert.
Elijahs Spürsinn für die Gesetze des Comics in der Realität und Davids realistische Skepsis
lassen den Zuschauer im Kino schwanken zwischen Glauben und Unglauben an das
Übernatürliche. Ist David wirklich ein unverletzbarer Held oder ist Elijahs Weltbild schon so
comicinfiltriert, dass er die Gesetze der Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden kann?
Im Folgenden werden am Beispiel von Shyamalans Film "Unbreakable" konstituierende
Elemente des Fantastischen d.h. Caillois’ Riß und die Unschlüssigkeit Todorovs anhand
cineastischer Gestaltungsmittel aufgespürt. Hierbei kann Todorovs Konzentration auf den
literarischen Text, den er strukturell als genuin phantastisch deklariert, nicht ignoriert werden.
Der Frage, ob seine literaturtheoretische Fantastik-Konzeption auf das visuelle Medium Film
übertragbar ist, wird daher durch die Vorstellung dramaturgischer und thematischer Aspekte
sowie visueller Stilmittel auf den Grund gegangen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. Fantastik

A.1. Caillois’ Riß-Definition

A.2 Todorovs Unschlüssigkeit

A.3. Erzählperspektive

B. "Unbreakable"

B.1 dramaturgischer Aufbau

B.2 Ambiguität im Bild

B.3 Realität der Gefühle

B.4 Der reale Glaube

B.5 Ist Fantastik obsolet?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Übertragbarkeit literaturtheoretischer Konzepte des Fantastischen, insbesondere Caillois’ "Riß" und Todorovs "Unschlüssigkeit", auf das visuelle Medium Film am Beispiel von M. Night Shyamalans "Unbreakable". Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und wie filmische Gestaltungsmittel dazu genutzt werden können, beim Zuschauer eine ambivalente Haltung zwischen rationaler Erklärung und übernatürlichem Glauben zu erzeugen, die das Fantastische konstituiert.

  • Analyse der Fantastik-Definitionen von Caillois und Todorov.
  • Untersuchung der Rolle der Erzählperspektive und Identifikationsstrategien.
  • Dramaturgischer Aufbau des Films als Spannungsfeld zwischen Skeptizismus und Glauben.
  • Einsatz visueller Stilmittel (Kamera, Mise-en-Scène) zur Erzeugung von Ambiguität.
  • Diskussion über die Aktualität und Obsolezenz des Fantastischen im modernen Film.

Auszug aus dem Buch

B.2 Ambiguität im Bild

Doch das Schwanken des Zuschauers zwischen zwei Wirklichkeiten, wird nicht nur durch die Identifikation des Zuschauers mit einem ebenfalls unschlüssigen Charakter provoziert.

Die Ambiguität in "Unbreakable" liegt auch im gekonnten Spiel, mit dem vom Zuschauer vorausgesetzten Wahrheitsbeweises im konkreten Bild, seinem medialen Bewusstsein. Noel Carroll bemerkt, dass im filmischen Bild durchaus Zweideutigkeiten durch z.b. unscharfe, überbelichtete oder unterbelichtete Erscheinungen erzeugt werden können. Doch dies käme, verglichen mit Todorovs inhärenten Ambiguität des sprachlichen Zeichens höchstens einem 'unklaren Nuscheln' gleich. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten durch ein scharfes, gut ausgeleuchtetes Bild, dem Zuschauer, ohne zu 'nuscheln' oder zu 'lügen', entscheidende Information vorzuenthalten, und Zweideutigkeiten zu provozieren.

Es gibt zwei entscheidende Szenen, in denen der Riß, der Angriff auf die rationale Wirklichkeit, stattfindet. Verglichen mit anderen Horror oder Fantasy-Geschichten, wo übernatürliche Wesen, wie zum Beispiel Vampire, Werwölfe etc. auftreten und diesen Bruch quasi personifizieren, führt Shyamalan uns eigentlich keinen direkten Bruch vor. Er praktiziert eher eine fast unmerkliche Übertreibung physikalischer Gesetzmäßigkeiten, die den Riß sehr subtil wirken lassen. Er adoptiert 'wortwörtlich' die Comic-Philosophie des Antagonisten, der überzeugt ist, dass die Comic-Wirklichkeit nur eine Überzeichnung der realen Wirklichkeit sei: a slightly skewed perspective.

Shyamalan schreibt David explizit keine übermenschlichen Fähigkeiten zu. Wir sehen ihn im Kampf mit dem Mörder keine übernatürlichen Kräfte anwenden. Er schleudert ihn im Zweikampf nicht mühelos durch die Luft, er überwindet auch nicht die Schwerkraft, wie es der klassische Supermann im Comic tun könnte. Dennoch entsteht durch die Choreographie und die Kameratechnik ein dubioses Bild von Davids Fähigkeiten als 'Supermann'. So wird die Photographie der Kampfszene zur Überzeichnung der Wirklichkeit, ohne brutal mit ihr zu brechen:

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Fantastik als Spiel mit dem Glauben und Vorstellung der Zielsetzung, Todorovs und Caillois' Konzepte auf den Film "Unbreakable" anzuwenden.

A. Fantastik: Theoretische Grundlegung durch die Analyse der Fantastik-Definitionen von Caillois (Riß-Modell) und Todorov (Unschlüssigkeit als rezeptionsästhetisches bzw. strukturales Kriterium).

B. "Unbreakable": Anwendung der theoretischen Ansätze auf die filmische Struktur, wobei dramaturgische Mittel, Bildgestaltung, die Darstellung von Gefühlen und die Reflexion über das Genre diskutiert werden.

Schlüsselwörter

Fantastik, Todorov, Caillois, Unschlüssigkeit, Unbreakable, Shyamalan, Riß, Filmtheorie, Comic, Ambiguität, Fiktion, Realität, Erzählperspektive, Superheld, visuelle Gestaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie der Spielfilm "Unbreakable" das literaturtheoretische Konzept der fantastischen "Unschlüssigkeit" nach Todorov durch filmische Mittel reproduziert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Definition des Fantastischen, die Verbindung von Comic-Strukturen mit der filmischen Realität und die Analyse der Zuschauerreaktion durch narrative und visuelle Ambiguität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob Todorovs literaturtheoretische Fantastik-Konzeption auf den Film übertragbar ist und wie Regisseur Shyamalan durch spezifische Gestaltungsmittel das Schwanken zwischen rationaler und fantastischer Deutung erzeugt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse unter Heranziehung strukturalistischer Ansätze (Todorov, Saussure) sowie medien- und rezeptionsästhetischer Konzepte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Dramaturgie des Films, die Verwendung von Kamera und Mise-en-Scène zur Erzeugung von Ambiguität, die "Realität der Gefühle" und die Rolle des Comics als Bezugssystem.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fantastik, Unschlüssigkeit, Riß, Ambiguität, mediales Bewusstsein und Comic-Dramaturgie charakterisiert.

Inwiefern spielt der "Riß" bei Caillois eine Rolle für den Film?

Der "Riß" dient als Modell für den Moment, in dem die gewohnte rationale Welt durch scheinbar übernatürliche Ereignisse irritiert wird; im Film wird dies durch subtile Übertreibungen physikalischer Gesetze erreicht.

Wie erzeugt der Film die von Todorov geforderte Unschlüssigkeit beim Zuschauer?

Indem der Film dem Zuschauer keine eindeutigen Beweise für übernatürliche Kräfte liefert, sondern den Protagonisten als Skeptiker und den Antagonisten als gläubigen Comic-Fan gegenüberstellt, bleibt der Zuschauer in der Schwebe.

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Details

Title
Todorovs fantastisches Kriterium der Unschlüssigkeit demonstriert anhand visueller Gestaltungsmittel im Spielfilm Unbreakable
College
Humboldt-University of Berlin  (Theaterwissenschaft/ Kulturelle Kommunikation)
Course
HS Dispositive des Fantastischen
Grade
1,0
Author
Karin Ostertag (Author)
Publication Year
2002
Pages
30
Catalog Number
V11191
ISBN (eBook)
9783638174190
ISBN (Book)
9783656760030
Language
German
Tags
todorovs kriterium unschlüssigkeit gestaltungsmittel spielfilm unbreakable
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karin Ostertag (Author), 2002, Todorovs fantastisches Kriterium der Unschlüssigkeit demonstriert anhand visueller Gestaltungsmittel im Spielfilm Unbreakable, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11191
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